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Full text of "Geschichte der Ludwig-maximilians-universität in Ingolstadt, Landshut, München: Zur Festfeier ..."

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GESCHICHTE 



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Zur -Festfeiei^^ 



IHRES VIERHÜNDERTJÄHRIGEN BESTEHENS 



IM AUFTRAGE DES AKADEMISCHEN SENATES 



VEBFASST VON 



DR CARLPRANTL, 

Ö. O. rnOF. D. THILOS. U. MITUL. D. AKAD. D. WIUCE.NBCII. 



ERSTER BAND. 



MÜNCHEN 1872. 

<;HRI8TIAN KAISER. 



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PRl\K VON C R SCHl-RUH IN MrNiHLN. 



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VORWORT. 



Als der akademische Senat mich im April d. J. 1868 mit dem 
Auftrage beehrte » eine Geschichte unserer Universität zu schreiben, 
hatte ich keine Vorstellung von der Fülle archivalischen Stoffes, 
welcher sich mir alsbald bei näherer Nachforschung darbot. Nach- 
dem die Schwierigkeiten, welche in dem von mir vorgefundenen 
Zustande des Üniversitäts-Archives lagen, allmälig überwunden waren, 
suchte ich die ganze reichhaltige Masse derartig zu verwerthen, dass 
nichts Wesentliches bei Seite blieb und jeder Leser, welcher noch 
ausfQhrlicher von jeder Einzelnheit Eenntniss nehmen will, einen 
genauen Nachweis der betreffenden Quelle erhält, üeberall, wo ohne 
weiteren Beisatz „Arch.-Gonserv/^ angeführt ist, bezieht sich das 
Citat auf das Münchener Archiv- Gonservatorium, in welchem unter 
dem Bubrum „Ingolstadt, Üniversitäts-Sachen'^ in 4 Tomi und 27 
Fascikeb ein überraschend reicher Schatz aufbewahrt ist. Indem die 
verschiedenen archivalischen Quellen in glücklicher Weise sich wech- 
selseitig ergänzen, dürfte im Allgemeinen keine fühlbare Lücke übrig 
geblieben sein; wo aber etwa einzelne Nebenpuncte aus älterer Zeit 
Etwas vermissen lassen, möchte die Schuld dem vorhandenen Quellen- 
Hateriale beizumessen sein. 

Kaum werde ich einen Tadel darüber befürchten müssen, dass 
ich die zwei uns nahe liegenden Perioden, d. h. die Landshuter und 
die Münchener, ungleich kürzer und unter Weglassung aller beur- 
theilenden Bemerkungen behandelt habe; es schien mir untfiunlicb, 
über Personen, welche noch die Lehrer der Generation waren, der 
ich selbst angehöre, geschweige etwa über Männer, welche ehemals 
meine Collegen waren oder es noch sind, oder auch über Zusäindie 

I 



YX Vorwort. 

und Einrichtungen 9 deren Urheber theils im frischen Gedächtnisse 
Aller sind und theils noch unter uns wandeln, in einer ofliciellen 
Schrift mich näher zu äussern. 

Beim Abdrucke der Urkunden (im 2. Bande), wobei ich mit Aus- 
nahme dreier nothgedrungener Fälle daran fest hielt, nur Documente 
aufzunehmen, welche bisher nirgends gedruckt sind, folgte ich im 
Ganzen den jetzt allgemein angenommenen , Grundsätzen , wenn auch 
meine persönliche Ansicht mich zuweilen dazu führte, die ortho- 
graphischen Unarten mit grösserer Genauigkeit wiederzugeben, als 
nach üblicher Weise für nothwendig gilt. 

Der biographisch-bibliographische Theil (Schluss des 2. Bandes) 
bringt an betreffender Stelle auch Ergänzungen und Berichtigungen 
zu Bd. I, S. 44ü f. u. S. 506; dieselben wird jener Leser, dessen 
Augenmerk hauptsächlich nach dieser Richtung geht, nicht übersehen. 

Die Vorstände und Beamten des kgl. Beichs-Archives und des 
kgl. Archiv-Conservatoriums kamen meinen Wünschen in freigebigster 
Weise entgegen. Dem Herrn Universitäts-Bibliothekare Dr. Ludw. 
Kohler, welcher mich in Bearbeitung des biographisch-bibliographi- 
schen Theiles und durch Herstellung des Registers "bestens unter- 
stützte, bin ich zu wärmstem Danke verpflichtet; auch Herr Univer- 
sitäts-Actuar Theod. Turtur leistete mir bei der Repertorisirung 
und bei der hiedurch ermöglichten Benützung des Universitäts- 
Archives eine wesentliche Beihilfe. 

München, im Juli 1872. 



C. Pranll. 



INHALT. 



Seit« 

Erster Zeitranm. Von der Qründung der Universität bis znm 
Eintritte der Jesuiten S. 1 — 216 

Cap. 1. AUgemeineres 1 

Cap. 2. Vorbereitungen zur Qrfindnng der üniyersität .... 9 

Cap. H. Eröffnung nnd Stiftungsnrknnde 20 

Cap. 4. Die ersten Lehrer 32 

Cap. 5. Die allgemeinen üniTersitSts-Stataten 35 

Cap. 6. Statuten der theologischen FacoliSt 40 

Cap. 7. Statuten der juristischen FacultSt 48 

Cap. 8. Statuten der medicinisohen Facultftt 48 

Cap. 9 Statuten der Artisten-Faonltftt 62 

Cap. 10. Die ersten zwei Jahrzehnte der UniYersitfit 64 

Cap. 11. Die Stiftung des Georgianums 96 

Cap. 12. Die Periode von 1494—1518 *101 

Cap. 13. Die Periode Ton 1518—1550 141 

Zweiter Zeitranm. Vom Eintritte der Jesuiten bis zur Auf- 
bebung des Jesuiten-Ordens S, 217—615 

Cap. 1. Die Periode v. 1550—1588, d. h. bis zur ToUigen Be- 

Setzung der philosophischen Facult&t durch die Jesuiten 219 

Cap. 2. Die Periode t. 1588—1651 348 

Cap. 3. Die Periode v. 1651—1715 450 

Cap. 4. Die Periode t. 1715—1746 513 

Cap. 5. Die Periode v. 1746—1773 546 

Dritter Zeitraum. Das jüngste Jahrhundert der Universität 

S. 617—733 

Cap. 1. Die letzten Jahre in Ingolstadt, 1773—1800 619 

Cap. 2. Die Uniyersitfit in Landshut, 1800—1826 697 

Cap. 3. Manchen, seit 1826 720 



/ 



Erster Zeitraum. 

Von der Griinduiig der Universitilt bis zum 

Eintritte der Jesuiten. 



P r a n 1 1 , Qeschir.hte der UntTersltiit Müncheu I. 



Erster Zeitraum. 

Von der Gründung der Universität bis zum Eintritte 

der Jesuiten. 



Cap. 1. 
Allgemeineres. 

Aus den edelsten Regungen eines begabten und trefflichen For- 
sten entsprang um die Mitte des 15. Jahrhunderts der Entschluss, 
auf bayerischem Gebiete eine höhere Bildungsstätte ins Leben zu 
rufen, welche den Anforderungen damaliger Zeit möglichst genögen 
sollte, und dankbarst mdssen wir späte Nachkommen noch die Fein- 
heit und Sicherheit des GefOhles anerkennen, durch welches der hoch- 
herzige Gründer geleitet wurde, gerade an der Grenzscheide zweier 
grosser Geistesperioden die höchsten Interessen der Menschheit werk- 
thätig ins Auge zu fassen. Ohne Ahnung der hässlichen und wid- 
rigen Schicksale, welchen später die höliere geistige Pflege fast zuui 
Opfer fiel, konnte damals ein freigebiger Regent mit heiterer Zu- 
versicht dem Gedanken sicJi hingeben, auch in seinem Lande den all- 
*(cmeinen Aufschwung thatkräftigst zu fördern. Denn während die 
ans den vorhergehenden Jahrhunderten lierfiberragenden Lehranstalten 
der Scholastik an sich wahrlich nicht zur Nacheiferung reizen 
konnten, war ja allmälig eine neue Geistesströmung neben dieselben 
hingetreten, welche bereits an manchen anderen Bildungsstätten ihr*» 
wohlberechtigten Ansprüche erhob und auch bei Ludwig dem Reichen 
and dessen Umgebung den hauptsächlichen Antrieb gab. 

Durch die Wiederbelebung des classischen Alterthumes war für 
die geistige Bildung eine unvergleichlich schöne Zeit herangebrochen, 



4 Zeitr. I, Cap. ] (Allgemeines). 

und nachdem für den Fortschritt der Wissenschaft ein verlornes Jahr- 
tausend zu beklagen gewesen, begann ein gesunder naturalistischer 
Hauch der Antike die bildungsbedürftigen Völker Europas zu er- 
frischen. Der Ruf nach Umgestaltung der bisherigen Bildung musste 
immer häufiger und lebhafter Erhönmg verlangen. Dasjenige aber, 
was man im Mittelalter Bildung genannt hatte, war bis dahin im 
ausschliesslichen Besitze des Klerus gewesen, und sowie nun einer- 
seits die Zahl derjenigen strebsamen Jünglinge und Männer sich 
mehrte, welche sich der neu eröffneten Quelle geistiger Nahrung zu- 
wandten, ohne in den geistlichen Stand treten zu wollen, so musste 
andrerseits gerade bei den Besseren das lebhafte Gefühl erwachen, 
dass der Klerus einer durchgreifenden Besserung bedürfe, wenn er 
nicht in seiner scholastischen Verdumpfung durch die neue Strömung 
überflügelt werden wolle. Zumal ja war auch nach dem Vorbilde 
des Sündenlebens mehrerer Päpste die höhere und niedere Geistlich- 
keit vielfach in einen unbeschreiblichen Grad der Sittenlosigkeit und 
Verwilderung verfallen, so dass selbst kirchliche Stimmen den Klerus 
durch die Worte characterisirten : ^^optiniarum littcrarum iynoranfia^ 
vohtptatiim vero studium^^ '). Daher betraf das Missbehagen oder die 
Entrüstung hervorragender Männer, wie bereits eines Qerson, eines 
Peter von Ailly und eines Nicolaus von Clemango, sowohl den Bil- 
dungsstand als auch den Lebenswandel der Geistlichen; und in dem 
Streben nach Umgestaltung des Klerus hatten die bekannten Conci- 
lien des 15. Jahrhunderts, so erfolglos sie schliesslich waren, dennoch 
einen tieferen geschichtlichen Wertli, sowie sie damals auch den Ge- 
genstand eines wirklich allgemeinen Interesses bildeten, indem Lan- 
desfürsten und Bevölkerungen nicht etwa auf spitzfindige Fornm- 
linmgen des Dogmas oder der Sacramenten-Lehre ihren Blick rich- 
teten, sondern in dem Wunsche libereinstimmten, dass die Gestaltung 
und das Auftreten der gesammten Geistlichkeit den in Wahrheit be- 
stehenden Bedürfnissen entspreche. Sehen wir für unsern hiesigen 
Zweck von den eigentlichen Kirchen- Verfassungsfragen (Superiorität 
des Concils über dem Papst und dgl.) völlig ab, so gestatten uns 
jedenfalls zwei Erwägungen eine Iluckbezieliung auf Einen gemein- 
schaftlichen Punkt. Nemlich einerseits fühlten die weltlichen Fürsten 
sehr wohl, wie nahe ihnen die Concilsbewegung gehe, und gerade 
Bay«r«.s Herzoge wurden persönlich lebhafter in dies^ wichtigen Ver- 

]) Denkwürdig ist, wa<i der Augustiner Theoderich Yrie in Reiner Hi- 
»toria conrilii Constant. (hei von der Hardt 1 , 1) schreiht. 8. auch Wei- 
senberg, Gesch. d. grossen Concilien des 15. u. IG. Jahrh. 



Zeitr. ly Cap. I (Allgemeines). 5 

hältnisse hineingezogen; denn schon Herzog Wilhelm III. war von 
Kaiser Sigismund, da dieser seinen 'Römerzug unternahm , als Pro- 
tector des Basler Concils bestellt worden, und Herzog Albrecht III. 
begrüsste den Basler Papst Felix V., dessen Secrctar bekanntlich 
Enea Sylvio war, in Basel selbst. Und andrerseits waren es meh- 
rere hervorragende Universitäten, wie Paris, Wien, Köln, Löwen, Er- 
furt und Krakau, welche durch Abgesandte und durch Gutachten in 
mannigfacher Weise in . die Concilsberathungen eingriifen und dabei 
weniger mit gelehrten Erörterungen der scholastischen Theologie, als 
mit drängenden Lebensfragen d^s Klerus überhaupt sich zu beschäf- 
tigen hatten. Nach diesen beiden genannten' Seiten aber traten die 
Waffen des neu erwachten humanistischen Geistes auf den Kampf- 
platz; denn die Itathgeber oder Secretäre u. dgl. der weltlichen Für- 
sten und der Curie waren meist Männer, welche ihre juristische Bil- 
dung in Italien erworben hatten und somit in der damaligen Art der 
Rhetorik und Epistolograidiie geschult waren ; Humanisten betheiligten 
sich am Constanzer Concil und durch das Basler Concil trat der Hu- 
manismus vollends in den diplomatischen Verkehr ein, sowie das 
Unions-Concil zu Ferrara für das Studium der griechischen Littcratur 
eine begünstigende Brücke baute. So mussten auch die Vertreter 
oder Mitglieder der höchsten Bildungsanstalten die Erfahrung machen, 
dass zu einer ebenbürtigen Betheiligung an den die Welt bewegen- 
den Kämpfen unerlässlich humanistische Bildung oder wenigstens — 
wenn nichts höheres — - die einschmeichelnde Khetorik der italieni- 
schen Schule erforderlich sei. Kurz das Biiduiigs-Ideal hatte sich in 
Folge der Concilien sowohl für den nach Einfluss dilrstendeu Klerus 
als auch für die Diplomaten erweitert, und zwar in humanistischer 
Richtung. Und wenn auch Pai>st Nicolaus V. (d. h. Tommaso Pa- 
rentocelli, vorher Bibliothekar in Florenz) nur aus Motiven der Eitel- 
keit und Kuhmsucht das wiedererwaehte Alterthum pflegte und sich 
mit besoldeten Humanisten umgab, so bleibt doch seine Wirksamkeit 
im Vergleiche mit der üblichen Engherzigkeit des scholastischen 
Klerus, ein beachtenswerther Fingerzeig. 

Indem es hier nicht unsere Aufgabe ist, die Wiederbelebung des 
classischcn Alterthumes darzustellen *3» möge nur die Erinnerung an 
einige Verhältnisse und Personen gestattet sein, welche mit unserem 



2) Erhard , Gesch. des Wiedcraufhiühens wissensch. Bildung in Deutschland. 
M«gdeb. 1827 ff. 3 Bdde. Hagen, Deutsch), litt. u. rolig. Verhftitn. im Re- 
form.-Z6ita]tor. Erlangen 1841 ff. 3 Bdde* K. Raum er, Gesoh. d. Pftdagogik. 



6 Zeiir. I, Gap. 1 (Allgemoineä). 

Gegenstande in irgend einer näheren oder ferneren Beziehung stehen. 
In Italien, woselbst der Beginn dieser Strömung sich an Petrarca und 
Boccaccio knüpfte ( — noch lange Zeit wurden die Humanisten getreu 
diesem ihrem Ursprünge mit dem Namen „poetae" bezeichnet — ), 
war der Humanismus um die Mitte des 15. Jahrhunderts bereits auch 
an den Universitäten heimisch geworden, und sowie dort die Ver- 
treter der classischen Litteratur weit vor den Mitgliedern der Qbrigen 
Facultäten hervorragten, so strömten auch viele Hunderte wissens- 
durstiger Jünglinge Deutschlands dorthin, um sich durch die grossen 
Lehrer in Florenz, Ferrara, Bologna,. Pavia, Feltre, Padua, Venedig 
u. s. f. unterrichten und begeistern zu lassen. In eben dem Masse 
aber, als der deutsche Geist überhaupt den romanischen überragt, 
leisteten die Deutschen auf Gnmd der in Italien empfangenen An- 
regungen tieferes und umfassenderes, als ihre Lehrmeister. Denn 
in Deutschland gab der Humanismus eine neue Regsamkeit auf allen 
Gebieten, namentlich auch auf dem theologischen und kirchlichen, und 
führte zu Bildungs-Einrichtungen, wie sie kein anderes Volk der Erde 
be3itzt; hingegen in Italien war die wesentliche Wirkung eben doch 
nur Rhetorik und Schöngeistigkeit, und so liebte man es dort auch, 
in gränzcnloser Verachtung der „nordischen Barbaren^^ sich über die 
„saufenden und stinkenden*^ Deutschen lustig zu machen ^). Ja manche 
Italiener erklärten sich gegen die typographische Vervielfältigung 
griechischer Autoren, weil dadurch die deutschen Barbaren diese Dinge 
zu Hause lesen könnten und nicht mehr ihr Geld in Italien verzehren 
würden*); aber zwei Deutsche waren es (Konr. Schweinheim und 
Am. Pannartz), welche die erste Druckerpresse in Subiaco i. J. 1461 
aufstellten ! 

Es gibt für die Gesammt^Verhältnissc jener Zeit keine bezeich- 
nendere Figur, als die des Italieners Enea Silvio Piccolomini ^), dieses 
hochbegabten humanistischen Schwätzers, welcher in Politik überall 
seine Hände einzumischen verstand und seine Charakterlosigkeit ge- 
nügendst beurkundete, sobald er als Pius II das Haupt der Kirche 
geworden war. Während wir aber diese seine schlimmere Seite gerne 



Og. Voigt, dio Wicderbelobung d. class. AUerth. Bcrl. 18M^ (Bohr öder, d. 
Wiederaufleben d. class. Litt. llaUo. 1864.) 

3) 8. Voigt a. a. O. S. ^91 f.; ?Grgl. auch meine ()esch. d. Logik, Bd. IV, 
8. 160 u. Aen. Sylv. Opera (Basil. 1571). 8. 475 u. 71«.». 

4) 8chack, Aldus Manutiua. Bert. 18U2, 8. IG. 

•>) Voigt, Enea BiUio Piccolomini oto. Berl, 185C. ff. 



Zeitr. I, Ctip.l (Allgemeines). 7 

der politischen und Kirchen-Geschichte Oberlassen dürfen, bleibt uns die 
dankenswerthe Rührigkeit anzuerkennen, mit welcher er die Verbrei- 
tung des Humanismus in eben jenem Deutschland förderte, dessen 
Schattenseiten er so häufig mit Vorliebe und mit üebertreibung her- 
vorzuheben pflegte. An seineu Namen knüpft sich die Gründung der 
Universität Basel''), und er und die Genossen seiner Eanzlei trugen 
Keime der humanistischen Richtung nach Köln, Nürnberg, Wien, 
Prag und Breslau, so dass später nicht bloss der i. J. 1459 nach 
Rom geschickte kaiserliche Gesandte Joh. Hinderbach diese früheren 
Verdienste des Papstes mit Recht anerkennen konnte, sondern 
auch ein gewisser Hieronymus von Eichstädt ihn als Beförderer 
der classischen Bildung in Deutschland preisen durfte'). In eben 
dieser Stadt Eichstädt wirkte seit dem Jahre 1445 auch der 
Bischof Johann von Aich, welcher in brieflichem Freundes -Ver- 
kehr mit Enea Silvio stand, zur Weckung des Humanismus, und in 
gleichem Sinne bethätigte sich dort der DomheiT Albert von Eyb^). 
Secretär aber des Enea Silvio zur Zeit des Basler Concils war der 
edle Gregor von Heimburg ^), welcher in Würzburg seine Studien ge- 
macht hatte und später als Syndicus in Nürnberg sich durch die 
trefllichste juristische Rhetorik in deutscher Sprache und zugleich 
durch begeisterte Förderung des classischcn Studiums verdieuten 
Uuhm erwarb (er starb i J. 1472). Und unter Heimburgs Leitung 
arbeitete in Nürnberg jener Martin Mair, welcher alsbald als freisin- 
niger Kanzler des Erzbiscliofs von Mainz und besonders hernach als 
entscheidender Ifcithgeber Herzog Ludwig's des Reichen eine Wirk- 
samkeit entwickelte, auf welche wir bald zurückkommen werden. So 
konnten sicher manclie persönliche Fäden, welche uns jetzt nicht 
mehr offen liegen, sich ineinander schlingen und den Gedankenkreis 
Ludwigs des Reichen beeinflussen. 

Die humanistische Richtung wurde in Deutschland bald von der 
Bevölkerung selbst freudigst aufgegriffen und durcli die begeisterte 
Thätigkeit einzelner Männer getragen, welche von einem glühenden 
Lehreifer beseelt waren. Weltliche und geistliche Fürsten konnten 
nur helfend eingreifen, insoferne sie selbst dieses allgemeine neue 
Hildungs-Bedürfniss in sich fühlten ; so war z. B. Kaiser Friedrich III. 



6) Ilagcnbac H, Erinnerungen an Acneas Sylvius. Basel 18U). 

7) MOnchnor Staatä-Bibliothok, Cod. lat. Mon. 450, fol. 14— lü. Voigt, Enea 
Silvio, Bd. 11, 8. 357 f. 

8) der Yerfassor der Margarita poctioa. 

9) Brookhaae, Gregor von Heimburg. Lpzg. 1 8(> 1 . 



8 Zeiir. I, Cap. 1 (Allgemeines). 

auch auf seinen italienischen Kaiserzögen gegen den Glanz der Re- 
naissance stumpf geblieben und benützte den £nea Silvio nur als 
diplomatischen, nicht etwa als humanistischen Kathgebcr; hingegen 
Kaiser Sigismund besass Empfänglichkeit für die vom Basler Concil 
ausgehende Anregung des Classicismus, und ihm zur Seite stand 
sein Kanzler Kaspar Schlick, welcher zu den damaligen Kennern des 
Livius zählte'"). Kurz die neue Strömung war überhaupt nicht etwa 
eine von oben herab durch Regierungen gemachte, sondern sie ergoss 
sich von selbst, indem an verschiedenen Orten von kleinen Anfangen 
aus oder selbst durch vorübergehehde Berührung eine befruchtende 
Quelle hervorzusprudeln begann. Und es ist nicht Zufall, sondern 
ein tiefbegrundetes und sehr beachtenswcrthcs Verhältniss, dass die 
Humanisten fast sämmtlich (auch in Italien) wandernd von Ort zu 
Ort umsiedelten und sich hiedurch wohl den Vorwurf eines unstaten 
Lebens zuziehen konnten, in Wahrheit aber als Sendboten die schnel- 
lere Verbreitung und manigfaltigere Wirkung des Humanismus be- 
förderten. 

Dürfte unser Blick hier weiter schweifen, so müssten wir daran 
erinnern, wie die neue classische Bildung zunächst rheinabwärts von 
Basel und Schletlstadt bis Deventer Wurzeln schlug, und stärker 
würde uns Heidelberg^') als jener Knotenpunkt fesseln, an welchem 
Johann von Dalberg, der Uuterslützer der rheinischen gelehrten Ge- 
sellschaft (wir finden ihn auch im Ingolstädter Matrikelbuch i. J. 1478), 
und alsbald Rudolph Agricola lebten und wirkten, so dass auch Mainz, 
Würzburg, Tübingen und Freiburg in den Kreis gezogen wurden. 
Aber auch ein rücklaufender Faden hatte sich schon um d. J. 1450 
auf der Plassenburg geschürzt, woselbst Arriginus lehrte"), dessen 
Sihüler sich zu Peter Luder nach Heidelberg wendeten, welch letz- 
terer hernach die Keime wieder nach Leipzig und Erfurt trug'**). 
Gedenken wir auch der geistigen Regsamkeit, welche in Nürnberg 
waltete, sowie der ersten humanistischen Regungen in Wien und Ofen, 
und fügen wir den schon oben genannten Eichstädtern den Augsbur- 
ger Bischof Peter von Schaumburg hinzu, so werden wir aus Allem • 
uns entnehmen, dass zu Anfang der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. 

10) Voigt, die Wicdcrbelfliung etc., S. Md f. 

11) HäUHüor, d. AnHingc d. IcIobB. Studien zu Hcidofbcrg. 1M4. 

12) Watte nbach, Vortrag b. d. Würzburger Philologen - Vorsaramlung 

1868. 

13) Wa^tcnbachi Peter Luder, der erste humanistische Lehrer etc. 

Carlsr. 186D. 



Zcitr. I. Cap. 2 (Vorbereitung). 9 

in den verschiedenen Gebieten Deutschlands — nahe und fern von 
den bayerischen Landestheilen — die geistige Atmosphäre überhaupt 
durch den belebenden Hauch der Antike erfrischt war. Und bei dem 
reichen Wechselverkehre, in welchem damals die litterarisch Gebil- 
deten in höherem Grade standen, als man zuweilen anzunehmen 
scheint, war bei NeubegrOndung einer höheren wissenscliaftlichen An- 
stalt es völlig unmöglich, sich nach scholastischer Weise dem neuen 
Geiste gänzlich zu verschliessen. So trug ja auch der edle Sinn, in 
welchem die Universität zu Ingolstadt ins Leben gerufen wurde, die 
schöne Frucht ein, dass in den ersten Jahrzehenten Ingolstadt die da- 
mals bedeutendste Universität Deutschlands war. Der bald entbren- 
nende C<)nfessions-Hader vergiftete und verbitterte, wie so vieles An- 
dere, auch diese Frucht des glückliclieren 15. Jahrhunderts. 

Auch darauf aber möge noch hingewiesen werden, dass in jener 
Zeit sich der auf Ideales gerichtete Wunscli, zu den wenigen vor- 
handenen Universitäten neue dergleichen Bildungsstätten hinzuzufügen, 
juehrfach erfolgreich bethätigte. Nachdem nemlicli Prag seit 1848, 
Wien seit 1305, Heidelberg seit 138(3, Köln seit 1388 und Erfurt 
seit 1392 bestanden hatten, traten im 15. Jahrh. in die Reihe ein 
Leijizig 1409, Rostock 1419, Greifswald 145G, Freiburg 1457, Basel 
HOO, Ofen 1465, gleichzeitig mit Ingolstadt Trier 1472 und bald 
darauf Mainz und Tübingen 1477 (Würzburg kann wohl nicht mit- 
gezählt werden, denn die dort i. J. 1403 gegründete Universität gieng 
bereits nach 13 Jahren wieder ein, bis sie i. J. 1582 wiederherge- 
stellt wurde). 



Cap. 2. 
Vorbereitungen zur Gründung der Universität. 

Der im Jahre 1375 verstorbene bayerische Herzog Steidian II. 
hatte drei Söhne hinterlassen, welche anfänglich gemeinsam regierten, 
hernach aber (23. Nov. 1392) eine Theilung des Landes derartig vor- 
nahmen, dass München an Johann, Ingolstadt an Stephan, Landshut 
an Friedrich fiel. Friedrich's Sohn Heinrich (seit 1402 regierend), 
an welchen auch der Ingolstädter Landestheil durch Aussterben der 
dortigen Linie (im Jahre 1447) kam, legte nach schlimmen Erfah- 
mngen seit 1410 den Grund zu dem ansehnlichen Reich thume, von 



10 Zeitr. I, Cup 2 (Vorbereitung). 

welchem er und seine zwei Nachfolger den Beinamen erhielten. Nach 
Heinrich's Tod am 29. Juli 1450 übernahm Ludwig der Reiche 
(geb. 21. Febr. 1417) die Regierung des Ländertheiles seines Vaters 
und nannte sich als der erste „Herzog von Niedem- und Obern-Bayem." 
Dieser treflfliche, wohlwollende, loyale und sparsame Fürst, welchem 
für immer eines der schönsten Blätter der Geschichte Bayerns ge- 
bürt')i fügte den übrigen Segnungen, welche durcli ihn dem Lande 
zu Theil wurden, als grösste und bleibendste die Gründung der In- 
golstädter Universität hinzu. 

Es ist uns nicht mehr vergönnt, den Zusammenhang der Erwä- 
gungen, welche in der Seele des Herzogs den edelsinnigen Plan zur 
Reife brachten, oder etwa auch, — falls dergleichen das Entscheidende 
gewesen sein sollte — , die Einflüsse seiner Umgebung nachzuweisen. 
Sicher ist, dass seine Jugend-Erziehung in Burghausen nicht dazu an- 
gethan war, dem Knaben nach einer bestimmten Richtung höhere 
wissenschaftliche Interessen einzupflanzen*), aber ebenso zweifellos be- 
wahrte er aus der erzwungenen Theilnahmslosigkeit , in welcher ihn 
sein Vater stets von allen Regierungsgeschäften ferngehalten hatte, 
den Keim eines Regenten-Talentes, welches weit über die gewöhn- 
lichen Gränzen hinausgicng und ein Gefühl von dem Werthe geistiger 
Pflege in sich schloss. Allerdings trat gegen Ende des Jahres 1459 
Martin Mair als Rath in die Dienste Ludwigs; derselbe war an sei- 
nem Geburtsorte Heidelberg humanistisch und juristisch gebildet wor- 
den, wirkte dann unter Heiniburgs Leitung in Nürnberg, wurde i. J. 
1455 Kanzler des Mainzer Erzbischofes, und übernahm mit all seiner 
Klugheit, rednerischen Bildung, auch Meisterschaft in Ränken, als 
vertrautester Rathgebcr des Herzogs die Leitung der äusseren und 
inneren Politik Bayerns'). Aber der Entschluss, in Ingolstadt eine 
Universität zu gründen, 'war von Ludwig bereits i. J. 1458 gefasst 
und, wie wir sogleich sehen werden, im gleichen Jahre auch schon 
der erste vorbereitende Schritt gethan. Somit darf die Gründung der 
Universität nicht unmittelbar an die amtliche Stellung und den hieboi 
rathenden Einfluss Mair*s geknüpft werden. Hingegen möglich bleibt 
es immer, dass derselbe bereits früher mit dem bayerischen Herzoge 
in brieflichem Verkehre gestanden habe, was jedoch ebenso auch von 



1) Sicher begrüsstc jeder unserer Leser die Monographie, welche Herr 
CoUega K|luckhohii aber Ludwig d. Roichen gab (^*<3rdlingen 1805), mit 
dankbarster Freude und grösster wissenschaftlicher Hochachtung. 

2) Kluokhohn» a. a. O. 8. 28 ff. u. 838. 

3) Ebend. 8. 159 ff. u. 238 ff. Martin Mair starb i. J. 1481. 



Zeitr. I, Cap. 2 (Vorbereitung). H 

Gregor von Heimburg oder von Enea Silvio selbst oder auch von 
manchen Anderen gilt (unsere Nachforschung betreffs positiver An- 
haltspunkte solcher Art war bisher erfolglos). 

Mögen immerhin, wie wir schon andeuteten, manche Fäden aus 
der gesammten Zeit-Atmosphäre sich vereinigt haben, so bedurfte es 
jedenfalls noch einer so glücklich angelegten Persönlichkeit, wie Lud- 
wig war, um dieselben geistig zu ergreifen und zum festen Plane 
einer wirklichen That zu gestalten. Hiezu konnte den Regenten auch 
die weise staatsmännische Erwägung anfeuern, dass die neue Staats- 
kunst und Diplomatie einer grösseren Menge juristisch und humani- 
stisch gebildeter Männer bedürfe, und dass es zuträglicher sei, die 
bayerischen Landessöhnc durch eine näher liegende Gelegenheit zu 
solchen Studien anzuspornen, um nicht so häufig nach „Fremden" 
greifen zu müssen, welche theils verhasst waren und theils weniger 
verlässig zu sein scheinen konnten. An Sinn und Begeistei*ung für 
die Güter der Wissenschaft fehlte es den Einwohnern der bayerischen 
Landestheiie im Allgemeinen wahrlich nicht, und sowie viele Bayern 
die Universitäten zu Pavia, Padua, Prag und Wien besuchten, so 
schaffte manches Kloster für seine Angehörigen die Mittel zu solcher 
Reise herbei und manches Stipendium wurde zu solch edlem Zwecke 
gestiftet^). Daher konnte ein weiser Regent sich fragen, warum 
gerade Bayern einer eigenen Universität entbehren und die Theil- 
nahme an dem neuen allgemeinen Aufschwünge lediglich aus dem 
Auslande schöpfen solle. Ja, diesen letzteren Gesichtspunkt, nemlich 
ein unmittelbares Gefühl der Bedeutung der neu anbrechenden Zeit 
und ihrer Bewegung, möchten wir immer für das eigentlich entschei- 
^lende Motiv halten, und wir dürfen vielleicht in der Art und Weise 
der ersten Blüthezeit der jungen Anstalt eine Bestätigung hiefür er- 
blicken. 

Es wurde von einem gelehrten Kenner gerade die Zeit von 1457 
auf 1458 als der Jahrgang bezeichnet, in welchem die Vorgeschichte 
4er Reformation beginnt^). Und in der That, wenn auch nach dem 
Scheitern des Basler Concils ein Gefilhl der Verstimmung und 
des Missbehagens sich geltend machen musste, so war dadurch der 
Ruf nach Reform nicht nur nicht verstummt, sondern es musste erst 
um so mehr jedes Mittel versucht werden, um einem gänzlichen Ver- 
kommen der Cultur zu steuern und aus der beispiellosen Verwahr- 



4) Ebend. 8. 336 f. 

ö) Von Zarncke in der Einleitung 8. Ausgabe des Narrenschiffes (Lpzg. 
1854). 



12 Zeitr. I, Gap. 2 (Vorbereitung). 

losung des Klerus herauszuhelfen. Man konnte ja damals noch sehr 
wohl gläubiger Katholik sein, ohne mit den Dominicanern und den 
Vertheidigern des Papal-Systemes zu gehen, man konnte Reform an- 
streben, ohne im Geringsten dasjenige zu wollen oder auch nur ahnen 
zu können, was man später Reformation nannte. Nachdem völlig 
innerhalb der katholischen Litteratur bereits Occam die Trennung 
zwischen Dogma und Philosophie ausgesprochen und der Freund des- 
selben, Marsilius von Padua, die entsprechende Trennung zwischen 
Kirche und Staat gründlichst gefordert hatte, wäre damals noch die 
Entstehung und Begründung einer freien Weltanschauung möglich ge- 
wesen, wie sie viel später erst die Aufklärungs-Periode brachte. Und 
der Humanismus hätte den Klerus aus der sittenlosen Verwilderung 
heben und ohne Dogmen-Gezänk dem allgemeinen Menschlichen nähern 
können. Dass der Fanutisnms der Kinen Richtung, nemlich der Tho- 
misten und der durch die Dominicaner geleiteten Curie, auf der an- 
deren Seite gleichfalls Fanatismus hervorrufen und so die Bewegung 
das Endresultat haben werde, dass eben Dogma neben Dogma stehe, 
konnte damals wahrlich Niemand erwarten, geschweige denn etwa be- 
rechnen, sondern man durfte frohen Muthes möglichst an die bessernde 
Reform überhaupt Hand anlegen und für die nicht ausbleibenden 
Kämpfe auf die Macht eines Ideales vertrauen. Ein gesegnetes An- 
denken gebürt dem Fürsten, welcher ein dauerndes Mittel hiezu in 
der Pflege der Wissenschaft erblickte. 

Im Jahre 1458 schrieb Ludwig der Reiche an Papst Pius II 
(Enea Silvio hatte soeben diese höchste Würde angetreten), er habe 
schon längst erwogen, dass durcli Leute, welche studiren, Gottes 
Majestät geehrt, die Wahrheit des richtigen Glaubens erleuchtet 
(— ^yortliodoxat Juki veritus illustr(Uur^', ein nach damaligen An- 
schauungen selbstverständlicher und vor Allem unverfänglicher Wort- 
ausdruck, s. unten Cap. 3, Anm. 11 — ), und in Folge der Erwer- 
bung der Tugenden das Glück der Menschheit gefördert werde. Er 
wünsche sonach, dass zum Nutzen des Staates in Ingolstadt, welches 
durch gesunde Luft und durch UeberHuss an Lebensmitteln günstige 
Bedingungen darbiete**) und ausserdem auf 150 ital. Meilen von allen 
bestehenden Universitäten entfernt sei, durch den apostolischen Stuhl 
ein studitwi ycncnUe in qtuüibct licila facidiaic errichtet werde. 



H) Eine derartige Bezugnahme auf gesunde Lage und Lebensraittel-Zufluss 
war in den Stiftung«- oder Bot^tStigungs-Urkundon formlich üblich; wir finden 
sie bei Prag, Heidelberg, Erfurt, Tübingen. Ein Fingerzeig, dass der Herzog 
eich Ober solche Dingo unterrichtete. 



^j.^ 



Zeitr. I, Cap. 2 (Vorbereitung). 13 

Dieser ganze Wortlaut des herzoglichen Schreibens geht aus der 
päpstlichen Bulle hervor, mit welcher Pius II am 7. April 1459 
(von Siena ms) Ludwig dem Reichen antwortete und dabei in üb- 
licher Weise den Hauptinhalt der beantworteten Schrift wiederholte^). 
Eine rhetorische Einleitung, in welcher wir die humanistische Bildung 
des Enea Silvio wiedererkennen, enthält die schönen Bemerkungen, dass 
die Perle der Wissenschaft („men/üw niargarita^*') nicht bloss über- 
haupt die Menschen glücklich und gottähnlich macht, sondern auch 
die niedrig Gnomen auf eine Höhe erhebt („evehit ad sublimes"), 
und dass der apostolische Stuhl nur die möglichste Verbreitung der 
Wissenschaft wünschen könne, welche ja allein, während jede ander- 
artige Mittheilung eine Verarmung mit sich bringe, durch Mitthei- 
Inng selbst erst Vermehrung und Wachsthum finde. So will und 
verordnet ( — „staitdmus ac etiam ardinamiis^^ — ) demnach der Papst 
mit apostolischer Autorität, dass in Ingolstadt fortan ein Studium 
generale in Theologie, canonischem und bürgerlichem Rechte, Arznei- 
wissenschaft und freien Künsten und in quaUbet aiia lidta famdtaie 
bestehen solle. Für Studirende und Lehrende sollen dabei die nem- 
lichen privilegia^ libei'tates, exefnpiioncs, liovores^ immumiatcs wie an 
der Wiener Universität Geltung haben, und auch die vorzunehmenden 
Pn>motionen jeder Art sollen an sämmtlichen übrigen Universitäten 
als vollgültig geachtet werden, insofeme dabei nicht wider die Ge- 
wohnheiten und Privilegien, welche zu Wien bestehen, gehandelt 
wurde. Und zugleich schreibt der Papst ausführlich die volle For- 
mel des in die Hände des Rectors zu legenden Doctoren- und Magister- 
Eides vor (— der Ausdruck nemlith „gradus suscipientes'' geht auf 
sämmtliche Facultäten — ), wobei er Unterwerfung unter die Kirche 
und den apostolischen Stuhl fordert und auch die Pflicht auferlegt, 
den römischen Principat zu vertheidigen und alle demselben feind- 
lichen Rathschläge zur Anzeige zu bringen^). 

Auf den entscheidenden Punkt, dass bereits bei diesem ersten 
Acte die Wiener Universität (und somit mittelbar Paris) als das 
massgebende Vorbild der neu zu gründenden Anstalt erscheint, wer- 
den wir ohnedies noch öfter in verschiedener Weise zurückkommen. 
— Aber auch über die Auctorität des Papstes dürfen wir nicht mit 



7) Das Original der Bulle beiiiidet sich im Archiv der lJni?eräit3t (signirt 
A, Nr. 4); gedruckt nt sie bei Mederer, Annale^ Ingolät. Acad. (1782), Vol. 
lY; d. b. Cod. diplom. S. 16. 

8) S. ebend. S. 18. 



14 Zeitr. I, Cap. 2 (Yorbereitung). 

Stillschweigen vorübergehen, insofeme derselbe auf Ersuchen einer 
weltlichen Regierung die Sache von sich aus derartig in die Hand 
nimmt, dass er nicht etwa bloss zustimmende Erlaubniss ausspricht, 
sondern geradezu als derjenige auftritt, welcher das Ganze anordnet 
und feststellt. Es lag für alle Einrichtungen überhaupt vom Mittel- 
alter her die Anschauung des Lehenwesens vor, dass jede Gewalt eine 
verliehene sei und somit auf einen letzten höchsten Verleiher zurück- 
gegangen werden müsse. Und insoferne das geistige Gebiet nach 
mittelalterlicher Auffassung mit dem geistlichen verwechselt wurde 
( — ^yspirituale^' — ), konnte man zu dem Grundsatze gelangen, dass 
auch die Verleihung der akademischen Grade und dgl. auf die höchste 
Einheit des Kirchen-Oberhauptes zurückzuführen sei und nicht bloss 
die Gültigkeit und Anerkennung solcher Grade für den Umkreis der 
ganzen Christenheit, sondern überhaupt die Auctorität und Legalität 
der höchsten Geistesbildungs-Anstalten nur aus einer Willens-Erklärung 
des Papstes abgeleitet werden könne. Dass Päpste ihrerseits so spra- 
chen, als ob sich allein diese Auffassung von selbst verstehe, ist er- 
klärlich. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die lehenrechtliche 
Denkweise auch in dem Kaiser die oberste Spitze der auctorisirenden 
Verleihung für geregelte Einrichtungen des Lebens anerkennen konnte. 
Und so geschah es auch in dem Gebiete, von welchem wir hier 
sprechen; denn die Universitäten Greifswald (1456), Freiburg (1457) 
und Wittenberg (1502) haben nur kaiserliche Bestätigungsbriefe auf- 
zuweisen, Tübingen aber (1477) einen kaiserlichen und einen päpst- 
lichen. Jedenfalls also galt auch vor der Reformation die päpstliche 
Auctorisirung nicht allgemein als unbedingt nothwendig. Hingegen 
Ein Gesichtspunkt sprach allerdings dafür, dass die Regierungen die 
Einwilligung der jeweiligen Päpste nachsuchten oder wenigstens einer 
Widerwilligkeit derselben vorzubauen wünschten; es galt nemlich vor 
Allem, die neu entstehenden Anstalten mit genügenden Geldmitteln 
auszurüsten und hiezu als nächstliegende Quelle geistliche Pfründen, 
Canonicate, Zehenten u. dgl. in rechtlicher Weise verwenden zu dür- 
fen. Hiezu aber gehörte natürlich vor der Reformation die Ermäch- 
tigung des Kirchen-Oberhauptes, und sowie in dieser Beziehung sei- 
tens der Curie für Paris, Prag, Wien und Leipzig (auch für Tübingen 
i. J. 1470) Viel geschehen war, so werden wir auch zu berich- 
ten haben, dass für Ingolstadt Pius 11 und seine Nachfolger in der- 
gleichen Begünstigimgen nicht zurückhaltend waren. Dass aber über- 
haupt die damalige Stellung des I^apstes in Folge späterer Ereignisse 
und staatsrechtlicher Verhältnisse auch in katholischen Ländern be- 






Zeitr. I, Cap. 2 (Vorbereitung). 15 

trctTs der Universitäten hinfällig wurde, bedarf kaum besonderer Er- 
wähnung^). 

Die Verwirklichung des Planes, welchen der Herzog auf die an- 
gegebene Weise bereits formell hatte bekräftigen lassen, musste in 
Folge des Krieges gegen Albrecht von Brandenburg und Kaiser Fried- 
rich III verschoben werden, und erst einige Zeit nachdem Ludwig 
der ReicheTden Sieg bei Giengen (1462) erkämpft hatte, konnte neben 
anderen erfreulichen Werken des Friedens auch diese erhabene Ange- 
legenheit ihrem Abschlüsse entgegengefahrt werden. 

Indem es sich vor Allem um die Sicherung der Lebensfähigkeit 
der neuen Universität handelte, dachte der Herzog i. J. 1465 zu- 
nächst ^aran, die Marienkirche zu Ingolstadt zu einem CoUegiatstifte 
völlig nach dem Vorbilde des Stiftes zu St. Stephan in Wien zu er- 
heben, 80 dass Mitglieder desselben das canonische und das bürger- 
liche Recht in ordentlichen Vorlesungen vertreten und sechs vom 
Herzoge bezeichnete Magister der freien Künste mit Canonicaten ver- 
sehen werden sollten. Auch ertheilte Papst Paul II am 21. Mai 
1465 die Bestätigung hiezu'*'). Aber dieser Plan blieb, wahrschein- 
lich in Folge ungenügender Dotation, unausgeführt'*). 

Erfolgreicher war, was hiefür an die Stelle trat. Es bestand 
nemlich in Ingolstadt „auf der Schütter*^ ein Pfründnerhaus, dessen 
Stiftung schon Ludwig der Bärtige beabsichtigt hatte, aber erst zwei 
Jahre nach dessen Tod Heinrich der Reiche als gewissenhafter Erbe 
i. J. 1449 ins Werk setzte. Es war diese Anstalt einerseits für fünf- 



9) Eiferer glaubten aUcrdings hüufig, in jenen SItoren päpstlichen Kund- 
gebungen eine canonische Stütze ihrer IntoIeranz-GelQste zu besitzen. Und sowie 
man in Wien i. J. 1583 einen Wittenberger Doctor darum nicht als Dootor an- 
erkannte, weil Wittenberg ohne päpstliche Bestätigung gegründet war (s. Mei- 
ners, Oesch. d. Entüt. u. Entw. d. hohen Schulen Bd. If, S. 810, Kink, Gc- 
f^ehichte d. IJnivers. Wien, Bd. I, S. 299), so schrieb unRer erster IngolstSdter 
Annalist Hot mar ein eigenes Oapitel ^J'trum acQdemiae hereticae verae siut 
academiae^^ , um nachzuweinen,* dass alle an proteRtantischen Universitäten er- 
theilten Qrade null und nichtig seien. Schon Med eror aber war klug genug, im 
Hinblicke auf den westphälischen Frieden jenes Capitel für eine Antiquität zu 
halten und lediglich als literarisches Denkmal wiederabzudruckeu (Ann. Ingoigt. 
Acad. I, S. XV f.). Hingegen Phillips (Rede an d. Studirenden 1847 u. Venu. 
Sehr. Bd. I, S. 38) entscheidet sich wieder dahin, dass die QQltigkeit der Pro- 
motionen doch schliesslich auf den Papst zurückzuführen sei. 

10) Dieser päpstliche Erlass findet sich im Original im Archiv der Univer- 
ütJüt (A, Nr. 5), gedruckt bei Me derer, Cod. dipl. p. 19. 

11) Mederer, Gesch. d'. Stadt IngolUadt. (1807), S. 135. J. Gerstner, 
Gesch. d. Stadt Ingolstadt (1853), 8. 110. 



ä 



16 Zeitr. I, Cap. 2 (Vorbereitung). 

zehn arme Pfründner gestiftet, welche keinerlei andere Verpflichtung 
zu übernehmen hatten, als täglich eine bestimmte Messe zu hören 
und eine für die einzelnen Tage genau vorgeschriebene Anzahl Pater 
noster und Ave Maria zu beten, und zugleich andererseits für acht 
Psaltristen, welche am Grabe des Herzogs singen und dabei von 
einem eigenen Organisten unterstützt werden sollten ; die Menge aber 
der Gilt^n, Zinsen, Natural- und Geld-Bezüge, welche diesem doppel- 
ten lediglich religiösen Zwecke dienen sollten, beläuft sich auf eine 
ansehnliche Summe'*). Bischof Johann von Eichstädt fertigte erst 
unter der Regierung Ludwigs des Reichen am 4. Jan. 1454 die Be- 
stätigungsurkunde hiefür aus^*^), in welcher eine vor dem Schluss 
eingefügte Bemerkung unsere Aufmerksamkeit erregt, insofe/ne der 
ausdrückliche Vorbehalt gemacht wird, dass unter Beistimmung des 
Bischofes die Stiftung der Psaltristen künftig auch\zu einem „besse- 
ren und heilsameren" Zwecke verwendet werden könne '^). Mögen 
wir auch mit der Vermuthung Unrecht haben, dass dabei in Einwir- 
kungen des Herzogs bereits damals (sonach 4-~ 5 Jahre vor dem 
Schreiben Ludwigs an Pius II) der Hintergedanke einer zu gründen- 
den Universität mitspielte, so wurde doch jedenfalls nach Verlauf 
mehrerer Jahre solch ein edlerer Zweck in umfassenderer Weise ver- 
wirklicht. Nemlich die ganze Heinrich'sche Stiftung wurde durch 
Genehmigung des Papstes Paulus 11 26. Jimi 1465 zur Verwendung 



12) Die Original-Urkunden beider Stiftungen, d. h. sowohl des PfrQndner- 
liauaes als auch der Psaltristen befinden sich im Archive der UniTersitSt (A, 
Nr. 1 und A, Nr. 2). Warum C8 Biederer beliebte, nur die erstere abzu- 
drucken (Cod. dipl. S. 1 ff.), iRt nicht erHichtlich, und ich halte es für eine un- 
orläasliche Ergänzung, auch die Urkunde betreffs der Psaltristen zu Tenlffent- 
liehen; s. Band II, Urk. Nr. 1. Copien beider Urkunden finden sich im k. 
Reichs-Archive, Neuburger Copialbücher Bd. XXXII f. 316 u. f. 821; dortselbst 
sind r. 819 auch die Namen der fOnfzehn Pfründner genannt. ^ 

18) Die Original-Urkunde im Archiv der Universität (A, Nr. 3), gedruckt 
bei Mederer, Cod. dipl 8. 10. Hiebei sind sowohl die Pfründner aU auch 
die Psaltristen erwfthnt. 

14) Ebend. 8. 15: Ceterum ordinationem ei instituUonem circa jisaltHstas,^,. 

si illustrilms principibus videbitur expedirBf pateruntf « decreveritU^ auo 

toritate tarnen nostra aut successarum nostrorum^ in opus melius seu magis 
aaiubrius commutare, quod quidem ins sie et tahtei' commutandi eisdem prin- 
cipilms duonmus reservandum et reservamtis per praesentes. Auch scheinen 
in der That nicht alle Stipendiaten der Stiftung an dem frommen Faullenzer- 
Leben Gefallen gefunden zu haben; wenig<itenH finden wir, dass noch i. .1. 1449 
für zwei Pfründner, welche es vorzogen, Studirens halber nach Wien zu gehen, 
Ersatz gesucht werden musste (Reichs-Archiv, Neub, Cop. B. a. a O. f. 321). 



Zeitr. 1, Cap. 2 (Vorbereitung). 17 

fÖT die Universitäfr aberwiesen 15), und das Gleiche geschah unter dem 
nemliehen Datum mit einer anderweitigen Stiftung, welche gleichfalls 
von Ludwig dem Bärtigen herrührte und zu Gunsten zwölf weltlicher 
Personen (,yabsqtie quacunque professione et reyulari vita degentes*^) 
bestand ^6). 

Femer beschlossen und erklärten (Freitag nach Michaelistag) 
1466 derDecan, Lic. iuris, Johann von Heltpurg, und das Domcapi- 
tel zu Eichstädt einstimmig und mit Wissen und Willen des Bischo- 
fes Wilhelm, dass sie aus Dankbarkeit gegen Herzog Ludwig, vor- 
behaltlich päpstlicher Genehmigung Eine Canonicats-Pfründe zur Nutz- 
niessung für einen vom Herzoge zu ernennenden Doctor der Theologie, 
welcher zu Ingolstadt lehren würde, abtreten wollen ; nur solle derselbe, 
wenn der Herzog seiner nicht bedarf und auch die Vorlesungen hie- 
durch nicht gestört werden, vom Capitel zu Kath gezogen werden 
dürfen, jedoch keine Stimme im Capitel haben. Ferner sollen die 
nächsten zwei Pfründen, welche in jenen Monaten, in denen dem Ca- 
pitel die Präsentation zusteht, zur Erledigung kommen, auf Wunsch 
des Herzogs zu demselben Zwecke in gleicher Weise verliehen wer- 
den. Papst Paulus II bestätigte am 13. April 1467 dieses Aner- 
bieten, und der Bischof Wilhelm von Eichstädt Hess am 11. Novem- 
ber die betreffende Urkunde, welche auch den in deutscher Sprache 
verfassten Capitel-Beschluss enthält, officiell ausfertigen 17). 



15) Mederer, Gescb. d. Stadt Ingoist. S. 135 berichtet diese Uebertragung 
unter Angabe deä genannten Datums, ohne eine Urkunde namhaft zu machen. 
Sicher aber steht die Sache selbst fest, denn in dem Stiitungsbriefe der Univer- 
sität werden die Renten des PfrÜndnerhauses als zur Universität gehörig auf- 
gef&hrt, und ausserdem ordnete der Herzog (am Ercht^e nach d. 24. August 
1472) die Uebertragung derselben unter Berufung auf die päpstliche Genehmig- 
ung ausdrücklich an (die betr. Urkunde im Archiv d. Univers. A, Nr. 11, ge- 
druckt bei Mederer, Cod. dipl. S. 102). 

16) Die Urkunde über die^e Genehmigung im Archiv d. Univers. (A, Nr, 6), 
gedruckt bei Mederer, Cod. dipl. S. 23. Ueber die Stiftung selbst besitzen 
wir, wie schon Kluckhohn (a. a. 0. S. 341) bemerkte, keine Urkunde. Jener 
Stiftbrief Ludwig des Bärtigen vom Jahre 1433, von welchem ich eine sehr 
junge Abschrift im Archiv der Universität (L, 11, Nr. 2, f. 139 v.) fand, enthält 
einen anderen Act frommer Mildthätigkeit des Herzogs; denn er betrifft „acht* 
zehn arme Männer'*, welche am herzoglichen Grabmal in der Frauenkirche zu 
Ingolstadt beten sollen, wobei Geldstrafen für diejenigen beigefügt werden, 
welche den für jene Beter bestimmten Raum betreten. 

17) Die Original. Urkunde im Archiv der Universität (A, Nr. 7), gedruckt 
bei Mederer, Cod. dipl. S. 25. Der Besclüuss des Dom-Capitels findet sich im 
Original im Reichs Archiv, Ingoist. Univ. Fase. 1. 

PrsBtl, Oetehichte d«r UDiTersitat Manoh«n I. 2 



18 Zeitr. I, Gap. 2 (Vorbereitung). 

Bald hernach erliess der gleiche Papst am* 24. Februar 1469 
eine Bulle, womach der Pfarrei zu St. Martin in Landshut und jener 
zu Unser Lieben Frau in Landau unter Androhung der Excommuni- 
cation jährlich je 15 Mark Silber auferlegt wurden, zahlbar in zwei 
Baten (25. Juni und 25. December) für die ordinarie legentes an der 
Universität. Wenn dabei die Einkünfte der Pfarrei zu Landau auf 
jährlich 80 Mark Silber veranschlagt sind, erkennen wir, dass die 
Beisteuer zur Pflege der Wissenschaft immerhin eine ansehnliche 
war '^). 

Endlich wurde am 25. Januar 1471 von Herzog Ludwig und 
Bischof Wilhelm von Eichstädt gemeinsam eine deutsch geschriebene 
Urkunde ausgefertigt, womach in das seit d. J. 1275 in Ingolstadt 
bestehende Franziskaner-Kloster an Stelle der patres conventuaUs seu 
gaudentes nunmehr die strengeren fratres observantes et reformati 
treten sollen, welche keinerlei unbewegliche Qüter oder Güten und 
Einkünfte aus solchen besitzen durften. Und nachdem zu solcher Be- 
form des Klosters die päpstliche Bewilligung bereit« i. J. 1466 er- 
folgt war, sollen sonach von nun an die Güter und Nutzungen der 
Franziskaner „auf diemutig gebet und ersuchen der gereformirden 
Brüder von dem closter genommen und zu merer und pesser ver- 
sehung und aufhaltung der doctor und maister der univer- 

sitet incorporirt und zugeaigent werden" **). 

Neben einer anerkennenswerthen Bereitwilligkeit des Klerus und 
der Curie war es sicher hauptsächlich der eifrige Einfluss des ge- 
achteten und geliebten Begenten, welchem es zu verdanken ist, dass 
die Universität mit den erwähnten reichlichen Geldmitteln ausge- 
rüstet wurde. Es enlnififert sich eine sehr ansehnliche Gesammt-Summe ; 
denn die Pfründehaus-Stiftung allein war schon auf eine Jahresrente 
von 800 fl. zu veranschlagen *^), hiezu die Stiftung für die 12 Welt- 



18) Das Original der BuHe und des Exeoutoriums derselben im Archiv d. 
Univers. (A, Nr. 8 n. 9), gedruckt ebend. S. 31 o. 34; die Execntion derselben 
warde znnllchst dem Bischöfe Johann von Augsburg übertragen, welcher das 
betreffende Schreiben am 20. AprU 1471 erliess (Archiv d. ünivers. A, Nr. 10, 
gedruckt ebend. S. 36); erst später, 12. Apr. 1508, publicirte sie der Bischof 
PhiUpp von Freising unter den üblichen Androhungen (Arch. d. üniv. B, I, 
Nr. 15, gedruckt ebend. S. 157). Vgl. unten Cap. 12, Anm. 37. 

19) 8. die Urkunde bei Me derer, Gesch. d. St. Ingoist. 8. 136. 

20) Kluckhohn a. a. 0. S. 342 weist auf den im Reichs- Archive (Ingoist. 
Univ. Fase. 1) befindlichen Entwurf eines nicht zu Stande gekommenen Ver- 
trages hin, wornach Ludwig der Reiche diese Einkünfte von der Univenitftt 
um jährlich 800 fl. ablösen will. 



^ _'» 




Zeitr. I, Cap. 2 (Vorbereitung). 19 

liehen zu je 33 fl. im Belange von ongefähr 400 fl. ; ferner die 
Güter und Gilten der Franziskaner dürfen jenen des Pfründhauses 
gleichgestellt werden, doch mögen sie nur auf 600 fl. angesetzt sein ; 
für das Eichstädter Canonicat sind ongefähr 100 fl. zu rechnen, und 
die Zubusse der beiden Pfarreien zusammen 30 Mark zu 20 fl. be- 
trägt 600 fl. (vgl. auch unten Cap. 3, Anm. 12). So gewinnen wir 
eine gewiss nicht zu hoch gegrüfene Jahresrente von 2500 fl. , und 
da damals der rheinische Gulden ongefähr 20mal theurer war, als der 
jetzige Gulden**), so entspricht jene Summenach heutigem Massstabe 
einer Dotation, welche jährlich 50000 fl. Einkünfte trägt, wobei noch 
zu bedenken ist, dass eine Menge von Ansprüchen, welchen gegenwärtig 
eine Universität ^genügen muss, damals gar nicht bestand ; jedenfalls 
aber dürfte unter den damaligen Universitäten Ingolstadt bei Weitem 
die bedeutendsten Einkünfte gehabt haben. 

Widmen wir auch noch ein Wort der örtlichen Lage Ingolstadts, so 
wirkte dieselbe, wenn sie auch nicht als eine reizende bezeichnet wer- 
den darf, keinenfalls abschreckend auf den Besuch fremder Studiren- 
der. Aus den ersten Zeiten der Universität steht allerdings das über- 
grosse Lob, mit welchem Jacob Locher Philomusos die Annehmlich- 
keit Ingolstadts allen übrigen Universitäten gegenüberstellt, in ge- 
radem Gegensatze gegen die grämlichen Aeusserungen des Konrad 
Celtes**); aber um von solch individuellen Gemüthsstimmungen ab- 
zusehen mögen einige Zeilen aus der Beschreibung wiederholt werden, 
welche unser Annalist Kotmar i. J. 1580 gab*^): „Ingolstadt liegt in 
in einer weiten, aber völlig sumpflosen Ebene an der Donau, welche 
südlich die Stadt bespült und das den tiefer liegenden Theil der- 
selben durchlaufende Flüsschen Schutter aufnimmt, welches oberhalb 
und innerhalb der Stadt mehrere Mühlen treibt. Auf beiden Ufern 
der Donau finden sich Wäldchen zu Spaziergängen und auch zur Jagd 

21) Einige Angaben über damalige Preise der Lebensbedürfnisse s. bei 
Elnckhohn, a. a. 0. S. 342; über das Geldwesen aber s. bes. K. A. Muffat, 
Beitr. z. Gescb. d. bayer. Münzwesens unter d. Hause Witteisbach etc. (Abhdig« 
d. Akad. d. Wissensch.) München I8G9. 

22) Locher findet in dem seiner Ausgabe des Fulgentius (Augsb. 1521. fol.) 
Torgedruckten Dedicationsbriefe an Joh. Oroner niclit bloss landschaftliche Yor«» 
zöge Ingolstadts zu preisen, sondern rühmt auch den Ueberfluss der Lebensmittel 
und besonders der Getränke; Geltes hingegen, Odarum libri quatuor II, 26, 
Terabschiedet sich von Ingolstadt, weil ihm die Landschaft trostlos, das Bier 
ge«andheitswidrig und der Wein mangelhaft ersclieint. Die beiderseitigen An- 
sichten sind wörtlich aufgenommen bei Seb. Günthner, Gesch. d. lit. Anstalten 
in Balem, Bd. III, 8. 167 ff. 

23) Wiederabgedruckt b. Me derer, Ann. Bd. I, 8. XXIII. 

2* 



20 Zeitr. I, Cap. 3 (Eröffnung). 

tauglich, am nördlichen Ufer auch Gärten und Wiesen, sowie am süd? 
liehen eine Strecke unbebauten Landes passend zum Exerciren oder 
zu geselligen Spielen. Die Strassen der Stadt sind breit und ge- 
währen freien Luftzug, die Anzahl schönerer Gebäude ist nicht un- 
bedeutend, und insbesondere können in der Stadt 1500 Studirende 
gute Wohnung finden. Lebensmittel werden aus den Besitzungen und 
Gärten der Umgegend täglich zugeführt, und ausserdem finden 
wöchentlich zweimal grössere Markttage statt". 

Rotmar konnte sonach auch landschaftliche Vorzüge der Stadt 
hervorheben, obwohl dieselbe i. J. 1539 befestigt worden war. Auf 
letzteres sowie auf einige andere äussere Ereignisse, durch welche 
die Universität zugleich mit der Stadt berührt wurde, werden wir 
im weiteren Verlaufe zurückkommen*'*). 



Cap. 3. 
ErölTnung und Stiflungsurkunde der Universität 

Nachdem Herzog Ludwig auch einige Lehrer für die neue Uni- 
versität gewonnen hatte (s. d folg. Cap.), stand Nichts mehr im 
Wege, den trefflich eingeleiteten Plan auch formell ins Werk zu 
setzen. 

Am 2. Januar 1472 erliess Ludwig der Reiche von Landshut aus 
das Eröffnungspatent*), welches in den Einleitungsworten eine Wieder- 
holung jener Gesichtspunkte enthält, die im Bestätigungsbriefe Pius 
des II die Wirkung der Wissenschaft und die günstige Lage Ingol- 
stadts betroffen hatten. Der Herzog macht bekannt, er habe vom 
Papste erwirkt, dass daselbst fortan eine ^yuniversitas et studmn ge- 
nerale^' bestehe, deren Lehrer und Lernende die nemlichen Privile- 
gien und Ehren, wie einst in Athen und gegenwärtig in Bologna und 



24) S. die schon angefQhrten Schriften Mederer^s und Gerstoer^s über 
die Geschichte der Stadt, auch Ludw. Gemminger, Das alte Ingolstadt , ein 
Volksbuch etc. Regensburg. s. a; besonders aber Ludw. Rockinger in „Ba- 
▼aria'*, Bd. I. S. 78 ) ff. Was die Ocrtlichkeiten betrifft, besitzt unsere Univer- 
sitäts-Bibliothek unter ihren handschriftlichen Schätzen (Cod. Micr. 739 fol.) 
eine von Herrn CoIIega SchafhäutI angefertigte „Topographische Geschichte 
der Universität Ingolstadt in 29 Tafeln nebst historisch - topographischer Erläu- 
terung'', woraus jeder Beschauer sich mit Vergnügen Belehrung erholen wird. 

1) Mederer^ Cod. dipl. 8. 39. (als „Ldtterae publicationi^^ bezeichnet). 




Zeitr. I, Cap. 3 (Eröffnung). 21 

WieD, geniessen sollen*). Es sei sowohl für erprobte Doctoren und 
Magister als auch für genügende Einkünfte der Anstalt gesorgt, und 
man dürfe gewiss sein, dass dort nur was gerecht, vernünftig, an- 
ständig und nützlich ist, werde gelehrt werden. Bei günstigem Er- 
folge werde in Behandlung der Lehrer und der Studirendeu gewiss 
Anstand und Milde (decentia et mansuetudo) walten. Die Vorlesungen 
selbst sollen am 3. März beginnen, und auf diesen Tag ergehe somit 
die förmliche Einladung an Alle, welche Theil nehmen wollen. 

Damit die Universität nicht ohne Oberhaupt sei, ernannte der 
Herzog am 17. März, welchen wir als den thatsächlichen Eröffnungs- 
tag bezeichnen dürfen, vorläufig den Professor des canonischen Rechtes 
Dr. Wilhelm Kyrmann aus Donauwörth (Wilhelmus de Werdena) zum 
Vicerector ; und dieser immatriculirte während seiner kurzen Amts- 
dauer (bis zum 25. Juli, an welchem Christoph Mendel durch Wahl 
die Rectors- Würde empfieng), nicht weniger als 489 academische Bür- 
ger 3). So fand die Einladung des trefflichen Fürsten in ebenso ver- 
dienter als erfreulicher Weise ein dankbares Entgegenkommen, und 

2) Sehen wir dabei von der philologischen Grille betreffs Athens ab, welche 
im damaligen Renaissance Geschmack lag ( — im Stiftungsbriefe der Universität 
Wien wird ausser Athen auch Rom und dann Paris als Vorbild genannt, s. Rud. 
Kink, Gesch. d. k. ün. Wien, Bd. II, S. 4 — ), ao bleibt die Erwähnung Bo. 
logna's um so auffallender, da die päpstliche Bestätigungs-Bulle nur von Wien 
spricht. Sicher aber hatte Ludwig der Reiche ebenso wenig als Kaiser Karl IV 
bei Gründung der Universität Prag (deren Stiftungs-Diplom Paris und Bologna 
neben einander als Vorbilder nennt, s. M. X. Volkman, Gloria univ. Carolo- 
Verdin. Pragensis. 1072. S. 3) etwa die Neigung oder Absicht, den Studiren den 
die von den Pariser Einrichtungen gänzlich abweichenden Rechte und Ehren ein- 
zuräumen , welche dieselben in Bologna grundsätzlich genossen (s. unten Anm. 
14 ff.); sondern bezQglioh der Studirenden scheint dabei nur im Allgemeinen 
eine Anlockung beabsichtigt zu sein, d. h. es sollte verkündet werden, dass man 
von nun an nicht mehr nothig habe, nach Italien zu reisen, da man fortan in 
Ingolstadt ebenso vollgültig promoviren könne. Letzteres, nemlich die allge- 
meine Anerkennung der in Ingolstadt vollzogenen Promotionen wurde auch bald 
hernach i. J. 1477 durch Papst Sixtus IV mittelst Gleichstellung Ingolstadt'8 mit 
Bologna und Salamanca ausgesprochen, ?. unten Cap. 10^ Anm. 11. 

3j Im Matrikelbuche (Archiv d. Univ. D, IV, Nr. 1), welches gleichfalls 
am 17. März angelegt ist, wird Wilh. de Werdona ausdrücklich als Vice- 
rector bezeichnet (f. 2) und die Wahl Mendel's als ersten Rcetors in feier- 
licher Weise durch grösste Sohriftzüge hervorgehoben (f. 3 v) ; auch folgt dann 
(f. 4) ein die ganze Seite einnehmendes Miniaturbild im Stile der üblichen 
Votivgemälde, woselbst in der Mitte Maria mit dem Kinde , zur Rechten dersel- 
ben Herzog Ludwig der Reiche und zur Linken der Beotor Mendel zu Lehen 
lind« 



.4 



22 Zeitr. I, Cap. 3 (Eröffnung). 

es bewährte sich, dass die Absicht eine wohlbegründete gewesen war, 
Bayern durch eine Universität zu beglücken. Allerdings mussten 
leider gleich zu Anfang einige Studirende sofort wieder excludirt wer- 
den, und unter diesen Einer darum, weil er Schmähschriften auf Her- 
zog Ludwig verbreitet hatte "•); während aber durch Letzteres eben 
nur bezeugt wird, dass auch das Edelste nicht frei ist gegen Be- 
schimpfung und Besudlung, war ja überhaupt damals noch vielfach 
ein Kampf gegen Rohheit und Unbotmässigkeit zu führen, wovon uns 
zu überzeugen noch öfter Gelegenheit sein wird, und wir können es 
daher nur billigen, wenn man sofort zu Anfang nicht allzu nachsich- 
tig verfuhr. 

Die feierliche Einweihung aber der bereits in Gang gebrachten 
Anstalt setzte der Herzog auf den 26. Juni fest, und gewiss war es 
einer der schönsten Tage in Ludwigs Leben, als er der erhebenden 
Gründungsfeier seiner Hochschule persönlich beiwohnte*). Ausser 
ihm waren dabei anwesend sein siebenzehnjähriger Sohn Georg, der 
Pfalzgraf Otto von Neumarkt, Johann Rabenstein ^als Botschafter des 
Königes Matthias von Ungarn, die Bischöfe von Eichstädt und Augs- 
burg, und viele Prälaten, Domherrn, herzogliche Käthe, Doctoren, 
Magister, Ritter und Knechte^). 

Der oben erwähnte Rath Martin Mair war dazu ausersehen, 
im Namen des Herzoges die EröflFnungs-Rede zu halten^). Dieselbe 
ist in der That ziemlich hausbacken. Nach der erforderlichen captatio 
benevolentiae und einem Gebete an den heiligen Geist sagte der Red- 
ner, er wolle* über causa und fructus der Universität sprechen, üebung 



4) Nach dem Matrikelbache waren es im Ganzen sechs Stadenten, welche 
noch Tor dem 2G. Juni excludirt wurden; sowie Einen unter diesen die Strafe 
wegen PasquiUs traf, so wiederholte sich dieselbe Ursache einer Aasschliessung 
auch in d. J. 1476 und 1481 je einmal. 

5) Eluckhohn's Worte a. a. 0. 

6) Mederer, Annales Bd. I, S. XXI fahrt ausser den genannten herror- 
ragenden Personen auch noch an : Herzog Christoph Ton MOnchen und die Bi- 
schöfe Ton Regensburg und Freising; aber dieselben erscheinen wenigstens 
nicht wie die übrigen unter jenen Personen, welche den Stiftungsbrief mitunter- 
zeichneten. 

7) S. dieselbe aus einer Handschrift der Münchner Staatsbibliothek in Bd. 11, 
Urkunde Kr. 2. Kluckhohn wies (ebend.) darauf hin, dass sie neben jener 
welche Hummel i. J. 1460 in Freiburg hielt (s. Schreiber, Qesch. d. UniT. 
Freiburg, Bd. I. S. 20), die einzige Eröffnungsrede ist, welche wir Ton einer 
der älteren UniversitSten kennen. Eine Yergleichung aber zeigt, dass Hum- 
mePs Rede weit *kcrniger und gehaltreicher war, als jene Mair'd. 



.^ 



Zeitr. I, Cap. 3 (Eröflfoung). 23 

und Erhaltung der Herrschaft über Land und Leute sei wohl ein 
wfinschenswerthes Gut, aber vielfach auch nur Sache des Glückes und 
jedenfalls vergänglich. Hingegen unter den Gaben Gottes sei diejenige 
wahrlich nicht die letzte, welche durch Fleiss und Studium erworben 
werde ^), und die Perle der Wissenschaft sei es, durch welche auch 
niedrig Geborne in die Höhe gehoben werden ^), was sich an vielen anti- 
ken Beispielen erweise. Die Bücher seien die besten Ratbgeber und 
jener Staat der trefflichste, in welchem die Weisen regiren, denn 
hiedurch würden auch die ünterthanen tüchtiger. So y^honos alit 
artes^'. Solche Absicht sei auch bei der Gründung der Universität 
vorgelegen. Darum sollen sowohl die Lehrer für ihre geistigen Kin- 
der thun, was ihre Pflicht ist, als auch die Studenten die Zeit der 
idealen Müsse richtig benützen (hieran knüpft sich eine weitere Aus- 
führung der bei solchen Gelegenheiten unvermeidlichen Stelle aus 
Cicero pro Archia). Gegen den Schluss wirft der Redner einen düsteren 
Blick in die Zukunft, da die Menschen immer schlechter werden wür- 
den ( — sicher für eine Festrede eine ei genthümliche Wendung ! — ); 
die einzige Hilfe dagegen liege in der tüchtigen Geistesbildung der 
Jugend. Darum könne Jeder an der Universität sich auch Verdienste 
erwerben, welchen der Beifall des Herzoges uicht fehlen werde. 

Nach dieser Eröflfnungs-Rede folgte die feierliche Verlesung des 
Stiftungs-Briefes, bei welchem wir länger verweilen müssen, da 
er nicht bloss viele grundsätzliche Einrichtungen enthält, welche man 
ebenso wohl zu den Statuten der Universität zählen könnte, sondern auch 
das Erzeugniss einer sehr bedächtigen und oft wiederholten Erwägung 
ist, so dass wir einen nicht unwichtigen Einblick in mancherlei Ver- 
hältnisse gewinnen. Die fünf verschiedenen ßedactionen, welche uns 
heute noch zugänglich sind, dürften wahrscheinlich in die Zwischen- 
zeit vom 2. Januar bis zum 26. Juni des genannten Jahres fallen, 
in welcher sich somit bei reiflicher Prüfung der eine oder andere 
Einfluss zur Geltung gebracht haben müsste*^). Versuchen wir hie- 



8) Dieser Gedanke kehrt wörtlich im Stiftungsbriefe wieder. 

9) Diesa sowohl in der pSpstlichen Bestätigungs-BiiUe als auch wieder im 
Stiftnngsbriefe. 

10) S. den ganzen Wortlant Bd. II, Urkunde Nr. S. Eine genaue Yer- 
gleichung der fünf verschiedenen Texte zeigt uns, dass mit grosser Sorgfalt auch 
häufig Yeränderungen vorgenommen wurden, welche lediglich redaotioneller 
Katur waren und für den sachlichen Inhalt keinen Belang hatten. So z. B 
werde eine Hinweisung auf Athen, m und Paris, -welche ursprünglich fast 
wörtlich dem Wiener StiftungsF ' f • d war (s. ob. Anm. 2)^ erst von 



24 Zeitr. r, Cap. 3 (Stiftangsbrief). 

mit diese Sachlage darzustellen, so dürfen wir uns wohl einige Aen- 
derung in der Reihenfolge des Inhaltes erlauben, wollen aber beider 
Hinzufügung weniger vergleichenden Bemerkungen die Thatsache 
nicht ausser Augen lassen, dass zur Zeit, als Ingolstadt in die Keihe 
der Universitäten eintrat, sehr viele Einrichtungen und Verhältnisse 
bereits durch allgemeine Gewohnheit zur Geltung gekommen waren, 
und daher überhaupt damals jene kühneren Griffe oder zäheren 
Kämpfe erspart waren, durch welche das gesammte Universitätswesen 
früher seine Gestaltung bekommen hatte. , 

Die Einleitung enthält treffliche warme Worte über die Vorzüge 
jenes göttlichen Geschenkes, durch welches die Menschen (abgesehen 
vom Stande ihrer Geburt) in „Lehre und Kunst'' beglückt und der 
idealen Güter theilhaftig gemacht werden. Und wenn unter diesen, 
wie sich von selbst versteht, auch die Mehrung und Erweiterung des 
christlichen Glaubens genannt wird, so möge hiemit ganz besonders 
hervorgehoben werden, dass dabei nicht die geringste Spur einer ketzer- 
richterischen Absicht oder Wendung zu entdecken ist, ja nicht ein- 
mal der hussitischen Bewegung mit einem Worte gedacht wird''). 

Was sodann zunächst die Dotation der Universität betrifft, so war 
dieselbe in den ersten Bütwürfen des Stiftungsbriefes äusserst ausführ- 
lich dargelegt; wir finden nämlich dort nicht bloss obige Stiftung 
Ludwigs des Bärtigen für die Pa^dtristen und für die zwölf Welt- 
lichen, femer den Beitrag der Pfarreien zu Lanflshut und Landau 
(auf 200 Goldgulden veranschlagt) und die Eichstädter Canonicats- 
Präbende, sondern auch eine von einer Zahl von Städten ( — die Ziffer 
ist durch „w" ersetzt — ) einlaufende Rente im Betrage von 200 fl. 
und dazu die Einkünfte der Barfüsser zu Ingolstadt und zu Landshut, 
ausserdem auch noch die Bestimmung, dass der jeweilige Inhaber der 
Frauen-Pfarre zu Ingolstadt einDoctor der Theologie sein solle, wei- 



der vorletzten Redaction an weggelassen. (Alle suchlichen Aenderungen haben 
wir ohnedtess sogleich zu erwähnen). 

II) Vgl. oben S. 12. Rotmar (bei Mederer, Ann. Bd. J, S. XIX.) sagt 
freilich: Cum,...dux Bavariae Ludomcus..,, et re ipsa experitis et Constan- 
tiewfi et Ba&ileensi edoctus esset condliis, quatUa in tantis haeresum schistna- 
tumque renascentium erroribus tenebris et furomus (— Mederer Behaltet hier 
ein j^Wicleffi Hussique sectatores et rebelies maxime Bohemos tndigiUU*^ — ) 
doctorum virorum esset necessitas et utilitas, ... ad universalem ocodemuim 

erigendam (tdiecit animum. In gleicher Weise träumten die Extremen noch 

oft genug, die Unirersität sei nur für sie und ihre Herrsohafts-Oelüste gestiftet 
worden. * 



• ...:■. *5 .. 



Zeitr. J, G;ip. 3 (Stiflungsbrief). 25 

eher ohne weitere Besoldung an der Universität Vorlesungen zu hal- 
ten habe''). Aber all dieses ist in den letzten Redactionen wegge- 
lassen und auch sorgfältig an mehreren Stellen die Erwähnung der 
„Capelle" (im Zusammenhange mit den zwölf Weltlichen) unterblie- 
ben. Desgleichen war ursprünglich noch ausdrücklich der bestimmte 
Wille ausgesprochen, die Frauen-Pfarre in ein Stift zu verwandeln 
(s. oben Cap. 2, Aum. 10), später aber blieb unter Streichung der 
betreffenden Worte nur der Vorbehalt übrig, dass , falls diese Um- 
wandlung doch noch eintreten sollte, die Hälfte eines etwaigen Geld- 
üeberschusses dem Stifte verbleiben solle. Und überhaupt tritt an 
Stelle der Einzeln-Aufzählung in den letzten Redactionen nur die all- 
gemeine Versicherang , dass die Universität mit „vieler Gilt und 
Nutzung" ausgerüstet sei. 

Bezüglich der Einrichtungen der Universität selbst ist sicher der 
wichtigste Funkt, dass ursprünglich auch für Ingolstadt die Gliede- 
rung in vier Nationen beabsichtigt war, welche (wie anderwärts) mit- 
telst ihrer vier Procuratoren das Recht der Rectors-Wahl in Händen 
haben sollten '•% Der älteste Entwurf nemlich des Stiftungsbriefes 
enthält ausführlich die Aufzählung der einzelnen Bruchtheile der vier 
Nationen Bayern, Rheinländer, Frauken, Sachsen, und dazu Bestim- 
mungen, welche uns an die analogen Statuten-Paragraphen der Uni- 
versitäten Paris, Prag, Wien, Heidelberg und Leipzig erinnern ; schon 
in der zweiten Redaction aber ist die ganze Stelle durch Randbemer- 
kung als ungiltig bezeichnet und in den folgenden dann sofort wegge- 
lassen'^). So belangreich diese rasche und grundsätzliche Aenderung 



V2) An mehreren Stellet ist betreffe solcher Fundatiunen am Rande der 
Yorbehult einer bischöflichen Bestätigung vermerkt, diess über hernach wieder 
weggelassen worden. 

13) Man hatte bisher hierüber nur eine einzige Notiz bei Wigulejus 
Hund (Metropolis Salisburg. Regensburger Ausgabe v. 1719, Bd. 11, S. 289), 
welche aber eben darum auch angezweilelt wurde. Derselbe erzählt, die Uni- 
versität sei secundum primam institutionem in vier Nationen getheilt gewesen 
(er zählt dieselben mit ihren Brucbtheilen genau ebenso auf, wie sie uns nun 
vorliegen), aber diese itttlienisch-französische Einrichtung, welche für Deutsch- 
land weniger tauglich gewesen, sei nebst dem Rechte der Rectors-Wahl sogleich 
abgesclmfft worden (atatim dbolita), 

14) Erwähnt mag auch werden, dass die theologische Facultät, welche i. J. 
1475 die Wiener Statuten förmlich copirte (s. unten Cap. 6, Anm. 2), sorgfältig 
an zwei Stellen, welAie im Promotions-Eide das Versprechen des Friedens zwi- 
schen sectdares und rdigiosi und zwischen den Nationen betrefl'en, gerade das 
Wort f^fuUianes^*^ ausliess (s. ebend. Anm. 6). 



26 Zeitr. I, Cap. 3 (Stiftangsbnef). 

immerhin war, so bleibt doch die A^ahme völlig ausgeschlossen, dass 
ursprünglich etwa Bologna als Vorbild zu Grund gelegt werden wollte, 
dessen Hochschule in ihrem innersten Wesen eine universitas scho- 
larium war *''^). Für Ingolstadt ist das Entscheidende, dass gerade 
jener andere Grundzug, welcher in fortschreitender Entwicklung von 
den Pariser Einrichtungen aus zu jenen Frag's, dann Wien's, hierauf 
Heidelberg's und Leipzig's führte, als Vorbild diente. Das Verhält- 
niss der Nationen, welche noch in Paris die Artisten-Facultät consti- 
tuirt hatten und den sog. drei höheren Facultäten, d. h. den „doc- 
tores^' gegenüber gestanden waren, änderte sich an den genannten 
Universitäten allmälig; und sowie bereits in Wien die Procuratoren 
der Nationen ^tatutengemäss den vier verschiedenen Facultäten ent- 
nommen sein mussten, so wurden überhaupt die früheren Bechte der 
Nationen nach und nach beschränkt. Kurz die ganze Strömung 
schlug die Bichtung zur universitas doctorum et scholarium ein, 
d. h. mit anderen Worten eigentlich zur Vereinigung der Nationen 
und der Facultäten ; und auf solcher Grundlage wurde auch ausdrück- 
lichst Heidelberg gestiftet (trotz mancher wesentlichen Uebereinstim- 
mung mit den Pariser Einrichtungen). Von da aber führte der Ent- 
wicklungsgang folgerichtig zur universitas doctorum^ d. h.* zum Fa- 
cultäten-System , in welchem die Nationen als speciell berechtigte 
Körperschaften verschwanden, — bekanntlich der Charakter aller jün- 
geren Universitäten*®). Darin sonach liegt die Bedeutung der Mei- 
nungsänderung des Stifters Ingolstadts, dass er ( — sicher nach reif- 
licher Ueberlegung - ) sich von dem Paris- Wiener Vorbilde hinweg- 
neigte und dafür sofort dem Principe der wwtversttoÄ* dodorwm näherte; 
wir sagen „sich näherte'S denn wir werdei^ bald finden, dass in den 
ersten Zeiten noch die Studenten als solche in wichtigsten Universitäts- 
Angelegenheiten mit zu Bath sassen (s. unten Cap. 5, Anm. 3 u. 
Cap. 12, Anm. 3). 

In den zwei ersten Entwürfen des Stiftuugsbriefes war von der 
Bestellung eines Canzlers der Universität Umgang genommen oder 
derselbe in der That vergessen worden. Es war nemlich damals all- 



15) 8. oben Anm. 2. 

16) Die Belege fQr das Gesagte in den geschichtlichen Monographien über 
die einzelnen UnirerstAten und theil weise auch bei Mein er s, Gesch. d. hohen 
Schulen, Bd. f, 8. 50 ff., 68 f., 91 f., Bd. II, 8. 2. ErwAhnt möge auch werden, 
dass wir in Erfurt, Würzburg, Rostock, Greifs wald, FreiAirg, Basel und auch 
Tflbingen bereits nicht mehr ^ine Gliederung in Nationen finden. (Yergl. auch 
unten Anm. 20). 



Zeitr. I, Gap. 3 (Stiftungsbrief). 27 

gemein üblich, dass ein geistlicher Würdenträger als Canzler die 
Promotionen in allen Facultäten überwachte und durch die von ihm 
gegebene Erlaubniss die Ertbeilung sämmtlicher akademischen Grade 
bedingt war; z. B in Prag übte diese Function der jeweilige dor- 
tige Erzbischof aus, in Wien der Propst der Allerheiligenkirche, in 
Leipzig der Bischof von Merseburg, in Freiburg der Bischof von Basel. 
So bestimmte denn auch im Verlaufe der weiteren Bedaction der 
Gründungs-Ürkunde Herzog Ludwig aus eigener Machtvollkommenheit 
den jeweiligen Bischof von Eichstädt als Canzler der Universität*'), 
üeber die Wahl des Rectors enthält der Stiftungsbrief, nachdem ein- 
mal die Nationen und ihr Wahlrecht beseitigt waren, keinerlei Be- 
stimmungen, sondern verweist nur auf die Einhaltung der allgemeinen 
Statuten (s. demnach hierüber erst unten Cap. 5, Anm. ff.); hin- 
gegen die Anknüpfung der Universität an den Landesherm wird da- 
durch aufrecht erhalten, dass der neugewählte Kector dem jeweiligen 
Regenten und Professoren und Studenten dem jeweiligen Rector den 
auf Unterthanen-Treue und auf das Wohl der Universität bezüglichen 
Eid zu leisten haben. Auch soll stets der herzogliche Pfleger zu 
Ingolstadt dem Rector die Einhaltung der Statuten der Universität 
g'eloben. Das Gleiche war ursprünglich auch bezüglich des städtischen 
Bämerers und Magistrates beabsichtigt, es wurde aber diese Be- 
stimmung auffallender Weise später wieder weggelassen. 

Der „Rath** der Universität sollte nach dem ursprünglichen Ent- 
würfe aus sämmtlichen wirklich lesenden Doctoren (d. h. der sog. 
höheren drei Facultäten) und allen jenen Magistern der Artisten- 
Facultät, welche bereits 2 Jahre gelesen hatten, bestehen. Diess aber 
wurde dahin abgeändert, dass in den Rath „etliche'^ Lehrer aus allen 
Facultäten nach den jeweilig bestehenden Statuten gewählt werden 



17) Nachdem es noch Meiners (a. a. 0. Bd. II, S. 165) als unerhört be- 
zeichnet hatte, dass in Wien und Ingolstadt der weltliche Fürst als Stifter der 
UniTersität den Canzler ernannte, gab Savigny, Gesch. d. R. R. {.Mittel- 
alter Bd. III (2. Aufl.) S. 417 f. den Nachweis, dass eine päpstliche Ernennung 
der UniTersitäts-Canzler überhaupt nicht nothwendiges Erfordemiss war. Die 
entgegengesetzte Ansicht hegt erklärlicher Weise Phillips (s. oben Cap. 2 
Anm. 9). Der erste Canzler, Wilhelm y. Reich enau, seit d. J. 1464 Bi- 
schof Ton Eichstädt (gest. i. J. 1496), war ein Mann von grosser politischer Ein- 
sicht und herrorragender Beredtsamkeit , daher mehrfach Ton den Kaisern Fried- 
rich III und Maximilian I zu diplomatischen Sendungen verwendet; seine im 
Chor Ton St. Willibald zu Eichstädt vorhandene Grabschrift ist gedruckt bei 
Botmar, Alma Aead« Ingolsi H 3'^ * 




28 Zeitr. I, Cap. 3 (Süftungsbrief). 

sollen "^). Dieser Rath erhielt das Recht, „Statut und Ordnung'* in 
üniversitäts- Angelegenheiten zu machen, die Bestätigung aber all 
solcher Statuten behält sich der Landesherr vor*^). Das Analoge 
gilt in ihrer Sphäre auch von den einzelnen Facultäten, welche ihre 
Decane je auf ein Jahr zu wählen haben. 

Die Universität erhält ein grosses Sigel und ein kleineres Sigel 
und ein sogenanntes Secretum, sowie Ein Scepter, deren Verleihung 
unter genauen Bestimmungen über ihren Gebrauch formell ausgespro- 
chen wird. Dabei ist es nicht uninteressant, wie im Verlaufe der 
verschiedenen Entwürfe die Sigel zunächst als „zu machend" und 
dann als „gemacht" bezeichnet werden und zugleich die Form und 
xVusführung derselben eine Abänderung erfährt; auch wurde die Zahl 
der Schlüssel, durch welche das Behältniss des grossen Sigels gesperrt 
werden soll, von vier auf fünf erhöht, indem im ursprünglichen Ent- 
würfe die Artisten-Facultät nicht als gleichberechtigte Mitinhaberin 
betrachtet worden war*^). 

Die Ernennung der Doctoren der drei höheren Facultäten behält 
sich der Herzog vor (und zwar vorerst wenigstens Eines Lehrers 
der Theologie, zweier für das geistliche Recht und Eines für das 
kaiserliche Recht), hingegen die Magister der Artisten-Facultät erhal- 
ten das Recht, bei eingetretenen Erledigungen durch eigene Wahl 
sich selbst zu ergänzen, worüber binnen Monatsfrist die herzogliche 
Bestätigung zu erholen ist; in der endgiltigen Redaction wird die 
Zahl von sechs Magistern, welche zugleich die Befugniss haben Bursen 
zu halten, als das Minimum bezeichnet, während die ursprünglich be- 
absichtigte Bestimmung, dass in jedem Semester nur drei Magister, 
und diese unentgeltlich lesen sollen, fallen gelassen wurde ^'). Bei 



18) Wir werden sehen, dass hieran sich sofort eine Gegenströmung knüpfte. 
8. Cup. T), Anni. 4. 

19) Einen Mangel an LiberaUttit oder eine Hinneigung zu Regenten- WiU- 
kür können wir hierin nicht erblicken, wenn auch in Wien das ius condendi 
statuta ein unbeschränkteres war. Die Strömung des recipirten römisclien Rechtes 
war allerdings der älteren Uebung der Autonomie nicht eben günstig, und man 
construirte seitens der Juristen theoretiscli und praktisch möglichst eine Ver- 
leihung des genannten ius,, aber sicher ist auch zu bedenken, dass das fürst- 
liche Bestätigung- Recht in Zeiten stürmischer Partei -Bestrebungen eine Wohl- 

that sein kann. 

20) Auch hierin liegt gewiss ein Uebergang ^ur vollen Durchführung des 
Faouitäten-Systemes im Vergleiche mit den Grundsätzen, wornach noch die Na- 
tionen die Artisten-Facultät ausgemacht hatten ; vgl. ol en Anm. 15 f. 

21) Die Unterscheidung der Doctoren der höheren Facultäten und der Mi^ 



f t«iü 



Zeitr. I, Cäp. 3 (Stiftungsbrief). 29 

öflfentlichen Aufzögen soll den Lehrern der Universität der Rang 
nnmiÄelbar nach den beiden Stadt-Pfarrern angewiesen werden; aber 
den sämmtlichen Professoren der theologischen und der juristischen 
Facultät die Würde fürstlicher Käthe zu ertheilen, wie diess die 
ersten Entwürfe enthalten, unterliess der Herzog wieder. Auffallender 
ist, dass ursprünglich die Unabsetzbarkeit der Professoren (Criminal- 
fälle natürlich ausgenommen) ausgesprochen und denselben auch die 
Befugniss ertheilt war, bei eintretender Altersschwäche oder für die 
Dauer einer Krankheit von sich aus einen geeigneten Substituten zu 
bestellen. Es mochte wohl der Herzog im Hinblicke auf die dama- 
ligen allgemeinen Zustände diese Liberalität selbst für eine allzu ideale 
halten und sonach bei reiflicher Erwägung zurücknehmen (dass. in üb- 
licher Weise ein Vertrags-Verhältniss an die Stelle trat, s. folg. Cap., 
Anm. 2). Ausserdem waren in den zwei ersten Entwürfen auch die 
Besoldungen der Lehrer festgestellt, nemlich der Ordinarius des alten 
(d. h. canonischen) Hechtes solle jährlich 120 fl. haben, jener des 
neuen Eechtes (d. h. Liber sextus, Clementinae) 130 fl., desgleichen 
der des kaiserlichen (römischen) Rechtes 130 fl. (vgl. folg. Cap., Anm. 7), 
und der Ordinarius der Medicin 80 fl. : sechs Magister der freien Künste 
sollen zusammen 240 fl. bekommen, wovon sie die gemeinsame Kost 
im Convicte haben (dieselben heissen Collegiati). Für die Vorlesungen 
an den drei höheren Facultäten sollen die Studenten kein Honorar 
entrichten, und auch in der Artisten-Facultät nur jene Magister Ho- 
norar bekommen, welche nicht Collegiaten sind und „ausserhalb der 
Ordnung** lesen**). Die letztere Bestimmung bestand thatsächlich, 
wenn sie auch aus der schliesslichen Kedaction des Stiftungsbriefes 
wegblieb; die Feststellung der Besoldungen unterliess msfi wahr- 
scheinlich darum, weil man sich nicht die Hände binden wollte. 

Den Lehrern und den Lernenden der Universität wird (wie in 
Wien) das Privilegium ertheilt, dass all ihr Hab und Gut, vorbehalt- 
lich dasssie damit nicht Handel treiben, im ganzen Lande mauth-und zoll- 
freiaus- und ein-geht, sowie dass sie während ihres Aufenthaltes in Ingol- 



gister der' Artisten-Facultät in Bezng auf landesherrliche Ernennung oder Selbst- 
ergänzung durch Wahl bestand ganz in der nemlichen Weise in Wien (Statuten 
Ton 1405 und 1414); nur war dort die Zahl der Magister auf zwölf festgesetzt 
und die Bedingung daran geknüpft , dass stets sechs derselben ostreichische 
Landeskinder sein müssen. S. Kink, Qesch. d. üniv. Wien, Bd I, Th. 2, S. 38 
n. Bd. II, S. 266. 

22) Auch diese Einrioht! b 4 obenso in Wien 



30 Zeitr. I, Cap. 8 (Stiftungsbrief). 

Stadt keinerlei Steuer zu entrichten haben, wovon jedoch unbeweg- 
liches Eigenthum, falls sie solches erwerben, ausgenommen seil soll. 

Die Verhältnisse der Eechtspflege und Gerichtsbarkeit finden mit 
grossei* Sorgfalt ihre genaueren Bestimmungen. Dass die gesammte 
Civiljustiz und ausserdem die Uebertretungen und Vergehen dem Fo- 
rum der Universität und des ßectors anheim fielen, verstand sich da- 
mals von selbst. In Criminalfällen aber, d. h. nach üblicher Abgren- 
zung in jenen Händeln, welche „Leib und Leben" betrefi'en, war ur- 
sprünglich die Bestimmung getroffen, dass Geistliche vor das Forum 
des Bischofes von Eichstädt gehören sollen, Nicht-Geistliche aber zu- 
nächst zur Cognition (und Beurtheilung, ob der Fall criminell sei) 
dem Rector und hernach dem herzoglichen Bichter zu überliefern 
seien. Es wurde jedoch diese Scheidung nach dem Stande schliess- 
lich zu unserem Befremden wieder aufgegeben und die Anordnung 
getroffen, dass überhaupt alle Criminalfälle nach erfolgter Cognition 
des Bieters dem Forum des Bischofes überwiesen werden sollen *•*'). 

Die Angehörigen der Universität gemessen einen höheren straf- 
rechtlichen Schutz, indem jene „Freiung** im Universitäts-Hause und 
im juristischen Auditorium, wohin ein Nicht-Student, welcher einen 
Nicht-Studenten getödtet, sich flüchten kann, für denjenigen Nicht- 
Studenten nicht besteht, welcher einen Studenten tödtete. Ja in der 
ursprünglichen Bedaction war sogar die Confiscation der Güter des 
Laien, welcher einen Studenten getödtet, angeordnet. Und überhaupt 
trat in dem Strafmasse für Körperverletzung (— damals bei Weitem 
das verbreitetste Vergehen — ) in den verschiedenen Bedactionen fast 
sprungweise eine grössere Milde ein, insoferne dabei nicht das aus- 



23) Abgeselien daron, dass hieduroh später viele missliche Coinpetenz-Con- 
flicte entstanden, hatte der Staat anf solche Weise eines seiner wichtigsten 
Hohheitsrecbte aus der Hand gegeben ; denn die Criminal-Rechtspflege verblieb 
doch sonst immer dem Staate über aUen Hofmarks u. dgl. Gerichten. Vgl. 
Cap. 13, Anm. 111. In Prag stand der Universität auch die Criminal-Juris- 
diction zu (Tomek, Gesch. d. Prager Univ., 8. Ki), ebenso in Leipzig (Zarncke, 
die StatutenbQoher d. Univ. Leipzig. S. 18 u. 52) und in Basel (Vi so her, 
Gesch. d. Univ. Basel, S. 113 u. 299) in Wien desgleichen durch päpstliche Ver- 
leihung (Kink, Gesch. d. üniv. Wien, Bd. I, Tbl. 2, 8. 112, Bd. II, 8. 2ü9 f.); 
in Freiburg i. Br. fanden die älteren Statuten i. J. 1509 die Abänderung, dass 
zwischen Laien und Geistlichen unterschieden wurde, deren letztere allein unter 
das Forum des Constanzer Bischofes fielen (Schreiber, Gesch. d. Univ. Freib., 
Bd. I, S. 11, Bd. II, 8. 48); in Greifswald konnte die Jurisdiction sowohl vom 
Bischöfe als auch vom Roctor iiusgeQbt werden (Kosegarten, Gesch. d. Univ. 
Greifs w., Bd. I, 8. 71 f. u. Bd. II, 8. 115). 



Zeitr. I, Cap. 3. (Stiftungsbrief). 31 

drücklich vorbehaltene ius talionis zur Geltung kam; nemlich für 
grobe Körperverletzungen an Lehrern und Studenten wurde die Geld- 
busse von 100 Mark Silber schliesslich auf 28 Mark gemindert, des- 
gleichen für geringere von 60 Mark Silber auf 20 Pfd. Pfenning und 
für ganz geringfügige von 30 Mark Silber auf 10 Pfd. Pfenning; 
auch die Haftpflicht des flüchtigen Thäters mit seinem Vermögen 
soll sich zuletzt nur mehr bis zum Betrag der Strafe erstrecken. 
Bei allen Körperverletzungen aber bleibt der Fall der Nothwehr vor- 
behalten, und diesem es gleichgestellt, falls Jemand dadurch zur That 
gereizt wurde, dass ein Student sich an der Frau oder den Töchtern 
desselben vergriff. Der herzogliche Pfleger und seine Mannschaft 
müssen in allen Criminalfällen dem Rector zu Befehl stehen und auch 
die Stadt im Falle der Exclusion eines Studenten Beihilfe leisten, so- 
wie, wo es nöthig ist, das städtische Gefängniss zur Verfügung stel- 
len, in welchem jedoch die Verköstigung des Gefangenen auf dessen 
eigene oder der Universität Kosten stattfindet. 

Auch civilrechtliche Bestimmungen werden erlassen: Der Kläger 
soll allweg dem Antworter nachfahren in das Gericht, darein die 
Sache gehört. Bücher zu kaufen oder als Pfand sich bestellen zu 
lassen, ist jedem Nicht-Studenten ohne besondere Erlaubniss des Rec- 
tors verboten; im Uebertretungsfalle verfallen diese Bücher der Univer- 
sität. Hab und Gut eines verstorbenen Studenten nimmt der Kector 
in seine Obhut und extradirt sie nach selbsteigener Entscheidung vor- 
kommender Streitigkeiten den Erben; ist kein Erbe da, so ist die 
Verlassenschaft zum „Seelenheil" des Verstorbenen zu verwenden. 

Im ersten Entwürfe war den Studirenden auch die Pflicht aufer- 
legt, eintretenden Falls bei Vertheidigung der Stadt thätig mitzu- 
wirken. 

AJs Local der Universität wird im Stiftungsbriefe zunächst obiges 
Pfrflndnerhaus bezeichnet, welches fortan den Namen „CoUegium" 
tragen soll (diese Benennung erscheint erst von der zweiten Bedaction 
an) und die nöthigen Hörsäle und Bäumlichkeiten zu den Prüfungen 
enthält; im oberen Stockwerke desselben sollen die Magister der 
Artisten-Facultät lehren. Ausserdem aber wird unter fortschreitender 
Abänderung noch ein anderes Haus genannt, in welchem die erforder- 
lichen Oertlichkeiten für die Juristen (sowohl geistliches als auch 
kaiserliches Becht) sich befinden. 

Am Schlüsse beachten wir, dass ursprünglich auch an eine Be- 
stätigung des Stiftunpsbriefßi durch den Bischof von Eichstädt ge- 
dacht Word V b< dnkliche Zusatz aber wohlweislich bald 



.*: 



32 Zeitr. I, Cap. 4 (Die ersten Lehrer). 

wieder beseitigt wurde. Merkwflrdig ist auch, dass der Satz, in 
welchem der Sohn des Stifters als Thronfolger seine üebereinstim- 
mung mit dem Werke des Vaters und seine hieraus folgende Ver- 
pflichtung ausdrücklich ausspricht, in einer späteren Redaction einmal 
wieder gestrichen war, schliesslich aber wieder Aufnahme fand. 

Das Verzeichniss der bei der Etöffnungsfeier Anwesenden, welche 
die Stiftungs-Urkunde unterzeichneten, ist selbstverständlicher Weise 
erst in der letzten Redaction beigefügt worden. 



Cap. 4. 
Die ersten Lehrer an der Universität. 

Indem hernach die Einrichtungen zur Darstellung kommen sollen, 
welche sich die Universität sowohl als Gesammt-Körperschaft als 
auch in ihren wesentlichen Bruchtheilen durch eigene Berathung (un- 
ter landesherrlicher Bestätigung) selbst gab, möge vorerst ein kurzer 
Blick auf die dabei thätigen Männer geworfen werden. 

Herzog Ludwig hatte gewiss schon vorher gesorgt, wenigstens 
dem einfachsten Bedarf an Lehrern für seine Hochschule zu genügen; 
aber wir dürfen auch schliessen, dass unter denjenigen, welche in 
Folge des ersten Ausschreibens noch vor der Eröffnung nach Ingol- 
stadt kamen, der Eine oder Andere dazu geeignet war, für eine Lehr- 
stelle gewonnen zn werden *). Die Stellung der Professoren, wie über- 
haupt aller fürstlichen Beamten, beruhte damals auf Dienst-Verträgen, 
welche meistens (wie auf Probe) vorerst nur auf kürzere Zeit abge- 
schlossen wurden und dem Landesherm ausdrücklich das Recht wahr- 
ten, den Gedungenen sofort zu entlassen, falls derselbe sich als un- 
tauglich erweise*). Daher lag es völlig in der damaligen Uebung 
begründet, wenn noch in den ersten Monaten na<;h dem Ausschreiben 



1) Wir müssen nemlich die bei Mederer Übliche Anführung der personae 
illastriore» fQr das Anfangs-Jahr (Ann. Bd. I, 8. 1 f.) in eine nähere Verbin- 
dung mit sonstigen Notizen über das Lehrpersonal bringen. 

2) Sowie Eluckhohn, a. a. O. 347, in dieser Beziehung auf die im Reiohs- 
Archive befindliche Urkunde , welche den Vertrag mit Prof. Fromont enthält 
(s. Anm. 8), hingewiesen hat, so finden wir auch in den handschriftlichen Quel- 
len, z. B. Facultäts-Tagbüohem, äusserst häufig den Wortausdruck y^canductui 
€9t N, i\r." Vgl. unten Cap. 13, Anm. lOG u. Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 203. 



Zeitr. I, Cap. 4 (die ersten Lehrer). 33, 

Manche sich in der Absicht, ein solches Dienst- Verhältniss zu finden, 
nach Ingolstadt begaben; und wir könnten es uns hieraus erklaren, 
dass noch im Laufe des Jahres 1472 die Zahl der Lehrer im Ver- 
gleiche mit dem bescheidenen Versprechen, welches der Stiftungsbrief 
enthielt, eine weit grössere war. 

Beschränken wir uns vorläufig auf die ersten drei Jahre, welche 
die Universität auch thatsächlich bedurfte, um sich nach allen Seiten 
festzustellen und abzurunden, so war die theologische Facultät Anfangs 
nur durch Einen Lehrer, Joh. Hofmann, Suffragan in Regensburg 
(Bischof V. Hierapolis in part.), vertreten, welcher nicht einmal Ordi- 
narius war, sondern nur bis auf Weiteres einer herzoglichen Anord- 
nung Folge zu leisten hatte. In solcher Eigenschaft constituirte der- 
selbe i. J. 1473 zusammen mit Joh. Hebrer aus Bamberg und mit 
Lucas Praun, Prior des Prädicanten-Klosters zu Augsburg, die 
theologische Facultät und nahm gleichzeitig als erste Amtshandlung 
die Doctor-Promotion des Joh. Permetter von Adorf vor, welcher 
dann sofort gleichfalls als Ordinarius in die Facultät eintrat. Da 
Permetter's Promotion überhaupt die erste war, welche in Ingolstadt statt- 
fand, so konnte Herzog Ludwig der Reiche sich die Freude nicht versagen, 
dieser Feierlichkeit persönlich beizuwohnen und ein glänzendes Fest- 
mahl zu geben, bei welchem die herzoglichen Trompeter die Tafel- 
Musik machten'*). Dieser Joh. v. Adorf (wie er meistens genannt 
wird) übernahm auch durch herzogliche Präsentation mit bischöflicher 
Bestätigung die Frauen-Pfarre zu Ingolstadt, deren Verflechtung mit 
einem theologischen Lehrstuhle bereits im Stiftungsbriefe (s. vor. 
Cap. Anm. 12) vorgesehen war^). Hernach trat auch Kilian Pflu- 
ger in die theologische Facultät ein, welcher vorher unter den Ar- 
tisten gewirkt hatte ^J, und von d. J. 1475 an gehörte ihr der aus 
Wien berufene Georg Zingl an, eine hervortretende Persönlichkeit, 
auf welche wir noch weiter zurückkommen werden^). 

In der Juristen-Facultät finden wir als Vertreter des canonischen 
Rechtes gleich zu Anfang den schon oben (als Vice-Rector) genann- 
ten Wilhelm Kyrmann aus Donauwörth, welcher fünf Jahre lang 

3) Mederer, Ann. I, S. tJ f. 

4) Ebend. Einiges Weitere über Adorf s. Bd. II. Biogr. Nr. 1. 

5) Sicher ist er i. J. 1475 ordentliches Mitglied der Facultät (s. unten Cap. G 
zu Anfang), und Mederer ist im Irrthum, wenn er sagt (ebend. S. 10 f.), 
Adorf habe bis zu seinem Tode nur den Zingl als Collega in der Facultät 
gehabt. 

6) S. Bd. II, Biogr. Nr. P ' 9n Cap. 12, Anm. 103 f. 

P r a n 1 1 , Oeachlchte der UolVt ^. 3 



- * .. • 



34 Zeitr. I, Cap. 4 (die ersten Lehrer). 

täglich Morgens zwei Stunden las und eine Besoldung von 125 fl, 
bezogt), und Carl Fromont aus Paris, welcher 100 fl. erhielt®) 
und vom Bischöfe zum Vicecanzler der Universität ernannt wurde (er starb 
i. J. 1476). Zu diesen kam i. J. 1473 gleichfalls als Canonist Job. 
Mainberger (gest. i. J. 1475). Das kaiserliche Recht lehrten schon 
i. J. 1472 Job. Thardinger aus Franken®) und noch im gleichen 
Jahre Christoph Mendel von Steinfels (der erste erwählte Kector) 
und Heinrich Smiechen'^); jeder dieser drei hielt täglich Mor- 
gens zwei Stunden Vorlesung, und der Gehalt derselben belief sich auf 
120 fl. I. J. 1474 trat Wilhelm Fraunhofer und i. J. 1475 
Wolfgang Veter als Romanist in die Facultät, welch letzterer 
aber schon i. J. 1478 starb. (BetreflFs der Besoldungen vgl. oben S. 19). 
In der medicinischen Facultät waren Anfangs angestellt (wahrschein- 
lich nach obigem Besoldungs-Ansatz mit ongefähr 80 fl.): Andreas 
Reder (Mederer nennt ihn Rieder), Ulrich Ellbogen (vorher 
Arzt des Augsburger Domcapitels) und Job. Trost (dieser starb im 
J. 1478); i. J. 1473 trat Nicolaus von Regensburg ein (gleich- 
falls i. J. 1478 gestorben). 

Die Artisten-Facultät war vom ersten Jahre an reichlich besetzt : 
zu ihr gehörten: Wolfg. Federkiel aus Dorfen, Urban Klug- 
haimer aus Neuburg, Heinr. Pfeilschmid aus München, Sa- 
muel von Lichtenberg, Kilian Pfluger aus Windsheim (spä- 



7) S. die nSheren Angaben, besonders betreffs der Besoldung in Bd. II 
Urkunde Nr. 8. 

8) Wir besitzen noch (Reichs-ArchiT, Ingoist. Unir. Faso. 1, 26. Dec. 1472) 
den eigenhftndigen Revers, welchen Fromont Qber seine Professur ausstellte ; er 
bekennt darin, dass ihn Herzog Ludwig zu „einem Ordinari in dem neuen geist- 
lichen Rechte ffir die nftchsten zwei Jahre bestellt und aufgenommen'* hat, wor- 
nach er an jedem Lese-Tage eine Stunde Nachmittags zu lesen hat; daffir seien 
ihm 1(X) fl. in Gold „zugeordnet'*; und wofern er dem hiemit versprochenen 
Fleisse und redlichem Betragen nicht wirklich nachkomme, habe der Herzog die 
„Macht und Gewali, ihn zu entsetzen.^*' 

9) Ich möchte glauben, dass der bei Mederer (Annal., Bd. I, S. 3) genannte 
Tardinger der nemliohe ist, welcher in einer anderen Urkunde (s. Cap. 10, 
Anm. 7) Therdinger genannt wird (vgl. Eluckhohn, S. 344); hingegen 
wird es sehr fraglich sein, ob auch der in der eben erwfthnten Quelle (Bd II, 
Urk. Nr. 8) vorkommende Der ring mit ihm identisch ist, als dessen Nachfolger 
daselbst Mendel bezeichnet wird. 

10) Mederer (S. 2) schreibt Henrious de Schmiehm, in der Urkunde aber 
(Bd. II, Urk. Nr. 8) lesen wir Snicher, im Matrikelbuche (f. 12) Smiehen. 



Zeitr. I, Gap. 5 (allg. Statuten). 35 

ter in der theolog. Facultät), Joh. Egkental, und wohl der bedeu- 
tendste unter ihnen Joh. Tolhoph^*). 



Cap. 5. 
Die allgemeinen Universitäts-Statuten. 

Gewiss mit vollem Recht verlegt Mederer die allgemeinen Sta- 
tuten, deren Original ohne Datum ist ^), noch in das Jahr 1472, und 
wir dürfen annehmen, dass wohl unmittelbar nach der Eröfifnungs- 
Feierlichkeit es als die dringlichste Aufgabe betrachtet wurde, all- 
gemein gültige Vorschriften festzustellen*). An der Berathung aber 
und schliesslichen Abstimmung über dieselben nahmen nicht bloss die 
Lehrer, Sondern auch die Studenten Theil'^), so dass demnach hiebei 
noch der Begriff einer universitas doctorum et sdwlariunt der mass- 
gebende war, wenn auch als Frucht aus der gemeinsamen Arbeit eine 
universitas doctorum hervorgieng (vgl. oben Cap. 3, Anm. 16). Dass 
die vereinbarten Statuten vom Herzoge bestätigt wurden, ist unzweifel- 
haft, zumal auch am Schlüsse derselben, wo der Vorbehalt künftiger 
Aenderungen und Neuerungen ausgesprochen wird, die Geltung dieser 
gleichfalls an die landesherrliche Bestätigung geknüpft ist. 

Der hauptsächliche Inhalt ist (in etwas veränderter Reihe) fol- 
gender: Vor Allem soll die Universität einen „allgemeinen Rath" 
{consüiuim getierale) haben, welcher aus den Doctoren und Licentiaten 
der drei höheren Facul täten und allen wirklich als Mitglieder ein- 
geschriebenen Magistern der Artisten-Facultät besteht j jeder dieser 
genannten soll, woferne nicht ein gesetzliches Hinderniss obwaltet, 
binnen drei Tagen vom Rector in den Rath aufgenommen werden 
und demselben den im Stiftungs-Briefe vorgeschriebenen Eid leisten. 
Es ist sonach ersichtlich, dass man auf den ursprünglichen Entwurf 



11) S. Bd. II, Biogr. Nr. 3. 

1) Archiv der Universität, B, I, Nr. 2 u. 3, Abdruck bei Mederer, Cod. 
dipl. S. 58 ff. 

2) In den Eingangs- Worten wird die feierliche Errichtung als eine bereits 
geschehene erwähnt {^^illtistrissimus princeps .... solempniter erexit^*), • 

3) Ebend. S. 58: No8 doctoreSy licentiati, magistri^ baccalarii reliquiqi*e 

studentes maturo consilio praehabito uno ore , uno platMu communique 

vato subscripta stcUtUa confecimtis et condidimits. Vgl. unten Anm. 10. 

3* 



36 Zeitr. I, Cap. 6 {aüg. Statuten). 

der Stiftungs-Urkunde zurückgriff^), indem man von einer Wahl der 
Mitglieder des Käthes Umgang nahm und sämmtlichen Lehrern eine 
Theilnahme am allgemeinen Käthe zugestand, welcher die Befugniss 
hat, in Universitäts-Angelegenheiten Statuten zu machen und zu er- 
lassen und Anordnungen festzustellen und auszuführen ^). Doch war hie- 
mit, wie wir sehen werden, nicht ausgeschlossen, dass zugleich auch ein 
„engerer Kath'' zur Geltung kommen solle; s. unten Cap. 12, Anm. 5. 
Von dem Consilium und aus den Mitgliedern desselben soll der 
Kector gewählt werden, und zwar derartig, dass die Mitglieder einer 
jeden der vier Facultäten zusammen nur je Eine Stimme haben ; er- 
gibt sich ( — was bei vier Stimmen leicht möglich ist — ) für ver- 
schiedene Personen Stimmengleichheit, so hat der Landesherr die ent- 
scheidende Wahl zwischen denselben^); der zu Wählende aber soll 
bei den aufeinander folgenden Wahlacten immer einer anderen Facul- 
tät angehören, und der Turnus der Facultäten in dieser Beziehung 
ist der übliche, nemlich theologische, juristische, medicinische , phi- 
losophische; findet sich in der an die Keihe kommenden Facultftt 
kein tauglicher Candidat, so darf dieselbe übersprungen werden. All- 
gemeine Bedingungen sind, dass der zu Wählende von ehelicher Ge- 
burt, wenigstens 24 Jahre alt ist (vicesimum quintum atHngere), fer- 
ner dass er dericuSj non tarnen coniugatus^ nee in aliqua religione 
professus ist. Ist somit sicher die Elostergeistlichkeit ausgeschlossen, 
so bedürfen hingegen jene anderen Worte noch einiger Erklärung: 
nemlich es gab zweifellos viele verheirathete Kleriker, insoferne ^er 



4) S. oben Cap. 3, Anm. IS. 

5) A. a. 0. S. 59 : Generäle consilium, quod poUsiatem , facuUatem et auC' 
toriiatem omnimodam ac pknariam habecU statuendi, edendi, ordinandi, difß- 
niendi et exequendi omnia ac aingula^ quae ex iuris communis dispositione seu 
etiam stilo vel consuetudine ad consilia generalia huiusmodi universitatum seu 
coUegiorum Ucitorum communiter et divisim quomodolibet spectant seu pertinere 
dinoscuntur. Was aber die Abstimmung in diesen Plenar-Consilien betrifft, so 
mnss sich jedenfaUs die Gewohnheit und Uebung eingesteUt haben, dass jede 
Faonltät als solche nur Eine Stimme abgab (und zwar votirte die philosophisoho 
Facultät zuerst, die theologische zuletzt), und dann der Reotor aus den vier 
Stimmen das Conclusum zog; in solcher Weise wenigstens finden wir die Sache 
noch im Anfange des 16. Jahrhs. stets in den Protokollen (Archiv d. Uniy. D, 
III, Nr. 2). Eine im J. 1507 eintretende Aenderung s. Cap. 12, Anm. 12. 

6) Rotmar (b. Mederer, Ann. Bd. I, S. XXYIII) bewegt sich in einem 
grobmi Missrerständnisse der deutlichen Worte der Statuten. Hingegen yöllig 
stimmt der Sachrerhalt Überein, wonach der Herzog i. J. 1480 und 1487 bei vor- 
liegender Stimmengleichheit von seinem Entscheidungsrechte Gebrauch machte 
(s. ebend. S. 20 n. 38). 



Zeifar. I, Gap« 5 (allg. Stataten). 37 

Pflicht des Cölibates alle diejenigen, welche nur die vier niederen 
Weihen empfangen hatten, nicht unterworfen waren (jedoch mit Be- 
schränkungen bezüglich der Eingehung einer zweiten Ehe — bigami — ); 
auch bedeutete das Wort ^^clericus''*^ im Mittelalter soviel wie „schreib- 
knndig'S d. h. es war Bezeichnung der Gebildeten überhaupt im Ge- 
gensätze gegen die Laien, und Hunderte von Schreibern nahmen da- 
mals eine niederste Weihe oder selbst auch nur die Tonsur, um in 
einen Zusammenhang mit der geistlichen Gerichtsbarkeit zu treten, 
während sie immerhin beweibt sein konnten. So waren nach jenem 
Wortlaute ausser den Elostergeistlichen grundsätzlich alle ungebilde- 
ten vom Kectorate ausgeschlossen, und die Gebildeten konnten den 
ihnen etwa anklebenden Mangel der Eleriker-Eigenschaft sehr leicht 
durch eine blosse Formalität, d. h. durch Annahme einer niederen 
Weihe, ergänzen ; während aber hiebe! ehelicher Stand an sich zu- 
lässig gewesen wäre, glaubte man nach damaliger Anschauung in der 
Ehelosigkeit überhaupt eine gewisse höhere Würde erblicken zu müs- 
sen und schloss sonach verheirathete Kleriker vom höchsten Univer- 
sitätsamte aus^). Somit war es auch in Einhaltung der nemlichen 
Bedingnisse und nöthigen Falles unter Erfüllung der erwähnten For- 
malität völlig statthaft, dass zuweilen aus der einen oder anderen 
Facultät ein derselben angehörender Vornehmer {iUustris)^ welcher 
nicht Lehrer, sondern nur Student war, als Bector gewählt wurde; 
nur gab man einem Solchen, welchem das Amt als Ehrenbezeugung 
verliehen worden, zur Geschäftsführung einen Vice-Bector aus dem 



7) S. z. B. Dacange ed. Henschel, Bd. n, 8. 893 f.; überhaapt werden in 
Urkunden jener Zeit sehr häufig ckrici neben presbyteri oder notarii oder tabeU 
liones u. dgl. als eine eigene Classe Gebildeter aufgezählt (s. z. 6. Biederer, 
Cod. dipL S. 116, 119, 160), und wir lesen auch einmal (ebend. 8. 125), dass ein 
Notar bei Beglaubigung einer Urkunde sich clericua coniugatu8 nennt. Rotmar 
aUerdings (b. Mederer, Annal. Bd. I, 8. XXYU) fasst die 8ache bereits vom kleri- 
kalen 8tandpunkte seiner Zeit auf, womach man die Geistlichen in einen feind- 
Mligen Gegensatz gegen die wissenschaftlich gebildeten Laien steUte und selbst 
den Rector zun» blossen Werkzeuge * des Bischofes herabwürdigen wollte, daher 
Rotmar bei dem Worte „dericus^* lieber an YoUständig ausgeweihte Priester 
denkt und die eigenthümliche Ansicht ausspricht, dass die denselben gebürende 
Herrschaft von ihnen stets milder und weiser ausgeübt werde, als von Weltlichen. 
Wenn aber Heder er (a. a. 0. 8. 32) unter Berufung auf das Matrikelbuch 
sagt, dem als Rector gewählten Grafen von Oettingen sei „od defeetum clerica- 
tua^ der Theologe Zingl als Yicerector beigegeben worden, so übersah er zu- 
fäUig oder absichtlich die im Matrikelbuche (Arch. d. Univ. D, lY, Nr. 2, f. 101) 
deutlichst lesbare Rand-Gorrectur, welche lautet „od defeetum sufficienHs aeta- 
Ut\ Ygl. unten Cap. 13, Anm. 102 u. Zeitr. II, Gap. 2, Anm. 170 ff. 



38 Zeitr. I, Cap. 5 (aDg. Statuten). 

Lehrer-CoUegium zur Seite ^). Da die Amtsdauer des Bectors eine 
halbjährige sein sollte, war zur Wahl fQr das darauffolgende Sommer- 
Semester der 24. April und für das Winter-Semester der 18. October 
festgesetzt®). Die Wähler haben vor dem Wahlacte einen eigenen 
Wahl-Eid zu leisten, und der Gewählte muss sich binnen 24 Stunden 
über die Annahme der Wahl entscheiden. Der Rector ruft als Ober- 
haupt den Bath zusanmien und leitet die Verhandlungen desselben. 
Der Kath aber steht insoferne über dem Kector, als von beschweren- 
den Entscheidungen des letzteren an den ersteren appellirt werden 
kann. Mit Beistimmung des Bathes kann der Bector nöthigenfalls 
auch den ganzen Universitäts-Eörper mit Einschluss der Studenten 
zusammenrufen^^); regelmässig aber hat diess in jedem Semester 
Ein Mal (an St. Urban am 25. Mai und St. Katharina am 25. Nov.) 
zu dem Zwecke zu geschehen, dass nach einer Ermahnungs-Bede des 
Bectors an die Studenten durch den Pedell die unter dem vorher- 
gehenden Bectorate neu erlassenen Statuten verlesen werden. Am 
Schlüsse seiner Amtszeit veranstaltet der Bector eine Seelenmesse 
für alle früher Verstorbenen, sowie er auch bei eintretenden Todes- 
fällen von Lehrern oder an der Universität eingeschriebenen Prälaten 
oder Nobiles das feierliche Leichenbegängniss zu leiten hat. 

Analog dem grösseren Ganzen bilden auch die einzelnen Facul- 
täten ihrerseits einen „Bath'', dessen entsprechendes Oberhaupt der 
Decan ist. 

Bei allen Verhandlungen, sei es des allgemeinen Bathes oder 
einer Facultät, entscheidet einfache Stimmenmehrheit ; tritt Stimmen- 



8) Das erste Beispiel eines Studenten als Rectors war i. J. 1486 ein Graf t. 
Oettingen, und desgleichen war der unmittelbare Amtsnachfolger desselben im 
nemliohen Jahre Magnus Ayrnchmalz ein Student der Medicin; dann folg- 
ten noch in den ersten Perioden der Universität i. J. 1515 Markgraf Friedrich 
T.Brandenburg, 1516 Herzog Ernst von Bayern, 1517 wieder ein Graf t. Oettingen, 
1519 ein Fürst von Leuchtenberg, 1537 ein Graf von Castel und ein Freiherr 
T. Waldburg, 1539 der Sohn des herzoglichen Canzlers t. Eck, 11542 ein Graf 
V. Löwenstein und ein Freiherr v. Schwarzenberg. Betreffs späterer Zeit vgl. 
Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 1G9. 

9) Nur in Folge besonderer Anordnung des Herzogs war Mendel i. J. 1472 
das ganze Jahr hindurch Rector, desgleichen Mainberger 1474 und Tucher 1488. 
Auch in der kurzen Zeit von 1507 bis 1515 ind. war die Amtsdauer des Rec- 
tors ganzjährig (s. unten Cap. 12, Anm. 11 u. 32). 

10) ,^Chnnia suppoaüa^^ — diess der aUgemein übliche Ausdruck für die 
Studenten in ihrem Verhältnisse sowohl zur Universität als auch zur Facultät. 
Uebrigens vgL oben Anm. 3. 



Zeitr. I, Cap. 5 (eAlg. BtatnteD). 39 

Gleichheit ein, so ist in Sachen, welche die Universität als Ganzes 
betreffen, an den Herzog zu berichten, in Angelegenheiten aber ein- 
zelner Mitglieder hat der Bector oder beziehungsweise der Decan den 
Stich-Entscheid. 

Die Üniversitäts-Eassa, in welcher auch die Statuten und das 
grosse Sigel niedergelegt sind, ist durch drei Schlüssel zu versperren; 
Einen derselben hat der Rector in Verwahr, zwei aus dem Gesammt- 
CoUegium hiezu gewählte Lehrer theilen sich in die beiden anderen. 
Diese drei Inhaber der Schlüssel müssen den bei ihrem Eintritte und 
bei ihrem Austritte vorhandenen Eassa-Bestand schriftlich aufnehmen 
und das betreffende Protokoll in die Kassa hinterlegen^^). 

Betreffs der Lehrer wird nur die allgemeine Bestimmung gege- 
ben, dass j^ordinarie puhlice^^ nur derjenige lesen darf, welcher for- 
mell als Mitglied der Facultät aufgenommen ist {ins%gn%tu^\ hingegen 
exiraordinarie auch jeder Andere, jedoch nicht in den Stunden, in 
welchen ordentliche Vorlesungen gehalten werden, und widrigenfalls 
wäre die Vorlesung för die Zuhörer ungiltig. Durch diese Anord- 
nung ist natürlich die damals überhaupt übliche „Vertheilung der 
Vorlesungen" (s. z. B. Cap. 10, Anm. 39) vorausgesetzt, welche wir 
auch in den einzelnen Facultäts-Statuten ijeffen werden. 

Ausführlicher handeln die Statuten über die Studenten und 
namentlich über das Betragen derselben. Wer Studirens halber nach 
Ligolstadt kommt, muss sich binnen acht Tagen immatriculiren lassen, 
wobei er den Eid zu leisten und die Gebüren zu entrichten haf ). 
Alle Studenten unterliegen der Jurisdiction des Rectors; dieser ver- 
fügt die Citation und, wenn derselben nicht Folge geleistet wird, die 
Ausschliessung des Studenten, welche dem Magistrat anzuzeigen ist. 
Unter Straf-Androhung ist den Studenten verboten, nach Gebetläuten 
ohne Licht auszugehen, auf den Strassen zu schreien oder unanstän- 
dige Lieder zu singen, sich zu Würfel- und Karten-Spiel in Wirths- 
häuser zu begeben, Rache-Acte fQr erlittene Strafen an Rector und 
Bath auszuüben oder überhaupt Verbal- oder Real-Lijurien , sei es 
gegen Beamte oder Nicht-Beamte zu begehen. Die Strafen sind in 
den Statuten theils bereits festgesetzt theils dem Gutdünken des Ree- 
ll) Sonach war diess nur eine ControU-Behörde ; denn die eigentliche Yer- 
waltnng des ümYersitüta-Yermögens wurde) wofern Mederer recht berichtet 
(Ann. Bd. I. 8. XXXIY), Anfangs Ton einer Anzahl ftiterer Professoren besorgt, 
welche nach dem Tamus der Facaltäten eintraten (?) und Camerarii hiessen. 
12) Die achttägige Frist wurde i. J. 1476 wiederholt eingeschftrft; s. Cap. 10, 

8. 



40 Zeitr. h Cap. (theol. Statuten). 

tors überlassen: der vierte Theil der Strafgelder soll dem Rector an- 
heimfallen. 

Eine allgemeine Kleider-Ordnung schreibt genau das capuciwn 
des Rectors vor *•*), sowie die Farben des biretum, welches bei Doctoren 
und vornehmen Prälaten roth, bei Magistern und niederen Prälaten 
braun, bei Priestern schwarz ist. 

Am Schlüsse der Statuten stehen die Eidesformeln für die Mit- 
glieder des Rathes und für die Pedelle. 



Cap. 6. 

Statuten der theologischen Facultät. 

Im Hinblicke auf die allgemein übliche Reihenfolge der Facul- 
täten mögen hiemit zuerst die Statuten der Theologen vorgeführt 
werden, wenn auch der streng chronologische Faden denselben eine 
etwas spätere Stelle anwiese, da sie erst im J. 1475 berathen und 
beschlossen wurden'). Es traten nemlich die damaligen Mitglieder 
der theologischen Facultät, Joh. v. Adorf, Georg Zingl und Kilian 
Pfluger, zusammen, um Statuten zu entwerfen, was denselben aller- 
dings nicht viel Kopfzerbrechen kosten mochte, da sie einfach die 
Statuten der Wiener Facultät v. d. J. 1389 copirten*); nur sehr 

13) Vgl. auch anten Cap. 18, Anm. 103. Es werden in unserer Universität 
noch jetzt zwei (nicht drei, wie PhiUips meint) Exemplare dieses Capuciums, 
d. h. des sog. „Doctorstrumpfes", aufbewahrt, das eine roth mit Goldborten und 
Hermelin verbrämt, das andere bhtu mit Silberborten ; die Gestalt derselben ist 
die eines kurzen Mantelkragens mit einem selir langen freihängenden und einem 
auf die ßrustseite aufgenähten Aermel. Einem der Matrikelbücher (Arch. d. 
Univ. D, IV, Nr. 4) sind zwei schone Miniatur-Bilder vorgesetzt, auf deren einem 
der abgehende Rector seinem Nachfolger diese-* goldverbrämte Amtszeichen über- 
reicht, während auf dem anderen der neue Rector mit demselben bekleidet auf 
der Kathedra steht. (Der Ausdruck j-Doctorstrumpf** ist nach des verewigten 
Seh melier Aeusserung als „Stumpf oder Stummel" eines Doctormantels zu er- 
klären, 8. Phillips, Verz. d. Vorlesungen d. Müuchener Univ. lb4()/47, S. l*3.) 

1) 8. dieselben Bd. II, Urkunde Nr. 7. 

2) S. Kink, Gesch. d. Univ. Wien, Bd. II, 8. 95 ff. Also was vor hundert 
Jahren für gut gehalten worden, galt diesen Männern noch nicht für antiquirt; 
ein zähes Leben ist allerdings der Scholastik nicht abzusprechen. So oft in den 
Wiener Statuten Paris ausdrücklich als Vorbild genannt wird, setzen die Ingol- 
städter dafür immer „aliae univerbitates". 






Zeitr. I, Cap. 6 (theol. Statuten). 41 

Weniges Hessen sie aus denselben hinweg, sehr Weniges fügten sie 
hinzu, und einiges Einzelne (abgesehen von mannigfacher Umstellung 
der Keihenfolge) änderten sie. 

Die Facultät erhält eine eigene Matrikel, ein eigenes Sigel und 
eine eigene mit zwei Schlüsseln (für Decan und Senior) gesperrte 
Kassa. Das Recht, Statuten zu machen (vorbehaltlich der landes- 
herrlichen Bestätigung) soll ihr für alle Folgezeit ebenso gewahrt 
bleiben wie die Befugniss, Dispensationen eintreten zu lassen. 

Der Decan, welcher nach einfacher Majorität auf ein halbes Jahr 
gewählt wird, besorgt alle Angelegenheiten der Facultät, besonders 
die Vertheilung der Vorlesungen (s. unten) und die sog. collationes^ 
d. h. sermones ad clerimi Ingolstatensem ; er leitet die Facultäts- 
Sitzungen, zu welchen Licentiaten, Baccalaurei und Scholaren nur im 
Nothfalle durch Facultäts-Beschluss eingerufen werden können; am 
Schlüsse seiner Amtsführung hat er Bechnung abzulegen. 

Wer in die Facultät als Mitglied aufgenommen wird, verpflich- 
tet sich eidlich, die Statuten einzuhalten, bei den Berathungen ge- 
wissenhaft zu stimmen, die den CoUegen schuldige Achtung nicht zu 
verletzen, das Amtsgeheimniss zu bewahren, und alles irgend Uner- 
laubte beim Decan zur Anzeige zu bringen. Die Rangordnung der 
Facultäts-Mitglieder bestimmt sich nach dem Doctoren-Seuium , doch 
ist freiwilliges Zurückstehen erlaubt. Doctoren, welche von anderen 
Universitäten her eintreten, müssen sich in Allem, besonders betreffs 
der Vorlesungen, den Anordnungen des Decanes und der Facultät 
fügen. 

Seitens der Studenten wird vor Allem Sitten-Reinheit und reli- 
giöser Wandel, sowie anständiges und friedfertiges Benehmen gefor- 
dert (dass sie weder Säufer noch Tumultuanten oder dgl. sind); sie 
und alle Graduirten der Theologie müssen stets bei jeder Gelegenheit 
in cappa, d. h. in einem langen dunkeln Rock, einhergehen. 

Ein officieller Gottesdienst der Facultät findet am Tage ihres 
Patrones, nemlich des Evangelisten Johannes am 6. Mai statt ^), und 
am Samstag des Quatembers nach Pfingsten soll ein Seelen-Gottes- 
dienst für die verstorbenen Mitglieder gehalten werden (letztere Be- 
stimmung bestand in Wien nicht). Facultäts-Sache sind auch die 
sermones ad derum^ in welchen lediglich Bibelstellen in passender 
und klarer Ausdrucksweise, ohne irgend Wortwitze oder Sophistereien 

3j Wie in Paris, so auch in Wien war gleichfaüs Johannes ante portam La- 
iinam (d. h. Rom's San Giovanni faori le more) der Patron der Theologen. 



^. -^u 



42 Zeitr. I. Gap. 6 (iheol. Statuten). 

einzustreuen, behandelt werden sollen ; der ausgearbeitete Entwurf der- 
selben ist vorher dem Decan mitzutheilen. 

Die Vorlesungen werden auf den Zeitraum eines ganzen Jahres 
durch Facultäts-Beschluss festgesetzt und die Bücher ier Sententiae'^), 
sowie einzelne Theile oder auch Stellen der Bibel als Lehrgegenstand 
an die Lehrer ausgetheilt; desgleichen sind auch die eben erwähn- 
ten Sermones unter die Baccalaurei der Facultät zu vertheilen. In- 
dem zugleich mit dem Beginne der eigentlichen Vorlesungen auch 
die sog. principia ihren Anfang nehmen, werden täglich im Ganzen 
drei Vorträge gehalten, nemlich früh Morgens die lectio magistraiis 
seu ordinaria, hierauf Vormittags die Vorlesung der ihr principium 
machenden sententiarii, und Nachmittags jene der cursores seu biblid 
welche indpientes sind (Näheres über diese Dinge sogleich). Die 
Texte der Bibel und der Sententiae müssen die Studenten während 
ihrer ersten drei Studienjahre selbst mitbringen (in Wien während der 
ersten vier Jahre). 

Ferien sind von Peter und Paul bis Bartholomäus, d. h. v. 29. 
Juni bis 24. Aug. (in Wien bis 14. Sept.), doch ist das Lesen wäh- 
rend dieser Zeit nicht verboten. Während des Semesters sind Feier- 
tage : Bernhard, Lucas, Hieronymus, Augustinus, Oregorius, Ambrosius, 
Ascher-Mittwoch, Petri-Stuhlfeier (in Wien auch Thomas v. Aquino); 
hiezu alle jene Tage, an welchen ein feierlicher Facultäts-Act (irgend 
eine Promotion oder Disputation, s. unten) oder ein sermo ad clerum 
stattfindet. An den Bitttagen fällt nur die lectio magistralis weg, 
d. h. sententiarii und cursores müssen an denselben lesen. 

Das ganze Studium dient grundsätzlich nur der Stufenfolge ver- 
schiedener Promotionen, wodurch der Student zum Cursor (Baccalau- 
reus), von da zum sententiarius und hierauf zum licentiatus und zu- 
letzt zum magister resumptus^ d. h. zum Mitgliede der Facultät auf- 
steigt. Li den näheren Bestimmungen hierüber liegt demnach auch 
der hauptsächliche Zweck der Statuten. 

Allgemeine Vorbedingung zur Promotion jeder Art ist (abgesehen 
von Immatriculation nebst Eidesleistung), dass der Bewerber Doctor 

4) D. h. des Petras Lombardos, dessen Werk aUbekanntlichst das leitende 
Grundbuch der gesammten scholastischen Theologie war. Wer die Sohauemisse 
dieses Machwerkes und der hunderte von Commentaren , welche darüber ge- 
Bohrieben wurden, nicht durch eigenes Studium erlebt hat, entbehrt aUerdings 
der Einsicht in die Haupt-Pulsader der damaligen theologischen FaonltAten. Hier 
aber kann es unmöglich unsere Aufgabe sein, eine DarsteUung des Petras Lom- 
bardus zu geben. 



Zeitr. I, Gap. 6 (theol. Statuten). 43 

oder Licentiat einer anderen Facultät, jedenfalls aber magist-er artium 
sei oder wenigstens statt einer Prüfung über Disputirkunst eine re- 
sponsio publica erstanden habe. Die Würdigkeit zur Zulassung muss 
in einer Facultäts-Sitzung mit Einstimmigkeit oder wenigstens bedeu- 
tender Stimmenmehrheit beschlossen sein, wobei besonders darauf zu 
sehen ist, ob der Candidat stets gehorsam gegen Facultät und Decan 
gewesen sei. Sollte von Fürsten oder irgend Höhergestellten ver- 
sucht werden, Protection auszuüben, so ist Solches einfach durch Hin- 
weis auf Statuten und Eid zu erledigen, und es darf auch auf derlei 
Fürbitten keinerlei Aenderung in der Alters-Keihenfolge der Bewer- 
ber vorgenommen werden. Ordens-Mitglieder bedürfen zur Zulassung 
der Erlaubniss ihres Oberen und müssen vorher noch responsiones 
publicas als Probe logischer Bildung ablegen. Als jährlicher Zeit- 
punct für alle Bewerbungen und deren Bescheidung ist der Septem- 
ber festgesetzt. Alle schriftlichen Ausarbeitungen bei Promotionen 
jeder Art müssen vorher dem Decan oder dem Special-Lehrer (s. so- 
gleich unten) gezeigt werden. 

Wer Cursor^) werden will, muss von legitimer Geburt, wenigstens 
24 Jahre alt und ohne hässlichen Körper-Fehler {non turpiter in cor- 
pore vitiatits) sein und wenigstens die Akolythen- Weihe und seit zwei 
Jahren (in Wien seit Einem Jahre) die Würde eines Subdiacon be- 
sitzen ; femer muss er fünf Jahre hindurch (in Wien sechs) lectiones 
magistraies und ausserdem während dieser Zeit bei irgend welchen 
cursores zwei cursus, d. h. Einen über das alte und Einen über das 
neue Testament, und desgleichen bei irgend welchen senientiarii den gan- 
zen Petrus Lombardus gehört haben, zudem noch zweimal eine responsio 
piMica und wenigstens Einmal einen sermo ad clerum gehalten haben. 
Die Befähigung aber zur Zulassung soll weder in der Studienzeit allein 
ohne wirklich errungenes Wissen noch auch im Wissen allein ohne 
sittlichen Lebenswandel erblickt werden. 

Ist der Candidat zugelassen, so verpflichtet er sich durch Eides- 
leistung ausser den gewöhnlichen Puncten (Einhaltung der Statuten, 
Wohl der Facultät, Gehorsam) insbesondere, dass er den cursus nicht 
an einer anderen Universität wiederholen werde, dass er den Frieden 
zwischen seculares und religiosi aufrecht halten wolle % dass er jede 



5) Anderwärts baccalaiirewt currens genannt. 

6) In den Wiener Statuten war dabei anoh der Friede zwischen den Na^ 
tionen erwähnt; s. oben Cap. 3, Ann« 14. 



44 Zeitr. I, Cap. 6 (theol. Statuten). 

anorthodoxe oder auch nur verdächtige Lehre dem Bischöfe oder dem 
Decane anzeigen werde (in den Wiener Statuten ist der Bischof nicht 
genannt), sowie auch bereit sei, jede eigene derartige Aeussemng, 
welche ihm künftig entschlüpfen würde, zu widerrufen. Nach der 
Eidesleistung muss er den Mitgliedern der Facultät ein Frühstück 
geben (prandiutn; in Wien bestand diese Verpflichtung nicht). 

Sind diese Bedingungen erfüllt, so folgt sofort sein ^^incipere^^ 
unter einem von ihm selbst gewählten Mitgliede der Facultät, welches 
nun sein regens ist, d. h. er ist nun wirklich Cursor^ indem er im 
Auftrage der Facultät über bestimmt zugewiesene Stellen der Bibel, 
über welche zunächst vorher nicht gelesen worden war, Vorlesungen 
hält, und zwar über Einen passus aus dem alten und über Einen 
aus dem neuen Testamente^ Die Facultät setzt diese Austheilung 
unter die einzelnen cmsores so lange fort, bis die ganze Bibel er- 
schöpft ist, worauf der Turnus von Neuem beginnt. Jeder Cursor 
macht den Anfang dieser seiner Lehrthätigkeit mit einer collatio 
praeambida^ d. h. einer Rede zum Lobe der Bibel (ohne irgend 
quaestiones)^ und muss hierauf in jeder einzelnen Lehrstunde Ein Ga- 
pitel durch Text-Erklärung und Glosse ganz erledigen. Die Vor- 
lesungen der cursores dauern einschliesslich der Ferien bis Maria 
Geburt (8. Sept.), und sie bedürfen der Erlaubniss des Decanes, um 
auch nur Einen Tag auszusetzen; auch müssen sie sämmtlicben Dis- 
putationen und Promotions-Acten beiwohnen. 

War somit durch diejenigen Theologen, welche vom Studenten 
hinweg die erste höhere Stufe erreicht hatten, der Lehr-Vortrag über 
die Bibel vertreten, so diente die folgende zweite Stufe dem Betriebe 
des theologischen Haupt-Schulbuches, d. h. des Petrus Lombardus. 

Wer den cursus vollendet hat, muss Ein Jahr mit der Vorbe- 
reitung zum sententiarius zubringen und während desselben noch stets 
die lectiones magistrales besuchen und den öffentlichen Facultäts- 
Acten beiwohnen (in Wien war dieses nicht gefordert); auch muss 
derselbe, während er Cursor gewesen, wenigstens zweimal eine re- 
sponsio publica und wenigstens Einmal einen senno ad derum ge- 
halten haben. Fremde Baccalaurei werden nur auf legale Zeugnisse 
hin zugelassen und müssen in der Keihenfolge hintansteben. Die 
Eidesformel ist die gleiche wie beim Cursor; auch hat er gleichfalls 
ein prandium zu leisten (in Wien nicht). Es folgt darauf sein „prtn- 
cipiare^*^ unter Leitung eines von ihm gewählten Facultäts-Mitgliedes 
als regetis; er muss nemlich in der Aula nach einer kurzen collatio, 
in welcher er die Bibel preist, bei jedem Buche des Petrus Lombar- 



Zeitr. I, Cap. 6 (theol. Statuten). 45 

dus ein principium machen und quaestiones beifügen ^) , durch welch 
letztere er in einen „anständigen'' Meinungs- Auslausch mit seinen 
CoUegen tritt, deren ehrende Empfehlung den Schluss der Disputation 
bildet; sodann spricht er eine ausdrückliche Verwahrung gegen jede 
absichtliche oder unabsichtliche Änorthodoxie aus, deren er sich in 
seinen künftigen Vorlesungen schuldig machen würde. Hat er auf 
solche Weise dreimal principium gemacht*'), wovon ihn nach Um- 
ständen die Facultät höchstens Einmal dispensiren kann, so ist er 
baccalauretis formattis und beginnt hierauf sofort im Auftrage der 
Facultät, über den Petrus Lombardus derartig zu lesen, dass er in 
jeder Lehrstunde Eine dislinctio (oder zwei kleinere) und somit im 
Laufe Eines Studienjahres zwei Bücher erledigt (der Vortrag über 
das Granze war sonach auf zwei Jahre vertheilt). Hält derselbe täg- 
lich Vorlesung, so schliesst er an Peter und Paul (29. Juni) ; liest 
er aber einen Tag um den anderen, so fährt er während der Ferien 
fort und schliesst am 8. Sept. Eine Veröffentlichung der ^^lectura^' 
darf nur unter Approbation der Facultät erfolgen. 

Hat der sententiarius seine Vorträge über die vier Bücher in 
gehöriger Weise vollendet, so muss er sich zwei Jahre hindurch (in Wien 
drei) auf die „Hcen^ta" vorbereiten und während dieser Zeit noch immer 
die leciionts inagisiraUs besuchen und ausserdem den eben erwähn- 
ten principia der Baccalaurei beiwohnen, sowie responsiones und 
sermanes halten. Allgemeine Bedingungen nemlich zur Erlangung 
der licentia sind, dass der Candidat wenigstens 30 Jahre alt sei, im 
Ganzen 7 Jahre hindurch (in Wien 8) Theologie gehört und wenig- 
stens viermal, d. h. zweimal vor und zweimal nach dem principicn-e, 
respondirt habe (inWien kam noch die Forderung der sog. disputa- 
tiones quodlibetae^) hinzu). 

Zunächst nun muss der Bewerber sich einem ebenso strengen 
als feierlichen Licentiaten-Examen unterwerfen, nach dessen glück- 
licher Beendigung er in der Kirche ausdrücklich unter kirchlicher 
Auctorität proclamirt wird. Nach diesem Acte soll keine compotaUo 
in communi gehalten werden, wohl hingegen darf der Promovend be- 



7) Beides war in den Commentaren zum Lombardus bei jedem Buche stets 
fiblich, in längster Aasdehnung beim ersten Buche. Vgl. Zeitr. II» Cap. 1, 
Anm. 271. 

8) Das yierte Buch wurde überhaupt nicht ßo häufig und jedenfaUs kQrzer 
commentirt. 

9) Es beruhten dieselben auf dem in der thomistisoben und sootistischen 
Litterator yorliegenden Vorbilde. 



46 Zeitr. I, Cap. 6 (theol. Statuten). 

hufs der Beglückwünschung italienischen Wein für befreundete Doc- 
toren anderer Facultäten und für sonstige Genossen auftragen lassen. 

Der Licentiaten-Eid enthält ausser den üblichen allgemeinen 
Puncten die Verpflichtung, diesen academischen Grad an keiner an- 
deren Universität mehr nehmen zu wollen, der Kirche stets gehorsam 
zu sein, den Frieden zwischen seculares und religiosi zu wahren (wie 
oben beim Cursor), und in Ingolstadt die Magister-Würde zu erwerben 
und ebendaselbst wenigstens Ein Jahr lang auszuüben, aber bei der 
in der Aula stattfindenden Promotions-Feierlichkeit zufolge der Be- 
stimmung der Clementina nicht über 3000 Turonenses aufwenden zu 
wollen **•). 

Hierauf kann der Licentiat, welchem gleichfalls die Pflicht ob- 
liegt, allen feierlichen Facultäts-Acten beizuwohnen, seine ^ydetermi- 
natio^^ in den ,,vesperiae^^ machen, d. h. er muss dann quaestiones 
ausarbeiten, welche er vorher bei allen Mitgliedern der Facultät 
herumzutragen hat, und über welche er bei den vesperiae in freier 
Discussion auswendig die Vertheidigung seiner Meinung führen muss 
(sein Heft darf er nur für den Nothfall auf dem Pulte liegen haben). 

Den Schluss der ganzen Promotipns-Laufbahn macht die „aula'S 
d. h. eine Disputation, deren Einzelheiten bis ins Kleinste genau nor- 
mirt sind ; nach derselben setzt der bisherige Special-Magister {regens) 
des vesperiattis demselben das biretum auf, und der Licentiat, wel- 
cher bei dieser Handlung aidandus heisst, leistet mit gebogenen 
Knieen (flexis genibus) einen Eid, dass er künftig bei Zulassung der 
Promovenden gewissenhaft sein werde. Von da an heisst er magister 
resumptus^ d. h. Mitglied der Facultät. 

10) Die betreffende SteUe der Ton Papst Clemens Y erlassenen Bestimmungen 
ist C. 2 Clem. Y, 1 (bei Rieh ter, Corp. Jur. can. II, S. 1097). Es ist ersichtlich, 
dass dabei ein Luxusgesetz beabsichtigt war, damit Aermere nicht von der Pro- 
motion abgehalten werden; aber trotzdem ist auch diese Samme des Aufwandes 
noch anglanblich hoch, denn wenn 12 Turonenses einen Goldgulden ausmachten 
(Extrav. comm. III, 10 bei Richter ebend. S. 1199; vgl. Did. Covarruvias 
Opp. ed. Colon. 1679, 8. 775 B) und der Goldgulden einem Silberwerthe von 
2V| Thlr. (4 fl. 12 kr.) gleichkommt, so belaufen sich die 3000 Turonenses auf 
600 Hilr. (1050 fl.), was nach jetzigem Geldwerthe eine ganz enorme Summe 
repräsentiren würde. In die Statuten der Pariser theologischen Facultftt war die 
Bestimmung aus den Clementinen allerdings aufgenommen worden (s. Bulaeus, 
Hist. un. Paris. Bd. II, S. 142); aber nahezu Iftcherlich ist es, dass man bloss 
ans sclavisohem Gehorsam gegen die Clementinen nicht nur in Wien im J. 1389, 
sondern auch in Ingolstadt i. J. 1475 derlei Dinge wieder vorbrachte, wfthrend 
doch beim Worte „Turonensis** damals wahrlich kein Mensch Etwas denken 
konnte. 



Zeitr. I, Gap. 6 (theol. Statuten). 47 

Drftngt sich uns aber dabei die in den Statuten nicht beantwor- 
tete Frage auf, welcher Art denn die Lehraufgabe dieser Facultäts- 
Mitglieder in ihren lectwnes magistraUs gewesen sei, da die Bibel 
durch die ct^-sores und Petrus Lombardus durch die sententiarii ver- 
treten war, so dürfen wir im Hinblicke auf Paris, Prag, Köln und 
Wien, sowie auf spätere Zustände den vollgültigen Schluss ziehen, 
dass die magistri resumpti ihre Vorlesungen grösstentheils aus den 
Haupt - Autoren der Scholastik und insbesondere aus Thomas vou 
Aqnino (Summa theologiae) schöpften. 

Ausdrücklich aber ist in den Statuten angeordnet , dass auch die 
Magister fortwährend an den scholastischen Disputir-Uebungen , auf 
welche man ein hauptsächliches Gewicht legte, thätig Theil zu nehmen 
haben. Es muss nicht bloss jeder neu aufgenommene Magister nach 
seiner ersten Vorlesung eine dispufatio de resumpta halten, sondern 
auch während des ganzen Studienjahres finden in der ßegel Samstags 
die sog. disputationes ordinariae statt, für welche der Decan die 
Reihenfolge der Disputirenden zunächst aus den baccalaurd fommti, 
dann aus den sententiarii und hierauf aus den cursores festsetzt; 
auch Doctoren und Licentiaten der juristischen und der medicinischen 
Pacultät, sowie der Decan der Artisten, dürfen mitdisputiren. Die 
zur Disputation vorgelegten quaestiones und die darauf /bezüglichen 
conclusiones^ deren es höchstens drei sein dürfen, und zwar so dass 
zu jeder der drei wieder zwei oder drei propositiones decisivae ge- 
hören"), müssen ernst, würdig und vernünftig sein; gegenseitige 
scandalöse Polemik ist verboten ausser in Fällen offenbarer Anorthodoxie. 

Für diese und sonstige Facultäts-Feierlichkeiten ist eine Sitz- 
ordnung festgestellt, indem auf den Bänken der gradtiati ausser dem 
Rector, den illustres und den Doctoren der juristischen und der medi- 
cinischen Facultät überhaupt nur solche Theologen Platz nehmen 
. dürfen, welche irgend eine Promotion erlangt haben, und zwar auf 

> 

der ersten Bank die licentiandi, auf der zweiten die sententiarii, auf 
der dritten die cursores. 

Endlich auch sind in den Statuten die Gebüren geregelt , deren 
Ertrag für allgemeine Wohlthaten der Facultät, z. B. Seelenmessen, 
und auch für die Pedelle verwendet werden soll. Sowohl der Cursor 
als auch der sententiarius hat 2 fl. an die Facultät und 1 fl. für den 



11) Diess AHes nach dem Vorbilde der übliohen Commentare zu Petrus 
Lombardus. 



48 Zeitr. I, Cap. 7, 8 (jur. u. medio. Statuten). 

Pedell zu entrichten, der licentiandus aber 3 fl. an die Facultät und 
für den Pedell entweder 4 fl. oder ein Kleid (in Wien waren die 
Ansätze um die Hälfte geringer). 



Cap. 7. 
Statuten der juristischen Facultät 

aus der Anfangszeit der Universität fanden sich, während wir von 
einem Vorhandensein derselben unterrichtet sind, trotz wiederholter 
Nachforschung leider nicht mehr vor, und auch Rückschlüsse aus 
späteren Berathungen (s. Cap. 10 Anra. 20 ff.) führen höchstens zu 
dem dürftigen Ergebnisse, dass die Promotions-Gebüren ursprünglich 
sehr hoch gegriffen waren. Erst aus dem J. 1524, nachdem über- 
haupt mehrfache Aenderungen eingetreten, besitzen wir Statuten dieser 
Facultät; s. dieselben unten Cap. 18, Anm. 197. 



Cap. 8. 
Statuten der medicinischen Facultät. 

Bereits am Tage nach der feierlichen Einweihung der Univer- 
sität traten die drei oben genannten Professoren Trost, Ellbogen und 
Reder in der Behausung des Rectors Kyrmann zusammen, um die 
medicinische Facultät "als solche zu constituiren, und nachdem Reder 
als Decan gewählt worden, entwarfen sie Statuten, welche auch die 
Bestätigung durch den Herzog fanden *). Der Inhalt derselben, 
welcher nicht aus den Wiener Statuten entnommen wurde'), ist in 
Kürze folgender: Die Facultät bildet einen eigenen Rath (cousilium), 
führt ihre eigene Kasse und ihr eigenes Sigel. welch letzteres die 
Figuren der Heiligen Cosmas und Damianus ^) nebst dem bayerischen 



1) 8. dieselben Bd. II, Urk. Nr. 4. 

2) Vgl. Kink, Gesch. d. Un. Wien, Bd. II, 8. 15G ff. Hingegen fttr Pröi- 
burg war hierin Wien Vorbild (s. Heinr. Schreiber, Gesch. d. Un. Freib. 
Bd. I, S. 210 ff.). 

3) Diese beiden Heiligen waren auch in Wittenberg (1502) die Patrone der 
Mediciner. 



A^ 



Zeitr. J, Cap. 8 (med. Statuten"). 49 

Wappen enthält. Die Mitglieder haben bei ihrer Aufnahme einen 
besonderen Eid zu leisten; ihre Bangfolge bestimmt sich nach dem 
Alter des Datums ihrer Promotion und bei solchen, welche bereits 
promovirt aus der Fremde kommen, nach dem Alter der Aufnahme 
selbst. 

Der in jedem Semester (24. April und 18. Octbr.) gewählte 
Decan schwört seinen Eid in die Hände des Vorgängers, welcher da- 
bei zum Abschlüsse seines Amtes Rechenschaft über die Eassa ablegt. 
Der Decan leitet die Sitzungen der Facultät, in welchen er gegen- 
seitige Schmähreden nicht dulden darf und bei Stimmengleichheit 
entweder den Stich-Entscheid hat oder die Berathung vertagt; er 
beglaubigt mittelst des Sigels alle Promotions-Urkunden, über welche 
er ein eigenes Buch unter jedesmaliger Unterschrift des Notars zu 
führen hat; dafür bezieht er ausser einem höheren Antheile an den 
Promotions-Taxen eine eigene Zeugniss-Gebür. 

Die Lehrer gemessen Hundstags-Ferien vom 20. Juli bis 24. 
Aug., woneben der Decan auch noch anderweitige Ruhetage an- 
sagen kann. 

Die Bestimmungen über das Studium dienen auch hier, wie in 
den übrigen Facultäten, nur dem Endzwecke der Erreichung eines 
academisohen Grades und enthalten vielfach auch für die Mediciner 
die Forderung scholastischer Disputir-Uebungen *) ; die Facultät aber 
behält sich ausdrücklich vor, Dispensationen jeder Art eintreten zu 
lassen. 

Vorbedingung zum Baccalaureat war, dass der Bewerber drei 
Jahre hindurch Vorlesungen gehört und während dieser Zeit zweimal 
eine responsio gehalten habe ; nur wenn er bereits das Baccalaureat 
in der Artisten-Facultät erworben, wird ihm ein halbes, und wenn er 
ebcndort Licentiat oder Magister geworden, ein ganzes Jahr erlassen. 
Den Nachweis über die Studienzeit oder über die Berechtigung zu 
solchem Nachlasse muss er durch Zeugnisse oder durch Zeugen oder 
durch Eidschwur liefern. Er muss sich aus den Facultäts-Mitgliedern 
einen speciellen Lehrer wählen, welcher sein regens heisst und ihn 
dann auch bei der Facultät zur Promotion präsentirt. Vor dem 
Baccalaureats-Examen entrichtet er eine Gebür von 7 fl. und ver- 
pflichtet sich eidlich, der Facultät Achtung zu erweisen, über die 



4) DaBS auch in der damaligen Litteratur sich Mediciner eifrig im Gebiete 
der Logik bethätigten , s. m. Gesch. d. Logik, Bd. IV, S. 232 flf. u. 270 (vgl. 
auch anten Gap. 10, Anm. 34). 

p r a n 1 1 , OMcbleht« der UniTersität München I. 4 



50 Zeitr. I, Cap. 8 (med. Statuten). 

Vorgänge in derselben zu schweigen und jedenfalls für eine Abwei- 
sung nicht Kache nehmen zu wollen. Das Examen selbst besteht 
darin, dass er mehrere durch Facultäts-Beschluss festgesetzte sog. 
puncta aus den Aphorismen des Hippokrates und aus Avicenna aus- 
wendig hersagt^). Hierauf bezahlt er für seinen Regens 1 fl. und 
leistet einen Eid, dass er die Statuten der Facultat einhalten und 
vertheidigeu , das Wohl und den Frieden derselben bewahren, Ver- 
schwiegenheit äben, der bestehenden Kleider-Ordnung gehorchen, sich 
nicht als dodor legem geriren, sondern seine Baccalaureus-Vorlesungen 
in der von der Facultat bestimmten Kleidertracht halten und vor 
erlangter Licentia keine ärztliche Praxis in der Stadt oder 6 Meilen 
im Umkreise derselben ausüben werde. Um sodann vollends ein 
jjincipiens^^ zu werden, betritt er die Eathedra, um dort abermals 
einen Eid auf Bewahrung und Vertheidigung der Statuten sowie auf 
Verschwiegenheit in die Hände des Pedelles abzulegen und diesem 
eine Qebür von Yg fl. zu entrichten. Baccalaurei, welche von anderen 
Universitäten kommen, werden als indpientes aufgenommen, wenn sie 
die Gebüren bezahlen und die Eide leisten. 

Wer Licentiat oder Doctor werden will, muss nach Erwerbung 
des Baccalaureates zwei Jahre hindurch Vorlesungen besucht, allen 
Disputationen beigewohnt und dabei, so oft ihn die Beihe traf, tbätig 
(durch ^^argnere'') mitgewirkt haben, ferner während Eines Jahres 
nach Auftrag des Decanes Vorlesungen gehalten haben, ohne dadurch 
im Lehrstoffe oder in der Lese-Stunde mit den ordentlichen Profes- 
soren zu concurriren, ausserdem noch während der zwei Jahre wenig- 
stens dreimal eine responsio gehalten und, wenn es verlangt wird, 
einmal ein problema practicum erörtert haben. Sind alle diese Be- 
dingungen erfüllt, so wird er vor der versammelten Facultat präsen- 
tirt und leistet derselben einen Eid, welcher neben dem Inhalte des 
Baccalaureats-Eides noch besonders darauf gebt, dass der Bewerber 
nur von seinem Special-Lehrer die Doctor-Insignien annehmen, auch 
nicht etwa an einer anderen Universität die Licentia erholen, und 
dass er Ein Jahr hindurch unter Leitung eines Professors practiciren 
werde. Vor dem hierauf folgenden „tentamen^^ ^ welches sich auf 
theoretische und practische Medicin erstreckt und je nach Wunsch 



5) In Wien war hiebei für theoretische Medicin neben Avioenna auch Jo- 
hannitius, nnd fUr practische Rasi (Almansur) gefordert-; s. Kiuk a. a. O. 
(Näheres über diese medicinische Litteratur s. K. Sprengel, Gesch. d. Med. 3. 
Aufl. Bd. II, S. 390 —459; Isen8ee,Ge8ch. d. Medioin, Bd. I, 8. 185 ff. 



Zeitr. I, Cnp. 8 (med. Statuten). 51 

auch mit einer Privat-Prüfung bei einzelnen Lehrern verbunden wer- 
den kann, hat der Bewerber als Gebür an Geld für die Licentia 
14 fl. und, wenn er auch den Doctorgrad beabsichtigt, 20 fl. zu ent- 
richten und ausserdem jedem ordentlichen Mitgliede seiner Facultät 
ein rothes Baret • jedem der theologischen und der juristischen Facultät 
ein einfaches Baret und sämmtlichen Lehrern aller Facultäten je Ein 
Paar Handschuhe zu verehren (vgl. Cap. 13, Anm. 113). Ist die 
Abstimmung der Facultät über das Tentamen günstig ausgefallen, so 
wird er dem Vicecanzler vorgestellt. Am darauffolgenden Tage wer- 
den ihm, nachdem in einer Messe der heil. Geist angerufen worden, 
die puncta mitgetheilt^), welche er Nachmittags vorzutragen hat, und 
erst hierauf folgt das ,^examen rigor osum''' aus dem ganzen Gebiete 
der Medicin, sowie hernach die feierliche Ertheilung der Licentia 
durch den Vicecanzler. Ehe aber der Licentiat die Kathedra betritt, 
muss er nochmals sich eidlich verpflichten , die Statuten zu halten 
und zu vertheidigen , verschwiegen zu sein , und ein Jahr lang zu 
lesen, ohne dabei in Stoff oder Zeit den ordentlichen Professoren 
CJoncurrenz zu machen. Licentiaten oder Doctoren, welche von frem- 
den Universitäten kommen, müssen behufs der Aufnahme den Nach- 
weis ihres Promotions-Grades durch Zeugnisse oder eidlich liefern, 
die Gebüren bezahlen und über Eine quaestio eine öffentliche Dispu- 
tations-Probe ablegen. 

Betreffs der ärztlichen Praxis wird den Medicinern wechselseitige 
Liebe anbefohlen und somit auch ausdrücklich jede üble Nachrede 
gegen Amtsgenossen verboten. Niemand darf einen Patienten eines 
anderen Arztes zur Behandlung übernehmen, solange Letzterer nicht 
betreffs seiner Deserviten befriedigt ist; eine Ausnahme hievon tritt 
nur entweder in Folge ausdrücklicher Erlaubniss oder in dem Falle 
ein, dass der behandelnde Arzt, ohne irgend eine Verfügung zu 
treffen, abreiste. Verboten ist jede Gemeinschaft mit sog. ^^eniperid^', 
d. h. mit männlichen oder weiblichen Pfuschern, zumal wenn die- 
selben jüdischer Eeligion sind; höchstens in chirurgischen Fällen ist 
Verkehr mit solchen Koutiniers erlaubt, aber auch dann nur, wenn 
dieselben Christen sind. 



6) In Wien wurden hiezu die punota aus Hippokrates und Galenus gewählt ; 
5. Kink ebend. 8. 163 f. 



4* 



52 Zeih-. I, Cap. 9 (phil. Statuten). 



Cap. 9. 

Statuten der Artisten-Facultät. 

Die Facultät der Artisten weist bereits in den ersten Jahren 
des Bestandes der Universität eine Entwicklungs-Geschichte auf, wo- 
bei wir sowohl durch die ältesten Statuten als auch durch die Ver- 
anlassung und Art ihrer alsbaldigen Aenderung eine reichlichere Ein- 
sicht in den damaligen Betrieb der sog. philosophischen Disciplinen 
gewinnen und zugleich auf einen in jener Zeit allgemein verbreiteten 
Partei-Gegensatz unseren Blick richten müssen. 

Schon im Jahre der Gründung besass die Artisten-Facultät ihre 
Statuten^), welche sich in den meisten wesentlichen Bestimmungen 
als einen oft wörtlichen Auszug aus den Wiener Statuten v. J. 1389 
erweisen*). Nur hatte man dabei in Ingolstadt bald nach Eröffnung 
der Universität auf Andringen des oben erwähnten Martin Mair den 
in jener Zeit bestehenden Gegensatz der zwei sog. „vioe", d. h. der 
Kichtung der „anrtgwi'' und der ,,moderni'' derartig zu Grunde ge- 
legt, dass zur Vermeidung von Misshelligkeiten, welche ausserdem 
unter den Studenten entstehen könnten, die Facultät, welche nur ganz 
kurze Zeit einheitlich bestanden hatte, förmlich in zwei Facultäten 



1) Mit Recht verlegt sie Mederer (Cod. dipl«, 8. 69 ff., woselbst er sie ab- 
druckt) in d. J. 1472; nur stimmt hiemit schlecht seine wiederholte Ausdruoks- 
weise (Ann. Bd. I, S. 5 u. 11) ^^statxUa facultatis anno 1478 jprtmMiti sunt con- 
dit<i, quod codex autographus testaUur^^, indem er dabei eben nur jene zweite 
Redaction v. J. 1478 im Auge hat, welche wir weiter unten (folg. Cap., Anm,44) 
nfther betrachten müssen. Handschriftlich erhalten sind uns die ersten Statuten 
V. 1472 im Archive d. Univers. B, I, Nr. 2, 8. XXX, woselbst sie mit den Wor- 
ten eingeleitet werden: Haec sequentia statuta factdtatein artisticam concemen- 
tia sunt dbrogata et in novam formam mutata ordinatione principum et can- 
sensu utuversitatis anno domini 1478secunda feria post Eeminiscere (vgl. Bd. II, 
Urkunde Nr. 18 am Schluss). Indem aber Mederer (Cod. dipl. S. 69) auch 
diesen Satz aufnahm, druckte er nicht bloss prius Eeminiscere^ sondern auch 
1498 statt 1478, welch letzteres Versehen, obwohl genau der nemliche Irrthom 
noch ein zweites Mal (ebend. S. 92) vorkommt, bei milderer Beurtheilung wohl 
nur als Druckfehler zu betrachten sein wird. Wenn zu Anfang der Statuten ge- 
sagt wird, sie seien auctore henedicto, d. h. von einem Verfasser gesegneten An- 
denkens, gemacht, so hätte Mederer nicht auctore Benedicto drucken soUen. 

2) Vgl. Kink, a. a. O. Bd. II, 8. 170 ff. 



Zeitr. I, Cap. (phil. Statuten). 53 

gespalten wnrde^). Die geschichtliche Sachlage ist, dass seit mehre- 
ren Jahrzehenten in dem hauptsächlichsten Lehrgegenstande der phi- 
losophischen Facultäten, nemlich in der Logik, ein tiefgreifender 
Partei-Gegensatz entstanden war, welcher seine richtige Bezeichnung 
in den Worten ^^antiqui -^ moderni^'' fand. Antiqui hiessen diejenigen, 
welche bei Erklärung der aristotelischen Logik und des allgemein 
üblichen Compendiums des Petrus Hispanus sich an die Autoren einer 
früheren Periode der Scholastik, nemlich an Albertus Magnus, Thomas 
V. Aquino und Duns Scotus, sowie an deren Anhänger anschlössen 
und sonach getreu ihren Vorbildern auch jene Theile der Logik mit 
Vorliebe pflegten, welche eine Brücke zu den damals sogenannten 
„realen*' Disciplinen der Philosophie, d. h. zur aristotelischen Physik, 
Metaphysik und Ethik, darboten. Modemi hinjgegen wurden jene ge- 
nannt, welche an die durch Occam begonnene Strömung anknüpften, 
indem sie an jener reichlichen Erweiterung und Fortbildung des 
Petrus Hispanus mitarbeiteten, welche sich vor Allem auf die sog. 
..proprieiates terminorum^^ , d. h. auf die Wortformen, der Begriffe 
und auf Verhältnisse des Satzbaues, warf und von hier aus zu einer 
unablässigen üebung in Spitzfindigkeiten und Sophismen sowie in Ge- 
wandtheit des Disputirens derartig hinüberleitete, dass über diese neuen 
Zweige der Logik (^^Sophismata^ Inaolubilia, Ohlifjaforia, Conseqitentiae^^') 
eine ganze Fluth von Schriften entstand. Somit war der Partei- 
Gegensatz an sich ein litterarischer, nicht aber ein speculativer, denn 
er gieng nicht von der Frage über die Universalien aus, welche früher 
im Mittelalter die Springfeder aller Controversen gewesen war, son- 
dern er bewegte sich nur in einer Verschiedenheit der Lehrmittel, 
durch welche man die studirende Jugend zur Logik anleiten wollte. 
Indem aber der Occamismus, von welchem die Richtung der ,^moderni^^ 



3) Univ.-Bibliothek, Cod. Mscr. 482 fol, f. 50: Facultas artium sub unico 
capite et decano ^ regebatur ; tandem ad instigationem doctoris Martini Mayrs 
fuit divisa^ et duo decani electiy quorum quilihet habuit singulare concilium 
examen et temptamen; et facta monstruosa tnultae altercationes fuerunt sub- 
secuiae inter utrasque vias in disputationibus et aliis expediendis in republica 
umversUatis et facultatis, et frequenter princeps et consiliarii sui molestati et 
legentes de universitate impediti in legendo turbati. Dieser anonyme Bericht- 
erstatter, welcher sicher i. J. 1508 schrieb, erblickte sonach in der Spaltung der 
Facnltdt die QueUe aller kommenden Streitigkeiten, während der Verfasser der 
Stataten gerade mittelst der Trennung der zwei „viae" aHera Zwiste vorzu- 

baaen yermeinte (dort nemlich lesen wir : ^^cum ex huiusmodi viis inter stu- 

dentes differentiae suboriantur^'). 



54 Zeitr. I, Cap. 9 (phil. Stututen). 

ausgegangen war und welchem man die ausgesprochene Trennung 
zwischen Theologie und Philosophie nicht verzeihen konnte, von den 
Vertretern des Papalsystems auch aus kirchen-politischen Gründen 
für ebenso verwerflich als gefahrlich gehalten werden musste, suchten 
die Thomisten in ihrem gewohnten ketzerrichlerlichen Eifer den Be- 
trieb der neueren Logik durch irgend eine verdächtigende Bezeichnung 
zu brandmarken, wozu sie einen Torwand darin fanden, dass nach all- 
gemeiner occamistischer Ansicht der „Modernen" die Logik stets auf 
den Wortausdruck der Begriffe angewiesen sei und alle Fragen über 
eine anderweitige reale Existenz der AUgemeinbegriffe von sich als 
nicht logische Fragen ablehnen und an die Metaphysik hinübergeben 
müsse. Und sobald diese Auffassungsweise der Neueren in perfider 
Weise dahin verdreht war, dass dieselben überhaupt die wirkliche 
Existenz der Universalien verneinen, hatten die Thomisten ihr gehäs- 
siges Stichwort fertig, indem sie die Modernen als ^^nominales^' be- 
zeichneten und in fühlbarer Anknüpfung an die ältere Polemik, welche 
Anseimus gegen Boscellinus geführt hatte, natürlich sich selbst als 
die Vertreter einer orthodoxen Logik, welche von den „rceite" gehegt 
werde, betrachteten. Und nachdem es in dieser Weise den Thomisten 
gelungen war, auch die Logik durch theologischen Fanatismus zu 
vergiften , begegnen wir gegen Ende des 15. Jahrh's. häufig* auch 
der erwähnten Terminologie y,reales — nominales^'' als Bezeichnung des 
Partei-Gegensatzes, und zwar derartig, dass die Modernen sich bezüg- 
lich des Gebietes der Logik bald mit Vergnügen „womiwafcs" nennen 
Hessen und sich selbst so nannten. Der Unterschied aber des bei 
dem logischen Unterrichte verwendeten Lehrstoffes und somit in die- 
sem Sinne der Gegensatz zwischen Antiqui und Moderni trat an allen 
damaligen Universitäten, bald in milderer, bald in schrofferer Weise, 
zu Tage, und den daraus entstehenden Misshelligkeiten suchte man 
in verschiedener Weise theils vorzubauen theils abzuhelfen"*). 

In Ingolstadt nun glaubte man, wie gesagt, die beste Einrich- 
tung dadurch zu treffen, dass man die beiden „Wege'^ {via antiqua 
— via moderna) als zwei neben einander bestehende Facultäten con- 
stituirte, deren jede ihren eigenen Decan, ihr eigenes Consilium, ihre 



4) Die näheren queUenmtlssigen Nachweise über Entstehung und Verbrei- 
tung dieses ganzen Partei-Gegensatzes gab ich in m. Geech. d. Logik, Bd. lY 
bea. S. 148 ff., 185—194, 223 ff.), wobei auch die hierauf bezüglichen Yerhält- 
niflse an den Uniyersit&ten Paris, Heidelberg, Wien, Erfurt, Basel, Tübingen, 
Greifs wald, Leipzig, Prag, Mainz und K51n in Betracht zu ziehen waren. 



Zeitr. I, Cap. 9 (phil. Statuten) 55 

eigene Kassa nnd ihr eigenes Sigel hat^). Alle Statuten-Bestim- 
mungen (welche wir in etwas verbesserter Ordnung vorzuführen ver- 
suchen) gelten sonach gleichmässig für beide „Wege". 

Die Mitglieder der Facultät, deren Rangfolge sich durch das 
Alter ihrer Magisterwtirde bestimmt, leisten bei Aufnahme in das 
Consilium den üblichen Eid (Achtung und Gehorsam gegen den De- 
can, eifrige Theilnahme an den Berathungen, Sorge für das Wohl der 
Facultät, Verschwiegenheit) und sind durch alle Facultäts-Beschlüsse 
gebunden. 

' -Der Decan wird von jedem der beiden Consilien aus den Mit- 
gliedern desselben durch einfache Majorität auf ein Semester gewählt 
(die „ww^atto" tritt am 28. Oct. und am 1. Mai ein); wer von bei- 
den Decanen der ältere Magister ist, hat den Vortritt. Sofort nach 
seiner Wahl hat der Decan in die Hände seines Vorgängers den Eid 
zu leisten und sein Amt anzutreten, in welchem er stets im Magister- 
Kleide erscheint. Er leitet die Facultäts-Sitzimgen , hat Jurisdiction 
in Sachen der Facultät, führt die Kassa und treibt die Strafgelder 
ein. Binnen Eines Monates muss er die Statuten den Studirenden 
öffentlich vorlesen; er sorgt für den erforderlichen Bestand der Vor- 
lesungen, Disputationen, Exercitien und Gottesdienste; bei den sog. 
dispukftiones ordinariae muss er sich thätig betheiligen (d. .h. durch 
^.argttere^^ , Näheres hierüber s. unten Anm. 14). Er lädt durch 
Anschlag zu den Baccalaureats-Prüfungen und um Neujahr zu dem 
grossen Licentiaten-Examen ein und wirkt selbst als Examinator mit; 
die Fragen, welche er und die Facultät zu stellen gedenken, darf er 
dem Candidaten nicht vorher mittheilen. Unter Beifügung des Sigels 
unterschreibt er die Promotions-Urkunden jeder Art, erhält aber für 
dasjenige, was er hiebei von Amts wegen thut, von dem Promovenden 
kein Honorar. 

Die Lehrer sind „re^ew/es" , insoferne sie sich in ordentlichen 
Vorlesungen bethätigen, welche von Facultäts wegen an die Einzelnen 
vertheilt werden; wer die Vertheilung versäumt, kann nicht regens 
sein, und nur die Vorlesungen eines adu regens haben für die Stu- 
denten volle Geltung. Jene Vorlesungen, deren Besuch Bedingung 
der Zulassung zum Baccalaureat ist, sind in Einem Semester zu voU- 



5) Dass aber der Erfolg einer Trennung der zwei Wege nicht der erwartete 
Friede war, sondern im Ge^entheile bis zum Ende der Scholastik (c. 1520) fort- 
währende Kämpfe und darum auch wechselnde Massnahmen eintraten, wird der 
weitere Terlauf zur Genüge zeigen. 



56 ^eitr. I, Cap. 9 (phil. Statuten). 

enden, in zwei Semestern aber jene, zu deren Besuch die Bacca- 
laurei verpflichtet sind, um das Magisterium erlangen zu können. Die 
zu den Vorlesungen erforderlichen Bücher werden durch das Leos 
vertheilt: Privatbesitz der Bücher ist wohl gewünscht, aber nicht 
gefordert. Jene Magister, welche „co//e//ta/i*S d. h. Mitglieder des 
coUegiutn vetus (s. oben S. 29) sind, müssen unentgeltlich lesen. 
Jeder regens muss an allen disputationcs ordhtaricbt thätig Theil 
nehmen ; dieselben finden jeden Samstag st^tt (gleichzeitig darf keiner- 
lei Vorlesung oder Exercitium gehalten werden) und dauern so lange, 
bis alle Magister sich durch ^.arguere^^ hören liessen. Die Magister 
erscheinen bei allen Vorlesungen und sonstigen Handlungen der Fa- 
cultät im oificiellen Kleide. 

Neu eintretende Magister müssen, um in die Facultät aufgenom- 
men zu werden, vorher zwei Jahre lang als Regentes lesen und wäh- 
rend dieser Zeit achtmal Disputation gehalten haben, sowie Ein Jahr 
hindurch sämmtlichen Disputationen, d. h. nicht bloss den ordinariae, 
beigewohnt haben. 

Zu den Promotions-Prüfungen jeder Art werden vom Decane 
stets vier Magister der Facultät geladen; dieselben wiederholen dabei 
den obigen Aufnahme-Eid mit dem besonderen Zusätze, dass sie nur 
Würdige zur Promotion zulassen werden; die Würdigkeit aber liegt 
in .^mores, spes futuri sfadii^ eloquentia, scienlia"^ (letztere besteht in 
dem Inhalte der obligaten Vorlesungen). Aber jedes Mitglied der 
Facultät hat die Pflicht, anzuzeigen, was es Nachtheiliges über den 
Candidaten wisse; nur darf, wenn es sich dabei um Criminelles han- 
delt. Solches nur von den vier Examinatoren und dem Decane znr 
Kenntniss genommen werden, welche auch allein daniber entscheiden. 

Die Studirenden müssen in eine eigene Facultäts-Matrikel (welche 
natürlich in jedem der beiden „Wege" erforderlich ist) eingetragen 
werden und bei dieser sog. vititulatio haben sie dem Decane das Ver- 
sprechen des Gehorsams zu leisten und Gebüren zu entrichten, welche 
ihre Verwendung zu Seelen-Messen oder sonstigen frommen Zwecken 
finden. Kein Student wird zu irgend einer Promotion zugelassen 
(— und Promotion ist ja der Zweck des ganzen Studiums — ), der 
nicht fortwährend im Collegium oder in einer autorisirten Burse ge- 
wohnt hat; ausgenommen hievon sind die Ingolstädter Bürgersöhne, 
femer jene Reichen, welche sich auf ihre eigenen Kosten einen Ma- 
gister oder Informator halten, und diejenigen Armen, welche bei 
einem anderen Studenten als Diener desselben wohnen („serf.^*fm^"). 
Die Kleider-Ordnung für Studirende ist genau vorgeschrieben; ver- 



-äJti 



Zeitr, I, Cap. 9. (phil. Statuten). 57 

boten ist der Besuch des Fechtbodens, der Wirthshäuser und über- 
haupt der verdächtigen Orte, sowie das Abreissen der Anschläge, die 
Anfertigung von Pasquillen und die Besudlung der Wände; geboten 
hingegen anständiges Betragen bei Disputationen u. dgl. Das Ho- 
norar für jene Vorlesungen, welche nicht von Collegiaten gehalten 
werden (s. oben), muss vor Ende der Vorlesung erlegt werden; ho- 
norarfrei sowohl für Vorlesungen als auch für Exercitien sind die 
Armen, d. h. jene, welche entweder in einer Burse oder in Dienst- 
verhältniss bei einem anderen Studenten wohnen. 

Das Studium ist in jeder Beziehung in feste Gränzen abgesteckt, 
und in bestimmter Abfolge sind lectiones^ exercitia und dispuMiones 
serotinae angeordnet, so dass alle sog. resumptiones y d. h. Repeti- 
tionen des Gelesenen, welche in den Bursen vorgenommen werden, 
nur ausserhalb jener festgesetzten Stunden erlaubt sind; auch an 
Festtagen, mit Ausnahme der hohen, sind Nachmittags Disputationen 
der Baccalaureen zu halten, sowie einige Vorlesungen der Baccalaureen, 
z. B. über Computus (d. h. Kalender-Bechnung) , auf die nemliche 
Zeit festgesetzt sind. So besteht durchgängig Studienzwang, von 
welchem man es wohl keine Ausnahme nennen kann, dass die Promo- 
venden behufs ihrer determinatio und inceptio (s. unten) unter jenen 
Magistern, welche den gleichen Lehrgegenstand vertreten, jenen frei 
wählen dürfen, unter dessen Leitung sie jene Formen erfüllen wollen. 

Richten wir somit unseren Blick zunächst auf die Vorlesungs- 
Gegenstände, welche nach dem Wortlaute dieser ältesten Statuten 
für die Studirenden obligat waren, so sind behufs der Zulassung zum 
Baccalaureats - Examen gefordert: Grammatik nach dem bekannten 
Doctrinale des Alexander de villa dei, Rhetorik nach irgend einem 
beliebigen Lehrbuche, sodann in der Logik die sog. vetus ars (d. h. 
Porphyrius Isagoge, Aristot. Categ. und De interpr.) nebst Exercitium 
darüber, ein Exercitium über Arist. Analyt. priora, ferner die sog. 
Parva logicalia^) nebst Exercitium, Arist. Sophist. Elenchi und Ob- 
ligatoria^); ausserdem die Physik des Aristoteles nebst Exercitium, 



6) Diegs sind die letzten fünf Bücher der Sammula des Petrus Hispanus, 
nemlich die Lehre von den „proprietates terminorum, d. h. suppositio, ampliatio^ 
restrictio, appellatio, exponihilia^ wozu man von den späteren Erweiterungen 
noch die consequentiae beifügte (s. m. Gesch. d. Logik, Bd. III, S. 50 ff., 411 ff. 
Bd. IV, S. 204 u. 219). 

7) D. h. eine eigenthümliohe Technik der Disputation (s. ebend. Bd. IT, 
S. 40 ff. u. 52 ff.). Da übrigens die vetus ars besonders von den „antiqui^^; hingegen 



58 Zeitr. I, Gap. (phil Statuten). 

die Spbaera materialis des Sacroboscus (das übliche mittelalterliche 
Lehrbuch der Astronomie), der sog. Algorismus (d. h. Arithmetik) 
und die ersten Bücher des Euklides^). Als Honorar ist festgesetzt: 
für vetus ars 24 Groschen, für Parva logicalia und Arist. Physica je 
1 fl., för Arist. Anal. pr. 10 Gr., für Alexander, Arist. Soph. El. 
und Sphaera mat. je 3 Gr., für Bhetorica, Obligatoria, Algorismus 
imd Euclides je 1 Gr. 

Um zum Magister-Examen zugelassen zu werden, muss man ge- 
hört haben: Aristot. Analyt. posteriora nebst Exercitium, Arist. To- 
pica, De coelo, De gener. et corr., Meteor., De anima nebst Exer- 
citium, und Parva naturalia (De sensu, De somno etc.), ferner Meta- 
physica und Ethica nebst Exercitium über Eines dieser beiden letzten; 
ausserdem Theorica planetarum^). Honorar: für Arist. Eth. und 
Exercitium je 1 Pfd., Meteor, und De anima je 11 Gr. , Exercitium 
über Anal. post. und über De anima je 10 Gr., Metaphys. 9 Gr., 
Top. und De coelo je 6 Gr., An. post., D. gen. et. corr., Parv. nat. 
und Theor. plan, je 3 Gr. '®). 

Dieser Studienplan der Artisten-Facultät zeigt uns allerdings die 
überwiegende Herrschaft der aristotelischen Tradition, welche seit 
dem Ende des 13. Jahrh.'s bei Weitem der. hauptsächlichste Bil- 
dungsstoff des Mittelalters geworden war; aber wir dürfen auch nicht 
übersehen, dass in diesen Ingolstädter Statuten ebenso wie an an- 
deren damaligen Universitäten, über welche wir näher unterrichtet 
sind, neben den Werken des Aristoteles doch noch einiges Andere 



die proprictates tenninürum sowie die consequentiae (s. ebend. S. 45 ff., 56 ff., 
73 ff., 131 ff.) und die obligatoria von den ,,moderni** gepflegt wurden, zeigt 
sich, dass für das Examen keineswegs eine Ausschliesslichkeit der Einen der zwei 
Richtungen bestand. 

8) In den Wiener Statuten waren ausser den genannten Lehrstoffen noch 
gefordert: Chraecismus, Petrus Hispanus (d. h. die sSmmt liehen Bücher), Insolu- 
bilia (eine eigene Art von Sophismen, s. ebend. Bd. IT, S. 40 f., 89 ff., 110 ff.) 
und dazu Aristot. Analyt. posteriora, sowie De anima. S. Kink, a. a. O., 
Bd. II, S. 189. 

9) In Wien erscheinen dabei Arist. Anal, poster. und De anima nicht mehn 
da diese beiden dort bereits vom Baocalaureus gefordert wurden; dafür aber er- 
streckt sich der HOrzwang auch auf Perspectiva, Proportiones und De latitadi- 
nibus, sowie „irgend ein Buch de Musical 8. Kink, ebend. 8. 199. 

10) Es ist merkwürdig, dass in Wien der Honorarsatz ein ganz fthnlioher 
ist (8. ebend. S. 213) und somit für die Ingolstädter das inzwischen verflossene 
Jahrhundert auch in Anbetracht des Geldwerthes keine wesentliche Aendemng, 
als nothwendig erscheinen liev. 



Zeitr. I, Cap. 9 (phil. Statuten). 59 

gleichfalls als obligater Gegenstand galt. Diess aber war, wie sich 
zeigt, der Fall bei Grammatik, Rhetorik, Arithmetik, Geometrie und 
Astronomie ; und wenn nun auch immerhin darauf hingewiesen werden 
mag, dass diese letzteren Vorlesungen sämmtlich an Honorar-Satz 
und, wie wir sehen werden"), auch an Stundenzahl weit hintanstehen, 
sowie dass in diesen ältesten Statuten in Ingolstadt Musik unerwähnt 
bleibt ( — *s|fter wird dieselbe dort ebenso aufgenommen"), wie sie 
es in Wien von Anfang an war — ), so befinden wir uns doch bezüg- 
lich des Studien-Umkreises der Artisten-Facultäten grundsätzlich auf 
dem uralten Standpunkte der sieben sog. artes liberales, welche be- 
kanntlichst zu Anfang des Mittelalters aus dem Schulbetriebe des 
absterbenden Alterthumes überall aufgenommen worden waren (Mar- 
cianus Capeila, Boethius, Cassiodorus, Isidorus, Beda, Alcuin u. s. f.). 
Ja man sprach noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrh.'s deutlich 
das Bewusstsein aus, dass die allgemeine vorbereitende Bildung, von 
welcher man zu den höheren Facultäten übergeht, nach jener alten 
Sieben-Theilung zu gliedern sei^**). Nur hatte es der Verlauf der 
Jahrhunderte mit sich gebracht, dass die Dialektik, welche ursprüng- 
lich in völlig gleichartiger Stellung neben den übrigen sechs freien 
Künsten sich befand, später durch das Bekanntwerden des ganzen 
aristotelischen Organons an Ausdehnung gewann und bald hernach, als 
durch die Araber die sämmtlichen Theile des aristotelischen Systems 
dem Abendlande übermittelt worden, sich unter Auctorität des Ari- 
stoteles zum Betriebe der Philosophie erweiterte, wodurch die vor- 
mals gleichberechtigten Schwester-Künste verkürzt und in den Hinter- 
grund gedrängt wurden. Einem späteren geschichtlichen Fortschritte 
war es dann vorbehalten, dass Grammatik und Rhetorik sich in die 
Pflege des wiedererwachten Alterthumes umwandelten und viel später 
an die Stelle der physikalischen Bücher des Aristoteles .allmälig die 



11} 8. unten Cap. 10, Anm. 42, 46, 53 u. bes. die in Anm. 62 angeführte 
Urknnde.] 

12) S. unten Cap. 10, Anm. 37 n. 46. 

13) In den Einleitungen der Schriften über Logilc war es meist üblich , eine 
Eintheilung der Wissenschaft darzulegen, und bei solcher Veranlassung bot zu- 
erst Nicolaus Dorbellus (gest. i. J. 1455) die zwei Verse dar 

j^Chram^*' loqmtuVf ^^Dia^^ vera docet^ „Bhet^*^ verba colorcU, 
,,Mus^^ canit^ «-4^" numerat, »»G^«" pondercU^ »»-^l«*" colit astra, 

welche in. der nächstfolgenden Zeit häufig genug wiederholt wurden (s. m. Gesch. 

d. Log. Bd. IV, 8. 175). 



60 Zeitr. I, Cap. 9 (phil. Statuten). 

Naturwissenschaften traten, von wo an erst das Ende der Scholastik 
an den Universitäten datirt werden kann. 

Kehren wir von dieser nicht unabsichtlichen Abschweifung wie- 
der zu den ältesten Ingolstädter Statuten zurück, so führt, wie sich 
von selbst versteht, die Stufenfolge der Promotion auch hier vom 
Baccalaureat zur Licentia oder zum Magisterium. Ein wenigstens 
anderthalbjähriges Studium ist Vorbedingung zur erstfeftn dieser bei- 
den Stufen, und ein wenigstens dreijähriges zur zweiten. Fremde, 
welche von anderen Universitäten kommen, müssen wenigstens drei 
Monate in Ingolstadt Vorlesungen besuchen, ehe sie zum Examen zu- 
gelassen werden; und wer von dem einen der beiden „Wege" zum 
anderen übergeht, muss in letzterem sechs Monate Zuhörer gewesen 
sein. Jedem Promotions-Examen geht eine Eidesleistung vorher, dass 
der Candidat über die Vorgänge bei der Prüfung Stillschweigen be- 
obachten und für eine etwa eintretende Zurückweisung nicht Rache 
nehmen wolle. Nach dem Examen wird auf Kosten des Bewerbers 
den Examinatoren ein Frühstück aufgetragen (anderwärts häufig „pran- 
dium Aristotelis" genannt). Jeder Promovend ist entweder „de/er- 
minaiurus^'' oder ^,incepturus''\ d. h. die nähere Bedeutung dieser 
Worte liegt in folgenden statutenmässigen Bestimmungen: Wer Bao- 
calaureus werden will, muss in dreissig dispntationes ordwariae ma- 
gistrorum *^) anwesend gewesen sein und in dreien derselben sowie in 
drei dispufafioves cxtraordinariae sich als respondeus bethätigt haben. 
Nachdem er eidlich versprochen, das Wohl der Universität fördern, 
an keiner anderen Universität das Baccalaureat abermals erwerben 
und Ein Jahr hindurch in Ingolstadt lesen zu wollen, beginnt die 



14) Wir sind über diese Mordentlichen Magister-Disputationen" etwas näher 
durch die Wiener Statuten unterrichtet, woselbst sie als der eigentliche Glanz- 
punkt einer Facultfit bezeichnet werden („magna pars ex eis pendet honoris 
facultatis^*) ; sie bewegen sich in passenden Materien, welche weder allzu 
schwierig noch allzu abgedroschen sein dürfen und aus den Gebieten der Logik, 
der Metaphysik, der Physik (natürlich all diess aristotelisch) entnommen werden; 
der präsidirende Magister legt hiezu zwei j^quaestiones^^ und höchstens drei 
„sop?Usmata^^ vor; das oft genannte j^arguere^^ besteht darin, dass drei „ar^M- 
menia^*^ vorgebracht werden, deren wenigstens Eines ein sophisma sein muss. 
In Wien bestand auch die sog. ^.disputatio de quolihet^^, welche j&hrlich Ein 
Mal gehalten wurde und aus dem Umkreise aller sieben freien Künste derartig 
entnommen wurde, dass man auch anst&ndige Scherze beimischte (s. Kink, a. 
a. O., Bd. II, S. 214 — 219); über die scherzhaften Quodlibeta sind wir nfther 
unterrichtet durch Fr. Zarncke, D. deutschen Univ, i Mittelalter. Lpsg. 1857| 
8. 49 ff. 



■^ 



Zeitr. I, Cap. 9 (phil. Statuten). 61 

Zeit seiner ^^determinatio^^j d. h. er muss binnen drei Monaten unter 
Leitung irgend eines Magisters eine wissenschaftliche Frage durch 
Gründe und Widerlegung der Gegengründe beantworten^^) und in 
zwei Semestern die ihm übertragene Vorlesung halten. Während 
dieser Zeit bereitet er sich zugleich auf das tentamen vor, indem er 
in dreissig dispt^ationes ordinariae sich einfindet, wovon er wenig- 
stens in Sechsen als respondens auftritt^®), und auch in dreissig Dis- 
putationen, welche nur für die Baccalaureen bestimmt sind, sich activ 
(durch arguere) bethätigt, ferner, so oft ihn der Turnus triflFt, an 
Sonntagen öffentlich disputirt und an den während der Fastenzeit 
üblichen Disputationen wöchentlich zweimal thätig Theil nimmt. Sind 
all diese Bedingungen erfüllt, so bewirbt er sich um die Licentia^'), 
indem er zunächst in dem sog. ^^tentameti^'' vom Decane und von 
vier Magistern geprüft wird; besteht er hiebei, so bekommt er in 
dem darauf folgenden und vom Yicecanzler anberaumten ^^examm"' 
nur mehr die Abstufung seiner Note (d. h. ganz zurückgewiesen kann 
er dabei nicht mehr werden). Hierauf leistet er den Licentiaten-Eid, 
worin er schwört, dass er wenigstens 20 Jahre alt sei, an keiner 
anderen Universität die Licentia erwerben werde, und betreffs der 
Rechtgläubigkeit sich stets an die bessere Ansicht {^^pars sanior^^) 
halten wolle*®). Nun tritt seine y^inceptio^^ ein, d. h. er beginnt, 
Gber irgend ein Buch des Aristoteles zu lesen, und nachdem er die 
Ehrenzeichen des Magisters (insignia magistralid) empfangen hat, 
verpflichtet er sich eidlich, das Wohl der Universität fördern, nirgend 
anders die Magister- Würde empfangen und noch zwei Jahre lang in 
Ingolstadt lesen zu wollen *^). — Die Promotions-Gebüren, welche an 
die Facultäts-Eassa fallen, müssen vor der Determinatio oder Inceptio 



15) D. h. nach dem Wortlaute der Wiener Statuten ^^unam quaestionem 
iub cUiquo magistro solemniter determinare^^, 9. Eink, If, S. 19d. 

16) In Wien, woselbst eine zehnmalige active Betheiligung gefordert wurde, 
betraf dieses respondere je Eine Quaestio aus Logik und aus Physik und Ein 
Sophisma, s. ebend. 8. 195. 

17) In Wien war ausdrücklich bestimmt, dass, wer nicht von legitimer Ge- 
bort ist, nicht zugelassen werden darf; s. Kink ebend. S. 200. Uebrigens vgl. 
unten Cap. 10, Anm. 52 u. 61. 

18) In Wien betraf der Eid lediglich das Alter, welches aber auf 21 Jahre 
festgesetzt war (Kink, 8. 202).* 

19) Der dabei gewählte Ausdruck „Studium continuare^^ wftre an sich einem 
Miurent&ndnisse ausgesetzt, treffender sagen dafür die Wiener Statuten (ebend* 
8. 205) ^legere in arHhus^'. 



62 Zcitr. I, Cap. 9 fpbil. Stählten) 

entrichtet werden, der Pedell empfängt seinen Antheil bei dem Acte 
selbst; beim Magisterium wird das Honorar dea Yicecanzlers und des 
Pedelles bei der Vorladung zum Examen bezahlt. Bei den Prüfungen 
jeder Art muss je ein Candidat des alten Weges neben einem des 
neuen Weges sitzen. 

Officielle Gottesdienste sind durch die Statuten festgesetzt auf 
den Tag der h. Katharina als der Patronin der Facultät***) und auf 
den Quatember-Mittwoch der Fastenzeit behufs einer Seelen-Messe 
für alle verstorbenen Facultäts-Angehörigen. 

Beigefügt aber ist noch ein Bursen-Statut, welches gleichfalls 
(vgl. Anm. 2) eine oft wörtliche Uebereinstimmung mit einem Wiener 
Vorbilde, nemlich mit den dortigen Bestimmungen v. J, 1413, zeigt*'). 
Die Bursen stehen grundsätzlich unter der Artisten-Facultät, deren 
Decan im Laufe des Semesters jede Burse Einmal in feierlichem Auf- 
zuge (unter Vorantritt des Pedells mit dem Scepter) mit einigen 
Magistern besuchen und dort eine Ermahnungs-Uede halten muss. 
Vorstand einer Burse {conventor) kann nur ein ehrenwerther Magister 
sein ; für seine Mühe hat derselbe Wohnung und Kost, dazu wöchent- 
lich Einen Groschen von jedem Mitgliede der Burse, das Honorar 
für die resumptiones (d. h. erläuternde Wiederholungen der von den 
Studenten gehörten Vorlesungen), ausserdem einen massigen Antheil 
an den Ueberschüssen und freiwillige Geschenke der Schüler. 

Aufgenonmien darf in eine Burse Niemand werden, der nicht an 
der Universität immatriculirt ist; eine Ausnahme hievon ist mit Er- 
laubniss des Vorstandes zulässig bei Boten oder Verwandten eines 
Studenten, jedoch nur längstens auf eine Woche. Der Wohnungs- 
wechsel (mutatio) findet in den Bursen zu Michaelis und Georgi Statt ; 
wer gekündigt hatte, musste binnen acht Tagen das Zimmer räumen. 
Wer zwischen den zwei Zielen austrat, konnte einen Ersatzmann nur 
mit Genehmigung des Vo/standes stellen, jedenfalls aber war er zur 
Zahlung verpflichtet; Streitigkeiten hierüber entscheidet der Decan. 

Der Vorstand muss in jedem Semester zweimal die Bursen- 
Statuten verlesen; er weist den Mitgliedern (supposita) ihre Plätze 



20) Die h. Katharina soU fünfzig heidnische Philosophen, welche ihr Kaiser 
Maxentius gegenüberstellte, widerlegt haben; soTcrdiente sie es, bereits in Paris 
als Patronin der Artisten su gelten, und das Gleiche war der Fall in Freibarg 
nnd später (1602) auch noch in Wittenberg. 

21) 8. Kink, a. a. O. Bd. II, 8. 248. Nach üblicher Terminologie galt 
Überhaupt ^fitirsa^^ als sjnonym mit ,^8tudetUum domtu^*, und ^fiursae rectar*^ oder 
häufiger „amvetUar^'^ wird daher auch durch ^^uderUum haapes'* ersetst 



Zeitr. I, Cap. 9 (pbil. Statuten). 63 

an, fahrt die Leitung bei Tisch (wobei Abschnitte ans der Bibel vor- 
gelesen werden), besucht, so oft er will, die Zimmer der Mitglieder 
und überwacht die auf Besuch eintretenden Fremden (besonders be- 
züglich verdächtiger Frauenspersonen), er schliesst auch die Burse 
im Sommer bei Sonnen-Üntergang und im Winter nach dem Abend- 
essen (d. h. um 6 Uhr), sowie täglich während des Frühstückes 
(prandiom zwischen 10 und 11 Uhr) und während des exercitium 
fcur^o/e**), und zur Zeit der Früh-Messe öffnet er die Burse; jeden, 
welcher bei Thor-Schluss noch aussen weilt, muss er dem Decane 
der Facultät anzeigen. Er hat dafür zu sorgen, dass die in der Burse 
wohnenden Studenten sowohl ihre Vorlesungen besuchen als auch dem 
exercitium bursale beiwohnen und stets unter sich nur lateinisch 
sprechen; die resumptiones , d. h. Repetitionen aus den Vorlesungen, 
leitet er entweder selbst oder an seiner Stelle ein anderer Magister. 
Insoweit den Mitgliedern über ihre Angelegenheiten eine Be- 
rathang zusteht, ist dieselbe unter Leitung des Voi-stehers zu führen 
and nach einfacher Majorität zu entscheiden; gegen beschwerende 
Massnahmen des Vorstehers ist der Recurs an den Decan offen, ver- 
boten aber sind Conspirationen jeder Art. Unter Straf-Androhung 
sind verpönt: nächtliches Aussteigen, Poltern und Schreien vor den 
Thüren des Hauses, unschickliches Musiciren und überhaupt Lärm 
innerhalb der Burse, Spielen um Geld, Verbal- oder Real-Lijurien 
jeder Art, Waffentragen; alle Waffen, welche ein Student etwa auf 
die Universität mitbringt, müssen beim Vorsteher der Burse deponirt 
werden *^. 



22) Bei dem exerdtiutn bursale^ auch disputatio seroHna genannt, waren 
es die in der Burse wohnenden Baooalaurei, welche der Reihe nach die Dispu- 
tation fahren mussten (arguere)^ und zwar in Quaestiones und sophismata zum 
Petrus Hispanus. 

23) Vgl. folg.- Cap., Anm. 2. 



64 Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 



Cap. 10. 

Die ersten zwei Jahrzehente der Universität. 

Hatte die junge Anstalt auf die erwähnte Weise allm&lig den 
formell geregelten Rahmen gefunden, innerhalb dessen sie 'ihre Thä- 
tigkeit inhaltlich entfalten konnte, so bewährte sie auch in erfreu- 
licher Weise ihre Lebensfähigkeit, denn wenn es auch an auftauchen- 
den Missständen oder Störungen nicht fehlte, welche anderen Univer- 
sitäten gleichfalls nicht erspart blieben, trat doch sicher Ingolstadt 
sofort als ein mindestens ebenbürtiges Olied in die Beihe der da- 
maligen Bildungsstätten ein und trug die Keime einer in Bälde her- 
vorragenden Stellung in sich. Verhältnissmässig gross war die An- 
zahl der Studirenden, welche sich dort einfanden; denn sowie 
zu den oben (S. 21) erwähnten 489 Inscribirten , welche gleich An- 
fangs zugeströmt waren, noch im Laufe des ersten Jahres 305 hin- 
zukamen, so betrug in den ersten 21 Jahren der jährliche Neu- 
Zugang im Durchschnitte 220 (den grössten Zugang hatte das Jahr 
1484 mit 873, den geringsten 1476 mit 134); und wir werden dem- 
nach im Hinblicke auf die lange Studienzeit, welche zur Erlangung 
akademischer Würden als dem damaligen Hauptziele der Studi- 
renden gefordert war, wohl schwerlich irren, wenn wir (auch bei 
Erwägung, dass vorübergehende Störungen eintraten — s. Amn. 10 — , 
oder dass überhaupt Viele nur vorübergehend die Universität be- 
suchten) durchschnittlich eine 2 — 3-jährige Studien-Dauer der Ein- 
zelnen annehmen und hiernach vermuthen, dass jährlich ongefähr 
zwischen 500 und 600 Studirende in Ingolstadt anwesend waren'). 
Aus dem Matrikelbuche entnehmen wir uns auch da3 eigenthümliche 
Yerhältniss, dass nicht etwa zu Anfang eines jeden Semesters die 
Hauptmasse der Studirenden immatriculirt wurde, sondern stets das 
ganze Jahr hindurch in jeder Woche Immatriculationen stattfanden. 
Vom J. 1482 an ist in das Matrikelbuch auch die Inscriptions-Gebür 



1) Auch die i. J. 1483 in ganz Deutschland grassirende Pest (Mederer, 
Ann. Bd. 1, S. 24) beeintr&chtigte kaum merklich den Besuch der UniTersitflt, in- 
dem die Insoriptions-Zahl I8G Ton dem arithmetischen Mittel jener Jahrsehente 
nicht sehr weit absteht and den Bestand anderer Jahre (1478, 1480, 1491) noch 
beträchtlich übersteigt. 



Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 65 

eingetragen, welche Jeder nach Vermögen bezahlt; nemlich Arme, 
auch wenn sie aus dem Auslände kommen, sind ganz frei ; bei Weitem 
die Mehrzahl entrichtet 6 Groschen oder auch 48 Pfennige, Vornehme 
bezahlen nach Belieben 1 bis 3 fl., Fürsten sogar Hfl. Ferner aber 
schöpfen wir aus der gleichen Quelle die Einsicht, dass die junge 
Universität sich in reichem Masse eines Zuspruches aus dem Auslande 
erfreute. Schon in den ersten zwei Jahren finden wir (— um von 
den nächstgelegenen Städten Schwabens und Frankens abzusehen — ) 
Gäste aus Ulm, Blaubeuem, Schwäbisch Hall, Pforzen, Stuttgart, 
Reutlingen, Urach, Constanz, Basel, Strassburg, Savern, Kreuznach, 
Prankfurt, Hanau, Aschaffenburg, Schweinfurt, Ochsenfurt, Würzburg, 
Nürnberg, Ansbach, Hof, Kassel, Schmalkalden, Gotha, Erfurt, Salz- 
wedel, Leipzig, Zwickau, Eger, Linz, Salzburg, Mondsee, Steyermark, 
Kämthen, Kroatien, Briien, Hopfgarten, Rattenberg, Kufstein, sowie 
zwei Ankömmlinge aus Paris. Hiezu kommen in den ersten zwei 
Jahrzehenten neben Wiederholungen vieler der genannten Städte oder 
Länder noch folgende: Canstadt, Esslingen, Ravensburg, St. Gallen, 
Rapperschwyl, Schlettstadt, Metz, Speier, Mainz, Bacherach, Köln, 
Fulda, Koburg, Meissen, Naumburg, Magdeburg, Halberstadt, Wit- 
tenberg, Berlin, „Preussen", Breslau, Polen, Schweden, Wien, Krems- 
münster, Mähren, Ofen, Radstadt, Graz, Laibach, Görz, Cilly, Triest, 
Trient, Botzen, Meran, Latsch, Kitzbüchel, Innsbruck, Schwatz, Lofer 
und Mailand. 

Was zunächst die allgemeinen Universitäts-Verhältnisse 
betrifft, so zeigt sich, dass alsbald das Bedürfiiiss zur Geltung kam, 
den, bestehenden Statuten in einigen Beziehungen Ergänzungen oder 
Verschärfungen beizufügen. Vor Allem wurde noch i. J. 1472 durch 
Üniversitäts-Beschluss festgesetzt, dass fortan die allgemeinen Ferien 
von Michaelis bis Lucas, d. h. vom 29. Sept. bis 18. Oct. dauern 
sollen, woran sich jedoch die Artisten wegen der grösseren Ausdeh- 
nung ihrer Vorlesungen nicht zu halten l^rauchen; und zur gleichen 
Zeit fand man es für nöthig, die Vorsteher der Bursen unter Straf- 
androhung an ihre Aufsichts-Pflicht, besonders betreffs der von den 
Studenten abzuliefernden Waffen, zu erinnern*). Im J. 1474 erhielt 
die Kleider-Ordnung den Zusatz, dass es den Studenten verboten sei, 
ein cf-inUe zu tragen, und ausserdem erfolgte in demselben Jahre 
durch Üniversitäts-Beschluss das Verbot, irgend Mummerei zu trei- 
ben, Tanzböden zu besuchen, Hochzeitsfeste durch frivole Scandale zu 



2) S. Bd. H, ürk. Nr. 5, A (vgl. vor. Cap. Anra. 23). 
Prantl, Oetehichte der UniTertität Miinohen I. 5 



66 Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 

stören, und bei Feuersbrflnsten oder Tumulten die Wohnung zu ver- 
lassen^). Im J. 1475 wurde die Bestimmung getroffen, dass, wer 
bei Promotionen magna sedüia wünscht, dieselben auf eigene Kosten 
berstellen und ausserdem 70 Denare als Luxus-Steuer bezahlen muss^). 
In demselben Jahre vereinbarte man auch die Bangfolge, welche bei 
der Fronleichnams-Procession einzuhalten sei"). I. J. 1476 wurde 
die Vorschrift, dass neu ankommende Studenten sich binnen acht 
Tagen immatriculiren müssen, erneuert und zugleich ein allgemeines 
Verbot des Waffentragens erlassen^). Dass aber auch das Benehmen 
der Professoren zuweilen ein unfügsames war oder den roheren Sitten 
jener Zeit entsprach, sehen wir schon aus einem Vorgange, welcher 
noch in d. J. 1472 fällt; der erste gewählte Rector Mendel (s. oben 
Cap. 3, Anm. 3) machte nemlich die Erfahrung, dass mehrere Stu- 
denten unter dem Vorwande, sie seien nicht intitulirt, seinen Cita- 
tioneu den Gehorsam verweigerten, und er befahl daher allen Do- 
cänten, nicht-immatriculirte Zuhörer nicht länger als drei Tage in 
den Vorlesungen zu behalten; diesem Befehle aber widersetzte sich 
der Jurist Therdinger, welcher auch gegen Citationen des Bectors 
und Senates widerspenstig blieb und schliesslich mit Injurien ant- 
wortete, so dass an den Herzog berichtet werden musste'). Und 
nicht lange hernach finden wir einen Senats-Beschluss v. J. 1477, 
womach es den Mitgliedern des CoUegiums verboten wird, in den 
Sitzungen Injurien gegen Collegen zu verüben oder überhaupt unge- 
stümm zu schreien und zu poltern; hat Jemand Etwas vorzubringen, 
so soll er sich entweder der Vermittlung des Decanes seiner Facultät 
bedienen oder unmittelbar selbst vom Bector, welchem er sein An- 
liegen vorher mittheilt, die Erlaubniss einholen; falls etwa der Bec- 
tor ihm Gehör verweigere, ist eine Appellation an das Consiliom 
statthaft"). 



3) S. ebend. B u. C. 

4) 8. ebend. B. 

5) Archiv d. UniT. D, II, Nr. 1 f. 81 v. Hiernaeh erSffkien den Zog die 
jüngsten Scholaren der ArtiBten-Facnltät, dann folgen die Mitglieder derselben, 
hierauf ihr Decan, sodann in gleicher Weise die medioinische, die juristische 
und die theologische Faoultfit, zuletzt geht der Rector aUein. 

6) B. Bd. II, ürk. Nr. 5, D. Dass jedoch das Waffen-Yerbot erfolglos war, 
zeigte sich fortan in zahlreichen Raufhftndeln tddtlichen Ausganges leider zur 
GenQge. 

7) ArchiT-Conscrv., Tom. IV, f. 57 (auch Tom. I, 13. Sept. 1472); Reichs- 
Archiv, Ingoht. Univ., Pasc. 1, 9. u. 22. Sept. 1472. 

8) S. Bd. II, a. a. 0. E. üebrigens geht aus diesem Beschlüsse deutlich her- 



^ 1*^ 



Zeitr. I, Cap. 10 (1472— U93). 67 

Herzog Ludwig seinerseits hatte schon in den ersten Monaten 
nach Eröffnung der Universität einen Jurisdictions - üebergriff des 
Magistrates zurückgewiesen und eine Regelung der Wohnungs-Miethe 
ins Auge gefasst und in diesem Sinne verordnete er (23. Mai 1475), 
dass die Bursen-Vorsteher von den Hausherrn bezuglich des Mieth- 
preises nicht bedrückt werden sollen und bei Streitigkeiten hierüber 
zunächst vier Schiedsrichter anzurufen seien und wenn diese selbst 
sich nicht vereinigen können, ein Fünfter im Namen des Herzogs 
entscheide; und ausserdem erfolgte ein herzoglicher Erlass (21. Sept. 
1477), wornach unter Wiederholung einiger bereits in 'den ältesten 
Statuten enthaltenen Privilegien (Zollfreiheit der Studenten, Verbot 
des Ankaufes oder der Pfändung der einem Studenten gehörenden 
Bücher, Jurisdiction desRectors über denNachlass eines verstorbenen 
Studenten) auch verboten wurde, dass die Stadtknechte, d. h. die 
sog. Zechner, ohne Erlaubniss des Rectors in die Wohnung eines 
Studenten eindringen oder von einem in Haft gehaltenen Studenten 
eine Geldgabe fordern, während andrerseits den Bürgern die Be- 
schützung und^ Vertheidigung der Studenten anempfohlen und . den 
städtischen Behörden der Auftrag ertheilt wird, auf Requisition des 
Rectors jede mögliche Beihilfe zu leisten^). 

Zur Hebung der Universität trug auch die päpstliche Curie ge- 
treu dem vorhergegangenen Vorbilde ihr Möglichstes bei. Dass man 
bei solchen Gnadenspenden nicht unempfindlich gegen die klingenden 
Schätze der Erde war, kann nach allgemeiner Praxis nicht auffallen; 
und Herzog Ludwig der Reiche konnte, als er bereits i. J. 1475 
durch seinen Rath Maurkircher mit Papst Sixtus IV über drei Privi- 
legien in Unterhandlung stand (— es sind die nemlichen drei, welche 
dann am 8. Sept. 1477 wirklich ertheilt wurden — ) vorläufig an die 
Universität schreiben, die ganze Srche könne um 200 Ducaten ab- 
gemacht werden; wofeme daher die Universität berichte, dass sie 
Geld zur Verfügung habe, wolle er versuchen, den Handel etwa 
auch billiger abzuschliessen '^). Wie diese pecuniäre Seite des 6e- 



Tor, dass die Decane als solche Mitglieder des Gonsiliums waren; Tgl. oben 
Cap. 5, Anm. 4 f. u. anten Cap. 12, Anm. 13. • 

9) Arch. d. UniT. D, VIII, Nr. 1, Ende Aug. 1473. Hingegen über die 
beiden späteren Verordnungen des Herzogs Ludwig sind wir nur aus zweiter 
Hand unterrichtet, insofern dieselben in den allgemeinen Statuten y. 1522 aus- 
drficklich citirt und wiederholt werden (s. Mederer, Cad. dipl., S. 197 u. 
199); TgL unten Cap. 18, Anm. 109. 

10) 8. Bd. II, ürk. Nr. 8. 



68 Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 

Schaftes weiter verlaufen sei, wissen wir nicht. Wohl aber hatte sich 
die Universität in nächster Zeit mehrerer einflussreicher Privilegien 
seitens der Curie zu erfreuen. Nachdem nemlich Herzog Ludwig 
die unerfreuliche Wahrnehmung gemacht hatte, dass die Frequenz 
der von ihm geschaffenen Anstalt bedenklich abzunehmen drohte*'), 
indem viele Studenten an der geringen Anzahl der Professoren der 
drei höheren Facultäten Anstoss nahmen und sich zur Promotion 
anderswohin wendeten , erliess Papst Sixtus IV auf Bitten des Her- 
zoges eine Bulle (31. Juli 1477), wornach in Ingolstadt es genügen 
soll, wenn in der theologischen und in der medicinischen Facnltät 
auch nur zwei oder drei und im canonischen und Civil-Bechte nur 
vier oder fünf Professoren eine Promotion vornehmen, welcher dann 
die nemliche Giltigkeit wie den in Bologna und Salamanca stattfin- 
denden Promotionen zukomme'*). Da femer die Universität in Folge 
häufiger gröblicher Störungen, welche gegen die Privatrechte und 
Einkünfte der Corporation durch Personen aller Stände und auch 
durch Gemeinden verübt worden waren, sich mit der Bitte um Schutz 
an die Curie wendete, verlieh Sixtus IV am 31. Jifli und 8. Sept. 
1477 unter ausdrücklicher Ausserkraftsetzung der von Bonifacius VIII 
erlassenen Bestimmungen in einem an die Bischöfe von Freising und 
Augsburg und an den Domprobst von Eichstädt gerichteten Schreiben 
dem Bector und Senate der Universität die Befugniss, kraft apostoli- 
scher Auctorität über jene Rechts- Verletzer eine inappellable Kirchen- 
Censur zu verhängen und zur Kechtshilfe auch den weltlichen Arm 
anzurufen ^'^). Die Execution dieser Bulle übernahm auf Ansuchen 
der Universität der Bischof Johann von Augsburg, welcher in seinem 
Erlasse (8. April 1478) gegen die Uebertreter die übliche formelle 
Androhung der Excommunication aussprach '^). Ausserdem erwies der 



11) Der Neu-Zugang der Studirenden war auffallend rasch schon i. J. 1475 
aof 176 und hierauf i. J. 147G 80gar auf 184 gesunken. 

12) Die Original-Urkunde im Archiv d. Unir. B, I, Nr. 9; gedruckt b- Me- 
derer, Cod. dipl. S. 113. 

13) Orig.-Ürkunde des Schreibens an die BischSfe im Reichs-ArchiT, Ingoist. 
UniT. Fase. 1 , und der Ausfertigung an die UniTcrsitAt im Arch. d. Unir. B, I, 
Nr. 6, gedruckt bei Med er er a. a. 0. 8. 105 (die hiemit aufgehobene Bolle 
Bonifacius' YIII r. 1303 8. im Bullarium Romanum ed. Coquelin, Yol. III, Pars II, 
S. 101). 

14) Im Arch. d. Uniy.B, I, Nr. 10 u. 11; bei Mederer ebd. 8. 115. üebri- 
gens ist es eine irrige Ansicht oder mindestens eine schiefe Ausdrucksweise, 
wenn Rotmar (bei Mederer, Ann. I, S. XXI) und Meiners (Qescb. d. Entst. 
u. Entw. d. hohen Schulen. Bd. III, 8. 27 f.) hieraus schliessen, dass nach Pariser 



Zeitr. I, Cap. 10(1472-1493). 69 

nemliche Papst gleichzeitig (8. Sept. 1477) der Universität dadurch 
seine Gunst, dass er (unter Aufhebung beschränkender Erlasse Boni- 
facius' VIII) alle Lehrer und Studirende Ingolstadts, welche Pfründen 
oder Beneficien geniessen, von der Pflicht persönlicher Anwesenheit 
am Orte ihrer Beneficien dispensirte und hieran nur die Bedingung 
knüpfte, dass für Seelsorge u. dgl. aus den betreffenden Einkünften 
ein Vicarius bestellt werde**). Endlich ertheilte er auf Ansuchen 
des Herzogs auch noch ausdrücklich (unter dem gleichen Datum) den 
Studirenden der Theologie und den Priestern die Erlaubniss, in In- 
golstadt römisches Becht studiren zu dürfen, so dass das von Ho- 
norius III erlassene Verbot hierin kein Hinderniss sein solle *^). 

Den Tod ihres Stifters (18. Jan. 1479) durfte die Universität 
in inniger Wehmuth beklagen, zugleich aber sich der glücklichen Ge- 
wissheit hingeben, dass Ludwig's Nachfolger, Herzog Georg derEeiche, 
in gleich trefflichem Geiste wie sein Vater dem kostbaren Kleinode 
Bayerns seine landesherrliche Fürsorge ziiwende. Sowie die hoch- 
herzige Stiftung, welche Herzog Georg's Namen trägt, neu hinzukam 
(— sie soll uns Gegenstand des folgenden Cap. sein — ), so fand 
auch der vorliegende allgemeine Zustand der Universität unter dem 
Schutze einer einsichtigen Regierung seine sachgemässe Entwicklung 
und Förderung. 



Vorbild auch in Ingolstadt ein förmliches Amt ständiger y^conservittores iurum 
et privilegiorum^^ bestanden habe (auch Phillips, Progr. z. Münchner Lect.- 
Verz. 18 if), S. 16, neigt sich zu dieser Auffassung hin). Mag auch immerhin der 
Ausdruck ^^conservcUor^*^ gebraucht werden (z. B. Bd. IF, Urk. Nr. 7), so befinden 
wir uns darum noch lange nicht bei der erwähnten Pariser Einrichtung, sondern 
wir entnehmen uns aus der Function der genannten Bischöfe nichts weiteres, als 
das allgemein bestehende Yerhältniss, dass der Papst nicht unmittelbar in Ver- 
kehr mit den Gläubigen tritt, sondern die betreffenden Bischöfe überhaupt als 
Executir-Arm der Curie die päpstlichen Anprdnungen in ihren Diöcesen zur Aus- 
führung bringen; darum auch erneuert sich diese Thätigkeit der Bischöfe 
ndthigen Falls bei jeder einzelnen Bulle. Vgl. auch t. Maurer, Gesch. d. 
Städtererfass. Bd. II, S. 316 f.). 

15) Arch. d. ünir. B, I, Nr. 7; bei Mederer, Cod. dipl. 8. 109. Die 
Execution der Bulle wurde gleichfalls den Bischöfen Ton Augsburg und Freisiug 
and dem Domprobste von Eichstädt übertragen (Arch. d. üniy. ebd. Nr. 8, b. 
Mederer ebd. S. 112). 

16) Arch. d. Uniy. ebd. Nr. 5, bei Mederer ebd. S. 103. Honorius hatte 
den Theologen das Studium des römischen Rechtes i. J. 1218 verboten, nach- 
dem dasselbe in Paris ein üebergewicht über das canonische Recht, zu welchem 
es bis dahin nur als Hilfsmittel gedient hatte, za gewinnen begann; s. Bulaeus, 
Hist. un. Par. Bd. III, S. 96. 



70 Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 

Gewiss war hiezu allerdings auch die Erkenntniss und Bese^^ 
gang mancher Missstände und Gebrechen erforderlich, welche f^Ab 
allmälig in die junge Anstalt einschlichen. Es ist uns aus d. J^ 
1488 auf 89 eine von den herzoglichen Bäthen an den IngolstäA^ 
Bentmeister erlassene Instruction erhalten, welche zwar grossenfheils 
die juristische Facultät betrifft ( — hievon unten» Anm. 24 — ), aber 
auch mehreres Allgemeinere enthält*^). Es wird dort nicht bloss auf 
die Möglichkeit einer eigenen herzoglichen Untersuchungs-Gommission 
hingewiesen ( — neun Jahre später traf eine solche wirklich ein — ), 
sondern auch in sehr scharfen Ausdrücken davon gesprochen, dass in 
vielen Beziehungen mit Schaden und Schande Unordnung einreisse, 
so dass der Buf der Universität leide und besonnene Eltern sich 
scheuen, ihre Söhne nach Ingolstadt ins Verderben zu schicken« Man 
wähle zuweilen unfähige Leute als Bectoren, welche sich von Anderen 
leiten lassen und selbst strafbarer sind, als die Studenten, indem sie 
manchen Schlechtigkeiten Vorschub leisten und so die Abnahme der 
Universität verschulden; man vernachlässige die nöthige Zucht unter 
den Studenten und belege alle Vergehen nur mit Geldstrafen, um 
den Säckel der Universität zu bereichern, während es doch besser 
wäre, Freiheitsstrafen anzuwenden und unreife Knaben selbst mit 
Buthen zu peitschen. Ferner die Nachlässigkeit der Professoren sei 
derartig, dass der Vorschlag gerechtfertigt erscheine, zwei „Auf- 
merker", deren einen der Herzog ernenne und den anderen die Uni- 
versität wähle, zu bestellen, damit in allen Facultäten die Vorlese- 
Pflicht in jeder Beziehung gehörig erfüllt werde und namentlich für 
keinen Lehrer ohne betreffendes Zeugniss seines Decanes die Besol- 
dung zur Auszahlung komme. Auch gehe überhaupt mit den Besol- 
dungen mancher Untersclileif vor, da die Anstellungs-Decrete nicht 
mehr im Plenum verlesen werden, sondern lediglich beim Kämmerer 
liegen, welcher „sich Freunde aus der Kammer Gut macht", oder 
man versäume auch beim Wegzuge eines Lehrers die gehörige Ab- 
quittirung und bringe hiedurch, wie z. B. bei Windsberger (unten S. 76) 
geschehen, die Kassa zu Schaden; kurz eine ordentliche Buchfährung 
sei dringendst gefordert. Endlich auch müsse die ursprüngliche strenge 
Kleiderordnung eingehalten werden, denn die Erfahrung habe gezeigt, 
dass die Studenten es dem weiblichen Geschlechte gleich thun wollen. 



17) S. Bd. II, Urkunde 23. Die Abfassoogszeit dieser Instmction ist .da- 
durch sicher gestellt, dass in derselben einmal ausdrücklich Ton einem sechiehn- 
jAbrigen Bestände der Unirersittlt die Rede ist. 



Zeitr. I, Cap. 10 (1472— 1493J. 71 

welches dann seinerseits gleichfalls nicht zurückbleiben will, und so 
sei es gekommen, dass die jetzigen Frauen Ingolstadts eher Affen als 
Menschen gleichen. 

Es scheint, dass derlei ernste Mahnungen nicht erfolglos blieben 
und ein allgemeiner gesunder Sinn die Oberhand behielt; denn aus 
dem uns zugänglichen Materiale können wir nicht nur kein Sinken 
der Universität entnehmen, sondern wir finden sogar, dass dieselbe 
unter üeberwindung manchen Haders und mancher Missstände all- 
mälig zu einem entschiedenen Höhepunkte heranreifte. 

Betrachten wir die Vorgänge in den einzelnen Facultäten, so 
finden wir, dass in der theologischen der ursprüngliche Eifer be- 
reits einiger Aufmunterung bedurfte, insoferne die zu den Promo- 
tionen gehörigen Acte, welche vesperiae und atda hiessen (s. oben 
S. 46), offenbar als eine Last empfunden und daher auch nicht un- 
geme vermieden wurden ; es beschloss nemlich i. J. 1478 die Facultät 
behufs Steigerung der Bereitwilligkeit ihrer Mitglieder, dass den 
activen Theilnehmern der genannten Feierlichkeiten von den einzelnen 
Candidaten ein ziemlich ansehnliches Honorar (1 bis 3 fl.) entrichtet 
werden müsse ^^). üeber Mangel aber an Promotions-Candidaten dürfte 
kaum eine Klage gewesen sein; es war wenigstens i. J. 1490 die 
Anzahl der baccalaurei sententiarii , welche über Petrus Lombardus 
zu lesen hatten (s. oben S. 45), so gross, dass es an Ort und Stunde 
gebrach und dieselben nur abwechselnd lesen konnten*^). Die Art 
und Weise des wissenschaftlichen Betriebes der Theologie müssen 
wir uns in Ermanglung speciellerer Notizen lediglich aus den oben 
(Cap. 6) dargestellten Statuten entnehmen, welche allerdings deutlich 
genug hierüber Zeugniss geben. Eine litterarische Thätigkeit scheint 
keines der schon oben (S. 33) erwähnten Mitglieder der Facultät 
entwickelt zu haben. 

In der juristischen Facultät bestand, wie sich für jene Zeit 
von selbst versteht, die Zweigliederung in canonisches und römisches 
Recht, über deren beiderseitigen Betrieb wir bezüglich Ingolstadts 
keine näheren Angaben besitzen, zumal da uns auch weder ältere 
Facultäts- Statuten noch irgend schriftstellerische Arbeiten der damaligen 
Professoren vorliegen. Doch dürfte die Vermuthung eine wohlbegrün- 
dete sein, dass auch Ingolstadt von jener allgemein üblichen Lehr- 
methode keine Ausnahme machte, wornach unter Hintansetzung eines 



18) 8. Bd. II, Urk. Nr. 12. 

19) Me derer, Ann. Bd. I, 8. 38, 



72 Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1498). 

Studiums der Texte lediglich auf Grundlage der beiderseitigen Glos- 
satoren mittelst scholastischer Logik und Disputirkunst möglichst viele 
verschiedene Meinungen erörtert und controvertirt wurden*^). In beiden 
ZwQJgen der Facultät, deren jeder durchschnittlich mit wenigstens 
zwei Ordinarien besetzt war, fand ein ziemlich unstäter Wechsel der 
Personen Statt*')- Als Canonisten treffen wir nach den oben (S. 33 f.) 
genannten ersten drei Professoren zunächst i. J. 1478 Petrus 
Baumgartner aus Wasserburg, dann auf kurze Zeit (Aug. — Dec. 

1482) den Pfarrer v. Plattling Joh. Trawolt, hierauf i. J. 1483 
Conr. Lebenther, welcher eigentlich an Kyrmann's (s.^ a. a. 0.) 
Stelle kam, jedoch vorläufig eine sehr geringe Besoldung (40—50 fl.) 
erhielt, und auch nur bis 1484 blieb; sein Nachfolger wurde Ja- 
cobus de Scotis, während fast gleichzeitig neben Lebenther (Juni 

1483) auch Joh. Rosa unter Ertheilung eines Urlaubes, um an 
einer italienischen Universität zu promoviren, angestellt worden war 
(i. J. 1498 erhielt derselbe 100 fl. Besoldung); auch Jac. de Scotis 
scheint nicht lange geblieben zu sein, denn wir finden i. J. 1485 
Sigm. Eisenhover und wieder als dessen Nachfolger i. J. 1486 
Joh. Bamelspach (beide letztere mit einer Besoldung v. 32 fl.); 
hierauf aber trat i. J. 1487 Sixtus Tucher in die Facultät ein 
und bezog 130 fl. Gehalt. Vertreter des Civilrechtes waren: zunächst 
i. J. 1478 Gabriel Baumgartner, welcher an Mendl's (s.a.a. 0.) 
Stelle mit der Besoldung desselben, d. h. 120 fl., eintrat, aber gleich- 
falls erst noch die Doctorwürde in Italien erwerben musste, und von 



20) S. SaTigny, Gesch. d. R. R. i. Mittel., Bd. VI, 8. 1 ff., 8. 18. Ber- 
riat-Saint-Prix, Hist. da droit romain (Paris 1821) S. 298 ff. Das Biozige, 
was ich speciell beizubringen rermag, besteht in dem Hinweise , dass in einem 
Bibliothek-Verzeichnisse unserer ünirersität v. J. 1508 (ArchlT d. üniF. X, Nr. li 
8. unten Gap. 12, Anm. 129) folgende juristische Werke alsTorhanden aufgezählt 
werden : für das römische Recht ausser dem Pandekten-Texte ( Vetus, Inforciatum, 
NoTum, Codex) noch die Autoren: Bartolus, Baldus, Paulus de Castro, Barth. 
Salicetus, Joh. Fabri, Alex, de Imola, Joh. de Platea, Matth. SilTaticus, Petrus 
Brixiensis, Ang. de Aretio, Nicasius, Practica Ferrariensis ; für Kirchenreoht 
ausser den Texten (Decretales, Clementinae, Decisiones dominorum de rota) die 
Autoren : Archidiaconus, Summa Hostiensis, Joh. Andreas , Joh. de Imola, Henr. 
de Oyta, Conr. Sumerhart, Joh. de Turracremata, Panormitanus, Zabarella. Auf 
der Höhe der Zeit sonach, — wenn dieser Ausdruck für den damaligen Betrieb 
der Jurisprudenz znlftssig ist — , stand man auch in Ingolstadt. Vgl. unten 
Cap. 13, Anm. 298. 

21) Der Nachweis fUr die Namen und für die Amtsdauer der hier zu nen- 
nenden Juristen findet sich im Arohiv d. Uniy. E, I, Nr. 1. Die Angaben Me- 
dererg sind mannigfach irrig und lückenhaft. 



Zeitr. I, Cap. 10(1472-1493). i^ 

dort zuräckgekehrt bis 1498 in Ingolstadt wirkte; neben ihm war 
Heinr. Pistoris Professor der Institutionen, welcher jedoch i. J. 
1482, da er sich an der Verbreitung von Pasquillen betheiligte, ab- 
gesetzt wurde und GeorgEysenreich zum Nachfolger erhielt ; i. J. 
1483 wurde Gisbert von Utrecht (er heisst auch G. v. Stolzen- 
burg) angestellt, welcher vorerst 80 fl., bald aber 95 fl. Gehalt 
erhielt und bis 1487 blieb (sein Nachfolger wurde Sixtus Tucher, 
aber unter Verwendung zum canonistischen Lehrstuhle); nur zwei 
Jahre. V. 1491 bis 1493 lehrte Joh. Kaufmann, dessen Nachfolger 
Wolfgang Baumgartner bis 1498 wirkte. Die bedeutendsten 
unter diesen juristischen Lehrern waren jedenfalls Bosa, Gabr. 
Baumgartner") und Tuch er"). Doch war es hauptsächlich die 
Juristen-Facultät , welche der in oben (Anm. 17) erwähnter Instruc- 
tion ausgesprochene Tadel traf**) ; ja gerade Tucher und Gabr. Baum- 
gartner erfahren dabei den Vorwurf, dass sie weniger leisten, als 
man nach ihrer Besoldung erwarten sollte, denn als früh (d. h. des 
Morgens) lesende Doctoren seien sie eben hierin vor Anderen bevor- 
zugt, aber Tucher lese knapp eine Stunde und bei Baumgartner fehle 
es an der üblichen Zahl der Stunden ; auch wird daran erinnert, dass 
Gisbert, Tuchers Vorgänger, wider Willen der von ihm eingeschüch- 
terten Studenten die Stunde verlegt habe; überhaupt sei grosser Un- 
fleiss bei den juristischen Professoren bemerkbar, indem dieselben 
nicht bloss Lese-Tage zu anderweitigen Geschäften verwenden, son- 
dern auch sonst so häufig Ferien machen, dass im ganzen Jahre kaum 
während der Hälfte der Zeit gelesen werde; desgleichen würden die 
üblichen Disputationen vernachlässigt, und zwar aus dem misslichen 
Grunde, weil die Professoren nicht die nöthige Bildung in den freien 
Künsten besitzen und daher das Bespondiren scheuen; hingegen die 
Promotions-Gebüren seien hinreichend hoch angesetzt (für das Bacca- 
laureat 10 fl.)« so dass hiedurch die Studenten verscheucht werden. 
Kurz die juristische Facultät, welche doch mehr als die Hälfte der 
Gesammt-Einnahmen der Universität absorbire, leiste weniger, als 
die übrigen Facultäten, und in ihr müsse man sich immer an andere 
Universitäten um Gewinnung neuer Lehrer wenden, während doch 
umgekehrt Ingolstädter Professoren nach auswärts berufen werden 
sollten. Als eine Massregel, von welcher für Zukunft allmälig eine 



22) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 4. 

23) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 5. 

24) 8. Bd. II, ürk. Nr. 23. 



^ -■•-*■ •^-- - • 



74 Zeitr. I, Cap. 10 (1472— U98). 

Besserung zu erwarten sei, wird die Errichtung einer ,3ar8e der 
Edelleut^S d. h. eines Convict-Hauses für Juristen vorgeschlagen, in 
welchem dieselben neben billigerem Leben auch die Bewahrung vor 
Wirthshaus-Besuch und vor schlechtem weiblichen Umgang fänden 
(vgl. unten Cap. 12, Anip. 54). 

Die medicinische Facultät, welcher, wie wir schon oben 
(Cap. 7) sahen, auch dasjenige oblag, was jetzt Medidnal-Polizei genannt 
wird, sah sich i. J. 1479 veranlasst, die in obigen Statuten entiialtene 
Bestimmung, dass kein Scolaris in der Stadt Ingolstadt oder 6 Meilen im 
Umkreise derselben ärztliche Praxis ausüben darf, derartig verscb&rft zu 
wiederholen, dass der Nachweis der Folgeleistung als Bedingung der 
Zulassung zur Promotion festgesetzt wurde *^). Und noch in demnem- 
lichen Jahre traten in Folge der vorgekommenen Bestrafung eines 
Pfuschers und seiner Frau auch die Facultät und der städtische Ma- 
gistrat zu dem gemeinsamen Beschlüsse, welchen alsbald der Herzog 
bestätigte, zusammen, dass in Zukunft überhaupt die medicinische 
Facultät ausschliesslich das Becht der Zulassung zur Praxis haben 
solle *^). Ausserdem war man auch durch die Erfahrung belehrt 
worden, dass durch den sinnlosen Aufwand, welchen viele Mediciner 
an ihrem Promotions-Tage beim üblichen prandium machten, die 
Aermeren davon abgeschreckt wurden, in Ingolstadt zu promoviren; 
und in dieser Erwägung bestimmte i. J. 1481 die Facultät, dass ein 
Baccalaureus nicht über 16 und ein Licentiat nicht über 32 Personen 
zu jenem Frühstücke einladen dürfe. Gleichzeitig wurde auch der 
Facultäts-Beschluss gefasst, dass Scolares weder über irgend Bücher 
Vorlesungen halten noch als Privat-Assistenten von ausübenden Aerz- 
ten aufgenommen werden dürfen, sondern beides nur den Baccalaureen 
verstattet ist*^). Auch dürfen wir diesen damaligen Erweiterungen 
der Facultäts-Statuten noch eine Promotions-Ordnung anreihen, welche 
uns zwar ohne Datum überliefert ist, aber sicher spätestens dem An- 
fange des 16. Jahrhunderts angehört*^). Ihr wesentlicher Inhalt ist 
folgender: Der Candidat bittet die versammelte Facultät in kurzer 
Rede um Zulassung zur Prüfung und tritt dann auf einige Zeit ab, 
während welcher die Facultät sich über ihn beräth; nachdem er 
wieder hereingerufen und ihm die entscheidenden Stellen der Statuten 



25) 8. Bd. II, Urk. Nr. 17. 

26) 8. Bd. II, €rk. Nr. 18. 

27) 8. Bd. II, Urk. Nr. 19. 

28) 8. Bd. II, Urk. Nr. 29. 



. ■ 



Zeitor. 1, Cap. 10 (1472—1493). 75 

vorgelesen worden, wählt er aus den Mitgliedern der Facult&t einen 
^^pcUer^^ oder ^^promotor^^ ^ welchem er seine Yorlesangs-Yersäanmisse 
mittheilt, um hierauf mit demselben wieder abzutreten; die Facultftt 
berftth abermals; beide treten wieder ein, und es werden die Sta- 
tuten über Eidesleistung und Gebüren verlesen. Sodann beginnt das 
^^eniamen^^^ welches wenigstens Eine Stunde dauern muss; nach er- 
folgter günstiger Abstimmung hierüber begibt sich die ganze Facultät 
nebst dem Gandidaten zum Yicecanzler. Am folgenden Tag^ früh 
Morgens wird zur Anrufung des h. Geistes eine Messe gelesen, bei 
welcher derCandidat das Opfer zahlt; dann werden ihm die ^^punäa^^ 
zugewiesen, welche in der theoretischen Medicin aus Hippokrates und 
in der praktischen aus Rasi oder aus Avicenna entnommen werden 
(vgl. oben Cap. 7, Anm. 5 f.); er beantwortet sie schriftlich und 
schickt diese Ausarbeitung an alle Facultäts-Mitglieder. Um 1 ühr 
wird unter Vortritt des Pedells mit Scepter ins „CoUegium** gezogen, 
woselbst das „ej^amen^' durch den Decan zuerst in den theoretischen 
und dann in den praktischen Functen vorgenommen wird. Die Ab- 
stimmung geschieht in Abwesenheit des Gandidaten; ist derselbe zu- 
gelassen, so tritt er wieder ein, hält eine Dankrede und regalirt die 
Facultät mit Zucker und süssem Wein. Hierauf begibt man sich 
zum Yicecanzler, welchen der Decan um die Erlaubniss bittet, dass 
der Gandidat sich um die Insignien bewerben dürfe. Den Schluss 
macht der ^^actus doctoreus^^j wobei der Doctorand zuerst dem Kector 
den Eid leistet und hierauf im Ganonisten-Hörsal die Yicecanzler bit- 
tend anredet. Der pater {promotor) besteigt die Kathedra und der 
unten stehende Doctorand bittet ihn um Ertheilung der Insignien; 
hierauf tritt letzterer zur linken Seite des Promotors gleichfalls auf 
die Kathedra , der Promotor hält eine Rede, ernennt sodann {.^creat^') 
den Bewerber ztm Doctor, zieht ihm die cappa an, setzt ihm das 
rothe Baret auf, steckt ihm den Bing an die Hand, küsst ihn und 
übergibt ihm ein verschlossenes und ein offenes Buch. Dann aber- 
mals Eidesleistung, worauf der neu creirte Doctor sein ^^principium 
legendi^^ macht^^ und einem Mitschüler eine Quaestio vorlegt. Letz- 
tere beide Handlungen dürfen nur kurze Zeit dauern. Hierauf begibt 
man sich in die Fi*auen-Eirche, und dann geht es zum/prandium. 

Die schon oben (Gap. 4) erwähnten Lehrkräfte der medicinischen 
Facultät wurden in Bälde vermehrt oder nach ih^^em Abgange durch 



29) In Wien war hiefür die Wahl zwisoben Avi^ na oder Galenus oder 
Hippokrates freigestelU, 8. Eink a. a. 0. B4 II. 



76 Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 

andere ersetzt. Zunächst trat i. J. 1474 der herzogliche Leibarzt 
Johann Parreut (d. h. von Bayreuth) ein, hierauf i. J. 1476 der 
Arzt des Eichstä^ter Domcapitels Johann Swaiger, ein gebomer 
IngolstÄdter, und im gleichen Jahre mit einer Besoldung von 100 fl. 
Eberhard Windsberger, auch Ventimontanus oderAeolides 
genannt, welcher dem Landesfürsten auf Befragen das Horoskop 
stellte ^^). Dann folgte i. J. 1478, nachdem zwei Erledigungen ein- 
getreten waren (s. oben Cap. 4), Conrad Weigant aus Würzburg, 
welcher gleichfalls 100 fl. bezog und bis 1482 in Ingolstadt wirkte. 
An seine Stelle kam, während bereits i. J. 1481 Georg Hiltman- 
sp erger in die Facultät eingetreten war, im October d. J. 1483 
Wolf gang Peysser, dessen Besoldung von anßnglichen 40 fl. all- 
mälig auf 100 fl. erhöht wurde. Fast gleichzeitig (im Novbr.) war 
mit Conrad Durst ein Dienstvertrag (auf 60 fl.) abgeschlossen wor- 
den; da aber dieser neue Lehrer in Ingolstadt nicht eintraf, wurde 
seine Stelle dem Johann Megersheimer aus Dinkelsbühl über- 
tragen, welcher vorerst 55 fl., später 70 fl. Besoldung genoss und 
bis zum J. 1497, in welchem er die Stelle eines bischöflichen Leib- 
arztes in Würzburg antrat, lehrte. I. J. 1491 trat Magnus Airn- 
schmalz aus Weilheim gebürtig in die Facultät ein, welcher zwar 
schon i. J. 1479 als Mediciner promovirt, aber seit 1484 der Artisten- 
Facultät angehört hatte ^^). Die hervorragendsten unter diesen waren 
zweifellos Joh. Parreut'**) und Wolfg. Peysser'^); namentlich 
der Erstere zeichnete sich durch einen Zweig litterarischer Thätigkeit 
aus, welcher damals in erfreulicher Weise von mehreren Medicinern 
gepflegt wurde (vgl. oben Cap. 7, Anm. 4); er schrieb nemlich einen 



30j Nlihereä hierüber ist aus einer nicht mehr vorhandenen Handschrift, 
welche sich ehedem im Archive der UniverBitilt befunden haben mass, mitge- 
theilt bei Heinr. v. Lebeling, Historia chirurg.-anatom. faoultatig med. In- 
goist. 1791. 4. 8. 42 ff. 

31) Die Belege dieser meiner Angaben, darch welche Meder er mehrfach oor- 
rigirt wird, finden sich im Archiv d. Univ. E, I, Nr. 1 und N, I, Nr. 1 (der kleine 
Widerspruch zwischen diesen beiden Quellen, welcher die Eintritts-Zeit Peysser's 
betrifft, lost sich durch die Zeit-Differenz zwischen Abschlass des Dienstver- 
trages und wirklicher Aufnahme in die Facultät. 

32) S. Bd. II, Biogr. Nr. 6. 

33) Peysser wurde wegen ganz besonderer Verdienste i. J. ir>07 auf Lebens- 
zeit ungestellt, d. h. der Herzog sicherte ihm durch eigenes Decret den Genuss 
der Besoldung von lOO fi. auch für den Fall längerer Krankheit oder bleibender 
Unfähigkeit (dieses Decret findet sich im Reichs-Archiv, Ingoist. Univ. Fase. 2, 
Ostern 1507). Einiges Weitere über Peysser s. Bd. II, Biogr. Nr. 7. 



Zeitr. I, Cap. 10 (U72— 1493). 77 

ganz guten ConuneDtar zur aristotelischen Logik, in welchem er sich 
der von den Thomisten verketzerten occamistischen Richtung an- 
schloss •■'*) ; Peysser aber, welcher später (1521) im Auftrage der 
medicinischen Facultät eine (vom Stadtmagistrat veröffentlichte) Be- 
lehrung über Verhütung und ärztliche Behandlung der Fest verfasste, 
war stets eines der rührigsten und einfiussreichsten Mitglieder der 
Facultät, in welcher Eigenschaft wir ihm noch einige Male weiter 
unten begegnen werden. — Dass der medicinische Unterriebt nicht 
über die allgemein übliche Schul-Tradition arabischer Litteratur hin- 
ausgieng, dürfen wir mit Sicherheit sowohl aus den angeführten 
Facultäts-Statuten als auch aus dem Nichtvorhandensein jeder gegen- 
theiligen Notiz schliessen. 

Den eigentlichen Schwerpunkt aber der Universität bildete dar 
mals die Artisten-Facultät'^^), welche in wiederholten Kämpfen 
den reichen Verlauf einer inneren Geschichte aufweist, deren ver- 
schiedene Wandlungen sowohl bei der Körperschaft der ganzen Uni- 
versität als auch bei der herzoglichen Begierung eine sorgfältige und 
umsichtige Behandlung erheischten. Vorerst handelte es sich auch 
hier um Verbesserung und Bereicherung der vorhandenen Facultäts- 
Statuten, und in diesem Sinne finden wir bereits aus den Jahren 
1472 — 1475 eine erkleckliche Anzahl von Facultäts - Beschlüssen, 
welche aber, wie ausdrücklich überliefert ist, nur von Einem der 
zwei Wege, in welche die Facultät von vorneherein gespalten war 
(s. oben S. 54), nemlich nur von der via moderna gefasst wurden, 
womach wir wohl nicht mit Unrecht vermuthen, dass diese Rich- 
tung in jenen Jahnen, wenn nicht überhaupt die bedeutendere, doch 
sicher die rührigere war^^). Schon i. J. 1472 wurde beschlossen, 
dass zur Erlangung des Baccalaureates nicht obligat sein sollen: der 
3. Theil des Alexander, der 2. und 3. Tractat des Petrus Hispanus, 
Insolubilia, Anal, priora, Anal, posteriora. De anima, Musica My- 
ris, Latitudines, Perspectiva, Proportiones, Euclides und das Exercitium 
De gener. et corr. ; hingegen solle bei Zulassung zum Magisterium 
De anima und Anal. post. gefordert werden^'); ferner dass die den 



34) 8. meine Gesch. d. Logik, Bd. IV, S. 239 f. 

35) Hingegen in späterer Zeit tritt, wie wir sehen werden, die juristische 
Facultät in den Yordergrund. 

36) Diese sämmtlichen Beschlüsse s. Bd. II, Urk. Nr. C. 

37) Es ist diese Bestimmung deutlich gegen die Wiener Statuten gerichtet, 
und wir beachten dabei besonders die Erwähnung der Musik; vgl. unten Anm. 46 
u. Cap. 9, Anm. 12. 



L 



78 Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 

Vorlesungen zu Qrund zu legenden Texte und Commentare anf Fa- 
cultäts-Eosten angeschafft werden sollen, sowie dass der nemliche 
Lehrer, welcher eines der Haupt-Themata vorträgt^ auch das dazu 
gehörige Exercitium halten muss. I. J. 1473 traf man die Bestim- 
mung, dass in den Besumptionen (d. h. Repetitionen) die Zahl der 
Lernenden eine beschränkte sein müsse, nemlich ein Magister dOrfe 
hiezu nur 12 Scholaren und 8 Baccalaureen aufnehmen (erstere be- 
zahlen wöchentlich für Grammatik 10 und für Logik 12 Denare, letz- 
tere überhaupt wöchentlich 14 Denare), hingegen ein Baocalaureos 
dürfe nur 8 Schüler zulassen und von jedem derselben nur 7 Denare 
fordern^). Ausserdem wurde dem Decan auferlegt, bald nach seinem 
Amtsantritte die Statuten zu verlesen und während des Semesters 
dafür zu sorgen, dass jeder Bursen-Vorstand das exercitium bursale 
(bei Geldstrafe von 1 Groschen) wirklich halte, und dass alle Scho- 
laren und Baccalaureen der abendlichen conversatio publica beiwohnen 
(2 Denare Strafe für jedes Versäumniss). Auch für controllirte Ver- 
waltung der Facultäts-Cassa wurde gesorgt, indem dem Decane zwei 
jedesmal zu wählende Schlüsselträger beigegeben werden sollen, welche 
beim Eintritt und Austritt ein Protocoll über den Gassabestand auf- 
zunehmen haben. Die Austheilung der Vorlesungen^^) soll am 1. Sept. 
und am 24. April stattfinden, und während der ersten fünf Wochen 
des Semesters darf kein Lehrer über ein Buch lesen, welches einem 
Anderen zugewiesen ist; hieran knüpfte sich i. J. 1474 die Bestim- 
mung, dass über ein zugetheiltes Buch, welches der betreffende Do- 
cent binnen 8 Tagen nicht zu lesen beginnt, die Facultät anderweitig 
verfügen soll. In diesem letzteren Jahre wurden auch die Ferien 
der Artisten-Facultät festgestellt, an welchen Niemand verpflichtet 
ist, zu lesen, wohl aber, wer will, lesen darf, nemlich: vom Samstag 
vor Palmsonntag bis zum Montag nach dem weissen Sonntag, zu 
Pfingsten die ganze Woche mit Einschluss des vorangehenden Samstags, 
dann vom 6. Juli bis zum 17. August und vom 20. Decbr. bis zum 
7. Januar: Vormittags-Ferien sind an den Kalendertagen: Dorothea 



38) Seit Me derer warde diese Anordnang häufig derartig miflsverttanden, 
daas es sich dabei tun eine Art AuBgleichung der ZuhSrer-Zahl in den ordent- 
lichen Yorlesungen handle, während doch nur Ton den Privat -Repetitionen in 
den Bursen die Rede ist Das Motir aber dieser noch oft wiederholten Be- 
stimmong lag aUerdings in der Farsorge für den Nahrangsstand der lahlreiohen 
Magister; s. die in Anm. 45 angeführten Faoultäts-Beschlüsse. 

89) Vgl. oben Gap. 5, S. 89. u. Gap. 9, 8. 55. 



Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 79 

(6. Febr.)) Gregor (12. März), Marens (25. Apr.), Augastin (28. Aug.), 
Hieronymus (30. Sept.), Lucas (18. Oct.), elftausetfd Jungfrauen 
(21. Oct.), Barbara (4. Dec.), Ambrosius (7. Dec); vgl. unten Anm. 65. 
Auch wurde eine Geldstrafe von 10 Denarep für jene Facult&ts- 
Mitglieder festgesetzt, welche auf Einladung des Decanes sich in einer 
Sitzung nicht einfinden. Betreffs der Examen-Gebfiren , von welchen 
die Armen befreit sein sollen, wurde die eigenthQmliche Bestinunung 
getroffen, dass derjenige, welcher durchgefallen ist, dieselben zurQck- 
Terhngen darf. Fremde Magister, welche in die Facultät eintreten, 
sollen an dieselbe 1 fl., und dergleichen Baccalaureen 72 fl. entrich- 
tai, beide aber dem Pedell je 1 Groschen bezahlen, welche Gebtlr 
dieser auch von jedem Magister bei jeder disputatio ordinaria zu be- 
anspruchen hat. Bereits aber i. J. 1475 wurden abermals Abände- 
rungen vorgenommen ; nemlich nunmehr werden als obligat zum Bac- 
calaureat festgestellt Parva logicalia, Vetus ars, Physica nebst den 
drei dazu gehörenden Exercitien; auch sollen die genannten drei 
ordentlichen Vorlesungen und ausserdem Ethica sämmtlich in der 
ersten Frfihstunde (im Winter um 8 Uhr, im Sommer um 7 Uhr) 
gehalten werden. Femer werden nun alle Scholaren und alle Bac- 
calaureen dazu verpflichtet, täglich zwei Stunden Besumptionen zu 
besuchen, und ein dabei lehrender Magister darf nur 8 Scholaren 
und 6 Baccalaureen, ein lehrender Baccalaureus aber nur 5 Scholaren 
in die Resumptio aufnehmen. Die Themata zu den disputationes 
ordinariae mtlssen von nun an Tags vorher schriftlich an die Facultät 
sowie an die Bursen^ Vorsteher eingeschickt werden. Für die erlas- 
senen Promotions-Gebüren soll der Candidat einen ^Revers ausstellen, 
dass er dieselben dereinst wo möglich erlegen werde. Auch wollte 
offenbar einem allzu grossen Zudrange von Lehrern gesteuert werden 
(vgL unten Anm. 68 ff.), da man festsetzte, dass, wer in das C!on- 
silium der Facultät aufgenommen werden soll, vorerst 4 Jahre lang 
bereits Magister gewesen sein und hievon 2 Jahre lang wirklich ge- 
lesen haben muss. Einen eigenthümlichen Einblick aber eröfibet der 
ausdrückliche Facultäts-Beschluss, dass es den Examinatoren verboten 
sein soll, von den Gandidaten in irgend einer Weise Geschenke an- 
zunehmen. 

Nur Ein Mal während der erwähnten Zeit (1472—75) traten 
die beiden Bruchtheile der Artisten-Facultät , d. h. via modema und 
via antiqua zu gemeinsamen Beschlüssen zusammen; man vereinigte 
sich nemlich i. J. 1474 dahin, dass das Fest der Facultäts-Patronin 
Katharina gemeinschaftlich von beiden Wegen begangen werden und 



80 Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 

der Prediger dazu altemirend von den zwei Wegen gestellt werden 
solle, sowie auch, dass die Ueberwachung der Miethpreise, welche die 
Bursen-Yorsteher ihren Hausherren zu bezahlen haben, Sache der Fa- 
coltät sein solle. 

Nun aber begann auch der Zwiespalt zwischen den zwei getrenn- 
ten Wegen, welcher bis dahin wohl stets in der Stille geglimmt 
hatte, offen zu Tag zu treten. Ende Juli 1475 erschien vor dem 
Sector der Decan der via antiqua, Job. Toi ho ph (s. Gap. 4, Anm. 1^), / 
und Hess durch ein Mitglied seiner Facultäts-Fraction mehrere Be- 
schwerden gegen die via moderna vortragen, welche sänmitlich dar- 
auf hinauslaufen, dass letzterer Weg, welcher an Zahl seiner Mit- 
glieder bei Weitem das üebergewicht habe, eben hiedurch in vielen 
Beziehungen seinen einseitigen Willen zur Geltung zu bringen ver- 
möge ; auf Antrag aber eines Mitgliedes der via antiqua wurde be- 
schlossen, dass beide Parteien ihre betreffenden Erklärungen schrift- 
lich einreichen sollen '*^). Mitte Juni 1476 aber reichten nahezu 
fünfzig Baccalaureen der via moderna beim Herzoge sechs schwere 
Elagepunkte gegen den Yicecanzler Carl Fromont (s. oben S. 34) 
ein, nemlich, dass derselbe Zwietracht säe, die Location der Magi- 
stranden fälsche und von diesen dann sich eidlich ihre Zufriedenheit 
mit dem erhaltenen Platze versichern lasse, die Examinatoren über- 
haupt parteiisch auswähle und im allgemeinen Bufe «ines Diebes 
stehe; da für diese Beschuldigungen Beweise erbracht worden, Hess 
der Herzog durch den Canzler dem Fromont all Solches in Anwesen- 
heit mehrerer Universitäts-Mitglieder amtlich verweisen und jede 
Schmälerung der^Bechte der Modernen sowie jeden Bache-Act ver- 
bieten^'). 

So scheint die via moderna vorerst über ihre Gegner, welche 
wir überhaupt nicht immer von jeder Heimtücke freijsprechen können, 
gesiegt zu haben. Auch finden wir die Modernen bereits aberm^ 
mit Abänderungen der Statuten beschäftigt, worüber die herzogHche 
Bestätigung am 13. Oct. 1476 erfolgte. Es war darunter zunächst 
ein schon zu Pfingsten dieses Jahres gefasster Beschluss, womach 
einerseits einige Facultäts-Mitglieder gewählt wurden, um die zu den 
Vorlesungen erforderlichen Texte mehreren Schreibern zu dictiren, 
und andrerseits der Befehl erfolgte, dass wenigstens Ein Text-Exem- 
plar im gemeinsamen Besitze dreier Studenten sein müsse. Ausser- 

40) S. Bd. II, Urk. Nr. 9. 

41) 8. Bd. II, Urk. Nr. 10. 



Zeitr. I, Cap. 10 (1472-1493). 81 

dem aber legte man nun grundsätzlich ein grosses Gewicht auf die 
Besumptionen, worin wir wahrlich weder ein Zeugniss für genügende 
Vorbildung der Studenten noch auch eine Förderung ihrer wissen- 
schaftlichen Leistungsfähigkeit erblicken können. Nemlich es muss 
nun jeder Scholar (bei Vermeidung einer Geldstrafe für jedes Ver- 
säamniss und der Ausschliessung vom Examen) drei Semester hin- 
durch täglich zwei Besumptionen, die eine in Grammatik und die 
andere in Logik, besuchen, und zwar sollen hiebei nicht mehr als 7 
Schüler von Einem Magister angenommen werden, oder wenigstens 
• darf die Schülerzahl des Einen Lehrers jene eines anderen nicht um 
mehr, als um Einen Schüler, übersteigen. Die Baccalaureen müssen 
täglich Einer Besumption aus philosophia naturalis (d. h. Arist. Phys. 
De coelo, De gener. et corr.) beiwohnen, und ihrer dürfen bei Einem 
Lehrer nicht mehr als 9 sein. -^ Das Honorar für die Besumptionen 
soll am Schlüsse des Semesters durch das Consilium d^r Facultät 
festgesetzt werden. Um aber den Studirenden es auf anderer Seite 
wieder leichter zu machen, sollen einige der bisher vorgeschriebenen 
Vorlesungen wegfallen und für die übrigen das Honorar herabgesetzt 
werden; namentlich sollen die Baccalaureen nicht mehr verpflichtet 
sein. De Coelo, Theor. planet., Arithm., Topica Liber V— VIII und 
das Exercitium der Ethica zu hören. Jeden Tag sollen drei* Vor- 
lesungen gehalten werden, deren Inhalt und Dauer (nach Wochenzahl) 
bis ins Einzelnste festgesetzt ist**). 

Indem aber Herzog Ludwig der Beiche grosses Missfallen an 
den fortwährenden Streitigkeiten der zweigespaltenen Facultät em- 
pfand und von denselben eine Zerrüttung, der ganzen Universität 
befürchtete, begann er, sich dem Grundsatze der Einheitlichkeit zu- 
zuwenden, und verordnete am 28. Oct. 1477, dass nunmehr nur Ein 
Decan das Oberhaupt der zwei Wege sein, jedoch stets alternirend 
aus dem einen und anderen gewählt werden solle; die Antiqui aber 
fügten sich dieser Bestimmung nicht, sondern traten a. 6. Jan. 1478 
aus der FacultÄt aus und fanden hierin auch die Unterstützung des 
Eichstädter Suffraganes, welcher ihnen die Befugniss ertheilte, giltige 
Promotionen vorzunehmen; nun begab sich Herzog Ludwig mit 
seinem Sohne persönlich nach Ingolstadt und lud den Bischof von 
Eichstädt nebst mehreren Bäthen und Kanonikern zu einer Berathung 
ein, deren Besultat im Frühjahr 1478 die Anordnung war, dass die 
Artisten-Facultät ungeschieden unter Einem Decane stehen und ohne 



42) 8. Bd. II, ürk. Nr. 11. 

prantl, Geschichte der UnWersitat MQachen I. Q 



82 ^eitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 

Rücksicht auf die Verschiedenheit der Wege, deren Rivalität in jeder 
Beziehung aufzuhören hat, in jedem Semester vier Examinatoren 
wählen soU*^). In Folge dieser wesentlichen Veränderung nahm die 
Facultät am 23. Nov. 1478 eine neue Redaction ihrer ursprünglichen 
Statuten (v. J. 1472) vor, wobei es auffallen mag, dass die ver- 
schiedenen unterdessen von den Modernen gefassten Facultäls-Beschlüsse 
keine Aufnahme fanden. Es wurden nemlich nur die älteren Statuten 
in eine vernünftigere Reihenfolge gebracht und grundsätzlich die 
frühere Zweiheit aufgegeben, d. h. die Facultät hat nunmehr Ein 
Consilium, Einen Decan, Eine Kassa, Ein Sigel (in der Mitte des- 
selben die h. Katharina, zu ihren Füssen das bayerische Wappen, 
als Umschrift „Sigillum facultatis artisticae studii Ingolstatensis*'). 
Geändert ist auch der Aufnahme-Eid, insoferne beim Eintritt in die 
Facultät nur im Allgemeinen Gehorsam gegen den Decan, Wahrung 
des Amtsgeheimnisses und Förderung des Universitäts- Wohles, bei 
Aufnahme aber in das Consilium treuer Beirath in den Sitzungen 
und Gewissenhaftigkeit bei den Prüfungen versprochen wird. Weg- 
gelassen sind ausser Satzungen, welche selbstverständlich durch das 
Aufhören der Zweiheit wegfielen, die Bestimmungen über Austheilung 
der Vorlesungen (vgl. oben Anm. 39), sowie auch das Verzeichniss 
der oWigaten Vorlesungen. Das Bursen-Statut ist fast unverändert 
wiederholt; weggefallen ist nur die Visitation der Zimmer und die 
Zahlungspflicht der Bursalen bei ihrem Nicht-Eintritte^^). 

Noch während der etlichen Monate zwischen der erwähnten her- 
zoglichen Verordnung und der neuen Statuten-Redaction fasste die 
Facultät abermals mehrere organische Beschlüsse, an welchen wir 
deutlich den Einfluss der via moderna erkennen, welche nach ihrem 
Eintritte in die vereinigte Facultät sicher die Majorität bildete**). 
Eine unmittelbare Folge nemlich der Vereinigung war zunächst die 
Bestimmung, dass bei Austheilung der^ Vorlesungen der Zwiespalt 
der Wege fallen gelassen wird und jeder das ihm zugewiesene Buch 
nach seiner beliebigen Weise erklären darf. Eine Wiederholung 
früherer (von den Modernen gefasster) Beschlüsse betrifft die Facul- 
täts-Taxe der von Auswärts eintretenden Magister und die vierjährige 
Thätigkeit als Bedingung des Eintrittes in das Consilium. Neu 



43) UniY.-Biblioth., Cod. Mscr. 482 fol., f. 50; den schliesslichen Entscheid 
dea Herzoges s. Bd. II, Urk. Nr. 13. 

44) 8. Bd. II, Urk. Nr. M. 

45) 8. Bd. II, Urk. Nr. 15. 



.jäk 



Zeitr. I, Cnp. 10 (1472—1493). 83 

kommt hinzu eine ins Einzelne gehende strenge Kleiderordnung für 
die Magister. An Früheres knüpft durcli Weiterbildung auch der 
ausführliche Lehrplan nebst Stunden-Ordnung an: die Grundlage für 
die Scholaren bilden drei „ordentliche" Vorlesungen, nemlich Parva 
logicalia (d. h. Petrus Hispanus Buch I u. IV, Suppositiones des 
Marsilius und Consequentiae) , Vetus ars (d. h. Porphyrius Isag., 
Arist. Categ. u. D. interpr.), und Physica; dieselben sind sämmtlich 
im Winter um 9 Uhr, im Sommer um 8 Uhr zu lesen; ausserdem 
werden für die Scholaren noch publicae lectiones gehalten um 11 Uhr 
über Prisciänus (Volumen minus und maius) und um 1 Uhr über 
Aristot. Anal. pr. und Soph. El., über Obligatoria, ein libellus epi- 
stolaris, Algorismus und Sphaera. Für Baccalaureen wird in den 
ordentlichen Vorlesungen im Winter Arist. Eth. Nie. und im Sommer 
Metaphys. vorgetragen; hiezu publicae lectiones um 11 Uhr über 
Arist. Anal, post., Top., Meteor, und Musica Myris*®), um 1 Uhr 
über Arist. D. gen. et corr.. De coelo, De anima. Parva Naturalia 
und Euclides. Jeder dieser sämmtlichen Gegenstände ist in einer 
genau bestimmten Anzahl von Wochen zu erledigen, deren Gesammt- 
Summe für jedes Semester (mutatio) 24 beträgt. Zu den Vorlesungen 
aber kommen zunächst noch die Exercitia, und zwar für Scholaren 
(um 5 Uhr) über Arist. Anal. pr. u. Soph. El., für Baccalaureen 
(um 3 Uhr) über Arist. Anal, post,, De anima u. Metaph.; sodann 
die Besumptionen , deren die Scholaren drei Semester hindurch täg- 
lich zwei (um 12 Uhr über Grammatik und um 5 Uhr oder im 
Winter um G Uhr über Logik) besuchen müssen, sowie die Bacca- 
laureen drei Semester hindurch täglich Eine (über Phys. oder über 
Metaph.) zu hören haben. Das Maximum der Zahl der Zuhörer in 
den Besumptionen ist für Einen Magister überhaupt auf 10 fest- 
gesetzt, um den Lebensunterhalt der einzelnen Magister einigermassen 
zu sichern. Endlich noch müssen in den Bursen sämmtliche Theil- 
Dehmer dem sog. Exercitium bursale und der conversatio generalis 
beiwohnen, welch beide nach dem Abendessen (um 7 Uhr) gehalten 
werden. 

•Nach dem Tode des Herzoges Ludwig des Beichen wagten sich 
die Antiqui wieder hervor und geberdeten sich fonnlich als eigene 
Facultät, indem sie mit deutlicher Verhöhnung der Modernen durch* 
öflFentlichen Anschlag (9. Juni 1479) bekannt machten, ihr Decan 
sei gewählt und das Examen bereits festgesetzt, wornach die Stu- 

40) S. obige Arim. 37 und Cap. 0, Anm. 12. 



84 Zeitr. I, Cap. 10 (1472-1103). 

denten, welche j^sanam doctrinam'^ wünschen, sich zu richten hätten. 
Herzog Georg aber befahl, dass die Antiqui, welchen er ausdrücklich 
seine Ungnade kundgab , sofort das Facultäts-Sigel , welches sie an 
sich gerissen, dem Kector zurückstellen, und dass jene Lehrer, welche 
in solcher Weise ihren Eid aufgesagt haben, fürder weder Besoldung 
beziehen noch an anderen Rechten der Facultät theilnehmen dürfen. 
Und wenn auch nach einiger Zeit (Ostern 1480) bei Hof eine den 
Realisten günstigere Stimmung die Oberhand bekommen hatte, so 
dass die Wiederaufnahme der abgesetzten Lehrer gestattet und zu- 
gleich den Modernen aufgetragen wurde, eine ihrer Collegiaturen an 
einen Realisten abzutreten (wornach unter den 6 CoUegiaten 4 Moderni 
und 2 Antiqui sein sollten), so mussten doch bald hernach (Januar 
1481) wieder die Antiqui zu ihrem Verdrusse erfahren, dass ihren 
Absichten entgegengetreten wurde, denn der Herzog erklärte, er sei 
nicht gemeint, die Facultät zur Wiederaufnahme der Abtrünnigen zu 
zwingen, und missbillige es auch, wenn der Rector (Adorf) durch 
seine Einmischung in diese Angelegenheit dem Promotions-Examen 
Schwierigkeiten bereite"*'). 

Im J. 1479 wurden frühere Beschlüsse, wodurch Bestechung 
beim Examen verboten und den Studenten der Besitz der Vorlese- 
Texte aufgetragen war, wiederholt, und auch die Bestimmung ge- 
troffen, dass nicht mehr als vier Licentiaten gleichzeitig das Magis- 
terium erwerben dürfen, sowie dass zum üblichen prandium jeder 
Baccalaureus 60 Denare und jeder Magister Vz 11. beisteuert, und i. J. 
1480 beschloss man, dass am Feste der h. Katharina nicht mehr ein 
prandium auf Facultäts-Kosten gehalten werden solle ^®). Auf Miss- 
stände aber lassen die Anordnungen schliessen, dass jene Mitglieder 
der Facultät, welche in den Sitzungen ihre Stimmabgabe trotz wieder- 
holter Aufforderung hinausschieben wollen, für Zukimft ihr Stimmrecht 
verlieren, sowie dass die Magister, und zwar besonders diejenigen, welche 
Resumptionen zu halten haben, nicht ohne legale Ursache sich aus der 
Stadt entfernen dürfen und jedenfalls einen Substituten zu stellen 
haben ^^). Im J. 1485 Hess die Facultät ein silbernes Scepter mit 
vergoldeter Lilie als Amts-Symbol anfertigend^). Bald hernach 'hielt 



47) Üniv.-Bibliotb. Cod. Macr. 482 fol., f. 29 u. r.(J v. - 54. 

48) Archiv d. Univ. 0, I, Nr. 2, f. 5 f. u. i\ 10. 

49) 8. -Bd. ir, Urk. Nr. H». 

^)0) Das Scepter verfertigte Joli. WiiHähumnier in München um den Plreh 
von 'M H.; «. Archiv d. Univ. O, 1, Nr. 2. f. li!. 




\ 



Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 85 

man abermals den Erlass organischer Bestimmungen für nothwendig; 
nemlich i. J. 1487 wurde die oben erwähnte Kleiderordnung sowie 
betreflfs der Resumptionen die Beschränkung der Zuhörerzahl erneuert, 
femer die Anlegung eines Facultäts-ßechnungsbuches angeordnet und 
den Bursen- Vorstehern verboten, Speisen über die Gasse zu ver- 
kaufen'^*). Ausserdem wurde nunmehr legitime Geburt als Bedin- 
gung der Aufnahme in das Facultäts-Consilium aufgestellt, auch für 
diejenigen Mitglieder, welche von Ingolstadt mit ihren Fahrnissen 
sich entfernt hatten und binnen sechs Monaten nicht zurückgekehrt 
waren, der Wiedereintritt in das Consilium von besonderer Facultäts- 
Genehmigung abhängig gemacht. Femer beschloss man, dass, wer 
eine Facultäts-Sitzung durch Schmäh worte u. dgl. stört, eine Geld- 
busse zu ei'legen hat und im Weigerungsfalle wenigstens das Stimm- 
recht verliert. Auch wurde ausdrücklich verboten, Schüler anzulocken 
oder denselben bestimmte Lehrer zu empfehlen ; auf betreffende 
Fragen der Studenten müsse jeder Lehrer ausweichend antworten. 
Durch die grosse Anzahl der Magister (s. unten Anm. 68 ff.) und 
durch vorgekommene Missbräuche war der Beschluss veranlasst, dass 
für die oben genannten drei Haupt- Vorlesungen je zwei Docenten 
durch unbestochene und intriguenlose Wahl bestimmt werden sollen, 
die übrigen Vorlesungen aber durch das Loos zu vertheilen seien ; 
nachlässige Docenten sollen vom Loos ausgeschlossen sein, und die 
erlooste Vorlesung durch einen Substituten besorgen zu lassen, ist 
verboten •'^^). Auch wurde abermals eine Stunden-Ordnung erlassen, 
welche sich jedoch von der obigen wenig unterscheidet^^). 

Unterdessen waren in der Facultät wieder mannigfache Unord- 
Doiigen und Zwistigkeiten eingerissen, welch letztere namentlich seit 
Jahren ein unmhiger Kopf, fler Magister Michael Puttersass 
(8, nnten Anm. 70) veranlasst hatte ; und so sah sich der Herzog 
zu Anfang August 1488 genöthigt, neben Bescheid über die Bestra- 
fimg des genannten Störenfrieds auch im Allgemeinen anzuordnen, 
dass bei Streitigkeiten Rector und Rath ihr Entscheidungs-Eecht 

51) Archiv d. Univ. O, I, Nr. 2, f. 17 f. u. 20 v. Zu Gunsten aber des 
oben (Anm. 34) genannten Job. Parreut wurde betreflfs der Zuhörer-Zahl in 
der Resumption i. J. 1488 die Ausnahme gemacht , dass er 29 Schüler auf- 
nehmen dürfe, wofeme er davon im Ganzen nur 10 fl. für sich behalte und den 
Rest des Honorars an die übrigen Magister vertheile; s. ebend. f. 23 v. 

52) 8. Bd, II. Urk. Nr. 21 (betreflTs der legitimen Geburt vgl. Cap. 9, 
Amn. 17). 

53) 8. Bd. II, Urk. Nr. 22. 



L. 



86 Zeitr. I, Cap. 10 (U72-1493). 

kräftig ausüben sollen und derjenige, welcher sich nicht fügen wolle, 
auf seine eigenen Kosten, nicht aber aus Facultäts-Geld, weiter pro- 
cessiren möge; überhaupt sei vielfach eine nutzlose Verwendung der 
Facultäts-Einnahmen bemerklich, und man habe demnach in Zukunft 
für genaue Kassafuhrung zu sorgen und über dieselbe an den Herzog 
zu berichten, sowie auch ein aufmerksames Auge auf die verschie- 
denen „Praktiken" einzelner Mitglieder zu richten^*). Im Schosse 
der Facultät selbst verlangten einige Magister, man solle, um die 
Zwistigkeiten zu beseitigen, vom Herzoge die Anordnung erwirken, 
dass die oben erwähnte Wahl der Hauptlehrer und Verloosung der 
übrigen Vorlesungen auf die 18 älteren Magister beschränkt werde; 
die Facultät aber beschloss a. 15. Sept. 1488, unter Hinweis auf 
die Naturwidrigkeit dieses Vorschlages Bericht an den ReCtor zu er- 
statten und zugleich eine Deputation an den Herzog zu schicken ^^^j. 
Auch suchte die Facultät sich gegen den Vorwurf schlechter Ver- 
mögens-Verwaltung zu rechtfertigen'^^')- Die VS^irren aber, welche 
unter den Artisten nicht aufhörten, veranlassten den Herzog zu dem 
Befehle, dass die nächste Rectors-Wahl , bei welcher die Reihe an 
die Artisten-Facultät gekommen wäre, zu unterbleiben habe, und 
Sixtus Tucher das Rectorat auch noch während des Winter-Semesters 
fortführen solle ^'). 

I. J. 1489 wurde durch Facultäts-Beschluss festgestellt, dass 
ein Bursen- Vorsteher, welcher diese Stelle aufzugeben geienkt, wenig- 
stens zwei Monate vor seinem Abzüge bei der Facultät kündigen 
muss, und dass an der Ablieferung der Waflfen seitens der Bursalen 
festzuhalten sei*^"); i. J. 1490 suchte man der Nachlässigkeit der 
Studenten durch P^inschärfung der bestehenden Studien-Ordnung «nd 
durch strenge ControUe der Inscriptionslisten zu steuern ^^). Nicht 
unwichtig war der am 28. Jan. 1492 gefasste Gesammtbeschluss des 
akademischen Senates, wornach es den Mitgliedern der drei höheren 
Facultäten verboten wurde, sich in irgend einer Weise in die Wahl-. 
acte, Promotions-Prüfungen, Location der Candidaten der Artisten- 



54) S. Bd. II, Urk. Nr. 24. 

55) Arch. d. Univ. O, I, Nr. 2, f. 25. Der Herzog verlangte hierüber 
Rectorats-Bericht unter Einvernahme mit Prof. Adorf; ebend. Nr. 3, f. 7. 

56) Am 5. Nov. 1486; s. ebend. Nr. 2, f. 2V> v. 

57) Ebend. Nr. 3, f. 8. 

58) Ebend. Nr. 2, f. 28 u. f. 31 v. 

59) Ebend. f. 34 f. 




Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 87 

Facultat einzumischen; und letztere that Recht daran, dieses ihr Pri- 
vilegium in Bälde in ihre eigene Statuten-Sammlung aufzunehmen ^). 
Auch erneuerte man (März 1492) den schon oben erwähnten Be- 
schluss, dass nur Magister von legitimer Geburt in das Facultäts- 
Gonsilium aufgenommen werden dürfen, erliess (16. Juni) ein Verbot 
der "sog. ,/on^önia", d.h. Studenten-Feste (s. unten Anm. 88), welche 
nur während der Hundstags-Ferien gestattet sein sollen, und beschloss 
femer (27. Juli), dass die Texte der Hauptvorlesungen nunmehr durch 
Druck vervielfältigt werden sollen**). 

Die Hauptsache aber war, dass endlich einmal das bisherige 
zerstreute Flickwerk fortwährend wiederholter Beschlüsse, durch 
welche die Statuten geändert oder vermehrt worden waren, einen 
oodificatorischen Abschluss erhielt, indem die Facultat am 7. Juli 
1492 eine o£ficielle Sammlung der für sie geltenden Bestimmungen 
beschloss^'). Erneuert sind dabei aus früheren Jahren die Bestim- 
mungen über Aufnahme in die Facultat (eheliche Geburt und vier- 
jähriges Magister- Amt), über Wiederaufnahme nach längerer Ab- 
wesenheit, über Ankömmlinge aus der Fremde, über Anwesenheit, 
Stimmabgabe und anständiges Benehmen bei den FacultSts-Sitzungen, 
über Anlockung der Zuhörer oder Bestechung bei den Prüfungen, 
über Verlesung der Statuten und Führung eines Tag- und Kassa- 
Buches durch den Decan, über das prandium und das Fest der h. 
Katharina und betreffs der E[leiderordnung. Neu hinzugekommen sind 
die Bestimmungen über Benützung der Bibliothek (s. unten Anm. 75 ff.) 
and über den Rechtsanspruch der Facultäts-Kassa auf die Strafgelder. 
Erweitert wurde obiges Verbot der sog. fontonia®^), indem auch ein 
am 15. Juli üblicher Studenten-Scherz, welchen bis dahin die Pro- 
fessoren zu ertragen hatten, für Zukunft verboten wurde; ausserdem 
wurde nun jede Vexation der „beani*' unter Strafandrohung unter- 
sagt **)• Die obige ältere Feststellung der Facultäts-Ferien (S. 78 f.) 
wurde darin ein wenig geändert, d^s die Sommer-Ferien schon am 
4. Juli beginnen dürfen und die Feste der Dorothea und der elf- 
tausend Jungfrauen wegfielen, dafür aber Sebastian (20. Jan.) gefeiert 
werden soll; übrigens enthält ein handschriftlich vorhandener Uni- 



60) 8. Bd. II, Urk. Nr, 25. 

61) Aroh. d. üniv. 0, I, Nr. 2, f. 39 v, 41 v, 42. 

62) S. Bd. II, ürk. Nr. 26. 

63) S. Anm. 61 and onten Anm. 88. 

64) S. unten Anm. 85 ff. 




88 Zeitr. I. Cap. 10 (1472—1493). 

versitäts-Kalender noch ausserdem eine erkleckliche Menge von Feier- 
tagen ^•'^). Mehrfache Abänderungen erfuhren die Bestimmungen Aber 
die Vorlesungen; zunächst wurde die obige Dreizahl der ,^principales 
ordinariac lediones^^ (d. h. Parva logicalia, Vetus ars, Physica) nun 
auf 5 erhöht, indem Ethica und Metaphyg. denselben beigefügt wur- 
den; für die ersteren drei sollen in jedem Semester durch Facultäts- 
Beschluss je zwei Magister, welche „re^ew^es" heissen und sich in 
Arbeit und Honorar theilen müssen, bestimmt werden, sowie für die 
letzteren beiden je Einer; wer in Einem Jahre eine der ersteren drei 
Haupt- Vorlesungen hält, darf im darauf folgenden Jahre hiezu nicht 
gewählt werden. Alle übrigen Vorlesungen sollen durch das Leos 
vertheilt, und zwar Priscianus und die Exercitien über Anal, priora 
und Soph. El. doppelt verlost werden. Für sämmtliche Vorlesungen 
ist ein neuer Stundenplan entworfen, welcher auf einen philosophi- 
schen Kurs von Einem Jahr berechnet ist und ausser der Zeitdauer 
jeder einzelnen Vorlesung auch den Honorar-Satz enthält. Die Lehr- 
gegenstände selbst weichen dabei von den früheren . Plänen , welche 
wir trafen, durchaus nicht ab, sondern zeigen einen noch ungestörten 
Fortbestand der ausschliesslichen Scholastik. Das Honorar soll jeden- 
falls vor Schluss der Vorlesungen erlegt werden, und die Studenten 
sind im Laufe des Semesters in der Vorlesung öfters auf dieses 
Statut aufmerksam zu machen; honorarpflichtig, d. h. ^^pastibüis'\ 
soll fortan jeder Student sein, und im Gegensatze gegen schmäh- 
lichen Missbrauch , welchen bisher die angeblichen Armen mit. der 
Honorar-Freiheit getrieben, um daneben ein höchst schwelgerisches 
Leben zu fähren, sollen nur „famuli'*, welche durch gutes Betragen 
sich hervorthuen, von den Honorarien befreit werden. Erneuert wird 
die Bestimmung, dass drei Zuhörer zusammen im Besitze Eines 
Textes der Vorlesung sein müssen. Auch die früheren Beschlüsse 
über Verpflichtung der Studenten zur Theilnahme an den Eesump- 
tionen (je 10 bei Einem Lehrer/ werden wiederholt; neu kommt aber 
hinzu, dass derjenige Magister, welcher eine ordentliche Vorlesung 
zugewiesen bekam, in demselben Semester keine Resumption halten 
darf; arme Studenten sind nur bei Fleiss und gutem Betragen un- 
entgeltlich zu diesen Repetitionen zuzulassen. Die Examens-Gebüren 
sind nun (im Gegensatze gegen einen früheren Beschluss) ohne Bück- 
sicht auf den Erfolg von jedem Candidaten zu entrichten; bei der 
Magister-Promotion erhalten der Decan und jeder Examinator Hand- 

05.) S. Bd. II, Urk. Nr. 26 am Schluss. 



^ 



Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493)^ 89 

schuhe und ein Federmesser, die übrigen Magister nur Handschuhe. 
Eine besondere Sorgfalt widmet diese Statuten-Redaction auch den 
Disputationen der Magister; nemlich an den disputationes ordinariae, 
welche jeden Samstag stattfinden, muss jedes Facultäts-Mitglied im 
Laufe des Semesters sich wenigstens fünfmal activ betheiligen (durch 
arguere über 4 Sophismen und 2 Quästionen), und der Pedell hat 
hiepttber ein eigenes Controll-Buch zu führen; extraordinariae dispu- 
tationes finden Statt bei Bewerbung um Aufnahme in das Gremium, 
wobei die vom Decan aufgeforderten Magister mitdisputiren müssen. 
Endlich bezüglich der Bursen werden die früheren Anordnungen über 
Beschränkung des Kostgebens auf die Burse selbst, über rechtzeitige 
Aufkündigung und über das exercitium bursale wiederholt und nur 
hinzugefügt, dass Reparaturen in den der Facultät gehörenden Bursen 
nur mit Erlaubniss des Decanes vorgenommen werden dürfen und 
unter Haftung des Vorstehers genau verrechnet werden müssen. 

Die Artisten-Facultät erfreute sich während der ersten zwei Jahr- 
zehente ununterbrochen eines reichlichen Zuspruches der Studirenden, 
deren grösster Theil wenigstens durch Erwerbung des Baccalaureates 
einen greifbaren Erfolg heimzutragen bemüht war. Wir entnehmen 
aus den Facultäts-Büchern, dass jährlich viermal zu bestimmten Zei- 
ten, welche „awt/artae^* hiessen, nemlich Fasten, Pfingsten, Michaelis 
und Martini Baccalaureen-Prüfungen stattfanden; und sowie schon 
i. J. 1473 zu dieser akademischen Würde 78, dann in den darauf 
folgenden Jahren 65, 56, 59, 44, 47 u. s, f. Candidaten promovirt 
wurden, ergibt sich eine jährliche Durchschnitts-Zahl von 54 der- 
gleichen Promotionen^^). Erklärlicher Weise lag hierin auch eine 
ergiebige Einnahms-Quelle der Facultäts-Kassa, und wir finden z. B. 
i. J. 1486 eine Semestral-Einnahme von 96 fl. und i. J. 1487 des- 
gleichen von 91 fl. ^^). Aber auch die Magister- Würde erwarben 
sich Viele, um sodann als wirkliche Mitglieder in die Facultät ein- 
zutreten; ja in dieser Beziehung nahm die Facultät sicher einen 
grösseren Zuwachs, als eigentlich wönschenswerth war. Schon i. J. 
1477 wurden 16 und darauf i. J. 1478 wieder 17 neue Magister in 
das Gremium aufgenommen, und so war allerdings der Facultäts- 
Beschluss (3. Mai 1479) gerechtfertigt, dasg um Eine Vorlesung sich 
nur so viele Magister bewerben dürfen, als überhaupt Platz zum 
Lesen haben ^^). I. J. 1492 wurden die Vorlesungen bereits unter 



66) Arohiv d. Univ. 0, I, Nr. 2. 

67) Reichs-Archiv, Neuburger Copial-Bücher, Bd. X, f. 180 ff. 

68) Archiv, d. Univ. 0, I, Nr. 2, f. 6. 



90 Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 

33 Magister vertheilt, und zu diesen hinzu nahm man im darauf- 
folgenden Winter-Semester wieder 12 und i. J. 1493 abermals 35 
neue Mitglieder auf^®). 

Bei Weitem die Mehrzahl dieser Artisten bietet für uns nur 
leere Namen dar. Aus den verschiedenen urkundlichen Quellen kön- 
nen wir uns allenfalls entnehmen, dass wenigstens in Facultäts- 
Angelegenheiten der Eine oder Andere eine hervorragendere Bedeutung 
hatte, nemlich etwa Wolfg. Oeder (i. J. 1481 nach Rom abge- 
gangen), Wolfg. Federkiel, Joh. Egkental, Joh. Erbendorf, 
dann Georg Schwebelmayr, nachmals Regens des Georgianums, 
und Joh. Plümel, später eifriges Mitglied der theologischen Fa- 
cultät (s. Cap. 12, Anm. 43). In eigenthümlicher Weise that sich 
mehrere Jahre hindurch Michael Puttersass hervor, indem er 
gröblich den Frieden der Facultät störte "°); ein anderes unruhiges 
und straffälliges Mitglied war Joh. Stainpeck^*). In litterarischer 
Beziehung aber war es allerdings kein hervorragendes Verdienst, dass 
Nie. Bernau er aus Regensburg, welcher in seinen Vorlesungen die 
Ethik des Aristoteles (nach der Uebersetzung des Leon. Aretinus) 
erklärte, die Legende des Dionysius Areopagita herausgab'*). Hin- 

69) Ebend. f. 43, 15 y. u. 47; das Namen - Yerzeiohniss dieser 33 liagister 
gedruckt bei Mederer, Ann. Bd. I, S. 40. 

70) Schon im Jahre 1 482 wurde Puttersass wegen grober Excesse aus dem 
Consilium ausgeschlossen und musste vom Herzog angewiesen werden, seine 
Klage nur bei der zustehenden Behörde zu verfolgen; i. J. 1485 nahm man 
ihn, nachdem er der ünirersit&t eine Ehrenerklärung abgegeben, wieder auf; 
aber wieder i. J. 1468 musste die Facultät seine Ausschliessung beantragen, 
da er nicht bloss Uebergriffe in Honorar-Forderung begieng, sondern auch der 
ganzen Facultät Ungerechtigkeit und „Eselei'^ vorwarf und ausserdem Nachts 
die Thfiren des Collegiums einsprengte. Auf ZingPs und Rosa's Fürbitte sollte 
die Strafe dahin gemildert werden, dass Puttersass für die Bibliothek den Text 
des Bartolus anschaffe; aber der Herzog entschied, dass er auf ein Monat 
ausgeschlossen sein und Geldstrafe zahlen soUe; s. Archiv d. Uniy. O, I, 
Nr. 2, f. 12, 24, 26 und ebend. Nr. 3, f. 1 u. 5 f. I. J. 1508 begieng er 
wieder einen anderen Exoess in seiner Burse, s. Üniv.-Biblioth* Cod. Msor. 
482 fol., f. 5. Auch sah sich nach seinem Tode (1521) die Universität 
genSthigt, seine Yerlassenschaft mit Beschlag zu belegen, worüber ein längerer 
Conflict mit der bischöflichen Curie entstand und die Erben an den Kaiser appel- 
lirten, s. Aroh. d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 83, E, I, Nr. 2, 25. Juni 1522, D, 
^I a, 1521 u. 1522. 

71) Aroh. d. Univ. 0. I. Nr. 2, f. 28. Auch der Bischof von Eiohstädt bemühte 
sich, den Stainpeck zur Ruhe zu verweisen, s. ebend. 0, 1489. 

72) Staats -Bibliothek, Sanft Ts Catal. Codd« mscr. Emmeran. Bd. III, 
S. 1705; Seb. Günthner, Gesch. d. lit. Anstalten in Baiern. Bd. III, 8. 174. 



Zeitr. I, Cap. 10 (1472—1493). 91 

gegen in weit höherem Grade zeichnete sich auf dem Gebiete der schola- 
stischen Logik Nie. Tinctor aus, welcher einen scotistischen Commen- 
tar zum Petrus Hispanus verfasste und hierin als ebenbürtig dem oben 
( Anm. 32 ff.) erwähnten Mediciner Joh. Parreut zur Seite gestellt werden 
darf ^'^). Noch in den letzten Jahren dieser Epoche trat ein BJann 
als »Lehrer auf, welcher zum ersten Male in Mitte der Eintönigkeit 
des scholastischen Betriebes ein frisches Leben erweckte und uns die 
Brücke zu der bald beginnenden humanistischen Glanz-Periode Ingol- 
stadts bildet. Allerdings nicht lange und überhaupt nur in voi-über- 
gehenden Ansätzen wirkte der gekrönte Dichter Conrad Celtes an 
unserer Universität, aber der von ihm ausgestreute Samen entwickelte 
sich in der Folge auf die erfreulichste Weise. Eingeladen von dem 
oben erwähnten Juristen Tucher begab sich Celtes, welcher schon 
viel gewandert war, zunächst nach Regensburg zu Tolhoph und traf 
dann zu Anfang d. J. 1492 in Ingolstadt ein, wo er ein „publicum 
Stipendium'* von jährlich 80 fl. erhielt und dann am 31. Aug. mit 
einer Antrittsrede sein Lehramt eröffnete. In seiner Panegyris sprach 
er es öffentlich aus, dass er unter dem trefflichen Fürsten Bayerns 
die schönsten Hoffnungen für Ingolstadts Blüthe hege ; aber dauernde 
Sesshaftigkeit lag nicht in seinem Wesen, und so war er unfleissig 
in den Vorlesungen und gieng wiederholt auf Reisen. I. J. 1494 
lehrte er wieder in Ingolstadt, um dasselbe zur Zeit der Pest (1495) 
alsbald wieder zu verlassen; das dritte Mal begann er dort seine 
Thätigkeit i. J. 1497, fühlte sich aber* nicht mehr behaglich, klagte 
über -Klima und Kost, vernachlässigte häufig seine Vorlesungen und 
gieng noch in demselben Jahre zu dauernderer und bedeutsamer Wirk- 
samkeit nach Wien ab. Durchaus das Entscheidende in Celtes' Auf- 
treten war die Anregung welche er verbreitete, und deren weitgrei- 
fende Früchte anderwärts bekanntlich die „Societas Rhenana" aufzeigte; 
ein Talent für geselliges Leben und eine nach Massstab der damali- 
gen Zeit hervorragende Begabung zur Renaissance-Poesie unterstützten 
ihn hierin reichlich. Seine Richtung war antischolastisch, indem sie 
auf Verbreitung des Humanismus und Erneuerung der platonischen 
Philosophie hinzielte, und in den Gebieten der Geschfchte und der 
Geographie, in welchen wir seine Leistungen nach Massgabe der Zeit 
mit gerechter Milde beurtheilen müssen, war er jedenfalls ein Vor- 
läufer Aventin's. Sowie sein Gesinnungs- Genosse Rudolph Agricola 
(gest. i. J. 1485) in Heidelberg humanistische Bildung verbreitete, 

73) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 8. 



92 Zeitr. I, Cap. 10 (1472- 1493). 

SO war in Süd-Deut3chland Celtes der erste, welcher die Theorie der 
Dichtkunst und der Beredtsamkeit nach Grundsätzen der Renaissance 
mündlich und schriftlich {Epitome in utramque Ciceronis rhetoricen) 
vertrat und förderte'**). 

An die Artisten-Facultät knüpften sich in jener Erstlings-Zeit 
auch die Anfänge eines für die Universität unendlich wichtigen ^In- 
stitutes, nemlich einer Bibliothek. Bereits am 9. Juli 1480 finden 
wir einen Facultäts-Beschluss, wornach im ^^lectoriwn Avicennae^^ eine 
Jibraria^'' eingerichtet werden soll; eine hiezu gewählte Commission 
(bestehend aus den Magistern Joh. Egkental, Wolfg. Federkiel und 
Joh. Kräl) solle auch von dem Theologen Zingl sich guten Beirath 
erholen'^). Und am 19. August 1481 wurde beschlossen, dass die 
Bücher der via moderna in die gemeinsame Bibliothek kommen, 
allerdings für den Fall einer dereinstigen Trennung der Wege unter 
Vorbehalt der Rechtsansprüche der Modernen "^J. Jedenfalls war im 
folgenden Jahre 1482 die Bibliothek schon soweit in Stand gesetzt, 
dass ein eigenes Statut über gewissenhafte und getreue Benützung 
des Bibliothek-Schlüssels und über eine dafür zu erlegende Taxe er- 
lassen werden konnte, und i. J. 1484 wurde in der Peraou des 
Magisters Egkental ein eigener Bibliothekar bestellt (i. J. 1492 trat 
der oben genannte Puttersass in diese Stelle ein) ; den ersten Bücher- 
Catalog fertigten i. J. J485 Oswald Wisshamer und Magnus Aym- 
schmalz an'"). Die i. J. 1495 an der Pest verstorbenen Professoren 
Parreut und Salmair vermachten der Bibliothek testamentarisch ver- 
schiedene Bücher '''). 

Werfen wir endlich betreffs dieser Anfangs-Epoche der Uni- 
versität auch noch einen Blick auf die Verhältnisse der Studenten, 
so möge gleich hier die für den ganzen Verlauf der Universitäts- 
Geschichte geltende Bemerkung vorausgeschickt werden, dass wir, wie 
es in der Natur der Sache liegt, aus den Acten über Excesse, Tu- 
multe und Verbrechen der Studenten weit ausführlicher unterrichtet 
sind, als über die stille Werkstätte eines sittlichen und wissenschaft- 
lichen Fleisses, welcher bei den akademischen Behörden nur nach 
wenigen äusserlicheren Seiten zu Protocoll kommt ; und auch die Zahl 

74) S. Bd. II, Biogr. Nr. •'. 

75) Archiv d. Univ. 0, I, Nr. 2, f. 10. 

76) Ebend. f. 11 v. 

77) Aroh. d. Univ. a. a. 0. f. 14 y. a. IG u. 41 t. Das Statut betreffs der 
BenOtzung der Bibliothek s. Bd. II, Urk. Nr. 20. 

78) Mederer, Ann. Bd. I, 8. 45 f. 



•^ 



Zeitr. I. Cap. 10 (1472— 1493j. 93 

der ordnungswidrigen Vorkommnisse lässt nicht einen Schluss auf 
Rohheit der Studenten , sondern nur auf Rohheit der ganzen Cultur- 
stufe zu. Im Ganzen ist ja der Student in proportionalem Masse wie 
alle übrigen Stände edler und besser geworden. 

Dass Studenten auch als Rectoren an die Spitze der Universität 
treten konnten, wurde schon oben (Cap. 5, Anm. 8) berichtet, und 
dass man es auch nicht verschmähte, bei Erforschung einreissender 
Missstände Studenten amtlich zu vernehmen, werden wir bald unten 
sehen (Cap. 12, Anm. 3). Aber wir finden auch, dass i. J. 1478 
von den Studirenden des canonischen Rechtes eine Bitte um Anstel- 
lung eines von ihnen bezeichneten Lehrers direct an den Herzog ge- 
richtet wurde, und wenn auch ein ablehnender Bescheid erfolgte, so 
geschah diess nur aus materiellen , durchaus nicht aus formellen, 
Gründen ^^). Ein wesentliches Element des Studenten-Lebens waren 
damals die Bursen , wenigstens für die ganze Mehrzahl der minder 
begüterten und der armen; denn Adelige und Reiche konnten und 
durften allerdings für sich allein wohnen, sollten aber doch unter 
Leitung eines Privat-Lehrers stehen. Vor Allem war es die Artisten- 
Facultät, deren Studirende zum grössten Theil in solchen Convicten, 
wo sie unter Leitung eines Magisters Wohnung, Kost und Unterricht 
(Resumptionen und Conversationen) erhielten, ihre Studienzeit ver- 
brachten; und gewiss lag für Viele in dem billigen Preise des Le- 
bensunterhaltes, welchen sie in den Bursen fanden, eine dankens- 
werthe Wohlthat^^). Aber das Mass persönlicher Freiheit und somit 
auch der selbsteigenen wissenschaftlichen Entwicklung war, wie die 
obigen Bursen-Statuten zeigen, geradezu null, denn in maschinen- 
mässiger Gleichförmigkeit rollte unter beständiger Aufsicht des Vor- 
stehers Tag für Tag und »Stunde für Stunde ab, so dass kaum die 
Möglichkeit einer individuellen Kraftäusserung verblieb. Wenn mau 
damals an den Universitäten in dergleichen Zwangseinrichtungen eine 
weise pädagogische Massregel erblickte, so mag diess einigermasseu 
dadurch entschuldigt werden, dass in der That viele ganz unreife 
Knaben, welche auch geistig erst noch durch Priscian und Alexander 

79) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 1, f. 3 v. 

80) In der schon oben (S. 70 u. 73) benützten QueUe, d. h. Bd. II, Urk. 
Nr. 23, finden wir gelegentlich die Notiz, dass in den Burgen die Kosten der 
Lebsacbt wöchentlich 32 Pienninge betrugen, während jene Studenten, welcbe 
in Gasthäasern aasen, wöchentlich 40 oder 50, ja 00 Pfenninge brauchten. 
Ruhigere Stadttheile hatten bei Errichtung neuer Bursen den Vorzug vor be- 
lebteren, s. Arch. d. Univ. G, XIV, Sept. 1488. 



94 Zeitr. I. Cap. 10 (1472-1493). 

gedrillt werden mussten , sich als Studenten immatriculiren Hessen. 
Und so werden wir es uns erklären dürfen, dass, wie wir oben (S. 74) sahen, 
man auch für die juristischen Studenten an Errichtung einer eigenen 
Burse dachte, um dieselben vor sittlichem und intellectuellem Nach- 
theil zu bewahren^*). Sämmtliche Bursen unterlagen gleichmässig 
den oben angeführten Statuten und standen unter der Oberaufsicht 
der philosophischen Facultät ^'^). In den verschiedenen Documenten 
der Universität begegnen uns folgende elf Bursen-Namen : Angelica, 
Aquilae (früher Dingolfingensis genannt), Aristotelis, Draconis, Leonis, 
Lilii, Parisiensis, Pavonis, Kosae, Solis, Viennensis ^^) ; im Verlaufe 
der Zeit aber giengen dieselben allmälig ein, und zwar wohl darum, 
weil die ganze Einrichtung sich nicht mehr mit den geänderten An- 
schauungen vertrug; gewiss ist, dass um die Mitte des 16. Jahr- 
hunderts eine rasche Wendung hierin eintrat und gegen Ende des- 
selben sämmtliche Bursen Ingolstadts bereits in Privathäuser um- 
gewandelt waren ®^). 

81) Noch gegen Ende des 10. Jahrh. sehnten sich Manche nach dieser 
Einrichtung zarück, welche sie für dieejnzig zweckmässige hielten; s. Zeitr. 11. 
Cap. 1, Anm. 491. 

82) Ist es sonach schon an sich unwahrscheinlich, dass eine dnzelne Burse 
besondere Statuten gehabt haben sollte, so erwecken die bei Me derer, Cod. 
dipl. S. 95 jET. gedruckten ^^Statuta hursalia hursae Pavonis^^ auch noch ander- 
weitig Verdacht, indem dort die verschiedenen Geldstrafen wiederholt in ^,pla- 
pertae^* ausgemessen sind, welche eine in Freiburg und Basel übliche MOnze 
waren, und da nun Johann Eck bekanntlich in Freiburg wirkte, ehe er nach 
Ingolstadt kam, und in Freiburg eine bursa Pavonis bestand, für welche Eck 
auch ein kleines Compendium der Logik schrieb, und ferner dasjenige, was 
Heinr. Schreiber (Gesch. d. Univ. Freiburg, Bd. I, S. 38 AT.) im Allgemeinen 
über die Statuten der genannten Burse mittheilt, mehrfach wörtlich mit dem von 
Mederer publicirten Schriftstück übereinstimmt, so gelangen wir zu der begrün- 
deten Yermutliung, Mederer habe hiemit aus Yersehen ein aus Freiburg her- 
stammendes Erzeugniss aus Eck^s Nachlass zum Abdruck gebracht. Im Archive 
unserer Universität sucht man das Original jedenfalls vergeblich« 

BS) Im Rathhause zu Ingolstadt ist noch gegenwärtig ein Gemälde zu sehen, 
welches von den beiden Münchner Malern Chri:;toph Zwickhof und Hans Mielich 
i. J. 1549 angefertigt wurde und die i. J. 1546 vor Ingolstadt stehenden beider- 
seitigen Feldlager (Friedrich von Sachsen und Philipp von Hessen einerseits, 
Kaiser Karl andrerseits) darstellt; dort ist unter Anderem ein Gebäude, der 
später sogenannte Münchnerhof, gemalt, auf welchem die Aufschrift ^,Pariser- 
wurät^* (d. h. bursa Parisiensis) zu lesen ist. S. Mederer, Gesch. d. Stadt 
Ingoist., S. 202. Gemminger, D. alte Ingoist. S. 221. Vgl. unten Cap. 13, 
Anm. 159. 

84) S. Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 491. Rot mar b. Mederer, Annal. Bd. I, 
S. XXXIII f. Wenn aber Letzterer meint, die Ursache des Verfalles der Bursen 



Zeitr. I, Cap. 10 (1472-1493), 95 

Erscheinungen des Studentenlebens, welche in jener Zeit allgemein 
verbreitet waren, treten natürlich auch in Ingolstadt auf. Dahin ge- 
l\ört vor Allem die sog. depositio, d. h. eine Ceremonie, durch welche 
die an die Universität übertretenden jtmgen Leute, deren übliche 
Bezeichnung „beani^^ war, förmlich zu Studenten geweiht wurden®*). 
In der späteren rohen Form des 16. und 17. Jahrh.'s, welche zu 
einer wirklich grausamen Misshandlung der neuen Ankömmlinge aus- 
artete, bestand die Sache am Ende des 15. Jahrh.^s überhaupt nicht. 
Beweise aber für das Vorkommen derselben in Ingolstadt liegen 
darin, dass einmal i. J. 1485 eine Geldstrafe für derlei „Vexation 
und Tribulation" verhängt wurde ^®), dass ferner i. J. 1490 gelegent- 
lich der Immatriculation kurzweg von depositio die Rede ist''^), und 
dass in den Facultäts-Statuten v. J. 1492 ausdrücklich die Vexation 
der beani verboten wurde (s. oben Anm. 64). Ein Studentenfest 
waren die sog. ^Joilfonia'" oder ^Jontania^\ nemlich Massen-Spazier- 
gänge in die Wälder und schattigen Orte der Umgebung, woselbst 
nicht bloss Spiel, sondern auch mannigfacher Unfug getrieben wurde, 
so dass bald eine Beschränkung solcher Ausgelassenheit auf bestimmte 
Tage des Jahres für nöthig gehalten wurde ^®). Erscheinungen einer 
Sauflust und Kauflust haben in damaliger Zeit beim Vergleiche mit 
anderen Universitäten nichts auffallendes; auch an einzelnen gröberen 
Excessen fehlte es nicht, und wir finden schon i. J. 1473 ein Verhör 
über mehrere Pasquille, welche gegen den Herzog und gegen die 
Üniversitäts-Statuten an den Thüren der Moriz-Kirche und des Col- 

sei hauptsächlich in der Errichtung des Georgianums gelegen gewesen, so irrt 
er thatsächlich, denn wir finden mehrere Bursen (Angelica.. Draconis , Lilii , Pa- 
risiensis) noch i. J. 1521 als bestehend. 8. Archiv d. Univ. D, III, Nr. 3; ja 
betreffs noch späterer Zeit s. unteif Cap. 13, Anm. 301. 

85) lieber diesen vielbesprochenen Gegenstand Näheres bei K, v. Raum er, 
Gesch. d. Pädag. 2. Aufl. Bd. IV, 8. 40 ff. Friedr. Zarncke, D. deutsch. 
Univ. i. Mittelalter, 8.5, 28, 111, 162. Heinr. Meyer, Studentica. Lpzg. 1857, 
S. 42 ff. Ose. Dolch, Gesch. d. deutschen 8tudententhums. Lpzg. 1858. 8. 156 ff. 
Muther, Aus d. Univ. u. Gelehrten-Leben i. Zeit. d. Reform. Erl. 186G. 8. 20 f. 
Ein in der Univ.-Biblioth. (Cod. Mscr. 126. 4, f. 89) vorhandenes Carmen morum 
studentum et beanorum eines gewissen Joh. de Werdena enthält in 19 schlechten 
Distichen die Darlegung des Unterschiedes zwischen studentes und beani, welch 
letztere mit Recht bachantes genannt seien. 

8G) Archiv d. Univ. 0, I, Nr. 2, f. 15 v. {,^fmxatore8 et tribulatores novel- 
lorum studentium quos beanos vocant^^), 

87) Ebend. f. 34 v. Betreffs späterer Zeit s. Zeitr. II, Cap, 1, Anm. 188, 
Cap. 2, Anm. 87 ff. 

88) S. ob. Anm. 61 u. 03 und unten Cap. 12, Anm. 15. 



96 Zeitr. I, Cap. 11 (Georgianura). 

legiums angeheftet worden, und 1482 wieder Pasquille gegen den 
Rector, oder i. J. 1475 eine nächtliche Misshandlung eines Professors 
durch einen in die Wohnung eingedrungenen Studenten, 1479 utrd 
1481 tödtlich endende Raufhändel ; 1485 einen Studenten, welcher 
des Nachts alle ihm begegnenden Personen anfiel, 1487 einen Tumult, 
wobei die über die Einsperrung zweier Kameraden erzürnten Studenten 
den versammelten Senat formlich belagerten, und überhaupt eine ge- 
nügende Menge von Schuldklagen, Verbal- und Real-Injurien, Bordell- 
Geschichten u.dgl., aber keinen bedeutenden Diebstahl ®®). Studenten- 
Excesse gaben aber auch die Veranlassung, dass bereits i. J. 1484 
zum ersten Male die Universität beim Herzoge über den Stadtrichter 
und die Stadtknechte sich beschweren musste, welche gegen die 
Studenten in gewaltsamer und schmählicher Weise verfuhren^). 



Cap. 11. 
Die Stiftung des Georgianums. 

Herzog Georg der Reiche sicherte sich in ähnlicher Weise wie 
sein Vater das bleibende dankbare Andenken der Nachwelt, indem er 
jene Stiftung gründete, welche schon durch ihren Namen „Collegium 
Georgianum" fortan die PJrinnerung an eine mildthätige Verwendung 
fürstlichen Reichthumes enthielt. Es war nemlich der Giimdgedanke 
des Regenten eigentlich darauf gerichtet, für arme Studirende eine 
Burse grösseren Stiles zu errichten; und da es sich zur Verwirk- 
lichung dieses Planes zunächst um die zureichende Fundirnng durch 
Ankauf von Grundstücken, Gilten, Renten u. dgl. handelte, forderte 
der Herzog wiederholt vom Febr. bis Sept. 1494 die einlässlichsten 
Berichte hierüber von den Rentämtern ein *) und zugleich schickte 



89) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 1, f. 21 v. u. 101 u. D, XIII, Nr. 1, 
18. pct. 1482 u. 1485. Mederer, Ann. Bd. I, S. 19, 22, 30, 34. 

90) Arch. d. Univ. B, V, 1484. Schärfere Wiederholungen solcher Con- 
flicte zwischen Universitfit u. Magistrat 9. unten Cap. 12, Anm. 21 f. u. Cap. 13, 
Anm. 140 ff. 

1) Reichs-Archiv, Ingoist. Ger., I, 38, 16, f. 1 — 108, woselbst zunftchst Auf- 
zählung vieler Qüter und Gilten, liieruuf (f. 93) die Erklärung des Hertoges, 
dass diese Berichte unklar u. ungenügend seien, daher sodann abermals Ver- 
zeichnisse. 



M 



Zeitr. I, Gap. 11 (Georgianom). 97 

er betreffs der nöthigen Baulichkeiten im April 1494 einige Sach- 
verständige nach Ingolstadt, um einen passenden Platz' zu suchen 
und Kaufverträge abzuschliessen , wobei auch die Artisten-Facultät 
ein ihr gehörendes Haus zum Kaufe anbot*). Nachdem ein der Uni- 
versität (d. h. dem Vetus Collegium) gerade gegenüber liegendes 
Haus käuflich erworben worden und im Laufe des Jahres ein völliger 
Umbau desselben stattgefunden, ertheilte der Herzog dem neu be- 
gründeten Institute am 14. Dec. 1494 den von ihm und den beiden 
Pfalzgrafen Philipp und Albrecht unterzeichneten förmlichen Stif- 
tungsbrief •^). In dieser bedeutsamen Urkunde wird vorerst das wis- 
senschaftliche Motiv ausgesprochen, dass durch „schriftgelehrte Kunst 
und Lehre" der christliche Glaube und das gottesfürchtige Leben 
gefördert werden und die menschliche Vernunft Erleuchtung finde, 
sowie dass es „Gelehrte" seien, durch welche der Gottesdienst voll- 
bracht werde; es rechtfertige sich hienach die Absicht, auch die 
Armen zum Erwerb solcher „bewährter Kunst** zu unterstützen und 
hiedurch nicht bloss die Aufnahme der Universität und den allge- 
meinen Nutzen , sondern auch das Seelenheil des Stifters und des 
ganzen herzoglichen Hauses zu befördern. Hierauf folgt die Anord- 
nung, dass das für diesen Zweck hergestellte Gebäude für alle Zu- 
kunft steuerfrei sein solle, und sodann die genaue Aufzählung aller 
Gilten u. dgl. aus einer Menge von Grundstücken, wodurch das Ver- 
mögen der Anstalt in ergiebigen jährlichen Renten derartig gesichert 
ist, dass einerseits jede Veräusserung, Verpfändung u. dgl. untersagt 
und andrerseits Befreiung von jeglichem Scharwerk u. dgl. ausge- 
sprochen ist. 

Das innere Wesen des Instituts trägt deutlich den Charakter 
der damaligen Bursen an sich; die Stiftung nemlich ist berechnet 
auf einen Magister als Regens und vorläufig auf 11 Studirende, 
welche collegiati minores heissen sollen; zu diesen stiftuugsmässigen 



2) 8. Moderer. Ann. Bd. I, S. 44 u. Archiv, d. Univ. O, Nr. 2, f. 50. 

3) Da der bei Mederer, Cod. dipl. S. 128 ff. befindliche Abdruck dieser 
Stiftangs-Urkunde ebenso nachlässig ist wie alles übrige, gebe ich Bd. II, Urk. 
Nr. 27 eine genaue Wiederholung des Originales. Moderer druckt in seiner 
unkritischen Weise arglos auch eine zweite kürzer gefasste Einleitung als An- 
fang vor dem Anfang ab, und ebenso fügt er am Schlüsse ohne irgend eine Be- 
merkung sofort das Schreiben an, welches als Vollzugs- Vorschrift speciell an 
den Ingolstftdter Magistrat erlassen wurde. Ein erster Entwurf des Stiftungs- 
briefes mit vielen Verbesserungen und Randbemerkungen findet sich im Reichs- 
Archiv a. a. O. f. 110 ff. 

Prantl, Oetohichte der UniTertitSt München I. 7 



98 Zeitr. I, Gap. 11 (Georgianum). 

Freiplätzen sollen 11 Städte (d. h. der „innere Rath^' derselben) 
das völlig freie Präsentationsrecht haben, — eine Bestimmung, welche 
durch den (aristotelischen) Satz begründet wird, dass in einer Mehr- 
heit stets mehr Vernunft, als bei Einzelnen, zur Geltung komme. 
Die 1 1 Städte, von welchen Stipendiaten vorgeschlagen werden dürfen, 
sind : Landshut, Ingolstadt, Lauingen, Wasserburg, Burghausen, Schär- 
ding, Braunau, Oetting, Wemding, Hilpoltstein, Weissenhom **). üebri- 
gens stehe es in Zukunft Jedermann und jeder Gemeinde frei, in 
gleicher Weise solche Collegiaturen zu stiften, und es folge dann 
hieraus von selbst das betreffende Präsentations-B^cht , sowie der- 
gleichen Stipendiaten den älteren völlig gleich stehen werden; nur 
müsse eine jährliche Rente von wenigstens 20 fl. ausgesprochen sein. 
Auch könne der Regens auf Verlangen beliebig andere Studenten auf- 
nehmen, welche schriftlich sich verpflichten, die üblichen -Bursen- 
Unkosten des CoUegiums (für Speise, Trank, Holz u. dgl.) zu erlegen. 
Die Anknüpfung der Anstalt an die Universität und vor Allem, 
wie es stets bei sämmtlichen Bursen üblich war, an die Artisten- 
Facultät ist in der Bestimmung ausgesprochen, dass der Rath der 
artistischen Facultät aus den Mitgliedern derselben den Regens zu 
wählen hat; nur muss derselbe Baccalaureus oder Doctor der Theo- 
logie sein und entweder die Priesterweihe bereits besitzen oder die- 
selbe binnen Jahresfrist zu nehmen sich verpflichten. Auch das 
Recht, neue Vollzugs-Statuten innerhalb des Rahmens des Stiftiyigs- 
Briefes zu machen, darf nur in Einvernehmen mit der Artisten- 
Facultät ausgeübt werden. Der Regens hat die Pflicht, auf gottes- 
furchtiges und ehrbares Leben sowie auf Studien-Fleiss der Collegiaten 
zu sehen, und ist mit dem Straf-Rechte , wie es jedem Bursen- 
Conventor zusteht, ausgerüstet; er soll (wie diess auch jedem Vor- 



4) Sicher schickte der Herzog an jede einzelne der elf Städte unter Bei- 
fügung einer Abschrift des Stiftungsbriefes eine „Confirmation'* des Präsentations- 
Rechtes; erhalten ist uns die Copie des betreffenden herzoglichen Schreibens 
dieser Art an den Magistrat Weisijenhom, h. Arch.-Conserv., Tom. I, f. 67. Die 
Städte antworteten dann durch eine „yer:^chreibung^', welche unter Danksagung 
die statntenmässige Präsentation verspricht; die Original-Urkunden solcher Re* 
verse finden sich im Reichsarchiv (Ingolstadt, Univ., Coli. Georg. Fase. 2), von 
den Städten Ingolstadt, Wasserburg, Burghausen, Schärding, BraunHU, Oetting, 
Wemding, Hilpoltstein, Weissenhom; in Abschrift im Arch.-Conserv., Tom. I, f. 
5—31, von den eben genannten Städten mit Ausnahme Hilpoltstein 's, jedooh hie- 
für von Lauingen, su dass uns nur der Revers Landshut's fehlt. (Bin Biograph 
Herzog Georg's wCürde in den genannten beiden archivalischen QueUen auch nooh 
mehrere anderweitige milde Stiftungen finden, welche die Universität nicht berühren). 



Zeitr. I, Cap. 11 (Georgianam). 99 

Stande einer Burse oblag) täglich eine Stunde Erercitium in artibns 
halten. Als besondere ihm gehörige Einkünfte bezieht er von der 
Pfarrei Parr jährlich 40 fl. ; will er seine Stelle aufgeben , so muss 
er 14 Tage vorher künden; zeigt er sich als unfähig, so kann ihn 
der Rath der Artisten-Facultät ohne Weiteres absetzen. Er und die 
CoUegiaten sind der Jurisdiction der Universität unterworfen. 

Die CoUegiaten müssen, um präsentirt werden zu können, wenig- 
stens 16 Jahre alt sein und einigermassen die Fähigkeit besitzen, 
Chor zu singen ; der sie vorschlagende Magistrat hat dieselben, nach- 
dem ihnen die Statuten des Collegiums bekannt gemacht worden, mit 
einer schriftlichen Präsentations-Urkunde nach Ingolstadt zu schicken. 
Länger als 5 Jahre darf kein Stipendiat im Collegiura verbleiben; 
jede Cession seiner CoUegiatur ist nichtig, und das Stipendium in 
Abwesenheit zu geniessen, verboten. Tritt eine Vacatur (durch Tod, 
Verzicht, Entlassung u. dgl.) ein, so hat der Regens dem betreffenden 
Magistrate sofort Anzeige zu machen und letzterer eine neue Präsen- 
tation vorzunehmen. 

Der aufgenommene CoUegiat wird vom Regens durch Hand- 
gelübde auf die Statuten verpflichtet. Wenn aber sodann bezüglich 
des Studiums angeordnet wird, dass der Stipendiat anfänglich in der 
Artisten-Facultät bis zur Erlangung des Magisteriums und hernach 
den noch übrigen Rest seiner fünf Jahre Theologie studiren solle, so 
müssen wir um späterer Differenzen willen bedachten, dass der Herzog 
allerdings im Allgemeinen mit seiner Stiftung eine Burse für künf- 
tige Theologen beabsichtigte, aber dass dem Wortlaute nach der 
Stipendiat keine Verpflichtung übernahm, in den geistlichen Stand zu 
treten*'^), sowie es ihm gewiss auch frei stehen musste, nach erlang- 
tem Magisterium auf seine CoUegiatur zu verzichten. Ja dass der 
Stifter immerhin ein grösseres Gewicht auf die Zeit dps sog. philo- 
sophischen Studiums legte, dürfen wir aus jener ausdrücklichen Be- 
stimmung schliessen, nach welcher die Stipendiaten des Collegiums 
in den Vorlesungen der Artisten-Facultät honorarfrei sein sollen (für 
die Resumptionen müssen sie gleich den Uebrigen bezahlen). Zu 
verschiedenen gottesdienstlichen Uebungen, namentlich einem täg- 
lichen cursus beatae Mariae und einem täglichen collectum.für den 
Stifter, sind die CoUegiaten und theilweise auch der Regens statuten- 
mässig verpflichtet^). Selbstverständliche Verbote unter Strafandroh- 

5) S. anten Cap. 13, Anm. 296 und Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 453. 

6) Des Eichstädter Bischofes ^^ConfirmcUio super collectis missarum 



100 Zeitr. I, Cap. 11 (Georgianum). 

ung betreffen Rauferei, Karten- und Würfelspiel, nächtliches Ver- 
lassen des Hauses und Umgang mit verdächtigen Weibsleuten. 

Die Vermögens- Verwaltung der Anstalt hat der Eegens in Ge- 
meinschaft mit einem von der Artisten-Facultät abgeordneten Ma- 
gister und mit zweien hiezu tüchtigen Collegiaten zu führen, und 
diese vier Verwalter müssen jährlich in Gegenwart aller Collegiaten 
dem Bector und den Decanen der theologischen und der artistischen 
Facultät Rechnung ablegen. Ergeben sich aus den Einnahmen des 
CoUegiums Ueberschüsse, so sind dieselben als Vorrath für den Ein- 
tritt schlechterer Zeiten zu admassiren, jedoch nur bis zur Summe 
von 300 fl.; was am Jahres-Schluss über diese Summe vorhanden 
ist, wird unter die Collegiaten gleich vertheilt. 

Am 24. April 1496 sandten Rector und Senat an den Herzog 
Georg unter den wärmsten Ausdrücken des innigsten Dankes einen 
schriftlichen Revers, dass die Universität bezüglich des Georgianums 
stets die Bestinmiungen des Landesherrn einhalten und ihrerseits den 
Verpflichtungen nachkommen werde, und dasselbe that unter gleichem 
Datum die Artisten-Facultät 0- Dabei wurde zugleich der erste von 
der Facultät gewählte Regens Schwebelmair installirt und die von 
den 11 Städten präsentirten ersten Collegiaten aufgenommen^). 



pro saluU tnvorum et defunctarum Bavariae ducum^*^ s. im Reiohs-Archiv, In- 
golst. üniT. Fase. 1 (1496). 

7) Beides im Reichs-Archiv, Ingoist. Univ. Fase. 1 (24. Apr. 1496) und 
ebend. Ingoist. ünir. CoU. Georg. Fase. 2, ferner im Münchner Archir-ConserT. 
Tom. I, f. 1 n. 3 und im Landshuter ArchiT-ConserT. als Anhang sur dorti- 
gen Copie des Stiftungsbriefes f. 19; gedruckt b. Mederer, Cod. dipl. p. 153 ff. 

8) Das YerzeichniSB sämmtlioher Collegiaten und Regenten v. 1496 bis 15G2 
(nebst swei kleinen l^achträgen y. 1706 u. 1791) findet sich in eben jener nem- 
lichen Pergament-Handschrift des Landshuter ArohiT-Conservatoriums (f. 24 ff.). 




Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 101 



Cap. 12. 

Die Periode von 1494-1518. 

Insoweit Ab- und Zunahme der Frequenz einer Universität im- 
merhin als Gradmesser fOr ein Steigen oder Fallen der Anstalt selbst 
gelten müssen, zeigt sich bei Ingolstadt im Vergleiche mit den 
ersten zwei Jahrzehenten unleugbar ein Sinken. Nur ist durch die 
blosse Frequenz-Zahl natürlich noch nicht aufgeklärt, ob in einem 
inneren Verfalle oder in äusseren unverschuldeten Umständen die 
Ursache der Abnahme zu suchen sei , und femer bleibt auch die 
Möglichkeit, dass in einer einzelnen Facultät in der That der ent- 
schiedenste Aufschwung eintritt, während durch den Zustand der 
übrigen die Gesammt-Summe der Studirenden unter den mittleren 
Durchschnitt herabgedrückt wird; endlich kann ja selbst ein Steigen 
der Frequenz zeitweilig durch eine ganz einseitige und an sich ver- 
werfliche Richtung hervorgerufen werden. In den 25 Jahren von 
1494 — 1518 war in Ingolstadt die Zahl der Neu-Immatriculirten zu 
Anfang ziemlich die gleiche wie in den nächsten Vorjahren, sank 
aber dann v. J. 1500 an rasch auf 78 (i. J. 1508) und sogar zu 
dem überraschenden Minimum von 23 (i. J. 1504) herab, hob sich 
jedoch dann wieder zu einem mittleren Standpunkte und nahm von 
1514—1518 eine so ansehnliche Höhe ein, dass wir i. J. 1514 die 
höchste Ziffer 266 treffen. Die 25jährige Durchschnittszahl des Neu- 
zuganges beträgt 172, d. h. um nahezu 50 weniger, als in den vor- 
hergehenden Jahrzehenten, und wir werden sonach nicht weit irren, 
wenn wir nach den schon oben (S. 64) angegebenen Anhaltspunkten 
annehmen, dass nunmehr durchschnittlich im Jahre ongeffthr 450 
Studenten in Ingolstadt anwesend waren. Fremde Gäste weist in 
dieser Zeit das Matrikelbuch auf aus Stuttgart, Tübingen, Ravens- 
burg, Constanz, St. Gallen, Zürch, Winterthur, Basel, Mühlhausen, 
Strassburg, Heidelberg, Worms, Mainz, Frankfurt, Ems, Bacherach, 
Trier, Göttingen, Leipzig, Magdeburg, Lausitz, Pommern, Polen, 
"Wien, Tirol, Kärnthen, Dalmatien, und Einen aus Lugdunum (ob 
Lyon oder Leyden?), so dass im Vergleiche mit früherem allerdings 
die Zahl der Städte eine geringere ist und wir auch die weiteste 
Feme (Paris, Mailand, Schweden) vem Ein Mitglied der üni- 



L.. 



102 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

versität (der Theologe Zingel) gab i. J. 1497 gelegentlich einer 
Conferenz*) unter dem Beisatze, dass gegenwärtig bei 300 Studenten 
in Ingolstadt seien, als Ursache der Abnahme einerseits das zweij 
malige Auftreten der Pest an, wobei ihm die Jahrgänge 1483 und 
1495 vorschweben raussten*); aber das Motiv trifft nicht zu, denn 
die erwähnten darauffolgenden Jahre der allergeringsten Frequenz 
(1503 u. 1504) waren gerade keine Pest-Jahre; und wenn er andrer- 
seits auf die in den letzten drei Jahrzehenten entstandene Goncurrenz 
der Universitäten Freiburg, Basel, Tübingen und Heidelberg hin- 
weist, so ist dieser Grund (abgesehen davon, dass auch Trier, Mainz 
und Ofen hätten genannt werden sollen), darum nichtig, weil alle 
diese Universitäten bereits vor der Abnahme Ingolstadts geraume 
Zeit bestanden. Wir verzichten aber unsrerseits darauf, eine be- 
stimmte Ursache dieses Sinkens zu bezeichnen , . denn dass manche 
. Missstände Abhilfe forderten oder dass Kämpfe die Kühe der Uni- 
versität störten, betrifft nicht etwa ein Ausnahms-Verhältniss Ingol- 
stadts gegenüber den übrigen Universitäten, und ausserdem nahm 
damals in Pflege der humanistischen Studien Ingolstadt wirklich eine 
hervorragende Stelle ein, so dass wenigstens in diesem einzelnen 
Zweige eher eine Zunahme der Zahl der Studenten anzunehmen ist. 
Vielleicht könnte ein Grund darin liegen, dass die Mehrzahl der 
Vermöglichen, besonders der Juristen und der Mediciner, nach da- 
maliger Sitte es immerhin für zuträglicher zu halten begann, mit 
dem Universitäts-Studium überhaujit einen Aufenthalt in der Fremde 
(zumal in Italien j zu verbinden, als ausschliesslich an der Landes- 
Universität zu verweilen. 

Nachdem Herzog Georg schon vor einigen Jahren behufs Ab- 
stellung verschiedener Missbräuche eine Untersuchungs-Commission 
in Aussicht gestellt hatte (s. oben S. 70), erachtete er es i. J. 1497 
für nothwendig, dieses Vorhaben wirklich auszuführen, und Mitte 
September beriethen einige Tage hindurch die herzoglichen Käthe 
Peter Craflft, Heinrich Ebran und Ulrich Albersdorf mit den sämmt- 
lichen Lehrern der Universität, welche noch besonders beauftragt 
wurden. Nichts zu verhehlen, über die vorhandenen Missstände und 
Schwierigkeiten sowohl sachlicher als auch persönlicher Art; ja, — 



1) S. die sogleicli anzufülirendep Conferenz-Protokolle. 

2) S. vor. Cap., Anm. 1 u. 78. Im Sommer 1495 trat die Pest aUerdings 
40 heftig aaf, dass Professoren und Studenten flohen und die Vorlesungen bis 
Xeujahr ausgesetzt wurden; s. Mederer, Annal. Bd. I, S. 44 f. 



Zeitr. I, Cap. 12. (1494— 1518). 103 

was geschichtlich sicher interessant ist — , es wurden zu dieser Er- 
örterung auch mehrere Studirende beigezogen, welche ebenso wie die 
Professoren ihre Ansichten über Zustände und Personen aussprachen*"^); 
auch der Notar der Universität (Altenpeck) gab dabei seine Stimme 
ab. Unter den Professoren, welche wir theils bereits aus der vor- 
hergehenden Periode kennen, theils sogleich unten als neu eingetreten 
finden werden, nahmen Adorf (damals Bector), Z in gel, Plfimel, 
Rosa, Croaria, Ramelspach, Gabr. Baumgartner, Wolfg. 
Baumgartner, Peysser, Egkenthal, Pettendorfer, Schwebel- 
mair, Faltermair, Puttersass bei den Berathungen eine hervor- 
ragende Stelle ein**). Allgemeinere Gesichtspunkte (— bei einzelnen 
Pacultäten werden wir unten auf diese Conferenz wieder zurück- 
kommen — ) waren dabei, dass zunächst von juristischer Seite (Rosa) 
auf die Nothwendigkeit hingewiesen wurde, dem Rector nöthigen 
Falls einen Juristen als Beisitzer an die Seite zu geben; der Theo- 
loge Zingel aber, welcher die Schlaffheit der von den Rectoren ge- 
übten Disciplin tadelte, gieng noch weiter, indem er die Anstellung 
eines Superintendenten wünschte und somit in dem Fluge seiner 
klerikalen Phantasie den Eintritt düsterer Zeiten anticipirte (vgl. 
Zeitr. n, Cap. 1, Anm. 181 u. 190 ff.). Von mehreren Votanten 
wurde möglichst darauf hingearbeitet, dass der Rath der Universität 
entweder überhaupt eine geringere Anzahl von Mitgliedern enthalten 
oder demselben für manche Angelegenheiten ein „kleiner Rath^^ sub- 
stituirt werden solle, über dessen Zusammensetzung jedoch die Ansichten 
sehr auseinander giengen.^) Wie sehr die allgemeinen Klagen über 
ünfleiss und Nachlässigkeit der Professoren thatsächlich begründet 
gewesen seien, sehen wir aus dem Vorschlage, dass den Theologen 
und Juristen in jedem Semester 10, den Medicinem aber 20 Vor- 
lesungs-Versäumnisse erlaubt sein sollen , für jede weitere versäumte 



3) Ausser einem Georg* Tintzenhaier, welcher ausdrücklich als „sohuller" be- 
zeichnet wird, sind es zwei an der UniTersitftt studirende Pfarrer und noch einige 
Studenten , welche als solche sich dadurch kundgeben, dass ihren Namen weder 
„Magister*^ noch „Doctor*' beigesetzt ist, und ausserdem werden einige Magi- 
ster, welche uns im Uebrigen gänzlich unbekannt sind, gleichfalls zu den Studi - 
renden zu rechnen sein. — Das Schreiben des Herzogs, worin ToUe Offenheit 
auch über etwaige Abnahme der Universität, gefordert wird, s. Arch. d. üniT. G. 
I, Mitte Sept. 1497. 

4) Das ganze ausführliche Conferenz- Protokoll findet sich im Reichs- Archive, 
Neuburger Copial-Bücher, Bd. X, 8. 130 if. Als Probe gebe ich einen Abdruck 
des Anfanges Bd. II, ürk. Nr. 28. 

5) Ygl. oben Cap« 5, bei A 6| . Cap. 10, Anm, 9. 



I. 



104 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

Stunde aber durch den Cämerer ein Abzug an der Besoldung ein- 
zutreten habe. Auch die Uebung der vorgeschriebenen öffentlichen 
Disputationen wurde eingeschärft, da dieselben bei den Juristen wenig- 
stens 4 mal, bei den Medicinem wenigstens 2 mal des Jahres vorzu- 
nehmen seien. Immarhin beachtenswerth ist auch der Antrag, dass 
Professoren, welche durch zunehmendes Alter die Lehrkraft verlieren, 
nicht einfach entfernt werden, sondern noch einigen Qeldbezug ge- 
niessen sollen. Um die Frequenz der Universität zu heben, wurde 
(vom Kector) sogar vorgeschlagen, dass die Regierung ein Mandat 
erlassen solle, wornach die Landeskinder nur in Ingolstadt oder höch- 
stens etwa in Italien studiren dürfen (in späterer Zeit erfolgten wirk- 
lich häufig derlei Mandate). Auch über Einschärfung des Waffen- 
verbotes, über Victualien-Polizei u. dgl. wurden mehrfache Erörterungen 
gepflogen. 

In demselben J. 1497 fasste die Universität zum ersten Male 
den Plan, ihre Urkunden, Acten u. dgl. in einem Archive aufzu- 
bewahren, und auf ihr Ansuchen wurde ihr von der philosophischen 
Facultät als Eigenthümerin des alten Collegiums eine kleine Räum- 
lichkeit zu diesem Zwecke überlassen^). 

Der Tod Herzog Georg's des Reichen (1. Dec. 1503), an dessen 
feierlichem Leichenbegängnisse sich auch die Universität betheiligte, 
hatte bekanntlich den unseligen Landshuter Erbfolge-Krieg zur Folge, 
in welchem sich die Universität zunächst wohl neutral verhielt, aber 
doch bald, nachdem Pfalzgraf Ruprecht in die Reichsacht erklärt 
worden war, am 24. Mai 1504 den herzoglichen Brüdern Albrecht 
und Wolfgang huldigte'). Der erstere dieser beiden, welcher nach 
Beendigung des Krieges (i. J. 1505) und durch Verzicht seines 
Bruders als alleiniger Regent den bayerischen Herzogsthron bestieg 
und durch da^ Primogenitur-Hausgesetz den Beinamen des Weisen 
erwarb, widmete während seiner kurzen Regierungszeit (er starb am 
18. März 1508) seine landesherrliche Fürsorge auch der Universität, 
welche im Laufe des Jahres 1505 in Folge der Pest zahlreiche und 
schwere Personen-Verluste erlitten hatte**). 

Es wurde nämlich von Herzog Albrecht IV i. J. 1507 eine 
gründliche und allseitige Revision sämmtlicher Statuten angeordnet 



H) Mederer, Annal. Bd. I, S. 52. 

7) Ebend. S. 67, u. Mederer, Gefch. d. Stadt IngoUt. S. 165 ff. 
H) Es erlagen der Pest Adorf und der Mediciner Formair. sowie lü Ma- 
gister und 8 Baccalaurei ; s. Mederer, Annal. Bd. I, S. 68. 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494-1618). 105 

und derselben ein von der Regierung ausgegangener Entwurf zu 
Grund gelegt, welcher immer als ,,nova ordinatio^^ bezeichnet und 
namentlich nach der vollen Durchberathung unter diesem Namen 
öfter angeführt wird. Es liegt uns diese nova ordinatio nicht mehr 
im Wortlaute vor, sondern wir wissen nur, dass sie aus 34 Artikeln 
bestand, und müssen uns den Inhalt derselben aus dem Protokolle 
der langdauemden Berathungen entnehmen, welche über sie in 23 
Sitzungen vom 7. April bis zum 9. August geführt wurden und am 
20. Sept. ihren Abschluss fanden^). An den Berathungen, behufe 
deren die Professoren für die Sitzungstage von den Vorlesungen be- 
urlaubt waren, nahmen Theil die Theologen Z in gel und Plümel, 
die Juristen Rosa, Groaria, Risicheus, Bart und Prantl, die 
Mediciner Peysser und Beham, die Magister Falter Biair, 
Locher, Puttersass, Grünhofer, Schwebelmair, Zaler, 
Salach und der Astronom Ostermair '°). Blicken wir vorerst auf 
die allgemeinen Universitäts-Yerhältnisse (— denn bei den einzelnen 
Facultäten wird uns die nova ordinatio unten wieder begegnen — ), 
so ist eine der wichtigeren Bestimmungen, dass fortan Rector und 
Decane auf ein ganzes Jahr gewählt werden sollen*^). Auch wurde 
die Reihenfolge der Facultäten bezüglich der Abstimmung in den 
Plenar-Consilien derartig geändert, dass nunmehr die theologische 
Facultät zuerst und die philosophische zuletzt votirt'*). Der Fleiss 
der Professoren soll durch die Bestimmung angespornt werden, dass 
die Besoldeten nicht bloss eidlich die Befolgung ihrer Vorlese-Pflicht 
versprechen, sondern auch für jedes nicht legal entschuldigte Ver- 
säumniss einen Abzug der Besoldung erleiden, so dass die höher 
besoldeten auch höher bestraft werden, und ausserdem- für exorbi- 
tanten Unfleiss der Senat noch eine willkürliche weitere Strafe ver- 
hängen darf. Betreffs der Promotionen wird verordnet, dass dieselben 
nur entweder in der Frauenkirche oder in der Aula des alten Col- 



9) Archiv d. UnW. D, III, Nr. 2, S. 71—155. 

10) Ebend. S. 43 (die Dispense von den Yorlesangen). Die Angabe Mede- 
rer's (a. a. 0. S. 74), dass Peysser damals nicht im Senat gewesen sei, ist 
irrig; er war, wie die Protokolle zeigen, mit Ausnahme Eines Sitzungstages 
(9. Apr.) bei allen Berathungen anwesend. 

11) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 2, S. 42. Vgl. oben Cap. 5, Anm. 9. Dass 
man aber diese längere Dauer der Geschäftslast als sehr drückend empfand, s. 
Bd. II, Urk. Nr. 36. Die baldige Rückkehr zur älteren Einrichtung s. unten 
Anm. 33. 

12) Ygl. oben Cap. 6, Anm. 5. 



106 Zeitr. I, Cap. 12 (1494-1518). 

legiums oder im Canonisten-Hörsaale oder im Senats-Zimmer , nie. 
aber in einem Privat-Locale vorgenommen werden dürfen. Auch 
wurde festgestellt, dass bei den sog. Consistorien, d. h. Jurisdictions- 
YerhandluDgen , die Parteien ebenso wie an der Eichstädter Curie 
sich der lateinischen Sprache (nöthigen Falls durch einen Procurator) 
bedienen müssen ; es scheint von dieser Zeit an auch üblich geworden 
zu sein, dass bei derlei Kechts- und Disciplinar-Verhandlungen nur 
der Rector und die vier Decane anwesend waren"). Ein Plenar- 
Beschluss der Versammlung bestimmte bezüglich der Honorarien, 
dass als „Arme'' nur diejenigen Studenten zu gelten haben, welche 
bei einem Anderen in Dienstverhältniss stehen und auf fremde Un- 
kosten leben ^^). Einige andere Artikel der neuen Anordnung betrafen 
die Theilnahme an den Gottesdiensten, Verbot gegenseitiger Schmäh- 
ungen, Kleiderordnung, WaflFentragen (für jede von einem Stadt- 
wächter eingelieferte Waffe bezahlt die' Universität 'demselben 21 
Denare) u. dgl. ; ein besonderes Augenmerk aber wurde bei den Be- 
rathungen auf die schon oben erwähnten fontonia gerichtet, welche 
nicht bloss als Verleitung zu übermässigen Ausgaben, sondern auch 
als Veranlassung verschiedener Ruheätörungen möglichst beschränkt 
werden sollen *^). Anderes erscheint in den Sitzungs-Protokollen ledig- 
lich als Wunsch oder Ansicht Einzelner, z. B. dass bei der Rectors- 
wahl der Turnus der Facultäten wegfallen möge, dass der Rector 
als solcher eine Remuneration bekommen solle, dass ihm ein Drittel 
der Strafgelder zufallen solle, damit dieselben nicht zu häu&g nach- 
gelassen werden, u. dgl. 

Bald nach der nova ordinatio Herzog AIbrecht*s finden wir zwei 
Senats-Beschlüsse, welche einen sehr eigenthümlichen Eindruck machen, 
nemlich den einen vom 12. Dec. 1507, womach es den Mitgliedern 
verboten ist, bewaffnet in das Consilium zu gehen, indem sie bei 
Debertretung den Verlust der Waffen und ausserdem 1 fl. Strafe 



18) Wenigätens finden wir solches häufig in den Eingangsformeln der be- 
treffenden Protocolle (Arch. d. Univ. D, III, Nr. 2). Vgl. oben Cap. 10, Anm. 9. 
Im J. 1522 wurde das Consilium decanorum statutenmfissig eingesetzt; s. unten 
Cap. 13, Anm. 101. 

14) S. Bd. U, ürk. Nr. 80. 

15) 8. ebend.; vgl. oben Cap. 10, Anm. 88. Das» auch der Stadtmagistrat 
beauftragt wurde , für Wohlfeilheit der Lebensmittel zu sorgen, ersehen wir aus 
der Erneuerung dieser Bestimmung in den Statuten t. J. 1522 (s. Cap. 18, Anm. 110) 
und aus einer ongeffthr in d. J. 1507 fallenden Zusammenstellung offenkundiger 
Misssande, s. UniTers.-Biblioth. Cod. Mscr. 482 fol., f. 58 ff. 



^ 



Zeibr. I, Cap. 12 (1494—1618). 107 

sich gefallen lassen müssen ^^), und einen anderen y. 7. Jan. 1508, 
gemäss welchem bei den Promotions-Prüfungen auch die Decane einen 
Eid zu leisten haben, und zwar in die Hände des Seniors ihrer 
Facultät^'). 

Zugleich aber waren seit einiger Zeit Zwistigkeiten zwischen 
Universität und Stadt-Magistrat ausgebrochen, indem einerseits wegen 
Verletzung der Steuerfreiheit die Professoren bei der städtischen Be- 
hörde (Oct. 1507) Klage führen mussten'^/, und andrerseits nächir 
liehe Studenten-Skandale, auch eine Schlägerei in der Eirche und 
anderer derlei Unfug den Senat (Nov. u. Dec. 1507) veranlassten, 
beim Magistrat durch die vier Decane eine energische Beschwerde 
über Nachlässigkeit der Nachtwächter vertreten zu lassen ^^). Beide 
Klagepunkte entschied Herzog Albrecht der Weise noch in den letzten 
Wochen seines Lebens (Ende Febr. 1508) in einem der Universität 
günstigen Sinne ^^). Nemlich betreffs der Ausübung der städtischen 
Polizei wurde eine „Ordnung der Wachthut'* erlassen'"), worpach 
der Magistrat 8 Wächter, d. h. sog. „Zirker^S anstellen soll, für 
deren Erhaltung der Herzog die Hälfte der Kosten übernimmt; die- 
selben sollen dem Landesherrn, dem Magistrat und der Universität 
den vorgeschriebenen Eid leisten **) und haben die Pflicht, Studenten, 
welche nächtlichen Excess begehen, zu verhaften (nöthigen Falls unter 
Beihilfe der Bürger) und Morgens vor den Kector zu führen, welcher 
sein ihm gebärendes Strafrecht ausübt. Hieran knüpft sich auch das 
erneuerte Verbot des Waflfentragens *'0, des Maskirens und der Mum- 
merei jeder Art, des nächtlichen Schreiens u. dgl., soyrte das Verbot, 
nach „Hossaus Läuten'' ^^) ohne Licht auf der Strasse zu gehen; 
auch wird eingeschärft, dass Studenten, welche keine Vorlesungen 



16) Arcb. d. Univ. D, III, Nr. 2, 8. 56 u, 182. 

17) Ebe:id. S. 59 f. u. 18H. 

18) Ebend. 8. 239. 

19) Ebend. 8. 52, 178, 180, 201. 

20) Ebend. S. 62 f. 

21) Gedruckt bei Mederer, Cod. dipl 8. 164 ff. 

22) Die Universität nahm die Vereidigung derselben am 26. März vor; b. 
Arch. d. Univ. D, III, Nr. 2, 8. 67. 

23) Als „Waffen*^ werden dabei bezeichnet: Harnasoh, armbst, piU^hsen, 
trischl, spiess, hellenparten, stangen^ schwert, wurfpfeil, diliz, waidmesser, degen, 
stein, kugl (Mederer, a. a. 0., 8. 165). 

21) Ein häufig vorkommender Ausdruck jfflr das abendliche Gebetlftuten als 
Zeichen des 8chlafengehen9. 



108 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

hören, ans der Stadt zu schafifen sind, dass die Bnrsen Abends recht- 
zeitig geschlossen und vom Vorsteher öfters visitirt werden müssen, 
sowie dass kein Miethgeber ohne Erlaubniss des Bectors und des 
Bürgermeisters Wohnungen an Studenten, Baccalaureen oder Magister 
vermiethen darf. 

Indem aber über die Entscheidung des zweiten Streitpunktes, 
nemlich der Freiheit der Universitäts-Angehörigen von Steuern und 
sonstigen bürgerlichen Lasten, der Magistrat sich beschwert fühlte, 
war es nach dem Tode Herzog Albrechts dem Nachfolger desselben 
überlassen, die Sache endgiltig zu schlichten. Herzog Wolfgang, 
welcher als Albrechts Bruder über den erst 15jährigen Herzog Wil- 
helm drei Jahre lang die Vormundschaft und somit auch die Begent- 
schaft führte, erliess (Ende Mai 1508) ausführliche und genaue Be- 
stimmungen^^). Es sollen nemlich jene lesenden Doctoren, welche 
aus der Kammer der Universität eine Besoldung beziehen und wirk- 
lich^ ordentliche Vorlesungen halten, von den ihnen eigenthümlichen 
Häusern, in welchen sie selbst wohnen, keinerlei Steuer oder sonstige 
bürgerliche Bürde leisten, und das Gleiche gelte vom Kasten-Hause 
der Universität und von der Engel-Burse der Artisten; vorbehalten 
aber bleiben etwa eintretende Fälle des Aufruhrs und Kriegsläufe. 
Hingegen alle übrigen Häuser, Gründe und Gülten der Professoren, 
sowie solche Häuser, welche sie an ausserhalb des Universitäts- Ver- 
bandes stehende Personen vermiethen, und alle Häuser, Gärten oder 
Stadl, welche sie zu früherem Eigenthum hinzukaufen, sollen steuer- 
pflichtig sein rauch hört die Steuerfreiheit, welche sie gemessen, auf, 
sobald sie aus dem Lehrkörper austreten oder das betreffende Eigen- 
thum verkaxifen. Als Ersatz für solchen Entgang an Steuer soll der 
Magistrat aus besonderer Gnade vom Herzog für jedes solche steuer- 
freie Haus jährlich 3 fl. durch den herzoglichen Zöllner (Ungelter) 
ausbezahlt bekommen; Nichts jedoch werde für das Kastenhaus und 
die Engel-Burse bezahlt. Von der städtischen Wein-Steuer sollen 
befreit sein jene lesenden Doctoren, Magister oder Licentiaten, welche 
mit Senats-Erlaubniss ausserhalb der Bursen an Studenten Kost geben 
(jedoch nicht mehreren, als an Einem Tische Platz finden), ferner 
die Adeligen für ihren eigenen Bedarf, der Regens des neuen C!ol- 
legiums für sich und seine Zöglinge, und die GoUegiaten des alten 
Colld^iums (jedoch ist für Einen Collegiaten nicht mehr als jährlich 



26) Die Original-Urkunde im ArchiT d. UniT. B, I, Nr. 16; gedmokt bei 
Mederer, Cod. dipl., 8. 1G8. 



M 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1618). 109 

je Ein fränkisches Fuder, d. h. 14 Ingoist. Eimer, steuerfrei), — Alles 
unter der Voraussetzung, dass es ehrlich zugehe und namentlich kein 
Wein verkauft werde. Nicht lange hernach wurden in Folge wieder- 
holten Streites diese Bestimmungen durch einen zweiten Erlass 
(15. Aug. 1509) in folgenden Punkten modificirt*^): Die Steuerfrei- 
heit der lesenden Doctoren erstreckt sich nicht auf Pflaster- und 
Brunnen-Geld noch auf städtische Umlagen, durch welche Ausgaben 
für Schutz oder Nothdurft oder Zierde der Stadt zu decken sind. 
Auch soll fär durchreitende hohe und höchste Herrschaften im Noth- 
falle von den Doctoren Herberge und Stallung geleistet werden. 
Falls allgemeine Landsteuern oder Hilfsgelder ausgeschrieben werden, 
sind die Doctoren nur fQr ihre steuerfreien Häuser davon befreit. 
Der Magistrat soll nun aucli fflr das Kastenhaus und die Engel- 
Burse obigen Ersatz bekommen. Auch wird die Zahl der kostgebenden 
Magister, •welche von der Wein-Umlage befreit sein sollen, nun auf 
vier festgestellt. Keineswegs aber waren hiemit alle Zwistigkeiten 
zwischen Universität und Magistrat beendigt, sondern wir finden, dass 
bereits i. J. 1509, als der Landesregent nach Ingolstadt kam, der 
Senat demselben Beschwerden gegen die Stadt betreffs Privilegium- 
Verletzung mündlich vortrug und neben dem Bescheid, dass es vor- 
läufig beim Alten bleiben solle, auch die Zusicherung einlässlicher 
Erwägung erhielt*'). I. J. 1505 und abermals i. J. 1514 war die 
Universität auch genöthigt, gegen den Bischof von Eichstädt das ihr 
zustehende Jurisdictions-Becht zu wahren, und fand hierin die Zu- 
stimmung des Herzoges*^). 

Was die inneren Verhältnisse der Universität selbst betrifft, 
finden wir schon i. J. 1509 im Senate die Kundgebung des Wun- 
sches, eine Abschrift der Privilegien der Wiener Universität zu be- 
kommen, wodurch man sichtlich sich für verschiedene Conflicte mit 
reicherem Materiale auszurüsten beabsichtigte, und nach einer ein- 
zelnen Seite hin war noch in demselben Jahre die Berufung auf das 
Wiener Vorbild von Erfolg; es richtete nemlich der Herzog im Ver- 
eine mit der Universität an den Papst die Bitte, dass ebenso wie in 



26) Die Original-Urkunde ebend. Nr. 17; gedruckt b. Mederer a. a. O. 
S. 173 u. 175 ff.; die erneute Differenz, welche hiezu Veranlassung gab, s. Aroh. 
«1. UniT. B, V, Juli 1509. ♦ 

27) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 2, S. 277 ff.; erneute Streitigkeiten betreffs 
der Nachtwache ebend. YIII, Juli 1511. 

28) Ebend. D, YII a, Oct.— Dec. 1505. Mederer, Annal. Bd. I, S. 91. 



110 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

Wien der Rector die Befugniss erlange, Studenten von einer Excom- 
munication zu absolviren, welche wegen thätlicher Angriffe auf Geist- 
liche verhängt worden war, und da zur Begründung des Gesuches 
darauf hingewiesen war, dass die in Eichstädt persönlich anzustel- 
lende Bewerbung um Absolution för die BetroflFenen grossen Zeit- 
Verlust mit sich bringe, gieng die Curie darauf ein*®). Nicht lange 
hernach wendete sich der Senat (1512) auch schriftlich nach Wien 
an Stiborius um Mittheilung der dortigen Statuten und schickte i. J. 
1513 den Baccalaureus Ulrich Wolfif wirklich dorthin, um dieselben 
abzuschreiben ^\ 

Herzog Wilhelm IV, welcher i. J. 1511 als volljährig die Re- 
gierung selbst übernommen hatte, schickte im Dec. 1512 in Folge 
verschiedener Misshelligkeiten, deren hauptsächlicher Gegenstand unten 
(Anm. 91 flf.) bei der artistischen Facultät zu erwähnen sein wird, 
eine eigene Untersuchungs-Commission nach Ingolstadt, Welche aus 
dem herzoglichen Rathe. Ilsung, dem Prinzen-Lehrer Aventin und 
dem Pranziscaner-Lector Schatzger bestand''*). Vorschläge zur He- 
bung der Universität theilte i. J. 1514 im Auftrage des Senates ein 
(nicht mit Namen genanntes) Mitglied der Universität dem herzog- 
lichen Canzler Leonhard v. Eck mit, wobei zunächst unter Hinweisung 
auf erneute Differenzen mit dem Magistrate um Abordnung einiger 
herzoglichen Räthe gebeten wurde; ausserdem aber wünschte man 
den Erlass eines Verbotes, an auswärtigen Universitäten zu studiren, 
und auch die Verwirklichung eines Planes , welchen bereits Herzog 
Albrecht gehegt habe, dass nemlich sämmtliche bayerische Prälaten 
verpflichtet werden sollen, wenigstens je Ein Mitglied ihres Klosters 
zum Studium nach Ingolstadt zu schicken (vgl. unten Cap. 13, Anm. 
116), wie solches auch in Leipzig, Heidelberg, Köln und Paris der 
Fall sei; femer müsse vor Allem für Hebung der artistischen Fa- 
cultät, welche ebenso wie in Wien, Leipzig, Köln und Paris der 
hauptsächlichste Bestandtheil der Universität sei, gesorgt werden, 
und zwar könne diess nur dadurch geschehen, dass in ähnlicher Weise 
wie in Tübingen, Freiburg, Leipzig und Köln die Magister durch 
Besoldungen oder Stiftungen u. dgl. in den Fall gesetzt würden, un- 
entgeltlich Vorlesungen halten zu können (vgl. Cap. 13, Anm. 241); 



29) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 2, S. 275 u. D, l, Anf. 1509 u. 7. Juli 1609 
u. Ostern 1511. 

30) Ebend. B. III, IG. Apr. 1512 u. 13. Oct. 1518. Betreffs der Wiener 
Statuten Tgl. Zeitr. II, Cap. I, Anm. 179. 

31) 8. Bd. U Urk. Nr. 39. 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). Hl 

wenn zu diesem Behufe zu den sechs Pfranden des alten Collegiums 
ein Geldbeitrag der Facultät oder der Universität und etwa seitens 
des Herzoges noch ein oder zwei Münchner Canonicate kämen, könnte 
dem Bedürfnisse um so mehr abgeholfen werden, als für die jün- 
geren Magister je 20 fl. genügen dürften. Dem Verlangen nach Ab- 
ordnung einer Commission entsprach der Herzog und im Mai 1515 
trafen der Canzler Leonh. v. Eck, Aventin und die herzoglichen Räthe 
Ilsung und Kölner in Ingolstadt ein-*^). 

I. J. 1516 wurde durch einen herzoglichen Erlass verordnet, 
dass die Function des Bectors wieder nur eine halbjährige sein solle *^). 

Während die Universität bemüht war, die bestehenden Statuten, 
welche man in eine neue Bedaction zu bringen beschloss (i. J. 1517), 
aufrecht zu halten und namentlich die Studenten bezüglich der Kleider- 
ordnung, des Waflfenverbotes u. dgl. streng zu überwachen-*^), hatte 
sie beständig Verdriesslichkeiten mit dem Magistrat zu bestehen, 
und hiedurch, sowie durch die Unbotmässigkeit der Studenten wurde 
sogar Johann Eck veranlasst, die auf ihn gefallene Bectorswahl nicht 
annehmen zu wollen'^). Doch vertheidigte die Universität (Dec. 1518) 
siegreich ihre Auffassung, dass nach dem Vorbilde der Wiener Privi- 
legien auch den Buchhändlern und Buchbindern als Universitäts- 
Angehörigen die Steuerfreiheit zu Guten kommen müsse, und als der 
Bürgermeister sich vermass, den Bector und den Senat zu sich zu 
citiren, wurde diese Kühnheit mit der Bemerkung zurückgewiesen, 
er möge nur sich selbst zum Bector bemühen***^). 

Was die Dotation der Universität betrifft, ist zu erwähnen, dass 
gegen Ende d. J. 1507 die lang dauernden Streitigkeiten begannen, 
welche mit der Pfarrei Landau geführt werden mussten, da die der- 



32) Arch. d. üniv. ß, III. 1514. Die Abordnung der Commission erwähnt 
Med er er, a. a. 0. S. 95 mit dem Beisatze, er wisse die Zwecke derselben 
Dicht. 

33) Me derer, a. a. 0. S. 96, vgl. oben Anm. II. 

34) So wurde z. B. das Verbot des Verreiäens der Professoren wiederholt 
eingefKshärft; s. Arch. d. üniv. B, IV, 10. Dec. 1517; und betreffs der Kleider- 
ordnung s. ebend. D, III, Nr. 4, S. 14 ff. (z. B. im Sommer 1517 wurde ein 
Student bestraft, weil er öffentlich einen Strohhut — pileolum stramineum — -' 
trug, ebend. S. 15). Ein Verbot des gegenseitigen Zutrinkens s. ebend. D, XIII, 
Febr. 1512. 

35) Ebend. D, III, Nr. 4, S. 11 (er Hess sich aber auf Zureden seiner Col- 
lagen wieder beschwichtigen). 

36) Ebend. S. 32 f. 



112 Z^Hr. 1, Cap. 12 (1494—1518). 

selben durch päpstliche Bulle auferlegten Zuschüsse ausblieben und 
sogar das hierüber erlassene bischöfliche Executorium (12. Apr. 1508) 
erfolglos blieb •^'). Da die Universität wiederholt den Herzog um 
das Präsentationsrecht betreffs jener Pfarrei und zugleich um Einver- 
leibung mehrerer Beneficien bat, gab derselbe (Jan. 1508) einerseits 
die Zusicherung, über Mittel nachdenken zu wollen, wodurch die Ein- 
künfte der Universität auf 2000 Goldgulden gebracht werden könnten, 
und nahm andrerseits die Pfarrei Landau derartig an sich {y^assumit'^), 
dass er von d. J. 1508 an in den ersten 6 Jahren je 60 und her- 
nach jährlich je 80 fl. an die Universität bezahlen wolle •'*^). Auch 
erklärte das Eichstädter Domcapitel nach Zingl's Tod (1508) den 
persönlichen Besitz des Canonicats (s. oben S. 17) für erloschen 
und erbot sich, an Stelle dieser Präbende jährlich 100 fl. zu be- 
zahlen; die Universität aber forderte 140 fl.*^*). Im J. 1516 über- 
trug der Herzog, welcher bei dem nach Ingolstadt berufenen Landtage 
persönlich anwesend war, der Universität das Patronats-Recht über 
die Pfarreien Wemding, Abensberg und Schongau, sowie über die 
Caplaneien und Altäre der beiden Ingolstädter Pfarreien und ihrer 
Filialen, so dass Pension, Reservat und Absenz nach Nothdurft und 
Outdünken zum Nutzen der Universität vorbehalten bleiben; da aber 
die Universität sich dieses Rechtes begab, weil in Folge des kleri- 
kalen Charakters der Corporation die erledigten Pfründen in den 
päpstlichen Monaten durch Cortisanen besetzt und sonach die ganze 
Befugniss illusorisch gemacht würde, so erklärte i. J. 1518 Herzog 
Wilhelm unter Hinzufügung der Caplanei Feldkirchen und jener ad 
minorem salvatorem, dass die Universität eintretenden Falles ihm 
einen tauglichen Priester namhaft machen solle, welchen dann ledig- 
lich aus Gnade er seinerseits präsentiren werde ^). Im gleichen 
Jahre 1518 (8. Oct. u. 26. Dec.) wurden die Frauenpfarre zu Ingol- 
stadt und die Pfarrei Schongau gegen jährlichen Entgeld von 50 fl. 

der Universität incorporirt"**)- 

In der theologischen Facultät wirkten zu Anfang dieser 

37) S. oben Gap. 2, Anm. 18. Einzelnes über den Process s. Aroh. d. UniY. 
D, ra, Nr. 2, 8. 182 u. 207. 

88) Arch. d. üniv. D, UI, Nr. 2, 8. 61, ÜG. 184, 188 f., 207 und V, 
c. 1520. 

89) Me derer, Annal. Bd. I, S. 79 n. 82. 

40) S. Mederer, Cod. dipl. 8. 179 u. 181. Betreffe Wemding, Abensberg 
«ad Sokongaa vgl. unten Gap. 13, Anm. 120. 

41) Areh. d. üniv. D, III, Kr. 4, 8. 29 und 31. 



ZeitT. I, Cop. l'i (1494—1518). 113 

Periode noch die schon oben (S. 33) erwähnten Professoren Adorf 
and Zingl, deren letzterer sich nicht leicht eine Gelegenheit ent- 
gehen Hess, mit Anderen, namentlich mit Juristen, in den Sitzungen 
Streit anzufangen, und in solcher Weise seines Auftretens sich auch, 
wie wir bei der Artisten-Facultät berichten werden, gegen den Hu- 
manisten Jac. Locher benahm ''^). Nach Adorfs Tod (Oct. 1505) 
trat Joh. Plümel aus der artistischen Facultät als Professor in 
die theologische ein, woselbst er in jeder Beziehung erspriesslich ge* 
wirkt zu haben scheint"*^). Bei den oben (Anm. 9 fif.) erwähnten 
Berathungen wurden (i. J. 1507) auch die bestehenden Statuten der 
theologischen Facultät einer Prüfung und zugleich einer Vergleichung 
mit den Tübinger Statuten unterworfen, aber sämmtlich in ihrem 
vorliegenden Zustande gebilligt ***). Nachdem Plümel Ingolstadt ver- 
lassen hatte (Febr. 1508) und Zingl gestorben war (Apr. 1508), hörte 
die Existenz der Facultät auf kurze Zeit förmlich auf; man trug 
(im Juni) dem Arsacius Gaiswasser in Ellwangen eine Professur an, 
welcher jedoch ausser freier Wohnung, UmzugstGebüren und fixen 
Promotionsgeldern eine Besoldung von 200 fl. verlangte, so dass sich 
die Unterhandlungen zerschlugen, und auch erfolglos reiste Jac. 
Locher (im Juli) nach Tübingen, um dort, wo er persönliche An- 
knüpf ungspuncte hatte, einen Theologen zu gewinnen'*'^). Bei solcher 
Sachlage wurde (noch i. J. 1508) ein Mitglied der Artisten-Facultät 
Joh. Pettendorfer zum Stadtpfarrer und Professor der Theologie 
ernannt, welcher bis zum Eintritte Eck's allein die Facultät reprä- 
sentirte und, um Promotionen vornehmen zu können, den Wiener 
Carmeliten Provincial Johann Fortis zur Beihilfe aufnahm*^); i. J. 
1512 gieng Pettendorfer als SuflFragan nach Würzburg, wo er später 
zum Protestantismus übertrat und heirathete, wofür ihn die Ingol- 
städter Facultät i. J. 1525 mit einem giftigen Epigramme belohnte ^'). 
An seine Stelle trat Balthasar Hubmaier, welcher seinem Lehrer 
Eck von Freiburg nach Ingolstadt gefolgt war, aber dort nur bis 
z. J. 1516 wirkte und hernach der Universität nach Anschauung der 



42) 8. Bd. 11, Biogr. Nr. 2. 

43) S. Bd. II, Biogr. Nr. 10. 

44) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 2, S. 102. 

45) Ebend. S. 2r)8 u. 2G4 ; Mederer, Annnl. I, 78 f. (Mederor aber schreibt 
unrichtig „Haiswasser"). 

40) Mederor a. a. O. 8. 81. 
47) Gedruckt ebend. 8. 87. 

Prantl, Geschichte der Universität München I. g 



114 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

Orthodoxen noch grössere Schande, als sein Vorgänger bereitete; 
denn nachdem er noch i. J. 1516 als Domprediger in Regensburg 
eifrigst thätig gewesen, begann er in Waldshut reformatorisch im 
Sinne der Wiedertäufer aufzutreten und wurde nach mancherlei Fahr- 
nissen schliesslich in der Nähe von Wien (1528) als Ketzer ver- 
brannt'*®). Sein Nachfolger im Ingolstädter Lehrstuhl wurde Thom. 
Bamelspach (aus der artistischen Facultät), welcher im April 1519 
wieder abgieng, um die Domprediger-Stelle in Passau zu über- 
nehmen "**). Alle genannten aber überragte nicht bloss im Sinne der 
Orthodoxie, sondern auch durch litterarische Leistungen Johann 
Mair, bekannter unter dem von seinem Geburtsorte entliehenen 
Namen Eck*°). Derselbe hatte bei einer unleugbar hervorragenden 
Begabung schon durch seinen Studien-Aufenthalt an verschiedenen 
Orten (Heidelberg, Tübingen, Köln, Preiburg), sowie durch Verkehr 
oder selbst Freundschaft mit vielen bedeutenden Männern jener Zeit 
(Bebel, Zasius, Beisch, Wimpfeling, Rhenanus, Seb. Brant, Kaisers- 
berg) eine Frische*, Beweglichkeit und Vielseitigkeit des Geistes er- 
reicht, welche ihn weit über das gewöhnliche Mittelmass erhob und 
thatsächlich zu einer Anerkennung des humanistischen Strebens ver- 
anlasste, welche bei den Theologen des gewöhnlichen Schlags nicht zu 
finden war. Als er sich (nicht ohne Einfluss Peutingers) im Herbst 
1510 durch Disputation und Predigt um die seit zwei Jahren un- 
besetzte Professur bewarb, erkannte man in Ingolstadt sofort seine 
Bedeutsamkeit und durfte sich Glück wünschen, dass er (noch im 
Novbr.) von Freiburg umsiedelte, denn jedenfalls gieng von ihm 
mannigfache wissenschaftliche und litterarische Anregung aus. Er 
veröffentlichte in den ersten Jahren seiner Ingolstädter Thätigkeit 
einige kleinere Schriften theologischen Inhaltes und beurkundete auch 
schon damals jene Schattenseite seines Charakters, sein wahrlich aus- 
gedehntes Wissen zur Befriedigung eitler Ruhmsucht in rhetorischen 
Schaustellungen zu verwerthen (dass er trunksüchtig war und mit 
einer Concubine lebte, dient allerdings nicht zur Erhöhung seines 
Ruhmes, gehört aber mehr der Privat-Ethik an; vgl. aber auch folg. 
Cap., Anm. 88). So gieng er i. J. 1515 zu einer canonistisch- 
juristischen Disputation (über die Frage, ob es erlaubt sei, von Dar- 
lehen Zinsen zu nehmen) nach Bologna, und der dort eingeärntete 



48) S. Bd. ir, Biogr. Nr. 11. 

49) Arch. d. üniv. E, I, Nr. 1, f. 23 v. u. D, III, Nr. 4, S. 35. 

50) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 12. 



Zeitr. 1, Cap. 12 (1494—1518). 115 

Beifall veranlasste ihn^ im folgenden Jahfe bei einer Gelegenheits- 
Reise nach Wien sich in zudringlicher Weise um die Erlaubniss zu 
bewerben, dass er an der dortigen theologischen Facultät eine Dis- ^ 
pntation (als wissenschaftliches Schaustück) halten dürfe. Die i. J. 
1515 in Ingolstadt anwesende Visitations-Commission (s. oben Anm. 31) 
veranlasste, um die sinkende Universitp-t etwas aufzufrischen, persönlich 
den Joh. Eck, dass er zu den Hauptwerken des Aristoteles und zur Lo- 
gik des Petrus HispanusCommentare schreibe'^*); und derselbe entledigte 
sich, nachdem er schon früher in Freiburg einen kurzen Abriss der 
Logik geschrieben, dieser Aufgabe in einer sehr achtungswerthen 
Weise, denn wenn auch diese seine Schriften (v. 1516 bis 1520 er- 
schienen ) zuweilen die Spuren einer bedenklichen Geschwindmacherei 
an sich tragen, so geben sie doch Zeugniss von einer ausserordent- 
lichen Belesenheit und» — was die Hauptsache ist — beruhen auf 
einem wissenschaftlichen Parteistandpuncte, welchem damals wahrlich 
nicht die Schlechteren angehörten. Eck nemlich stand, obwohl er 
auch bei Amoldus de Tungris in Köln gehört hatte, dem Fanatismus 
der Thomisten fern und war daher schon in Freiburg zu den sog. 
„Neoterici" gerechnet worden, hielt aber auch das üebermass, welches 
in der*„via moderna" mit Sophismen u. dgl. getrieben wurde, für 
verwerflich und lenkte unter Benützung der leitenden Grundsätze der 
Modernen auf die acht aristotelische Quelle zurück^*). Die Art und 
Weise aber, in welcher Eck alsbald gegen Luther und überhaupt 
gegen die Reformation auftrat, soll uns erst im folgenden Cap. als 
reichhaltiger Stoff der Betrachtung dienen. 

In der juristischen Facultät lehrten noch zu Anfang dieser 
Periode die oben (S. 72 f.) erwähnten Canonisten Tucher und Rosa und 
die Civilisten Gabriel Baumgartner und Wolfgang Baumgartner. 
Nachdem aber Tucher (i. J. 1496) abgegangen war, traten i. J. 1497 
der Legist Johann Ramelspach (gestorben 1512) und der Cano- 



51) In dem Druck-Privilegium, welches Herzog Wilhelm dem ^yElementarius 

dialectices^^ den .loh. Eck (1516) verlieh, lesen wir: i^uando quidem nihil 

magis nobis cordi est^ quam ut respuhlica litteraria in nostra regione sit quam 
florentissima^ Leonardo de Eck de Wolfeck iurisperito consuUorique nostra 
id negotii dedimus, ut gymnasium nostrum Angilostadense^ quod paene incuria 
quorundam collapsum erat^ autoritate nostra ansereret atque ah interitu vindi- 

caret. Huius iussu atque precibus Johannes Eck elenienta quaedam rudi- 

mentaque dialectices edidit etc. 

52) Ausführlicheren Nachweis hierüber 8. in m. Gesch. d. Logik, Bd. IV, 
S. 284 ff. 

8* 



116 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

nist Hieronymus de Groaria ein, welch letzterer jedenfalls sich 
einer hervorragenden Geltung erfreute, denn seine Besoldung wurde 
bald auf 125 fl. und hernach sogar auf 200 fl. erhöht; i. J. 1508 
9 verliess er die Universität, um die Stelle eines kaiserlichen Fiscals 
anzutreten. Gelegentlich der oben erwähnten Visitatious-Commission 
V. J. 1497 (s. Anm. 3 f.) finden wir in merkwürdiger Offenheit ür- 
theile der Studenten über die Professoren^'*), woraus wir uns die ein- 
stimmige Ansicht entnehmen, dass seit Tucher's Abgang die Vortreff- 
lichkeit seiner Vorlesungen vermisst werde; Wolfg. Baurogartner 
versäume durch häufige Reisen und Gabr. Baumgartner durch Kränk- 
lichkeit viele Lectionen, ßamelspach gelte bei Vielen als ein mono- 
toner und schläfriger Docent, Croaria's Gelehrsamkeit bestreite aller- 
dings Niemand, aber er trage langweilig vor und sei eben manchen 
Studenten allzu gelehrt, kurz er werde nicj^t gerne gehört. Auch 
wurde studentischer Seits hervorgehoben, dass durch die hohen juris- 
tischen Promotions-Gebüren Viele abgeschreckt würden, nach Ingol- 
stadt zu gehen, denn ein Baccalaureus müsse 10 fl., ein Licentiat 
25, ein einfacher Doctor 20 und ein Doctor beider ßechte 100 fl. 
entrichten. Und während in diesen Commissions-Sitzungen ein Jurist 
(Vy'olfg. Baumgartner) hervorhob, dass der Theologe Zingl tiie Stu- 
denten von der Jurisprudenz abwendig mache, wiesen einige Nicht- 
Juristen (besonders Plümel und Schwebelmair) darauf hin, dass die 
juristischen Studenten verderlflich auf die artistischen einwirken, und 
dass namentlich viel zu häufig sich unreife Ejiaben, welche nicht ein- 
mal ihren Donat (d. h. lat. Grammatik) kennen, zum Studium der 
Rechtswissenschaft wenden. Ja, um die jungen Studenten der Juris- 
prudenz in der nöthigen sittlichen und geistigen Zucht zu erhalten, 
erkannten sieben Votanten, unter welchen auch der Jurist Rosa war, 
als das einzige Mittel die Errichtung eines „Juristen-Hauses", d. h. 
einer Burse, in welcher ein Conventor in jeder Beziehung die Leitung 
zu führen habe*^^). 

Da i. J. 1498 die beiden Baumgartner von der Universität aus- 
schieden, bewarb sich um GabriePs Stelle von Leipzig aus der oben 
(S. 73j erwähnte Gisbert v. Stolzenburg, welcher wieder einzutreten 
wünschte, aber so hohe Forderungen stellte, dass die Universität 
darauf nicht eingehen konnte ^^). Auf Fürsprache der Herzoge Alb- 



58) Reichs-Archiv, Neub.-Copial-Büclier, Bd. X, S. 130 ff. 

ü4J Vgl. überhaupt oben S. 73 f. 

55) Archiy d. Unir. £, I, Nr. 1, f. 11 v. Uebrigens starb Gisbert noch iti 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1618). . 117 

recht und Ruprecht nahm die Universität den ehemaligen Lehrer des 
Letzteren, Dietrich Reisach, auch Risicheus oder Risch ge- 
nannt, auf, welcher zunächst, 100, bald aber 125 und i. J. 1503 
sogar 180 fl. Besoldung erhielt und i. J. 1509 als Rath des Reichs- 
kammergerichtes nach Speier gieng^^). An Stelle Wolfg. Baum- 
gartner's aber kam der'Münchner Georg Part oder Bart mit 80 fl., 
welche später auf 100 fl. erhöht wurden. Und als dieser i. J. 1507 
mit Hinterlassung eines kleinen Deficits, welches er als Camerarius 
der Universität durch Nachlässigkeit verschuldet hatte, seine Professur 
kündigte '^^), verhielt sich die Facultät gegen die Bewerbung des 
Conr. Schwabach ablehnend und Empfahl hiegegen den Sebastian 
Prantl, welcher schon seit d. J. 1500 als blosser Licentiat Insti- 
tutionen gelesen hatte und nun als Ordinarius bis zum Sept. 1509 
lehrte*®). Als i. J. 1507 jene oben (S. 105). erwähnte allgemeine 
Revision der Statuten berathen wurde, tauchten verschiedene Vor- 
schläge über die Lesestunden und namentlich über die Promotions- 
Gebüren auf, welch letztere nach ziemlich übereinstimmender Ansicht 
Aller einer Abminderung bedurften ; schliesslich aber fand die Meinung 
Rosa 's volle Beistimmung, und es gibt uns das Gutachten desselben, 
welches er schriftlich dem Protokolle beilegte, manchen nicht un- 
interessanten Einblick in die damaligen Zustände '^^). Er tadelt zu- 
nächst im Allgemeinen , dass die juristischen Professoren vielfach 
durch Privat-Beschäftigungen von den Vorlesungen abgezogen* werden 
und überhaupt durch Nachlässigkeit auch auf die Studenten nach- 
theilig wirken. Ferner sei es ein Missstand, dass der Canonist Cro- 
aria nicht, wie es ursprünglich üblich gewesen, in der ersten Früh- 
Stunde lese, sondern nach dem Vorgange des Gisbert v. Stolzenburg 



demselben Jahre in Leipzig, und seine von früherer Zeit her in Ingolstadt hin- 
terlassenen Schulden veranlassten einen sehr lebhaften Schriften weohsel (ebend. 
E, I, Nr. 2, 11. Oct. 1498 u. Mitte Oct. 1499). 

56) In der Univ.-Bibliothek findet sich ein Druck-Exemplar einer Festrede, 
welche Reisach am Tage des hl. Ivo hielt: Theodorici Byaichei germani in lau- 
(lern sancti Hyvonis. Impressit Rynmannu^ Augustensis, 1502. fol. Später musete 
er sich in Speier gegen schlimme Anklagen rechtfertigen (Arch. d. Univ., E, 
I, Nr. 2, 10. u. 26. März 1512). 

57) Archiv, d. Univ. D, III, Nr. 2, S. 57, 183 ff., 254. 

58) Ebend. S. 59 u. 184 u. E, I, Nr. 1, f. 22 v. Mederer schreibt den 
Taufnamen desselben, welcher in den Urkunden stets Sebastian lautet, hartnfickig 
Stephan. (Eine Differenz PrantPä mit dem Magistrat s. ebend. E., I, Nr. 2, 
Mai u. Juni 1502).^^ 

59) S. Bd.^il, Urk. Nr. 31. 



118 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

• 

mit seiner Vorlesung im Winter auf 9 Uhr und im Sommer auf 
8 Uhr vorgerückt sei und somit die dem Frühstücke unmittelbar vor- 
hergehende Stunde besetze. Beisach habe nicht bloss die Untugend, 
die Lese-Stunde um Va Stunde abzukürzen, sondern er lerne auch 
den Text und die Glossen vorher vollständig auswendig und recitire 
dann solches in der Vorlesung ohne Buch oder Manuscript, — ein 
Verfahren, welches sowohl dem BegriflFe als auch dem Promotions- 
Acte eines Doctors widerspreche (und wenn Barbacia in Bologna das 
Gleiche gethan habe, sei dieser durch seine Blindheit dazu genöthigt 
gewesen). Ueberhaupt aber solle man zu der alten Gewohnheit zu- 
rückkehren, wornach der Canonist im Sommer um 5 Uhr und im 
Winter um 6 Uhr Morgens die Vorlesung hielt; in Italien pflege 
man um noch eine Stunde früher aufzustehen, und d^r Zustand der 
Studenten und des Studiums befinde sich dabei nicht schlecht. Es 
sei ganz passend, dass in der darauffolgenden Stunde die Besump- 
tionen der Artisten .stattfinden und unmittelbar darauf die Theologen 
ihre Vorlesungen halten. Und wenn dann gleichzeitig mit den Theo- 
logen (im Sommer um 7 Uhr, im Winter um 8 Uhr) der Civilist 
lese, so könne diess doch nicht, wie etwa beim canonischen Eechte 
der Fall wäre, als eine störende Collision bezeichnet werden, denn 
sonst müssten folgerichtig auch d!e Mediclner in der Wahl ihrer 
Stunden den Theologen ausweichen. Der Canonist könne wohl zu- 
gleicht auch »Legist sein, nicht noth wendig aber müsse der Legist 
auch Canonist sein. Ferner solle man in den Vorlesungen nicht zu 
viele Zeit mit Dictiren vergeuden, denn jetzt sei weder an Texten 
noch an Abschreibern ein Mangel; auch sei es nicht förderlich, eine 
ganze Woche bei Erklärung eines einzigen Capitels zu verweilen. 
Endlich würde es zur Hebung des Ansehens der Professoren dienen, 
wenn dieselben ihre Vorlesungen in dem üblichen Doctor-Habit 
hielten. Desgleichen wurden Kosa's Vorschläge betreffs der juris- 
tischen Promotions-Gebüren von der Conferenz einstimmig getjilligt 
und zum Statut erhoben ^^). Hiemach bezahlt der Baccalaureus eines 
der beiden Eechte 1 fl. zur Facultät, 4 fl. für die Examinatoren und 
1 fl. dem Pedell, und spendet ausserdem den Anwesenden Wein und 
Confect oder nach Belieben sofort ein prandium; der Baccalaureus 
beider Rechte entrichtet der Facultät und den Examinatoren das 
Doppelte. Der Licentiat in einem der beiden Rechte bezahlt 18 fl., 
wenn er vorher bereits Baccalaureus gewesen, ausserdem 24 fl.; wer 

60) S. Bd. II, Urk. Nr. 32. 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1618). 119 

aber magister artdum ist, wird zur Ehre der artistischen Facultät 
dem juristischen Baccalaureus gleichgestellt; dem Promotor, d. h. 
dem sog. pater, sowie dem Frocanzler und dem Pedell sind je 2 fl. 
zu bezahlen. Wird in einem der beiden Bechte Licentia und Docto- 
ratns zugleich in Einem Acte genommen, so entrichtet derjenige, 
welcher bereits juristischer Baccalaureus oder Magister der Artisten- 
Facultät ist, 24 fi. ; ausserdem beträgt die Taxe 30 fl.; der Pedell 
bekommt jedenfalls 2 fl. Handelt es sich aber in einem der beiden 
Rechte nur um Hinzufügung des Doctorates zur bereits erworbenen 
Licentia, so sind nur 12 fl. aufzugeben, und der Promotor erhält, 
wenn er der gleiche wie beim Licentiat ist, 1 fl., ausserdem 2 fl. » 
dem Pedell gebüren auch hier seine 2 fl. Die Licentia in beiden 
Rechten kostet für jene, welche das Baccalaureat oder die Magister- 
würde bereits besitzen, 27 fl. , ausserdem 35 fl. ; die gleichzeitige 
Ertheilung der Licentia und der Doctorwürde in beiden Rechten kostet 
unter Einhaltung der nemlichen Unterscheidung 42 und beziehungs- 
weise 50 fl., und dem Promotor, Procanzler und Pedell sind je 2 fl. 
zu entrichten. Wird die Doctorwürde beider Rechte nur vorher- 
gehenden Stufen hinzugefügt, so beträgt die Gebür 15 fl. 

Bei Croaria's Abgang (i. J. 1508) übernahm Rosa die Vor- 
lesungen desselben, und an des Letzteren Stelle trat interimistisch 
Conrad Schwab ach"), und da i. J. 1509 Reisach ausschied, 
wurde Simon Rib eisen angestellt, welcher aber nur bis z. J. 1511 
verblieb. Ungefähr um diese Zeit scheint auch Rosa weggezogen 
(oder gestorben?) zu sein; wir finden wenigstens, dass i. J. 1510 
als Civilist Thomas Rosenbusch eintrat, welcher i. J. 1514 die 
Universität wieder verliess^*). An seine Stelle kam i. J. 1515 Se- 
bastian Schölnacher, und wahrscheinlich wurde um diese Zeit 
auch Michael Marstaller als Civilist aufgenommen, welcher i. J. 
1518 entfernt werden sollte, aber auf die Bitte von etwa dreissig 
Studenten wieder bleiben durfte ^•^). Auch Franz Burckhard, von 
dessen Glaubenseifer und Verfolgungssucht wir uns im folgenden 



61) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 2, 8. 65, 179 o. 193. 

62). Er stellte am 22. Jani 1514 die Quittung über vierjährigen richtigen 
Bezug seiner Besoldung aus (Arch. d. Univ., £, I, Nr. 1, f. 23), kann daher 
nicht, wie Rotmar angibt (Me derer, Annal. Bd. I, 8. 58) i. J. 1510 gestorben 
sein. 

63) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 20 ü. E, I, Nr. 1, f. 25. 



120 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

Capitel überzeugen werden, trat i. J. 1515 in die Facultät ein**). 
Von litterarischer Thätigkeit all der genannten Juristen wissen wir 
Nichts zu berichten. 

Die medicinische Facultät, in welcher während dieses 
ganzen Vierteljahrhundertes der schon oben (S. 76 f.) erwähnte W o 1 f g. 
Peysser wirkte, musste sich nach Megersheimer's Abgang (s. ebend.) 
i. J. 1497 um einen Ersatz für denselben umsehen, und von den 
zwei Schülern Peyssers, welche in Vorschlag kamen, nemlich Peter 
Formair und Peter Burckhard, gab der Senat dem letzteren als 
einem gebomen Ingolstädter den Vorzug; derselbe wurde auch (Juni 
1497) wirklich ernannt, bekam aber nicht sogleich die vollen 70 fl. , 
welche Megersheimer bezogen hatte, sondern rückte erst i. J. 1500 
in dieselben ein^*). Da er jedoch im Juli 1504 die Universität ver- 
liess und nach Wittenberg gieng, wurde an seine Stelle Georg 
B e h a m ' ernannt , welcher aber erst nach langem Zögern von der 
Facultät in Folge einer entschiedenen herzoglichen Mahnung (1505) 
wirklich aufgenommen wurde ^*). Im J. 1510 trat Mich. Fenckh 
unmittelbar nach seiner Promotion in die Facultät ein®'). Bei den 
allgemeinen Berathuugen betreffs Revision der Statuten, (i. J. 1507, 
8. oben S. 105) zog die Facultät zur Vergleichung auch die Tübinger 
Statuten bei, und es ist sicher ein erfreuliches Zeichen wissenschaft- 
lichen Geistes, dass die beiden Mitglieder der Facultät, Peysser und 
Beham, aus dem Tübinger Vorbilde nicht etwa bloss die Einrichtung, 
wornach jährlich zwei öffentliche Disputationen gehalten werden sollen, 
als empfehlenswerth bezeichneten, sondern auch ausdrücklich auf die 
dort angeordnete Pflege der Anatomie und Chirurgie hinwiesen und 
hieran den Wunsch knüpften, dass auch Bayerns Herzog die Abliefe- 
rung der Leichen der Hingerichteten zur Anatomie anordnen möge*^). 



64) Arglos führt ihn Medererin zwei verschiedenen Jahren, nemlich schon 
1497 nnd dann wieder 1515, als neu eingetretenen Professor an (a. a. O, 8. 52 
u. 93). Franz Burckhard scheint bald nach seinem Eintritte etwas schroff gewe- 
sen zu sein, denn bereits i. J. 1517 verfassten die Studenten Pasquille auf ihn 
(Arch. d. Universität D, III, Nr. 4, 8. 17). Einiges über ihn s. Bd. II, Biogr. 
Nr. 25 u. unten Cap. 13, Anm. 194 f. 

65) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 1, f. 10 f., 13 v. u. 15 f. Einiges über Peter 
Burckhard s. Bd. II, Biogr. Nr. 13. 8. duch unten Cap. 13, Anm. 219. 

66) Ebend. f. 20. 

67) Mederer a. a. 0. 8. 82 u. 163. 

68) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 2, 8. 106. Doch näherten sich derlei 
Wünsche erst nach i>0 Jahren ihrem Ziele; s. die erste Verordnung über Ana- 
tomie unten Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 340. 



Zeitr. I, Cup. 12 (1494-1518). 121 

Die artistische Facultät, welche nach allgemeiner damaliger 
Lage der Universitäten noch fortan den eigentlichen Mittelpunkt der 
ganzen Anstalt bildete (vgl. oben Cap. 10, Aüm. 35), blieb auch in 
dieser Periode der Tummelplatz langdauernder und heftiger Streitig- 
keiten. Es wurde nemlich vor Allem jene bereits von Herzog Lud- 
wig angeordnete Gleichstellung der via antiqua und der via moderna 
thatsächlich keineswegs eingehalten, und die Vertreter des alten 
Weges hatten manche nicht unbegründete Veranlassung, sich über 
Zurücksetzui^ zu beklagen. Allerdings war diess nur das Spiegel- 
bild eines allgemeinen Zustandes, welcher in der ganzen philosophi- 
schen Schul-Litteratur eingetreten war; denn die sog. Modernen 
liatten, — wenn auch die Thomisten älterer und neuester Zeit den 
wahren Sachverhalt verschweigen oder geradezu Unwahrheiten ver- 
breiten — , damals längst das volle Uebergewicht über dietAntiqui 
errungen ^^). Aber eben darum vertraten die Letzteren möglichst 
ihre Interessen, und indem bei der herzoglichen Untersuchungs-Com- 
mission i. J. 1497 (s. oben S. 105) die Streitigkeiten der Artisten 
ganz besonders zu den Gegenständen der Erörterung gehörten'^), 
wurde von der Einen Seite hervorgehoben, dass nicht eine Gleichheit, 
sondern eben eine Ungleichheit der zwei Wege bestehe, dass die 
Antiqui zurückgesetzt seien, sowohl bezüglich der Vorlesungen, in- 
dem man sie nie zu einer guten Lectur kommen lasse, als auch bei 
der Wahl des Decanes und der Examinatoren, wobei stets die Mo- 
dernen überwiegen ; auch zeige sich bei den Baccalaureats-Promotionen 
nicht bloss eine Begünstigung der Studenten des neuen Weges über- 
haupt, sondern es kämen dabei namentlich betreffs der Location der 
Candidaten gar schlimme Praktiken, förmliche Handelsschaften und 
geradezu Bestechungen vor, wogegen die Antiqui, welche, weil ihrer 
nur vier, immer in der Minderheit seien, nie erfolgreich ankämpfen 
könnten ; ferner sei auch die Frequenz der Universität gefährdet, denn 
der Student ziehe in der Regel jene Orte vor, an welchen wahrhaft 
Gleichheit der zwei Wege bestehe, und so seien in der That schon 
Manche von Ingolstadt weg nach Leipzig und Köln gegangen, und 

ö9) S. ID. Gesch. d. Logik, Bd. IV, 8. 231—268. Auch die litterarisohen 
Leistungen, welche aus Ingolstadt seihst hervorgiengen , bezeugen, dass diese 
Strömung die Oberhand hatte, denn Parreut gehörte ganz zu den Modernen 
(8. Cap. 10, A.nm. 32 ff.), Tinctor war nicht Thömist , sondern Sootist (s. ebend. 
Anm. 73), und Joh. Eck verband mit Aristoteles die Lehre der Modernen (ob. 
Anm. 51 f.). 

70) Reichs-Archiv, Neub.-Copial-Bücher, Bd. X, f. 130 ff. 



122 Zeitr. I, Cap. 12(1494—1518). 

eine weitere Zunahme dieser Gefahr sei sehr zu besorgen. Aus diesen 
Gründen stimmten 20 Votanten (darunter Adorf, Zingl, plümel, Cro- 
aria, Bosa, beide Baumgartner, Peysser, Burckhajd, Pettendorfer, 
Bamelspach , der Notar Altenpeckh) für Herstellung einer völligen 
Gleichheit beider Wege, unÄ wir werden schwerlich irren, wenn wir 
diesen sämmtlichen eine stille Sympathie für den alten Weg zu- 
schreiben, indem sie nur darum, weil sie sich als die unterdrückten 
fühlten, eine Gleichstellung wünschten^'). Ihre Vorschläge übrigens, 
dass die Examinatoren durch das Loos bestimmt werden sollen und 
bei der Location der Baccalaureen die Anciennität entscheiden müsse 
(abgesehen von Edelleuten und Priestern), hatten sicher auch über 
den Partei-Standpunkt hinaus eine innere Berechtigung. Von der 
gegnerischen Seite gab man der Besorgniss Ausdruck, es möchten 
durch die Gleichstellung neue Zerwürfnisse ausbrechen oder jene 
Studenten, welche dem neuen Wege folgen wollen, anders wohin ziehen, 
und es macht doch auch ziemlich den Eindruck einer Sophisterei, 
wenn Einige sagten, man solle die zwei Wege erst dann gleichstellen, 
wenn für beide ungefähr gleichviel Studenten daseien. Es waren 14 
Votanten (darunter aus der Zahl der Professoren der höheren Facul- 
täten der einzige Prantl, die übrigen sämmtlich Magister der Artiste^i- 
Facultät oder Studenten), welche sich gegen die Gleichstellung erklär- 
ten, indem sie sich offenbar vor derselben fürchteten und für sich 
den ungestörten Besitz ihres Uebergewichtes wünschten. Uebrigens 
kamen bei diesen Berathungen auch noch einige andere beachtens- 
werthe Punkte zur Sprache; nemlich es wurde bereits damals (von 
Adorf und Gabr. Baumgartner) der Wunsch geltend gemacht, dass 
die sechs Collegiaten des alten Collegiums getreu der Stiftungs- 
Urkunde der Universität ihre Vorlesungen unentgeltlich halten sollen 
und die einträglichen Lectionen denjenigen Magistern verbleiben, 
welche nicht im Genüsse jener Pfründe stehen'*). Auch drangen 
einige auf Abminderung der Promotions-Gebüren, so dass der Bacca- 
laureus nur 1 fl. und der Magister 2 fl. an die Facultät zu entrichten 
habe, und betreffs des Unterrichts-Materiales wurden Stimmen laut, 
dass man sich nicht allzu lange beim Priscianus und bei den Parva 
logicalia (s. oben Cap. 9, Aum.- 6) aufhalten, sondern mehr mit 



71) Wenn in diesen Protokollen die Antiqui mehrmals als ,tRegeli5ten*' be- 
xeichnet werden, so ist mir solcher Spraobgebrauch in keiner einzigen anderen 
Quelle Torgekommen. 

72) S. oben Cap. 8, Anm. 22 u. unten Anm. 80. 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 123 

Petrus Hispanas und Aristoteles beschäftigen solle. Wenn aber schon 
bei jenen Erörterungen Adorf darauf hinwies, dass eine BestimmuDg 
der Kleiderordnung, wornach wie in Wien die Studenten der artis- 
tischen Facultät zum Unterschiede von den Baccalaureen einen Gürtel 
(cinytdiiii) tragen sollen, missfUllig aufgenommen werde und schon 
viele Studenten zur üebersiedlung nach Leipzig veranlasst habe, so 
spielte diese Angelegenheit noch längere Zeit fort, denn wir finden, 
dass in derselben sich die Studenten i. J. 1500 an den Herzog wand- 
ten und noch i. J. 1503 die Universität darüber berathschlagte' ). 

Im J. 1499 begann ein längerer Streit zwischen der artistischen 
und der theologischen Facultät,. indem die beiden Licentiaten der 
Theologie Plümel und Arnold den Anspruch erhoben, bei officiellen 
Acten, Processionen u. dgl. ihren Platz bei der theologischen Facultät und 
somit den Vortritt vor den Artisten zu haben, während der Decan 
der Artisten die beiden als seine Untergebenen betrachtete, und. ob- 
wohl Arnold i. J. 1501 auf weitere Verfolgung der Sache verzichtete, 
verfolgte Plümel seinerseits den Streit hartnäckigst und richtete i. J. 
1503 eine Beschwerde an den Herzog; da der von Letzterem be- 
fohlene Bericht der Universität sich zu Gunsten Plümers entgchied 
und die hierauf von beiden Parteien gewählten Schiedsrichter ver- 
schiedene Ansichten aussprachen, musste der Statthalter von Ingol- 
stadt, Freiherr von Stauff, den ganzen Handel durch Ausscheidung 
der Fälle schlichten, in welchen die eine oder die andere der zwei 
Facultäten als solche eine höhere Bedeutung besitze'^). 

Dass aber jener thatsäch liehe Dualismus der zw,ei Wege, über 
welchen auch obige Erörterungen i. J. 1497 gepflogen worden waren, 
noch recht, blühend fortbestand, zeigt das Testament des i. J. 1505 
gestorbenen Adorf, in welchem (ausser zwei theologischen Stipendien) 
für zwei Magister und zwei Studenten des alten Weges Stipendien 
gestiftet und die letzteren zur Wohnung in der Bürse der Realisten 
verpflichtet werden, ^owie auch bei der Präsentation der Stipendiaten 
neben Rector, Stadt-Magistrat und theologischer Facultät nur die 
Collegiaten des alten Weges eine Mitwirkung auszuüben haben '*^). 



7 -5; Arch. d. Univ., 0, I, Nr. 3, f. 10; D, III, 2, S. 13 (die Angabe bei 
Mederer, Ann. Bd. I, 8. 58, ist ungenau, denn die Sache betraf nicht die Magi- 
ster, sondern die Studenten). 

74) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 1, f. 475 u. 0, I, Nr. 3 , f. 11, 12 u. 13; 
Mederer a. a. 0. S. 56 f. u. CO flf. 

75) Die Original-Urkunde befindet sich im Archive des Georgianums (ausdrück- 



124 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

Somit ist es anch erklärlich, dass bei den über allgemeine 
Statuten-Revision i. J. 1507 gefQhrten Berathungen (s. ob. Anm. 9) 
abermals dieser Zwiespalt in erster Linie stand ^^). Es kamen dabei 
wieder die Anträge auf völlige Gleichstellung der zwei Wege zu 
Tag, indem auf das Vorbild der Tübinger Statuten hingewiesen 
wurde, womach die Examinatoren durch das Loos bestimmt werden 
und auch die öffentlichen Disputationen stets von dem einen Wege 
zum andern abwechseln sollten, während bei Location der Gandidaten 
die ROcksicht auf den Weg überhaupt bei Seite zu setzen sei; und 
da als nothwendige Folge der Gleichstellung sich auch die Forderung 
einer gleichen Anzahl der Examinatoren ergab, so beschloss man, 
jedenfalls an den Herzog über die ungleiche Vertheilung der Prflfungslast 
zu berichten, welche darin liege, dass in der Facultät nur 4 Antiqui, 
hingegen 34 Moderui sich befinden. Indem man aber bei diesen 
Berathungen auch die älteren Statuten v. J. 1478 und namentlich 
die Zusammenstellung derselben v. J. 1492 (s. Cap. 10, Anm. 62) 
in Betracht zog, wurden verschiedene Bestimmungen zur möglichsten 
Einschärfung empfohlen , so jene über Einmischung der höheren Fa- 
cnltäten in die Promotionen der Artisten, über Kleiderordnung, Waf- 
fenverbot, und besonders über die VerpflicKtung der Bursen-Vorsteher, 
auf das Lateiusprechen bei den Schülern strengstens zu sehen und 
bei Tisch lateinisch vorlesen zu lassen''). Auch bezüglich der Vor- 
lesungen wurden mancherlei Vorschläge gemacht, und neben mehr- 
facher Opposition gegen Euclides und Obligatoria als ünterrichts- 
Gegenstände erscheint als besonders bemerkenswerth , dass Mehrere 
wünschten, es solle an Stelle des Priscianus über die Schriften des 
Nie. Perottus (d. h. dessen Rudimenta grammaticae und Cornu copiae) 
und an Stelle der Obligatoria über Cicero de amicitia gelesen werden'®). 
Bei den Berathungen aber, welche, wie schon oben erwähnt (s. Anm. 15), 
in Bezug auf alle Studenten über die fontonia gepflogen wurden, 
kam für die artistische Facultät ausser den am Johannistage üblichen 
Tanzvergnügungen {choreae) auch hauptsächlich eine Studenten-Sitte 



lioh wird die Besohränkang der Stiftung dadurch begründet , dass Adorf „im 
alten weg zu Leipzig gestudie/t, denselben auch zu Ingolstadt allzeit bis in sein 
endt geliebt, in sondern eren und reyerentz gehabt^O* 

76) Arch d. Univ. D, III, Nr. 2, 8. 71 — 155. 

77) Auf letztere Bestimmung kam in demselben Jahre (1507) auch der 
Senat wiederholt zurück; s. Arch. d. Univ., D, III, Nr. 2, S. 48 u. 227. 

78) Ebend. S. 123. 



Zeitr. I, Cap. 12 (U94— 1618). 125 

in Betracht, welche uns anderswoher nicht bekannt ist, nemlich die 
sog. balnea, welche die Baccalaurei an ihrem Promotionstage ver- 
anstalteten, wobei nicht bloss der grosse Kostenaufwand, sondern auch 
der Verkehr mit Laien und selbst mit Frauen als bedenklich erschien; 
anch wurde (vom Juristen Bosa) vorgeschlagen, dass das übliche 
prandium Aristotelis nicht von jedem einzelnen Fromovenden, soudem 
von allen gleichzeitigen gemeinsam gehalten werden sollte^*). End- 
lich aber war es auch nöthig geworden, einen schon vor zehn Jahren 
geäusserten Wunsch in verschärfter Form zu erneuern, indem im sog. 
alten GoUegium die Missstände sich gesteigert hatten; es wurde 
( — besonders von Rosa, Zingl aber stimmte dagegen — ) gefordert, 
dass in jenes CoUegium-Haus, welches Eigenthum der Universität sei, 
überhaupt nicht mehr Collegiaten als stiftungsgemäss aufgenommen 
werden, dass dieselben ihrer Pflicht der unentgeltlichen Vorlesungen, 
welche die Facultät ausdrücklich an drei Collegiaten vertheilte, nach- 
kommen und das Collegium nicht durch Aufnahme einer Menge lär- 
• mender Scholaren in eine förmliche Burse verwandeln sollen ; höchstens 
vier bis fünf Schüler könnten jedem Collegiaten verstattet werden 
gegen Entrichtung einer Gebür, deren Hälfte dem Universitäts-Aerar 
zufallen müsse ^^). > 

Jene nova ordinatio aber, welche im Zusammenhange mit diesen 
Berathungen von Herzog Albrecht dem Weisen (1507) erlassen wurde, 
war keineswegs geeignet, die Zwistigkeiten der artistischen Facultät 
zu beseitigen, und fand auch in der Schlusssitzung der Pleuar- Ver- 
sammlungen nur mit der Bemerkung Annahme, dass eben ^^princeps 
non bene informatm^^ gewesen sei®*). Wir entnehmen, — da der 
Wortlaut der Verordnung, wie bemerkt (Anm. 9), uns nicht vorliegt — , 
aus dem weiteren Verlaufe, dass der Herzog nicht etwa eine grund- 
sätzliche Vereinigung der zwei Wege befahl, sondern dieselben nur in 
gleicher Weise nebeneinander geduldet wissen wollte und sonach 
(offenbar um dem numerischen Ueberwiegen der modernen ein Gegen- 
gewicht zu setzen) die Bestimmung traf, dass für jetzt aus den An- 



79) S. Bd. II, Urk. Nr. 30. Vielleicht dürfen wir bei dem Worte „balnea** 
an eine metaphorische Bedeutung denken, dass im Weine gebadet wurde. (Me* 
derers kurze Notiz , a. a. 0., S. 75, ist ganz yerworren, denn fontonia und cko- 
reae haben mit der Promotion Nichts zu schaffen). Vgl. auch Gap. 13, 
Anm, 112. 

80) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 2, S. 128 u. 239. Vgl. ob. Aum. 72. 

81) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 2, S. 155. 



126 Zeitr. I, Cap. 12(1494—1518). 

tiqui sowohl der Decan als auch zwei Examinatoren gewählt werden 
sollen, in Zukunft aber die Wahl zwischen beiden Wegen alternire^*). 
Im April 1508 aber brach der Zwist zwischen beiden Wegen wieder 
bei Gelegenheit der Senatoren- Wahl aus, indem die Modernen zwei 
ihrer Mitglieder im Senat haben wollten, die Antiqui hingegen ihrer- 
seits gleichfalls eine Senator-Stelle beanspruchten, worauf Rector und 
Plenum entschieden, dass aus jedem Wege ein Senator gewählt werde ^'*). 
Und da nun Herzog Wolfgang als Wilhelms Vormünder wiederholt 
genauen BeVicht über alle jene Reibereien verlangte, so beraumte der 
Senat eine eigene Verhandlung an, zu welcher die Moderaen durch 
Magister Faltermai r und die* Antiqui durch Puttersass ihre 
beiderseitigen Beschwerden schriftlich einreichen Hessen ®'*). Die wie- 
derholten gegenseitigen Anklage- und Vertheidigungs-Schriften be- 
wegten sich theils auf dem wissenschaftlichen Kampfplatze, indem 
jede der beiden Parteien die Koryphäen ihrer Litteratur pries und die 
der Gegner in logischer oder dogmatischer Beziehung herunterzu- 
setzen versuchte (z. B. die Modernen vergassen auch nicht, die Ver-' 
dienste hervorzuheben, welche sich ihr Occam um, Ludwig den Bayern 
erworben hatte) ; theils handelte es sich um Universitäts-Verhältnisse, 
wobei v<ni Anbeginn die Antiqui stets die Kläger waren, weil sie in 
Facultät und Senat durch die ubergrosse Majorität der Modernen 
völlig erdrückt seien und ihnen auch der Zulauf der Studirenden fühl- 
bar mangle; darum streben die Antiqui bald das Decanat bald eine 
Aenderung der Zusammensetzung des Senates an, und nachdem sie 
in letzterer Beziehung Anfangs wirklich die Parität der Stimmen derartig 
verstanden hatten, dass der Ueberschuss der Modernen aus dem Senate 
auszuschliessen sei, liessen sie sich hernach zu einem alternirenden 
Eintritt sämmtlicher Modernen herbei; der Ton aber des Streites 
nimmt von Schriftstück zu Schriftstück an Bitterkeit und persön- 
lichen Vorwürfen zu"^^). Der hierüber an den Herzog erstattete Se- 



82) 8. Bd. II, ürk. Nr. 3;J, 34 u. 43 d. h. jene Zeilen, durch welohe in 
den drei Urkunden auf die Anordnung^ Albrcelit^s verwiesen wird (in der letzt- 
genannten lesen wir „antiqua via et nova per omnia aequatae"). 

83) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 2, S. 253. 

84) Ebend. 0, I, Nr. 3, f. 14 u. 16 ; D, III, Nr. 2, S. 260 f. 

85) Wir sind Aber diesen Streit in einer fast peinlichen AusfiihrUchkoit un- 
terrichtet durch eine Handschrift der Uniyers.-Bibliothek, Cod. Mscr. 482 fol., 
f. 1— 4 u. f. 30—49, worauf dann wieder f. 76 — 82 der zwischen Antiqui und 
Moderni bestehende Unterschied bis in die kleinlichsten Einzelnheiten der On- 
tologie durchgeführt wird, um den ersteren Anorthodoxie Torzuwerfen. 



^.^ 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 127 

nats-Bericht (Juni 1508) lautete, man schlage vor, dass bis etwa die 
Stndentenzahl des alten Weges zunehme, aus den Magistern desselben 
der Facultäts-Decan und zwei Examinatoren, aus den Modernen aber 
drei Examinatoren gewählt würden; seitens der Modernen hingegen 
werde das Angebot gemacht, dass der Decan überhaupt nicht ge- 
wählt werde , sondern nach dem Senyim, gleichviel welchem Wege 
er angehöre, von selbst eintrete, und dass die Examinatoren durch 
Logs hervorgehen; wünsche der Herzog auf einen Zuwachs der 
r Antiqui zu warten, so möge er sich für den ersteren Vorschlag 
entscheiden, solle aber der Streit sofort geschlichtet werden, so em- 
pfehle sich das letztere Anerbieten ®®). Der Entscheid des Herzoges 
Wolfgang neigte sich auf die erstere Seite, indem derselbe anordnete, 
dass „einstweilen" aus den Antiqui der Decan und Ein Examinator 
und aus den Modernen drei Examinatoren gewählt werden sollen®'). 
Aber bereits am 18. Juli erschienen die beiden Parteien abermals vor 
dem Senate, und während die Antiqui verlangten, dass obige Verord- 
nung Herzog Albr^chts zur vollen Geltung komme, wünschten die 
Modernen, welchen ein derartiges Gegengewicht der Antiqui unangenehm 
gewesen zu sein scheint, nun lieber eine Rückkehr zu jener Gleichstellung 
der zwei Wege, welche i. J. 1478 angeordnet worden war; der Senat 
•entschied wirklich in letzterem Sinne, jedoch mit der Modification, 
dass stets Ein Examinator dem alten Wege angehören müsse, und 
unter der Bedingung, dass die thomistische Lehre (d. h. die des alten 
Weges) überhaupt nicht unterdrückt werde®®). Es scheint hiedurch 
wirklich auf einige Zeit der Friede hergestellt worden zu sein, und 
als am 15. März 1509 der Senat beschloss, den Herzog um Be- 
stätigung dieser Einrichtung zu bitten, waren hiemit sämmtliche Mit- 
glieder der Facultät einverstanden und auch Herzog Wolfgang er- 
klärte (Aug. 1509), dass er ebensowenig als seih Vorfahre einen der 
beiden Wege vor dem andern bevorzugen wolle und eine Schlichtung 
aller Irrungen wünsche und erwarte ^^). 

Dennoch aber musste der seit langer Zeit tiefgewurzelte Streit fort- 
glimmen, bis er gegen Ende d. J. 1512 wieder hell aufflammte, und 
zwar waren es dieses Mal unzweifelhaft die Modernen, welche den 
Frieden brachen, sowie auch wirklich ein an den Rector Eck gerich- 



86) S. Bd. II, Urk. Nr. 33. 

87) Arch. d. Univ. 0, I, Ende Juni 1508. 

88) Ebend. D, UI, Nr. 2, S. 265. 

89) Ebend. S. 273 u. 3. Bd. II, ürk. Nr. 34. 



128 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

teter anonymer Brief eine deutliche Warnung vor den Umtrieben der 
Modernen enthielt *^J. Ungescheut, wie wenn sie im vollen Recht 
gewesen wären, berichteten (Oct. 1512) der Regens des Georgianums 
Zaler und der Conventor der Engel-Burse Georg Beham als 
Vertreter der Facultät an den Herzog, es sei allerdings in der nova 
ordinatio eine ganzjährige Dauer des Decanates anbefohlen (s. oben 
Anm. 11), aber wegen des tJebermasses der Geschäftslast, welche 
auch der ßector empfunden, habe man Ende Juli 1511 den Decan, 
wie es die älteren Statuten vorschreiben, nur auf ein halbes Jahr 
gewählt und sonach im Nov. eine Neuwahl beabsichtigt; diess aber 
hätten die Anti^ hintertrieben und vom Rector sogar ein Straf- 
mandat (10 fl.) erwirkt, so dass die Decanats-Wahl ganz unterblieb 
und daher auch die Promotions-Prüfungen in Wegfall kamen; der 
Herzog möge sonach die halbjährige Wahl aufrecht halten und Schutz 
dagegen gewähren, dass irgend Jemand sich in die Angelegenheiten 
der artistischen Facultät einmische *'). Der Senat remonstrirte (21. Nov.) 
mit Recht gegen diese Gesetzwidrigkeit und schrieb an den Herzog, 
es sei unwahr, dass die nova ordinatio überhaupt nicht eingehalten 
worden sei, und selbst wenn diess in einzelnen Fällen vorgekommen, 
dürfe doch der Ungehorsam nicht straflos geduldet werden; auch die 
Angabe, dass die Universität sinke, sei unrichtig, und ausserdeui 
habe manches Mitglied der Artisten-Facultät von der Absendung 
jenes Berichtes nicht einmal Kunde gehabt, eine Einmischung aber 
sei bekanntlich nur bezüglich der Promotionen verboten^'). Herzog 
Wilhelm, bei welchem ein Einfluss zu Gunsten der Modernen aus- 
geübt worden zu sein scheint, verfügte, dass einstweilen der bisherige 
Decan im Amte bleibe, aber auch die ausgesprochene Bestrafung aus- 
gesetzt sein solle, bis die Angelegenheit von den herzoglichen Räthen 
näher untersucht werde ^*), und am 5. Dec. wurde die. schon oben 
(Anm. 31) erwähnte Yisitations-Commission, deren Mitglieder Usung, 
Aventin und Schatzger waren, nach Ingolstadt abgeschickt^^). Nach- 
dem aber die Sache sich durch die Abreise Ilsung's eine Zeit lang 
verzögert hatte, so dass die Facultät im Oct. 1513 sie in Erinnerung 
bringen zu müssen glaubte*^), erfolgten im Sommer 1514 zwei her- 



90) Arch. d. üniy., 0, I, Nr. 3, f. 20. 

91) 8. Bd. II, Urk. Nr. SC. 

92) 8. Bd. II, Urk. Nr. 87. 

93) 8. Bd. II, ürk. Nr. 88. 

94) 8. Bd. II, ürk. Nr. 39. 

95) Arcb. d. Univ., E, I, Nr. 2, 5. Oct. 1513. 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 129 

zogliche Erlasse, welche in der That möglichst gerecht den Aus- 
schreitungen beider Parteien gegenübertraten ; nemlich einerseits wurde 
verfugt, dass die Verordnung Herzog Albrecht's, welche durch die 
MjOdemen keinen Schimpf erfahren dürfe, aufrecht zu halten sei, und 
den Modernen, welchen der Herzog als junger Regent keine directe 
Strafe ertheilen wolle, der Tadel über ihr gesetzwidriges Vorgehen 
ausgesprochen werden solle; für die Zukunft werde Gehorsam und 
für jetzt* jedenfalls weiterer Bericht erwartet^*^). Und andrerseits, da 
hierüber der mit dem alten Wege sympathisirende Senat einiges 
Widerstreben kundgab, erklärte der Herzog, die Modernen hätten 
aufrichtigst bis zum völligen Austrage der Sache strengsten Gehorsam 
versprochen, und dadurch, dass der Senat dieses Angebot nicht an- 
genommen, seien neuerdings die Promotions-Prüfungen gehindert 
worden; es habe sonach einstweilen bei der Zusicherung der Modernen 
sein Verbleiben, und auch die Nothdurft des alten Weges werde 
wahrlich Gehör finden; wenn aber der Senat die unwillige Aeusse- 
rang mache, er wolle von den Händeln der Artisten überhaupt Nichts 
mehr wissen, so widerspreche solches Benehmen einfach der Amts- 
pflicht, zu welcher auch gehöre, dass der Senat die Ungehorsamen 
zum Gehorsam zurückführe®'). 

Ungefähr zur nemlichen Zeit aber begann auch überhaupt in der 
Litteratur die Heftigkeit des Parteikampfes zwischen Antiqui und 
Modemi allmälig auszutoben, und es brach sich eine Richtung Bahn, 
welche von Synkretismus zum ausgesprochenen Eklekticismus fort- 
schritt®**). Der ganze Gegensatz, welcher mit zäher Hartnäckigkeit 
während langer Zeit die Schul-Philosophie beschäftigt hatte, ver- 
schwindet aus der Geschichte der geistigen Cultur, und sowie es 
schon bezeichnend ist, dass die herzogliche Üntersuchungs-Commission 
zur Hebung der Universität den Synkretisten Joh. Eck aufforderte, 
seine logischen und philosophischen Schriften zu verfassen (s. oben 
S. 115), so werden wir auch in Bälde sehen, dass in den nächsten 
Facultäts-Statuten der Gebrauch der Parteiworte „Antiqui, Moderni" 
verboten wurde (s. folg. Cap., Anm. 234). 

Bei weitem der grösste Theil der in der Artisten-Facultät 
lehrenden Magister, deren Zahl beständig zwischen 40 und 50 be- 
trug, kann in Folge geringster Bedeutsamkeit unerwähnt bleiben, 

V»6) S. Bd. II, Urk. Nr. 40. 
'J7) S. Bd. II, Urk. Nr. 41. 
98) S. m. Geicb. d. Logik, Bd. IV, S. 278—290. 

P ra n t I , Oeachichte der Universität München I. 9 



130 Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 

denn die Aufzählung derselben wäre nur ein völlig leeres Namen- 
Verzeichniss. Ausser jenen wenigen, welche uns schon oben gele- 
gentlich bei Erwähnung der verschiedenen Berathungen begegneten, 
scheint Joh. Engel einer besonderen Nennung nicht unwerth, wel- 
cher von 1492 bis 1498 als Mathematiker und Poet mit einer Besol- 
dung von 32 fl. docirte®^) und sich das Verdienst erwarb, die Be- 
rufung Locher's beantragt zu haben. Der Humanismus nemlich war 
es allein, durch welchen damals Ingolstadt neben allem werthloseren 
Betriebe der Schul-Philosophie und dem daraus entstehenden Partei- 
Gezänke der Antiqui und Moderni einen so ansehnlichen Höhepunkt 
erreichte, dass wir auch im Hinblicke auf andere Universitäten jener 
Zeit von einer humanistischen Glanzperiode Ingolstadts sprechen 
dürfen. Sowie aus den zunächst vorhergehenden Jahren noch die 
Lehrthätigkeit des Konr. Geltes (s. oben S. 91) bis zum J. 1497 
herüberragte und jedenfalls schon durch die tiefe Nachwirkung, welche 
dieser Mann zurückgelassen hatte, die schönsten Früchte zu tragen 
geeignet war, so finden wir auch v. 1498 an eine erfreuliche und 
reichliche Pflege der classischen Litteratur sowie manche anderen 
damit zusammenhängenden Erscheinungen der Renaissance-Zeit. Indem 
wir hier einem Gebote nothwendiger Enthaltsamkeit folgen und so- 
nach darauf verzichten müssen, die damalige Verbreitung und den 
Zustand des Humanismus überhaupt allseitiger in Betracht zu ziehen, 
können wir nur in oberflächlicher Weise die Erinnerung erwecken 
theils an die verschiedenen „Sodalitates*^ (in Heidelberg, Strassburg, 
Wien), zu welchen sich überall die hervorragendsten Humanisten 
vereinigten, theils an einzelne verdienstvolle Männer, wie Herm. 
Busch, den Verfasser des Valium humanitatis^ welcher den Humanis- 
mus durch Mittel- und Nord-Deutschland verbreitete, an Bebel in 
Tübingen, dessen Schüler Eck und Melanchthon waren, an Zasius in 
Freiburg, an Pollich in Wittenberg, u. s. f.; ja auch jene bekannten 
Persönlichkeiten, welche mehr in der örtlichen Nachbarschaft Ingol- 
stadts wirkten, dürfen wir hier nur im Allgemeinen ins Gedächtniss 
zurückrufen, wie z. B. Pirkheimer und Groninger in Nürnberg, Peu- 
tinger in Augsburg, Adelmann v. Adelmannsfelden in Augsburg und 
EichstÄdt, Welser in Regensburg, oder Plenningen (i. J. 1512 Herzog 
Albrechts Gesandter beim schwäbischen Bunde) u. s. f.; und wenn 
wir auch noch daran erinnern, dass in manchen bayerischen Klöstern 
ein erfreulicher wissenschaftlicher Zug sich fühlbar machte, dass in 



99) Arch. d. ünir, E, I, Nr. 1, f. 9 u. 11 t. 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 131 

Fölling Altenstaig, ein Schüler Bebeis *^), in Formbach Angelus 
Bnmpler, in Aldersbach Wolfg. Marius und in Ottobeuern EUenbog 
wirkten, so naüssen wir bereits furchten, die Gränzen unserer Aufgabe 
zu überschreiten. Es handelt sich hier ja nur darum, den warmen 
und thätigen Antheil vor Augen zu stellen, welchen damals die Uni- 
Yersität Ingolstadt an den Bestrebungen der Renaissance nahm*^*). 

Nachdem Celtes nach Wien abgegangen war, trat i. J. 1498 
an seine Stelle Jacob Locher genannt Philomusos, welcher 
t schon i, J ^ 1489 unte r Celtes in Ingolstadt studirt, dann sich in 
Basel bei Seb. BranF, dessen Narrenschiff er lateinisch übersetzte, 
aufgehalten und hierauf (seit 1495) als Professor in Freiburg i. Br. 
gewirkt hatte '^*). Lochers Lehrthätigkeit übte sicher einen äusserst 
anregenden Einfluss aus, aber bald platzten in Folge seines Auftretens 
die humanistische Richtung und die Theologie in einer Weise heftig 
aufeinander, dass wir, wenn wir billig sein wollen, keine der beiden 
streitenden Personen völlig von Tadel frei sprechen dürfen. Georg 
Zingl nemlich, welchen wir seinerseits als einen streitsuchtigen Mann 
bereits oben kennen lernten, war ausserdem grundsätzlich so sehr 
von theologischer Befangenheit eingenommen, dass er überhaupt für 
den Humanismus kein Verständniss besass und als Gegenstand der 
Vorlesungen über Poesie lieber den Prudentius oder den sog. Baptista 
Mantuanus (d. h. Spagnoli) vorgeschlagen hätte; Locher hingegen 
war wie die meisten Humanisten jener Gährungsperiode nicht bloss 
feurig und witzig, sondern auch satirisch und herausfordernd. Jeden- 
falls war die Spannung zwischen beiden so heftig, dass Locher vor- 
erst im Juni 1503 Ingolstadt wieder verliess und einem Rufe nach 
Freiburg i. Br. an Zasius' Stelle (welcher von der artistischen zur 
juristischen Facultät übertrat) folgte. Die Fehde aber spann sich 
auch während seiner Abwesenheit sehr lebhaft fort; Locher nemlich 
veröffentlichte in Freiburg seine ,^Apologia contra poetarum acerri^ 
fwwwi Iwsteni Georgium ZingeV^, in welcher die erwähnten Schrift- 



100) Derselbe beantwortete die Frage seines Kloster- Vorstandes, ob die Con» 
ventaalen an die Universität zu schicken seien, in sehr energischer Weise be- 
jahend (s. m. Gesch. d. Logik, Bd. IV, S. 265). 

101) Ausser den schon oben (S. 5) angeführten Werken Erhard's und 
Uagen^s s. auch Krabinger, Uebor die Einführung u. d. Betrieb d. ckiBS. 
Studien auf d. Univ. z. Ingoist. z. Endo d. 15 u. in d. ersten drei Decennien d. 
16. Jahrh. (im Bulletin d. Münchner Akad. d. Wissensch. 1854, Nr. 5 flf.). 

102) S. über ihn Bd. II, Biogr, Nr. 14. 

9* 



132 Zeitr. I. Cap. 12 (1494—1518). 

steiler - Eigenschaften sich zur vollendeten Qrobheit steigerten '^^) ; 
Zingl hingegen erhob i. J. 1505 im Senate über diese Schrift seines 
ehemaligen Amtsgenossen lebhaftest Beschwerde, zu welcher er jedoch 
nur bei der theologischen nnd der philosophischen Facnltät Zustim- 
mung fand, denn die Mediciner lehnten die Sache überhaupt von sich 
ab und die Juristen bemerkten mit Becht, Zingl möge den Locher 
beim Freiburger Senate verklagen ; der Rector Schwebelmair Aber gab 
seinen Stich-Entscheid zu Gunsten der Ansicht der Theologen und 
Artisten, und so kam es, dass die Universität von sich aus als oflTi- 
cielle Kundgebung eine ^^Expurgatio rectoris et oonsiUi almi ac ce- 

lebris gymnasii Ingolsiadiensis pro domino Georgio Zingd 

contra invectivam sub velamine apologiae a Jacobo Locker Phüomuso 
impie et mit4ste confictam^^ veröffentlichte. Gegen dieses Vorgehen 
des Rectors und namentlich gegen den Missbrauch des Universitäts- 
Sigels gab allerdings der Jurist Croaria einen höchst energischen und 
ausführlichen Protest zu Protokoll und veranlasste hiedurch eine be- 
wegte Debatte, ob über die ganze Angelegenheit an den Herzog 
berichtet werden solle (die Theologen und die Mediciner stimmten 
dafür, die Juristen und die Artisten dagegen); aber an der Sache 
selbst war Nichts mehr zu ändern und die Senatsschrift bereits ge- 
druckt '°*). Locher seinerseits antwortete heftig durch seine Schrift 
„/n anticategorias rectoris cuittsdam et conciliabuli gymnasii IngoU 
stadetisis responsio compendiosacum dedaratione Zingelensis factionis*'^ 
in welcher er auch den Sachverhalt betreffs des Zwiespaltes im Ingol- 
städter Senat darlegte und bemerkte, er kümmere sich um die Ex- 
purgatio so wenig als ein Wolf um eine Mücke. Und indem er 



103) Nemlich wenn wir ihm auch glauben woUen, dass Zingl über Thomas 
T. Aqu., ScotuB, Aegidius, und ebenso über alle Neueren schimpfe und die Phi- 
losophen als giftig, die Juristen als Rabulisten und Gesetz- Verkäufer, die Medi- 
ciner als Mörder bezeichne, so sind doch seine Ausdrücke selbst in Anbetracht 
der litterarischen Sitte damaliger Zeit ein Bischen stark; er nennt den Zingel 
,^omnium bipedum nequissimum , rerum publicarum detrimetUutn , veraipeUem 
acheronticum atque delirum senem, colubrum venenatissimum^ viperam Striaen" 
tem^ cornutatn et vitcUam bestiam^ bonorum morum corruptorem, legum praeva- 
ricatorem falsidicum periurum^ mitratum satanam^ omni pestilentia pestHen- 
tiorem^ omni maada maculoaiorem^ crimen secuii, odium deorum; ipsum fwrore 
vincere Orestem, infamia Herculem^ rabie tigridea^ satanam mendadis^ Hditione 
Gracchos, simultatibus Ctift'Ztnam, audacia LenttUum cunctosque famoaos ver^ 
berones immanitcUe scelerum superare. 

104) üeber diese VorgÄnge im Senat s. Ajroh. d. Univ., D, III, Nr. 2, 
S. 30—37. 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). I33 

einmal durch diesen Handel in die beste Laune gegen die Vertreter 
der Theologie versetzt war, schrieb er (1506) sein Gedicht ^.Compa- 
ratio mtdae ad musafn'^, in welchem er mit sprudelndem Uebermuth 
seine Satire über die ganze theologische und philosophische Scholastik 
ergoss. Da er aber hiebei auch Wimpheling gröblich beleidigte und 
ausserdem bei verschiedenen Anlässen arge Unverträglichkeit zeigte 
und selbst zu Thätlichkeiten sich hinreissen liess, war seine Stellung 
in Freiburg unhaltbar geworden, und der Senat kündigte ihm, so 
dass er zu Pfingsten den Dienst zu verlassen habe. Unterdessen aber 
müssen seine Freunde in Ingolstadt die Oberhand gewonnen haben, denn 
er wurde trotz allem, was bisher vorgegangen war, im März 1506 wieder 
dorthin zurückgerufen und trat mit einer Besoldung von 84 fl. zu 
Pfingsten wirklich ein. An verschiedenen kleineren Streitigkeiten 
fehlte es in Folge seiner Charakter-Eigenthümlichkeit auch bei dieser 
seiner zweiten Ingolstädter Thätigkeit allerdings nicht, denn es musste 
ihm z. B. schon i. J. 1507 der Senat wiederholt untersagen, zum 
Beginn seiner Vorlesungen eigens die Üniversitäts-Qlocke läuten zu 
lassen, oder es waren seine Ansprüche betreffs der Beihenfolge des 
Votirens zu schlichten, auch liess er in demselben Jahre beleidigende 
Anschläge gegen den Senat an den Thüren des GoUegiums anheften 
und wiederholte solches noch später (1517) auch gegen Joh. Eck *^'*). 
Aber es gewannen derlei Reibungen nicht mehr jene Ausdehnung 
wie früher, und auch Zingl scheint sich, —• ob gern oder ungern — , 
ruhiger verhalten zu haben. Locher genoss ja sogar, wie schon oben 
(Anm. 45) erzählt wurde, das Vertrauen, dass man ihn nach Zingl's 
Tod zur Anwerbung eines Theologen nach Tübingen sandte, und er 
setzte seine eifrige und höchst erspriessliche Lehrthätigkeit bis zu 
seinem Tode (1528) fort; s. Cap. 13, Anm. 248. Von seinen äusserst 
zahlreichen litterarischen Publicationen , deren viele dem Umkreise 
der damals üblichen Renaissance-Poesie angehören, sichern ihm seine 
Ausgabe des Horatius (selbst von Bentlei gelobt) und des Fulgentius, 
die Uebersetzung des Phokylides und die Bearbeitung der Ciceroni- 
schen Rhetorik einen achtungswerthen Platz in der Geschichte der 
classischen Philologie, und seine ^firatio de studio himianarum dis- 
ciplinarum^^ gibt uns ein beredtes Zeugniss von der hohen Werth- 
schätzung, mit welcher er sich dem humanistischen Berufe hingab. 
Die unangenehmere Seite seines Charakters tritt uns in den Hinter- 



105) Ebend., S. 40 u. Nr. 4, 8. 17. 



134 Zeitr. I, Cap. 12 (1494-1518). 

grund gegen seine hohe Begabung, sein reiches Wissen, seine Fülle 
schriftstellerischer Thätigkeit, und seinen belebenden Lehreifer. 

Wenn auch Johann Turmair genannt Aventinus nicht 
förmlich eine Professur an der Universität bekleidete und sich nur 
vorübergehend oder in anderweitiger Stellung in Ingolstadt aufhielt, 
so tritt doch seine Wirksamkeit in glänzendster Weise in die Reihe 
der humanistischen Verdienste Ingolstadts ein*^®). Auch er war ein 
Schüler des Celtes (1495 in Ingolstadt und 1499 in Wien) und be- 
gann, nachdem er mehrfache Reisen unternommen und in Paris pro- 
movirt hatte, i. J. 1507 an unserer Universität Privat- Vorlesungen 
(über Cicero's Somnium Scipionis und die Rhetorik ad Herennium) 
zu halten; schon im darauffolgenden Jahre aber übernahm er die 
Erziehung der herzoglichen Prinzen Ludwig und Ernst und kam nur 
einmal gelegentlich (i. J. 1512) als Mitglied der oben erwähnten 
Untersuchungs-Commission nach Ingolstadt, kehrte jedoch, nachdem 
er mit dem jungen Herzog Ernst Italien durchreist, mit diesem seinem 
Zöglinge, welcher an der Universität studiren sollte, zu etwas län- 
gerem Aufenthalte dorthin zurück (i. J. 1515). Sein herzoglicher 
Zögling wurde zum Rector gewählt, und dieser pries in seiner Rec- 
torats-Rede (23. Oct. 151G) laut die Verdienste, welche sich sein 
Lehrer durch die im vorhergehenden Jahre erschienenen drei Bear- 
beitungen der lateinischen Grammatik erworben habe, aus welchen 
ein besserer Unterricht als aus den Vorlesungen eines Perottus oder 
Aldus Manutius geschöpft werden könne. Und in dem gleichen Jahre 
gründete Aventinus nach dem Vorbilde des Celtes und anderer Hu- 
manisten unter Ernst's Mitwirkung in Ingolstadt eine gelehrte Gesell- 
schaft, zu deren örtlicher Unterkunft er sich (1. Sept. 1516) von der 
Artisten-Facultät die Gestattung einer neuen Burse erbat, was auch 
(13. Oct.) gerne genehmigt wurde. So entstand die Sodalitas 
r litteraria Angilostadensis in der Lilien-Burse unter dem Pro- 
tectorate Herzogs Ernst und hernach, da (1517) dieser als Bischof y 
nach Passau abgieug, Leonhard's v. Eck'"'). Die Publicationen der 



106) S. Bd. II, Biogr. Nr. 15. 

107) Ausser dem Vorstände Mathias Kretz, ferner ürban Rhegius 
Qeorg Spies und Joh. S clirutti nger, welchen allen wir noch anderwärt«* 
begegnen werden, waren nachwoisbure Mitglieder der OeselUchaft : Hier. Anfang 
von Pfaffenhofen (erzbischöflicher Kotar in Salzburg) , Augustin Merbold von 
Hohenwart, Ocorg Schack von Wemding, Magnus llaltcnberger und Melchior 
Soiter (Peutinger's Schwiegersohn), beide aus Landsberg, und Otto y. Pack aus 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 135 

Gesellschaft (1518) euthalten ausser Briefen und Gedichten den Ab- 
druck mehrerer von Aventin gefundener geschichtlicher Denkmäler, 
und wenn auch v. J. 1520 an jede Spur dieser Sodalitas verschwindet, 
so dürfen wir doch die Wirkung nicht gering anschlagen, welche die- 
selbe auf die Zeitgenossen und die Nachkommen ausüben jnusste. 
Im J. 1517 wurde Aventin, nachdem seine Thätigkeit als Prinzen- 
lehrer geendet war, bayerischer Historiograph, und indem er zu Auf- 
suchung geschichtlicher Denkmäler, wichtiger Handschriften u. dgl. 
ausgedehnte Wanderungen unternahm, entstanden neben einzelnen an- 
deren seine bekannten Werke geschichtlichen Stoffes, nemlich die 
baj'erische Chronik und die Annalen, welche beide ihm bleibenden 
Biüim und bereits durch Leibnitz den Namen eines Vaters der vater- 
ländischen Geschichte eintrugen. Durch das religiöse Spionir-System 
der nächstfolgenden Jahre, dessen ^Wirkungen, wie uns das folg. Cap. 
zeigen wird, auch in die Universität hmeinragten, wurde einmal die 
für die Gegner Aventin's erfreuliche Entdeckung gemacht, dass er 
das Fasten-Gebot übertreten habe, und nur durch Fürsprache Leon- 
hard's v. Eck wurdß er (18. Oct. 1528) nach elftägiger Gefangen- 
schaft aus dem Kerker befreit. Kurz vor seinem Tode (1534) war 
er als wissenschaftlicher Führer des jungen Oswald v. Eck (des 
Sohnes Leonhard's) noch einmal in Ingolstadt. Aventin war vom 
Humanismus hinreichend durchdrungen, um sowohl das scholastische 
Treiben und die widerlichen Partei -Zwistigkeiten der Ingolstädter 
Artisten-Facultät zu verabscheuen*^^) als auch über manche religiöse 
Dinge (z. B. Walfahrten, Ohrenbeicht, Ablass, auch Primat) sich 
äusserst unbefangen, ja selbst heftig zu äussern, und indem er, wie 
er selbst sagt, auch auf die Fürsten seiner Zeit bessernd wirken 
wollte , hatte er sicher nur den Segen der Wissenschaft , nicht aber 
etwa die Hoffnung auf einen anderen neuen Symbolzwang im Auge. 
Durch seine lateinische Grammatik wurde nicht bloss das doctrinale 
Alexanders, sondern auch Manutius verdrängt, indem die Art und 
Weise der Einfügung classischer Beispiele ihre erfrischende Wirkung 
nicht verfehlen konnte; seine philosophische Encyclopädie steht auf 
dem Standpunkte des damals überhaupt auftretenden Synkretismus *^^) ; 



Meissen. (J. C. Lippert, Nachficht v. d. gelehrten GeseHschaften Bayerns, in 
d. Abhdign. d. curf. bair. Akad. d. Wissensch. Bd. I, 17G3; Wiedemann, 
Joh. Turmair, S. 19 ff. Dittmar, Aventin, S. 143 ff.) 

108) Chronika, vom Ursprung etc., Frankfurter Ausgabe v. 1566, f. 77 v. 
(er verwendet dabei auch das Sprichwort „Je gelehrter, je verkehrter^*), 

109) S. m. Gesch. d. Logik, Bd. IV, S. 297. 



136 Zei*T. I, Cap. 12 (1494—1518). 

seine Geschichtsforschung enthält, wenn sie auch nicht nach jetzigem 
Massstabe beurtheilt werden darf, manchen Keim einer geographischen 
und antiquarischen Behandlung und zuweilen auch einer wirklich un- 
befangenen Kritik (z. B. betreffs der Schenkung Constantins). Die 
Universität durfte es als ein Glück empfinden, wenn dieser hervor- 
ragende Mann, welcher ein gediegenes treuherziges Gemüth in sich 
trug, auch nur vorübergehend oder nebenbei auf sie einwirkte. 

Gleichfalls nicht in formeller Anstellung, sondern nur durch 
Privat -Vorlesungen wirkte Urban Rhegius an der Universität, 
welcher in Freiburg Eck's begeisterter Schüler gewesen war und nach 
einem kürzeren Aufenthalt in Basel ungefähr um d. J. 1510 sich in 
Ingolstadt immatriculirte und über Rhetorik und Poesie las**^')- Wir 
finden ihn unter den Mitgliedern der von Aventin gegründeten Ge- 
sellschaft, und er scheint auch dem Herzoge Ernst, dem Zöglinge 
Aventin's, sehr nahe gestanden zu sein; denn da letzterer überhaupt 
den Wunsch hegte, dass die gelehrtesten Männer Deutschlands nach 
Ingolstadt gezogen würden, schrieb Rhegius im Auftrage desselben 
an Erasmus, um ihn unter dem Angebote einer für diesen Lehr- 
stuhl ungewöhnlich grossen Besoldung von 200 fl. nach Ingolstadt 
einzuladen. Erasmus, welcher bekanntlich nicht gerne sich binden 
liess, lehnte allerdings ab und empfahl seinerseits den Glareanus'**); 
aber wenn auch die ganze Sache nach Ernst's Abgang zu Boden fiel, 
so sehen wir doch, welch frische humanistische Regsamkeit zur Zeit 
Aventin's und offenbar durch dessen Einfluss in Ingolstadt waltete. 
Jedenfalls nicht üt)er d. J. 1518 hielt sich Rhegius in Ingolstadt 
auf, und bald hernach finden wir ihn unter den eifrigen Beförderern 
der Reformation, sowie auch den hierauf bezüglichen Kämpfen die 
Mehrzahl seiner Schriften gewidmet ist. Als öftentlicher Lehrer der 
griechischen Sprache und Litteratur wurde Johann Peurle, genannt 
Agricola oder Ammonius, i. J. 1515 angestellt, dessen Thätigkeit 
in zwei Facultäten (er trat nemlich i. J. 1531 in die medicinische 
über) wir unten näher berühren werden***). 

Sowie uns hebräische Sprache und Litteratur als ein neuer Zweig 
der Wissenschaft damals überhaupt im Zusammenhange mit dem her- 
anwachsenden Humanismus begegnet****), so finden wir auch in In- 
no) S. Bd. II, Biogr. Nr. Iß. 

111) S. Mederer, Annal, Bd. I, 8. 101. 

112) 8. folg. Cap., Anm. 227, 247, 241». 

113) Näheres bei Ludwig Oeigor, d. Studium d. hebr. Sprache in 
Deutschi. y. Ende d. 15. bis z. Mitte d. 16. Jahrh. Breslau. 187a 




Zeitr. I, Cap. 12 (1494-1618). 137 

• 

golstadt zur nemlichen Zeit einen hervorragendsten Vertreter dieser 
Disciplin an Job. Böschenstein, welcher dort v. J. 1505—1517 
mit geringer Unterbrechung (durch einen Aufenthalt in Augsburg) 
lehrte und sich rühmen durfte, den Job. Eck zu seinen Schülern 
zählen zu können; auch ist die erste Bearbeitung seines Lehrbuches 
der hebräischen Sprache (1514) noch in Ingolstadt entstanden, denn 
erst i. J. 1518 gieng er nach Wittenberg ab, woselbst er eine neue 
Darstellung dieses Gegenstandes veröffentlichte'**). — Dass in dem 
Gebiete der classischen und der hebräischen Philologie in den fol- 
genden Jahren diese Glanzperiode Ingolstadts immerhin noch eine 
Fortsetzung fand, s. im folg. Cap., Anm. 248 ff. 

Aber auch in Mathematik und Astronomie besass Ingolstadt 
wenigstens vorübergehend eine der bedeutendsten Lehrkräfte jener 
Zeit, indem dort Job. Stabius bis z. J. 1503 docirte"*). An 
seine Stelle kam Hier. Rud mit einer Besoldung von 16 fl. ***), 
und in den mehrfach erwähnten Berathungen v. J. 1507 wurde be- 
schlossen, dass der Astronomus, welcher nicht Magister ist, in den 
Sitzungen zuletzt stimmen müsse und ohne Billigung des Bectors 
und der Decane kein Gutachten abgeben dürfe"'). In demselben 
Jahre trat an Rud's Stelle Job. Ostermair, welchen die Univer- 
sität auf einige Zeit an einen benachbarten adeligen Gutsbesitzer 
abtrat, und nach Ostermair's Tod (1513) übernahm Job. Würz- 
burger diese Lectur um die erwähnten 16 fl. mit der Verpflichtung, 
in den Ferien zu lesen; i. J. 1519 schied er wieder aus"^). 



114) S. Bd. II, Biogr. Nr. 17. Da abrigens WoHg. Gapito aus Hagenau 
(nachmals eifriger Yorkampfer der Reformation und Biograph Osiander^s, dessen 
Wittwe er geheirathet hatte) i. J. 1501 sich als Student in Ingolstadt immatri- 
culirte, könnte er sehr wohl bereits dort durch Böschenstein in das Studium des 
Hebräischen eingeführt worden sein, so dass er in seinen späteren litte rarisohen 
Leistungen nicht ausschliesslich als Schüler des Matthäus Adrianus (wie L. Gei- 
ger, a. a. 0., S. 42 u. 111 thut) zu bezeichnen wäre. 

115) Wir wissen allerdings nicht, wann er in Ingolstadt seine Lehrthätig- 
keit begonnen habe, ( — vielleicht aber war es jener Astronomus, welcher i. J. 1498 
eine Besoldung von 32 fl. genoss, s. Arch. d. Univ., E I, Nr. 1, f. 1 v. — ), 
sondern finden nur im Arch. d. Univ., D, III, Nr. 1, S. 472, dass i. J. 1503 der 
Rector dem Consilium mitthcilt, Stabius werde laut eines von ihm eingetroffenen 
Briefes nicht mehr von Wien zurückkehren, und es sei daher an Ersatz zu 
denken. Einiges Nähere über ihn s. Bd. II, Biogr. Nr. 18. 

116) Archiv d. Univ. a. a. 0. u. E, I, Nr. 1, f. 18 v. 

117) Ebend. D, III, Nr. 2, S. 71 ff. 

118) Ebend. O, I, Nr. 3, f. 19 u. 28 u. E, I, Nr. 2, 6. Oct. 1513 u. D, III, 
Nr. 4, S. 40. 



138 Zeitr. T, Cap. 12 (1494-1618). 

m 

Im Collegium Oeorgianum, welches wir nach Obigem als 
einen Bestandtheil der artistischen Facultät zu betrachten haben, trat 
i. J. 1507 der erste Segens Schwebelmair freiwillig aus, da er 
im vorhergehenden Jahre als Collegiat des alten CoUegiums gewählt 
und bestätigt worden war, nunmehr aber der Herzog anordnete, dass 
nicht Eine Person zugleich beide Stellen besitzen solle ; die Artisten- 
Facultät wählte an seine Stelle den Hier. Zaler zum Segens des 
Georgianums ^ '^). Dieser jedoch war offenbar ein schlechter Wirth- 
schafter, denn es fand sich nicht nur der Senat i. J. 1510 genöthigt, 
auf das strengste einzuschärfen, dass jährlich (im Mai) genaue Sech- 
nung über das Georgianum abgelegt werden müsse ''^), sondern es 
musste auch die Facultät nach einigen Jahren (1516) diesen nach- 
lässigen Segens absetzen. Der nicht ohne Einfluss des herzoglichen 
Hofes neugewählte Segens Andr. Hainlin gieng schon im darauf- 
folgenden Jahre als Suffragan nach Bamberg ab*^'). Da als sein 
Nachfolger auf illegale Weise Joh. Schröttinger präsentirt wor- 
den war, wendete sich Matthias Kretz, welchem auch ein herzog- 
licher Empfehlungsbrief zur Seite stand, an den Canzler des Herzogs, 
Leonh. v. Eck, unter begründetem Hinweise darauf, dass statuten- 
gemäss die Wahl des Segens Sache der artistischen Facultät sei; 
und da auch Sector und Senat (2. Jan. 1518) die Berechtigung 
dieser Beschwerde anerkannten, wurde Eretz vom Herzog als Segens 
bestätigt und Schröttinger zum Vorsteher der Lilien-Burse ernannt"*). 
Da aber ersterer i. J. 1519 nach Augsburg abgieng, wurde letzterer 
von der Facultät als Segens gewählt und vom Herzoge bestätigt'*^). 
Sowie übrigens der Stifter des Georgiauums bereits darauf Bedacht 
genommen hatte, dass Andere seinem fürstlichen Beispiele folgen 
würden (s. oben S. 98), so erfflUte sich auch wirklich diese Voraus- 
sicht, indem die zwei Professoren Adorf und Zingl und ein Ingol- 
städter Bürger, der Kürschner Widman, CoUegiaturen stifteten"*). 



119) Ebend. £, I, Nr. 1, f. 21 u. D, III, Nr. 2, S. 43 f. (Mederer, Ann. 
Bd. I, 8. Tf)). 

120) S. Bd. II, ürk. Nr. 85. 

121) Mederer, Ann., Bd. I, S. 98 u. 105. 

122) Aroh. d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 19 (Moderer's Angaben, a. a. O., 
8. 107, stehen hiemit in heHem Widerspruch). 

123) Mederer, a. a. 0., 8. HO. 

124) Die Original-Urkunden dieser drei Stiftungen (von 1509, 1513, 1515) 
befinden sich im Archiv des Georgianums ; bemerkt mag werden, dass Adorf und 
Zingl für denjenigen^ welcher ihr Stipendium geniessen würde, eine Zeitdauer 



Zeitr. I, Cap. 12 (1494—1518). 189 

Auch für jene ursprüngliche Stiftung Ludwigs des Beiohen, welche 
das alte Collegium hiess und, wie wir sahen (Anm. 72 u. 80) 
schon mehrfach der Gegenstand berechtigter Beschwerden gewesen 
war, erliess Herzog Wilhelm i. J. 1518 organische Bestimmungen, 
wornach das stiftungswidrige Vorgehen verboten und für Zukunft fest- 
gestellt wird, dass zwei Theologen und ein Jurist um jährlich 60 fl., 
ein Mediciner um 50 fl. und zwei Magister der artistischen Facultät 
um jährlich 40 fl. (letztere über Mathematik und Bhetorik oder eine 
der beiden classischen Sprachen) unentgeltlich Vorlesungen zu einer 
Zeit, in welcher die anderen ordentlichen Vorlesungen nicht statt- 
finden , zu halten haben und neben diesen ihren Besoldungen noch 
freie Wohnung im Collegium geniesseuj dabei aber auch sich begnü- 
gen sollen'*'^). 

Bezüglich der Bibliothek, welche, wie wir oben (S. 92) sahen, 
sich damals noch an die Artisten-Facultät knüpfte, finden wir einer- 
seits in den öfter erwähnten Sitzungs-Protokollen von 1497 einige 
Klagen darüber, dass die Benützung derselben unmöglich gemacht 
werde, da Niemandem der ßchlussel gegeben werde ^*®); andrerseits 
aber bekam die Bibliothek erfreulichen Zuwachs theils durch einen 
auf 110 fl. sich belaufenden Ankauf (i. J. 1496) einer den verschie- 
denen Facultäten dienlichen Büchersammlung, theils durch eine Schen- 
kung (i. J. 1502) des Magisters Klughaimer "^) , theils durch ein 
Vermächtniss eines gewissen Peter Häring (1506), durch welches 
viele juristische Bücher der Universität zufielen, die denn auch im 
Hörsaale der Legisten aufgestellt wurden"'^). Aus d. J. 1508 findet 
sich ein Katalog der Universitäts-Bibliothek, — wohl der älteste 
überhaupt — , welchen der Decan der Artisten, Christoph Tengler, 
anfertigte, und erklärlicher Weise entnehmen wir aus dem dort ver- 



Ton ^0 Jahren oflfen Hessen , und dass Zingl zugleich mehrere BQcher zur Yer- 
Ogung stellte, unter welchen wir selbst classischo Autoren (Plato, Cicero, Pli- 
iiius, Sencca, Quintilian, auch Beroaldus und Hermolaus Barbarus) finden. 

125) S. Bd. II, Urk. Nr. 42. Einige Kamen einzelner Uniyersitftts-Lehrer, 
welche sich y. 1502 — 1516 der Wohlthat dieser CoUegiatur erfreuten, finden sich 
Arch. d. Univ., E, I, Nr. 1. ^ 

126) Reichs-Archiv, Neub.-Cop.-Bücher, Bd. X, 8. 130 ff. Vgl. oben Cap. 10, 
Anm. 76. 

127) Mederer, a. a. 0., S. 50 u. 61. 

128) Archd. Univ.; D. III, Nr. 2, 8. 203 (Mederer, ebend. 8. 80| irrt so- 
wohl im Taufnamon des Testators als auch in der Jahrzahl). 



140 Zeitr. I, Gap. 12 (U94— 1618). 

zeichneten Bücher-Yorrath ein Spiegelbild des damaligen wissenschaft- 
lichen Betriebes "0- 

Was endlich die Studenten betrifft, so haben wir unter Wieder- 
holung des schon oben (S. 92 f.) gemachten Vorbehaltes zu berichten, 
dass es auch in dieser Periode nicht an Wirthshaus-Excessen, nächt- 
lichen Raufhändeln u. dgl. fehlte"^); etwas bedenklicher gestalteten 
sich derlei Händel, da einmal (1514) in Folge einer kleinen durch 
einen Studenten einem Weinwirthe zugefQgten Körperverletzung die 
Nacht hindurch 3—400 Bürger unter Waffen standen"*), oder im 
Jan. 1517, da die Stadtknechte offenbar willkürlich und selbst brutal 
gegen die Studenten verfuhren (Locher vertrat im Senate die mannig- 
fachen Klagen der Studenten) und selbst der Magistrat den berech- 
tigten Anforderungen des Rectors Widerstand leistete***). Bezüglich 
der Bursen wurden von der artistischen Facultät (wahrscheinlich 
um d. J. 1508) Beschlüsse gefasst, durch welche möglichen Betrü- 
gereien der Schaffner vorgebaut und den Klagen über schlechte Kost 
abgeholfen werden sollte*^-'). 



129) Arch. d. Unir., X, Nr. 1. Dieser Katalog, in welchem übrigens auch 
spätere Nachträge eingefügt sind, zeigt uns z. B., dass von der gesammten Bibel 
nur die Apostel - Geschichte vorhanden war, die Patristik aber und die schola- 
stische Theologie ihre reichliche Vertretung fanden. Kärglicher, als für die 
juristische Litteratur, welche ich schon oben (Cap. 10, Anm. 20.) anführte, war für 
die medicinische gesorgt (wir finden nur Galenus, Rases, Avicenna, Mesua, Hortus 
sanitatis, Rosarium medicinae, Gentilis Fulginas, Nie. NicoK, Amoldus Yillano- 
yanus); hingegen die Artisten trafen dort in reichem Masse die aristotelische 
und scholastisch-logische Litteratur; aus dem Gebiete der Mathematik sind Eu- 
clides, Ptolomaeus, Sacroboscus u. Practica astronomiae aufgeführt; Gesohichte 
ist yertreten durch Chronica Marcii, Lambert Aschaffenb., Egesippus, Piatina de 
summis pootif. ; aus dem Umkreise der classischen Autoren finden wir Plato 
(d. h. Marsilius Ficinus), Strabo^ Plutarchus, Diodorus, Appianus, Yirgilius, PUa- 
tus, Tereniius, Catullus, Cicero Epist., d. fin., rhet., de off., Caesar, Livius, Ta- 
citus, Ovidius, Justinus, Suetonius, Curtius, Plinius, Solinus, Firmicus Mat^hiua; 
endlich aus der Litteratur der Renaissance Picus Mirandola, Laor. Yalla, 
Georg. YaUa, Leon. Aretinus, Bocatius, Petrarca, Raf. Yolaterranus, Nie. Perottns. 

130) z. B. Arch. d. Univ. D, lU, Nr. 2, 8. 218; Nr. 3, Deo. 1516, Nr. 4, 
S. 17 tt. ebend. YII, Anf. Dec. 1513 u. ebend. XIII, 1513 u. 6. Juli 1516. 

131) Mederer, Ann. Bd. 1^8. 92. 

132) Arch. d. Univ. D, IIl, Nr. 4, S. 5 ff. (eine langgedehnte Yerhandlang, 
Zeugen- Yernehmung etc.). 

133) Uniyers.-Biblioth. Cod. Mscr. 482 fol., f. 69 ff. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518-1550). 141 



Cap. 13. 
Die Periode von 1518-1550. 

Derjenige Geschichtschreiber, welcher die nöthige volle Unbefan- 
genheit errangen und bewahrt hat, um zu wissen, welche Stelle er 
in der Entwicklung des Menschengeschlechtes überhaupt den Erschei- 
nungen und Erzeugnissen des Religionstriebes anzuweisen habe, wird 
es stets grundsätzlich als eine Verschiebung richtiger Verhältnisse 
betrachten, wenn religiöse Anschauung und priesterliche Thätigkeit 
über jenen Umkreis hinaus, welcher ihnen wesentlich gebOrt, auch 
auf anderweitige Gebiete bestimmend einwirken, und soweit solche 
Yermengung thatsächlich als Gegenstand der Gcschichtschreibung 
Torliegt, wird er persönlich für keinerlei religiöses Bekenntniss Partei 
nehmen, denn von welcher der verschiedenen Confessionen eine 
derartige Verschiebung ins Werk gesetzt wurde, ist für das Princip 
gleichgültig. Auf solcher Grundlage wird auch der Historiograph 
der Ingolstädter Universität unerfreuliche Ereignisse in geschäfts- 
mässiger Weise berichten können, denn, da er vollständig paritätisch 
denkt, blickt er zugleich darauf hin, dass Verfolgungssu«ht nicht 
dem Katholicismus allein eigenthümlich ist, sondern auch reformirte 
und lutherische Universitäten mit gleicher Engherzigkeit auf confes- 
sionelle Ausschliesslichkeit das wachsamste Auge hatten, sowie dass 
es, wo man die Macht dazu besass, an ketzerrichterlicher Thätigkeit 
auch dort nicht gebrach^). Dass auf den verschiedenen streitenden 



1) SoWie es nöfcbig sein, so konnten wir z. B. an die bekannte Intoleranz 
Calrin^s und den auch von Melanchtbon gebilligten Feuertod Ser?et'8 in Genf 
erinnern, oder an die doppelte Buchführung, mit welcher Melanchtbon einerseits 
die protestantischen Regierungen zur Erzwingung religiösen Gehorsams katholi- 
scher Untertbanen drängte und andrerseits protestantische Untertbanen zum Wi- 
derstände gegen eine katholische Regierung ermunterte, oder etwa auch an die 
Geschichte der Universität Helmstädt (Calixtus) u. dgl. Mit Recht sagt schon 
der alte Meiners (Gesch. d. Entst. u. Entw. d. hohen Schulen, Bd. I, 8. 199 
f.) : „In den protestantischen deutschen Ländern entstanden bald Glaubensformeln, 
yon welchen man im Vortrage der Philosophie und Theologie ebensowenig ab- 
weichen durfte, als die katholischen Lehrer von den Systemen ihrer Orden; die 
Polemik blieb viele Menschenalter hindurch die vornehmste Wissenschaft auf den 



142 Zeitr. I. Cap. 13 (1618-1660). 

Seiten der Staat in lediglich religiösem oder gar dogmatischem Zanke 
Partei nahm nnd die damalige rohere Anschauung, dass Anders- 
gläubigkeit ein Verbrechen sei, selbst bestätigte, indem er den prie- 
sterlichen Intoleranz-Gelüsten sich fügsam und werkthätig zu Diensten 
stellte, ist eine allgemein geschichtliche Thatsache, deren Beurthei- 
Inng oder Yerurtheilung hier nicht näher begründet werden kann, 
und wenn eine der kämpfenden Confessionen oder vielmehr jede der- 
selben sich zu solcher Dienstbarmachuug des Staates für die weitaus 
berechtigtere hielt, so können wir solches an sich wohl belächeln; 
aber wenn die Geschichtschreibung eine derartige Anschauung bei 
Erzählimg und Darstellung der Thatsachen selbst zu Grund legt und 
ausbeutet, so erscheint dem Unbefangenen solcher Confessionalismus 
als verwerflich'). Mit solchem Grundtone treten wir hiemit in die 
langdauemde Periode ein, in welcher die Universität Ingolstadt aus- 
schliesslich confessionell war, und derselbe wird sich auch nicht än- 
dern, wenn wir später jene Zeit darzustellen haben, in welcher unsere 
Universität thatsächlich nicht mehr eine katholische war (natürlich 
ohne darum eine protestantische zu werden). 

Nachdem die Universität Ingolstadt in der zunächst vorher- 
gegangenen Zeit durch Förderung des Humanismus an der Spitze der 
damaligen Hochschulen gestanden war, trat sie alsbald nach dem Be- 
ginne der Reformation als die hervorragendste Yorkämpferin des 
Eatholicismus und als Gegenstück Wittenberges auf; und Alles, was 
in jenen Kämpfen sich unmittelbar an die Universität als solche 
knüpft, muss hier zur Erwähnung kommen, wobei allerdings die 
nöthige und richtige Abgränzung ihre Schwierigkeit hat. Denn sowie 
wir in Obigem nicht etwa die gesammte Entwicklung des Humanis- 
mus darstellen durften, so haben wir ebensowenig für diese Periode 
die Aufgabe, die Geschichte der Reformation zu entwickeln, aber 
doch war es bekanntlich ein Ingolstädter Professor, welcher in der 
ganzen Bewegung katbolischerseits die grösste und folgenreichste 
Rührigkeit entwickelte ; desgleichen haben wir hier nicht alle strengen 

protestantischen ünirersitSten ; Ketzermaoher und Glanben^-Inquisitoren waren in 
den proteetanttschen Lftndem nicht seltner, nnd YertrOgrichkeit oder wahre Lehr- 
nnd Pre88-Freiheit anf den protestantischen hohen Schulen ebenBo unbekannt als 
auf den katholischen/* 

2) Wenn z. B. protestantische Schriftsteller den Joh. Eck fSrmlich als einen 
dummen Menschen darstellen oder die überspannte Argula von Grumbaoh als 
musterhafte Glaubensheldin schildern, so ist dies nur das abgeschmackte Gegen- 
Btflok jener Schmfthsucht, welche hftufig in der katholischen Litteratur sich breit 
macht. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1560), 143 

and grausamen Verfolgungen aufzuzählen, welchen im Herzogthum 
Bayern die Anhänger der Reformation überhaupt ausgesetzt waren 
und vielfach zum Opfer fielen '*), aber zugleich wurde in vielen Fällen 
das Ketzerrichteramt mit Vergnügen theils von der Universität als 
solcher theils von den einzelnen Professoren ausgeübt, unter welchen 
neben Joh. Eck vor Allem Franz Burckhard, dann auch Georg Hauer, 
Nie. Appel und Marstaller in solcher Thätigkeit sich vordrängten; 
femer auch die Gründe, durch welche Herzog Wilhelm IV zum 
heftigen Widerstände gegen die Strömung der Reformation veran- 
lasst werden mochte (— ob scholastische Neigungen, ob Besorgniss 
eines Entganges hoher geistlicher Pfründen für die Prinzen des Hau- 
ses, ob Furcht vor dem Bauernkrieg, ob Annäherung an Oesterreich, 
ob geheime Sehnsucht nach der Kaiserkrone, ob all diess zusammen — ), 
müssen wir der politischen Geschichte überlassen, werden aber auch 
bald einen Zeitpunkt trefiTen, in welchem gerade die Universität als 
solche den innersten Plan des Herzogs entweder bestimmte oder 
wenigstens stark unterstützte; endlich liegt desgleichen der einfluss- 
reiche herzogliche Canzler Leonhard von Eck in politischer Be- 
ziehung hier ausserhalb unserer Aufgabe, aber sowie er durchdrungen 
von Protestanten-Hass nicht leicht bei einem Ketzergericht fehlte, so 
hatte er auch vielfach in Universitäts-Angelegenheiten das entschei- 
dende Wort zu sprechen^). Aus solch mannigfacher Verkettung möge 



3) Näheres hierüber bei Yitus Anton Winter, Gesch. d. Schicksale d. 
erang. Lehre in u. durcli Baiern etc. 2 Bände. MQnchen 1809 f. (eine yortreff- 
liche Arbeit) und desselben Qesch. d. baier. Wiedertäufer i. 16. Jahrb. München. 
1809; ferner bei S. Sugonheira, ß;iierns Kirchen- und Yolks-Zustände im 
16. Jahrb. Qiessen. 1842. Andr. Büchner, Qesch. v. Bayern. Bd. VII 
S. 36 ff. 

4) Leonhard v. Eck Randeck Wolfseck u. Gisenhofen geboren in Kel- 
heim immatriculirte sich nn der Universität Ingolstadt i. J. 1489 als Student 
und wurde dort i. J. 1493 zum Magister promovirt, gieng dann nach Italien und 
studierte besonders in Siena Jurisprudenz; zurückgekehrt wurde er Lehrer des 
jungen Herzoges Wilhelm und hernach dessen Rathgeber, welcher er auch in 
officieller Stellung seit 1519 als Canzler bis zu seinem Tode (17. März 1550 — 
eine mysteriöse Notiz über die Todesart s. Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 626 — ) 
verblieb. Der Mitregent Herzog Ludwig, welcher aber in den grosseren Fragen 
nicht entschied, war ihm persönlich abhold. Reiche Kenntnisse und schlaue 
Gewandtheit wird dem Cnnzier Niemand absprechen können. Schon Hoohwart, 
welcher in manchen diplomatischen Geschäften in den Jahren 1518 ff. mitwirkte, 
sagte, Leonh. y. Eck sei seinem herzoglichen Gebieter nur darum im Tode be- 
reits nach elf Tagen nachgefolgt^, damit letzterer betreffs des für die Universität 
bestimmten Zehentes (s. unten Anm. 169 ff.) vor dem göttlichen Richterstuhle 



144 Zeitr. I, Cap. 13 (1518^1550). 

nur dasjenige, was zur Geschichte der Universität gehört, heraus- 
gehoben werden, indem es wohl das passendste sein dürfte, bei Dar- 
stellung dieser Periode zuerst Alles, was sich auf Religion und Kirche 
bezieht, bis z. J. 1550 in Einem Faden vor Augen zu führen, und 
dann in der bisher eingehaltenen Weise die übrigen Universitäts- 
Verhältnisse, die einzelnen Facultäten u. s. w. folgen zu lassen. 

Es war zunächst aus dem vorhergegangenen Jahrhunderte und 
den damals gescheiterten Concils-Bestrebungen immer noch das all- 
gemeine Bedürfniss einer durchgreifenden Besserung des Klerus und 
der Kirche bestehen geblieben, welches sich in unbestimmterer Weise 
als ein Gefühl des Missbehagens verschiedentlich kund gab, und auch 
Bayerns Herzog war, so lange es sich nur innerhalb des bestehenden 
Rahmens um Herbeiführung besserer Zustände zu handeln schien, 
derartigen Erwägungen sehr wohl zugänglich und auch noch immer- 
hin für Milde gegen Andersdenkende gestimmt. Auch bewegten sich 
die ersten Erscheinungen der beginnenden Reformation, welche bald 
so grosse Folgen haben sollten, zunächst nur in dem Gebiete der all- 
gemein an Universitäten üblichen Schaustellungen, d. h. Disputationen, 
und stellen in dieser formellen Beziehung im Vergleiche mit dem 
üblichen Universitäts-Betriebe scholastischer Theologie durchaus keine 
Neuerung dar. Ja auch Eck selbst trat darum erklärlicher Weise 
Anfangs in einer weit scholastischeren Form auf und wurde erst all- 
mälig seinerseits auf den Boden und die Methode seiner Gegner hin- 
übergetrieben, welche in höherem Grade, als es je in den Hunderten 
der Commentare zum Petrus Lombardus geschehen war, in den Dis- 
putationen sich auf die am wenigsten bestreitbare Auctorität, nemlich 
auf die Bibel, stützten und dem Verfechter der katholischen Scho- 
lastik nicht in der Gestalt citirbarer Stellen aus Büchern, sondern in 
persönlicher unmittelbar gegenwärtiger Vertheidigung gegenübertraten. 

Luther selbst schickte am 11. Sept. 1517 seine 95 Thesen (vor 
Veröffentlichung derselben) durcli Scheuerlins Vermittelung an den 
ihm befreundeten Joh. Eck, um dessen Meinung zu hören '^). In 



einen FQrgprecher finde (Oefele, Scriptt. Bd. I, S. 152). Einig^es einzelne 
über Leonh. v. Eck s. bei Winter, Gesch. d. Schicks, etc. Bd. II, 117 ff. u. 
280 ff. u. b. Sugenheim a. a. O. S. 31 f. (übertriebenes Lob bei Me derer, 
Ann. Bd. I, S. 21().) 

5) Wer die damals allgemein üblichen Gebräuche der UniversitSten und be- 
sonders der theologischen Fucultäten betreffs der Disputationen kennt, findet auch 
in dem Anschlagen der Disputations-Thesen an einer Kircbenthüre weder eine 
Merkwürdigkeit noch eine kühne That. 



Zeitr. I, Gap. 13 (1518-1550). 145 

Folge eines Privatgespräches mit dem Bischöfe Gabriel von Eich- 
stadt entwarf Eck 18 'Gegenthesen, welche ohne sein Wissen unter 
dem Titel j^Obdisci'' gedruckt wurden, und nachdem diese i. J. 1518 
nicht nur durch den Wittenberger Professor Bodenstein v. Carlstadt 
(welchem Eck seinerseits replicirte) sondern auch durch Luther^s 
..Asterisci'' eine Beantwortung gefunden, verabredete Eck auf dem 
Reichstage zu Augsburg mit Luther^ welchen er dort traf, eine aus- 
führlichere Disputation, als deren Ort Leipzig bestimmt wurde. Da 
Eck beim Ingolstädter Senate geltend machte, dass diese Disputation 
zu Ehre und Ruhm der Universität gereichen werde, und darauf 
Ansprüche auf Reisegeld uud Remuneration begründete, verhielt sich 
der Senat vorerst ablehnend, stellte aber für die Zukunft, wenn Eck 
zurückgekehrt, eine Genehmigung in Aussicht^). Die Disputation, 
zu welcher sich ausser Luther auch Oarlstadt und Melanebthon ein- 
gefunden hatten, begann am 27. Juni 1519 und betraf hauptsäch- 
lich das Verhältniss des freien W^illens zur göttlichen Gnade sowie 
den Ablass und im Zusammenhange mit diesem die päpstliche Ge- 
walt, wobei Eck die Superiorität des Papstes über einem Concil ver- 
theidigte. Am Schlüsse schrieben sich beide Parteien den Sieg zu, 
die Universität Paris aber, welche als Schiedsrichterin angerufen 
wurde, erklärte sich zu Gunsten Eck's, welchem denn auch nach 
seiner Heimkehr der Ingolstädter Senat unter Vorbehalt der Geneh- 
migung des Cauzlers Leonh. v. Eck eine Remuneration zu geben 
beschloss '). Auch nahmen nun mehrere Studenten in demonstrativer 
Weise für ihn Partei , indem sie Druckschriften , welche gegen Eck 
erschienen waren, auf offener Strasse verbrennen wollten, was zwar 
der Rector als ungehöriges Vorgehen verhinderte, aber zugleich unter 
Beistimmung des Senates den Buchhändlern den Verkauf jener 
Schriften verbot^). 

Die bis daher geführten schriftlichen und mündlichen Kämpfe, 
welche sich eigentlich doch nur um theologische Meinungsverschieden- 
heiten drehten, hätten nicht nothweudiger Weise eine weitere Folge, 
als etwa längere Fortsetzung des gelehrten Gezänkes haben müssen. 
Und auch die Universität erfuhr noch einen höchst erfreulichen Be- 
weis dafür, dass Herzog Wilhelm die Wissenschaft als solche ehrte 
und an seiner Hochschulo zu befördern bemüht war; denn nur ein^r 



1.) Archiv, d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 38 (2fi. Mai 151H). 

7) Ebend. S. 41 (20. Aug. 151H). 

8) Ebend. S. 4G (21. Dec. 1519). 

Prantl, OeRchichte der IJalTcrsUät München I. 



146 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 

• 

solchen hochherzigen Regung kann es entsprangen sein, dass er gegen 
Ende d. J. 1519 den Beucblin in seinen Schütz nahm und alsbald 
i. Tebr. 1520 als Professor anstellte (s. unten Anm. 251 flf.), ob- 
wohl der Streit mit Pfefferkorn und der Kölner Schule sowie die 
Epistolae virorum obscurorum mit Allem, was daran hängt, voraus- 
gegangen waren. Aber nachdem die römische Curie sich zur folgen- 
schwersten üeberstürzung hatte hinreissen lassen, nahm die ganze 
Sachlage eine andere Wendung und die Parteinahme des bayerischen 
Regenten wurde immer entschiedener. Der Mann aber , durch wel- 
chen die Curie sich zu jenem Schritte veranlassen liess, war Nie- 
mand anderer als Job. Eck. Dieser nemlich hatte stets eine hervor- 
stechende Neigung besessen, Aufsehen zu erregen und sich geltend 
zu machen, und so wünschte er auch, von der höchsten kirchlichen 
Auctorität als Besieger seiner litterarischen Gegner anerkannt zu 
werden und diesen ein zweites Mal sofort als höchstbeglaubigter 
Triumphator gegenüberzutreten. So reiste er nach Rom, woselbst 
von vorneherein kein Yerständniss für die Wünsche und Bestrebungen 
der „nordischen Barbaren'^ zu finden war, und verleitete durch seine 
Schrift De primatu die Curie zu jener Bulle, deren unausbleibliche 
Folge die Eorchenspaltung sein musste, da Rom deutlichst kundgab, 
dass es auf Discussionen nicht eingehen wolle, sondern durch Yer- 
dammungs-Urtheile zu sprechen gedenke. Ausgerüstet mit der Würde 
eines päpstlichen Protonotares und mit der v. 17. Juli 1520 datirten 
Bulle Leo's X kehrte Eck nach Deutschland zurück, wurde aber in 
Sachsen sehr spröd, ja mehr als spröd, aufgenommen und beschleu- 
nigte daher seine Rückreise nach Bayern, wo sein erstes Geschäft 
war, an den Rector und den Senat der Ingolstädter Universität eine 
Abschrift der Bulle zu schicken und daran kraft apostolischer Auc- 
torität die Forderung zu knüpfen, dass sämmtliche lutherische Schrif- 
ten eingetrieben und durch den Rector öffentlich verbrannt werden 
müssen, da im Weigerungsfalle Excommunication und Verlust des 
Lehramtes sowie der Promotions-Befugniss zu erwarten sei^). Der 
Senat wünschte in seiner Sitzung (28. Oct.) vor Allem Aufschub, bis 
die päpstliche Bulle in beiden Pfarrkirchen von der Canzel verkündet 
worden; da aber Eck heftig auf sofortige Publication drang, gab der 
Senat schliesslich nach^^); und so hielt in der auf den 29. Oct. an- 

9) 8. Bd. II, Urk. Nr. 44. Ein Druck-Exemplar dor pSpstlichen Bulle im 
Arch. d. Univ. R, 14. Juni 1520. 

10) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 5, S. 509 u. Nr. 4, S. 71 (..vehemenUr pro 
publkciHone instante Eckio^^), 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 147 

beraumten Plenar-Versammlung Georg Hauer eine Anrede, dass man 
dem apostolischen Nuntius gehorchen müsse, liess hierauf den Notar 
die Bulle verlesen und gab dann unter Wiederholung der Zuschrift 
EcVs noch einen kräftigen Epilog dazu; unmittelbar darauf besorgte 
Eck in der Moriz-Kirche und Hauer in der Frauenkirche, d. h. jeder 
in seiner Pfarre, die Verlesung der Bulle '"). Bekanntlich antwortete 
Luther, — abgesehen von einigen Flugschriften — , auf die päpst- 
liche Bulle durch öffentliche Verbrennung derselben (20. Dec. 1520), 
und hiemit hatte die üebereilung der Curie ihre erste schwer wider- 
rufliche Folge erfahren. Ja dass es wirklich üebereilung gewesen, 
wurde in katholischen Kreisen nicht bloss gefühlt, sondern auch aus- 
gesprochen; denn als Eck auch die Bischöfe zur Publication der 
Bulle aufforderte, wollte Bischof Philipp von' Freising vorerst sich 
nähere Prüfung vorbehalten und gab dann, da Eck sich auf die Un- 
fehlbarkeit der Päpste stützte, die Erklärung seiner Unterwerfung 
mit einer nicht misszuverstehenden Nebenbemerkung ab^*); der Bi- 
schof von Passau erklärte geradezu, von einem Mandat gegen Luther 
Nichts zu wissen ^^), und Regensburg zögerte wenigstens mit der 
Publication, welche nur in Eichstädt und Augsburg sofort vorgenom- 
men wurde *^); das entscheidendste aber ist, dass Herzog Wilhelm 
selbst sich persönlich an Eck behufs einer Rücknahme der Bulle 
wendete, jedoch natürlich ohne Erfolg*^), und hierauf (1521) noch 
schriftlich den Erzbischof von Salzburg als bayerischen Metropoliten 
sowie die Bischöfe von Freising, Regensburg, Passau und Eichstädt 
ersuchte, sie möchten, um Aengstlichkeit und Unzufriedenheit des 
Publicums zu verhüten, die Prediger und Beichtväter veranlassen, 
Luther's Schriften nicht zu verbieten, welchem Wunsche Eichstädt 
und Passau nachgaben '"). Eck triumphirte thatsächlich und stellte 
auch zur Erinnerung an das siegreich beendete Geschäft im Pfarr- 
hofe zu St. Moriz eine Votivtafel auf; bei dem bereits entbrannten 
und für ihn entschiedene» Kampfe machte wohl auch die von Pirk- 
heimer (noch 1520) anonym herausgegebene Schrift ^,Eccim dedolattis^^ 

11) Ebend. Nr. 5, S. 511—514. 

12) Reich8-Archiv, Bayer. Religions- Acten, Bd. I, f. lü: „auch unser 

beger darauff gestanden, das berürte sach, daran vil gelogon, niit mererm be- 
dacht gehandelt wäre worden*' (s. auch Meichelbock, Hi<»t. Fri«». Bd. I, 1,8.290). 

13) Reichs-Archiv, a. a. (). f. 19. 

14) Ebend. f. 22. 

15) S. Bd. II, ürk. Nr. 4.5. 

10) Reichs-Archiv a. a. O. f. 17 u. 10, 

lü* 



148 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 

wenig Eindruck auf ihn *^). Georg Hauer aber veranlasste (1520) 
den Senats-Beschluss , dass fortan durch ihn über die „Acta contra 
haeresin Lutheranam^*' genaues Protokoll geführt werde '^). 

Nachdem unterdessen das Wormser-Edict (Mai 1521) eine er- 
wünschte Grundlage geschaffen, konnte man auch in Ingolstadt rüstig 
vorwärts gehen. Eck hatte sich, da in Ingolstadt die Pest wfithete 
(1521), nach Polling begeben und war von dort nach Rom gereist, 
um dem Papst über seine Erfolge Bericht zu erstatten, kehrte aber, 
nachdem Leo X (Dec. 1521) gestorben war, im Febr. 1522 wieder 
zurück. Und da zu gleicher Zeit nach dem Aufliören der Pest die 
Professoren wieder zusammenbenifen worden waren, gab die Univer- 
sität als solche die Anregung zum ersten bayerischen Religions- 
Edict. Nemlich im Senat äusserten Eck, Hauer und Burckhard die 
Besorgniss, es möchte die Mehrzahl der Studenten nun eine geistige 
Pest, d. h. die lutherische Lehre, von welcher sie angesteckt sei, in 
Ingolstadt verbreiten, und man wendete sich, um ausser dem Worm- 
ser Edict auch ein speciell bayerisches Mandat zu erwirken, an den 
Oanzler Leonh. v. Eck, welcher diesen Wünschen gern entsprach '*). 
Dass der betreffende herzogliche Erlass sich nicht bloss auf die Uni- 
versität, sondern auf das ganze Land erstreckte, war durch die Furcht 
Herzog Wilhelm's und seines Mitregent^n , es möchte die Gährung 
eine grössere Ausdehnung gewinnen, begründet*"). Kurz es erschien 
am 5. März 1522 das Keligions-Edict, welches den Befehl enthielt, 
die bereits vom Papste und von Kaiser und Reich verworfene luthe- 
rische Lehre nicht anzunehmen, noch auch über sie zu disputiren, 
sondern im Glauben der Voreltern und im Gehorsam gegen Kaiser 



17) Der wesentliche Inhalt dieser Satire int, das?« Eck schwer erkrankt in 
der Beichte die persönlichsten Qeld-Motive als Ursache seines Auftreten» gegen 
Luther angibt und dann von einem durch eine Hexe aus Leipzig geholten Arzt 
durch Abhoblung der „Ecken'* und sonstige ManipHlationen geheilt wird, welche 
bei der sog, Deposition der Beanon (ob. Cap. 10, Anni. 85) Qblich waren. Das 
Ganze zeigt den damals üblichen Stil der Polemik. 

18) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 5, S. 514. Diese Acta bilden denn auch 
den zweiten Theil dieses Bandes der Univers.-Protokolle (d. h. von D, II f, Nr. 5). 

19) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 5, f. 515 f. Wer dort die ^ytimentes cUiqui 
de coiwt7to" gewesen seien, geht aus den spHtcr folgenden Worten f^Leonardus 
de Eck pulsus praecipue per dominos Eckium^ Franciscum Burckhard et Genr- 
gium Ilauer**^ deutlich genug hervor. 

20) 8. die zwei herzoglichen Schreiben im Reichs-Archiv, Bay. Helig.-Acten, 
Bd. I, f. 77 u. 83. 



Züitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 149 

and Herzog zu verharren ; Dawiderhandelnde seien gefangen zu setzen 
und über ihr Verbrechen an den Herzog zu berichten*'). Die Uni- 
versität beschloss (Apr. 1522), dieses herzogliche Mandat auch von 
sich aus officiell zu verkünden und zu allen Buchbindern und Buch- 
händlern Inquisitoren abzuordnen, welche auf lutherische Schriften 
fahnden sollen, sowie auch nicht lange hernach der Senats-Beschluss 
gefasst wurde (Nov. 1522), dass alle der lutherischen Ansteckung 
verdächtige Studenten deniRector angezeigt werdpn müssen**). Und 
so konnte von nun an erfolgreich das Bestreben ins Werk gesetzt 
werden, die neue Lehre zu bekämpfen, ja dieselbe auszurotten. 

Jene fanatischen Professoren, welche näher mit Eck verbunden 
waren, bethätigtefi sich förmlich als Mitglieder eines Inquisitions^ 
Tribunales, welches seine Fäden auch über den Umkreis der Univer- 
sität hinaus spann. Nachdem noch i. J. 1522 Eck über ketzerische 
Meinungen (betreffs des Abendmales) eines Ingolstädter Pranziskaner- 
Quardians eigens an den Herzog berichtet hatte *^), kam im März 
1523 der Magister Jacob Dax er an die Reihe, welcher in Folge 
der beim Herzog eingelaufenen Denunciation ein Verhör durch die 
Professoren Marstaller und Burckhard (auch der Bürgertneister und 
der Stadtschreiber waren zugegen) zu bestehen hatte und dann auf 
herzoglichen Befehl gefesselt dem Bischöfe von Eichstädt ausgeliefert 
wurde, welcher ihn nach mehrwochentlicher Haft aus der Diöcese 
verwies*^). Milder verfuhr man mit dem Humanisten Joh. Peurle, 
welcher, als er zum Vorstande der Drachen-Burse gewählt wurde, 
den Verkehr mit Oslander abschwören musste*^). Ende Juli 1523 
fasste der Senat, welcher gehört hatte, dass in den Bursen die Col- 
loquia des Erasmus und die Briefe des Apostels Paulus gelesen wer- 
den, den Beschluss, Vorsorge zu treffen, dass dieses „lutherische 
Gift" (virus Lutheranum) nicht weiter schleiche *0) und eben nach 
dieser Seite hin hatten die Eetzer-Bichter im August und September 
reiche Aerndte-Monate. Der Magister Michael Dietenauer, wel- 
cher (14. Aug.) denuncirt worden war, über Paulus ad Titum ge- 



21) Abgedruckt findet sich das Religions-Edict , von welchem ein Druck- 
ISxcmplar im Reichs- Archiv , a. a. 0. und eine Abschrift im Arch. d. Univ., a. 
a. 0., vorliegt, bei Winter, Gesch. d. Schicks, etc. Bd. I, S. 310 ff. 

22) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, 8. 90 u. 119. 

23) Reichs-Archiv, a. a. 0. f. 28. 

U) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, 8. 136 u. Nr. 5, 8. 525. 

25) 8. Mederer, Annal. Bd. I, S. 118. 

26) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 144. 



150 Zeikr. I, Cap. 13 (1518—1560). 

lesen zu haben, wurde aus dem Gefänguiss, in welches man ihn 
warf, in Folge seines Widerrufes wieder entlassen, zumal da man 
ihm sein Vergehen nicht völlig zurechnen zu dürfen glaubte*^). Mehr 
aber musste sich die Universität mit dem Magister Arsacius See- 
hofer zu schaffen machen*^). Dieser kam, nachdem er in Witten- 
berg Melanchthon' s Vorlesungen besucht hatte, nach Ingolstadt und 
musste, da er dort zum Magister promovirt wurde (i. J. 1522) dem 
Joh. Eck eidlich versprechen, nie der lutherischen Lehre anhängen zu 
wollen. Trotzdem *las er schon im folgenden Jahre über die Briefe 
des Paulus nach dem bei Melanchthon nachgeschriebenen Gollegien- 
hefte. Nachdem hierüber a. 11. Aug. 1523 beim Senat Anzeige ein- 
gelaufen war, nahm der Rector Appel das Verhör Seehofers vor und 
ordnete dessen Gefangensetzung sowie Haussuchung in der Wohnung 
% desselben an*^); auch wurden die 12 Zuhörer Seehofer's vernommen, 
welche sofort die lutherischen Irrthümer abschwören mussten und zu 
kurzem leichten Gefängniss verurtheilt wurden ^^). Bei der Haus- 
suchung aber, an welclier sich auch Marstaller betheiligte, wurde viel 
ketzerisches Material gefunden und dem Rector übergeben, welcher 
auf Grund eines Gutachtens der theologischen Facultät sowohl an den 
Herzog als auch an den Canzler Leonh. v. Eck berichten sollte ^^). 
Und da unter diesen Schuld-Beweisen sich ein Brief eines Freundes 
Seehofer's über den Ablass-Unfug und zwei aus Wittenberg datirte 
Briefe Seehofer's fanden, deren einer den Grundsatz enthält, dass der 
Glaube allein zur Seligkeit hinreiche, während der andere hieran auch 
eine Polemik gegen die Annahme eines freien Willens knüpfte**), 
war es diese Verneinung der Willensfreiheit {— einer der ersten noch 
gröblicheren Ausbrüche der Reformations-Ideen, welchen bekanntlich 
Melanchthon selbst später als verwerflichen Irrthum bezeichnete — ), 
wodurch der Herzog und dessen Canzler in Schrecken gesetzt wur- 
den**). Drei mit der Seehofer'schen Familie verwandte Bürger Ingol- 



27) Ebend. S. 147 u. Nr. 5, 8. 540 (an lotztoror StoUe finden wir dio 
Worto ^^quia ei potitts ex tnmplicitate contigerit^^), 

28) S. Bd. 11, Biogr. Nr. 20. 

29) Archiv d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 145-148 u. Nr. 5^ 8. 52(i 1. 

30) Ebond. Nr. 5, 8. 539. Die Eidesformel 8. Bd. II, Urk. Nr. 51. 

31) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 5, S. 527. 

32) Diese drei Briefe im Original befinden sich im Arch. d. Univ., R, Nr. 1, 
f. 1—4; die zwei Briefe Seehofer's sind gedruckt b, Winter, Gesch. d. Schicks, 
etc. Bd. I, 8. 30Ü. 

33) Rcichs-Arohiv, bay. Rclig.-Aotcn, Bd. I, S. 195. 



Zoitn I, Cap. 13 (1518—1550).' 151 

stpadt's baten den Senat um Freilassung des Beklagten, wurden aber 
abschlägig beschieden, und der Senat beschloss eine Verschärfung des 
Gefängnisses, indem Seehofer nunmehr mit Niemanden sprechen und 
keine Briefe empfaugen durfte; ein Magister, welcher meinte, es sei 
nicht einzusehen, warum Seehofer, welcher doch gute theologische 
Schriften besitze, nicht hätte lesen sollen, wurde wegen dieser vor- 
witzigen Bemerkung gleichfalls eingesperrt^^). Die theologische Ta- 
cultät aber stellte aus Seehofer's Papieren 17 ketzerische Sätze zu- 
sammen (dieselben beziehen sich hauptsächlich auf Bechtfertigung 
durch den Glauben, Werkheiligkeit, Verheirathung geschiedener Gatten, 
Verwerfung des Eides in weltlichen Dingen, die paulinische Stelle 
über Buchstabe und Geist), deren Verdammung der ganze Senat und 
speciell durch Namensunterschrift die Theologen Appel und Marstal- 
1er, die Juristen Hauer und Frz. Burckhard, die Mediciner Peysser, 
Peter Burckhard, Prunner, und die Artisten Ant. Braun und Schret- 
tinger billigten ^^). Die Universität, an welche der Herzog auch eine 
Bittschrift des Vaters Seehofer's übergeben hatte, berichtete, an dem 
ketzerischen Auftreten des Beklagten könne kein Zweifel sein, und 
sie gedenke ihn auf Grund ihrer alten Privilegien scharf zu bestra- 
fen^^). Der Herzog antwortete, mit der Bestrafung selbst möge die 
Universität noch innehalten und den Bescheid über ihre hierauf be- 
züglichen bestimmteren Vorschläge abwarten ^^). Hierauf beschloss 
die Universität, zu beantragen, dass Seehofer Widerruf leiste, für die 
Zukunft den Lutheranismus abschwöre, von der Universität ausgestos- 
sen und auf so lange in ein Kloster eingesperrt werde, bis der Her- 
zog ihn begnadige; und der Canzler Leonh. v. Eck schloss sich in 
seinem Begleitschreiben diesem Vorschlage an, jedoch mit der Be- 
merkung, dass es nicht rathsam sei, den Straf- Vollzug der Univer- 
sität als solcher zu überlassen, weil dann der Beklagte statutenge- 



:',4) Aroh. d. Univ., D, III, Nr. 4, S. U7 u. Nr. 5, S. 528. 

35) Diese 17 Artiltel finden sich im lateinischen Originale im Arcb. d. Univ. 
D, III, Nr. 5, S. 528 und R, Nr. 1, f. 7; sie wurden auch in deutscher Ueber- 
setzung noch i. J. 1523 zweimal in Ingolstadt gedruckt (beide Exemplare in der 
Univers.-Bibliothek ; vgl. auch unten Anm. 60). Abgedruckt sind sie bei Rie- 
ger, D. Leben Argulä v. Grumbach, 8. 104 ff. u. bei Lipowsky, Argola r. 
Grumbacb, Beilage XYII. Ddss der Senat und die genannten einzelnen Profes- 
soren die Verdammung billigten, ist aus dem einen der zwei deutschen Prnok- 
Exemplarc ersichtlich. (Winter, a. a. 0., S. 106, irrt sich), 

36) S. Bd. II, Urk. Nr. 52. 

37) S. Bd. n, Urk. Nr. 53. 



152 Zoitr. I» Cap. 13 (1518-1550). 

mäss an den Bischof von Eichstädt auägeliefert werden mtisste, hin- 
gegen es möge der Herzog von sich aus die Sti*afe verhängen; diess 
geschah auch, und zwar wurde das Kloster Ettal als Strafort See- 
hof er's bezeichnet^). Nun verlangte (7 Sept.) die Universität von den 
erwähnten Verwandten Seehofer's eine Oaution von 1000 fl., dass der- 
selbe wirklich vor dem Plenum seine Irrthumer abschwören und dann 
in sein Gefängniss sich begeben werde , und Seehofer selbst musste 
einen Bevers ausstellen, dass er seine Bestrafung, da er eigentlich 
dem Bischöfe hätte ausgeliefert werden sollen, als einen Act der 
Gnade anerkenne und sich gehorsam fügen werde ^^). Hierauf ver- 
sammelte sich das Plenum, vor welchem der Notar die 17 Artikel 
verlas und Seehofer auf der unteren Eathedra stehend und das Neue 
Testament in Händen haltend unter Thränen den Widerruf sprach; 
eine Anrede des Decanes der Artisten (Ant. Braun) über die Pflicht, 
sich von allen Neuerungen fern zu halten , schloss den* feierlichen 
Act**). 

In diesen uemlicheu Wochen führte die Universität mit aller 
Energie auch die Untersuchung über verdächtige Buchbinder, d. h. 
Buchhändler. Nachdem nemlich denuncirt worden war, dass bei Jacob 
Focker und Georg Erapff lutherische Schriften verkauft wurden, be- 
schloss der Senat (14. u. 15. Aug. 1523) nach angestellter Nach- 
forschung, dass dieselben Einen Tag einzusperren seien und ihnen 
unter Androhung der Relegation von der Universität für Zukunft 
solche Uebelthat verboten werde ; zwei oder drei Exemplare ketzeri- 
scher Schriften dürften sie an die Universität schicken, nie aber solche 
verkaufen ^^). Nun aber hatte bei dieser Untersuchung der Buchbinder 
Focker selbst zwei seiner Gesellen (Valentin Pirnstiel aus Leipzig und 
Joh. Lafi'er aus Esslingen) als höchst verdächtig bei Professor Hauer 
denuncirt, und nachdem die Frage, ob auch die Gesellen als Univer- 
sitäts-Angehörige zu betrachten seien, bejaht worden und dieselben 



38) Aroh. d. Univ. D, III, Nr. 5, S. 530 ff. (in Kürzcobeud. Nr. 4, ä.151 f.); 
Reichs- Archiv, b. Reh- Acten, Bd. I, f. 31 u. 38. gedrucict bei Lipowsky a. a. 
0. Beilage XIV- XVI. 

39) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 153 u. Nr. 5, S. 534. Den Wortlaat 
des Reverses s. Bd. II, Urk. Nr. 54. 

40) Aroh. d. Univ. a. a. O. u. Nr. 5, S. b^—b'dö und R, Nr. 1, f. 9. Der 
Widerruf ist gedruckt in dem einen der zwei deutschen Drucke der 17 Artikel 
(;}. Anm. 35), tovrie bei Rieger a. a. O. und bei LipowHky a. a. O. Bei- 
lage XVIII. 

41) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 147 i. u. Nr. 5, 8. 543 u. Nr. 6, 8, 212. 



.:k 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518-1550). 153 

sonach nicht im magistratischen Gefängnisse, sondern im üniversitäts- 
Carcer eingesperrt worden, begann unter Hauer's Leitung das scharfe 
Verhör, wobei das Focker'sche Ehepaar und mehrere Magister und 
Studenten als Zeugen vernommen wurden^*). Und da hiebei sehr 
geringschätzige und derbe Aeusserungen der Buchbinder-Gesellen über 
Ablass, Fasten, Bann und Reliquien zu Tag kamen '*^), so beantragte 
die Universität, dass dieselben ihre Ketzerei abschwören müssen und, 
nachdem sie dies gethan, „über die vier Wälder^^ (d. h. Böhmer-, 
Thüringer-, Schwarz- und Schamitzer-Wald) verbannt werden sollen, 
wozu Hauer sofort die Abschwörungs-Formel verfasste, welche an 
Bohheit des Ausdruckes dem Fassungs- Vermögen der Buchbinder an- 
gepasst war"**). Nachdem der Canzler Leonh. v. Eck den ganzen Vor- 
schlag gebilligt und der Herzog die Universität mit dem Beisatze, 
sie möge in Zukunft stets mit gleicher Entschiedenheit vorgehen, be- 
lobt hatte, mussten(5. Sept.) die zwei Gesellen vor der Thüre des 
Gefängnisses in Gegenwart des ganzen Senates und vieler Studenten 
den Widerruf öflfentlich sprechen und wurden hierauf, jeder mit einem 
Viaticum von 15 kr., dui-ch den Gerichtsdiener vor das Donau-Thor 
geführt*«). 

Wenn nun auch die Buchbinder-Gesellen nicht mehr weiter be- 
achtet werden durften, so war die Seehofer'sche Angelegenheit 
durch das Verdammungs-Urtheil der Universität nech lange nicht ver- 
schollen. Nicht zwei Wochen waren seit dem 7. Sept. verflossen, 
als die Universität ein Schreiben einer adeligen Frau, Argula von 
Grumbach*^), empfieng, worin sowohl der Vorwurf, man habe dem 



12) Ebend. Nr. 4, 8. 141) f. u. Nr. 5, 8. 41 u. 548. 

43) 8. das Verhörs-Protokoll Bd. II, Urk. Nr. 55. 

44) S. Bd. II, ürk. Nr. 5G. 

45) Rciohs-Arehiv, bay. Kel.-Acten, Bd. I, f. 34 if. . Archiv d. Univ. D, 
III, Nr. 1, 8. 152 u. Nr. 5, 8. 533 u. 543. 

46) Geboren um d. J. 14Ü2; ihr Vater war Bernhardin von 8tauff Freiherr 
zu Ehrenfels; nach dem Tode ihrer Eltern lebte aie einige Zeit als Hofdame in 
München und verheirathcte sicli dann mit dem Freiherrn Friedrich von Grum- 
bach, Besitzer der Hofmark Lenting (bei Ingolstadt). 8ohon als zehnjähriges 
Mädchen las sie deutsche Bibelübersetzungen, und zwar namentlich, wie sie 
selbst sagt (in ihrem 8chrcibcn an die Universität) eine i. J. 1482 gedruckte 
(— e» gab ja deren vor Luther wenigstens 13 — ). 8ie stand in mehrfachem 
Briefwechsel mit Luther und suchte in Dietfurt, wo ihr Mann herzoglicher Pfle- 
ger war, häufig durch öffentliche Reden die lutherische Lehre zu verbreiten. 
Einige Jahre nach ihrem Auftreten in der 8aohe 8eehofer*s wurde sie (um 1530) 
aus Bayern verbannt und ihr Sohn Georg aus dem herzoglichen Dienste ent- 



154 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 

Seehofer mit dem Feuertode gedroht ( — diess allerdings thatsächlieh 
nicht wahr — ), als auch die grundsätzliche Ansicht ausgesprochen 
war, dass es schändlich und sündhaft sei, ihm , der ja nur die Lehre 
des Evangeliums vertreten wollte, beim Acte des Widerrufes gerade 
das Evangelium in die Hand zu geben; man möge ihr, schrieb sie, 
eine deutsche Disputation gestatten, in welcher sie mit den Professoren 
den Kampf über die Frage aufzunehmen gedenke, welche Artikel der 
Lehre Luther's und Melanchthon's dem Worte Gottes widersprechen '*^). 
Gleichzeitig hatte Argula auch an Herzog Wilhelm einen Brief ge- 
richtet, in welchem sie die Angabe über die Drohung des Feuertodes 
wiederholte und dem Herzog für die Rettung des Lebens Seehofer's 
dankte (— sie war sonach überhaupt nicht richtig informirt — ), 
ausserdem aber unter steter Versicherung, nur Gottes Wort zu ver- 
treten, in heftigen Ausdrücken davon sprach, dass der Papst dem Teufel 
Folge geleistet, dass die Priester und Prälaten Hurerei treiben, dass 
dieselben das Volk durch ärgsten Druck peinigen, und dass die ge- 
lehrten Juristen für all Solches kein Gefühl haben u. dgl.**^). Die 
Universität gab der Briefschreiberin keine Antwort, beschloss aber 
(am Samstag nach dem 21. Sept.), den Brief an den Herzog zu 



lasHcn; sio begab äidi nach Franken und siarb i. J. 1554 in Zeiliizlieim bei 
Schweinfurt. Gg. Konr. Riegor, Das Leben Argula von Grumbach. Stuttg. 
1737. 8 (einseitig lutherisch). F. J. Lipowsky, Argula v. Grumbach. Manchen. 
1801. 4 (nicht ohne einzelne schlimme Yerstösse). G. A. Pistorius, Frau 
Argula V. Grumbach etc. Magdeburg. 1845. 8 und £d. £ngelhardt, Arg. v. 
Grumbach, die bayerische Tabca etc. Nürnb. 1860,8 (beide letztere abgeschmackt 
confessionell). 

• 47) Der Titel den in Nürnberg gedruckten Sendschreibens lautet: Wie cyn 
christliche fraw des adels in Bciern durch iren in gotlicher 8chrift wolgogründ- 
ten sendtbrieffc die hohen schul zu Ingoldstat, umb das sie einen euangelischen 
Jüngling zu wydersprechung des wort gottes betrangt haben, straffet. (Vorhan- 
den, wie auch ihre übrigen Schriften, in der Univ.-Biblioth. ; wieder abgedruckt 
bei Kieger und bei Lipowsky a. a. 0.). Dass Argula in ihrer Weise wirklich 
bibelfest war, zeigt sie durch die vielen Stellen des alten und neuen Testa- 
mentes, welche sio in vollen Händen ausgiesst. Gewiss auch hatte sie wie jeder 
Mensch die Befugniss, für ihre innerste Gcmüths-Angelegenheit begeistert zu 
sein, aber durch ihre Ueberreiztheit liess sie sich zu einem Vorgehen hinreissen, 
welches ihr als Weib nicht zustand. • 

48) „Ain christenliche schrifft einer erbaren frawen vom adel, darinn sy 
alle christenliche stendt und obrigkayten ermant, bei der warhait und dem wort 
gottes zu bleyben und solohs auss christlicher pflicht zum ernstlichsten zu bandt- 
habcn. Argula Staufferin.^^ (In zwei verschiedenen Druck-Exemplaren in der 
Univ.-Biblioth., abgedruckt bei Rieger u. Lipowsky). 




Zoitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 155 

schicken, damit dieser das hässlidie Weib zähme — „eam vetulam 
compcscaV"^ — ^)» und indem der Senat, obwohl auch der Bischof 
von Eichstädt diängte, doch mit einem endgiltigen Entschlüsse auf 
die Ankunft des Canzlers L. v. Eck wartete^), erstattete letzterer 
(am IL Nov.) einen Bericht an den Herzog, womach zunächst Ar- 
gula's Gatte beauftragt werden sollte, auf dieselbe^ einzuwirken, und, 
wenn diess nicht mit Erfolg geschehe, seines Amtes als Pfleger ent- 
setzt und aus der Umgegend Dietfurt's verbannt werden müsse ^'). 
Herzog Wilhelm schrieb in solchem Sinne an seinen mitregierenden 
Bruder Ludwig, dieser aber wünschte vorerst eine mildere Behand- 
lung und versprach, den Freiherrn von Grumbach zu sich rafen zu 
lassen^*). Die schreibselige Argula hatte sich unterdessen auch an 
den Ingolstadter Magistrat brieflich gewendet und ihrem Vetter 
Adolph von Törring, welcher sie warnte, mit Märtyrer-Muth geant- 
wortet, sowie auch an den Kegensburger Magistrat, an Luther und 
an den Kurfürsten von Sachsen geschrieben, was Alles unseren hie- 
sigen Zweck nicht unmittelbar berührt ^^). Die Universität ergriff 
ofBciell keine weiteren Massregeln, wohl hingegen veröffentlichte ein 
Student der Theologie (Johannes aus Landshut) ein Spottgedicht auf 
Argula, in welchem er der lutherischen Richtung derselben unzüch- 
tige (!) Motive unterschob, worauf Argula unter mannigfachen Be- 
merkungen über theologische Scholastik mit einer Aufforderung zu 
einer Disputation antwortete'^*). Da aber in dem Gedichte jenes 
Studenten auch eine Stelle vorkommt, in welcher derselbe die ge- 
lehrte Dame auf den Spinnrocken, auf dfis Haubenstricken- und Bor- 
tenwirken verweist, so ist wohl hieraus die sonst unbeglaubigte Er- 
zählung entstanden, die Universität habe der Argula als Antwort 
einen Spinnrocken geschickt ^''^). 



19) Archiv d. Univ. D, III, Nr. 5, S. 54G. 

50) Ebend. Nr. 4, S. 155 u. 160. 

51) Gedruckt bei Lipowäky a. a. 0. Bcüago II. 

52) «bend. BcUage VII u. VIII. 

53) Ebend. Beilage III, IX u. X. 

54) Beides ebend. Beil. IV u. V. 

55) In solcher Weise lesen wir die Spinnrocken- Anekdote bei Würz er, 
Di58. de statu rclig. christ. in Bavaria, S. 23, bei Adlzreitor, Ann. Boic. 
Bd. II, f. 244, und bei Faicken stein, Gesch. v. Bayern, Bd. III, 8. 325 (Li- 
powäky nennt sogar den Canzlcr Leonh. v. Eck als Absender des Spinnrockens,, 
Sugenbeim hingegen meint a. a. O. S. 20, es sei Job. Eck gewesen). Ich konnte 
in den ver6chiedcncn urkundlichen Quellen keine Bestätigung dieser Erzählung 
ünden. 



156 Zeitr. I, Cap. 13 (1518-1550). 

Ausserdem aber wurden durch die Seehofer'sche Sache mehrere 
Schriften lutherischer seits hervorgerufen. Zunächst eine deutsche 
üebersetzung der 17 Verdammungs- Artikel mit einem Epiloge, wel- 
cher dem Publikum das thörichte Verfahren der Ingolstädter Theo- 
logen vor Augen stellen soU^^), sodann eine sehr heftige Schrift des 
Martin Recke nhc^en, welcher in der nemlichen Weise wie Argula 
die Benützung des Evangeliums bei Seehofer's Widerruf tadelte und 
im weiteren Verlaufe sich über das Klosterleben und über die Wal- 
fahrten, durch welche das einfaltige Volk um Geld geprellt wird, 
verbreitete"); femer stellte ein gewisser ülr. Stratus zu allen 17 
Artikeln Bibelstellen zusammen, um zu beweisen, dass Seehofer nicht 
Ketzer sei*®). Das letztere Verfahren schlug auch Luther in seiner 
bekannten gegen Ingolstadt gerichteten Schrift ein*^,^in welcher 
er nach seiner Weise mehrmals die Ansicht aussprach, dass geradezu 
der Teufel in die Ingolstädter Professoren gefahren sei; indem aber 
Luther dabei jedem einzelnen Artikel zunächst die Gründe der in 
Ingolstadt erfolgten Verdammung nachfolgen Hess, um dann jedesmal 
seine Widerlegung, d. h. biblische Vertheidigungsgründe gegenüber- 
zustelle;), sah sich die Universität genöthigt, öffentlich zu erklären, 
dass von ihr niemals officiell die Motive kundgegeben worden, noch 
auch von einem ihrer Mitglieder eine dergleichen Erläuterung ausge- 
gangen sei, sowie dass an der öfter erwähnten Androhung des Feuer- 
todes kein wahres Wort sei^). In Folge nemlich eines Plenar- 



56) Der Druok ist s. I. s. u. (in d. Univ.-Biblioth.) ; der Epilog beginnt: 
,^Sihe lieber christlicher leser, was tieffer blyndthoyt in den theologen zu Ingel- 
stat ist, die nicht aUein die Christen das lautter wort gottes und gantzo schryft 
zuverlaugnon dringen, sonder auch den heiligen Paulum in dem losten artickel 
zu einem lugner wöUen machon u. s. f." (Ein zweites Druck-Exemplar dieser 
Schrift in d. Univ.-Biblioth. enthält nach diesem Epiloge auch das Schreiben der 
Argula an die Universität). 

57) „Die artickel, warumb der rector und rathc der hohensehul zu Ingol- 
statt zwungen und genöttigt haben zum Widerspruch mayster Arsacium Seehofer 
von Manchen mitsampt des lauts der widerrüifung und sejner erklerung. Mar- 
tinus Reckenhofen etc. s. 1. s. a. (wieder abgedruckt bei „Unschuldige Nachrichten^ 
1732, S. 20 und Lud. Rabus, Historie d. Märtyrer, Bd. II, S. 658). 

58) ülricus 8tratu8 EngadinuSy Ässertkmes articulorum ArsctHi See- 
hofer contra Ingolatadienaea damnatores, 1524. 

59) Wider das blind und tolle Yerdammniss der siebcnzehn Artikel von der 
ejenden schändlichen Universität Ingolstadt ausgangon. 1524 (in der Waloh*- 
«oben Ausgabe Bd. XXI, Nachlese, S. 128 ff.). 

^k)) Auf der letzten Seite der sogleich (Anm. 62) zu erwähnenden offioiellen 




Zeitr. I. Cap. 13 (1518—1550). 157 

Beschlusses (Ostern 1524) küudigte die theologische Facultät eine 
öffentliche Vertheidigung ihres Vorgehens gegen Seehofer an und 
stellte an den Herzog die Bitte, den zu dieser Disputation sich ein- 
findenden Gegnern sicheres Geleit zu gewähren, worauf jedoch von 
München aus keine Antwort erfolgte; am 11. Apr. begann nach grossen 
Zurustungen, deren Leitung Eck, Hauer und Burckhard führten , der 
öffentliche Act, bei welchem der Student der Theologie Magister 
Stenglin aus Augsburg die Eröffnungsrede hielt, die 17 Artikel ver- 
lesen wurden, Marstaller in der Discussion den Vorsitz führte und 
Magister Braun, Mitglied der Artisten-Facultät, respondirte ; bei der 
Fortsetzung am folgenden Tage präsidirte Appel; da aber von den 
Gegnern keiner erschien, indem dieselben sich auf den Mangel eines 
sicheren Geleites ausredeten, so endete das Ganze eigentlich erfolg- 
los*'). Die Universität aber veröffentlichte sofort die ganze Ver- 
handlung, d. h. ausser den 17 Artikeln die 100 Thesen Marstallers, 
über welche am ersten Tage, und die 75 Thesen AppeFs, über welche 
am zweiten Tage disputirt worden war, und fügte die so eben er- 
wähnte Erkhlrung über ihr bisheriges Verhalten bei*^*). 

Während dieser nemlichen Monate sowie in der nächstfolgenden 
Zeit war die Universität theils als solche theils in einzelnen ihrer 
Mitglieder eifrigst mit Ketzerrichter- Thätigkeit in Anspruch ge- 
nommen. Im Aug. 1523 musste Magister Joh. Stark den Luthera- 
nismus abschwören, und ein Wittenberger Magister, welcher nur 



Kundgebung lesen wir: „Kundt und wysscndt Hcy auch munigklicli, das 

weder von der holienschul zu Ingolstat noch derselben sondern person über See- 
hofers w^dcrr1left artickel kain erklerung ye ausgangon, noch dieselben verteutscht 
worden sein; daruml) alles, so bisheer diefielben artikel betreffent gedruckt und 
geschriben worden ist , von der hohcnschuel misginnen crtioht mit sambt dem, 
das sunt auch mit unwarhait geschriben und ausprait, Seehofer sey mit bedreung 
de« feurs zu widorrueffung gedrungen worden." Wir wissen sonach in der That 
nicht, woher Luther jene angebliche IngolstSdter Motivirung genommen habe. 
Uebrigens ersehen wir auch, das8 die oben (Anm. 35) erwähnten deutschen 
VerufTentlichungen der 17 Satze nicht von der Universität als solcher ausgiengen. 
61) S. Bd. II, Urk. Nr. 57. Dass zur Disputation die benachbarten Bischöfe 
und Pnllaten eingeladen worden, s. Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 108 f. 

02) ^Jngolstadii 11 Aprilis anni praertentis Ü4 publica disputatiane per 
sacrae theoloyiae professorcs examinabuntur 17 artictdi per M, Armtium See- 

hoter nuper revocati. 100 condusiones per d. Leonardum Marstaller 

75 asscrtiones per d. Nicölanm Apell etc." (in zwei verschiedenen Druck-Exem- 
plaren in d. Univ.-Biblioth.). Das Ganze erschien auch in deutscher Ueber- 
setzung (ebend.j. 



158 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 

etliche Wochen in Ingolstadt zu bleiben gedachte, wurde nicht eher 
immatriculirt, als bis er gleichfalls eidliche Garantie geleistet, und 
einen Ingolstädter Bürger (Fempl), welcher sich missliebig über den 
Zehend geäussert hatte, lieferte die Universität dem Abte von Nieder- 
altaich zur Aburth eilung aus**''). Gegen Ende Sept. wurde der Hu- 
manist Brassicanus wegen seiner Hinneigung zur lutherischen Lehre 
oflficiell verwarnt^), und da Franz Burckhard im Senate über einen 
Eichstädter Canonicus (Moriz Hüten) berichtete, welcher mit Miss- 
achtung von der Ohrenbeichte und von der Messe gesprochen hatte, 
wurde der Rector mit dem Straf- Verfahren beauftragt ^'^). Zu Anfang 
Oct. erregte wieder ein Buchbindergeselle Focker's schlimmen Ver- 
dacht, und der Senat beschloss, dass Burckhard vom Magistrat ent- 
weder Gerichtsdiener verlange, welche den Verbrecher in den Uni- 
versitäts-Carcer führen, oder die Einsperrung desselben im magistra- 
tischen Gefangnisse, wohin ihn Universitäts-Diener liefern wtirden, 
erwirke^). In derselben Woche wurde Magister Job, welcher sich 
wegwerfend über den Mariacultus und über das Uebermass des Be- 
tens geäussert hatte, auf Denunciation eines gewissen Wernher aus 
Bacherach, welcher überhaupt bei den meisten Ketzer-Anklagen als 
Zeuge auftrat, nebst zweien seiner Schüler eingesperrt, aber gegen 
' eidliches Versprechen wieder freigelassen ; das Gleiche geschah einem 
Würzburger Magister (Carl Münch), da zwei Adelige für ihn gut- 
standen"); Magister Georg Schack, welcher in Wemding lutherisch 
predigte, kam mit einer Geldstrafe davon ^); ein Webergeselle aber, 
welchen Professor Hauer bei der Universität denuncirte, dass er 
öffentlich zu Gunsten Luthers gesprochen habe, wurde vom Bürger- 
meister eingekerkert und im Gefängnisse von den theologischen Pro- 
fessoren im christlichen Glauben unterrichtet, hernach aber des Landes 
verwiesen**®). Ja auch jener Bäckergeselle, welcher damals in Mün- 
chen wegen Lutheranismus enthauptet wurde, hatte diess einem Gut- 



es) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 1 18. 

G4) Ebend. S. 15'4. 

05) Ebend. Nr. 5, S. 540. 

6G) Letzteres geschah, der BachbindcrgGüelle aber entwischte dem Univer- 
<)it]lts-Diener; 8. ebend. 8. 547. 

G7) Ebend. Nr. 4, S. 184 f. u. Nr. 5. 8. 555 f. 

C8) Ebend. Nr. 4 , S. 157. 

69) Ebend. Nr. 5, S. 523 f. („a plerisque nostrae iinkersitatia doctoribus 
theologis paterne in carcerilms auditus admonitus ac vera fide christiana 
instructuH^^). 




Zeitr. I, Cap. 13 (1518-1550). 159 

achten des Ingolstädter Professors Franz Burckhard zu verdanken^*'). 
Am 11. Nov. beschloss der Senat, dass alle fremden Studenten, zu- 
mal aber jene aus verdächtigen Orten, vor ihrer Immatriculation eid- 
lich versprechen müssen, der lutherischen Lehre nicht anhängen zu 
wollen '^). Im April 1524 war die Universität mit der Nachforschung 
über Verfasser und Drucker einer anonymen Schmähschrift (betreffs der 
Seehofer'schen Sache) und mit einer Untersuchung gegen zwei Hut- 
machergesellen beschäftigt ^*), und Ende des Monates traf beim Rector 
ein Schreiben des Eegensburger Generalvicares ein, dass in Weiden 
der Priester Freysleben lutherisch predige und die Universität 
Jemanden zum Verhör abordnen möge ; Eck bot sich selbst an, Freys- 
leben aber erschien nicht, und da p]ck ein zweites Mal mit Appel 
und Hauer in Eegensburg eintraf, war es abermals vergeblich'-^). 
Anfangs Juni wurde in Ingolstadt der Eegensburger Priester Andreas 
Helmschrott in Untersuchung gezogen und, da die theologische 
Facultät in seinen Papieren einige ketzerische Sätze gefunden hatte, 
zum feierlichsten Widernif und zur Verfluchung der lutherischen 
Lehre genötbigt'^). Im August lief bei der Universität die Anzeige 
ein, dass in Landau ein Cooperator eine ketzerische Thätigkeit ent- 
wickle, und auf Ersuchen des Senates gieng Eck zu Herzog Ludwig, 
um die Landesverweisung jenes Geistlichen zu erwirken'^). Ende 
August citirte Eck vom päpstlichen Legaten Campeggi eigens hiezu 
bevollmächtigt, den verdächtigen Freisinger Chorherm Wolfg. W ur- 
sin ger zum Verhör nach Ingolstadt und stiess denselben, da er 
nicht erschien, aus der katholischen Kirche aus'®). 

Unterdessen war (G. Juli 1524) der sog. Regensburger Vertrag 
abgeschlossen worden, welcher im Anschlüsse an das Worraser Edict 
mehrere allgemeine Vorschriften betreffs Eeinhaltung der Religion, 
zugleich aber auch die Restimmungen enthielt, dass alle Druckwerke 
einer geistlichen Censur unterliegen, dass jene Landeskinder , welche 
in Wittenberg studiren, binnen drei Monaten zurückkehren müssen 
und dass, wer in Zukunft die Universität Wittenberg besucht, von 

70) Reichs-Archiv, Hay. Relig.-Acten, Bd. I, f. 188. 

71) Arch. d. Univ. I), III, Nr. i, 8. IGO u. Nr. 5, 8. 43 u. 548. 

72) Ebend. Nr. 4, S. 1G7 f. 

78 j Ebend. 8. 172 u. Nr. 5, S. 45 u. 551. 

74) Ebend. Nr. 4, 8. 178 f. u. Nr. 5, 8. 552 f. Dio ihm auferlegte Ab- 
schwOrungsformel s. Bd. II, Urk. Nr. 58. 

75) Archiv d. Univ., D, III, Nr. 5, 8. 555. 

7C) Reichs-Archiv, Bay. Rcl.-Acten, Bd. I, f. 158 ff. 



100 Zeitr. I, Cap. 13 (1518-1550). 

jedem Lehramt ausgeschlosseu sein sülP^). Uud hieran knüpfte das 
zweite bayerische Beligious-Edict (Ende Sept.) an, indem es eigent- 
lich nur eine Einschärfung jener Verordnungen enthielt '*') ; unter den 
VoUzugs-Commissären finden wir (neben Graf Schwarzenberg, v. Lösch, 
Leonh. v. Eck und dem Franziskaner Schatzger) natOrlich wieder die 
Professoren Joh. Eck und Franz Burckhard. Die Universität nahm 
auch dieses Mal, wie beim ersten Ueligions-Edict, eine feierliche 
Veröffentlichung vor (14. Nov.) und votirte bei dieser Gelegenheit 
dem Georg Hauer ihren öffentlichen Dank für seine bisher der Er- 
haltung der Religion gewidmete Thätigkeit ^^). Auf solch erneuerter 
und verstärkter Grundlage wurde zunächst Georg Rogl von Leuchten- 
berg nebst Gattin gemassregelt ^^) , und im Decbr. folgte das wahr- 
lich schmähliche Verfahren mit Bernhard Tichtel von Tutzing; 
dieser nemlich traf auf der Reise (in Brück bei Pfaffenhofen) mit 
Franz Burckhard zusammen, und im Wirthshause führte das Gespräch 
beide bald auf die Religions-Angelegenheiten; da Burckhard heftiger 
wurde und unter anderm bemerkte, man solle allen Ketzern thuu, 
was man auf seinen Rath dem Münchner Bäckergesellen gethan (s. 
ob. Anm. 70), gerieth auch Tichtel in Zorn und äusserte sich unum- 
wunden über den Regensburger Vertrag und die fanatischen Verfol- 
gungen überhaupt; Burckhard drohte ihm, er werde ihn zur Anzeige 
bringen, schliesslich aber versöhnten sich beide und machten die 
Reise nach Ingolstadt zusammen, wo sie sich unter freundlichem 
Handschlag trennten. Nun aber denuncirte Burckhard dennoch seineu 
Reisegefährten, und Tichtel wurde in den Falkenthurm nach München 
verbracht; der herzogliche Canzler Leonh. v. Eck beantragte Pranger, 
Brandmal auf beiden Backen und Einsperrung auf unbestimmte Zeit, 
und nur die mildere Gesinnung des Herzoges entschied für Weglas- 
sung der Schärfung der Freiheitsstrafe^"). 

Im J. 1525 glaubte die theologische Facultät ihren Glaubenseifer 
dadurch bethätigen zu müssen, dass sie den Magister Joh. Petten- 

77) Da« Original im Rcichs-Archiv übend, f. 11 und einiges dazu gehSrigt* 
f. 51 f.; gedruckt bei Adlzreiter, Ann. Boic. B<1. II, S. 239. 

78) „Landpot im horzogthum Ober und Nieder Bnyrn wider die lutherani- 
•»che sekten**. Ein Druck-Exemphir im Reicbs-Archiv a. a. (). f. 73. 

79) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 190. 

«()) Rcichs-Archiv, a. a. O. f. 121 u. 154. Er ist wahrscheinlich der nem- 
licbe Georg v. Leuchtenberg, welcher i. J. 1519 Rector der Universitftt war. 

81) Reichs-Archiv, ebend. f. 12!) — 151 höchst ausführlich; im Aufzuge hei 
Winter, Oo^ch. d. Schick?, etc. Bd. L S. 184 — 199. 



i.f 




Zeitr. I, Cap. 13 (1519-1550). 161 

dorfer, welcher schon vor 13 Jahren von der Universität ausgeschie- 
den und als Suffragan nach Wflrzbarg gegangen war, dort aber i. J 
1524 zum Lutheranismus übertrat und heirathete, im theologischei 
Hörsaale ein aus zwei Distichen bestehendes Denkmal des Hasses 
errichtete^*). Job. Eck aber, welcher auch bei der Disputation zu 
Baden in der Schweiz (Mai 1526) eine hervorragende Rolle gespielt 
hatt« und sodann theils aufgefordert theils sich vordrängend den re- 
formatorischen Bestrebungen zu Constanz, Ulm und Memmingen ent- 
gegentrat (1527 f.), Hess es sich nicht nehmen, auch zu einem wirk- 
lichen Autodafe in Bayern kräftigst mitzuwirken. Es war nemlich 
Leonhard Käser, Pfarr- Verweser in Weizenkirchen, welcher schon 
früher wegen Ketzerei eingesperrt worden, dann aber nach Witten- 
berg gegangen war, von dort heimgekehrt, um seinen sterbenden 
Vater noch einmal zu sehen, und wurde nun in Passau auf Befehl 
des Bischofes eingekerkert (3. März 1527); bei der am 17. Juni 
stattfindenden Verhandlung fand sich auch Eck ein, vertrat selbst die 
Anklage und widersetzte sich heftig jeder billigen Milde; auch bei 
dem zweiten Verhöre, welches am folgenden Tage auf öffentlichem 
Marktplatze gehalten wurde, war Eck anwesend und neben ihm Ma- 
gister Anton Praun, Mitglied der Artisten-Facultät. Käser wurde 
am 16. Aug. zu Schärding als Ketzer lebendig verbrannt, und wäh- 
rend über dieses Ereigniss gegnerischer seits ausser einer anonymen 
Schrift®*) auch ein flammender Bericht Luther's erschien®^), gab 
auch Eck zu seiner und der Katholiken Rechtfertigung eine Darstel- 
lung des ganzen Handels ^^). Weniger entsetzlich, aber im Princip 
gleichgeltend war es, dass i. J. 1528 mehrere adelige Studenten 
und der Professor Joh. Veltmiller wegen Uebertretung des Fasten- 
gebotes vor den Rector citirt wurden und letzterer wegen Rückfalles 
eine Geldstrafe von 24 fl. und einige Tage Gefängniss erlitt ^^). 

82) 8. Me derer. Annal. Bd. I, S. 87. 

83) „nistori oder das wahrliafftig geschieht des leydens und Sterbens Lien- 
hard Koysers seligen etwa pfarrers zu Waizenkirchen etc." Wittenberg. 1527.4. 

84) „Von Lenhard Kaiser in Bjiiern umb des Evangelii willen verbrand, 
eine seelige Geschieht". Wittenb. 1528. 1 (in Walch's Ausgabe Bd. XXI 
S. 173 ff.) 

85) „Wahrhafftige Handlung, wie es mit herr Lenhart Käser zu Schärding 
Terbrennt ergangen ist; widor ain falsch erdicht und erlogen büchlein vormals 
darron on namen des dichtors aussgangen*', s. 1. s. a. 4. (er wendet sich dabei 
auch gegen die „Wunder ', welche nach Bericht des anonymen Verfassers beim 
Feuertode Käsers vorgekommen sein sollten). 

86) Archiv d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 259, 264 u. 268. 

Pr a n 1 1 , OMebleh«« der ÜDlvtriltit Münetattt I. 11 




162 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1660). 

Nachdem Kaiser Karl V den Beichstag zu Augsburg ausge- 
sehrieben hatte, beauftragten die Herzoge Wilhelm und Ludwig 
(19 Febr. 1530) die theologische Facultät zu Ingolstadt, alle Artikel, 
welche von Luther seit zwölf Jahren vorgebracht worden waren, in 
einen Auszug zusammenzustellen und ihre Nicht-Uebereinstimmung 
mit dem wahren christlichen Glauben nachzuweisen, sowie auch die 
zweckmässigste Widerlegung derselben anzugeben ^^) ; und da die 
gegnerische Ansicht bekanntlichst von Melanchthon foimulirt aufge- 
stellt worden war, erhielt (27. Juni) eine Commission von 20 katho- 
lischen Theologen, an deren Spitze wieder Eck stand, den Auftrag, 
die Wiederlegungsschrift jenes Augsburger Bekenntnisses zu ver- 
fassen. Am 13. Juli überreichte Eck dem Kaiser einen ersten Ent- 
wurf, aber nach mehrfachen Abänderungen fand erst ein fünfter Ent- 
wurf die Billigung des Kaisers derartig, dass derselbe nun diese 
Schrift als „christlich und unwiderleglich*' bezeichnete. Am 3. Aug. 
wurde dieselbe verlesen, und es begannen hierauf die Verhandlungen, 
in welchen bekanntlich auch die Versuche eines Ausgleiches nur zu 
schärferer Spaltung führten. Eck erhielt vom Kaiser für die Thätig- 
keit beim ßeichstage 100 Goldgulden, war aber sehr verstimmt, da 
ihm eine vom päpstlichen Legaten Campeggi verheissene Belohnung 
(ein reiches Beneficium) entgieng, und sagte in Augsburg zu Melanch- 
thon, er gehe zur Partei der Reformatoren über, wenn man ihn dort 
versorge ^^). Auf den Reichs- Abschied von Augsburg folgte (1531) 
das dritte bayerische Religions-Edict^®). Die Universität hielt sich 
verpflichtet, als einige fremde Studenten Vorlesungen über Melanch- 
thons Grammatik zu hören wünschten, (Nov. 1531) überhaupt sämmt- 
liche Schriften dieses Autors ausdrücklich zu verbieten ••^) ; auch gegen 
den Mediciner Leonhard Fuchs, auf welchen wir unten (Anm . 223 ff.) 
näher zu sprechen kommen werden, wurde im März 1532 eine Unter- 
suchung eingeleitet, weil er in einer Schrift sich missliebig über das 



87) S. Winter, a. a. O. Bd. I, 8. 270. 

88) Es ist diess keine blosse Mähre, und selbst Theod. Wiedemann, 
welcher in seiner höchst fleissigcn Biographie Eck^s wahrlich überall die gün- 
stigeren Farben wählt, kann unter llinweisang auf die Quellen- Berichte nur 
sagen (S. 291 f.), es sei diess wohl nur eine „unbedachtsam hingeworfene Aeus- 
serung" Eck'S gewesen. 

89} „Aussohreiben der Artikel von Erhaltung christenlichcr Religion rermug 
des Reichsabichiedes zu Augsburg" (ein Druck-Exemplar im Reiche-Archiv, b. 
Rel.-Actcn, Bd. I, f. 193). 

00) Archiv d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 314. 



Zeitr. 1, Cap. 13 (1518-1550). 163 

Fasten geäussert und in Ansbach an lutherischen Bestrebungen theil- 
genommen habe; da er erklärte, jene Stellen über das Fastengebot 
habe der Buchdrucker beigefügt, entschied der herzogliche Canzler 
Leonh. v. Eck günstig für ihn^M. I. .T. 1534 wurde die theologische 
Facultlt von den Herzogen beauftragt, für die Herstellung deutscher 
Gebet- und Predigtbücher zu sorgen^*). Auch beim Reichstage zu 
Worms (eröffnet am 25. Nov. 1 540) finden wir die Ingolstädter Uni- 
versität durch Eck, Marstaller und Appel (letzterer war allerdings 
schon seit 1532 nicht mehr als Professor thätig) vertreten , und am 
14. Jan. 1541 begann dort die erfolglose Disputation zwischen Eck 
und Melanchthon ^'^). Desgleichen war Eck beim Begensburger Col- 
loquium (1541) eifrig thätig und erklärte sich dort gegen jene An- 
schauungen, welche durch das sog. Begensburger Interim zur Geltung 
kommen sollten ^^). Im Sept. 1543 denuncirte Marstaller den Phi- 
lologen Salicetus wegen eines Hochzeitgedichtes, da das in demselben 
enthaltene Lob der Ehe ein Angriff auf den Colibat sei, und Salicetus 
wurde wirklich drei Tage eingesperrt®^). Endlich im Oct. 1548 be- 
schloss der Senat eine Bücher-Visitation beim Buchhändler Weissen- 
hom und verbot demselben den Verkauf mehrerer Schriften Melanch- 
thons und Corn. Agrippa's, sich über einiges Andere nähere Prüfung 
vorbehaltend®^). 

So hatte die Universität Ingolstadt viele Jahre lang theils als 
Gesammtheit theils durch einige ihrer Mitglieder, vor Allem aber 
«lurch Job. Eck in die Religionsgeschichte eingegriffen, welch letzterer 
stets zu Kampf und Streit geneigt der papistischen Partei durch 
Wort und Schrift reichlichst Vorschub leistete und z. B. betreffs der 
unbefleckten Empfängniss Maria und der päpstlichen Unfehlbarkeit die 
Keime späterer Dogmatisirung bereits in sich trug. 



91) Ebend. S. 317. 

02) Sugenheim, Baierns Kirch, tt. Y. Zuat. S. 189. 

03) Die Inatniction der von Bayern nach Worms gesendeten Abgeordneten 
«, im Reichs-Archiv, a. n. O. S. 271 und Eck':* Bericht an den Herzog aber die 
dortigen Verhandlungen ebend. S. 247. 

94) Th. Wiedemann, Joh. Eck, 8. 309 ff. 

95) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 7, f. IGO f. 

90) Ebend. Nr. 4, S. 534 f. Erheiternd ist die dortige Randbemerkung 
des Protokolles : Indoctus suffraganeus dixit, quod twllet obolum exi^onere pro 
Omnibus omnium authorum neotericorum lihris^ auff teere ttibi sanctum TfMmam 
et praeterea nihil. Einer näheren Prüfung sollen unterworfen werden Pliniu^ 
Hi§t nat., Erasmus Colloquia und Melanchthon Declamationea. 

!!• 



164 Zeitr. I, Cap. 13(1518—1660). 

Blicken wir nun bezfiglich dieser Periode auf jene Verhältnisse, 
welche das eigentliche Wesen der Universität selbst betreffen, so zeigt 
zunächst die Frequenz unleugbar abermals eine Abnahme. Die höch- 
sten Ziffern des Neuzuganges fallen mit 314 und 306 in die Jahre 
1519 und 1542, die niedrigste mit 64 in die zwei Jahre 1528 u. 
1546, so dass nicht einmal die beiden Pest- Jahre 1521 und 1539 
(mit 69 und 114 Neu-Immatriculirten) als Ursache eines Minimal- 
standes bezeichnet werden dürfen; die jährliche Durchschnittszahl 
des Neuzuganges beträgt 136, sonach abermals um 36 weniger, 
als in der vorhergehenden Periode (s. oben S. 101), und die Ge- 
sammtzahl der in einem Jahre anwesenden Studenten dürfte sonach 
400 jedenfalls nicht viel überstiegen haben. Das Ausland aber ist 
im Matrikelbuche immerhin noch zahlreich vertreten durch: Stuttgart, 
Tübingen, Wasserburg a. Bodensee, Engadin, Freiburg, Basel, Bur- 
gund, Strassburg, Speier, Heidelberg, Worms, Frankfurt, Mainz, Köln, 
Paderborn, Utrecht, Brüssel, Amsterdam, Orkadische Inseln, Seeland, 
Friesland, Göttingen, Eisenach, Meissen, Leipzig, Erfurt, Halle, 
Wittenberg, Dresden, Breslau, Pommern, Polen, Böhmen, Mähren, 
Linz, Wien, Steiermark, Eämthen, Istrien, Trient, Botzen, Brixen. 

Dreimal erlitt in dieser Periode der Untervicht. eine grössere 
Störung durch heftiges Auftreten der Pest; das erste Mal i. J. 1521 
flohen mit Erlaubniss des Herzogs fast alle Professoren aus Ingolstadt 
(nur Hauer, Schwebelmair und der Decan der Artisten Schaider blie- 
ben zurück, bei welchen sich in Bälde auch der Mediciner Peter 
Burckhard wieder einfand), und der Wiederbeginn der Vorlesungen 
fand erst am 10. März 1522 statt; bei der zweiten Epidemie i. J. 
1539 .siedelten mit herzoglicher Genehmigung die Juristen nach 
Rain über, woselbst alsbald Franz Burckhard starb , aber auch sogar 
die Uectorswahl vorgenommen wurde; i. J. 1545 flüchteten sich die 
Juristen und die unverheiratheten Artisten nach Kelheim, und erst 
i. Anf. d. J. 1547 kam die Universität wieder in vollen Gang®^). 

Nachdem in inneren Angelegenheiten i. J. 1522 einiges Ein- 
zelne (z. B. Gebrauch der verschiedenen Amtssigel , Emolumente des 
Notars, Thätigkeit des Pedelles, Herstellung einer eigenen „cancel- 
laria") durch Senatsbeschluss erledigt worden war '**), woran sich auch 
die Vereinbarung knüpfte, dass an Vacanz-Tagen die Mitglieder des 

97) 8. Mederer, Annal. Bd. I, S. 112, 167, 170 u. 190, u. Cod. dipl. 
S. 2J8. Das gedruckte Ausschreiben betreffs Wiedereruffnung der UoirersitSt 
s. Arch. d. Univ. O, I, 12. Febr. 1547. 

98) ArchiT d. Univ., D., III, Nr. 4, 8. 102 u. 104—111. 



Zeiir. I^ C«p. 13 (1518-^1060). 165 

Senates und der Verwaltnngskammer zu freundschaftlicher Besprechung 
zusammen kommen und hiedurch Friede und Eintracht befördert wer- 
den solle ^), wurde noch im gleichen Jahre die Universität auf ihr 
Ansuchen vom Herzoge beauftragt, die allgemeinen Statuten zu ver- 
bessern und in eine richtigere Beiheufolge zu bringen, und da der Her- 
zog die Vorschläge der Universität alsbald genehmigte, konnte noch 
im Dec. 1522 der Licentiat Schröttinger bei seiner Bückkehr aus 
München die ^^Confirmatio statutorum renovatonim''^ dem Bector über- 
geben**^). Die Einleitung und der Schluss, in welcher der Herzog 
den Statuten die Bestätigung ertheilt und die genaue Befolgung der- 
selben befiehlt, sind deutsch geschrieben, die Statuten selbst aber la- 
teinisch. Ihr wesentlicher Inhalt ist folgender: 

Der Bath (consilium) der Universität besteht aus dem Bectpr, 
allen ordentlichen Lehrern der drei höheren Facultäten, dem De- 
cane und dreien hervorragenderen Mitgliedern der Artisten -Facul tat, 
welche von dieser selbst gewählt werden. Dieser Senat aber soll 
nur bei schwierigeren und wichtigeren Angelegenheiten zusammenge- 
rufen werden; die gewöhnlichen laufenden Geschäfte oder geringfügi- 
gere Dinge erledigt der Rector entweder allein oder in Verbindung 
mit den vier Decanen *°"). Wer eine angesagte Senats-Sitzung ver- 
säumt, unterliegt' einer Geldstrafe; einer geringeren, wer um eine 
Viertelstunde zu spät kommt. Schmähungen und tumultuarische Unter- 
brechungen der Berathung sind bei Strafe verboten; ein Senator darf 
bei Verhandlungen, welche ihn selbst oder einen seiner Verwandten 
betreffen, nicht anwesend sein. Bei Stimmengleichheit hat der Bec- 
tor den Stichentscheid. 

Der Bector wird von und aus dem Consilium gewählt; derselbe 
muss ehelicher Geburt und Klerikus sein*"*), darf aber keinem re- 
ligiösen Orden angehören; es kann jedoch aus der an der Beihe be- 
findlichen Facultät auch ein Mitglied gewählt werden, welches nicht 
im Senate ist, aber nur bei bereits überschrittenem 24. Lebensjahre; 



99) Ebend. S. 116 (far Becher u. dgl. steuerte jede Facultftt aus ihrer 
Cassa 2 f). bei). 

100) Ebend. B, J, Nr. 19; gedruckt bei Med er er, Cod. dipl. S. 183 ff. 

101) Vgl. oben Cap. 12, Anm. 13. 

102) Hier ist der Beisatz „non tarnen coniugatus'^ bereits weggelassen« 
nicht jedoch um ycrheiratheten Klerikern die Wählbarkeit zu gestatten, sondern 
weil man Ehelosigkeit für selbstverständlich hielt und den Begriff „c/en'cii^* im 
Gegensätze gegen gebildete Laien aufzufassen begann; s. oben Gap. 5, Anm. 7, 
und unten Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 170 ff. 



166 Zei^- h Cap. 13 (1518—1550). 

wird ein adeliger Student als Bector gewählt, so ist ihm der Pro- 
rector beizugebeD. Eine Facultät, in welcher kein tauglicher Mann 
sich findet, darf übersprungen werden. Sind Bestechungen oder son- 
stige Praktiken nachgewiesen, so ist die Wahl ungiltig. Der Gewählte 
muss binnen 24 Stunden sich über die Annahme erklären; er leistet 
den Eid in die Hände seines Vorgängers, und dieser übergibt ihm 
die Amtssigel, das Matrikelbuch und die sonstigen Acten; dabei 
findet zugleich die Rechnungsablage des abtretenden Bectors statt, 
deren Prüfung eigenen Deputirten übertragen ist, welche abwechselnd 
in einem Jahre aus der theologischen und juristischen, im andern 
Jahre aus der medicinischen und philosophischen Facultät gewählt 
werden. Das Amt des Bectors ist halbjährig (gewählt wird am 
24« April und am 18. Oct.); die Amtstracht hat derselbe auf eigene 
Kosten, im Betrage von wenigstens 5 fi., anzuschaffen^*^'''). Der Bec- 
tor ist das leitende Oberhaupt in Jurisdiction und in Beglung der 
Universität , mit Ausnahme der Verwaltungs - Angelegenheiten '^*). 
Specielle Amtspflicht ist es, dass er binnen 14 Tagen die Studenten 
durch Anschlag auf die Bestimmungen über Wohnung und auf das 
Verbot des Waftentragens und der Tanzplätze aufmerksam mache; 
der Bector des Winter-Semesters muss noch vor dem 25. Novbr. 
(Katharina) die Gesammtheit der Lehrer und der Studenten zu einer 
Ermahnungsrede zusammenrufen, nach deren Schluss der Notar die 
Statuten zu verlesen hat; der Bector des Sommer - Semesters muss 
im Laufe des Monats Mai die Bechnungs- Ablage des Georgianums 
vom Begens desselben in Anwesenheit aller Stipendiaten, der Decane 
der theologischen und der artistischen Facultät und eines eigenen 
Deputirten der Artisten entgegen nehmen und, falls sich bei Ver- 
nehmung der Stipendiaten Anstände irgend welcher Art ergeben, 
eine Ermahnung au die Artisten-Facultät richten, dass sie die ihr 
obliegende Aufsicht über das Georgianum gehörig ausübe, wenn sie 
nicht beim Herzoge angezeigt werden wolle. Der Bector geniesst als 
seine Gefälle ein Drittel der Inscriptions - Gebüren , die Hälfte der 
Strafgelder, die Sigel-Gebüren und die confiscirten Waffen (soweit 



103) Nemlich ein „Capucium'* (d. h. Kragen mit Aermel), welches an der 
Aussenseite mit einer drei Finger breiten VerbrAmung geschmUckt ist (vgl. 
Cap. 5, Anm. 13). 

104) y^Apud qium summa rerum eaibtat^ quue iurisdictioMm et meliorttn 
ordinem universiiatis respiciunt, causin camerae dumtaxat exctpM* (Modorcr 
a. a. 0. 8. 187), d. h. es gilt diess fOr Civil-Saoben, denn die Criminal-Juriä- 
diction bat ibre wesentlicben Bescbränkangen, s. Anm. 111. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1618—1650). 167 

diese nicht darcb Stadtwächter eingeliefert wurden, s. oben S. 106). 
Will der Bector auf länger als vier Tage verreisen, so bedarf er 
hiezu der Einwilligung des Consiliums und der Decane, und der Pro- 
rector übernimmt die Amtsführung. Das kleinere Sigel, das sog. 
Secretum und das Scepter sind im Verwahre des Rectors selbst, das 
grosse Sigel aber ist unter fünffachem Verschlusse, indem ausser dem 
Rector aus jeder Facultät ein gewählter Schlüsselträger bei Oeffnung 
des Behältnisses mitwirken muss. 

Jede Facultät hat für sich ihr Consilium und ihren halbjährig 
zu wählenden Decan. Gegenseitige Einmischung in Facultäts-Ange- 
legenheiten, besonders in die Promotionen der Artisten, ist verboten. 
Ein Student, welcher schon Rectorats-Strafe erlitten, darf nicht von 
der Facultät noch einmal gestraft werden. 

Officielle Gottesdienste finden statt am Tage der Rectors- Wahl, 
zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Mariä-Himmelfahrt, Allerheiligen, 
und jährlich eine Seelenmesse für alle verstorbenen Mitglieder; der 
Rector hat zu sorgen, dass dabei die Docenten und die adeligen 
Studenten gehörig zum Opfer gehen. Die sog. orationes ad cleintm 
bleiben der freien Bestimmung der Facultäten überlassen. Vor Fron- 
leichnam beräth das Consilium, ob es zweckdienlich sei {an expediat), 
sich offtciell an der Proccssion zu betheiligen; im Bejahungsfalle 
wird allgemeine Betheiliguug unter Androhung einer Geldstrafe von 
1 fl. angeordnet ^^^). An der Beerdigung eines verstorbenen Lehrers 
oder adeligen Studenten nimmt die Universität als solche unter Aus- 
setzung der Vorlesungen Theil. 

Als Lehrer, sei es öffentlich oder privat, darf Niemand auf- 
treten, der nicht inscribirt ist und den Eid geleistet hat; wer vom 
Laudesherrn zu einer ordentlichen Vorlesung bestellt wird, muss den 
Nachweis seiner Doctorwürde liefern. Ausserordentliche Vorlesungen, 
welche stets vom Rector und den vier Decanen bewilligt sein müssen, 
dürfen nie zur Stunde der ordentlichen gehalten werden; ein Nicht- 
Doctor, welcher vom Consilium die Erlaubniss erhält, zu lesen, darf 
nur die kleinere Kathedra betreten. Uebertragung einer übernom- 
menen Vorlesung an jemand anderen oder Uehernahme von Diensten, 
welche eine Abhaltung vom Lehramte mit sich bringen, ist verboten. 
Eine vom Landesherrn verliehene Lehrstelle darf nur nach vorange- 



105) Die MUsfOhrliobe Processions-Ordnung selbdt s. b. Mederer ebend. 
S. 193. Die Ornndlage iit dftbei die gleiohei wie wir sie obeoj Cap. 10, Anm. i\, 
trafen. 



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168 Z«itr. I, Cap. 13 (1618— 1560). 

gangener halbjähriger Kündigung aufgegeben werden, sowie auch der 
Herzog seinerseits in gleicher Weise vorauskündigen wird. Für jede 
versäumte Vorlesung, worüber die Docenten halbjährlich dem Bector 
und Camerer eidlich Bechenschaft ablegen müssen, wird ein halbes 
Procent der Jahres-Besoldung abgezogen, bei den Theologen aber, 
weil sie nur einen Lesetag um den andern lesen, ein Procent. Als 
legale Entschuldigungsgründe aber für Versäumnisse gelten: durch 
ärztliches Gutachten bestätigte Krankheit, Aderlassen für 4 Tage, 
Purgiren für 2 Tage, Consiliums- oder Cameral-Sitzung, unaufschieb- 
liche Privat-Geschäfte, Aufträge des Landesherrn, Einladung zu einer 
Hochzeit. Legale Ferien sind: vom 29. Sept.— 18. Oct., vom 21. Dec. 
— 7. Januar, 14 Tage Fastnacht (fü. die Theologen nur 11), 14 
Tage zu Ostern, hiezu die Bitttage, die Fronleichnamsoctave und 
Sebastian (20. Jan.), Lichtmess (2. Febr.), IJlasius (3. Febr.), Gre- 
gorius (12. März), Benedict (21. März), Hieronymus (30. Sept.), 
Dionysius (9. Oct.), Ursula (21. Oct), Barbara (4. Dec.), Ambrosius 
(7. Dec), Ottilie (13. Dec), und die Tage, an welchen in Ingolstadt 
Chorfest gefeiert wird *^^). Während der grösseren Herbstferien aber 
sollen die Docenten der Rhetorik, der Poesie, der griechischen und 
der hebräischen Sprache, und der Mathematik ihre Vorlesungen fortsetzen. 
Dramatische Auflführungen dürfen nur nach eingeholter Genehmigung 
des Bectors und der vier Decane veranstaltet werden, und von der 
gleichen Behörde hat der Mathematiker die Erlaubniss einzuholen, 
wenn er Prognostika oder dgl. veröffentlichen will. 

Die ankommenden Studircnden müssen sich binnen 8 Tagen 
immatriculiren ; wer diess unterlässt, wird dem Bürgermeister, dem 
Stadtrichter und dem Stadt-Präfecten angezeigt. Die Inscriptionsge- 
bür ist je nach dem Stande des Immatriculirten verschieden, die 



10(3) ZlihlcD wir dieäe verächiedenen Ferien und Feiertage zusammen und 
rechnen wir dazu die Sonntage und s&mmtliche Donnerstage (denn Donnerstags 
wurde nie gelesen), so verbleiben im Jahre ongefähr 180 Lc3e-Tage, und es 
stimmt sonach ho ziemlich die Schätzung überein, dass für eine versäumte Stunde 
der 2.X)9te Theil der Besoldung in Abzug kam. Die damalige Amtspflicht eines 
Docenten stand %1m> der jetzigen nahezu gleich, insoferne wir dabei zu Grund 
legen, dass derDocent, — was damals auch im Dienstvertrage die Regel war — , 
in jedem Semester nur Eine Vorlesung hält; denn gegenwärtig wird ein solcher 
Lehrer nur dann, wenn er wöchentlich sechsstündig liest, auf 190—200 Lese- 
stnnden des Jahres kommen; hingegen wer zwei Vorlesungen je fünfstündig 
hAlt, liest jetzt allerdings ungefähr 32ümal des Jahres. — Dass die Anstellung 
als Dienstvertrag aufgefasst wurde, ht aus dem Gesagten von sclbit klar; vgl. 
oben Gap. 4, Anm. 2 u. Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 208. 



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Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1560). 169 

höchste 3 fl., die geringste 48 Denare; auch Arme bezahlen fflr die 
Pedelle 8 Denare '^^). Wer nicht in einer Burse oder sonst appro- 
birtem Hause, sondern bei den Eltern oder bei Professoren wohnt, 
muss Fleiss-Zeugnisse von einem Professor der drei höheren Facnl- 
täten beibringen; das Zeugniss eines Lehrers der Rhetorik oder der 
Poesie hat hiefur keine Geltung, wohl aber dürfen solche Magister münd- 
lich beim Kector für die bei ihnen wohnenden Schüler sich verwenden ^"®). 
Als Privilegien, deren sich die Studenten und die Universität über- 
haupt zu erfreuen haben, werden speciell die von Herzog Ludwig dem 
Reichen nachträglich ertheilten und die von den Herzogen Albrecht 
und Wolfgang über Steuerfreiheit u. dgl. erlassenen Bestimmungen 
wiederholt'"^); auch wird ausdrücklich als Erneuerung einer Anord- 
nung Herzog Albrechts eingeschärft, dass der städtische Magistrat, 
wenn die Universität es verlangt, für billige Preise der Lebensmittel 
Sorge tragen soll ' *°). Wer als Student austreten und somit auf die 
Privilegien verzichten will, muss beim Rector glaubhafte Gründe 
dieses Schrittes angeben; erscheint die Renunciation als verdächtig, 
so wird dieselbe durch Anschlag bekannt gemacht, den städtischen 
Behörden mitgetheilt und die Eltern oder Vormünder u. dgl. des 
Studenten davon benachrichtigt, und eine etwa anhängige Unter- 
suchung über frühere Vergehen darf nicht niedergeschlagen werden, 
vom Besuche der Vorlesungen aber ist ein Solcher ausgeschlossen und 
kann nur mit der höchsten Inscriptions-Gebür neu immatriculirt wer- 
den. Aus Aelterem sind Bestimmungen über Kleiderordnung und 
die Verbote der Mummerei, des Waffentragens, des üebemachtens 
ausserhalb der Bursen. des nächtlichen Schreiens u. dgl. mit dem 
Beisatze wiederholt, dass bei Tumulten jeder Art (nicht bloss bei 
Feuersbrünsten) die Studenten in ihren Wohnungen bleiben müssen. 
Wer der Citation des Rectors, welche übrigens nicht nothwendig 
eine dreimalige (mit steigender Strafe) sein muss, sondern auch so- 
fort als einmalige peremptorisch erlassen werden kann, nicht Folge 
leistet, wird excludirt. Die Rechtsstreitigkeiten kann der Student 
vor dem Rector entweder selbst oder durch einen Procurator führen; 



107) Die Scala der verschiedenon Qebüren b. Mederer ebend. S. 196. 

108) Mederer, ebend. 8. 189. Ein wiederholter Beleg dafQr, dass die 
Artisten FacuUät nicht in jeder Beziehung als ebenbürtig galt. 

109) S. oben Cap. 10, Anro. 9 und Cap. 12, Anm. 25 f. Unter Festhaltung 
der Yierzahl der zum Kostgeben berechtigten Magister wird hier dem Weine 
auch das Bier beigefügt. 

110) Mederer, ebend 8. 199; s. oben Cap. 12, Anm. 15 u. unten Anm 129 



{••«ienfalN wiTiieti Sarhen lii> /u Jo fl. »'infacli uti«l summarisch, hin- 
i;«*^vn S.ichiii uImt J<) (I .<•« iiriftlirli \i'riian>li'lt. iKr rn>*UMtiiri*n 
•iurfffi an iIit I nl\ir^itat r.litih.iupt iiiilit iin-hr .il> \i>T «••in. uini 
•Irr Ki'it<>rinit lUii I^-rani'H iiitiinit •lif-irllM-ii al> <m.K*|ic nntfr i'iu'i'iiiM 
Vfl>r<*hliL'iinu' auf; aii-liTi-. al> ilir.'o' \ii-i. ui*rtlrn in koiiiriii Ki*i-Iu«- 
«trriti* /ii^'i'ia.«oon: al> H'^ihirar «iurt*'!) •lif-«ellu*ii fur j>'tli' Vi-rliaiiJ- 
iiiiiy J (iri*Miii'ii toriliTii I «ihiiifri'^f Kn ht^tälli* au>u'i'n*Miiiiii*ii \\n*i 
Uviv I flii'rt'iiikuiift vi'rltfij.iltrii . \'**i\ A*'ui .\us<*priii-lif ilr« K**i(*ir- 
:»1 A|>|'i*llatiiiii an ila*« ( ffi^iliuiii «tattliaft. jt.'i|i>i-h iiiii>s dann ^**ü*r\ 
I (t. «it'|-*iiirt HtT>l*-n. Hi'lilit'f nur il.inii /um« kiTütatti'l uir'i. w«>iiii 
•ifi liiit^i iiiM«! dt-H ('iiiiüiliuin^ •l**ni AppflliPMiili'n Lriin!*tii; laut«*! ; •■ini- 
fri\"l»' Hi-rutunv; uuI«t1i»'^'1 w**\i niirr !•«•>• »nflfriM» SiralV. Km Slu- 
•It-n!. «•■lihi-r \i'r firniii aU'l«»«i'ili^'i'U «iiTiihl-hnfi' ••iiu» |{»'i'ht-*ai"lnr 
«inc!« M-itii-r niutN\iTH.iihit<'n \rriri-trii will, ln'dart Imvu i>inr^ l'ri»- 
iii*it'>ri.ill*nrft'<« ilv^ KiMt'irs um>I lfi«ti*t finrii )t>>^>*iiiirrrii Ki<l ; vr mu<%« 
aiirh . «rim «lif ( iti\cr.«itat i*^ ln-liflill. \**u ^**U\ivt l'nMi*-«»fiihruni' 
■-«(••rl »U'«lti a!)^ti-lirn 

iU'/iiu'iii h «Icr riinnnal-.luriMli« ti'iii siihl i|i-r r<im|M*t«'ti/ •iiv«* 
K«it'*ro ji'iH' r.illi' •■Mtruiki. III \\«'irhi>ii «'^ mi li um Ti'dt'^^trafc h.in- 
•l»*It . iiiili-m ilrr in *"li !iiT Wi-i^r lU'klairii- «li-m HioitiotV i«»ii Ki« h- 
«U'it .iu»j;ili.fiTt »iTtli-n mu*i"'-. Kin/flnt* Strathfstimmun^i-n. Ihm 
*i'l«lii'ii al- all^^-nit'ihi- l»«-ir«'l 'Jill . •Li"-* 1 ll. «iiliUtraN* «lunh Jrri- 
ti^'iL'*'!! < ari i-r aliL't'liu*>«t wi-ri|cn k.inn. Iretrctli-n näiiitliilifn Lärm. 
\\ irth«hau-iMMi< ll. Vrrlial- un«l iSfal-InjurifU, rMuruliint'n. uuii )•••- 
^•uiIiT«* < ••m|>i'*ttiiia'<«];^'iMi Tumult lamli \v*\%* |{i"/li'it«<-|iatt *\vr y**r 
•li-n li»Hti'r «itirtrii Sluil»*ntiji i*t \filM.!rM i. Ih»' Straturtiii'ilt* mü**M'D 
\"m N"lar /u Tr-'t-'k-'H L'^niimmdi wiT'IiIi. 

U»«! ileri l*r"iii"!ii'iii'ii s'-ll «ji»- ^'r"»*ti' S^rirTilt Jin«l «M'Wi^si'nlial- 
tiL:kt-]i «ahm. «lamit nh til I iiMuriiiu'** t'iiifii (Iratl fin|fan^'on uii<l 
liiiftiurdi ili-r Kut «Irr I iii\«'r>itat Si-lia«i<'n li*hif. Cm uun«*lhi;;i' 
K'»*lrn a)«/M*i hu- iijt'ii. *"ll»'ii Ihm iltMi AiM-^tiMi •li»* ""::. '"i/#i»fi al»j:i'- 
*. Iialt •i?in"'i un«! aiü h iii« ht niflir j;i'«luM»-t »i-rd^Mi, •la.'».- 'iii» Kin- 
laiiun^«- ):riMlien \>>ii MaliMu i'/iiifii#ffWiif ) mit Vfr/u-rnu^tMi an*«;:*'- 
»U?!rt' Wf-r-l« n : •|i'«l'1' i* Ihmi --ll rii iIimi ilrri linJu-nMi !'.!• iillatt-n tla* 
l>«M •l«r l'p>M.*li"n '.iMk ||i> Friiii«triik nur .iu«i /.u* k* r unil v;i*iitthii- 
li«'li'*ni WiMH lM'«ti-h<*n. M.iUa-'ifr a)»'T uipI Tiii'SiiniT Wimu \crl>«>trn 



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Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 171 

sein; auch der bisherige Gebrauch, den Professoren Handschuhe oder 
Federmesser zu verehren, wird hiemit abgeschafft, ein Baret aber kann 
der Candidat, wenn er will, seinem Promotor oder auch den Profes- 
soren seiner Facultät schenken ^'^); das prandium der Artisten wird 
auf den Tag der Licentia beschränkt, den Theologen aber zur Er- 
quickung bei den vesperiae eine frugale coenula gestattet. Jeder 
Doctoraudus hat V2 ^* ^^^ Beitrag zu Reparaturen des Locales (sog. 
..fabrica^') zu entrichten, und wer bei der Promotion grössere sedilia 
wünscht, muss dieselben auf eigene Kosten herstellen und ausserdem 
an die Universität eine kleine Luxussteucr entrichten. 

Die zwei Pedelle, deren einer wo möglich zugleich geschworner 
Notar der Universität sein soll, werden vom Consilium, welchem sie 
ihren Eid zu leisten haben, aufgenommen und stehen zur Verfügung 
aller Facultäten, deren keine einzelne ohne Zustimmung des Senates 
einen besonderen Pedell halten darf. Dem Pedell liegt ob, die Be- 
fehle des Rectors zu besorgen, bei Festlichkeiten das Scepter vorzu- 
tragen, zu den Disputationen u. dgl. einzuladen, die Auditorien zu 
reinigen und zum Beginn der Vorlesungen der Theologen, des Ca- 
nonisten und des Civilisten die Glocke zu läuten. Seine Einnahme 
besteht aus den Gebüren, welche er in verschiedener Abstufung von 
den Studenten bezieht, einem Sechstel der Immatriculations-Taxe, 
einem Sechstel der Strafgelder, und demjenigen, was er bei den Pro- 
motionen von den Facultäten empfängt. 

An die Genehmigung dieser Statuten knüpfte der Herzog zu- 
gleich den Befehl, dass sämmtliche ältere Statuten und Privilegien 
der Universität in Abschrift an den Kanzler Leonh. v. Eck zu über- 
senden seien ^''*). Alsbald wurde (i. J. 1523) durch Beschluss des 
Consiliums festgesetzt, dass bei Citationen, welche so häufig unbe- 
achtet blieben, in Zukunft der Rector mit schärferer Bestrafung der 
Widerspänstigen vorgehen dürfe und solle; auch beschloss man die 
Formulirung des Eides, mittelst dessen die aus dem Carcer entlasse- 
nen Studenten versprechen, jedweden Rache-Act für die erlittene 
Strafe zu unterlassen^^'). 

Einen etwas komischen Eindruck macht eine i. J. 1524 beim 
Rectorate eingereichte Eingabe des Regens des Georgianums, des 
Pedelles und zweier Buchbinder, welche zur Hebung der Universität 



113) S. oben 8. SS f. 

114) Mederer, a. a. 0. S. 214. 

115) Ebend. 8. 211. 



172 7'<*itr. r. Cap Vi riM8-.|5M)) 

fr^mi'insam«* VrirM-hläüe iiurhon: da Mangel an Pftdaf^A^^en sei (Tgl 
unt««n Anrn. :!41 (T. >. mi «•■lir man vdchp thvils durch Sti[»«*ndi^n. 
theiN dadiinh ariliM-krn. du^*> ilif^fUx'n ilii* Krl:inlini*«s hekninmen. 
Wrin .tii«/ti^i-h<'nk*'n und Hior /u lir.iucn; y^v\l abfr dit* ..IN»«*teD** 
huufiir luthtTJ-ih «»••iiii. inii>si' d..-* Mandat L'»*u'«'n dif ,,IjitluT<»i" er- 
nruiTt Mrfli-n: d'-r Hf«ui li au>u;irtiL'*'r I iii\i*rMtutrn. mit An^nahm•• 
der tran/«»:*!-^! ht-n iiinl italicni^ifien. yv'\ /u \frl»i«'ti*n. und dit* reli«*r- 
trt'trr \**n .ilNn l'tniniUn u. iL'l. aus/nsrhlir-^-en : jfder Prälat s^dle 
i;e/.wun^'**n witiIimi. WfiML:'.t«*ns Kinm M'inrh M*incs KI«»>t«*rs /um 
Studium all t|if rni\rr«itat /u M-liickm. d^nn dirs allein werdi* einfh 
XuiranL' vtin .*••» Stutlirrndrn licwirkfii i\;:l idirn i\i\t. IJ, Ann». IIJ 
und nnt«'n /••itr. II. ('aj*. 1. Anrn 11% ft ): cMiilii-h ilie nifdcri*n Schu- 
len !»<i}irii niitiT Au^"« liln*«^ lutlifri-rhiT Sihulmri^trr durch (fchalt^- 
Zul.iL'(*n u. *\\:\. «jidinlifM wi'pit'n "*■■. 

Im Jahre 1 '•-*•{ wiirdf .Inh. Kik \'*\\ •li'n lltT7i<i-n Wilhelm 
und I.U'JBi'j naih Knm L'i"*c|iii*kt . um rintTsrit."« ;;t>^enuher eini*r 
üittlirhcn Vi-rMiMiriinL' di*s Klt-ru*' nnil riner iinv(*r;intwnrtlichi*n iJkA' 
*>iL'k('it iltT lii>i'h 'ff i'ini- \**\\ ih-ii Ift/ttTfii unalihanL'i^'e StrafL'ewalt 
df'. Mi-r/'-'j!'" \"ii diT J'iirif /n ••rMirkcn. nnii andn-r-rils i|i*n Papftt 
rn |ifwri:»'n. da*- »-r da- Kinki>mmi'ii dt-r I ni\frsitdt. i*vhh»* mit di'n 
Waffrn iliT \Vi*M'n*i haft L'»'i:«'n di»* Kft/fr klmpff. dtirch Kinvrr- 
IfilitHiL' •■iTiiJT Pf.irrt'irn und tluri'h llriträu'»* d^r n-ichen hajrris<"hi*n 
H«H h-tififr \»'!Mp-hif "'•. K> i-t ••rklärlich . da-" «lir «'urie u'«*)!''" 
v\ur I iii\ir*itat . wtdrhc mit i|i*r i>hfn irfSi'hildcrti'U Ki*-ti^'k»*it imi| 
Th.itkratt dt-n Ka!h"lii i-mu- \tTtliritlii:Tf' und -tirktt* . -ii-h nicht 
^|r 'd \irhalttn k'-nntf. und <••• u'fnehmiu't** l'ai>**t Hadrian VI d«'n 
Wunsi'h dtT lia\»'ri*«lifn K«"L:««'run'j Bt-niu'^ti-U'. (h**ilwri<«i* un«l erlie** 
liftri-fT* •!• - /«»'ittn «-rit-i hndcntjc llrffhlf ''*». /.unäi'h-t nonilich ^je- 
^taltt•!^• i|. r-rlhf iMittf Juni l'ij:». dis- \.in ih-r Pfarrei Parr jähr- 



r* I \rihi« d 1 nii li, I. l'JI 

\uf li •' ^^rn Kirru* üKrrhaupt httrrff«niip S^iir ilrr Mii'I'>b Krk'i 
h*l f n « r ^ irr r-.ihl 'Airr i irruifrlif-n . Au^fuhrlirhrrr* timl« 1 ^irK in f^rliAUCr 
|)«r»l« tun,; auf drur-Üa^r h«ri 1 • lir:fihrh<*r Purum« ntf ilrr Munrhrnrr ^•t4•tl- 
KiM ■ l^rk (•• Th Wif.lrmjnn J'ih Krk. S I-'i ff. . • aurh Winter. 
(•r>rh S hfk> »fi- |ij I. S M" f. u Suc*-nhriin, Kaierni Kirrb.» tt 
Vi>'k.-/vi*l ** .' ■ ^ I»n- jÄf .■! h« ri i-lirhi Iriirijrtiiin m^ rr, «rlrhr I!« k rnp- 
'riij. 'njii «i^ lU' ' '■ ! I •^.•r '.* aiiCi iri^ki t< W i r -1 •■ m i n r • • O 
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|i4i II. ^ .. ff 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1560) 173 

lieh 40 fl. an das Georgianum gereicht werden dürfen ^^); hierauf 
verlieh er (14. Sept.) der Universität als jährliche Einkünfte von der 
Fraaenpfarre zu Ingolstadt 50 fl., von St. Emmeran in Wemding 
80 fl. , von St. Barbara in Abensberg 40 fl. , von der Frauenpfarre 
zu Schongau 40 fl., welcher Betrag bei jeder dieser vier Kirchen 
die Hälfte der Einkünfte derselben nicht übersteigt'^"). Und nach- 
dem weitere Unterhandlungen durch den Tod Hadrian's VI unter- 
brochen worden, erliess Papst Clemens VII (Ende Nov. 1523) eine 
Bulle, wornach, um bisherige Streitigkeiten zu beendigen, die Ein- 
künfte der Pfarrei Zuchering im Betrage von 23 Ducaten in die 
Universität einverleibt wurden, welch letztere nur die Verpflichtung 
übernahm, dort einen beständigen Vicar zu erhalten*^*). Auch den 
von seinem Vorgänger bereits gefassten Plan, von den bayerischen 
Kathedral-Capiteln je eine Pfründe zur Verfügung der Universität 
zu stellen, verwirklichte Clemens VII, indem er (Ende Decbr.) die 
Genehmigung ertheilte, dass zur kräftigeren Bekämpfung der Ketzerei 
fünf lesende Doctoren der Theologie (sei es zumal oder nacheinander) 
auf Canonicate in Freising, Augsburg, Hegensburg, Passau und Salz- 
burg präsentirt werden dürfen ^-*J. Die Herzoge V^ilhelm und Lud- 
wig schickten an die Bischöfe dieser fünf Kathedralen einen eigenen 
Gesandten, in dessen Instruction hervorgehoben war, dass bisher nur 
zwei Professoren Theologie gelehrt hätten, hingegen aber „Poeterei" 
und griechische und hebräische Litteratur so vorgedrungen seien, 
dass für die Studenten die Gefahr lutherischer Ketzerei nahe liege; 



119) Mederer, Cod. dipl. S. 228. Das den BisohSfen yon EichstSdt und; 
Augsburg übertragene Executions-Schreiben ebend. S. 231. Die herzogliche In- 
struction betreffs Parr s. b. Wiedemann, a. a. O. S. GGO u. G74. 

120) Me derer, Cod. dipl. S. 220 ff. Vgl. Cap. 12, Anm. 40. Das i. J. 
lülG erlangte Prasentationsrecht auf die Pfarreien Wemding, Abensberg und 
Schongau sowie auf die Capluneien der beiden Ingolstädter Pfarreien woUte die 
Ünivcräität wegen MisshcIIigkeiten preisgeben (Reichs-Archiv, Ingoist. UniT«, 
Fase. 2), doch verlieh es ihr der Herzog neuerdings i. J. 1518. Betreffs der 
Patronats-Pfarreien der Universität überhaupt findet sich ein reiches, wenn auch 
für die ersten Jahrhunderte unvollständiges, Material im Arch. d. Univ., Y, I 
bis XX, und im Archiv-Conscrv., Fase. 21 u. 22. 

121) Archiv d. Univ. B. I, Nr. 21; gedruckt b. Mederer ebend. S. 224 ff. 

122) Reichs-Archiv, Ingoist. Stadt, Fase. 12; Arch. d. Univ. B, I, Nr. 22; 
g druckt b. Mederer ebend. S. 234; das Executorium dieser Bulle im Arch. 
d. Univ. ebend. Nr. 23 (nicht nothig, es abzudrucken). Das hierauf bezügliche 
Schreiben Eok's aus Rom v. 9. Sept. 1523 bei Wiedemann a. a. O. S. 663 f. 



174 Zeitr. I, Cap. 13 (1618—1660). 

man beabsichtige daher, noch vier theologische Professoren, welche 
zugleich Philosophie dociren sollen , anzustellen , und Denjenigen, 
welche Theologie studiren wollen, bis zur Erlangung des philosophi- 
schen Magistergrades Honorar-Freiheit zu ertheilen; auch würden 
ausserdem noch zwei juristische und ein medicinischer Professor an- 
gestellt werden, woneben dann immerhin „Etliche*' auch Griechisch, 
Hebräisch und Mathematik lehren könnten; die Bischöfe möchten 
daher in Erwägung, dass die Universität auch über Schwaben, Fran- 
ken und Tirol ihren Segen verbreitet und dass anderwärts, nemlich 
in Wien, Freiburg, Heidelberg, Mainz, Leipzig, Erfurt, Complutum, 
Salamanca und an allen französischen Universitäten derlei Canonicate 
verliehen werden, auch ihrerseits die gewünschten Präbenden ablassen, 
zumal die Forderung, da jedes Capitel 80 Domherren habe, gewiss 
eine bescheidene sei"**). Die Sache aber lief nicht ohne Widerspruch 
seitens der Domcapitel ab, und von Passau und Salzburg erfolgte nie 
eine Leistung, die übrigen drei Kathedralen aber lösten allmälig im 
Laufe der nächsten Jahre die auferlegten Pfründen durch Geld ab, 
nemlich zuerst (1524) Regensburg um jährlich 60 fl. , dann (1525) 
Freising um jährlich 75 fl., und zuletzt (1527) Augsburg um 000 fl. 
sofortige Baarzahlung und jährlich 20 fl. von der Pfarrei Holzhausen 
und jährlich 40 fl. Tischtitel, d. h. zusammen um eine Jahresrente 
von 80 fl.^"). Der Papst gestattete auch noch (6. Jan. 1524), dass 
die sämmtlichen Einkünfte der Pfarrei St. Moriz zu Ingolstadt, welche 
bisher in Niederaltaich einverleibt gewesen waren, im Betrage von 
16 Mark Silber der Universität zugewendet werden, mit dem Vor- 
behalte, dass, nachdem Job. Eck die Ilesignation von der Vicarie 
dieser Pfarrei in die Hände des Papstes gelegt, in Zukunft ein stän- 
diger Vicar vom Herzoge benannt, vom Abte zu Niederaltaich ]>rä- 



123) Diese Instruction des herzoglichen Gesandten ist gedruckt bei Wie de* 
mann, a. a. O. S. G92 ff. 

124) Die Original-Urkunden der drei betreffenden YertrSge s. im Arch. d. 
Univ. V, Anf. Aug. 1524, 3. Oct. 1525, 21. MSrz 1527 (hiezu 20. Apr. betr. 
Holchausen); s. auch Reichs-Archiv, Ingolst. Univ. Fa^c. 2. Die Personal- Vor- 
RchlSge, welche die Universität fQr die fQnf Canonicate bereits gemacht hatte 
(Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 1()6), wurden sonach von selbst hinfällig, und 
wenn Leonh. Marstaller i. J. ir)40 personlich als Freisinger Canonicns die 75 fl. 
bezog (Reichs- Archiv a. a. O.), so war dicss eine Ausnahme. Uebrigenj modi- 
ficirt sich nun in weRentlichcn Punoten dasjenige, was über die8e Angelegenheit 
bei Winter a. a. 0. Bd. I, S. 142 u. 2bS ff. und bei Sugenheim a. a. O. 
S. 185 f. gesagt ist. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1618—1650). 175 

sentirt und vom Eichstftdter Bischöfe eingesetzt werde"*). Die Ein- 
verleibung aber der Einkünfte kam nicht zu Stande (vgl. unten Zeitr. 
III, Cap. I), wohl hingegen benannte der Herzog den Joh. Eck wie- 
der als ständigen Vicar und der Abt präsentirte denselben, auch 
überwies die Universität ihm 100 fl. für die Besorgung der Pfarrei, 
aber schon im folgenden Jahre vertauschte sich Eck mit dem Franen- 
pfarrer Hauer "^). Uebrigens beschloss die Universität (Febr. 1524), 
dem Eck für all die Verdienste, welche er sich in Rom erworben 
hatte, ihre officielle Danksagung auszusprechen, und auch der päpst- 
liche Legat Campeggi wurde bei seiner Durchreise (Juni 1524) vom 
ganzen Plenum feierlich empfangen und durch eine Anrede Hauer's 
begrflsst"'). 

Inzwischen hatten manigfache und langdauernde Streitigkeiten 
zwischen Universität und Stadt- Magistrat begonnen, welche eine 
solche Ausdehnung annahmen, dass der Senat im Oct. 1521 die An- 
legung eines eigenen Buches beschloss, in welchem all derartige Ver- 
handlungen niedergeschrieben werden sollten"®). Geringerer Art 
darunter waren die Beschwerden, welche den Preis oder die Beschaf- 
fenheit oder auch den Mangel der Lebensmittel betrafen (vgl. oben 
Anm. 10) und seit 1520 wiederholt in den Jahren 1522, 1524, 
1526, 1529, 1533, 1534 und 1541 zu mündlichem oder schriftlichem 
Verkehr und auch zur Abordnung einer Deputation nach München 
Veranlassung gaben*"). Am 14. Aug. 1544 erliess Herzog Wilhelm 



125) Reiohs-Archiv, Ingoist. Univ., Fäsc. 2 ; Arch. d. Univ. B, I, Nr. 25 ; 
gedruckt b. Me derer, a. a. O. S. 2G5 ff; die £xecutorien der BuUe gleich- 
falh im Arch. d. Univ. ebd. Nr. 20 u. 27. 

12G) Arch. d. Univ., D, 111, Nr. 4, 8. 72 u. 164. Auch der am 27. Aug. 
ini^G gefaäste Senats-Beschluss (ebend. Nr. 7, f. 99), ein pfipstliches Breve zu 
veranlassen, wornach der jeweilige Moriz-Pfarrer jährlich 100 fl. an die Univer- 
sität entrichten soUe, hatte keine weiteren Folgen. Im Arch. d. Univ., Y, IX, 
Nr. 1 findet sich handschriftlich ^yHistoriaincorporcUionis parochiae S.Mauritü*\ 
verfasst von Yicelin Schlugel i. J. 1784 , woselbst äusserst fleissig und 
urkundlich die betreffenden Verhältnisäe bis z. J. 1538 dargelegt werden. Eine 
von AI. Auerbach verfasste kurze Chronik der Moriz-Pfarrei v. J. 743—1740 
ist handächriftlich in der Univ.-Bibliothek, Cod. M^cr. 283. 4, vorhanden. S. auch 
Archiv-Conserv., Fase. 22. 

127) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 165 u. 175. Bei einer zweiten An- 
wesenheit Campeggi^s geschah das Gleiche, s. ebd. S. 316. 

128) Ebend. Nr. 5, S. 15. 

121)) Ebend. Nr. 4, 8. 41», 183, 247, 287, 339, 443 ff. und Nr. 5, 8. 16 und 
Nr. 7, f. 140 V. 



176 Zwtr. I, Cap. 13 (1518-1560). 

„Satz und Ordnung, wie es allhie bei gemeiner Stadt Ingolstadt soll 
gehalten werden^', d. h. eine victualien-polizeiliche Vorschrijft betreffs 
der Bäcker, Bräuer, Metzger, Fischer und Fragner '"^^j, und i. J. 

1547 (26. Apr.) erfolgten im Hinblicke auf schlimme Erfahrungen, 
welche man zur Zeit der Fest gemacht hatte, gesundheitspolizeiliche 
Verordnungen (Apotheken , Begräbnisse , Strassen-Reinlichkeit) , an 
welche sich abermals die Markt-Verhältnisse knüpften ^'^'); im J. 

1548 erschienen zwei herzogliche Erlasse (30. Mai u. 11. Juni), 
welche sich auf den Verkauf des Fleisches bezogen ''*), und i. J. 

1549 bemühte sich die Universität in einlässlichen Verhandlungen, 
gegenüber den Beschwerden der Bierbrauer die älteren Verordnungen, 
namentlich im Interesse eines billigen Preises geniessbaren Bieres 
aufrecht zu halten ^'^'O. Andrerseits mass die Universität den Bür- 
gern die Schuld bei (i. J. 1522), dass durch die geschäftliche Be- 
triebsamkeit der Weinwirthe den Studenten zu viel Wein verabreicht 
und hiedurch Anlass zu Saufereien und Tumulten gegeben werde *'^) ; 
und i. J. 1532 schärfte der Senat den Wirthen auf das strengste 
ein, keinem Studenten ohne specielle Erlaubniss der Eltern oder 
Präceptoren Wein oder Speisen oder Leckereien auf Borg zu liefern, 
denn es werde, falls solches geschehe, der Senat die Studenten nie 
zur Zahlung verurtheilen ^ *'^). Auch über die städtischen Steuer- 
Einnehmer musste die Universität wegen Verletzung ihrer Rechte 



130) Ebend. Nr. 4, S. 411—432. Eine Semmel soU 1 Pfenning kosten, ein 
RSckle 1 HeUer, eine Mass Wirth-Bicr 1 Pfenning, Märzenbier 2 Pf.; die Aus- 
jchank-Befugniss hat jeder Brauer; Fleisch darf nur in der Fleischbank ver- 
kauft werden; Vieh, welches im Burgfrieden weidet, darf nicht nach auswSrts 
yerkauft werden; Fische dQrfen niclit bei Wirthen oder in PrivathSusern Ter- 
kauft werden, sondern müssen auf den Markt kommen, und nur der dort übrig- 
bleibende Rest darf an Händler abgegeben werden. 

131) Ebend. S. 437 ff. 

132) Ebend, 8. 449, 458, 467. 

183) Ebend. S. 5G4. Die Verhandlungen , welche zwischen „g^tem-* Bier 
(zu 2 Pfenning) und »,argem" Bier (zu 1 Pf. oder 3 Heller) unterscheiden, lei- 
gen einige Gereiztheit gegen die „boscheisscnden" Bräuer, welche sileHs oder 
welschen Kümmel in dos Bier mischen, und spitzen sich in das Sprichwort lu 
„der hopf schembt sich nit, im misthaufen zu wachscn'^ 

134) Ebend. D, III, Nr. 5, S. 17 f. 

135) Ebend. S. G9 f. (eine praktische Folge hieron war, dass noch in dem- 
selben Jahre 1532 ein Weinwirth auf den Tod des Täters dreier Studenten, 
welchen er Wein geliefert hatte, warten musste, um zu seinem Gelde zu 
gelangen). 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 177 

(1523) Klage führen *'*•) und sich i. J. 1528 auf ihre verbrieften 
Freiheiten berufen, als der Magistrat die durch Ufer-Bauten an der 
Schutter veranlasste Gemeinde- Umlage auch auf das Kernhaus der 
Universität erstreckt wissen wollte "''"). Eine eigenthümliche Veran- 
lassung eines Conflictes lag (1526) darin, dass bei einer Feuersbrunst 
der Regens des Georgianums die Thüre desselben nicht einmal dazu 
öflnete, dass aus dem dortigen Brunnen hätte Wasser geschöpft werden 
können, uud wenn auf die Beschwerde des Magistrates die Universität 
nach Antrag des Franz Burckhard ^f die Statuten hinwies (s. oben 
S. 6G u. 160) und sonach den Beg's in Schutz nahm, so war diess 
nicht einmal formell correct, denn seine Zöglinge hätte der Regens 
trotzdem im Hause zurückhalten können ''*^). Friedlich hingegen 
wurde eine andere Frage beigelegt, indem die Universität im Hin- 
blick auf den Bauernkrieg i. J. 1525 zugestand, dass auch die Buch- 
bindergesellen zum städtischen Wachtdienst an den Thoren und auf 
den Mauern beigezogen werden dürfen ^^^), 

Die schärfsten Differenzen aber bezogen sich wiederholt auf die 
Jurisdiction, worin die Universität schon zu Anfang d. J. 1522 ihre 
Rechte wahren musste'^"). Im October aber dieses Jahres wurden 
zwei adelige Canonici, welche einen Tischler gröblich misshandelt 
hatten, von den Bürgern in ihrer Wohnung förmlich belagert und 
zwei dienende Studenten (famuli) eines anderen Adeligen in das ma- 
gistratische Gefängniss geschleppt, worauf zwei Tage später (28. Oct.) 
zweihundert bewaffnete Bürger sich zusammenthaten und drohendst 
die Untersuchung der schuldigen Studenten forderten"^'). Nur mit 
Mühe konnten dieselben bewogen werden, wenigstens einen herzog- 
lichen Bescheid abzuwarten, durch welchen der Canzler Leonh. v. Eck 
nebst zwei anderen Commissären zur strengen Untersuchung des 
ganzen Handels bevollmächtigt wurde *^*). Am 5. Nov. versammelte 
sich das Consilium der Universität, beschloss die Verhaftung der an- 
geklagten Studenten, und übertrug die oberste Leitung des Frocesses 



IHO) Ebend. Nr. 4, 8. 102. 

137) Ebend. S. 258 u. Nr. 5, 8. 71. In der Staats-ßiblioth. Cod. Bar. 2209 
finden sich die 8teuer-Acten der Univcrsit&t und ihrer Angehörigen t. J. 1520 
bis 1555. 

138) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 225 u. Nr. 5, 8. G8. 

139) Ebend. Nr. 4, 8. 198 u. Nr. 5, S. G7. 

140) Ebend. Nr. 5, 8. 17. 
111) Ebend. 8. 18 ff. 

142) S. Bd. II, ürk. Nr. 47. 
Prantl, Qeichlcbte dor Unlreriitat Manehtn I. ^2 



178 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1650). 

dem Franz Burckhard, welchem Appel, Rosa, Fninner und Schwebel- 
mair beigegeben wurden; da die adeligen Studenten ihrerseits baten, 
dass Prof. Burckhard sie vertreten möge, fand der Senat eine offi- 
cielle Vertretung der Studenten für unpassend, beschloss aber am fol- 
genden Tage, dass Burckhard die drei hauptsächlichen Beschwerde- 
punkte der Universität formuliren solle; der erste derselben gieng 
dahin, dass das Privilegium der Stadt, woruach ein Bürger wegen 
tödtlicher Verletzung eines Studenten erst dann, wenn letzterer ge- 
storben ist, verhaftet werden dasL in entsprechender Weise auch für 
die Universität Geltung haben sotIc ; der zweite betraf die Verrückung 
der Gränzen der Jurisdiction und enthielt das Verlangen, dass jede 
der beiden Behörden völlig unabhängig von der anderen die Verhand- 
lung und Aburtheilung der Vergehen ihrer Untergebenen durchführen 
solle, und der dritte zielte darauf ab, dass der Stadtrichter und der 
Bürgermeister nebst den zwei Senioren des Magistrates eidlich auf 
die Bewahrung der Privilegien der Universität verdichtet werden 
sollen. Der hierauf bezügliche Entwurf Burckhard's wurde am fol- 
genden Tage in allen Theilen vom Senat gebilligt, in der Zusammen- 
kunft aber der Vertreter der Universität und des Magistrates antwor- 
teten die letzteren kalt und zurückhaltend, und nachdem zu einer 
zweiten wo möglich friedlichen Vereinbarung ein neuer Termin an 
anderem Orte festgestellt worden war, Hess sich bei dieser aberma- 
ligen Verhandlung der Magistrat nur auf den dritten Punkt beistim- 
mend ein. Für die auf den nächsten Tag anberaumte Conferenz der 
Universität und des Magistrates mit der herzoglichen Commission er- 
hielten die genannten Deputirten der Universität volle Vollmacht 
zur Verhandlung auf Grundlage der drei Punkte'^*). Da bei diesen 
Commissions-Berathungen die Universität für den Fall, dass ihre 
Rechte nicht geschützt werden könnten, um Verlegung an einen an- 
deren Ort bat und andrerseits der Magistrat erklärte, er habe die 
Jurisdiction der Universität nicht beeinträchtigen wollen und bekenne 
sich zu der Verpflichtung, die Privilegien derselben zu achten, so er- 
liessen die Herzoge Wilhelm und Ludwig (13. Dec. 1522) eine Ent- 
scheidung, welche zunächst im Allgemeinen jede Schmälerung der 
Freiheiten der Universität verbietet und dann folgende Bestimmungen 
enthält: Die Vereidigung des Magistrates auf Bewahrung der Uni- 
versitäts-Privilegien poll mit der jedesmaligen Erbhuldigung verbun- 
den werden; wenn ein Student einen Bürger tödtlich verletzt, soll 

143» S. B(l 11. Urk. Xr. 18. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518— lö-VO)/ 179 

der Thäter jedenfalls vom Rector bis znra Tode oder bis zur Gene- 
sung des Verletzten gefangen gehalten werden; wird der Student bei 
solchem Frevel von den Stadtknechten auf frischer That ertappt, so 
sollen allerdings diese ihn verhaften, aber nicht in das magistratische 
Gefängniss, sondern vor den Rector führen; entwischt hingegen der 
Thäter in irgend ein Haus, so darf der Magistrat dasselbe wohl um- 
zingeln lassen, muss aber dein Rector die Sache anzeigen, welcher 
von sich aus die Verhaftung des Studenten anzuordnen hat, und nur 
auf Anrufen des Rectors oder seines Vertreters darf die Stadtwache 
bei der Verhaftung mitwirken; wenn aber ein Bürger einen Studen- 
ten todtlich verletzt, hat der Magistrat die Gefangenhaltung des 
Thäters bis zum Tod oder bis zur Genesung des Verletzten zu be- 
sorgen "^^). Unter dem gleichen Datum bestätigten die Herzoge auch 
einen in Folge jener Conferenz zwischen Universität und Magistrat 
abgeschlossenen Vertrag, womach zunächst die von Herzog Albrecht 
erlassene Nachtwächter -Ordnung (s. oben S. 107) mit dem Beisatze 
erneuert wird, dass bei der Vereidigung derselben der Rector der 
Universität mitwirkt, fernei; den Bürgern gleichmässig wie den Stu- 
denten verboten wird, lange Schwerter zu tragen, und bei Raufhän- 
deln derjenige als der Schuldige bestraft werden soll, welcher zuerst 
„gezuckt*' hat, worüber entweder durch Zeugen oder durch Eid Kennt- 
niss erreicht werde '^^). Auch war während der Zeit, in welcher 
diese Verhandlungen gepflogen wurden, ein herzoglicher Entscheid an 
den Magistrat betreffs eines Studenten eingelaufen, welcher einen Bar- 
filsser-Mönch misshandelt hatte und durch Ingolstädter Bürger bei Hil- 
poltstein gefangen genommen und in das dortige Geföngniss gebracht 
worden war"^). 

Dennoch war durch das Eingreifen der Herzoge kein dauernder 
Friede geschaifen: denn noch Ende Dec. des nemlichen Jahres hatte 
die Universität darüber zu verhandeln, dass ein Diener eines Profes- 
sors in das städtische Gefängniss zur Haft gebracht wurde ^^^), und 
nachdem (1523) in einer Schuldklage durch den Stadtrichter auf die 
Fahrnisse einer Köchin des alten Collegiums Beschlag gelegt worden 
war und die Universität liierüber sich beschwerend an den Herzog 



144) Archiv, d. Univ. H, I, Nr. 20 und in Abschrift D, IH, Nr. 5, 8. 28 ff. ; 
gedruckt bei Med er er, Cod. dipl., S. 215 ff. 
14.',) S. Bd. 11, Urk. Nr. r>n. 
UV>) 8. Bd. II, ürk. Nr. 49. 
147) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 124. 

12* 



180 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 

gewendet hatte, blieb schliesslich der abgeforderte Üniyersitftts-Bericht 
am herzoglichen Hofe hängen**^). Ein anderer Protest der Univer- 
sität (1524) betreffs eines immatriculirten Caplanes, welcher wider- 
rechtlich zur Aburtheilung nach Mfinchen abgeführt worden war, fand 
nach längerem Hin- und Herschreiben schliesslich eine den Hechten 
der Universität günstige Entscheidung ^^^). Ende Mai 1524 wurde 
zwar der erwähnte Vertrag zwischen Universität und Magistrat auf 
Grund einer von Franz Burckhard geführten Verhandlung bereits 
wieder unter kleinen Modificationen erneuert, wornach es Studenten 
und Bürgern erlaubt sein soll, kleinere Schwerter zu tragen, beide 
aber auch der gleichen Bestrafung bei nächtlichen Excessen unter- 
liegen, und jede feindselige Behandlung der städtischen Nachtwächter 
strengstens verboten wird***^); aber es verblieb immerhin eine ge- 
wisse Gereiztheit der Bürger gegen die Studenten, welche durch die 
Hutmacher (1524) und dann wieder durch die Müller und Bäcker 
(1530) ihren handgreiflichen Ausdruck fand^'^'), und auch der Magi- 
strat nahm (1529) wieder eine unberechtigte Verhaftung vor und 
liess andrerseits einen Bürger, welcher einen Studenten verstümmelt 
hatte, aus dem Gefängnisse entschlüpfen^^*), so dass der Senat (Jan. 
1531) eine Hinweisung auf die bestehenden Verträge und auf die 
beiderseitige ungestörte Uebung der Jurisdiction beschloss^^'^). Auch 
gebot der Herzog (30. Mai 1548) dem Magistrate, die Grobheit abzu- 
stellen, mit welcher die Bürger den Professoren (zumal den aus Ita- 
lien berufenen) und den Studenten zuweilen zu begegnen lieben'^. 
Abermals überschritten i. J. 1549 die Nachtwächter bei Gelegenheit 
eines Raufhandels ihre Competenz derartig, dass auf die Beschwerde 
der Universität der Magistrat nicht umhin konnte, sämmtliche Nacht- 
wächter unter Weinen und Jammern ihrer Frauen des Dienstes zu 
entlassen '*'*). 



148) Ebend. Nr. 5, 8. 47 ff. n. 57, 

149) Ebend. S. 58 ff. 

150) 8. Bd. II, Urk. Nr. 59. 

151) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, 8. 201, 209, 301. 

152) Ebend. S. 271 ff. n. 28\), 

153) Ebend. S. 308. 

154) Ebend. 8. 449 a. 467 (eine lateinische üebenetzung des Erlasset 
8. 401); ein einiiohSrfendes Schreiben des Canzlers Leonh. t. Eck ebend. 8. 451 
u. 4G5. Vgl. auch unten Anm. 215. 

155) Ebend. S. 578 ff. u. Nr. 7, f. 176; eine hieraaf beiagliohe Wieder- 
holung der NachtwXrhter-Ordnnng ebend. Nr. 4, 8. 568 n. 675. 



m 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). Igl 

Während dieser Periode hatte die Universität einmal (Aug. 
1536) Gelegenheit, den Herzog Wilhelm bei seiner Anwesenheit in 
Ingolstadt officiell zu begrüssen, und sie beschloss, behufs der pro- 
pinatio dem Herzoge einen vergoldeten Becher zu weihen ^^®). Im 
folgenden Jahre trug der damals neunjährige Thronfolger Herzog 
Albert seinen Namen in das Matrikelbuch der Universität ein, und 
verblieb dort bis z. J. 1544*^^). Dieser herzogliche Prinz vertrat 
auch i. J. 1539 seinen Vater bei der feierlichen Grundsteinlegung 
der Befestigungswerke Ingolstadts, welche angelegt wurden, um im 
Falle der Noth gegen die Angriffe des Schmalkaldischen Bundes eine 
gesicherte Stellung zu besitzen'^). Für die Universität hatte die 
Festungs-Eigenschaft Ingolstadt^s die Folge, dass fortan ein militäri- 
scher Statthalter den massgebenden Behörden beigefügt war und 
blieb, welcher zuweilen für die Wünsche und Bedürfnisse einer Uni- 
versität nicht das erforderliche Verständniss mitbrachte; auch nahm 
alsbald i. J. 1546 erklärlicher Weise die Universität an den Leiden 
einer Belagerung und eines in die unmittelbare Nähe gerückten 
Krieges empfindlichen Antheil ^^^). Im Oct» 1518 kam Herzog Wil- 
helm abermals nach Ingolstadt, um dort, da in München die Pest 
sich verbreitete, den Winter zuzubringen, und die Universität verein- 
barte für diese Zeit der Anwesenheit des Landesherren mit der mi- 
litärischen und mit der bürgerlichen Behörde eine eigene Straford- 
nung betreffs Raufereien und ähnlicher Ruhestörungen^^). 

Was die Yermögens-Yerhältnisse der Universität betrifft, haben 
wir aus dieser Zeit die bestimmte Notiz, dass drei aus den höheren 
Facultäten gewählte Professoren und dazu als vierter der Regens 
des Georgianums die Verwaltung besorgten und assessores camerarii 
hiessen ^^'). Die Finanzen erfuhren manigfache Schädigung , und ab- 



156) Ebend. N. 7, f. 118. Der Beoher wurde in Nürnberg um 43 fl. gekauft 

157) Me derer, Annal. Bd. I, S. 159. 

158) Mederer, Gesch. d. Stadt Ingoist. S. 190 ff. Gerstner, Gesch. d. 
St. Ingoist. S. 164 ff. 

159) Mederer, a. a. 0. S. 199 ff. u. Gerstner a. a. 0. 8. 170 ff. Das 
hierauf bezügliche von MQnchner Künstlern angefertigte Gemälde, welches noch 
jetzt im Rathhause zu Ingolstadt aufbewahrt wird, kam schon oben, Cap. 10, 
Anm. 83, zur Erwähnung. 

160) Archiv d. Univ., D, III, Nr. 4, 8. 539 f. 

161) Ebend. Nr. 6, f. 5. Die artistische Facultät war sonach nur mittelbar 
durch das Georgianum vertreten. Die Quartale für das Rechnungswesen be- 
gannen am 1. Febr., 1. Mai, 1. Aug. und 1. Nov. (s. ebend. die erste unpagi- 
nirte Seite). 



182 Ze»**'. J| Cap. 13 (1518-1550). 

gesehen von der oben erwähnten Beisteuer einiger Pfarreien haben 
wir nicht erfreuliches in dieser Beziehung zu berichten. Einerseits 
wurden (Juni 1524) vom Herzoge aus den Einkünften der Univer- 
sität Hilfsgelder zum Bauernkrieg gefordert, welche der Senat nicht 
verweigern konnte '") ; und andererseits kamen in der Verwaltung 
selbst schlimme Dinge vor. Der religionseifrige Georg Hauer machte 
(1527 u. 1528) offenbar mit 200 fl., welche ihm die Artisten-Facul- 
tät geliehen hatte, eigenthümliche Manipulationen, in Folge deren er 
aus der Camera, d. h. dem Verwaltungsrathe, austreten musst«'^^); 
und der Universitäts-Kastner Frankmann, welcher schon i. J. 1529 für ein 
Deficit von 185 fl. haftbar gemacht wurde, hatte Oberhaupt dermassen 
gewirthschaftet , das er, wie man i. J. 1531 entdeckte, im Laufe 
von 10 Jahren das Vermögen der Universität um 1021 fl. beein- 
trächtigte; durch Gnade des Herzoges wurde der eingeleitete Process 
dahin geschlichtet, dass Frankmann in sechs Jahresraten 600 fl. ab- 
tragen sollte, womach die artistische Facultät, deren Forderung 200 fl. 
betrug, sich gleichfalls einen Abzug von 40 Procent gefallen lassen 
musste'®^). Ja es hatte bisher sogar an einem ordentlichen Salbuche 
gefehlt , mit dessen Herstellung man in der That auf einen eigenen 
Befehl des Herzoges wartete "*'^). Gegen Ansprüche, welche (i. J. 
i536) der Pfalzgraf von Neuburg auf beträchtliche Subsidiengelder 
aus den in Neuburgischem Gebiete liegenden Besitzungen der Uni- 
versität erhob, wahrte allerdings der Senat durch Absendung einer 
Deputation die verbriefte Immunität *®®), aber als i. J. 1542 der 
Herzog ein allgemeines st^sidium caritativum zum Türkenkrieg aus- 
schrieb, beschloss die Universität ihre Betheiligung "*^j. 

Im J. 1548 hatte es den Anschein, als sollte den gesunkenen 
Geldmitteln der Hochschule in ergiebigster Weise aufgeholfen werden. 
Herzog Wilhelm nemlich hatte sich bittend an Papst Paul III ge- 
wendet, da in Folge des von Kaiser Karl gegen die Ketzer geführten 
Krieges viele Dörfer verbrannt und Besitzungen zerstört seien, so 
dass von dort für die Universität keine Einkünfte fliessen und in 
Folge hievon die herzogliche Cassa die Last der Besoldungen zu 

162) Ebend. Nr. 4 8. IDi» f. 
1(53) Ebend. Nr. «, f. 20 u. 2'6 v. 

164) Ebend. f. 26 u. 8. 4J} ff. (von f. 42 an ist dieser Band nicht foliirt. 
eondern paginirt). 

165) Ebend. 8. 62. 

166) Ebend. Nr. 7, f. üb. 

167) Ebend. f. 147 f. 




Zeitr. I, Cap. 13 (1518— 15Ö0). 183 

tragen habe und hiedurch in Abnahme gerathe; der Papst durch 
dieses (gut benützte) Unglück der Universität und des Herzoges 
gerührt bewilligte durch eine Bulle v. 24. Oct. 1548, dass vom 
gesammten bayerischen Klerus, — mit Ausnahme der Kathedral- 
oder Metropolitan-Kirchen , der Johanniter und der Bettelorden — , 
zu Gunsten der Universität auf die drei nächstfolgenden Jahre ein 
voller Zehent aller Einkünfte (mit Ausnahme der täglichen Distri- 
butionen) erhoben werde, und der Bischof Moriz von Eichstädt wurde 
zum Eiecutor der Bulle ernannt ^^^). Die Universität aber gieng im 
Verlaufe der Sache leer aus, indem der Ertrag dieses Zehentes eine 
andere Verwendung fand*^^). Mit grossem Eifer zwar wurde im 
März 1549 das Geschäft in Angriff genommen, indem auf Wunsch 
des herzoglichen Secretares und des Ingolstädter Statthalters das Gon- 
silium der Universität zusammenberufen wurde, welches nach Ver- 
lesung der päpstliclien Bulle beschloss, durch Absendung einer Depu- 
tation den Bischof von Eichstädt zur schleunigen Verkündigung der 
Bulle zu veranlassen ; der Bischof kam diesem Wunsche bereitwilligst 
entgegen und schrieb die Bezahlung der ersten der drei Katen des 
Zehentes auf den 1. Nov. aus, worüber • in seiner Canzlei auch die 
vierfache Abschrift an die vier bayerischen Rentämter ohne Erhebung 
einer Canzleigebür (nur die vier Schreiber, welchen der herzogliche 
Secretär dictirte, wurden von der Universität bezahlt) besorgt wurde, 
während man zugleich Fürsorge traf, dass zur Zeit der Einhebung 
des Zehentes an jedem ßentamte ein vom Bischöfe und vom Herzoge 
ernannter Delegirter eintreffe ^"^). Diese vier Delegirten, welche die 
Aebte von Scheyem, Priefling, Aldersbach und Kanshofen waren, \er- 
öffentlichten auch ihrerseits ein Ausschreiben"'*), und das schliess- 
liche Resultat dieser Besteuerung des Klerus war, dass in der That 
22000 fl. einliefen und 4000 fl. als noch ausständig aufgeführt wer- 
den konnten*'-). Schon zu Anfang aber des J. 1550, während eine 
weniger kostspielige Einhebung der zweiten und dritten Jahres-Rate 

1« ö) Me (lerer, Cod. dipl. 8.271—275 (ul3 Be»tandtheil eines späteren 
Ausschreibens des Eichstädter Bischofe:j). 

109) Mit Recht sagte schon Oefole (Scriptt. Bd. I, 8.152), die Universität 
sei überhaupt nur Vorwand der Steuer gewesen ; auch die uns zu Gebot stehen- 
den Urkunden bezeugen ein Verfahren, welches keines Commentaros bedarf. 

170) S. Bd. II, Urk. Nr. (M. 

171) Ein Druck- Exemplar desselben im Archiv d. Univ. D, III, Nr. 4, 8.569. 

172) Ebend. S. ()21; ein Verzeichniss von 38 bezahlenden and 6 rückstän- 
digen Prälaten ebend. 8. 019. 



184 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 

des Zehentes in Aussicht genommen wurde, erhob sich einerseits 
eine Opposition der Bischöfe von Freising, Regensburg, Passau und 
Salzburg gegen die Steuer überhaupt, und andrerseits wurden inner- 
halb der damals in München versammelten Landstände gar drastische 
Stimmen laut, welche es deutlichst aussprachen, dass das Rinnsal 
jener Summe nicht nach Ingolstadt fliesse, sondern nach München 
abgeleitet werde; und baldigst wurde diess durch die Thatsaohen 
bestätigt, denn am 29. Jan. lief von der Landschaft das Verlangen 
ein, dass von der Priester-Steuer, welche auf 100000 gebracht werden 
müsse, vorläufig 22000 fl. den Landständen auf ein Jahr geliehen 
werden sollen, und da der Bischof von Eichstädt für diese Summe 
wenigstens eine verbriefte Schuldverschreibung oder persönliche Haf- 
tung der Landschafts-Yorstände forderte, wurde mit sophistischen 
Ausflüchten geantwortet; so wurden die der Universität gehörigen 
22000 fl. einfach nach München abgeführt "^^). Der Herzog sprach 
dem Bischöfe brieflich (1. Febr.) sein Missfallen darüber aus, dass 
die Abführung der Summe überhaupt beanstandet wurde, denn er 
habe nicht daran gedacht, dieselbe der Universität zu entziehen, son- 
dern die Landschaft habe nur etliche Tausend Gulden , welche sie 
ihm schuldig gewesen, zurückbezahlen wollen; übrigens verpflichte 
er sich „zu mehrerm Ueberfluss^' hiemit, dass die Landschaft, so- 
bald die gewöhnlichen Steuern flüssig geworden, jene Summe noch 
vor Ablauf des Jahres wieder erlegen werde; der Bischof äusserte 
im Privatgespräch, er glaube den herzoglichen Unwillen auf seine 
Schultern nehmen zu können, und befahl seinem Rentmeister, der 
Universität über das Schreiben des Herzoges Mittheilung zu machen '^**). 
Rector und Senat sprachen (12. Febr.) dem Bischöfe ihren wärmsten 
Dank für die treue Fürsorge aus, mit welcher er das Wohl der Uni- 
versität zu schützen beabsichtigte, und knüpften an die Bitte um 
Fortdauer dieser schirmenden Gesinnung auch das Gesuch, den Uni- 
versitäts-Pfleger Haslinger zu beauftragen, dass derselbe 1500 fl., 
welche er als Rest der Priestersteuer noch in Händen habe, zum 
Nothbedarf der Universität zurückbehalte'^"^), worauf der Bischof 
dem genannten Pfleger gestattete, der Universität 1000 fl. als Dar- 
lehen zu geben *^*). 



173) S. Bd. II, Urk. Nr. 65 Ich bitte, dort^elbst auch die perfiden Fftlech- 
ungen zu beachten, welche eine spätere Hand im Univeräitüts-Protokolle Tornahm. 

174) 8. Bd. II, Urk. Kr. 66. 

175) S. Bd. II, Urk. Nr. 67. 

176) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. üjO u. 652; nach einer Noti« ebend. 



m 



Zeitr. I, Oap. 13 (1518--1550). 185 

Die Einhebung der zweiten Jahres-Bate, welche gemäss der 
papstlichen Bulle l J. 1550 hätte geschehen sollen, unterblieb vorerst, 
da in diesem Jahre sowohl Herzog Wilhelm als auch Papst Faul III 
starb. Unter den beiderseitigen Nachfolgern aber wurde die Sache 
wiederaufgenommen. Papst Julius III schrieb (5. Febr. 1551) an 
Herzog Albrecht V., es sei allerdings eine Unterstützung der durch 
Unglück herabgekommenen Universität verlangt worden, wobei auch 
eine Verstärkung des katholischen Klerus in Aussicht gewesen, aber 
es seien Beschwerden der Geistlichkeit an die Curie gelangt, dass 
die grosse Summe der ersten Zehent-Einzahlung noch keinerlei Zeichen 
einer Hebung der Universität zur Folge gehabt habe; demnach 
müsse sofort eine aufrichtige Erfüllung der eingegangenen Verpflich- 
tung gefordert werden, wenn überhaupt die zweite und dritte Ein- 
zahlung geleistet werden solle'''); und ganz in gleichem Sinne lautete 
das päpstliche Schreiben (12. Juni) an Bischof Moriz von Eichstädt 
dahin, dass, so lange die erste Zahlung noch nicht zum Nutzen der 
Universität verwendet sei, vorerst dieser Verpflichtung nachzukommen 
sei und erst hernacli, wo nöthig, die weitere Einhebung ausgeschrieben 
werden solle''®). Herzog Albrecht verschrieb nun allerdings auf das 
Kastenamt zu Ingolstadt för die Universität einen jährlichen Zins von 
1100 fl. (d. h. die 5procentige Kente der 22,000 fl.), aber als im 
Juli der Senat sich beim Kastner über diese Zahlung vergewissem 
wollte, erklärte letzterer rundweg die Unmöglichkeit einer solchen 
Leistung, worüber er auch den Herzog selbst bereits unterrichtet 
habe *"). Der Bischof von Eichstädt aber, welcher hiebei den Willen 
für das Werk genommen und trotz allem noch für das Wohl der 
Universität gehofft zu haben scheint, schrieb am 19. Oct. unter den 
üblichen Formeln und mit Einfügung der bisher eiwrähnten drei 
päpstlichen Kundgebungen die zweite Zehent-Einzahlung aus*^), wo- 
für die Subdelegirten den 20. und 21. Febr. 1552 als Termin fest- 
setzten *"**). Bei dieser zweiten Steuer wurden gleichfalls die Kathedral- 
Kirchen nicht beigezogen, aber auch die Perception war diesmal kost- 



S. 679 wurden ll6o fl. alj Rest der ersten Zehent-Einnahme im Universitftts- 
Archive deponirt. 

177) Reichä-Archiv, Ingoist. Univ. Fase. 2; gedruckt bei Mederer, Cod. 
dipl. S. 277 f. (als Bestandtheil des biscliöflichen Ausschreibens). 

178) Ebend., S. 277 (ebenso). 

179) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 627. 
160) Mederer, a. a. O., S. 270—282. 
Ibl) Archiv d. Univ. D, HI, Nr. 4, S. 689. 



186 Zeitr. I, Cap. 13 (1518--1550). 

spieliger, als bei der ersten'®*). Trotzdem aber fanden die Land- 
schafts-Bäthe abermals einen Ertrag von 25000 fl., welchen sie, da 
der Bischof nunmehr die ganze Sache von sich abschüttelte, mit Ein- 
willigung des Senates als unverzinsliches Darlehen gegen Schuld- 
verschreibung wieder nach München abführen konnten *^^). Dass eine 
Bückzahlung diei^er Summe ebensowenig als bei obigen 22000 fl. 
stattfand, versteht sich von selbst; die dritte Zehent-Einhebung aber 
wurde überhaupt nicht mehr in's Werk gesetzt. So geschah es, dass 
wie wir sagten, die Universität leer ausgieng (einen späteren theil* 
weisen Ersatz s. Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 259). 

Lenken wir von der Betrachtung der allgemeinen Angelegen- 
heiten unseren Blick auf die einzelnen Zweige der Universität, so 
war in der theologischen Facultät zweifellos der hervorragendste 
Mann Joh. Eck, welcher schon in der vorhergehenden Periode seine 
einflussreiche Wirksamkeit begonnen hatte (s. ob. S. 114 f.) und auch 
seit dem Eintritte der lutherischen Bewegung neben all seinen Beisen 
Disputationen u. dgl. und vielfachen ketzerrichterlichen Bemühungen, 
wovon schon oben (S. 145 tf.) die Rede war, bis zu seinem Tode (1543) 
hinreichende Arbeitskraft besass, um eine staunenswerthe litterarische 
Thätigkeit zu entwickeln, deren Erzeugnisse allerdings in überwie- 
gender Mehrzahl gelegentlich durch die zahlreichen dogmatischen 
Streitigkeiten hervorgerufen war und den damals üblichen kleineren 
Umfang polemischer Schriften nicht überschritten, aber jedenfalls die 
wissenschaftliche Schlagfertigkeit, zuweilen wohl auch Schnellfertig- 
keit des Verfassers bezeugten ; abgesehen von der reichen Zahl solcher 
Streitschriften darf wohl auf seine hebräischen Studien hingewiesen 
werden, welche er erst in reiferen Jahren (unter Böschenstein^s und 
Reuchlin's Lejtung) begann, um seine Gegner auch von linguistischen 
Gesichtspunkten aus und durch gut begründete Exegese bekämpfen 
zu können, sowie auch seine Ausgabe und Erklärung des Pseudo- 
dionysius Areopagiticus , sein weit verbreitetes Enchiridion locorum 
communium adnrsus LHth€rano,s, und seine deutsche (freilich unbe- 
holfene) Uebersetzung der Vulgata einer besonderen Erwähnung werth 
sein dürften. Auch wer den dogmatischen Standpunkt Eck's nicht 
theilt und an desselben Streitsucht, Herrschsucht oder auch wohl- 
beglaubigte Trunksucht denkt, wird ihn immerhin als einen sehr 
bedeutenden Vertreter der katholischen Litteratur und als einen äus- 



l^J) EbiMul. s. r,si>. 

163) 8. Bd. II, Urk. Nr. H>. 



*.' 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 187 

seist anregenden Lehrer bezeichnen müssen, welcher im Vergleiche 
mit einer öfters fühlbaren Versumpfung der theologischen Facultät 
als eine erfreuliche Erscheinung gelten darf '^'*). Neben Eck wirkte 
seit 1519 Leonh. Marstaller, welcher an Ramelspach's Stelle 
trat (s. oben S. 114) und bis zu seinem Tode (1546) als glaubens- 
eifriges Mitglied nicht ohne einige litterarische Thätigkeit der Fa- 
cultät angehörte*^*); sodann seit 1522 Nicolaus Appel oder 
A pell es, welcher im Lehreifer allmälig nachgelassen zu haben 
scheint und i. J. 1532 als Prediger nach Mosburg gieng '^*). Beiden 
sind wir bei obigem Berichte über die Ingolstädtische Bekämpfung 
der Beformation wiederholt begegnet. Da der Regens des Geor- 
gianums Job. Schröttinger, welcher i. J. 1525 von der Artisten- 
Facultät zur theologischen übergegangen war, die Universität i. J. 
1536 wieder verliess '^^) , war nach Eck's Tod Marstaller der einzige 
Professor der Theologie, bis i. J. 1544 der viesuit Claudius Jajus 
(s. Zeitr. IT, Cap. 1, Anm. 2) vorerst wenigstens eine vorübergehende 
Aushilfe leistete. Nach Marstaller's Tod aber war die Facultät voll- 
ständig verwaist, und erst i. J. 1548 trat Balthasar Fannemann 
aus Meissen als einziger Professor ein, gieng aber schon i. J. 1550 
als Suffragan nach Mainz ab*^). Die i. J. 1548 begonnenen Unter- 
handlungen mit Lojola waren noch im Gang; ihren Erfolg s. unten 
Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 3 ff. 

In der juristischen Facultät finden wir neben hervorragen- 
deren Persönlichkeiten einen raschen und häufigen Wechsel mehrerer 
Lehrer, von welchen wir meistens nur die Namen berichten können; 
besonders ist dies beim Lehrstuhle der Institutionen der Fall, was 
sich dadurch erklärt, dass dieser Gegenstand stets der erste Lehr- 
Versuch eines jeden juristischen Docenten war, und sonach Manche, 
welche entweder diese Probe nicht bestanden oder in der unterge- 
ordneten Stellung eines Institutionisten sich nicht befriedigt fühlten, 
in Bälde wieder austraten. Im Febr. 1518 wurde der humanistisch 
gebildete Georg Spiess oder Cuspinius oder von seinem Geburts- 
orte Weiden (in der Oberpfalz) Salicetus oder auch Bohemus 
genannt, welcher eine der sechs Präbenden des alten CoUegiums ge- 



IHl) S. liil. il, Biogr. Nr. IJ. 
l^>r>j S. Bd. II, Biogr. Nr. ->l. 
18.i) S. Bd. II, Biogr. Kr. 2J. 
le7) S. Bd. II, Biogr. Nr. jr,. 
IS^) S. Mederer, Ann. Bd. I, S. 2V3 f. 



188 Zeitr. I, Gap. 13 (1518-1550). 

noss und auch Mitglied der gelehrten Gesellschaft Aventin's war, als 
Institutionist ernannt i^^); es scheint jedoch derselbe nicht über d. J. 

1522 der Universität angehört zu haben ^^), sondern schon um solche 
Zeit sich seiner späteren staatlichen Thätigkeit zugewendet zu haben. 
Gleichzeitig mit Spies wurde Georg Hauer als Ganonist angestellt, 
welcher bis zu seinem Tode (1536) als Lehrer wirkte und zugleich, wie 
wir oben sahen, eine ausserordentliche Bührigkeit in allen anti-lutheri- 
schen Angelegenheiten entwickelte '^'). Im Juli desselben Jahres 1518 
trat der schon oben (S. 119) erwähnte Conrad Schwabach aisnach- 
mittägiger Civilist mit einer Besoldung von 60 fl. ein, schied aber im 
April 1519 bereits wieder aus'^'); an seine Stelle kam Hieronymus 
Meiting aus Augsburg ^^^). Franz Burckhard, welcher schon 
in der vorigen Periode zu dociren begonnen hatte (s. oben S. 119 f.), 
wurde im Juli 1519 zum civilistischen Ordinarius mit 60 fl. er- 
nannt ^^^) und rückte nach Hauer's Tod in die canonistische Professur 
vor, welche er bis zu seinem Tode (1539) vertrat; dass sein Beli- 
gions-Eifer in boshaften Fanatismus ausartete, ist aus Obigem (S. 160) 
ersichtlich; einer litterarischen Thätigkeit aber, wegen deren er bei 
protestantischen Geschichtschreibem heftig getadelt wurde, hat er sich 
nicht schuldig gemacht '^^). I. J. 1522 finden wir Oswald Hay- 
d eure ich aus Eisenarzt in Steiermark als civilistischen Ordinarius 
mit 150 fl. Besoldung, und neben ihm als Institutionisten einen Au- 
gustinus ßosa mit 32 fl. , sowie für die gleiche Vorlesung i. J. 

1523 Christoph Tengler mit 40 fl. und ausserdem Matthäus 
Luchs *»«J. 

Angeregt durch die i. J. 1522 vorgenommene Verbesserung der all- 
gemeinen Universitäts-Statuten (s. oben S. 165) traten Hauer, Burck- 
hard, Haydenreich und Aug. Bosa zusammen, um die älteren 
Statuten der juristischen Facultät einer zeitgemässen Bevision zu 
unterziehen und hiedurch das erschlaffende Studium der Jurisprudenz 
wieder zu heben; am 15. Jan. 1523 vereinigten sie sich zu einem 



189) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, 8. 23 u. E, I, Nr. 1, f. 24. 

190) 8. Bd. II, Biügr. Nr. 24. 

191) S. Bd. I[, Biogr. Nr. 25. 

192) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 1, f. 25. 

193) Ebend. D, III, Nr. 4, S. 47. 

194) Ebend. S. 40. 

195) S. Bd. II, Biogr. Nr. 26. 

196) Arob. d. Uni?., D, III, Nr. 4, 8. 87, 100, 163; Mederer, Annal. 
Bd. I, S. 114 (die Angaben des Letzteren Bind auoh hier wieder ftiuierit 
laokenbAft). 



._ .»I 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518-1550). 189 

Statuten-Entwnrfe, welcher nach nahezu zwei Jahren, nemlich 
Mitte Dec. 1524, vom Herzoge genehmigt wurde. Der wesentliche 
Inhalt ist (in etwas geänderter Anordnung) folgender'®'): Das Con- 
silium der Facultät besteht aus allen in ihr wirklich öffentlich lesen- 
den Doctoren; diese versprechen bei ihrer Aufnahme eidlich Gehor- 
sam und friedliches Betragen gegen das CoUegium, Beobachtung der 
Statuten und Wahrung des Amts -Geheimnisses; dem Range nach 
die erste Stelle hat der jeweilige Decan, zunächst nach ihm folgt der 
frfihlesende (matutiuus) Canonist, dann der frühlesende Legist, hier- 
auf die nachmittägigen Professoren ; werden vom Landesherren ausser- 
ordentliche Professoren aufgenommen, so ist ihre Rangordnung durch 
das Dienstalter bestimmt; diejenigen aber, welche etwa als zweite 
Ordinarii vom Landesherren bestellt werden '®®), haben ihren Rang 
nach dem frühlesenden Doctor ihres Faches. Die Wahl des Decanes 
findet unter eigener Eidesleistung der Wählenden jedesmal am dritten 
Tage nach der Rectors-Wahl statt ; bei Stimmengleichheit hat der ab- 
tretende Decan Stichentscheid; entsteht aber die Stimmengleichheit 
durch den Zutritt des abtretenden Decanes, so ist neu zu wählen; 
letzterer selbst kann nur durch Einstimmigkeit aller Wähler wieder 
Decan werden; der gewählte leistet seinen Eid in die Hände des 
abtretenden. Der Decan bat in seinem Verwahr das grössere und 
das kleinere Facnltätssigel, das Scepter, und die arca, zu welcher der 
Senior der Facultät den zweiten Schlüssel besitzt, sowie auch die 
Facultäts-Matrikel und jenes Buch, in welches die Promotionen und 
die im Lehrkörper eintretenden Veränderungen eingetragen werden, 
und ausserdem das Buch, in welchem die Rechts - Entscheidungen 
(consilia) der Facultät niedergesclirieben werden. Ihm sind alle Fa- 
cultäts - Mitglieder als solche unterworfen, und er verwaltet unter 
Einvernahme des Collegiums die Facultäts-Cassa , über deren Stand 
er bei seinem Austritte vor versammelter Facultät Rechnung zu stel- 
len hat. Der Decan des Sommer-Semesters muss sofort nach seinem 
Amtsantritte mit den Doctoren die Vorlesungen für das beginnende 
und das folgende Semester vereinbaren und das Resultat dieser Be- 
sprechung den Studirenden unter Assistenz des Notars nach voraus- 
geschickter Ermahnungsrede . verkünden, woran sich zugleich die Ver- 



197) Das Original dieger juristischen Statuten im Arch. d. üniT. B, I, Kr. 
24, gedruckt bei Mederer, Cod. dipl. S. 237 ff. 

198) Die An^dracko liiefür sind ,^concurrentia'* und ^^concurrentes" (Mcderer, 
a. a. 0. S. 244). 



190 Zeitr. I, Cflp. 13 (1518-1550). 

lesüng der Statuten reiht. Am Tage des heiligen Ivo als des Fa- 
cultäts-Patrones (19. Mai) ordnet der Decan einen feierlichen Got- 
tesdienst in der Frauenkirche an, wobei neben dem Pfarrer noch 
zehn Geistliche Messe lesen (je um Vs ^i ^^^ Organist und der Pe- 
dell bekommen je G kr. und der Kirchendiener 3 kr.). Als Emo- 
lumente bezieht der Decan von jedem Promotions-Zeugnisse Vt &• Sigel- 
geld (ebensoviel der Notar) und von jedem in die Facultäts-Matrikel 
inscribirten 3 kr. (ebensoviel die Facultäts-Cassa). Ist der Decan 
genöthigt, zu verreisen, so fahrt der vorhergehende Decan die Ge- 
schäfte; nur jedoch wenn die Abwesenheit länger als 14 Tage dauert, 
muss eine förmliche Uebergabe der Sigel u. dgl. erfolgen. 

Betreffs der Lehrpflicht der Facultäts-Mitglieder ist angeordnet: 
Die frühlesenden Doctoren erklären ihre Texte ausführlicher, indem 
sie die verschiedenen Meinungen der classischen Juristen und das von 
den Glossatoren vorgebracht« prüfen, hingegen die nachmittägigen 
fassen die Erklärung kürzer {compendiosius): der Institutionist muss 
in jedem Semester Ein Buch erledigen, indem er die Schwierigkeiten 
der Glosse u. dgl. dem Privat-Studium oder den höheren Vorlesungen 
nberlässt. Dictiren ist verboten (früher war es erlaubt), da nunmehr 
die Zuhörer die Texte mitbringen müssen. Nach jeder Stunde muss 
der Lehrer Fragen oder Einwendungen der Studenten entgegennehmen, 
mit Milde beantworten und etwa schwierigere Puncte der nächsten 
Stunde vorbehalten ; auch wenn Zuhörer einen Docenten in seiner 
Wohnung besuchen, um ihm Zweifel vorzutragen, muss er in Güte 
ihnen möglichst Belehrung ertheilen. Der Decan besucht in jedem 
Monate einmal sämmtliche Vorlesungen und trifft hiemach die ihm 
gut dünkenden Anordnungen. Am Donnerstage wird nicht gelesen; 
in der Fastenzeit tritt der Freitag an seine Stelle ; jedes Versäumniss 
eines Lese-Tages unterliegt einer von der Facultät wiUkürlich ver- 
hängten Geldstrafe ; alle legalen Ferien werden durch den Pedell an- 
gesagt. Die frühlesenden Professoren müssen jährlich wenigstens Ein 
Mal eine öffentliche Disputation halten, bei welcher vor Allem die 
jüngeren Zuhörer zu activer Theilnahme beizuziehen sind und alles 
weibische Gezänk unterbleiben muss; den nachmittägigen Docenten 
steht es frei, Disputationen zu veranstalten. Verboten ist es, die 
Vorlesungen eines Collegen vor den Studenten herabzusetzen oder Zu- 
hörer durch irgend Praktiken an sich zu locken. In den ersten Stun- 
den nach den Ferien halten sämmtliche Docenten ihre Vorlesungen 
in Amtskleidung {cappis rnheis). Laufen Gesuche um Kechts-Gut- 
achten ein, so hat der Decan dieselben stets an die ganze Facultät 



Zeitr. r, Cnp. 18 (1518—1550). 191 

ZU bringen; das ausbedungene Honorar gehört zur Hälfte demjenigen, 
welcher das Gutachten ausarbeitet, die andere Hälfte wird unter die 
Facultäts-Mitglieder vertheilt; den ersten Anspruch, mit dem Gut- 
achten beauftragt zu werden, hat der Senior, u. s. f. nach dem Dienst- 
alter im Turnus, Abtreten an den nächstfolgenden ist gestattet. 

Als Student der juristischen Facultät gilt nur, wer in die Facul- 
täts-Matrikel eingetragen ist; die Inscriptions-Gebür beträgt 6 kr., 
und der Pedell bekömmt von jedem alle Quartale 8 Denare. Wer 
unter 17 Jahren ist, muss einen Präceptor als Führer haben, bei 
welchem er wohnt; Arme kann der Decan hievon dispensiren: auch 
wer Ober 17 Jahre ist, bedarf, wenn er für sich wohnen will, einer 
Erlaubniss des Bectors. Studenten, welche. der strengeren Zucht der 
artistischen Facultät und dem dortigen Wohnungs-Zwange sich eigen- 
mächtig entzogen haben, dürfen in die juristische Facultät nicht auf- 
ü:enommen werden. Selbstverständliclier Weise wird Gehorsam und 
Flhrerbietung gegen Decan und Facultät geboten; als fleissig gilt 
derjenige Student, welcher in zwei aufeinander folgenden Monaten 
wöchentlich wenigstens vier Vorlesungen bei jedem seiner Professoren 
gehört hat; eine Lehrstunde, in welcher der Student seinen Text 
nicht mitbringt, wird ihm nicht gezählt. In jedem Semester Ein 
Mal tritt die Facultät zusammen, um betreffs der Zeugniss-Ertheilung 
sich über den Fleiss aller einzelnen Studirenden zu besprechen. 

lieber die f^rwerbung der verschiedenen akademischen Grade, 
worin immerhin der abschliessende Zweck des Studiums lag. werden 
folgende Bestimmungen gegeben: Wer baccalaureus iuris werden 
will, muss zwei Jahre hindurch juristische Vorlesungen und jedenfalls 
während dieser ganzen Zeit Institutionen gehört haben; auf seine 
persönliche Anmeldung beim Decane wird er ohne vorhergehendes 
Tentamen sogleich zum Examen zugelassen, bei welchem er Einen 
ihm vorgelegten Paragraphen der Institutionen erklären und die be- 
treifenden Fragen der Doctoren beantworten muss; genügt er hiebei, 
so wird er vom Decane durch Aufsetzung eines schwarzen Baretes 
zum Baccalaureus creirt. Gebilren-Taxe ist für das Baccalaureat in 
Einem der beiden Rechte i) W , in beiden Kechten 8 fl., dazu jeden- 
falls einige Becher Wein, und für den Pedell V2 ^' ' ^^^ ^^^^ artisti- 
schen Magister-Grad besitzt, bezahlt um fl. weniger; dafür hin- 
widerum haben die juristischen Baccalaureen bei Feierlichkeiten den 
Vortritt vor den nach ihnen promovirten Magistern. Ausser dem 
bereits erlangten Baccalaureat sind Vorbedingungen zu den höheren 
juristischen Graden, dass der Oandidat wenigstens Ein Mal in öifent- 



192 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1650). 

licher Disputation als respo)idens activ betheiligt war, dass er einen 
ihm vom Decan abertragenen Cursus an Vacanz-Tagen gelesen hat 
(wobei er nur die kleinere Eathedra betreten darf), und dass er, wenn 
er nur in Einem der beiden Rechte promoviren will, im Ganzen 5 
Jahre lang sowohl bei den frQhlesenden als auch bei den nachmit- 
tägigen Doctoren des betreffenden Faches gehört habe, wenn er hin- 
gegen in beiden Rechten zu promoviren gedenkt, im Ganzen 7 Jahre 
hindurch die Vorlesungen der frühlesenden Doctoren beider Fächer 
und wenigstens aus einem der beiden auch jene der nachmittägigen 
5 Jahre lang besucht habe. Wer nun auf solcher Grundlage licen- 
tiatus werden will, bittet, ohne jemandem Anderen hievon Mitthei- 
lung zu machen, den Decan um Zulassung zum Privat-Tentamen, 
welches aber nun nicht mehr, wie früher, einem einzelnen Facultäts- 
Mitgliede als sogenanntem Pater des Candidaten übertragen werden 
soll (denn dabei seien häufig unwürdige zugelassen worden und beim 
darauffolgenden Examen zuweilen der Pater in grössere Verlegenheit 
als der Candidat gerathen), sondern Sache der ganzen Facultät ist. 
Der Candidat leistet der Facultät vorerst einen Eid, dass er für eine 
etwa erfolgende Zurückweisung keinerlei Rache nehmen und bei den 
zum nachfolgenden Examen gehörenden Arbeiten sich keiner fremden 
Beihilfe bedienen werde; dann trägt er die ihm aufgegebenen puncta 
(sei es aus beiden Rechten oder aus dem einen derselben) vor, woran 
sich auch eine Discussion anschliessen kann, und hernach wird er 
von sämmtlichen Facultäts-Mitgliedern, und zwar zuerst vom jüngsten 
derselben und zuletzt vom Decane, strenge (rigorose) geprüft, nem- 
lich der Reihe nach von jedem Examinator aus einem anderen Buche 
(vom 1. angefangen) der Institutionen oder der Decretalen oder bei- 
der, je nachdem er in Einem Rechte oder in beiden promoviren will. 
Nachdem der Candidat hierauf abgetreten, stimmt die Facultät über 
seine Zulassung zum Examen ab ; für das Tentamen aber hat derselbe 
4 fl. zu erlegen, welche im Falle eines günstigen Erfolges von den 
Promotionsgebüren später abgezogen werden, und über das ganze 
Tentamen müssen die Facultäts-Mitglieder ebenso wie der Candidat 
völliges Stillschweigen bewahren. Zu dem in der Aula des alten 
Collegiums stattfindenden Examen holt der Candidat, begleitet von 
den juristischen Studenten, den Decan unter Vortragung des Scepters 
ab, und nachdem zwei vornehmere Studenten im Auftrage des De- 
canes den Vicecanzler um seine Mitwirkung gebeten, präsentirt dem 
letzteren das jüngste Facultäts-Mitglied den Candidaten, welcher dann 
abermals eidlich verspricht, die Einzelnheiten des Examens Niemandem 



Zeitr. I. Cap. 13 (1518—1650). 193 

mitzntheilen und im Falle einer Zurückweisung keinerlei Bache zu 
nehmen. Am folgenden Tage früh Morgens ist in der Frauenkirche 
eine Messe zur Anrufung des heiligen Geistes, worauf noch in der 
Kirche der Notar dem Candidaten die von der Facultftt vereinbarten 
puDcta des Examens sowohl vorliest als auch schriftlich in die Hand 
gibt; für denjenigen, welcher als licentiatus iuris civilis promoviren 
will, ist Ein Punct aus dem Codex und ein zweiter aus den sog. 
loci ordinarii der Digesten genommen; wer licentiatus iuris canonici 
zu werden wünscht, bekommt Einen Punct aus dem zweiten Buche 
der Decretalen und einen zweiten entweder aus den Clementinen oder 
aus den ersten vier sog. causae des Decretes ; wer licentiatus utriusque 
iuris werden will, bekommt Einen Punct aus dem zweiten Buche der 
Decretalen und einen anderen aus den loci ordinarii der Digesten. 
Zur Ausarbeitung dieser Aufgaben hat der Candidat Zeit bis 1 Uhr. 
Um diese Stunde versammeln sich unter Vortragung des Scepters 
Decan und gesammte Facultät in der mit Tapeten und (im Sommer) 
mit Blumen gezierten Aula des alten CoUegiums, und der Candi- 
dat hält über die ihm zugewiesenen Puncte einen mündlichen Vortrag, 
über welchen dann sämmtliche Facultäts - Mitglieder, vom jüngsten 
angefangen, eine Disputation eingehen; hierauf tritt der Candidat ab, 
es folgt die Abstimmung, deren Resultat dem Wiedereintretenden 
der Notar im Auftrage des Decanes verkündet; nach eingenommenen 
Erfrischungen begleitet der Candidat den Decan nach Hause ; die Art 
und Weise der formellen Ertheilung der Licentia bleibt dem Belieben 
des Vicecanzlers überlassen. Die Würde des Doctorates ist nach be- 
standener Licentiaten-Prüfung nur mehr eine äusserliche Formalität, 
welche gleichfalls im alten CoUegium vorgenommen wurde und zu 
welcher der Licentiat, wenn er wollte, sich aus der Facultät einen 
pater wählen durfte; nach Beendigung dieser Disputation zog man 
in die Frauenkirche, woselbst ein Te deum laudamus gesungen wurde 
und hierauf der neue Doctor an der Kirchenthüre die Gratulation 
der Theilnehmer empfieng. Abgesehen von Wein und Zucker, welche 
zur Erfrischung gereicht werden, kostet die Licentiaten - Würde in 
Einem der beiden Rechte 24 fl., in beiden 36 fl., wozu in jedem 
Falle noch 2 fl. für den Vicecanzler und 2 oder bezw. 4 fl. für den 
Pedell kommen; wird mit der licentia in Einem Acte zugleich auch 
die Doctorwürde genommen, so sind für Eines der beiden Rechte 30 fl., 
für beide 50 fl. zu bezahlen; wird ein sog. pater beigezogen, so be- 
kommt derselbe 2 fl. ; dem Pedell sind 4 oder bezw. 6 fl. zu ent- 
richten. Wer Magister der Artisten-Facultät ist, bezahlt in jedem 

Prftntl, Oeschiehte der UniTersit&t MQnchen I. 18 



194 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 

der Fälle um 6 fl. weniger ; folgt hingegen die Annahme der Doctor- 
wtlrde erst nach einer Zwischenzeit auf die Licentia, so sind den ge- 
nannten Doctor-Taxen noch weitere 12 oder bezw. 15 fl. beizufügen, 
wobei auch die Magister keine Vergflnstigung geniessen (vgl. Cap. 12, 
Anm. 60). — Endlich zum Schlüsse ^ird hinzugefügt, dass hiemit 
die älteren Statuten, soweit sie diesen gegenwärtigen widersprechen, 
ausdrücklich aufgehoben sein sollen und nur etwa frühere Bestim- 
mungen, welche hier nicht erwähnt sind, in Anwendung kommen 
dürfen, wenn die neueren nicht entgegenstehen. 

In der nächstfolgenden Zeit hatte sich die juristische Facultät 
mehrerer sehr hervorragender Lehrkräfte zu erfreuen, und es konnte 
daher nicht fehlen, dass allmälig diese Facultät der hauptsächliche 
Bestandtheil und gleichsam Mittelpunkt der Universität wurde, zu- 
mal als die Jesuiten die philosophische Facultät in Beschlag genom- 
men hatten. Nachdem (Jan. 1526) Georg Taffinger als Institu- 
tionist eingetreten war*^^), wurden i. J. 1529 zwei berühmte Juristen 
aus Italien gerufen, welche im Juli auf Befehl des Herzoges von 
der Universität durA ein festliches Mahl empfangen wurden und im 
October zn lesen begannen*^). Der eine derselben war Nicolaus 
Everhard der Aeltere mit dem Beinamen Frisius, welcher aller- 
dings i. J. 1535 (Aug.) an das Beichskammergericht nach Speier ab- 
gieng, aber von dort i. J. 1542 (Apr.) wieder zu seiner canonisti- 
schen Professur mit einer Besoldung von 300 fl. zurückkehrte*^*) und 
allgemein geachtet seine Lehrthätigkeit, mit welcher er auch einige 
schriftstellerische Leistungen verband, bis in sein hohes Alter (er 
starb 75 Jahre alt i. J. 1570) fortsetzte*^*). Der andere war Fa- 
bius Areas de Narnia Romanus, von welchem sicher feststeht, 
dass er i. J. 1536 (Apr.) in Folge einer gegen ihn erhobenen Vater- 



199) Arch. d. Univ., D, III, 'Nr. 4, S. 210. 

200) Ebend. S. 284 u. 289. Der Herzog ordnete an, dass auf Kosten der 
(JniTersitftt beim prandiam 6 catUhari Wein gespendet werden soHen, nemlich 
2 creticiy d. h. musccUeU^ 2 üalici und 2 de rheno. 

201) Ebend. S. 573 und Nr. 6, S. 7G und Nr. 7, f. 5 y. u. f. 147 t. Die 
Senats-Berathongen über die treffende Quote der Besoldung beim Abgange E?ar- 
hard^s und der Besohlnss (ebend. Nr. 6, 8. 79), dass beim Eintritte eines Pro- 
fessors die Besoldung nicht vom Datum des Decretes an, sondern roni wirklichen 
Beginne der Vorlesungen an ausbezahlt werde, bezeugen wiederholt, dass es 
sich stets um Anstellung „auf Dienstrertrag** handelte. 

2.)2) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 27. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 196 

schafts-Klage von Ingolstadt abgieng *^^) ; höchst wahrscheinlich aber 
ist, dass er sich an die Wiener Universität begab, und von dort 
i. J. 1540 wieder nach Ingolstadt zurückkehrte, womach es Ein und der 
nemliche Fabius Aröas (nicht einer de Namia und ein anderer Bo- 
manus) gewesen, welcher wiederholt das Bectorat führte u. i. J. 1547 
einem Rufe nach Coimbra folgte, wohin ihn eine von König Johann III 
von Portugal abgesandte Deputation (13. Juni) persönlich abholte*^*). 
Im Aug. 1530 wurde ein gewisser Baccopusch als Institutionist 
mit 30 ti. angestellt und Joh. Schwab beauftragt, in usibiis feu- 
dorum zu lesen*^^), und i. J. 1535 (Aug.) trat nach Everhard's Ab-- 
gang Mathias Alb er aus Brixen in die Facultät, welcher nach 
zwei Jahren als Caiizler nach Salzburg gieng*^^) ; auch von dem i. J. 
1536 als Institutionisten ernannten Onuphr. Berbinger wissen wir 
nur den Namen*"'). Aber im Juni 1537 wurde Wigulejus 
Hund als Institutionist aufgenommen*®^), welcher allerdings nicht 
lange Zeit an der Universität wirkte, indem er i. J. 1540 als her^ 
zoglicher Rath nach München berufen wurde, aber sowohl durch seine 
Lehrthätigkeit treffliches leistete, als auch durch seine späteren ge- 
schichtlichen Werke bleibenden Ruhm erlangte*"®). Fast zu gleicher 
Zeit wurde an Alber's Stelle ein Jurist ersten Ranges an dem Beichs- 
kammergerichts- Assessor Viglius ab Ayta Zwichem gewonnen, 
welcher Auf. Jan. 1538 in die Facultät eintrat und eine Besoldung 
von 300 fl. bezog-*"); derselbe war ein ebenso anregender Lehrer 
als gelehrter und scharfsinniger Schriftsteller und erwarb sich auch 
das Verdienst, im Senate wiederholt darauf zu dringen, dass drei 
bis vier der möglichst besten Vertreter der Rhetorik und Poesie 
gedungen werden sollen (vgl. unten Anm. 280 ff.), und dass auch 
die bisher ungenügenden Besoldungen der Institutionisten dringend 



203) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 7, f. 122 v. u. 124. 

204) S. Bd. II, Biogr. Nr. 28. 

205) Arcb. d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 209. Baccopusch dürfte vielleicht 
jener Barbaschius sein, welchen Wigulejus Hund unter seinen Ingolstftdter ju- 
ristischen Lehrern nennt (F in au er, Bibliotli. z. Gebr. d. baier. Staat<i- u. Gel. 
Gesch., Bd. I, S. 203). Betreffs der Vorlesung „in usihus feudorum^* vgl. Zeitr. 
II, Cap. 1, Anm. 310. 

206) Archiv d. Univ., D, III, Nr. G, S. 77. 

207) Mederer, Ann., Bd. I, S. 15G. 

208) Archiv d. Univ., D, III, Nr. fi, S. 92 u. Nr. 7 f. 116. 

209) S. Bd. II, Biogr. Nr. 20. 

210) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 7, f. 120 v. 

* 13* 



* 
196 Zeitr. T, Cap. 13 (1518—1550). 

einer Aufbesserung bedürfen '^^); i. J. 1542 trat er in Niederlän- 
dische Dienste, woselbst er zu den höchsten staatlichen Ehrenstellen 
emporstieg**'). Von 1538 bis 1540 lehrte auch der Mailänder 
Marcus Antonius Caymus in Ingolstadt'^**), und bei seinem 
Abgange kehrte, wenn wir nicht irren, Fabius Areas an unsere 
Universität zurück. An Hund's Stelle trat L J. 1540 als treff- 
licher Lehrer Wolfgang Hunger, dessen vielseitige litterarische 
Thätigkeit sich neben civilistischen Gegenständen und Neubearbei* 
tungen der Werke Anderer auch auf historische Studien erstrekte; 
i. J. 1548 gieng er als Beichskammergerichts - Assessor nach Speier 
ab''^). Sein und des Fabius Areas Abgang fand i. J. 1548 Ersatz 
durch die Berufung zweier Italiener, nemlich des Bolognesen Fran- 
ciscus Zoanettus, welchen der Herzog in der oben (S. 183) er- 
wähnten Angelegenheit betreffs des Priester -Zehentes nach Bom 
schickte'^^), und des Florentiners Bartholomeus Bomuleus, auf 
welch beide wir in der folgenden Periode zurückkommen werden. 

So konnte die juristische Facultät in diesen Jahrzehenten an 
wissenschaftlicher Bedeutung sich mit jeder anderen in Deutschland 
messen, und auch an ein Bechtsgutachten der Facultät, welches nur 
allgemein verbreitete Vorurtheile jener Zeit abspiegelt (i. J. 1534), 
darf man keine Schlüsse knüpfen, dass die Bechtswissenschaft in In- 
golstadt in schlimmerem Zustande als anderwärts sich befunden 
habe«"). 

In der medicinischen Facultät waren zunächst noch aus 
der vorhergegangenen Periode (s. oben S. 120.) im Lehramte thätig 
Wolfg. Peysser, welcher i. J. 1526 starb, Michael Fenckh, 
welcher i. J. 1531 eine Gehaltserhöhung bis zu 100 fl. erhielt und 
i. J. 1538 starb«^^), und Georg Beham, welcher jedenfalls noch 



211) Ebend. Nr. 4,S. 471. 

212) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 30. 

213) Mederer a. a. 0. S. 1G3 u. 1.3. 

214) a Bd. II, Biogr. Nr. 31. 

215) Da Zoanettug offenbar ein sehr rabiater Herr war (,,Stnati8 Zoanettum 
more suo furere'' sagte Leonh. v. Eck im Senate, s. Aroh. d. ünir. D, III, Nr. 4, 
8. 529) , so wurde wahrscheinlieh im Hinblicke auf seine Reizbarkeit die oben, 
Anm. 154, erwähnte Polizei- Verordnung erlassen. 

216) Lang, Gesch. v. Bayreut Bd. II, 8. 216, Hormayr, Taschenbuch. 
1834, 8. 244. Dass ein Adeliger ungestraft einen Bargerlichen beohrfeigen 
darfe, galt doch damals als selbstverständlich. 

217) Arch. d. Unir, D, III, Nr. 6. f. 35; Mederer a. a, 0. S. 163. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 197 

ZU Ostern 1520 Facultäts-Mitglied war*^). Sehr wahrscheinlich aber 
ist es, dass Beham, von welchem wir keine weitere Spur mehr finden, 
noch i. J. 1520 oder 1521 von der Universität ahgieng oder starb, 
und hiedurch die Veranlassung gegeben war, dass Peter Burck- 
hard (s. oben S. 120.) von Wittenberg wieder nach Ingolstadt i. J. 
1521 zurückkehrte, woselbst er bis zu seinem Tode (1526) als an- 
gesehener Lehrer wirkte**^). Als neues Mitglied aber war im Nov. 
1519 Pantaleon Prunner in die Facultät mit einer Besoldung 
von 20 fl. eingetreten, welcher jedoch im Febr. 1525 als Leibarzt 
nach München berufen wurde *'°). Der dreifache Abgang im Jahre 1525 
und 1526 (Peysser, Burckhard, Prunner) wurde ebenso vielfach ersetzt; 
an Prunners Stelle trat Hieronymus Leicht (1525), welcher sicher 
noch i. J. 1531, in welchem er eine Gehaltszulage erhielt, an der Uni- 
versität wirkte *-0 ; an die anderen beiden Stellen kamen (1526) W ol f g. 
Oeffelein oder Effelin aus Wemding, welcher i. J. 1532 in 
herzogliche Dienste nach Landshut abgieng"*), und der hervorra- 
gendste unter den Medicinern jener Periode Leonhard Fuchs o^er 
Fuchs el oder Füchslein, welcher leider nur allzu kurz und vor- 
übergehend seine reiche geistige Kraft an unserer Universität ver- 
werthen konnte. Er gieng nemlich schon i. J. 1528 als Leibarzt des 
Markgrafen Georg von Brandenburg nach Ansbach, von wo er aller- 
dings gegen Ende d. J. 1531 wieder nach Ingolstadt zurückkehrte*"); 
aber bald darauf wurde er durch die Verfolgungssucht der katholi- 
schen Fanatiker wieder vertrieben, denn während ihn noch im März 
1532 Leonh. v. Eck zu schützen vermochte (s. oben Anm. 91), 
hielt man es immer mehr für unerträglich, dass ein Mann, welcher 
aus seiner lutherischen Richtung kein Hehl machte, als Lehrer der 
Medicin wirke, und so wurden ihm i. J. 1533 die Vorlesungen ver- 

218) Aroh. d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 54. 

219) S. Bd. II, Biogr. Nr. 13. 

220) Arohiv d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 47 (ebend. S. 54 Differenzen über 
seinen Eintritt in die Faoultät); Me derer a. a. 0. 8. 128. Uebrigens klagten 
die Studenten, dass dem Prunner „das Lesen nicht recht von statten gehe^', 
8. Aroh. d. Univ. N, I, Nr. 1, zw. 1520—1525. 

221) Aroh. d. Univ. D, III, Nr. 6, f. 35; Med er er, ebend. Wenn Leicht 
i. J. 1555 ein Promemoria verfasste (s. Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 181), so stand 
er damals wohl in herzoglichen Diensten; denn wir wissen gewiss, dass zu jener 
Zeit nur zwei andere Professoren in der Facultät wftren (s. ebend. Anm. 346 ff.). 

222) Mederer, ebend. S. 129 u. 148 (in kleinere Facultftts-Streitigkeiten 
verwickelt erscheint Oeffelein Aroh. d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 223 u. 237). 

223) Mederer, ebend. 8. 150, Iftsst ihn irrthtUnlich erst i. J. 1533 ziu'üok'« 
kehren. 



19B Zeitr. I, Cap. 13 (1518--1550). 

boten; er begab sich wieder nach Ansbach und folgte dann i. J. 
1585 einem Kufe nach Tübingen, wo er bis zu seinem Tode (1566) 
sein^ ruhmvolle Thätigkeit fortsetzte. Welch bedeutenden Lehrer 
man aus Ingolstadt verjagt habe, sehen wir nicht nur aus dem ein- 
stimmigen Lobe, welches der Methode seiner Vorlesungen ebensosehr 
wie seiner Sitten-Beinheit gespendet wird, sondern vor Allem auch 
aus seiner reichen schriftstellerischen Thätigkeit, in welcher Kritik 
und Polemik betreffs der obersten Ginindsätze der Arzneiwissenschaft 
einen wesentlichen und zugleich höchst anregenden Bestandtheil aus- 
machten; Fuchs nemlich vertrat in heftiger Bekämpfung der arabi- 
schen Littei^atur auf das lebhafteste die Principien des Galenus**^) 
und suchte in diesem Sinne durch mehrere Schriften die damals herr- 
schenden Ansichten der Mediciner zu läutern oder kritisch zu ver- 
tiefen; endlich noch möge an dem Manne, welchen wir ja nicht 
völlig einen unsrigen nennen dürfen, in Kürze hervorgehoben werden, 
dass er nach Massgabe damaliger Zeit ein hervorragender Botaniker 
war, welcher nicht bloss selbst ein Herbarium sammelte (vgl. Zeitr II, 
Cap. I, Anm. 343), sondern auch eine anerkennenswerthe Historia stir- 
pium schrieb "•'^). I. J. 1528 trat an Fuchs' Stelle der Ingolstädter 
Stephan Strobl in die Facultät ein''^^), und i. J. 1531 gieng 
Job. Peurle, genannt Ammonius Agricola,. welcher bis dahin 
der artistischen Facultät angehört hatte (s. oben S. 136 u. unten 
Anm. 249). als Ordinarius in die medicinische mit einer Besoldung 
von 70 fl. über; derselbe war jedenfalls nach Fuchs das bedeutendste 
Mitglied der Facultät und stand im In- und Aus-Lande in hohem 
Ansehen; seine zahlreichen Schriften, welche den Umkreis der ara- 
bischen Tradition bei Seite liegen lassen, bewegen sich hauptsächlich 
in Erläuterung der Werke des Hippokrates und des Galenus und 
zeigen hierin eine mit Fuchs übereinstimmende Kichtung, so dass 
gewiss auch nach Fuchs' Abgang diese medicinische Parteistellung 
durch Peurle eine laug dauernde Vertretung in den Vorlesungen ge- 
funden haben muss"'). Im Febr. 1533 wurde Job. Veitmiller, 
welcher von der artistischen Fakultät her übertrat (s. unten Anm. 266) 

224) Ein Gegensatz, dessen Tragweite auch derjenige, welcher nur als Di- 
lettant in die Geschichte der Medicin j;ebliokt h.\t, wohl herauszufühlen rer- 
raeinen kann (Fuchs vertrat den angefeindeten Satz, dass jede Krankheit eine 
substantia sei). 

225) S. Bd. II, Biogr. Nr. 32. 

226) Mederer a. a. 0. 8. 134. 

227) S. Bd. II, Biogr. Nr. 38. 



v;:*. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). iig9 

• 

als Ordinarius mit einer Besoldung von 40 fl. aufgenommen und be- 
gann am 6. März seine Lehrthätigkeit *^^) , welche sich wie jene 
Peurle's noch in die folgende Periode hinüber erstrekte. Cäsar 
Delphinus aus Parma, welcher i. J. 1540 eintrat, scheint nur sehr 
kurze Zeit in Ingolstadt gelehrt zu haben**®). 

Bezüglich der inneren Verhältnisse der medicinischen Facultät 
finden wir nur zu berichten, dass auch hier, wie bei den Juristen, ' 
ein Unterschied zwischen vormittägigen und nachmittägigen Profes^ 
soren bd^tand , welch letztere in der Kegel nur einen Tag um den 
anderen lasen *^^), sowie dass allgemein die Studenten über Mangel 
eines praktischen Unterrichtes und über häufige Abwesenheit der 
Professoren klagten*^*). I. J. 1547 wurde der Facultät strengstens 
aufgetragen, die Visitation der Apotheken häufig und gewissenhaft 
vorzunehmen*^*). 

Die artistische Facultät war noch immer, wie in der vor- 
hergegangenen Zeit, in Abänderung oder Vermehrung ihrer Statuten . 
oder des Lehrplanes begrififen, worüber wohl zuerst zu berichten ist, 
ehe wir die einzelnen Lehrkräfte in Betracht ziehen. Sogleich aus 
dem Anfange dieser Periode finden wir eine Statuten -Bedaction, 
welche in d. J. 1519 gesetzt werden muss, da in derselben Eck's Bear- 
beitung der aristotelischen Physik (gedruckt i. J. 1518) als bereits 
erschienen, die der übrigen naturphilosophischen Schriften (gedr. 1519 f.) 
als bald erscheinend bezeichnet ist*^^). Sehen wir von demjenigen ab, 
was dabei mit einigen Abänderungen oder Verschärfungen aus den Statu- 
ten von 1478 und aus der i. J. 1492 veranstalteten Sammlung der Fa- 
cultäts-Beschlüsse herübergenommen ist (s. oben S, 82 und 87), so 
finden wir folgende wesentliche Neuerungen : Vor Allem wird die von 
Herzog Albrecht IV angeordnete Gleichstellung der zwei Wege(s. Cap. 12, 
Anm. 82), durch welche so viele und dauernde Streitigkeiten veran- 



228) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 329 u. 573 (Moderer, ebend. 8. 148, 
irrt in der Jahrzabl); eine Erzählung über Gefangenschaft und Auslösung Yelt- 
miUer's im scbmalkaldischen Kriege bei Mederer, 8. 233 (Arch. d. Unir. D, 
XVII, Nr. 1, 1546). 

229) Mederer, ebend. 8. 168. 

230) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, 8. 223 (Fuchs und Leicht waren i. J. 
1526 nachmittSgige Dootoren). 

231) Ebend. N, I, Nr. 1, zw, 1520-1525. 

232) Ebend. D, III, Nr. 7, f. 171. 

233) 8. Bd. II, ürk. Nr. 43. 



200 Zeitr. I. Cap. 13 (1518—1550). 

lasst worden .waren, nun gänzlich in der Weise abgeschafft, dass 
fortan keines der üblichen Parteiworte „Antiqui, Modemi, Bealistae, 
Nominales^' mehr gebraucht werden darf, sondern sämmtliche Mit- 
glieder der Facultät unterschiedslos als Artisten bezeichnet werden 
sollen *^^). Daran knüpft sich die Bestimmung, dass bei der Wahl 
des Decanes nicht auf die Dienstzeit, sondern lediglich auf die Tüch- 
tigkeit gesehen werden soll und absolute Mehrheit der Stimmen ge- 
fordert ist, sowie bei der*Wahl der Examinatoren, zu weliJhen der 
Decan als solcher gehört, aus Einer Burse nicht mehr als Ein Lehrer 
gewählt werden darf. Betreffs der Promotionen wird die Verpflich- 
tung der Gandidaten abgeschafft, den Lehrern Barete, Handschuhe 
und Federmesser zu verehren; auch das Prandium darf nicht mehr 
von jedem einzelnen, sondern nur gemeinschaftlich von allen gleich- 
zeitig Promovirten gegeben werden (vgl. Cap. 12, Anm. 79), und 
auch hiebei ist dem einzelnen gestattet, nicht Antheil zu nehmen. 
Bei den sog. disputationes ordinariae sollen keine Materien aus Theologie, 
Jurisprudenz oder Medicin behandelt werden, sondern nur drei quae- 
stiones aus Metaphysik, Physik und Ethik, zwei Axiome aus der 
iiOgik und Eine Thesis aus der Grammatik gestattet sein. Noch deut- 
licher zeigt sich ein erfreulicher Fortschritt in den Bestimmungen 
über die Unterrichts-Gegenstände, wobei wohl sicher Joh. Eck nicht 
ohne bestimmenden Einfluss war. An Stelle des nun ausdrücklich 
verbotenen Doctrinale Alexander's wird die Grammatik Aventin's vor- 
geschrieben; in der Logik sollen nicht mehr die ausgedehnten und 
nutzlosen Spitzfindigkeiten der Scholastik betrieben werden, sondern 
Eck's Bearbeitung des Petrus Hispanus als Grundlage dienen , wobei es 
jedem unbenommen bleibt, je nach seiner Ansicht einzelne Lehren 
der Parteihäupter der Scholastik (Albert Magnus, Thomas, Occam u. s. f.) 
beizuziehen; an Stelle der zeitraubenden und zweckwidrigen Vorlesungen 
im alten Collegium sollen nützliche Exercitien gehalten werden und das 
Honorar, welches bisher im alten Collegium und für die Bursen-Exer- 
citien bezahlt wurde, soll jetzt in drei gleichen Semestral-Baten unter 
die Magister vertheilt werden, indem bei Erwerbung des Baccalau- 
reates 6 fl. und beim Magisterium 8 fl. von jedem Gandidaten zu ent- 
richten sind. Unter genauer Festsetzung des Stundenplanes (der 



234) So blieb Ingohtadt auch in dieser Beziehung nicht hinter der allgemeinen 
Strömung zurück, durch welche zur nemlichen Zeit an allen Orten und in der 
ganzen Litteratur der bisherige Parteigegensatz der Logik zu verschwinden be- 
gann; 8. Cap. 12, Anm. 98. 



\ 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518--1550). 201 

Unterricht überhaupt beginnt im Sommer um 5 Uhr, im Winter um 
6 Uhr Morgens, das prandium ist um 11 Uhr, die coena aber nun 
auf 5 Uhr festgesetzt) werden die obligaten Gegenstände sowohl der 
Vorlesungen als auch der Kesumptionen und Exercitien vorgeschrieben; 
in den ersteren ist natürlich noch immer die aristotelische Philosophie 
das massgebende, welche aber nach dem Curstts Eckianus (sobald 
derselbe vollständig erschienen sein wird) und mit Zugrundlegung 
der neuen Uebersetzungen eines Argyropulos oder Aretinus, d. h. 
unter Beseitigung der sog. vetus translaUo betrieben werden soll. 
Für die Scholastici , welche ' erst noch das Baccalaureat zu erwerben \ x- , 
haben, wird ein Jahr hindurch Petrus Hispanus gelesen, die Bacca- 
laurei hören ein Jahr hindurch das aristotelische Organen, dann die 
Physik, welche zweimal gehört werden muss, und De anima nebst 
Parva naturalia, hierauf De coelo. De gen. et corr. und Meteor. In 
den Kesumptionen, bei welchen stets auch Fragen an die Zuhörer ge- 
richtet werden müssen, kommen wieder Petrus Hispanus und die ge-^ 
nannten aristotelischen Bücher zur Behandlung, und ausserdem wer- 
den hauptsächlich hier Aventin's Grammatik, sowie Poesie und Rhe- 
torik mit einlässlichen Erörterungen der Formenlehre und der Syn- 
tax vorgetragen, auch Uebungen aua Terentius, Cicero und den Briefen 
des Filelfo gemacht. In allen Vorlesungen und Kesumptionen muss 
das vorgeschriebene Thema in der festgesetzten Zeit zu Ende geführt 
werden. Wer im Winter-Semester vor d. 8. Dec. und im Sommer 
vor d. 24. Juni sich inscribirt, hat das ganze Honorar zu erlegen, wer 
später kommt, bezahlt pro rata, wer aber erst nach d. 24. April 
oder 1. Sept. inscribirt wird, darf während dieses Restes des Seme- 
sters unentgeltlich zuhören ; die Inscriptions-Zeugnisse sind mit genauer 
Angabe auszustellen. 

Während uns nun bereits i. J. 1523 einerseits bei Gelegenheit 
der erneuerten Forderung, dass die Collegiaten des alten Collegiums 
unentgeltlich lesen sollen (s. oben S. 139), die thatsächliche Erwäh- 
nung eines hierüber wachenden „Superattendens" begegnet*^*), und 
andrerseits auch feststeht, dass im nemlichen Jahre der in Rom wei- 
lende Joh. Eck vom Herzoge beauftragt wurde, für die Einkünfte 
eines „Pädagogiums" zu sorgen, welches theils durch die artistische 
Facultät, theils durch zwei CoUegiaturen erhalten werden soll*^*), 



235) Arcb. d. UniT., D, III, Nr. 4, & ISO. 

236) 8. Eck'8 InBtraoiiaB, aiu einer -Haiidsohrift der SUato-Bibliothek ab- 
gedruckt b. TL Wied^aiAiiiii Job. Bok| 8. 676. 



'. ii 




202 Zeitr. I, Cap. 13 (1618—1550). 

SO erhielt beides bald eine festere Gestalt. Im J. 1526 beantragte 
die Facoltät, dass zur Erleichterung und Erweiterung der unentgelt- 
lichen Yorlesepflicbt aus der Rente des Freisinger Ganonicates fBr 
jeden so lesenden Docenten jährlich 75 fl. ausgeworfen werden sol- 
len '^^); und dieser voiA Senat begutachtete Vorschlag fand auch die 
Genehmigung des Herzoges*^). Nachdem somit die Geldfrage er- 
ledigt war, erliess der Herzog eine vom Ganzler Leonh. v. Eck ver- 
fasste jjOrdinatio"' der Artisten -Facultät'^^). Die hauptsächlichen 
Puncto dieser neuen Ordnung sind folgende ^'*^) : Die wesentlichste 
Neuerung liegt darin, dass vom Senate zwei ^^superattendentes^^ ge- 
wählt werden, welche die Facultät zu überwachen haben, und dass 
ein „Pädagogium*' errichtet wird, zu dessen Besuch die Studenten 
möglichst von allen Üniversitäts-Lehrern aufgemuntert werden sollen ^^). 
Alle Vorlesungen, deren Besuch zur Erlangung des Baccalaureates 
oder des Magisteriums gefordert wird, müssen unentgeltlich gehalten 
werden. Die Gollegiaten des alten Gollegiums und fünf Magister 
'der Facultät und ein Lector des Pädagogiums bilden das Gonsilium 
der Facultät (mit der Befugniss, auch Andere beizuziehen); die Per- 
sonal-Vorschläge hiezu gehen von der Facultät aus und unterliegen 
der Genehmigung des Senates. Die Facultät hat auch aus ihrer 
Mitte einen Gamerarius zu wählen, welcher den zwei Superattendenten 
ßechenschaft ablegt. Wenigstens drei von jenen fünf Magistern und 
der Lector des Pädagogiums müssen im neuen Gollegium (d. h. Ge- 
orgianum) wohnen; dem letzteren liegt auch die feierliche Bede am 
Tage der Facultäts-Pa'.rcnin Katharina ob. Im neuen Gollegium wer- 
den die unentgeltlichen obligaten Vorlesungen gehalten, im alten 
Gollegium wohnen die Scholaren und die Baccalaurei. Den Fleiss 
der Lehrer und der Schüler beaufsichtigen die Superattendenten; die 
Lehrer dürfen ungestraft höchstens drei Stunden im Semester ver- 
säumen (Aderlassen und Hochzeiten gelten auch hier als legale 



237) Arch. d. Uniy. ebend. S. 209 u. 211. 
.238) Mederer, Annal., Bd. I, 8. 130. 

239) Dass diese Ordinatio nicht von der Faoolt&t vereinbart war, sondern 
lediglich Tom Canzler aosgieng, ersieht man aus den Eingangsworten ihrer 
sp&teren Erneuerung, 8. Bd. II, Urk. Nr. 61 z. Anfang. 

240) S. Bd, II, ürk. Nr. 60. 

241) Im J. 1530 trurde der oben oft genannte Franz Burckhard als Super- 
attendens gew&hlt und zugleich der Reotor beauftragt, dafür zu sorgen, dass 
die Magister ihre ZögUnge in das Pädagogium schicken; s. Arch. d. Univ. D, 
III, Nr. 4, 8. 302. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518-1660). 208 

dernisse), die Schüler haben fflr jede .Tersftnmte Stunde eine Geld- 
strafe zu erlegen. Jeder Scholar und auch jeder Baccalanreus muss 
während seiner ganzen Studienzeit einen der Facultät angehörigen 
Präceptor haben, daher es den Magistern überhaupt gestattet ist, 
Zöglinge in ihre Wohnung aufzunehmen. Die Studienzeit sowohl 
zum Baccalaureat als auch hernach zum Magisterium beträgt je drei 
volle Semester (für kleinere Defecte kann Dispens ertheilt werden, 
und wer an eine andere Universität abgehen will, kann Einiges auch 
durch Geldbusse ablösen). Die den fünf Magistern übertragenen 
Vorlesungen zeigen eine Erweiterung des früheren Lehrstoffes, indem 
nun auch Bhetorik und die Ethik als obligat gelten; dieselben wer- 
den in folgender Ordnung aufgezählt; 1) Arist. Phys., De coel., D. 
gen. et con\, 2) De an.. Parva Nat., Meteor., Eth. Nie, 3) das Or- 
ganen, 4) Oratoria, besonders monatlich Uebungen im Briefschreiben, 
5) Petrus Hispanus. Im Pädagogium aber werden in zwei Vormit- 
tagsstunden gelesen: Aventin's Grammatik nebst Bepetition, Virgil. 
Eclog., drei Wochen hindurch griechisches Alphabet und griechisches 
Vaterunser, Ave Maria und Glaubensbekenntniss oder einige griechi- 
sche Sprichwörter, und im Winter-Semester drei Wochen hindurch 
Metrik nebst Beispielen. Auf Disputations-Uebungen wird noch im- 
mer ein sehr grosses Gewicht gelegt; wöchentlich Ein Mal ist eine 
Disputation der Scholaren im neuen CoUegium; zur Erlangung des 
Baccalaureates ist Bedingung, dass der Candidat bei 13 Disputationen 
unter einem Baccalaureus und bei ebensovielen unter einem Magister 
anwesend war und 3. mal als respondens sich activ betheiligte; die 
Baccalaurei müssen , um Magister zu werden , jeden Sonntag einer 
Disputation und ausserdem 13 anderen Disputationen beigewohnt und 
3 mal respondirt haben; auch die Magister selbst haben in jedem 
Monate eine Disputation, wobei jedesmal 6 Respondenten mitwirken. 
Abgesehen von den für die Examinatoren bestimmten Gebüren fliessen 
in die Facultäts-Cassa von jedem Baccalaureus 2 fi. und von jedem 
Magister 3 ü. ; Candidaten, welche famuli sind, bezahlen hiebei nur 
die Hälfte. 

Die i. J. 1535 erlassene Erneuerung und Einschärfung dieser 
Verordnung*^*) zeigt uns neben mehreren Bestimmungen, welche 
eine strengere ControUe des Fleisses der Lehrer und der Schüler be- 
zwecken oder sich theilweise auf untergeordnetere Dinge beziehen 
(z. B. dass der Lector des Pädagogiums von der Fest-Bede am Ka- 



242) S. Bd. II, ürk. Nr. 61. 



a04 Zeitr. I, Cap. 13 (1618—1550). 

tharinen-Tage entbunden ist), bezüglich des Lehrstoffes abermals eine 
fortschreitende Erweiterung; es wurde nemlich im Umkreise der 
aristotelischen Philosophie nun auch die Metaphysik (wenigstens 2 
bis 3 Bücher derselben) beigezogen , dem Vertreter der Oratoria 
ausser Dedamations-Üebungen auch die Leetüre der Schriften Gicero's 
aufgetragen, und, — worin ein sehr entscheidender Schritt liegt — , 
an Stelle des Petrus Hispanus die Dialectica des Gäsarius eingeftihrt, 
welche im (Gegensätze gegen die scholastische Logik den Standpunkt 
einer auch für die rhetorische Praxis verwendbaren Argumentations- 
Lehre vertrat. Im Pädagogium, zu dessen Besuch alle Magister 
ihre Zuhörer anhalten sollen, wird Aventin*s Grammatik gelehrt und 
Gicero's Orator gelesen. Die Zulassung zum Examen ist durch schrift- 
liche Zeugnisse über den Besuch sämmtlicher obligater Vorlesungen 
bedingt, — eine Bestimmung, bezüglich deren noch i. J. 1542 be- 
schlossen wurde, dass sie jeder Lehrer beim Beginne seiner Vor- 
lesung ausdrücklich erwähnen müsse. 

Schon nach vier Jahren aber wurde eine abermalige Erneuerung 
für nothwendig gehalten und i. J. 1539 eine „Ordt'na/to^' erlassen, 
in deren Einleitung ausgesprochen wird, dass der gehoffte Erfolg der 
vorhergehenden Verordnungen noch nicht eingetreten sei, weil es 
keine j^nomophylaces et ephori^' gegeben habe **'*). Darum werden 
nun der Bector, ein Professor der Theologie und die vier Decane 
als jjvisitatores^^ aufgestellt, welche jährlich zweimal (1. Mai und 
1. Nov.) von allen lesenden Magistern eine Bechenschaftsablage über 
ihren Fleiss abverlangen, die Schuldigen mit Geldstrafen belegen und 
die Unverbesserlichen vom Lehramte entfernen sollen ; auch ist diesen 
Visitatoren der Gamerarius der Facultät rechenschafts-pflichtig. Der 
Bath der Facultät soll nunmehr nur aus den fünf Magistern und 
dem Lector des Pädagogiums bestehen. Die Verpflichtung der Stu- 
denten, einen Privat-Präceptor zu halten, kommt jetzt in WegfiEdl; 
wer aber einen dergleichen Präceptor hat, muss bei demselben die 
obligaten Vorlesungen repetiren, worflber die Visitatoren GontroUe 
pflegen. Bezüglich der Lehrgegenstände des Pädagogiums sowie der 
Vorlesungen überhaupt ist im Vergleiche mit der Verordnung von 
1535 keine wesentliche Aenderung eingetreten. Ausführlicher aber 
wird über die Promotions-Gebfiren gehandelt, wobei die Bestinunung 
getroffen wird, dass zum prandium nur der Rector, der Procanzler, 
der Decan und die Examinatoren eingeladen werden müssen, und 



243) S. Bd. n, Urk. Kr. 62. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1618—1650). 205 

auch zum ersten Male für die Leckereien und den Wein, welche dem 
Promovenden gebracht werden, der Ausdrack ^fiona nova^* erscheint. 
Nebenbei ist vielleicht der Erwähnung nicht unwerth, dass uns statt 
des bis dahin üblichen Titels ^^nuxgisi&r artium^'- in den Protokollen 
zum ersten Male i. J. 1536 und dann wieder i. J. 1545 die Bezeich- 
nung ^^mdgister philosophiae^^ begegnet***). 

Was übrigens jenes i. J. 1526 gegründete und seitdem fort- 
bestehende Pädagogium betrifft, so ist darunter in Ingolstadt wie an 
anderen Orten, woselbst dieser Name vorkommt, eine Art Gymnasium 
zu verstehen; sowie nemlich zu jener Zeit überhaupt humanistische 
Bildungs-Anstalten für Knaben errichtet wurden (bekanntlich durch 
Joh. Sturm oder nach dessen Vorbild, z. B. in Lauingen, Augsburg 
und* Menmiingen) , so musste an der Universität, deren Besuch da- 
mals selbstverständlicher Weise durch kein Abiturienten - Examen 
bedingt war, ein derartiges Bedürfniss um so fühlbarer hervortreten, 
je unreifer häufig die Studenten herankamen. Es war ja durchaus 
nicht ungewöhnlich, dass Knaben von 12 — 14 Jahren die Universität 
bezogen und 15—16 Jahre alt mit dem Grade des Baccalaureates 
oder des Magisteriums nach Hause zurückkehrten **'^3; und je mehr 
nun an der Universität eine wirkliche Pflege des Humanismus auf- 
geblüht war, desto mehr musste (■— selbst abgesehen von dem Ueber- 
gange von Scholastik zu geläutertem Aristotelismus — ) der Wunsch 
rege werden, dass diejenigen, welchen es noch an den Rudimenten 
des Antiken gebrach, wenigstens Gelegenheit fänden, noch während 
des Besuches der artistischen Facultät solche Yersäunmisse nachzu- 
holen. In völlig gleicher Weise war in Tübingen bereits seit 1481 
ein Pädagogium mit der Facultät der Artisten verbunden, während 
an manchen anderen Orten Anstalten entstanden, welche eben der 
Vorbereitung zum Besuche einer Universität dienten, bis allmälig das 
gesammte Gymnasial- Wesen seine Befestigung und Organisirung er- 
langte. Als Lector am Ingolstädter Pädagogium wurde bei Errich" 
tung desselben Zach. Pierer und nach dessen baldigem Abgang 
Lorenz Hochwart ernannt, welcher zu den besseren geistigen 



244) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 6, S. 164 a. 172. Vgl. Zeitr. II, €i^, 1, 
Anm. 48 u. 362 f. 

245) Wenn uns Solohea in verschiedenen Biographien bekannterer Mftnner 
begegnet, so darf es nicht als Zengniss einer besonderen genialen Frühreife ge- 
deutet werden; die Artisten-FacultAt durch Erwerbung des Baccalaureates zu 
absolviren, galt selbst gleichsam als ein Gymnasium, von welchem aus man in 
die sog. Fachstudien fibertrai. 



206 Zeitr. I. Cap. 13 (1518-1550). 

Kräften gehörte, aber gleichfalls bereits im Dec. 1527 wieder aus- 
schied*^^); Poesie lehrte dort Alexius Zehentmair (gest. i. J. 
1539), und den Unterricht im Griechischen gab das Mitglied der 
Artisten -Facultät Job. Fenrle^^^). Dass das Pftds^ogium bald 
hernach in die Hände der Jesuiten übergieng, werden wir unten be- 
richten (s. Zeitr. II, Cap. 1, Anm. 45). 

Unter den oben (S. 130 ff.) erwähnten hervorragenden Artisten der 
vorhergegangenen Periode wirkten in dieser Zeit noch zwei fort, nem- 
lich einerseits bis 1528 Jac. Locher Philo musos, von welchem 
wir erfahren, dass er (1520) wieder wegen Verbreitung verschiedener 
Schmähschriften mit Strafe bedroht wurde, sowie dass er (1522) be- 
auftragt wurde, den Livius zu lesen, statt dessen jedoch wegen Man- 
gels an Exemplaren ihm (1523) die Wahl eines anderen Aiftors 
überlassen werden musste, und dass er sich (Nov. 1523) erbot, um 
eine geringere Besoldung als Brassicanus, d. h. um 20 fl. Poesie zu 
lesen*^®). Andrerseits war Job. Peurle genannt Agricola Am- 
monius hauptsächlich Vertreter des Griechischen, bis er i. J. 1531 
an die medicinische Facultät übergieng (s. oben Anm. 227); da die 
Ankunft des Brassicanus sich verzögerte, übernahm er (Aug. 1522) 
einstweilen griechische Grammatik und Xenophon und wurde dann 
(Jan. 1524) definitiv zur griechischen Lectur um 30 fl. (bald her- 
nach 32 fl.) verpflichtet, wobei er noch i. J. 1530 den Auftrag be- 
kam, über Homer zu lesen "^). Von den neu eintretenden Lehr- 
kräften ist uns zunächst Gonr. Schaider (1520, gest. 1534) nur 
ein leerer Namen *^). Als ein hervorragendes Glück aber durfte es 
die Universität betrachten, dass Johann Reuchlin eine, wenn auch 
vorübergehende, Lehrthätigkeit in Ingolstadt ausübte*^'). Schon im 
Nov. 1519 hatte Herzog Wilhelm, welcher bei den Württembergi- 
schen Wirren das Bundesheer gegen den Landfriedensbrecher Herzog 
Ulrich führte, in Stuttgart das Haus und die Person Reuchlln's unter 
seinen Schutz genommen, und letzterer begab sich nach Ingolstadt, 



246) S. Bd. II, Biogr. Nr. 34. 

247) Mederer, Ann. Bd. I, S. 130. 

248) Aroh. d. Univ., D, III, Nr. 4, 8. 57, 97, 154 u. Nr. 6, f. 9 v. Eini^ 
Zeit nach Locher^s Tod erhielt die Wittwe desselben 10 fl. Unterstaisang und 
Joh. Eck wurde als Yormünder des hinterlassenen Söbnchens besteUt; 8. ebend. 
Nr. 4, 8. 297 u. 801. 

249) Ebend. Nr. 4, 8, 97 u. 302 und Nr. G, f. 10 u. 13. 

250) Mederer, a. a. 0. 8. 152. 

251) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 35. 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1650). 207 

woselbst er bei Job. Eck vorerst in sebr bedrängter Lage und nnr 
von Pirkbeimer unterstützt wobnte. Am 4, Februar 1520 aber be- 
rieth bereits der Senat der Universität über Vorlesungen, welcbe 
Beuchlin im Gebiete der bebräiscben und der griechischen Litteratnr 
halten solle *^**), und durch die am 29. Febr. wirklich erfolgte An- 
stellung wurde demselben vorläufig auf ein Jahr eine Besoldung von 
200 fi., deren eine Hälfte der Herzog und die andere die Universität 
übernahm, angewiesen, wofür er täglich zwei Vorlesungen, d. h. um 
9 Uhr Hebräisch und um 4 Uhr Griechisch, zu halten verpflichtet 
war**^). Am 5. März hielt als Einleitung zur ersten Vorlesung 
Reuchlin's auf Ersuchen desselben Job. Gussubelius aus Lengen- 
feld eine Eröffnungs-Eede , worin der Universität die herrlichste Zu- 
kunft verheissen wird, nachdem sie einen Mann wie Beuchlin auf- 
genommen, welcher die bewunderungswürdigste Eenntniss des Lateini- 
schen, Griechischen und Hebräischen besitzt und zugleich die Philo- 
sophie aus der edelsten griechischen Quelle und die Theologie aus 
den verborgenen Tiefen der jüdischen Litteratnr erneuert ; durch solche 
Männer, welche eigentlich als in sterblicher Hülle auftretende Götter 
zu betrachten seien, werde Faulheit, Barbarei, Finstemiss, Unwissen- 
heit und heimtückische Sophisterei (— deutliche Anspielung auf den 
Gegenstand der Epistolae virorum obscurorum — ) siegreich zurück- 
geschlagen werden und durch Fleiss, Sittenreinheit, Licht und Wis- 
senschaft ein goldenes Zeitalter heranbrechen '^). Reuchlin hatte 
damals bereits eine ruhmbedeckte litterarische Laufbahn zurückgelegt, 
in welcher er nicht bloss den Kampf gegen Pfefferkorn und die 
Kölner geführt, sondern auch im Gebiete des classischen Alterthumes 
und vor Allem in der hebräischen Litteratnr sowie in kabbalistischen 
Studien bekanntlichst Vorzügliches geleistet hat. Darum fand auch 
der 65jährige Mann, welcher seit 41 Jahren nicht mehr öffentlich 
gelehrt hatte, den verdienten Zulauf der Studenten und las im grössten 
Hörsaale der Universität vor 300 Zuhörern über die hebräische Gram« 
matik des Kimchi und über den Plutos des Aristophanes ; im He- 
bräischen waren unter seinen Zuhörern die Professoren der Theologie 
Nie. Appel und Job. Eck, und aus seiner Schule giengen auch Job. 



252)'Arch. d. Uniy., D, III, Nr. 4, 8. 51. 

253) Ebend. E, I, Nr. 1, Tor Ostern 1520. 

254) Oratio a Joanne Guss el'io Umgid coram universiUUe In' 
golstaUenai tuibita pro d, Jo. O* i l in lingua hebraica et 
graeca ludum literarium ex c 'IL iV . 1520. 4* 



208 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 

Forster (der Verfasser eines berühmten hebräischen Lexikons) und 
Ceporinus, welcher nachmals in Zürch wirkte, hervor. Noch Anfangs 
Apr. 1521 pries ihn ein gewisser Hieron. Bott in .einer auf den 
Juristen-Patron Ivo gehaltenen Eede**^); aber bereits Mitte April 
verliess fieuchlin Ingolstadt, um der dort ausgebrochenen Pest zu 
entgehen, und begab sich nach Tübingen, von wo er nicht mehr zu- 
rückkehrte. Wir werden schwerlich irren, wenn wir vermuthen, dass 
ihm die ganze Haltung, welche die Universität annahm, seitdem Joh. 
Eck mit der Yerdammungs-BuUe aus ßom zurückgekehrt war, den 
weiteren Aufenthalt in Ingolstadt verleidete, obwohl er seinerseits in 
den eigentlich theologischen Fragen de» reformatorischen Bewegung 
auffallend zurückhaltend war und zu Anfang d. J. 1521 sogar den^ 
Wunsch nach Unterdrückung der Lehre Luther's aussprach***). Es 
war bei Beuchlin stets die Richtung der philologischen Gelehrsam- 
keit die entscheidendere, und so hatte er auch in gleicher Absicht 
bald nach seiner Ankunft in Ingolstadt an Melanchthon geschrie- 
ben, um denselben zu veranlassen, gleichfalls dorthin zu kommen, 
was jedoch dieser ablehnte, indem er bei seinem Wittenberger Wir- 
kungskreise, welcher bereits dem Beginne der theologischen Refor- 
mation angehörte, zu ver})leiben vorzog *'^^). Nachdem aber in Ingol- 
stadt, wie wir oben (S. 146 ff.) zur Ueberfülle sahen, sich dogmatische 
Ketzerrichterei breit zu machen begonnen hatte, mochte es dem 
Beuchlin wohl unheimlich geworden sein. Als Ersatz Beuchlin's 
wurde, als nach dem Aufhören der Pest die Universität wieder ihre 
Thätigkeit aufgenommen hatte, der Stuttgarter Joh. Alex. Kohl- 
berger genannt Brassicanus i. J. 1522 aufgenommen, welcher 
noch bei Beuchlin in Tübingen gehört hatte und nach dem Tode 



255) Oratio divo HyvarU iurisconsiUtorum sanctissimo a Hieronymo Rott 
Ulmenai patricio in florentissimo Angelistadiano gymnasio dicta. Impress. An- 
gelist€uiii per M, Andream Lutzen Berckhamensem prid. Jd. April. 1521. 4. 

256) BOoking, Hutteni Opera, II Suppl.-Bd., S. 803 Hutten*8 Brief an 
Beuchlin y. 22. Febr. 1521; Tgl. Ludw. Geiger, Job. Reuoblin. Lpzg. 1871, 
8. 145 ff. u. 486. 

257) Der Jesuit Jao. Greiser meinte freiliob von seinem Standpnnote ans 
nicht unrichtig, es sei Ingolstadt dreimal in Gefahr gewesen, den katholischen 
Glauben zu Tcrlieren, nemlich das erste Mal, als Erasmua berufen wurde (siehe 
oben Cap. 12, Anm. 111), das zweite Mal dadurch, dass Reuchlin die alten 
Sprachen lehrte, und das dritte Mal, da Melanchthon berufen werden sollte ; 
s. Mens er in Dieringer's Kathol. Zeit^obr. f. Wissensoh. u. Kunst., Jahrg. III 
(1846J, Bd. I, 8. 97. 



Zeitr. I, Cap. 18 (1518— 15&0X 200 

desselben eine darauf bezügliche allegorische Vision veröffentlichte '^^). 
Brassicanns aber scheint nicht lange in Ingolstadt gewirkt zu haben ^^^) ; 
wir finden, dass ihm die Vorlesungen über griechische Litteratur 
übertragen wurden, welche während einer mehrwöchentlichen Ab- 
wesenheit desselben der Magister Caspar Schober übernahm*^), 
und dass man für nöthig fand, auch den Brassicanus wegen lutheri- 
scher Anwandlungen zu verwarnen und zugleich zu beauftragen, dass 
er, um Aergemisse zu vermeiden, den Terentius keusch lesen solle '^0» 
ein ziemlich schwülstiges Gedicht desselben über die Ingolstädter 
Professoren, welches jedenfalls i. J. 1523 begonnen ist, findet sich 
bei Mederer abgedruckt*^''); indem er aber schon im Nov. 1523 seine 
Forderungen etwas hoch gespannt zu haben scheint (s. oben Anm. 248)i 
dQrfen wir vielleicht aus dem Umstände, dass i. J. 1524 Joh. Peurle 
das Griechische übernahm (Anm. 249), auf ein damaliges Ausscheiden 
des Brassicanus schliessen, zumal da einige Zeit hernach auch sein 
ehemaliger Substitut Schober eine feste Besoldung von 32 fl. erhielt *^^). 
Die hebräische Litteratur aber finden wir wenigstens im Mai 1523 
durch Johann von Andernach und hierauf im Aug. desselben 
Jahres durch einen gewissen Bernher, welcher um jährliche 52 fl. 
auf drei Jahre gedungen war, vertreten*^*); aber letzterer scheint 
den Gontract bald wieder gelöst oder gebrochen zu haben, denn schon 
i. J. 1524 treffen wir in diesem Lehrfache einen David Hebreu s, 
welcher Anfangs nachlässig war und auch wegen seines Lebenswandels 
einen Verweis bekam, aber i. J. 1525 zu einer Besoldung von 50 fl. 
gelangte***); weiteres unten Anm. 289 f. 

Die Mathematik scheint seit dem Ausscheiden Würzburger's 
(i. J. 1519. s. oben Cap. 12, Anm. 118) unbesetzt geblieben zu 
sein, bis i. J. 1524 der Ingolstädter Joh. Veltmiller mit der 
für dieses Fach üblichen Besoldung von 16 fl. und der Verpflichtung, 



258) Dav. Strauss, Ulr. y. Hütten, Bd. II, S. 250. Ludw. Geiger a. a O 
8, 472. 

259) S. Bd. II, Biogr. Nr. 36. 

2G0) Archiv, d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 05 u. 137. 

261) Ebend. S. 154. 

262) Annale», Bd. I, S. 119 ff. 

263) Arch. d. Univ. a. a. O. Nr. 6, f. 13. 

264) Ebend. f. 5 v. n. 8. 

265) Ebend. Nr. 4, S. 191 n. 287; im J. 1530 bot er an, sich tanfen zu 
lassen, s. ebend. 8. 297* 

P r • n 1 1 , Geschichte der UDivertiCil 14 



■ . . ^ • A. A.' . 



210 Zeitr. I, Cap, 13 (1618—1650). 

an Vacanz-Tagen zu lesen, aufgenommen wurde *^*); i. J. 1533 gieng 
derselbe an die medicinische Facultät über (s. oben Anm. 228). Im J. 
1527 aber fand einer der bedeutendsten Mathematiker jener Zeit, 
Peter Bienewitz, bekannter unter dem Namen Apianus, eine An- 
stellung an der Universität*^'). Derselbe hatte schon im Juni 1523 
von Regensburg aus an die Camer der Universität den Wunsch aus- 
gesprochen, nach Ingolstadt überzusiedeln, woselbst er den Druck 
seiner Werke besser besorgen zu können gedenke, und hatte die An- 
frage beigefügt, ob es nicht möglich sei, ihm die Steuerfreiheit, 
welche die Professoren geniessen, zu verschaffen und zugleich mit 
einem Darlehen von 200 fl. auszuhelfen; die Camer verlangte eine 
genaue schriftliche Begründung seiner Bitte und gab ihm einstweilen 
4 fl. **^®). Und sowie es sich bei diesem Anliegen nur um eine Bei- 
hilfe zu den grossen Unkosten handelte, welche die Drucklegung 
seiner Schriften durch die unerlässliche Beigabe von Kupferstichen 
u. dgl. verursachte, so wiederholte er im Oct. 1524 sein Ansuchen, 
worauf der Senat nach dem Wunsche des Canzlers Leonh. v. Eck die 
Sache dem Veltmiller mittheilte und die Professoren Hauer und Burck- 
hard mit der näheren Verhandlung mit Apian beauftragte, deren Er- 
folg war , dass demselben 32 fl. gegeben wurden , worauf dann . im 
Jan. 1525 ein Darlehen von 110 fl. folgte **^^), und nach Jahresfrist gab 
ihm (Jan. 1526) die artistische Facultät aus ihrer Casse 30 fl. zu leihen, 
während die Universität für Weiteres zu sorgen versprach ^'"J. Im J. 
1527 wurde Ai)ian mit der für das Fach der Mathematik ganz un- 
gewöhnlichen Besoldung von 100 fl. angestellt*''), gerieth aber durch 
seine zahlreichen litterarischen Publicationen stets in neue Geld-Ver- 
legenheit, so dass er im Nov. 1520 abermals um ein Darlehen von 
300 fl. bat, welches vom Senate wegen Mangels an Mitteln abge- 
schlagen, aber im Mai ir>:JO auf Befehl des Herzoges ausbezdilt 
wurde, worauf i. J. 1533 wieder 50 fl. als Beitrag zu Druckk<Äten 
folgten*'*). In diesem Jahre machte er mit dem Professor der 
Poesie Barth. Amantius (s. Anm. 275 fl.) auf Kosten Kaymund Fug- 
ger's eine grössere Keise, deren Frurht eine Sammlung christlich- 

260) Ebend. Nr. 4, S. 167. 

267) S. Bd. II, Kiügr. Nr. 37. 

268) Arch. d. Univ. D, III, Nr. C», f. 7. 

269) Ebend. Nr. 4, S. 202 u. 205 und Nr. 6, f. 23 v. 

270) Ebend. Nr. 4, 8. 210. 

271) Ebend. 8. Ö73. 

272) Ebend. Nr. 6, f. 27, Js v. u. 30 u. 8. 5t<. 



..^ 



Zeitr. 1, Cap. 13 (1518-1550). 211 

kirchlicher Inschriften war, welche uns an Apian auch eine philolo- 
gisch-antiquarische Richtung bezeugt. Die zahlreichen Schriften, die 
er in seinem Hauptfache veröffentlichte, stehen erklärlicher Weise 
noch auf dem Standpunkte seiner Zeit , d. h. auf dem ptolomuischen 
Weltsysteme, haben aber das grosse Verdienst, dass durch sie popu- 
läre Verbreitung mathematischer Gesetze bis in manigfache prak- 
tische Anwendung hinein reichlichst gefördert wurde; in seinem dem 
Kaiser Karl V gewidmeten Astronomicum Caesareum entwickelte er 
ausführlich den Plan, die sämmtlichen siderischen Bewegungen nicht 
erst jedesmal berechnen zu müssen, sondern von vorneherein durch 
eine mechanische Vorrichtung mittelst drehbarer Scheiben unter Zu- 
grundlegung des Ingolstädter Meridianes sichtlich darzustellen, wobei 
er gelegentlich als der erste den Grundsatz aussprach, dass der 
Schweif der Kometen stets von der Sonne abgewendet ist*'*). Wissen- 
schaftlich bedeutender war jedenfalls sein Cosmographicus über, wel- 
cher zehn Auflagen erfuhr und ausserdem in das französische, ita- 
lienische, spanische und holländische übersetzt wurde, und diese 
Schrift sichert ihm in der Geschichte der mathematischen Geographie 
(betreffs Bestimmung der Länge und Breite, Berechnung der Grade 
der Parallelkreise u. dgl.) für immer eine höchst ehrenvolle Stelle. 
Die Dankbarkeit für die Unterstützungen, welche er am Anfange 
seiner Laufbahn von der Universität genossen hatte, bezeugte er da- 
durch, dass er trotz mehrfacher glänzender Anträge (nach Leipzig, 
Tübingen, Wien, Padua, Ferrara) bis zu seinem Tode (1552) in 
fruchtbarster Thütigkeit in Ingolstadt verblieb. 

An Stelle des verstorbenen Locher wurde noch Ende Dec. 1528 
einstweilen ein Magister Marcus oder Marx aufgenommen*'*), de- 
finitiv aber wurde auf herzoglichen Befehl die Stelle im Oct. 1530 
durch Bart holo mens Amantius besetzt, welcher mit einer Be- 
soldung von 50 fl. (seit 1531 70 fl.) hauptsächlich Oratoria zu lesen 
liatte, während dem genannten Marcus, weil man mit ihm zufrieden 
war, die Vorlesungen über Virgifs Aeneis übertragen wurden ''''''). 
Als Amantius (1533) auf der wissenschadlichen Keise, welche er 



273) Das Unternebmen selbst, den astronomischen Caicul durch eine solche 
mechanische Vorrichtung bei Seite schieben zu wollen, fand später allerdings 
ächarfen Tadel durch Keppler, De Stella martis^ II, c. 14. 

274) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 269 u. Nr. ü, f. 24 v. 

275) Ebend. Nr. 4, S. 802 u. Nr. G^ f. 35 (bei Mederer ht K i ntias 
nicht mit einem Worte erwähnt, mehrerer Andertr aelbti so 



212 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1550). 

wie erwähnt, mit Apian unternahm, begriffen war, scheint man in 
Ingolstadt einigen Verdacht geschöpft zu haben, und es wurde be- 
schlossen, nach seiner Rückkunft eine nähere Untersuchung anzu- 
stellen*^^); zu Ostern 1535 gab er seine Stelle auf und bat um 
Reisegeld, worüber ihn der Senat an den Ganzler Leonh. v. Eck 
wies, welcher den Bescheid gab, dass aus Gnade (da ein itinerarium 
nur beim Eintritte, nicht aber beim Austritte, üblich sei) 25 fl. ge- 
reicht werden dürfen *^^). Da Amantius sich nach Tübingen begab, 
dürfen wir wohl schliessen, dass er zur lutherischen Lehre überge- 
treten sei '^^). Nur leere Namen sind nach Sachlage des uns zugäng- 
lichen Quellen-Materiales die Magister Job. Menzinger, welcher 
um d. J. 1530 eintrat u. 1536 nach Mainz gieng, Paul Hir speck, 
welcher von 1532 bis 1534, da er nach Sulzbach abgieng, Gram- 
matik docirte, Wolfg. Gothard aus München, welcher von 1532 
bis zu seinem Tode (24. Nov. 1564) an der Universität und als 
Privatlehrer Cicero's Schriften erklärte, Leonh. Gebhard aus Kö- 
sching, welcher von 1533 bis zu seinem Tode (1547) die lateinische 
Litteratur vertrat, der Stuttgarter Sebastian Link, welcher i. J. 
1535 wahrscheinlich an des Amantius Stelle kam und bis um 1545 
Rhetorik lehrte (er starb in Freising 1548), und Johann Pol- 
lio"^). Auf die Thätigkeit aber des Hieronymus Ziegler, wel- 
cher i. J. 1540 vorerst als Lehrer der Philosophie eintrat, werden 
wir in der folgenden Periode zurückkommen. Nachdem der Jurist 
Yiglius Zwichem im Senate darauf gedrungen )iatte, dass die Zahl der 
Humanisten vermehrt werde (s. oben Anm. 211), wurde i. J. 1542 
der gekrönte Dichter Lorichius aus Hademar als Lehrer der Poesie 
mit einer Besoldung von 60 fl. aufgenommen, welcher später auch 
das Griechische übernahm*^), während ein anderer Vertreter des 
letzteren Faches Caspar Gurrerius alsbald wegen Nachlässigkeit 
wieder entfernt werden musste ****). Eine bedeutendere Acquisition 
war es, dass nach Zwichem 's Antrag i. J. 1543 Vitus Amerbach 
in die Facultät eintrat, welcher um die hohe Besoldung von 200 fl. 



276) Ebend. Nr. 4, S. 330. 

277) Ebend. Nr. 7, f. 2 v. und Nr. G, S. 75. 

278) S. Bd. II, Biogr. Nr. 88. 

279) Dieselben sind genannt bei Med er er, Annftl., Bd. I, 8. 129, 153, 
158, 176, 211. 

280) Ebend. 8. 177 o. 208 and Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 673. 

281) Aroh. d. üniT. D, IIF, Nr. 7, f. 148. 



■j;Ji 



Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1560). 213 

täglich eine Stunde über aristotelische Philosophie und eine andere 
Stunde über Rhetorik las****) und auch als Schriftsteller sowohl in 
diesen beiden Gebieten (besonder in Ciceronianischer Litteratur) als 
auch durch historische Arbeiten sich nicht ohne Verdienst bethätigte*^***). 
Während seiner zwölQährigen anregenden Wirksamkeit (bis zu seinem 
Tode 1557) finden wir ihn einmal (1549) in einem Conflicte mit dem 
Senate wegen eines komischen Gedichtes unter dem Titel j^Dodor^^^ in 
welchem man eine Verhöhnung der Universitäten überhaupt und ins- 
besondere der Ingolstädtischen erblickte ; indem die Erklärung des Ver- 
fassers, dass er das Gedicht dem Kector Erasmus Wolf gezeigt habe 
und dieser es mit Vergnügen nach Augsburg in die Druckerei ge- 
schickt habe, den Senat nicht zu beschwichtigen vermochte, wurde 
Amerbach vei'urtheilt, die Exemplare auf seine Kosten vom Buch- 
drucker zurückzukaufen und zu vernichten *^^). I. J. 1544 wurde 
Hercules Röttinger zur Lectur der Grammatik aufgenommen*^'^), 
und i. J. 1545 trat als Lehrer der Rhetorik mit einer Besoldung 
von 90 fl. Joh. Pädioneus ein, welcher bis zu seinem Tode (1550) 
über Cicero und Virgilius las '^^) und auch sowohl in der rhetorischen 
Litteratur als in mehreren poetischen Erzeugnissen schriftstellerte'^^). 
Die Dialektik des Cäsarius docirte ein paar Jahre hindurch Paul 
Prunner, welcher i. J. 1548 nach Passau abgieng*^^), worauf an 
seine Stelle Wolfg. Zettel kam, welchen wir in der folgenden 
Periode wieder ' treffen werden. Auch die Pflege des Hebräischen 
wurde fortgesetzt (vgl. oben Anm. 264 f.), obgleich wahrscheinlich 
nicht ununterbrochen; sicher ist, dass i. J. 1536 Nicolaus Wein- 
mann oder Winmann, welcher nebenbei auch griechische Litteratur 
vertrat, eine Besoldung von 40 fl. erhielt *®^) ; an seine Stelle trat 
i. J. 1538 als Lehrer des Hebräischen der Prämonstratenser Wil- 



282) Hederer a. a. 0. S. 208. Aroh. d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 573. 

283) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 39. 

284) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 7, f. 177. 

285) Mederer, a. a. 0. S. IGl. 

286) Ebend. 8. 221. Arch. d. Univ., D, III, Nr. 4, S. 573. Bald nach seiDem 
Eintritte finden wir ihn wogen schwerer Yerbal-Injurien (gegen einen Bürger 
und dessen Frau) als Beklagten, s. ebend. Nr. 7, f. 76. 

287) S. Bd. n, Biogr. Nr. 40. 

288) Mederer, a. a. 0. S. 212. 

289) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 6, 8. 83*. Mederer, welcher den Win- 
mann irrthamlioh erst in d. J. 1538 setzt, fahrt (a. a. 0. S. 163) bereits seine 
Oratio in sanctam hebraicam linguam. IngoUt. 1528 und seine Herculis cum 
Äniaeo pugna, Norimb, 1537 an. 



214 7miT, I, Cup. 13 (1518-1550). 

heim Ulin oder Velin, welcher i. J. 1543 wieder abgegangen 
zu sein S(jheint'^). I. J. 1447 wurde Paulus Aemilius mit einer 
Besoldung von 40 fl. aufgenommen, auf welchen wir gleichfalls in 
der folgenden Periode zurückkommen werden. 

Tm Georgianum war bezüglich der Vermögens -Verwaltung 
einige Unordnung eingerissen, wodurch die Rente abnahm und Schul- 
den gemacht werden mussten; der Herzog ordnete darum im Jan. 
1522 vor Allem an, dass den Stipendiaten nicht mehr als die stif- 
tungsmässigeu 20 fl. gereicht werden dürfe und jeder sich ergebende 
Ueberschuss admassirt werden müsse*^*). Uebrigens weist eine Zu- 
sammenstellung der Einnahmen des Georgianums, welche ongefähr 
um diese Zeit verfasst sein muss, an Geld und Getraid eine jähr- 
liche Rent^ von 1552 fl. aus"*). Der Regens Anton Braun, 
welcher i. J. 1522 Schröttingers Nachfolger geworden war, gab den 
Stipendiaten zu mancherlei Klagen Anlass, welche vom Senate als 
gerechtfertigt anerkannt werden mussten*^*). Nachdem Braun i, J. 
1520 als Suffragan nach Eichstädt abgegangen war, trat Thomas 
Ileckenschink an seine Stelle, und nach dessen Tod (1531) wurde 
von der Artisten-Facultät einstweilen als Verweser Alex ins Ze- 
hentmair gewählt; es scheint nemlich die Sachlage derartig ge- 
wesen zu sein, dass Niemand die Leitung der Anstalt übernehmen 
wollte, denn Thatsache ist, dass zur definitiven Besetzung der Stelle 
kein einziger Bewerber auftrat und erst auf Empfehlung des Her- 
zoges Oswald Fischer genannt Arn sp erger als Regens ge- 
wählt wurde"'). Ein förmlicher Aufruhr der Stipendiaten, welcher 
i. J. 1532 stattfand, endete mit scharfer Bestrafung der Anstifter*'"'). 
Als Nachfolger des Regens Wolfg. Thurn, welcher i. J. 1539 ein- 
getreten war, wurde i. J. 1544 der Landsberger Erasmus Wolf 
gewählt, welcher als Mitglied der artistischen Facultät über Philo- 



2'Jo; Müderer, tt. a. O. S. IHa. Die beiden in der Univ.-Bibliothok vor- 
handenen Druckschriften Ulin'ä Encomium aquilac, Tübingen. 1532 (cino AUe- 
gorie auf den Evangelisten Johannes) und Oratio ad linguae aanctac studiosas. 
fngolat. l.'ilo sind schon angeführt bei Schnurrer, Nachr. y. d. ebcm. Lehrorn 
d. hebr. Liter, in Tübingen. Ulm. 17J>2, 8. l)Ü f. 

->91) S. Bd. II, ürk. Nr. 10. 

Jl>2) Archiv-Conservatorium, Tom. III, f. 31. 

293) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 3, 1528. 

294) Mcderer a. a.. Ü. S. 137 u. 147. üeber Fischer s. Zeitr. II, Cap. 1, 
Anm. 281. 

295) Arch. d. Unir., D, III, Nr. J, S. 31S; vgl. cbcnd. 8. 330. 



Zcitr. I, Cap. IS (1518—1550). 215 

Sophie las und vor seinem Tode (1553) durch testamentarische Ver- 
fügung ein Stipendium für das Georgianum stiftete, wobei wir her- 
vorheben dürfen, dass er in liberalster Weise nach dem Wortlaute 
der Stiftungs-Urkunde des Georgianums (vgl. Cap. 11, Anm. 5) dem 
betreffenden Stipendiaten die Möglichkeit offen Hess, nach absolvirter 
Philosophie ein beliebiges Fachstudium zu ergreifen *^'^). Ausserdem 
hatte das Georgianum während dieser Periode einen mehrfachen Zu- 
wachs des Stiftungs-Vermögens erhalten, indem Seh webelmaier (1531) 
drei, der Würzburger Canonicus Joh. Zeys (1543) eine, und Joh. 
Winkler (1547) zwei Collegiaturen stifteten*^'). 

Was die Bibliothek betrifft, dürfen wir annehmen, dass eine 
fortschreitende Nachschaffung stattfand (vgl. Cap. 12, Anm. 129), in- 
dem uns wenigstens aus d. J. 1528 ein Zuwachs der juristischen 
Litteratur bezeugt ist^^^j. Auch finden wir bezüglich der Buchhänd- 
ler, welche Universitäts - Angehörige waren, in den Jahren 1529 u. 
1530 den Abschluss von Verträgen über den Verkauf oder die Lie- 
ferung der nöthigen Vorlesebücher *^^) , und nachdem i. J. 1539 der 
Buchdrucker Alex. Weissenhorn aus Augsburg nach Ingolstadt über- 
gesiedelt war, wurde er i. J. 1541 in seinem Gewerbe durch den 
Senat gegen auswärtige Concurrenz geschützt, insolange ihm der 
Verschleiss seines Verlages in den kaiserlichen Staaten verboten 
sei ^). 

Blicken wir zum Schlüsse dieser Periode noch auf die Verhält- 
nisse der Studenten, so liefern zunächst die oben angeführten 
Statuten den Beweis, dass für die Mehrzahl, und zwar jedenfalls für 
die Studirenden der artistischen Facultät, das Wohnen .in einer Burse 
noch immer als die gesetzliche Regel galt (vgl. oben Cap. 10, Anm. 84), 
und wir finden auch in den Jahren 1536 und 1541 noch die bursa 



2%) Medercr a. a. 0. 8.. 1G7, 11)0, 235; den Inhalt diesor Stipendien- 
Stiftung ersehen wir aus dem im Archive dos Georgianums befindlichen Ori- 
ginale. Vgl. Zoitr. II, Cap. 1 , Anm. 453. 

297) Die Urkunden im Archive des Georgianums. 

298) Arch. d. Univ. D, III, Nr. G, S. 157. Im Vergleiche mit der oben, 
Cap. 10, Anm. 20, erwähnten juristischen Litteratur besteht der neue Zuwachs 
aus: Azo summa, Rolandinus summa, Olradus consilia, Plucentinus, Antonius de 
Roselh's, Laurentius de Rudolphis, Franciscus de Platea, Petrus de Imola, Ber- 
tachinus rcpertorium, Barbatia, Bernardus casus, Lanfrancus, Vincontius Bello- 
vacensis. 

299) Arch. d. Univ. D, III, Nr. G, S. 203 und Nr. 4, S. 291. 
300)'Modorer a. a. 0. S. 166 j Aroh. d. Univ. ebcnd. Nr. 7, f. 147. 



216 Zeitr. I, Cap. 13 (1518—1560). 

angelica, draconis uud lilii ausdrücklich erwähnt, ja sogar i. J. 1544 
die Errichtung einer neuen Burse ^^'). Die Handhabung der Disciplin 
bot manche Schwierigkeit dar, und man war genöthigt, nicht bloss 
(1523) das bestehende Verbot der choreae zu erneuern, sondern 
namentlich wiederholt (1523, 152G, 1528) das Waffentragen zu ver- 
bieten*^); auch wurden (1529) alle jene Studenten, welche Concu- 
binen hielten, vor den Bector citirt, um den Befehl zu vernehmen, 
dieselben zu entlassen ^^). Dass durch die glühend eifrige Fürsorge 
für Beinhaltung des Dogma's und selbst durch Eetzer-Yerbrennung 
die Sitten der studirenden Jugend nicht wesentlich gebessert worden 
waren, ersehen wir aus einem herzoglichen Mandate v. J. 1549, wel- 
ches das Betragen bei Hochzeiten und während des Gottesdienstes 
betrifft und auf bedauerliche Bohheit schliessen lässt^*), und in den 
Protokollen zieht sich ein langes Begister bewaffneter Tumulte, unter 
welchen (1522) ein förmlicher Krieg zwischen Schwaben und Bayern 
hervorragt^'), sowie tödtlicher Baufhändel u. dgl. durch die ganze 
Periode hindurch^*). 



301) Aroh. d. Unir. obend. f. 117, 147, 165. 

302) Ebend. Nr. 4, S. 141, IGl, 216, 265. 

303) Ebend. S. 282 u. 287. 

304) S. Bd. II, ürk. Nr. 03. 

305) Aroh. d. Unir. D, III, Nr. 4, S. 120. 

306) Ebend. S. 41, 45, 162, 216, 324 and Nr, 7, f. 10, 20, 22, 33, 70, 102, 
106, 112, 134 u. VII, 1538. 



Zweiter Zeitraum. 



Vom Eintritte der Jesuiten bis zur Aufhebung 

des Jesuiten-Ordens. 



» . 



Zweiter Zeitraum. 

Vom Einti'ittc* der Jesuiten bis zur Aufhebung des 

Jesidten - Ordens. 



Cap. 1. 

Die Periode von 1550 bis 1588, d. h. bis zur völligen Besetzung 
der philosophischen Facultät durch die Jesuiten. 

Hatte unsere Universität nach einer glänzenden Anfangszeit be- 
reits in den näclistverflossenen Jahrzehenten immerhin im Ganzen 
eine einseitige Kichtimg eingeschlagen, wobei jedoch einzelne hervor- 
ragende Leistungen nicht ausgeschlossen waren, so wurde sie nun- 
mehr seit der Mitte des 10. Jahrhundertes durch das Eingreifen des 
Jesuiten- Ordens auf das Empfindlichste berührt. Allerdings war In- 
golstadt nie im vollen Sinne eine Jesuiten-Universität, wie etwa Inns- 
bruck, Graz oder vor allem Dillingen, sondern es ist einerseits im 
Auge zu behalten, dass in Ingolstadt die Jesuiten nur einen Theil 
der theologischen Facultät und nach langen Kämpfen die philosophi- 
sche Facultät besetzten, wozu später nur noch der canonistischo Lehr- 
stuhl kam , sowie dass statutengemäss nie ein Jesuit Rector sein 
konnte und auch die Stiftungsurkunde, wornach Ordensgeistliche vom 
ßectorate ausgeschlossen waren, hierin nur Ein Mal i. J. 1550 (beim 
ersten Eintritte der Jesuiten) verletzt wurde ; andrerseits wird uns die 
Geschichte selbst nachweisen, die C amtcorporation der Uni- 

versität und besonders die jorisi le I iltftt den wiederholten 
Schlangenwindungen der Jesni teil einer 

wirklichen Jesuiten-UnirenitU 1 

vielf h aiich erfolgreichcöi 



220 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

dem war das Eingreifen des Jesuiten-Ordens an sich schon ein un- 
ermessliches Unglück für die Universität; denn hier handelt es sich 
nicht mehr, wie in der vorhergehenden Periode, um die Nachtheile 
eines einseitigen Confessionalismus, sondern um die Wirkungen eines 
gemeingefährlichen Institutes, welches jedem einzelnen seiner Mit- 
glieder bewusst oder unbewusst in höherem oder geringerem Grade 
ein Element des Bösen einimpfte; sicher nemlich konnte der einzelne 
Jesuit im Allgemeinen einen sittenreinen Lebenswandel führen oder 
sich Monate und Jahre hindurch auf wissenschaftlichen Gebieten, 
selbst in erfolgreicher Weise, bethätigen; aber sobald der Jesuit als 
Mitglied seines Ordena wirkte, musste er in Folge der Obedienz zum 
unsittlichen Werkzeug eines verwerflichen Zweckes werden. Durch 
den muthvollen Kampf, welchen fortan die Universität gegen die Be- 
strebungen des Jesuiten-Ordens zu führen hatte, wurde eine Menge 
edler Kräfte vergeudet, welche wahrlich Besseres hätten leisten können ; 
und jene eigenthümliche Vorliebe der Regenten Bayerns für den Je- 
suiten-Orden , welche vom Standpunkte einsichtiger Politik aus Nie- 
mand wird rechtfertigen können, hätte sich wohl bei der überreich- 
lichen Stiftung verschiedener Jesuiten-GoUegien an anderen Orten 
begnügen können, während die Universität, — das edelste Kleinod 
des Landes —, von solcher Vergiftung hätte frei bleiben dürfen. 

Der Geschichtschreiber der Universität muss sich bezüglich der 
Jesuiten eine analoge Schranke auferlegen wie bei dem Wieder- 
erwachen des Alterthumes und bei der Reformation; denn es ist hier 
nicht unsere Aufgabe, den Jesuiten-Orden überhaupt, selbst nicht mit 
der Beschränkung auf die Verhältnisse Bayerns, nach all seinen 
Seiten darzustellen *), sondern es darf nur die Ingolstädter Universität 
in Betracht kommen. Und zwar mögen hiemit, da der Eintritt des 
Ordens wesentlich neue Verhältnisse und Kämpfe mit sich bringt, 



1) Bokannio oin8ohl3gigo Littoratur: (Cromo) Prag^. Gtosoh. d. Tornehiii- 
Bten Mönchsordon Yol. X. Lpz. 1783. Wolf, Allg. Gesch. d. Josuiten. Zttroh. 
1789. Buchor, D. Jesuiton in Baiern. MQnchon. 1819 ff. Sagenheim, Oesoh. 
d. Jesuiten. Frkfrt. 1847. Lipowsky. Gesch. d. Jos. in Baiem. Manchen. 1816. 
T. Lang, Gesch. d. Jos. in Baiem. Namb. 1819. Zum Besten aber, was hior- 
Qber goschrieben worden, gehört Eberh. ZirngiobI, Stadien über d. Instit. 
d. Gesellsch. Jcsa. Lpzg. 1870. Uebrigens muss ich darauf rerweisen, dais in 
Wienlgenaa die nomliohon Kämpfe mit den Jesaiten zu fQhren waren und auch 
ein analoges Resultat hatten wie in Ingolstadt^ sowie dass Aehnliches spftter in 
Freiburg i. Br. vorkam; s. Kink, Gesch. d. Un. Wien, Bd. I , S. 828 ff., 
Schreiber, Gesch. d. Un. Freiburg, Bd. II, S. 808 f. u. 397 ff. 



Zeitr. H, Cap. 1 (1550—1588). 221 

für diese Periode vorerst die Jesuitica in ihrer geschichtlichen Reihen- 
folge vorgeführt werden, um hernach den übrigen Bestand der Uni- 
versität darzulegen. 

Schon Herzog Wilhelm IV., welcher für seinen aufrichtigen 
Wunsch, den Klerus aus der tiefen Yersunkenheit und sittlich-wissen- 
schaftlichen Verwahrlosung emporzuheben, bei den Bischöfen wahr- 
lich keinerlei Unterstützung fand, hatte gelegentlich den Jesuiten 
Peter Faber, persönlichen Freund Lojola's, kennen lernen und seit 
jener Zeit eine günstige Meinung über den neuen religiösen Orden 
gefasst. In der That auch mussten die Jesuiten durch einen ge- 
wissen Schliff scholastischer Gelehrsamkeit und ihr äusserlich an- 
ständiges Benehmen im Vergleiche mit den entsetzlich verwilderten 
Klerikern Bayerns einen angenehmen Eindruck machen, und nur der 
tiefste Scharfblick hätte es vermocht, bereits damals in den Anfängen 
das Princip des Ordens-Geheimnisses nebst all seinen gemeingefähr- 
lichen Folgen zu durchschauen. Darum mag es eine gewisse Ent- 
schuldigung finden, wenn sowohl der Herzog als auch seine Bäthe 
(Graf Seh warzenberg , Canzler Eck, Augustin Lösch und Wigulejus 
Hund) für die Jesuiten zu schwärmen begannen und hiedurch un- 
bewusst den Grund zu Weiterem legten, was vor dem Richterstuhl 
staatsmännischer Weisheit nicht mehr verantwortet werden kann. 

Dass bereits i. J. 1543 der Theologe Marstaller den Jesuiten 
Claude Le Jay (Claudius Jajus) aus Rom mitbrachte, welcher 
i. J. 1544 in Ingolstadt einige Vorlesungen hielt, war einerseits 
nur ein vorübergehendes Ereigniss, denn Jajus gieng i. J. 1545 
wieder ab (nach Augsburg, Salzburg, Worms, Trient), und andrer- 
seits hatte nach damaliger Universitäts-Sitte eine derartige kurze 
Gastrolle keine besondere Bedeutung'). Aber i. J. 1548 wendete 
sich der Herzog schriftlich an den Papst Paul III mit der Bitte, 
Mitglieder des Ordens als theologische Professoren nach Ingolstadt 
zu schicken, und nachdem der Cardinal Alexander Famese die länger 
dauernden Verhandlungen mit Lojola geführt hatte, kamen im Nov. 
1549 eben jener Jajus (um welchen namentlich gebeten worden 
war) und der Spanier Alphons Salmeron und der Belgier Peter 
Canisius in München an*^). Herzog Wilhelm behielt sie einige 
Tage bei sich und liess sie dann durch seinen Secretär Schweiker 
nach Ingolstadt begleiten, woselbst sie (13. Nov.) sofort nach ihrer 



2) Agrioola, Eist promiic, soc, Jesu Oerm, super. I, 8. 14. 

3) S. aber die drei Bd. II, Biogr. Nr. 41, 42, 43. 



222 Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 

Ankunft im Gasthofe vom Rector Zoanettus und sämmtlichen Pro- 
fessoren durch eine Begrfissungs-Rede des Vicecanzlers Theander 
empfangen wurden, worauf Canisius die Erwiderungs-Bede hielt; 
Wohnung wurde ihnen im alten Co]Iegium angewiesen, Speise und 
Trank erhielten sie aus dem Georgianum ; am 26. Nov. machten 
Salmeron und Canisius den feierlichen Anfang der Vorlesungen 
(das sog. Principium); ersterer las Aber den Romerbrief, letzterer 
über das 4. Buch des Petrus Lombardus; Ja jus, dessen eigentliche 
Aufgabe die Einrichtung eines vollständigen Jesuiten-Collegiums war, 
hielt einige Vorlesungen über die Psalmen^). 

Während nun der herzogliche Canzler Eck von diesen Jesuiten 
auch eine Reform der artistischen Facultät wünschte, dieselben aber 
eine mangelhafte Vorbildung der Studenten zu entdecken glaubten 
und sonach die Errichtung eines philosophischen Vorcurses anstrebten, 
wurden die hierauf bezuglichen Verhandlungen durch den Tod des 
Herzoges f6. März 1550) und seines Canzlers (17. Märzj unterbrochen. 
Herzog Albrecht V war in seiner milderen Anfangs-Periode den Je- 
suiten nicht so gunstig, als sein Vorgänger, und auch einem Schreiben 
des Jajus an den herzoglichen Rath Stockmar, welches den Hin- 
weis auf die Nothwendigkeit eines vollständigen Jesuiten-Collegiums 
enthielt^), wurde vorerst keine Folge gegeben. So kam es, dass 
noch i. J. 1550 Jajus, welcher das neue Collegium hätte ins Leben 
rufen sollen, sich nach Augsburg begab und von dort nach Wien 
gieng, wo er die erste Jesuiten- Anstalt auf deutschem Boden ein- 
richtete; auch Salmeron wanderte imnemlichen Jahre nach Italien. 
Als Ersatz für diesen Abgang erschienen Nie. Gaudanus aus Bo- 
logna, welcher Moraltheologie las''), und Peter Schorich für Philo- 
sophie und Hebräisch, welcher jedoch noch im Laufe des J. 1550 
nach Wien abgieng. Canisius aber wurde a. 18. Oct. 1550 vom 
Senate unter Verletzung der Stiftungs-Urkunde der Universität zum 
Rector gewählt und bald hernach vom Eichstädter Bischöfe zum Vice- 
canzler ernannt'), eine doppelte Uebereilung, welche theils durch des 
Canisius persönliche Vorzüge, theils durch jene Schwärmerei entschul- 
digt werden mag, welche sich damals überhaupt über die Ziele des 
Jesuiten-Ordens noch nicht klar war (— nach diesem einzigen Aus- 



4J Agricola, a. a. O. 8. 19; Mc derer. Annal. Bd. I, S. 214. 

r>) Reichs-Archiv, .Tesuitico, Iiigolst. Fase. 73, Nr. VMi (10. Juni 1550). 

C) S. Bd. il, Biogr. Nr. 44. 

7) Mederer, a. a. O. S. 217-19. Vgl. unten Anni. ül. 



' . ■ '. 



Zeitr. IT, Cap. 1 (1650-1598). 223 

nahmsfalle war nie mehr ein Jesuit Rector — ). Doch im März 
1552 folgten auch Canisius und Schorich einem Kufe des Kaisers 
Ferdinand an das Wiener Jesuiten-Collegium®). 

Wären somit die Jahre 1550—52 eine gar kurze Jesuiten-Epi- 
sode unserer Universität gewesen, so hatten es die Jesuiten ihrem 
kaiserlichen Schutzherrn Ferdinand als dem Schwiegervater des bayeri- 
schen Herzoges und zugleich auch der Gemalin (Anna) des letzteren 
zu verdanken, dass sie in Ingolstadt wieder festen Fuss fassten. 
Nachdem Kaiser Ferdinand seinen Schwiegersohn durch ein Schreiben 
V. 10. Oct. 1551 förmlich aufgefordert hatte, in Ingolstadt ein Je- 
suiten-Collegium zu gründen^), wurde dem Herzog Albrecht auch 
eingeredet, dass er durch seine milde Mässigung überhaupt in schlim- 
men Geruch zu kommen beginne'**)» und so reifte allmälig der Ent- 
schluss, durch Forderung der Jesuiten ein gottgefälliges Werk zu 
verrichten. Im Anfange des J. 1555 sandte der Herzog den Wigul. Hund 
nach Wien, um den Canisius zur Herstellung eines Collegiums nach In- 
golstadt zu zielien, und gleichzeitig den Secretär Schweiker nach Rom 
zu Lojola^'), worauf im Spätherbst desselben Jahres die genannten 
beiden herzoglichen Jesuitenfreunde nebst dem Burghausener Canzler 
Simon Eck zu einer längeren Besprechung mit Canisius, welcher 
von Prag herbeikam, zusammentraten. Die Verhandlungen, welche 
V. 27. Nov. bis 31. Dec. dauerten und ausserdem auch anderweitige 
Universitäts- und städtische Verhältnisse betrafen (daher wir noch 
öfters darauf zurückkommen müssen), ergaben, dass ein völliger Neu- 
bau eines theologischen Collegiums, worüber Plan und Voranschlag 
eingeholt wurden, nicht bloss sehr kostspielig sei, sondern auch zur 
Vollendung mehrere Jahre in Anspruch nehme, daher man unter 
Vertröstung auf die Möglichkeit, dass die Jesuiten etwa das leer 
werdende Baarfnsserhaus dereinst beziehen könnten, den Canisius dazu 
bewüg, dass seine Ordens-Mitglieder vorläufig das alte Collegium, 
welches nur einer Reparatur bedürfe, beziehen sollten, woran sich 
noch der Plan knüpfte, für 12—20 jesuitische Candidaten, deren 
Aufsuchung dem Canisius überlassen blieb, neue Stipendien im Geor- 



b) Ebend. S. 22(>. 

9) Freyberg, Gesetzgebung a. Stofttsverw. Bd. III, S. S 
a. a. 0. S. 283. 

10) Agricola, a. a. O. S. 31 f. n. S4. 

11) Me derer, a. a. O. S. 243. 



224 Zeitr. II, Gap. 1 (1660—1588). 

giannm zu stiften^*). In solchem Sinne wurde mit Canisius am 
7. Dec. 1555 eine ^^Capiitdatio de erigendo novo colUgio tJieologieo 
in usum socieiaiis Jesu^^ abgeschlossen^*), wornach der Herzog in 
Erwägung, dass es an theologischen Arbeitern (operarii) fQr die 
orthodoxe Religion mangle, ein collegium theologicum zum Gebmuche 
der Jesuiten stiftet, dasselbe unter die Jurisdiction des Ordens und 
unter die Leitung des Ordens-Generales (ohne Präjudiz des Herzoges 
und der Universität) stellt und mit jährlichen 800 fl. nebst mehreren 
Schäffeln Getraide dotirt (im Ganzen eine Jahres-Bente von 1500 fl.). 
Zur sittlich-religiösen Erziehung Geistlicher sollen zunächst zwei 
jesuitische Professoren der Theologie in die Anstalt eintreten und 
ausserdem dort eine unentgeltliche schola puerorimi gehalten werden; 
die Mitglieder dienen auf Ruf dem Herzoge zur Pflege der Religion, 
sie geniessen alle Privilegien der Univei*sität , sind aber dafOr auch 
dem Rector, dem Senate und den Statuten der theologischen Facultät, 
vorbehaltlich der Privilegien des Ordens, in Universitäts-Sachen unter- 
worfen. Aus den dem Canisius bekannten Ursachen wird ihnen einst- 
weilen, um keinen Tag zur Anstellung der erforderlichen Professoren 
zu versäumen, das alte Collegium als Wohnung angewiesen ; ein Garten 
wird für sie gemiethet werden. Obige Dotation wird von dem Tage 
ihrer Ankunft an fliessen, welche längstens im Frühjahr 1556 zu 
erwarten sei; Reisegeld sei für sie bei Banquiers {hancharit) in Rom 
angewiesen. Weitere Statuten werden nach ihrer Ankunft mit ihnen 
selbst berathen werden; der Herzog wird an Lojola schreiben, sowie 
Canisius an den Ordens-General. Indem aber in diese Capitulation 
auch die Bestimmung aufgenommen war, dass die Aufnahme der 
Mitglieder in das Collegium nur unter Yorwissen und mit Einwilli- 
gung des Herzoges geschehen dflrfe, glaubte Lojola hierauf nicht 
eingehen zu können, und der Herzog unterwarf sich wirklich bedin- 
gungslos''). Das Antwortschreiben des Herzogs an Lojola vom 11. 
Mai 1556 '^0 enthält die Versicherung, dass es bei dem Plane, ein 
seminarium fidelium ministrarum catholicac religionis zu grQnden, 
sein Verbleiben habe; es solle aber nach Wunsch des Ordens über- 
haupt keine gegenseitige ^^obligaiio^^ sein, sondern gewisse articuli. 



12) Archiv-Consenr., Tom. IIL, f. 54. Reichs- Arohir, Jesuitio«, In^st. 
Faso. 73, Nr. 1374. 

13) Gedruckt b. Med er er, Cod. dipl. 8. 282. 

14) Sugenheim, a. a. O. 8. 285. 

15) Gedmokt bei Me derer, Cod. dipl. 8. 286. 



i.«i 



Zeitr. ir, Cap. 1 (1560-.1588). 225 

über welche man übereingekommen, würden „obligationis instar*''^ ob- 
servirt werden; sollten die Jesuiten in einigen Puncten abweichen, 
so würde darum die Dotation nicht unterbleiben, sondern nur in 
utiliora pieiatis opera verwendet werden; Lojola möge sonach wo 
möglich noch vor dem Eintritte der grossen Hitze oder wenigstenf 
sogleich nach den Hundstagen einige Jesuiten absenden; als Eeise- 
geld seien 300 Goldkronen in Rom angewiesen; zu weiterer Be- 
sprechung werde mit Erlaubniss des Kaisers Canisius nach Ingolstadt 
kommen. Lojola seinerseits schrieb a. 8. Juni an den herzoglichen 
Secretär Schweiker'^) unter grossen Lobsprüchen über den religiösen 
Fürsten und Vorkämpfer der katholischen Keligion, es sei die Ab- 
sendung der Jesuiten beschleunigt worden, weil nach dem Augsburger 
Religionsfrieden in Rom gar finstre Gerüchte über Bayern in Umlauf 
gewesen; er selbst habe seine Ordensbrüder vor der Abreise zum 
Papste geführt und dieser ihnen den Segen gegeben. Auch in dem 
an Herzog Albrecht gerichteten Briefe vom 9. Juni^') erwähnt Lo- 
jola den guten Geruch {bomis odor), welchen die rasche Absendung 
der Jesuiten in Rom verbreitet habe; die Reisegesellschaft bestehe 
aus einem Rector des zu errichtenden Collegiums, zweien theologi- 
schen Professoren, einigen Lehrern, welche für Humaniora und, wo 
nöthig, für Hebräisch verwendet werden können, und etlichen Schü- 
lern als Nachwuchs für die Zukunft; Einhaltung der vereinbarten 
Artikel sei Allen aufgetragen; die Anwesenheit des Canisius, an wel- 
chen er selbst geschrieben habe, werde für die Sache von Vortheil 
sein. Am 7. Juli traf die aus G Jesuiten und 12 Alumnen nebst 
einigem Dienstpersonal bestehende Gesellschaft ''^) in Ingolstadt ein 
und wurde vom Rector Weber und den Professoren Zoanettus, Ever- 
hard und Agricola begrüsst, hierauf drei Tage hindurch öffentlich 
bewirthet, und dann in das alte Collegium geleitet, woselbst der 
Vicecanzler Theander die Begrüssungs-Rede hielt ^®). Am 20. Aug. 
erliess der Herzog an die neuen Ankömmlinge ein freudevolles Be- 
grüssungs-Schreiben, worin er dieselben dem Schutze der Universität 
und der Stadt empfiehlt und Alles gute hofft *^); hieran knüpft sich 
auch die Formulirung jener vereinbarten Puncte, von welchen in den 

16) Ebend. S. 289. 
17j Ebend. S. 287. 

18) Die 18 Namen ebend. S. 291 f. (der dort genanote Hermannua NOTeiiaiiaif 
ist identisch mit Hermannus Thyräus). 

19) Mederer, Ann. Bd. I, S. 247. 

20) Gedruckt b. Mederer, Cod. dipl. S. 290. 

PrantI, Oescbichle der L'niTersiliit MQnoben I. 



226 Zcitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

erwähnten Briefen Lojola^s und des Herzoges die Bede war; dieselben 
haben mit Studium oder dgl. schlechterdings Nichts zu schaffen, son- 
dern betreffen nur (nach den Constiiutiones des Ordens, Pars 11^ 
Cap. II „JDe memoria facienda erga fundatores collegiorum et bene 
de ipsis meritos^^) die Förderung des Seelenheiles der Begenten 
Bayerns durch gottesdienstliche Handlungen der Jesuiten^'). 

Bei Weitem aber die Mehrzahl jener 18 Ordens-Angehörigen 
berührt die Universität als solche durchaus nicht, sondern ist nur als 
der erste anfängliche Bestand des später erweiterten Ingolstädter 
Jesuiten-Collegiums zu betrachten, in welchem der Orden nach seiner 
bekannten „Ratio studiorum^^ sich ebenso wie an vielen anderen Or- 
ten allmälig einrichtete. Und da die Geschichte jenes CoUegiums 
als solchen **) ebenso wie die Geschichte des Gymnasialwesens über- 
haupt ausserhalb unserer Aufgabe liegt, dürfen hier für den ganzen 
weiteren Verlauf nur jene Personen oder jene Einrichtungen zur 
Sprache kommen, welche auf irgend eine Weise in die Universität 
oder in eine ihrer Facultäten herübergriffen. So waren es von jener 
aus Bom eingetroffenen Jesuiten-Gesellschaft nur drei Personen, welche 
mit der Universität zu schaffen hatten ; nemlich Johann Convi Hon 
aus Flandern und Hermann Thyräus (auch Novesiensis ge- 
nannt) traten noch i. J. 1556 zufolge der ursprünglichen Convention 
(ob. Anm. 13) als zwei jesuitische Professoren der Theologie in die 
theologische Facultät neben den beiden dort bereits vorhandenen Mit- 
gliedern derselben (s. unten Anm. 278 ff.) ein und wurden auch, 
nachdem sie den üblichen Eid geleistet, sofort in den Senat aufge- 
nommen*-^); und Theodor Peltanus aus Geldern"), welcher ge- 
mäss seiner hervorragenden philologischen Bildung im Jesuiten- 
Collegium die Humaniora zu vertreten bestimmt war, kam erst im 
folgenden J. 1557 dadurch in Berührung mit der philosophischen 



21) Ebend. S. 292. 

22) Die TOD venohiedenen Verfassern herrührenden Bftnde der Hud, provinc 
8oe, Jesu Oerman, auperioris sprechen, wie sich von selbst versteht, hftufig vom 
Ingolstädter CoUegium. Handschriftlich finden sich in der Univers.-Bibliothek: 
Cod. Mscr. 819. 4 Societcu Jesu Boica ex Alegambe \ 299. 4 Biegeisen, Cata- 
logus Jesuitarum Ingolstadii mortuorum; 829. 4 De Jesuitarum canviciu In- 
goUAadiensi, Ein handschriftlicher Folio- Band über das Ingolstädter Collegium 
befindet sich in der Stadtpfarr- und Cäpitel-Bibliothek zu Ingolstadt. 

23) Mederer, Annal. Bd. I, S. 247. Ueber die beiden genannten s. Bd. II, 
Biogr. Nr. 45 u. 46. 

24) 8. Bd. II, Biogr, Nr. 47. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 22? 

Pacaltät, dass dieselbe vom Herzoge beauftragt wurde, beim Bector 
des Jesuiten -Collegiums nachzusuchen, dass Peltanus auch an der 
Universität publice Aber griechische Grammatik lesen dürfe**). Es 
war sonach dieser zweite Eintritt der Jesuiten im Vergleiche mit 
den bald naclifolgenden Ereignissen immerhin noch ein bescheidener 
Anfang, wobei ja auch der Professoren-Eid noch geachtet blieb. Aber 
andrerseits waren auch die Mitglieder der artistischen Facultät 
wahrliph nicht im Unrechte, weun sie aus dem Auftreten des ersten 
unberufenen jesuitischen Eindringlings für die Zukunft noch Schlim- 
meres befürchteten *^). 

War Herzog Albrecht, wie obiger Briefwechsel mit Lojola zeigt, 
bereits in den nächstvorhergelienden Jahren von den schlauen Fäden 
des Jesuiten-Ordens arglos umgarnt gewesen, so erhielt letzterer noch 
eine weitere StiUze, als der Herzog i. J. 1558 den Burghausener 
Canzler Simon Thaddäus Eck an die Spitze der Kegierungs- 
Geschäfte stellte'"); und unter diesem fanatischen Manne, welchem 
der Papst nicht als hinreichend päpstlich galt, durften die Jesui- 
ten es erfolgreich wagen, mit ihren innersten Absichten allmälig 
hervorzutreten. Das Jesuiten -Collegium, aus welchem Canisius 
i. J. 1558 ausschied, um auf Einladung des Bischofes als Prediger 



25) Archiv d. Univ. E, I, Nr. 2, 24. Sept. 1557 (vgl. unten Anm. 401). 
Im J. loi)2 trat Peltanus an Couvillon'd SteUe, welcher zum Concil nach 
Trient gieng, in die thcolugiäche Facultut über, s. unten Anm. 28t. 

2C) Me derer schiebt nach seiner Weise den artistischen Magistern niedrige 
Motive unter (Annal. Bd. I, S. 347). 

27) Simon Thaddäus £ck war als jüngerer Stiefbruder des berühmten 
Johann Eck i. J. 1514 geboren; i. J. 1530 absolvirte er als Magister die artisti- 
sche Facultät und studirte Jurisprudenz, in welcher er i. J. 1582 als Dootor 
promovirt wurde; hierauf lebte er in Wien als juristischer Official des Bischofes 
von Passuu und als Assessor des erzbiüchöflichen. Gerichtes zu Salzburg; dann 
war er Consiliarius des Eiclistiidter Bischofes und wurde i. J. 1545 Ganzler im 
Rentamte Bnrghausen; nachdem ihm i. J. 1558 Herzog Albrecht die oberste 
Leitung anvertraut, setzte er seine ganze Energie daran, eine Besserung des 
Klerus zu bewerkstelligen und jeden Hauch antipapistischer Regungen su er- 
pticken (s. unten Anm. 182). Seine Gegner aetsten den Yers in Umlauf: „Zu 
München hat*s ein scharpfes Eck, davon stürzt man Ootts Wort hinweek.** Er 
starb als kaiserlicher Titular-Hofrath a. K Febr. 1674. Dm Toa »ttel 

herausgegebene Schrift „Zucfutf aoid. Ingo <i. tw 
Eckii....'' (Ingoist. 1574. 8) enthftlt die Ut 
jar. Prof. Ossanaeus gehalten, eine li Bb« I 

dichte Rotmar^H und Engerd's auf ihn. 



230 Z«»tr. ir, Cap. 1 (1550—1588). 

villiguDg erholt gehabt, so wflrden sie gewiss nicht angefragt, son- 
dern nach ihrer Weise als Sieger den Besitzer sofort vertrieben haben ; 
der zum neuen Carcer angebotene Ort sei völlig unpassend; die be- 
dauerliche Ungnade des Herzoges sei nur Folge der Verlfiumdnngen, 
welche die Jesuiten gegen die Universität zu üben lieben; dieselben 
brennen vor Begierde, Alles an sich zu reissen (cupido occnpandi 
omnia), sie lassen ihre Alumnen keinerlei theologische oder aiii- 
stische Vorlesung besuchen, halten sich auch vom Universitäts-Gottes- 
dienste ferne; es sei im Allgemeinen die Furcht nicht unbegründet, 
dass durch die Jesuiten die Universität neuerdings in Verfall ge- 
rathe*^'). Eine noch schärfere Sprache führte die Universität in der 
Instruction, mit welcher sie in dieser Angelegenheit am 16. Dec. 
den jur. Professor Nicolaus Everhard nach Mönchen an den Herzog 
schickte*'*^); unter Wiederholung der eben erwähnten Gesichtspuncte 
wurden dabei an die Regierung unter anderen die Fragen- gestellt, 
ob es wirklich an dem sei, dass man sich jedem noch so ungebür- 
lichen Begehren der Jesuiten fflgen milsse, ob man ihnen etwa auch 
die unentbehrlichen Räume des Archives im alten Collegium ein- 
räumen solle, ob die ihnen iibergebenen Lehrstellen in der artisti- 
schen Facultät bleibende Domäne des Ordens als solchen sein sollen 
und die weltlichen Mitglieder wirklich fortan ihnen nachstehen sol- 
len, ob die Zahl der Jesuiten im Senat« bis zur Stimmengleichheit 
oder gar bis zur Majorität gesteigert werden wolle, ob Rector und 
Senat nicht melir die Filrsorge für Universitäts-Angelegenheiten und 
über das alte Collegium ausüben sollen, ob es hingegen nicht rath- 
samer sei, die für den Himmel arbeitenden Jesuiten von der Last der 
Senatssitzungen und anderer weltlichen Dinge völlig zu entledigen, 
ob die Jesuiten bezüglich ihrer gottesdienstlichen Verrichtungen völlig 
nach ihrem Belieben schalten dürfen, ob sie ihren Zöglingen den 
Besuch der Univcrsitäts- Vorlesungen wirklich verbieten dürfen, ob 
sie der Jurisdiction der Universität unterworfen seien oder nicht, ob 
sie die ihnen übertragenen Lehrstühle beliebig besetzen und auch un- 
besetzt lassen dürfen, ob bei Jesuiten nicht gleichfalls legitime Ge- 
burt und akademischer Grad gefordert sei, wenn sie an der Uni- 
versität lehren wollen. — Diese energische Sprache wirkte bei Hof 
einigermassen , und Everliard kehrte am 22. Dec. mit dem herzog- 
lichen Bescheide zurück, dass im alten Collegium den Jesuiten durch- 

.S7) Kbend. f. Wh 

38) S. Bd. II, Urk. Nr. 83. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 229 

Herzog sprach gelegentlich schon i. J. 15G2 Klagen über Saumselig- 
keit des Unterrichtes in der Schola pueronim aus^). 

Im J. 1564 zeigte die Regierung zunächst (5. Juli) wieder ihre 
Nachgiebigkeit gegen die Jesuiten; nachdem nemlich die artistische 
Facultät sich beschwerend an den herzoglichen Rath Yend gewendet 
hatte, dass die Jesuiten von jedem ankommenden Studenten einen 
Religions-Eid (auf das Tridentinum, s. unten Anm. 138) fordern, wo- * 
durch theils Verbissenheit erzeugt werde, theils die Frequenz der 
Universität abnehme, sowie dass sie den Joh. Albert Wimpi^ 
nensis, welcher im vorigen Jahre nur fflr Rhetorik war angestellt 
worden, nunmehr in die Facultät eindrängen wollen, so fand die Re- 
gierung für gut, auf den ersteren Punct gar nicht zu antworten und 
den (durch Reisacher's Abgang) freigewordenen Lehrstuhl der Philo- 
sophie einem anderen Jesuiten, dem Heinrich Arboreus, zu 
übertragen, welcher bis dahin nur an des Peltanus (ob. Anm. 25) 
Stelle im Collegium die Humaniora vertreten hatte''*). War hie- 
durch ersichtlich, dass die Jesuiten über ihre ursprüngliche Bestim- 
mung hinaus , welche auf zwei theologische Professuren und Gymna- 
sial-Unterricht im Jesuiten-Collegium beschränkt war, sich immer 
wieder den Weg in die artistische Facultät zu bahnen wussten, so 
kam die Sache noch im nemlichen Jahre durch eine lediglich äussere 
Veranlassung zum ersten Male zum Bnich, so dass auch die Regie- 
rung einlenken musste. Nemlich die Jesuiten hatten in ihrer drei- 
sten Weise in dem ihnen angewiesenen alten Collegium die Carcer- 
Räume zu Krankenzimmern umzubauen beschlossen und geäussert, 
sie wollten hiefür der Universität in einer anderen Oertlichkeit 
(nahe an der Scliutter) einen neuen Carcer herstellen. Da nun die 
Universität den Umbau im alten Collegium inhibirte, erfolgte so- 
fort (8. Dec.) ein fulminant ungnädiger Befehl des Herzoges, den 
Jesuiten den Carcer zu Krankenzimmern zu überlassen und das In- 
hibitorium augenblicklich zurückzunehmen^^). Die Rechtfertigung 
aber der Universität (9. Dec.) nimmt sogleich Gelegenheit, sich äus- 
serst entschieden über die Jesuiten überhaupt zu äussern; man habe 
nicht gewusst, dass der Herzog geneigt sei, den Jesuiten derlei Zu- 
geständnisse zu machen; hätten aber dieselben eine herzogliche Be- 



34) Arch. d. Univ. T, Vol. I, f. 2 und E, I, Nr. 2, 21. Aug. 1562. 

35) Mederer, a. a. 0. 8. 292 u. 268; Arch. d. Univ. E, I, Nr. 3, 16. 
Mftrz 1563. 

36) Arch. d. Univ. T, Vol. I, f. 2. 




«illiL'uni: •'rli<'lt i:«'li<it*t. ''«I Hiiptfii M«' u'**«i>> im ht un;refruL't. ^ii- 
»li-rn IUI« li iliriT Wi'i-»« al- Sit'^»«T *\*'\\ li«*"iit/»T -••f"it \i'rtrii»lifii hjlien: 
<l»*r /um MfUi*!! r.iii'iT ;inL'>*l"*ti-iM* urt ^*'\ völli;; iiiipnH«f«i)i|; ilje he- 
riaufilhli«* Irijuaili* ilf- Her/n^'t»^ »»»'i iiiii K"!;:»» *Wr V»*rlAuMii|un^en. 
«t'lrlii* ilif Ji'-Mitfii i;*'t:('ii •!:•' I niv»'rr*ität /u iit>»'ii lii*lit*n: i|ifseUi#>ii 
hri'riiii*n \"r Ut';;irri|f. All**s an sii-h /ii ri*i«M'ii (ifi/nr/o tft * itfuttuii 
' o§Hniii\ *>ii' 1.>-M>n ihn* Aluiniii'ti k»*iiiiTt*'i tlimlit^i«! Iif* ot|r*r aiii- 
hti^< li»* Vi^rli'^uiiu' li»'*-!!!*!!! II. lialtiMi >ir|i ai;« li Vüiii I'iii\t'isität!i-iinttt»<^ 
liienf^ti* frrii«- ; **» *>i-i im .\lli;**fii**in('n «Ii»* Fur«ht nh*ht iinhf*«;ri)nilH, 
ita*»i< iliiri'li ttii' .l*"«intiMi tlh* I iiiviM^itat ni-iirnlin^'s in Vi'rfall ^r**- 
ratlif '■». liiiir iiiM-h Mhilr'iTi' Spraiht» fulirti* ilir rni\(Tsität in f|#?r 
ln!itrnrti«'n. mit wi-lrlifr >!•■ in «!i»'>»T Aii;:»'lf'pM»In'it am Irt. iWv. 
rii*n jur. rri>f*-<'*'**r Niiotaiis K\rrliar(l ra< h MOrclirn an «Im \lvnnf» 
H*lihktt' '*i; unl»'i WifliTlinluiii; ili-r i-Itii tTH.ihiiten (ie^^irlil^puniie 
fiuri|«*n tlalM'i an •){•• kf^MiTiiiiLT uiittT anifi n-n tlie Frau'fn ^^«•telll, 
oll v< «jrklirli an <ti-m -ofi . «l.t««* man >i< h j(*<ti*m nfK*h si» iin^pl»nr- 
lirliiMi n(*i:<'lir«*n *\»t ,\i*>\i\U'U fil*:*''! miN'^«*. ••!» man ihni'ii ftwa aurh 
«tie UMt*iitl>i*lirlii'h»'n U/uiiiii- <ti'H Aiihi\i-^ im alton rii||i*^ium ein- 
räimii'M ^•llf. !•)» •tit' ihiifii iilirrp'beiifn I.i'lirsti'Ilen in i|i*r aitisti- 
M*iii'n Kaitiltat l*l«'il'i'nilr I>niKäiii> ili><< nnli>n< aN .'•••Irhen si*in sullen 
UDil «tii* neltliilifn Milkrli**'i*'r »iikliili fortan ilmiMi nai h^tflieii eti- 
len, mIi ilif /.iM iliT .l*'>iiit*'n im S«Miat(* lii^ zur Slimmf*n^'l**it*hlieit 
oiliT L'ar l'J!* /MX Ma|«ritat j:istfii:i*rt wi'pItMi «••II»*, uli Kei-tur tinit 
•S'nat inriit liiflii ilif i*iir<«*>rL'«* tiir I in\i*r<>it.Us-A!ip*lfp>nh»*itfn iiiiil 
iitter il.L*« .iltc <'.i||i'i:miiii ;iii-iiliiii «••Ili-n, **\* i*s liinL'ei:«'!! niiht lath- 
**amer mm. iju* für «im Miinmi'l arl>i'tti'n«liMi .Ic^^iiitt-n \«>n «Iit I.;iM lier 
Seiiat«Ml/Mi.L'*'ii iiinl aihliTiT \w'Itlii'hi*n Ihii'j«* \Mllii: /u ontl«-t|i(;t*n, 
•i|i liie .li-oint*-n )ir/M'j]i«li ihri'i •p:>>tti*<«<lifn<tlii-li»'M Vrrriilitiinci'n v«^lli^ 
nadi ihriMii l(rlic)**'n >« haltrit «hirlfM . «•!» «ii* ilinm X«iL'liiiL'«'n (it*n 
Ite^u« h <li-r I ni\ir'*itat>- Viiili'Minu't'n «irkli«li \iTltii'ten «iurfen, nh 
«tii* i|i-r .hin^ilp i><>n iIit riiM«T'*t!.it tinti^iMiirt«*n ^««iiMi «h|it nii'ht. nh 
i^ii* ihi* ihtjiii <il*i'itraL'*'ri*'n Lflir^tulili* )i«'lit*lti^ lu-^'t/en un«l aurh un- 
hen-t/t la«- M •luiti-ii. «-Ii l-i-i .li**«iiitcn nii ht clri'hfalN li*citime tie« 
hurr iiii«i aLa'l**mi<»i-lhT <ira<l ::«*tii!'ilrrt .'•ei, nenn >i«' an der Tni- 

wr-iiät l«hr«-n ««'IK-n Pi niT^Msch«* S|«ra« he wirkte bei Hof 

• iT.i;:» r!i..i,-*iii, i.ii'I l.\«'iliai>l k'-hrti' am JJ. I^''. mit «leni h»*r7«»g- 
li« ht-M |{*'^i hriil>* /iiri.'k. 'Li-- im aitftMKlIi'LriMm «leii Jo-nilfn «lun*h- 



>- ^ l.i II. l ik >r -i 



Zeitr. U, Cap. 1 (1550— 1588> 281 

aus nichts mehr weiter eingeräumt werde, dass man denselben nicht 
glauben solle, wenn sie nicht einen schriftlichen Befehl des Her- 
zoges aufweisen können, ja dass man ihnen, wo sie l&stig werden, 
Widerstand leisten solle; dass sie die theologische und die philoso- 
phische Facultät durchaus nicht ganz an sich ziehen dürfen, dass bei 
der Senatoren - Wahl nur das Senium massgebend sein soll, wornach 
dereinst auch Jesuiten in den Senat treten werden, dass die jesuiti- 
schen Senatoren zu Camer- und Griminal- Sachen nicht beigezogen 
werden sollen; dass die Jesuiten beim Eintritte in eine Facult&t den 
akademischen Grad ( — legitime Geburt nicht — ) nachweisen müs- 
sen; betreffs des Carcers stehe der Universität jener am Frauen- 
Freithofe zur Verfügung, für einen Neubau des Archives werde ge- 
sorgt werden-^®). — In gleicher Weise werden wir auch im weiteren 
Verlaufe uns noch öfter überzeugen, dass an der Universität wahr- 
lich nicht die Schuld lag, wenn die Jesuiten ihre Pläne siegreich 
zum Ziele führten. 

Im J. 1567 wurde über abermalige Zwistigkeiten vorläufig eine 
Verständigung angebahnt, indem (30. Juni) die artistische Facultät 
den Beschluss fasste, dass vor Allem jede Controverse nur im Schosse 
der Facultät erledigt und im Nothfalle der Senat angerufen werden solle, 
ferner die Jesuiten den übrigen Mitgliedern unter Vorbehalt des üblichen 
Seniums gleichzustellen seien und sonach auch die Bechnungs-Ablage 
der Facultät entgegennehmen sollen, sowie dass ausserdem die ur- 
sprüngliche Sechszahl der artistischen Senatoren wiederhergestellt 
werde, wornach der Jesuit Carl Ursinus sofort in den Senat zuge- 
lassen sei, sobald er in einer öffentlichen Disputation präsidirt habe, 
und in Zukunft den Magister-Prüfungen beizuwohnen das Recht haben 
werde ^*')- ^^^^ schon nach ein Paar Wochen richtete die Facultät 
eine Beschwerde an den Herzog, welche derselbe zur unparteiischen 
Berichterstattung am 21. Juli mit der Bemerkung an den Senat 
schickte, man habe nicht geglaubt, dass die Jesuiten „sich so sehr 
in die weltlichen Dinge schlagen** "*'). Der. Bericht des Senates v. 
6. Aug. legt zunächst die beiderseitigen Ansichten dar; nemlich die 
Jesuiten ihrerseits (vertreten durch Ursinus) wollen auch zur Rech- 
nungs-Stellung der Facultät beigezogen sein, bei welcher es zumal 
durch mancherlei Unfug Zettel^s nicht mit rechten Dingen zugehe, 
und sie behaupten ferners es laste nicht bloss die grössere Lehr- 

310 Arch. d. Univ. T, Vol. I, f. 5 v. u. f. 21. 

40) Ebend. 0, 30. Juni 15G7 u. 0, I, Nr. 4, f. 1. 

41) Ebend. T, Vol. I, f. 26. 



232 Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588), 

Aufgabe der Humaniora auf ihnen, sondern sie seien auch kurzweg 
{smplicikr) als Professoren aufgenommen, so dass sie, da „Ver- 
schonen" nicht „Ausschliessen" sei, es in ihrer Hand haben müssen, 
vom Kechnungswesen „verschont*' zu sein oder nicht; andrerseits 
machen die weltlichen Artisten, welche ihre philosophischen Vor- 
lesungen im Vergleiche mit den Humanioribus als das wichtigere 
bezeichnen, vor Allem geltend , dass die Jesuiten nach herzoglichem 
Bescheide mit den Camer -Rechnungen überhaupt Nichts zu schaffen 
hätten, aber dennoch widerrechtlich einen Theil der Promotions-Ge- 
bflren an sich nahmen und willkürlich verschenkten; auch habe 
ürsinus erklärt, seinen in Italien geleisteten Eid einhalten zu wollen, 
wornach er keinen Candidaten ohne Eidesleistung auf das Tridentinum 
promoviren dürfe. Die eigene Meinung des Senates geht dahin, dass 
es sowohl im Allgemeinen als auch betreffs der Promotionsgebüren 
darauf ankomme, ob die Jesuiten bedingungslos (simpliciter) oder be- 
dingt als Mitglieder in die Facultät eingetreten seien; bei den Se- 
nats-Wahlen könne das Senium nicht absolut festgehalten werden, 
auch müsse der Senat immerhin Appellations-Instanz bei Beschwerden 
der Facultäten bleiben, denn eine statutenwidrige „Einmischung" liege 
hierin sicher nicht; was den Eid auf das Tridentinum betreffe, so 
sei derselbe für den Augenblick nicht opportun"). Der Herzog be- 
stellte als Schiedsrichter in dieser Differenz den Superintendenten 
Eisengrein und den Canisius, und das durch ein Friedens-Mahl be- 
siegelte Kesultat war, dass die Jesuiten Arboreus und Ursinus 
aus dem Gremium der Facultät sowie aus dem Senat ausschieden 
und sich nur ihre Vorlesungen vorbehielten; die herzogliche Bestä- 
tigung beschränkte dieses Ausscheiden auf die Facultäts-Sitzungen und 
das Kechnungswesen, während bei öffentlichen Acten die genannten 
Jesuiten als Facultäts-Mitglieder zu erscheinen haben '*^*). 

Herzog Albrecht aber gab bald jener Liebe, mit welcher er dem 
Jesuiten-Orden zugethan war, einen folgenschweren Ausdruck, wo- 
durch er auch das Mittel gewann, den Widerstand der Bischöfe 
zu brechen, welche schon früher (1560—63) sich geweigert hatten, 
junge Leute ihrer Diöcesen zu den Jesuiten nach Ingolstadt zu 
schicken "**). Er übergab nemlich im Jan. 1571 das Pädagogium 



42) Ebend. f. 2Ö u. 14. 

43) Ebend. 0, I, Nr. 4, f. G u. \); Me derer, Annal. Bd. I, 8. 30(). 

44) Freyberg, a. a. 0. III, 232 f. Sugenheim, a. a. 0. S. 318. Vgl. 
Anm. 52. 



I 

f 

l 



Zeitp. U, Cap. 1 (1550—1588). 233 



(8. Zeitr. I, Cap. 13, Anm. 245 f.) und den philosophischen Cursus 
Torläufig zur Probe auf ein Jahr den Jesuiten. In dem hierauf be- 
züglichen Schreiben an den Jesuiten-General Franciscus de Borgia"**) 
sagt der Herzog, er liebe den Jesuiten-Orden, welchem Bayern be- 
reits viel Gutes verdanke, so aufrichtig, dass er Nichts anderes, als 
nur Vermehrung der Jesuiten-Collegien wünsche, von deren weiser 
Einrichtung {sapienü consüio) auch die theologische und die philo- 
sophische Facultät zu Ingolstadt abhängen (dependere) sollte; indem 
sonach ein Versuch in dieser Richtung mit dem Pädagogium und dem 
Studium der Philosophie (— was eben in der Eatio stmliorum der 
Jesuiten j.rursus philosophicus'' hiess — ) gemacht werden solle, trete 
von selbst die nöthige Erweiterung des bisherigen Jesuiten-CoUegiums 
ein, und den neu ankommenden Jesuiten werde es dort sicher aufs 
beste ergehen (es knüpft sich daran auch noch die Bitte um Errich- 
tung eines Jesuiten - Collegiums in Landshut); über Alles Nähere 
werde der Provincial Hofläus Aufschluss geben. So war durch die 
Regierung der für die Zukunft entscheidende Schritt gethan, denn 
dass diese „Probe" sich in ein gesteigertes Definitivum verwandeln 
werde, konnten wenigstens die Jesuiten mit Sicherheit vorauswissen. 
In nothwendigem Zusammenhange mit der neuen Aufgabe der Jesui- 
ten stand eine theilweise Keform der Studien, welche auch in den 
Acten geradezu ^^reformatio jesuitica^^ genannt wird**^); denn Gym- 
nasial-ünterricht und Philosophie waren nun gleichmässig nach der 
^.Ratio sUidiorum^*' zu regeln (s. unten, Anm. 203 f. u. 366 f.), wo- 
durch allerdings den weltlichen Lehrern der Artisten -Facultät nur 
ein kümmerlicher Rest des Daseins verblieb. Auch in anderer Be- 
ziehung erweckte der Entwurf jener ^^reformatio cursus philosophici 
et pacdago(jii'\ dessen Wortlaut uns leider nicht erhalten ist, man- 
cherlei Bedenken, worüber uns ein Gutachten („Observanda") des 
schon oben genannten Juristen Nie. Everhard Zeugniss gibt""). Dort 
wird zunächst die Beschwerde wiederholt, dass die Jesuiten ihren 
Zöglingen den Besuch anderer Vorlesungen verbieten; sodann aber 
wird hervorgehoben, dass nicht, wie beabsichtigt sei, die Zulassungs- 



45) Reichs-Archiv, Josuitica, Ingoist.. Fase. 73, Nr. 1373, f. 5; gedruckt bei 
Med er er, Cod. dipl. 8. 324. Ueber die gute Meinung, welche Herzog Albreoht 
Ton den Jesuiten hegte, s. auch Buch er, die Jesuiten in Baiem, Bd. I, 8. 17 f. 
Das Dankschreiben des Jesuiten-Generals an den Herzog für die getroffene 
Massregel s. Reiohs-Archiv a. a. 0. f. 1 (7. Apr. 1571). 

46) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 248. 

47) Ebend. T, Jan. 1571. 



234 Zeiir. II, Cap. 1 (1550—1688). 

Prüfung der neu ankommenden Studenten den Jesuiten allein fiber- 
lassen werden dürfe, dass der Rector des Jesuiten - CoUegiums die 
Anmeldungs-Liste dem Bector der Universität übergeben müsse, ferner 
dass die Jurisdiction des Universitäts-Rectors aufrecht zu halten sei« 
sodann dass die Vierzahl jesuitischer Senatoren bereits ein Uebermass 
in sich enthalte, zumal die Jesuiten schon jetzt damit prahlen, die 
ganze Universität in ihrer Gewalt zu haben; hiezu kommt noch 
die Forderung einer durch Strafandrohung geschärften Bestimmung« 
dass zum Magister-Grade auch Ethik, Mathematik, Poetik und Qrie- 
chisch obligate Vorlesungen sein sollen; auch wird davor gewarnt« 
die Promotions-Gebüren ganz den Jesuiten zu überlassen, welche sie 
nur beliebig zu verschenken pflegen, und endlich wird (sichtlich zum 
Schutze der weltlichen Lehrer, da ja die Jesuiten. dem Betriebe der 
Humaniora abhold waren) der Vorschlag gemacht, dass man nöthigen 
Falles auch Promotionen zum ^^magister artium^^ vornehmen könne, 
wenn die Promotion zum ^^nuigistcr philosophiae^*' nicht zulässig er- 
scheine''^). Zur Vertretung der Universität wurde am 14. Jan. eine 
eigene Deputation (Alb. Hunger, Casp. Lagus, der Jurist Ossa- 
näus und der Mediciner Landau) an die herzoglichen Hofräthe nach 
München geschickt ^^), welche sich wenigstens einiger Erfolge rüh- 
men durfte, denn der herzogliche Entscheid vom 30. Jan. macht 
nicht nur einige wesentliche Zugeständnisse, sondern erweckt auch 
im Allgemeinen beim Leser nahezu den Eindruck« als wolle der Re- 
gent sich über die unbefangene Zuversicht, mit welcher er den Je- 
suiten das Spiel erleichtert hatte, förmlich entschuldigen. Die Haupt- 
puncte dieses sog. Recesses^) sind folgende: Den Jesuiten sind das 
Pädagogium und der philosophische Cursus übergeben worden, damit 
jene Studenten, welche keine eigenen Präceptoren haben , nicht nach 
eigenem Belieben leben oder dem Verderben verfallen; dieser Zweck 
soll nicht durch Gezänk oder Spott aufgehalten werden. Die Jesui- 
ten werden beide Unterrichts-Anstalten nach ihrem Sinne einrichten« 
aber andere öffentliche Vorlesungen der Philosophie durch sie nicht 
etwa verboten, sondern sogar empfohlen werden; namentlich sollen 



48) Ueber lotztoros Tgl. Zeitr. I, Cap. 23. Anm. 244, und 8. uoten Anm. 362 f. 

49) Arch. d. UniY. T, 14. Jan. 1571. 

50) Reichs-ArchiT, Jesuitica, Ingoist. Faso. 78, Nr. 1374 (30. Jan. 1571); 
gedruckt b. Mederer, Cod. dipl. S. 326. Ein „Recesa** hiess joder landes- 
herrliche Erlass, welcher nach Iftngerer Untersuchung und Beralhung den letzten 
Entscheid kundgibt 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 235 

Ethik, Mathematik, Poetik und Griechisch wahrlich nicht abgeschafft 
sein (vgl. unten Anm. 366 f.)t und auch für Khetorik, welche bisher 
zum Ruhme der Universität trefflich blühte, werden die Jesuiten ge- 
nügend sorgen. Bei der Aufnahme -Prüfung, durch deren Resultat 
die Classe oder der Jahres-Curs des eintretenden Studenten bedingt 
ist, soll der Vicecanzler Eisengrein nebst den vier Decanen zugegen 
sein, dafür aber auch der Rector der Universität es erzwingen, dass 
die Ankömmlinge sich dem Resultate des Examens unterwerfen. Alle 
diejenigen, welche nicht promoviren wollen oder sogleich in eine 
höhere Facultät einzutreten wünschen, sind an den Cursus durchaus 
nicht gebunden, sollen aber gegen die den Jesuiten unterworfenen 
Studenten keinerlei Verspottung oder Yexation ausüben; auch die 
Präceptoren der Studenten sind den Einrichtungen des Cursus nicht 
unterworfen, sowie Eltern oder Vormünder u. dgl. in der freien 
Willensbestimmung über das Studium ihrer Söhne oder dgl. nicht 
gehindert werden. Sonach ist nicht zu befürchten, dass die Univer- 
sität durch die neue Einrichtung ein Gegenstand des Hasses werde 
oder die Jesuiten überhaupt das Regiment an sich bringen wollen. 
Rector und Senat haben die Jurisdiction über die Schüler des Cursus 
und des Pädagogiums, und die Doctoren der hölieren Facultäten so- 
wie die artistischen Magister bleiben völlig ungestört; ja die Uni- 
versität darf es „ahnden", wenn es im Pädagogium oder im Cursus 
nicht richtig zugeht. Die Jesuiten werden für Gewinnung tüchtiger 
Lehrkräfte sorgen und es verhüten, dass die einzelnen Lehrer wieder 
allzuschnell fortziehen"'*); sie werden sich gerne mit den anderen 
Professoren der philosophischen Facultät über die Vorlesungen ver- 
gleichen, damit man sich nicht gegenseitig im Wege stehe, und sie 
werden es nicht hindern, dass unter Umständen auch vom nicht vol- 
lendeten Cursus in eine höhere Facultät übergegangen wird; die 
sämmtlichen Stipendiaten aber, sowie die jungen Domherren**), sind 
dem Pädagogium und dem Cursus durchgängig unterworfen. Somit 
möge jede Feindschaft und Zwietracht schwinden, denn die Jesuiten 
werden gewiss bescheiden sein ; auch werden sie in das Consilinm 
der philosophischen Facultät höchstens zwei ihrer Mitglieder schicken 



51) Trotz dieser snnguinischcn Hoflfnong des Regenton vorblieb dooh stets 
der Unfug, dass dureh die Ordens-Oberen die einzelnen Jesaiton alsbald an an- 
dere Orte zu Gastrollen verbchickt wurden und so durchschnittlich höchstens 
2—3 Jahre in Ingolstadt lehrten. 

52) Vgl. oben Anm. 44, 



236 Zeifar. II, Cap. 1 (1550-1588). 

und keinerlei Anspruch auf Promotions-Oebüren . erheben , so dass die 
Candidaten trotz Vennehrung der Professoren keine Erhöhung der Taxen 
verspüren und den weltlichen Professoren Nichts entgeht. 

So viele Zeilen dieser herzogliche Erlass enthält, ebenso viele 
Schwierigkeiten mussten auftauchen, und jener Jesuit, von welchem 
der Herzog bei dieser Beschwichtigung sich gutwillig die Feder 
fahren Hess, hat nach Ordens-Maxime nur den gleissenden Schein 
liebevoller Friedfertigkeit angestrebt. Bereits gleichzeitig mit der 
Annahme und Publication der genannten reformatio '^^) schrieb die 
Universität (9. Febr.) an den Canzler Sim. Eck, bei der eintretenden 
Vacatur der Poetik würden die Jesuiten, welche überhaupt die ganze 
artistische Facultät zu besetzen bestrebt sind, auch jenen Lehrstuhl 
an sich reissen; bei der neuen Ordnung, welche man unter Hilfe 
Eisengrein's ins Leben zu rufen gedenke, würden IriTingen mit den 
Jesuiten nicht ausbleiben, da dieselben ihre zwei Mitglieder der Fa- 
cultät auch in den Senat zu bringen trachten, was sowohl dem her- 
zoglichen Befehle widerspreche als auch eine unheilvolle Vermehrung 
der jesuitischen Senats-Stimmen mit sich bringe ; vielleicht lasse sich 
die Bestimmung treffen, dass von den vier Jesuiten, welche dann 
Senatoren wären, jedesmal nur zwei wirklich erscheinen; kurz in 
Folge der Praktiken und Denuntiationen , welche von den Jesuiten 
geübt werden, sei das Wohl der ganzen Universität in Frage ge- 
stellt**). Der Herzog gieng auf den eben erwähnten Vorschlag ein» 
indem er am 17. Febr. bestimmte, dass durch Zutritt zweier Mit- 
glieder der philosophischen Facultät vier Jesuiten im Senate seien, 
wovon jedoch in den einzelnen Sitzungen nur zwei anwesend sein 
dürfen**); aber schon bei Verlesung dieses Erlasses in der Senats- 
Versammlung v. 23. Febr., wobei die Jesuiten nicht anwesend waren, 
wurde auf die unerträglichen Beschimpfungen und Bänke hingewiesen, 
welche man von den ruhmredigen Jesuiten zu erdulden habe, und 
am 28. Febr. kam im Senate ein Schreiben des Ordens-Pro vinciales 
betreffs des Professoren-Eides zur Vorlage, welches einer standhaften 
Berathung mit Eisengrein vorbehalten wurde*®). So richtete die 
Universität vorerst ein sehr unumwundenes Schreiben an den Herzog, 



53) Archiv d. UniY., D, III, Nr. 7 f. 249 ▼. 

54) Ebend. T, 9. Febr. 1571. 

55) Reich«- ArchiT, Jesuitica, Ingoist. Fase. 78, Nr. 1874 (17. Febr. 1571); 
gedruckt b. Me derer, Cod. dipl. 8. 334. 

50) Archiv d. UniY. D, III, Nr. 7, f. 25ü t. 



Zeitr. 11, Cap. 1 (1650—1588). 237 

worin neben Danksagung für den Bescheid v. 17. Febr. ausgesprochen 
wirdf man wolle wahrlich den Frieden mit Hintansetzung gar man- 
cher Privat- Wünsche , aber die Jesuiten seien es, durch welche man 
fortwährend gedrückt werde, da dieselben die Jurisdiction über die 
ganze Universität zu erringen suchen und sich in unerträglicher Weise 
bereits damit brüsten, dass die Vertreter der Ethik, der Mathematik, 
der Poetik und des Griechischen ihnen weichen mussten ; Mass geben 
wolle man durchaus nicht, auch wisse man, dass der Herzog alle 
Nicht-Jesuiten fortschicken könne; aber man erlaube sich auf die 
durch die Jesuiten drohende Gefahr hinzuweisen, welche es in Ingol- 
stadt ebenso wie in Dillingen zu treiben gedenken; Hass sei ferne, 
und Anlass zu Streit suche man nicht, aber durch die „angemasste 
Neuerung'' sei zu fürchten, dass man entweder von den Jesuiten ver- 
trieben {expalsi) oder zu ihren Sclaven (niancipia) gemacht werde 
und die Universität in Verfall gerathe; für den Lehrstuhl der Rhe- 
torik sei jedenfalls ein weltlicher Professor vorzuziehen"). 

Die Jesuiten aber rückten der Verwirklichung ihrer Wünsche 
immer näher. Noch gegen Ende d. J. 1571 formulirte der Ordens- 
Provincial HofTäus die Forderungen der Gesellschaft Jesu in 20 
Puncten, welche auf einige Zeit der Mittelpunct des weiteren Ver- 
laufes dieser Angelegenheit blieben '^^). Hoffäus nemlich erbittet sich, 
ehe er den erforderlichen Bericht über das Probejahr (ob. Anm. 45) 
der Ingolstädter Jesuiten nach Rom absendet, vom herzoglichen 
Canzler Sira. Eck und den übrigen Räthen eine Beantwortung fol- 
gender Bedenken: 1) die Jesuiten müssen aus gewichtigen Gründen 
den üblichen Professoren-Eid verweigern, nicht bloss weil sie schon 
früher von demselben verschont blieben •'^^), sondern auch weil sie 
als Religiösen in schicklicherer Weise ohne Eid den Gehorsam gegen 
das Oberhaupt der Universität, auch in Sachen des Pädagogiums und 
des Cursus, üben werden. 2) Die Jesuiten müssen im Pädagogium 
und im Cursus lediglich nach ihren Ordens-Bestimmungen sowohl 
das Studium leiten als auch die sittliche Zucht {disciplina morum) 
der Studirenden in ihrer Hand haben, und in letzterer Beziehung 
werden sie ihre Gewalt ((jubernandi poiestas) nur grundsätzlich als 



:)7) Ebend. T, Ende Febr. 1571. 

58) S. Bd. 11, Urk. Nr. 89. 

59) Dicss kann sich höchstens auf thatsächliohe Unterlas sang der Eides- 
leistung beziehen, s. ob. Anm. i-iS; denn ein landesherrlicher Erlass hierüber lag 
damals noch nicht vor; vgl. unten Anm. 92. 



238 Zeitr. n, Cap. 1 (1560- 158Ö). 

eine tod der Auctorität der Universität abgeleitete betrachten, ddrfen 
aber in der Ausübung derselben von Niemanden gestört odef gar 
gehindert werden. 3) Ob wohl die Regierung sich dabei begnflgen 
werde, dass die Jesuiten in Leitung des Studiums und in Besetzung 
der Lehrstellen ihr Möglichstes leisten, wie sie an anderen Orten 
diess bereits bewiesen liaben, oder ob etwa zu fürchten sei, dass ein- 
mal die Gesellschaft Jesu wider ihren Willen durch weltliche Pro- 
fessoren ersetzt werde. 4) Der Orden müsse wünschen, im Hinblicke 
auf seine mühevollen Leistungen auch in seiner religiösen Freiheit 
und seinen Privilegien geschützt zu sein. 5) Es muss den Jesuiten 
gestattet sein, ihre Professoren aus triftigen Gründen von Ingolstadt 
weg an andere Orte zu schicken, wobei sie stets auf Ersatz bedacht 
sein werden. 6) Gegen Ordens-Mitglieder soll die Universitäts-Be- 
hörde keine Straf-Jurisdiction ausüben, sondern diess den Ordens- 
Obern überlassen, aber nöthigen Falles den weltlichen Arm zur Ver- 
fügung stellen. 7) Auch um die Studirenden durch Strafe im Zaume 
zu halten (coercere)^ soll die Universität hilfreiche Hand bieten. 
8) Ist auf solche Weise den Jesuiten eine Coercitiv-Jurisdiction (unter 
Ausschluss der Civil- und der Criminal-Justiz) übertragen, so werden 
sie bei geringeren Fällen den Universitäts-Bector nicht „belästigen''; 
falls sie aber einen Studirenden aus ihren Schulen ausschliessen, darf 
ein solcher nicht mehr in der Stadt geduldet oder wenigstens nicht 
in eine andere Facultät aufgenommen werden. 9) Die Universitäts- 
Behörde soll die Jesuiten als ihre Mitarbeiter schützen und verthei- 
digen. 10) Unter Zustimmung des Ordens-Generales sollen die beiden 
Jesuiten der theologischen Facultät und zwei aus der artistischen 
Facultät Senats-Mitglieder sein; im Gremium aber der Artisten müssen 
die Jesuiten, weil sie die grössere Arbeit haben, auch die MajcTrität 
der Mitglieder ausmachen. 11) Der Besuch der Senats-Sitzungen 
muss dem Belieben der hiezu berechtigten Jesuiten oder der Anord- 
nung des Ordens-Obern überlassen bleiben. 12) Die Jesuiten müssen 
die Befugniss haben, jede Wahl zum Rector oder Vicerector^) oder 
Vicecanzler abzulehnen und sich vom gesammten Rechnungswesen 
fern zu halten; auch wünschen sie, nie mit Geldstrafen belegt zu 
werden. 13) Sie behalten sich vor, nöthigen Falles zu ihrem Schutze 
einen erprobten Mann zu wählen, welcher als Vermittler zwischen 



60) War hSchst überflflssig, da schon in der Stiftungs-Urkunde der Unifer- 
sitAt aUe Ordens-Geistlichen vom Rectorate ausgeschlossen sind; Tgl. ob. Anm. 7 
u. unten Anm. 88. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1688). 239 

dem Orden und den weltlichen Mächten wirken wfirde. 14) Sie 
wünschen, dass bei der Aufnahme-Prüfung der neu ankommenden 
Studenten neben einem Vertreter der Regierung auch ein Jesuit als 
Beisitzer fungire, damit die Bestimmung der Classe, in welcher der 
einzelne Student unverbrüchlich zu bleiben hat, lediglich nach dem 
ürtheile des Ordens erfolge. 15) Ob nicht in der amtlichen Befugniss 
des Bischofes von Eichstädt als Canzlers möglicher Weise eine Ge- 
fahr für die Jesuiten drohe. 16) Die Jesuiten wünschen die Ein- 
haltung jenes Paragraphen der Verordnung von 1539, wornach die 
Privat-Präceptoren gehalten sind, ihre Zöglinge in die öffentlichen 
Vorlesungen zu schicken^'). 17) Sie fürchten von der Verworfenheit 
der juristischen Studenten arges Verderbniss der Universität und for- 
dern energische Abhilfe, da der Orden nicht bloss gemiethete Lohn- 
diener zur Lehrthätigkeit stellen will, sondern weit höhere Aufgaben 
übernommen hat. 18) Die Jesuiten fordern Aenderung und Reini- 
gung verschiedener Statuten der Universität. 19) Sie wünschen die 
Herstellung heizbarer Localitäten zum dreijährigen Cursus und zu 
den fünf Classen des Pädagogiums. 20) Sie bieten nähere Infor- 
mation an über Erhaltung u. dgl. des ganzen Jesuiten-Etablissements. 
Eines Commentares bedürfen diese Forderungen der Jesuiten 
nicht; was dabei Staunen erregt, ist nur, dass sie allmälig zur Gel- 
tung gelangten. Eine „PWiwa resjwnsio^^ der herzoglichen Räthe 
(Jan. 1572) auf die 20 Puncte enthält Folgendes"): ad 1) Profes- 
soreneid ist nothwendig, allenfalls mit dem Zusätze ,^salvo sodetatis 
voto^^. ad 2) die Jesuiten sollen versuchen, nach Kräften das Mög- 
lichste zu leisten, aber grössere Massnahmen können nur im Einver- 
ständnisse mit dem Senate erfolgen, denn in zwei Theile darf die 
Universität nicht gespalten werden, ad 3) dem Herzoge muss die 
Möglichkeit bleiben, auch seinerseits Fürsorge zu treffen, ad 4) an 
dem Wohlwollen des Herzoges gegen die Jesuiten ist nicht zu zwei- 
feln, ad 5) der Wechäel der Lehrer darf nicht zur Unzeit eintreten, 
ad C) die Auctorität des Universitäts-Rectors ist bei allem Strafrecht 
der Jesuiten aufrecht zu halten, ad 7) Assistenz werde der Senat 
wohl leisten, ad 8) Verweisung aus der Stadt muss dem Rector 
vorbehalten bleiben, ad 9) ist nicht mehr als billig, ad 10) das 
Verlangen einer Majorität in der artistischen Facultät ist zurückzu- 



61) 8. Zeitr. I, Cap. 18. Anm. 243 und Bd. II, Urk. Kr. 62 d. Paragr. „De 
pubUco aratoriae profeaaore", 

62) Staats-Bibliothek, Cod. Bavar. Nr. 2205a, Vol. I, f. 80 t. 



240 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

weisen, ad 11) die Senats-Mitglieder müssen Professoren sein und 
den Eid geleistet haben, ad 12) Geldstrafen werden die Jesuiten 
hoffentlich nicht verwirken, ad 13) ein Vermittler ist theils über- 
flüssig theils bedenklich, ad 14) ist durch die bestehenden Verord- 
nungen gut besorgt, auch darf der Ruf der Universität nicht gefähr- 
det werden, ad 15) der Bischof ist nicht zu fürchten, ad 16) auch 
der Wille der Eltern der Studenten ist der Berücksichtigung werth. 
ad 17) über die Sorge filr anstandiges Benehmen der Studenten mö- 
gen Berathungen gepflogen werden, aber die Universität darf nicht 
in schlimmen Ruf kommen, ad 18) mag berathen werden, ad 19) 
wird besorgt werden, ad 20) der Jesuiten-Provincial möge seine An- 
sicht kundgeben. So wenig wir nun etwa Heldenmuth an diesem 
hofräthlichen Gutachten bewundern können, so fand sich doch der Je- 
suiten-Provincial Hoflaus bewogen, in einer „Replica*' einige Puncte 
mildernd zu beantworten, während er an anderen festhalten zu müssen 
glaubte ®^*J; nachdem er nemlich die Versicherung vorausgeschickt, 
dass die Furcht vor den .Jesuiten überhaupt ungerechtfertigt sei, 
sagt er: ad l) sei zwar hart, aber die Universität möge beim Ordens- 
Generale Nachgiebigkeit erwirken, ad 2) und ad 3) man möge doch 
den Jesuiten nicht misstrauen, ad 4) die Privilegien des Ordens 
müssen geschützt werden, ad 5) werde „wo möglich" geschehen, 
ad 6) über Jesuiten-Zöglinge darf der Universitäts-Rector keine Juris- 
diction beanspruchen, ad 8) will derselbe einen excludirten Studenten 
wieder einweisen, muss er für denselben gutstehen, ad 10) die Ma- 
jorität der Jesuiten in der artistischen Facultät ist nothwendig, weil 
ein Poet Nichts von Philosophie versteht, ad 14) Beistand der Je- 
suiten bei der Aufnahme-Prüfung ist unerlässlich. ad 16) der Wille 
der Eltern muss durch glaubhafte Zeugnisse erwiesen sein, ad 17) 
die Universitätsbehörde ist in Bestrafung der Studireuden zu schwach 
und zu schlaff, ad 20) die herzoglichen Räthe mögen an den Ordens- 
General Hier. Natalis schreiben. Hierauf nun beugten sich die her- 
zoglichen Räthe vor dem Jesuiten-Provincial, denn der Inhalt ihres 
erneuten Gutachtens ist***): ad 1) es werde erfreulich sein, wenn der 
Ordens-General nachgibt, ad 2) und 3) werde eine vertrauensvollere 
Fassung bekommen, ad 4) es werde geschehen, ad 5) der Beisatz 
„wo möglich" genüge, ad 6) über Vergehen der Jesuiten hat der 
Universitäts-Rector keine Jurisdiction, stellt aber seinen weltlichen 



0») Ebend. f. 80. 
64) Kbend. f. 93. 



.# 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 241 

Arm zur Verfugung. ad 8) Die Jesuiten haben im Pädagogium und 
im Cursus Coercitiv- Jurisdiction, und der Rector leistet Bürgschaft 
für wieder eingewiesene Excludirte. ad 10) Die Majorität in der 
artistischen Facultät wird zugestanden, ad 14) desgleichen die As- 
sistenz der Jesuiten bei der Aufnahme-Prüfung, ad 17) man erwarte 
die Vorschläge der Jesuiten betreffs Besserung der Sitten. 

Die Universität hatte das Gefühl ihrer Aufgabe nicht verloren, 
und wieder war es der wackere Nie. Everhard, welcher (Ende Jan.) 

dem gerecliten Unwillen durch „Nolae ad capiiula quibiis socie- 

tatis Jesu articidis responddur^^ den trefflichsten Ausdruck gab®^): 

Aus der vorgeschlagenen Beantwortung der Puncte des Hoffäus er- 
sehe man, in welcher Weise die Jesuiten in dem innersten Einge- 
weide ihrer bisherigen Freunde und Beschützer zu wühlen wagen; 
dies also sei der Dank, dass die Jesuiten den Kuhm der Jugend-Er- 
ziehung für sich allein zu haben gedenken, Rector aber und Profes- 
soren der Universität nur mehr als Büttel und Schergen der Jesuiten 
fungiren dürfen; das Ganze sei auf das Verderben der Universität 
abgesehen , und kein Mensch gesunden Verstandes (sanae mentis) 
könne dem liegenten zu demjenigen rathen, was zum Gegentheile 
des Wohles der Universität fuhren müsse. Die Jesuiten rechnen 
freilich darauf, dass die Professoren, welche bisher um des Friedens 
willen so Vieles erduldet, auch völlig den Nacken unter das Joch 
beugen werden. Die Ehre Gottes führen die Jesuiten stets im Munde 
und rufen ^yscaiuhdian , scamlalum''' ^ bis nach Kom, auch wenn die 
Universität lediglich im Stande der Nothwehr handelt, wie sie diess 
thun muss, wenn die Jurisdiction getheilt und eine Hälfte derselben 
abgetreten werden soll. Das Beste wäre, wenn die Jesuiten freiwillig 
von ihrem frevlen Unterfangen abstünden ; daran würden sie wirklich 
christlich handeln, und die Universität würde, wenn sie sich auf gleichen 
Fuss stellen wollten, ihnen Manches aus gutem Willen zugestehen, 
was sie sich nicht abnöthigen lassen darf. Wa,s einzelne Puncte be- 
trifft, so möge ad 1) beim Professor-Eide jedenfalls am Amts-Ge- 
heimnisse festgehalten werden, ad 2) dass jene Leitungs- Gewalt 
{poU'slas (juhenmmli) der Jesuiten im Pädagogium und im Cursus, 
welche sich bis zu körperlicher Züchtigung erstreckt, unter dem Na- 
men einer Jurisdiction ausgeüljt wird , ist ebenso unwürdig als uner- 

G5J S. IJd. II, Urk. Nr. 90. Das3 diese ,.Notae'' den Nie. Everhard zum 
Verfasser haben, ist ausdrücklich bezeugt Staats-Bibl. Cod. Bavar. 2205a Vol. I, 
f. lOi) u. 110, sowie am Schhi^so der einen der beiden Quellen, aas welchen ich 
Bd. II das Ganze mittheile. 

Prantl, aesohichte der UnlrersltHt Uaachen I. IC 

I 



242 Zeitr. U, Cap, 1(1550-1588). 

hört; jede Strafe, welche Ober mündliche Büge oder Verweigening 
der Promotion hinausgeht, kann nur von der akademischen Obrigkeit 
verhängt werden, welche sich keinen Theil ihrer Jurisdiction entreis- 
sen lassen noch zu einem blossen Accessorium herabsinken darf; auch 
das Recht der Inspection über das Pädagogium muss dem Senate ge- 
wahrt bleiben, ad 3) der Landesherr darf sich von den Jesuiten 
keine Gesetze vorschreiben lassen, ad 8) Die Coercitiv- Jurisdiction 
der Jesuiten ist eine Schmach für die übrigen Facultäten und für die 
ganze Universität; der Kector wird nicht eine „Belästigung** in der 
Erfüllung seiner Amtspflicht finden, und der Senat wünscht nicht, 
entlastet zu werden, sondern wird stets nach Becht zum Wohle der 
Universität handeln; eine mögliche Auflehnung der Studenten gegen 
widerrechtliche Straf-Jurisdiction würden die Jesuiten zu verantworten 
haben, ad 9) die Jesuiten werden liebevoll behandelt werden, wenn sie 
sich der Uebergriffe enthalten, ad 11) die vom Bector geladenen Sena- 
toren müssen den Eid geleistet haben, und sind verpflichtet, der Ladung 
zu folgen, ad 12) Geldstrafen werden wohl jene nicht besorgen, welche 
die Jurisdiction an sich reissen wollen, ad 19) Es ist nicht bloss für 
heizbare Zimmer, sondern überhaupt dafür zu sorgen, dass nicht der 
Unterricht selbst einfriere, denn die Nachlässigkeit der Jesuiten ist be- 
reits erfahrungsmässig. Endlich bei dem masslosen Bestreben der Je- 
suiten, sich die ganze Universität unterwürfig zu machen, muss an den 
Herzog die Bitte gerichtet werden, er möge den Jesuiten nicht sofort 
glauben, wenn sie die „Ehre Gottes'' im Munde führen, sondern 
ihnen ein für alle mal unüberschreitbare Gränzen vorschreiben, damit 
auch die Professoren von der Furcht beständiger Denunciation und 
Nachstellung befreit ihr Amt freudiger erfüllen können. 

Einen eigenthümlichen Einblick in die Verhältnisse gewähren 
zwei Briefe, welche der Yicecanzler Eisengrein, ein braver, aber auch 
etwas schwacher Mann, welcher nach allen Seiten vermitteln wollte, 
am 4. Febr. an den herzoglichen Canzler Eck schrieb. Mittelst des 
einen derselben überschickt er das eben erwähnte Promemoria Ever- 
hard's, welches privatim von allen Nicht-Jesuiten gebilligt werde, 
aber, wenn es in den Senat gebracht worden wäre, einen furchtbaren 
Sturm hervorgerufen hätte. Solle er seine eigene Ansicht kundgeben, 
so würde ihm diess von allen Parteien Hass einbringen, dennoch 
wolle er in Gottes Namen sagen, dass die Mehrzahl der 20 Puncto 
den Jesuiten förderlich, der Universität aber nicht schädlich, vielleicht 
nur theilweise beschwerlich sei; hingegen im 2. und im 8. Artikel, 
d. h. betreffs der Leitung des Pädagogiums und des Cursus sowie 



Zeitr. n, Cap. 1 (1550—1588). 243 

bezüglich der Jurisdiction dürfe den Jesuiten nicht nachgegeben wer- 
den, denn dann fiele Relegation — die höchste Universitäts-Strafe — 
lediglich den Jesuiten anheim ; überhaupt bestehe die Gefahr, dass der 
eine Theil der Universität den anderen „unter die Bank schiebe'^ und 
die tyrannis der Jesuiten sei mit Recht Gegenstand allgemeiner Be- 
fürchtung; nicht bloss die Ketzer, sondern auch viele Katholiken 
würden in Zukunft Ingolstadt meiden, so dass zuletzt nur die Stipen- 
diaten als einzige Studirende übrig bleiben würden; der Herzog 
meine freilich die Sache nicht so, aber die Jesuiten wissen, was sie 
wollen; die Coercitiv-Jurisdiction könne ihnen höchstens für das Pä- 
dagogium, nie aber für den Cursus übertragen werden. Betreifs des 
10. Punctes sei es vielleicht am besten, dass in der philosophischen 
Facultät zwei oder höchstens drei Jesuiten und zwei Weltliche im 
Gremium seien. Jedenfalls müsse eine feste Gränzbestimmung ein- 
treten, da die Jesuiten immer weiter greifen wollen. Den Schluss 
macht die Bitte, diesen Brief zu vernichten^®). Der zweite Brief be- 
ginnt mit der Bitte, Eck möge sich gegen ihn nicht verhetzen lassen ; 
es sei eben sein, Eisengrein's, Geschick, dass er auf allen Seiten an- 
stosse; sei doch auch sogar der verstorbene Staphylus für diese 
Schwierigkeiten nicht gescheid genug gewesen. Wenn Eck von den 
weltlichen Professoren sage, dass sie alles mögliche Schlechte über 
die Jesuiten herumschreien, so sei diess einfach elende Lüge und De- 
nunciation ; die Jesuiten wüssten von Everhard's Promemoria jetzt noch 
Nichts, wenn nicht er selbst es ihnen gesagt hätte, ^^sed dum Omni- 
bus gratificari studeo^ omnes offendo^^ Peltanus habe ihn ausgeholt, 
bis er Alles erzählte, und ihm auch die Meinung, welche man von 
den Jesuiten hege, mittheilte ; dann sei Peltanus zu seinem Ordens- 
bruder Lanoy geeilt und habe diesem Alles gesagt. So sei die Sache 
verbreitet worden; aber erlogen sei es, dass hierüber die Studiren- 
den des Cursus sich bereits verlaufen hätten. Er seinerseits wünsche, 
dass keine der beiden Parteien vernichtet werde, sondern beide „in 
pia aemulatione" arbeiten '^^). Bei den Promotions-Schmausen werde 
über die Jesuiten Nichts geredet, sowie es überhaupt gefährlicher sei, 
selbst über den Pförtner der Jesuiten Etwas zu sagen, als über den 
Laudes-Regenten ; nur bei einem Convivium der Mediciner sei einmal 
über ihn, Eisengrein, und über Nie. Everhard geschimpft worden *^^). 



0()) Staats-Biblioth. Cod. Bavar. 2205 a Vol. I, f. 112. 

67) Diese Ansicht fand bald hernach ihre anscheinende Yerwirklichang; 9. 
unten Anm. 105. 

68) Staat3-Biblioth. Cod. Bavar. Nr. 3018, f. 27. 

16* 



244 Zeitr. II, Cap. 1 (1560—1688). 

Mit der gediegensten Entschiedenheit schrieben Senat nnd Bector 
am 10. Febr. an die herzoglichen Bäthe Sim. Eck, Hund nnd Perbin- 
ger^^). Wegen neuer Praktiken der Jesuiten habe man sich an den 
Yicecanzler Eisengrein gewendet und dessen Privat-Meinung erholt. Es 
zeige sich jetzt, dass man vor einem Jahre richtig prophezeit habe ; die 
beständigen Zänkereien seien gewiss schädlich, aber die Schuld trage 
der Angreifer, welcher nun als Denunciant auftrete, so dass der Sprach 
„Jener klagt, ich blute'^ sich bewahrheitet. Bei der „präoccupirten" 
Sinnesrichtung, welche in München bestehe, habe man allerdings stets 
Anstoss erregt, aber man müsse hiemit noch einmal lästig fallen, in- 
dem man auf die aeqmtas vertraue und nur mit sachgemässen Far- 
ben male. Die fürstlichen Bäthe seien vielfach anderweitig beschäftigt 
und „können die tenmtates negotiorum scholasticarum nicht so penu 
tissime introspiciren^' ; in München reden die Jesuiten anders und an- 
ders handeln sie in Ingolstadt; aber sie haben das Ohr der Begie- 
rung für sich. Sie sagen, die gesunkene Universität werde durch 
sie gehoben werden; aber gerade umgekehrt stehe es, denn seit sie 
da sind, sei das Sinken der Universität deutlichst fühlbar, da gleich 
in den ersten zwei Jahren fast kein Neuzugang stattgefunden. Sie 
denunciren, Aristoteles sei verbannt gewesen und man promovire 
Esel; aber in Wahrheit wurde im ersten Jahre, „obwohl neue Besen 
gut kehren'S nicht etwa die Verbannung des Aristoteles aufgehoben, 
sondern von den Zuhörern der Jesuiten waren kaum zwei oder drei 
befähigt, den Aristoteles nur zu lesen. Ueberhaupt geben sie nur 
quaestiones und dictiren unablässig (und zwar z. B. von Michaelis 
bis jezt brachten sie zwei Prädicabilia, d. h. geuus und species, zu 
Ende); im Pädagogium tractiren sie noch immer die Grammatik des 
Despauterius, und nicht vier Zeilen können ihre Schüler correct schrei- 
ben. Nicht etwa abschaffen wolle man das Pädagogium und den 
Cursus, aber den Jesuiten müsse ins Spiel geschaut werden ; mit den- 
selben sei nicht auf dem Standpuncte des freien Gehorsams zu unter- 
handeln, sondern sie wollen nur formulirte Privilegien für sich, 
während sie über alle fürstlichen Becesse unbekümmert hinweggehen. 
Betreffs der Jurisdiction seien ihnen jüngst grössere Zugeständnisse 
als je gemacht worden ; den Bector, sagen sie, wollen sie nicht „be- 
lästigen*^; da werden durch sie bald auch die Professoren von den 
Vorlesungen entlastet werden; der Bector soll nur ihr brachium oder 
vielmehr pes executionis sein; dem Poeten und dem Professor des 



69) Ebend. Nr. 2206 a, Yol. I, f. 40. 



Zeiir. n, Gap. 1 (1550—1588). 245 

Oriechischen entziehen sie alle Zuhörer ; in Leitung des Pftdagogiums 
und des Cursus wollen sie jetzt auch den herzoglichen Käthen die 
Hände binden; mit den Artisten wollen sie theilen, wie beim Aeso- 
pus der Löwe mit Wolf und Fuchs theilt. Solcher Art sei ^^morhua 
ei hisanahüis Cancer jcsuitarum^^ \ in „Summa" es gelte, dass nicht aus 
der freien Universität selbst ein Jesuiten - Collegium werde. — In 
fihnlichem Sinne schrieb die Universität gleichzeitig au den Hofpre- 
Jiger zu Manchen mit der Bitte, ihre Wünsche beim Herzoge unter- 
stützen zu wollen ^^). 

An Erfolg war nicht zu denken. Die Jesuiten suchten wenig- 
stens äusserlich bei der Universität, mit welcher sie ja leben muss- 
ten, den Schein einer Verträglichkeit zu verbreiten, und der Provin- 
cial HofTäus richtete a. 16. Febr. ein äusserst einschmeichelndes 
Schreiben ^ Kector und Senat, worin er aussprach, man sei gegen- 
seitig gar nicht so weit von einander entfernt, als man glaube, und 
Nichts sei Wünschenswerther, als friedliches Zusammenleben; nur in 
dem einzigen Puncto möge die Universität nachgeben, dass die Je- 
suiten ohne Leistung des üblichen Professoren-Eides aufgenommen 
werden ; der Ordens-General werde dafür garantiren {jpraestahit\ dass 
die Jesuiten dem Universitäts - Kector gehorsam seien, und auch die 
Wahrung des Amtsgeheimnisses könne von jedem derselben eidlich 
versprochen werden; im Uebrigen aber würden die Jesuiten ohne Eid 
fügsamer sein, als Andere mit Eid; er selbst habe in Folge der 
Eidesleistung viel zu leiden gehabt u. s. w. ^'). Der Herzog aber 
handelte in steigender Progression als fügsames Werkzeug des Or- 
dens; schon auf Eisengrein's Bedenken (Anm. 66) antwortete er an 
seinen Canzler Eck sehr ungnädig und sprach von „unnöthigen Sorgen 
und unzeitigem Eifer", denn nur Eisengrein allein sei gefragt wor- 
den, und das Toben Anderer habe man nicht erwartet; es seien doch 
erst noch die herzoglichen endgiltigen Entschlüsse abzuwarten; die 
weltlichen Professoren möchten wohl gerne die Hände des Herzoges 
zu ihren Gunsten gebunden wissen; gehe es nicht nach ihrem Kopfe, 
30 mögen sie nur bedenken, dass bei ihnen bisher alle Befehle, Reforma- 
tionen u. dgl. nicht zum Ziele geführt und sie durch ihren eigenen Un- 
fleiss das Recht verscherzt hätten. Andere zu tadeln ; nur aus vorgefass- 
tem Wahne erheben sie ein Geschrei und leiten dadurch die Jugend 
irre; doch mögen sie noch vor dem letzten Entscheide ihre Be- 

70) Archiv d. Univ. T, 10. Febr. 1572. 

71) S. Bd. U, Urk. Nr. 91. 



246 Zeitr. II, Cap. 1 (1550— lJi88). 

schwerden über Pädagogium und Cursus einschicken, aber MisBgiiiist 
und Hass sollen dabei ferne bleiben^'). In solchem Sinne fiel auch 
der Bescheid aus, durch welchen der Herzog die 20 Functe des Hof- 
fäus in einem an den Ordens-General gerichteten Schreiben v. 18. Febr. 
beantwortete ^'*), wobei er es versucht zu haben erklärt, y^qtsa rcUiane 
ita saiisfieri societati possit^ ne scholae interim ceUbritas imminuattir^^ ; 
der hauptsächliche Inhalt ist demnach: ad 1) es ist wQnschenswerth, 
dass die Jesuiten von einer Eidesleistung nicht gänzlich befreit sind, 
und es wird dem Herzoge angenehm sein, wenn der Ordens-General 
hiegegen keine Schwierigkeit erhebt; aber eine zeitgemässe ynd den 
Jesuiten wünschenswerthe Abänderung des Eides ist hiemit nicht 
ausgeschlossen, nur darf bei solcher Aenderung keinenfalls die Pflicht 
des Amtsgeheimnisses wegfallen, ad 2) im Pädagogium und im Cursus 
sollen die Jesuiten die Sitten-Disciplin kraft Auctorität des Senates 
ausüben, welcher sie mit Bath und That unterstützen wird; schwe- 
rere Fälle werden die Jesuiten freiwillig an den Senat bringen und 
überhaupt derartig handeln, dass nicht durch allzu strenge Zucht die 
Ketzer und die kalten Katholiken (jiaeretici ac frigide caiholici) von 
der Universität abgeschreckt werden, ad 3) Der Orden wird leisten, 
was er kann, und mehr wird ihm nicht auferlegt werden; in dem 
unglaublichen Falle, dass mehrere oder wenigere Jesuiten entlassen 
werden müssten, wird mit Rücksicht auf das Wohl der Universität 
und des Ordens entschieden werden, ad 4) Die religiöse Freiheit 
und die Privilegien des Ordens werden nicht angetastet werden. 
ad ö) Den Jesuiten steht frei, ihre Professoren an andere Orte zu 
schicken, nur hofft man, dass diess nicht zu einer unpassenden 2teit 
geschehe, ad 6) über Zöglinge des Ordens hat die Universität keine 
Jurisdiction, wird aber ihren weltlichen Arm nöthigen Falles zur 
Verfügung stellen, ad 7) auch um die Jugend im Zaume zu halten, 
wird die Universität ihren treuen Mitarbeitern stets hilfreiche Hand 
reichen, ad 8) im Pädagogium üben die Jesuiten ihr Züchtigungs- 
recht einschliesslich der Ruthenstreiche; im Cursus aber werden sie 
zufolge des Wunsches der weltlichen Professoren sich auf mündlichen 
Verweis oder Entziehung der Promotion beschränken und in schwe- 
reren Fällen kein Bedenken tragen, den Rector zu „belästigen^^ 
ad 9) Die Universitäts-Behörde wird die Jesuiten schützen und ver- 
theidigen. ad 10) Die Majorität im Gremium der philosophischen 



72) Staatä-Biblioth. Cod. Bavar. Nr. 2200 a. Vol. I, f. 52. 
73J 8. Bd. II, Urk. Nr. 92. 



Zeitr. II, Cap 1 (1550—1588). 247 

Facultät gebürt ihnen in Folge ihrer grösseren Arbeit; betreffs der 
Senatoren-Zahl verbleibt es bei den jüngsten Entscheidungen, ad 11) 
Die Anwesenheit der Jesuiten, welche Senatoren sind, bei den Sitz- 
ungen liegt im Belieben des Jesuiten-ßectors. ad 12) Geldstrafen 
werden den Ordens-Mitgliedern nicht auferlegt, und von den weltlichen 
Verwaltungsgeschäften bleiben sie befreit, ad 13) Als Vermittler bei 
grosseren Differenzen dürfte am besten das herzogliche Baths- Celle- 
gium dienen, ad 14) bei Aufnahme der neu ankommenden Studi- 
renden der theologischen und der philosophischen Facultät assistirt der 
Decan und ein Jesuit; der Studirende darf die ihm zugewiesene Ab- 
theilung nicht verlassen noch auch ohne Zustimmung der Jesuiten eine 
andere Vorlesung besuchen ; es sollen aber nicht unterschiedslos sämmt- 
liche zum ganzen Cursus verurtheilt werden, da manche die Univer- 
sität in anderer Absicht besuchen, ad 15) Vom Eichstädter Bischöfe 
hat der Orden Nichts zu befurchten, ad 16) Die Privat-Präceptoren 
müssen sich nach der Verordnung von 1539 richten, ad 17) Es ist 
Fürsorge zu treffen, dass die schmähsüchtigen und zügellosen Stu- 
denten der jurii^tischen Facultät kein Verderben über die theolo- 
gische und die philosophische Facultät bringen, und die Jesuiten wer- 
den hierüber Vorschläge machen, ad 18) Veraltete Statuten der Artis- 
ten sind umzuarbeiten, ad 10) Für heizbare Localitäten wird gesorgt 
werden; die Jesuiten aber werden in ihren Kepetitionen u. dgl. fleis- 
siger sein, ad 20) Die Verhandlungen über das herzustellende Semi- 
narium werden dem Orden zeigen, wie hoch er in Bayern geschätzt 
werde. — Die Vergleichung mit Obigem zeigt, dass der Herzog fast 
in allen Puncten den Jesuiten nachgegeben hat ; nur bittet er dieselben, 
in Jurisdictions-Sachen den Universitäts-Rector zu „belästigen**, auch er- 
mahnt er sie zu grösserem Fleisse, und ausserdem lehnt er die Errich- 
tung eines eigenen Vermittler-Amtes ab. Jene Unterwürfigkeit aber, mit 
welcher der Landes-Regent wegen eines Universitäts-Eides die Gunst 
des Ordens-Generales anfleht, erhält auch wieder den Ton schwär- 
merisch hingebender Liebe in einem Briefe (v. 21. Febr.) des Her- 
zoges an den Jesuiten-General Hier. Natalis ; höchst erfreulich, schreibt 
der Herzog, seien die Bemühungen des Provinciales Hoffäus, durch 
welche es gekommen, dass Pädagogium und Cursus bei den Jesuiten 
blieben, und wegen der sichtlich trefflichen Früchte solle diess auch 
für die Zukunft Bestand haben ; durch die Nachgiebigkeit des Hoffäus 
betreffs des Professoren-Eides sei Wohlwollen an Stelle des Hasses 
getreten; diese Ruhe und die Blüthe der Universität zu erhalten, 
möge der General seinen Beistand geben; dass man sich stets zur 



248 Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 

Anwesenheit der geliebten Jesuiten gratulire, werde nächstens darch 
die That bewiesen werden, indem binnen vier Jahren die Yollendang 
eines neuen Collegiums für 50 Mitglieder zu hoffen sei, für welches 
der General bereits jetzt taugliche Leute aufbehalten möge'"*). 

Zufolge der Aufforderung des Herzoges (ob. Anm. 72) gab die 
Universität ihre Ansicht über Pädagogium und Cursus kund, wobei 
sie in ihrem an die herzoglichen Käthe (Sim. Eck, Hund und Per- 
binger) gerichteten Schreiben (21. Febr.) zugleich einer anderen neu 
auftauchenden Gefahr vorzubauen veranlasst war. Man habe nemlich 
in Erfahrung gebracht, dass die Jesuiten, welche überhaupt Alles an 
sich ziehen und beherrschen wollen, sich nun auch um die Leitung 
und Verwaltung des Georgianums bewerben. Darum müsse man 
darauf hinweisen, dass die Jesuiten jene etlichen Knaben, welche 
ihnen ins Pädagogium übergeben wurden, sowohl körperlich in Speise 
und Trank so schlecht behandelten, dass dieselben krank und siech 
wurden, als auch geistig verwahrlosen Hessen, so dass sämmtliche 
erst durch andere Lehrer wieder gebessert werden mussten; ja man 
habe aus diesen Gründen den Jesuiten untersagt, weitere Schüler 
anzunehmen. Aber auch wenn bei ihnen Alles gut bestellt wäre, 
dürfe man sie doch nicht durch Uebergabe des Georgianums zu 
HeiTon der Universität macheu, und ausserdem gebe es viele Andere, 
welche die Leitung desselben besser verstehen, als die jesuitischen 
einseitigen Thomisten imd Scholastiker, denen es ein Dorn im Auge 
ist, wenn ein Weltgeistlicher gut zu predigen versteht; Ehrgeiz und 
Eigennutz seien bei den Jesuiten immer und überall im Spiele; auch 
würde Niemand mehr Lust Imben, für das Georgianum ein Stipen- 
dium zu stiften, wenn dasselbe in die Hände der Jesuiten käme. 
Von Früchten des Cursus verspüre man bisher noch gar Nichts, im 
Gegentheile es werde in Zukunft immer ,, heilloser*' werden; die 
Lehrer wechseln dort jeden Augenblick, und jeder derselben dictire 
immer nur, was er einmal irgendwo in Ualien nachgeschrieben; von 
einem Texte des Aristoteles sei bei ihnen keine Kede; es sei noth- 
wendig, ihnen einen Nicht- Jesuiten zur Seite zu setzen, damit sie 
wenigstens wetteifern müssen ; auch bedürfe man einer Vorlesung über 
Dialektik (etwa nach Cäsarius) für die Juristen und ilediciner, welche 
den Cursus nicht zu durchlaufen gedenken (s. unten Anm. 369); 
bei den Jesuiten wenigstens wollen Viele die Logik nicht hören, weil 

74) Staats-Bibliotli. Cod. Bavar. Nr. 2 205 o, Vol. I, f. 138. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 249 

dieselbe dort (wegen des Uebermasses scholastischer Ontologie) in 
höchstens zwei Monaten durcheilt wird'*). 

Während der Vicecanzler Eisengrein diesen Bericht der Uni- 
versität durch einen Privat-Brief an den herzoglichen Canzler Sim. 
Eck zu verstärken bestrebt war und dabei auch seinerseits hervorhob, 
wie sehr die Besorgniss verbreitet sei, dass die Jesuiten die ganze 
theologische Facultät an sich reissen und die Jurisdiction der Uni- 
versität abschütteln wollen"^), schrieb an dem nemlichen Tage (22. Febr.) 
Eck an Eisengrein in Bezug auf den ungnädigen Brief des Herzoges 
(ob. Anm. 72) und auf die Zuschrift der Universität (Anm. 69); 
aucli Eck spriclit dabei von einem heftigen und tumultuarischen Auf- 
treten der Professoren, welches ganz unerwartet gekommen sei, da 
man nur in aller Stille Eisengrein's Privat-Ansicht zu vernehmen 
gewünscht habe: nun aber erfahre er (Eck) von der Universität den 
Vorwurf, dass er nichts verstehe und als Stütze der Jesuiten arbeite; 
durch solches Auftreten der Professoren müssen die Studenten ihren 
Lehrern entfremdet werden; auch sehe er hiemit, welchen Dank ihm 
die Universität dafür erstatte, dass er sich so oft um Besoldungs- 
Erhöhungen u. dgl. angenommen, er werde sich's merken und die 
Professoren in Zukunft „andere Heilige anrufen lassen"; um den 
ganzen Streit werde er sich jetzt gar nicht mehr annehmen, aber 
ilarauf werde er sehen, dass die Professoren nicht gar zu grob wer- 
den"'). Aufs tiefste erschrocken antwortete hierauf Eisengrein an 
Kck, das entsetzlich ungnädige Schreiben habe er empfangen; schon 
längst habe er gefurchtet, einmal recht hineinzupatschen , aber dass 
er der Anhetzer sei, beruhe auf reiner Verleumdung, denn stets habe 
er auf Frieden hingearbeitet; völlig imbegründet sei der Verdacht, 
dass er die Zuschrift der Professoren veranlasst habe ; er habe sie 
geradezu verhindern wollen, aber kein Gehör gefunden, und erst, 
nachdem man bei einem Promotions-Schmause der Mediciner über 
ihn als einen Beförderer der .Jesuiten hergefallen sei, habe er dem 
Ungestüme nachgegeben und dasjenige zugelassen, was er früher nur 
insgeheim mit Nie. Everhard besprochen hatte; die Zuschrift selbst 
aber habe er nicht einmal gelesen; auch sei über Eck nicht ge- 
schimi»ft worden, und ebensowenig sei irgend ein Tumult entstanden ^®). 



75) £bcnd. f. 56; vgl. unten Anm« 369. 

7G) Sttiatä-BibUotli. Cod. Ban». Nr. 801% £ 26 t. 

77) Ebend. f. 32 t. 

78) Ebond. f. 29 T. 



250 Zeitr. IT, Cap. 1 (1550-1588). 

Und gleichzeitig (28. Febr.) Hess er auch an den herzoglichen Hof- 
rath Yend einen Brief abgehen, in welchem sich neben Wiederholung 
des so eben Erwähnten folgende Bemerkungen finden: vor einem 
Jahre noch habe er als officieller Bedner die Eröffnung des Päda- 
gogiums und des Cursus durch die Jesuiten gefeiert; jetzt aber be- 
komme er solchen Dank ; das Geschrei der Jesuiten über die Zuschrift 
der Universität rubre nur daher, dass dieselben den Untergang aller 
Professoren und des Vicecanzlers wünschen; darum thuen sie alles 
Mögliche, um dieselben in München anzuschwärzen, bei Hof aber sei 
man wie durch Zauber verrückt (fascinati); ob es wohl bereits als 
Verbrechen gelte, an die herzoglichen Bäthe zu schreiben? Tumulte 
gebe es nicht, und den Jesuiten füge Niemand ein Leid zu, aber 
feste Grunzen müssen denselben gesteckt werden ^^). — Wenn sogar 
der gutmüthige milde Eisengrein eine solche Sprache führte, können 
wir uns abnehmen, wie es gestanden habe. 

Unterdessen hatte sich der herzogliche Hofrath am 25. Febr. in 
einer Sitzung (— anwesend waren Eck, Hund, Perbinger, Vend, 
Elsenheimer — ) sowohl mit einer ^^Declaraiio^' des Provinciales Hof- 
faus als auch mit den Wünschen der Universität beschäftigt. Die 
erstere zeigt, dass nunmehr der Ordens-Provincial aus Klugheit es 
für gerathenor hielt, den Sdiein zu verbreiten, als wolle er den Bo- 
gen nicht allzu schraff spannen; derselbe erklärt nemlich, die In- 
spection der Universität über Pädagogium und Cursus werde nicht 
zurückgewiesen, und die bestehenden Gesetze wolle man nicht refor- 
miren ; man habe nur vom modus societatis gesprochen, welcher aller- 
dings eingehalten werden müsse; die Jurisdiction masse man sich 
nicht an, sondern der Universitäts-liector gelte stets als Oberhaupt 
und seine Jurisdiction werde nicht zu Chicaneu missbraucht werden; 
auch die Coercitiv-Jurisdiction solle nicht wider den Willen der Uni- 
versität geübt werden, aber im Pädagogium komme man ohne körper- 
liche Züchtigung nicht zum Ziele; jedenfalls sollen die Kuthenstreiche 
unter Zustimmung des Universitäts-Rectors gegeben werden; Aus- 
schliessung der gänzlich Untauglichen sei unvermeidlich, und die 
Universität werde derlei Studenten nicht zu schützen beabsichtigen; 
den Jesuiten müsse die Möglichkeit gegeben sein, von einer Senats- 
Sitzung fem zu bleiben; die Anwesenheit eines Jesuiten bei der 
Aufnahme-Prüfung sei kein Eingriff in die Kechte der Universität; 
in den Bepetitionen u. dgl. werde seitens der Jesuiten grösserer 

79) Ebend. f. 23. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550— 1B88). 251 

Fleiss eintreten ^^). Das Besultat dieser Baths-Sitzung war offenbar 
derartig, dass auch den Landesberrn das Gefflbl überkam, es könne 
die Förderung seiner Lieblinge durch allzu grosse Schärfe gefährdet 
werden. Wenigstens erliess der Herzog an Einem Tage (13. März) 
vier Schreiben, deren eines an Hoffäus gerichtet besagt, die Jesuiten 
seien in dem ganzen Handel etwas zu heftig, und alles Geschrei der 
Universität beabsichtige doch nur, den vorjährigen herzoglichen Recess 
(s. ob. Anm. 50) aufrecht zu halten; Hoffäus möge dafür sorgen, 
dass die Jesuiten „nicht zu mehrerm Unwillen Ursach geben", damit 
die Sache ohne „Verbitterung" verhandelt werde; jedenfalls müsse 
die Universität bei Ansehen und Kuhm bleiben®*). Ein zweiter Brief 
ergieng an die Universität: der Her/og wolle wahrlich Nichts, was 
der Universität zum Nachtheile gereiche; man möge Berathungen 
pflegen, und zu diesem Behufe sei im Allgemeinen die herzogliche 
Meinung ausgesprochen worden; über das im Bau begriffene neue 
Collegium (ob. Anm. 74) seien Vorschläge zu machen, da dasselbe 
bald besetzt werden solle; der Wunsch der Universität, einen Ad- 
juncten für Dialektik anzustellen (ob Anm. 75), sei genehm; man 
möge einen solchen namhaft machen^*). Ein dritter Brief war an 
den Vicecauzler Eisengrein gerichtet: er solle sich nicht beleidigt 
fühlen, denn man sei ja mit ihm ganz zufrieden; der ganze Zank 
solle endlich einmal aufliören, und in diesem Sinne seien herzogliche 
Schreiben an den Ordeus-Provincial , an die Universität und an den 
Bischof ergangen; der Senat möge nur bald die Sache berathen **•'). 
Endlich die vierte an den Bischof von Eichstädt erlassene Zuschrift 
enthält die Versicherung des Herzoges, es seien Missverständnisse 
vorgekommen, die Absicht der Jesuiten gehe weder auf Jurisdiction 
noch überhaupt auf Herrschaft, sondern nur auf ihre Studien-Ein- 
richtungen, die herzogliche Willens-Meinung aber sei nur auf das Wohl 
der Universität gerichtet^^). 

Man sollte hiernach meinen, es wäre nun seitens der Regierung 
in eine für die Universität günstigere Bahn eingelenkt worden ; der 
weitere Verlauf aber beweist, dass der Herzog entweder nur augen- 
blicklich erschreckt oder von den Jesuiten belogen worden, jedenfalls 



80) Staats-Biblioth. Cod. Bavar. Nr. 2205a, Vol. I, f. 120. 

81) Ebend. f. 60 v. 

82) Ebend. f. G3. 

83) Ebend. t 62. 

84) Ebend. f, 66 t. 



I ^ 



:M 



252 Zeitr. U, Csp. 1 (1550—1588). 

aber von den letzteren bereits derartig umstrickt war, dass an ein 
grundsätzliches Zurückweichen nicht mehr gedacht werden konnte. 
Der geforderte Bericht der Universität verzögerte sich wegen der 
mancherlei Schwierigkeiten längere Zeit und wurde erst am 11. Juni 
an die herzoglichen Käthe abgeschickt®^). Derselbe gehört der Form 
nach zum schärfsten, was der Senat je amtlich über die Jesuiten ge- 
sagt, und zeigt dem Inhalte nach, dass es den letzteren gar nicht 
in den Sinn kam, in ihren Ansprüchen wirklich thatsächlich nach- 
zulassen®^). Man hat, — berichtet die Universität — , das Probe- 
jahr der Jesuiten wahrlich geduldig verdaut; aber wenn nicht die 
neuen Prätensionen derselben zurückgeschlagen werden, kommen sie 
sicher jeden Monat und jedes Jahr wieder, bis sie den herzoglichen 
Räthen das ganze Schulregiment abgefragt haben; denn sie stellen 
sich überhaupt auf gleichen Fuss mit dem Landesherren, wie wenn 
dieser nur ein Contrahent in einem Vertrage wäre, und die Hofräthe 
haben ihre freie Verfügung bereits eingebüsst, da die Jesuiten immer 
vorerst in Rom anfragen; ja durch die Langmuth der Patrone der 
Universität sind den Jesuiten bereits derartig die Hörner gewachsen, 
dass sie von sich aus beliebige Resolutionen erlassen. Von einem 
Nutzen aber, welchen sie etwa im Probejahre gestiftet, ist Nichts 
zu verspüren. Was den Eid betrifft, so wurde dieser von den ersten 
Jesuiten (Canisius, Gaudanus und Salmeron) unbedenklich geleistet, 
und in Wien und Löwen weigern sich auch jetzt die Jesuiten nicht 
dagegen, nur in Ingolstadt, wo ihre Sache besser steht, reden sie von 
gewichtigen Ursachen, ohne dieselben namhaft zu machen; ein Ver- 
gnügen ist es ihnen allerdings, die Amtsgeheimnisse der Universität 
mittelst des Ordens in die ganze Welt hinauszuschreiben. Sobald 
man ihnen nur von Feme etwas bietet, ziehen sie es sofort an sich, 
und jede Unterhandlung mit ilmen ist für den anderen Theil prä- 
judicirlich. Wenn sie die Universitäts-Behörde als Haupt gelten 
lassen, so denken sie dabei nur an ein vom Körper abgeschnittenes 
Haupt, welches bloss diesen Namen hat, und während sie dem Wort- 
laute nach ihre Auctorität der Leitung aus der Universität fliessen 
lassen, wollen sie sachlich von Niemandem gestört sein. Der Rector 
wird zum Sesselkönig Hilperich, welcher nur als Schaustück dasitzt 
und Stuhl oder Bank drückt, hernach aber geschorenen Kopfes vom 
Papst weggejagt wird; es sollen die Dinge sich gestalten wie in 



85) Arch. d. Univ., T, 11. Juni 1072. 

80) S. Bd. II, Urk. Nr. O! (leider ist das Documcnt am Schlüsse IQokonlutft). 




Zeitr. n, Cap. 1 (1550-1588). 253 

Mainz und vor Allem wie in Dillingen, woselbst sie bereits jetzt 
öffentlich sich brüsten, auch in Ingolstadt die Herrschaft errungen 
zu haben. Wenn sie sich dessen versichern wollen, dass sie weder 
sämmtlich noch theilweise gegen den Willen des Ordens durch welt- 
liche Professoren ersetzt werden, so haben sie hiemit nicht bloss der 
Universitäts-Behörde , sondern auch dem Herzoge die Ziigel aus den 
Händen gewunden. Von einem landesherrlichen Ernennungs-Eechte 
oder von einer gegenseitigen geregelten Aufkündigung des Dienstes 
ist bei ihnen ohnediess keine Rede, sondern wie die Störche fliegen 
sie zu und ab, ohne um Herkunft oder akademischen Grad gefragt 
zu werden ; ja bereits Peltanus hätte das Vicecancellariat bleibend an 
das Decanat der theologischen Facultät geknüpft, wenn nicht damals 
der Bischof von Eichstädt „den Braten geschmeckt hätte" ^'). Bei 
Vergehen der Jesuiten soll der Universitäts-ltector als Glocke ohne 
Schwengel von der Würde eines Hauptes zur Function eines Armes 
oder zuletzt auch eines Fusses heruntersinken, insoweit sich nicht 
etwa die Jesuiten von der Jurisdiction desselben ganz „aushalftem" ; 
ihre sogenamite Coercitiv-Jurisdiction aber schliesst jedenfalls auch 
die Verhängung der Kelegation und hiemit eine Befugniss der üni- 
versitäts-Behördc in sich ein. Schützen will man die Jesuiten aller- 
dings, nie aber denselben als Magd dienen. Es hilft auch Nichts, 
wenn feste Grunzen gesteckt werden, denn dieses Ungeziefer kriecht 
dennoch durch {isti caniaUi semper suhreimnf). In der artistischen 
Facultät wollen sie theilen wie der Löwe beim Aesop, und wenn sie 
im Senate der Ladung des Universitäts-ltectors nicht zu folgen 
brauchen, so wird wohl derselbe dereinst parvificus genannt werden 
und hiegegen der Kector des Jesuiten-Collegiuras den Titel magnificus 
führen. Wenn sie auf das Kectorat verzichten *^^), so erinnert diess 
einerseits im Hinblicke auf die Statuten an den Fuchs, welcher die 
Trauben sauer fand, und andrerseits ist es schlau angelegt, da sie in 
Zukunft einmal solchen Verzicht zurücknehmen könnten, wozu sie 
bereits jetzt durch die Behauptung vorarbeiten, nur einige von ihnen 
seien professi, andere aber nicht ; dass die Kectors- Würde ihnen nicht 
zuwider ist, zeigt die Freude, mit welcher sie dieselbe in Dillingen 
unter möglichstem Pomp zur Schau tragen. Auch gegen das Rech- 
nungswesen sind sie in der That nicht so spröd, denn auch der Heim- 
tficker {celator) Peltanus, welcher es durch seine „Polypragmosyne*' 



87) Vgl. unten Ap«- ^Rfl, 

88) YgL oImb J 



254 Zeitr. n, Csp. 1 (1550—1688). 

dabin gebracht, dass er jetzt Senior seiner theologischen Facultät ist, 
verstand es vortrefflich, über die Camer-Angelegenheiten Andere ans- 
zuforschen, und desgleichen waren die Jesuiten bei der Prüfung der 
R^chnungs-Ablage Zettel's (ob. Anm. 42) äusserst aufmerksam und' 
eifrig. Es ergeht sonach die Bitte, die Jesuiten vom Bectorate und 
allen weltlichen und Camer-Sachen fern zu halten; in Angelegenheiten 
der Religion und des Studiums wird man sie stets gern beiziehen. 
Die Beiziehung eines Jesuiten zur Aufnahms-Prüfung der neuen An- 
kömmlinge schmälert den Buf der Universität. Die Verordnung von 
1539 hat nunmehr bei geänderter Sachlage keine Anwendung mehr, 
denn bei jetziger üeberfüUung der Lehrstunden müssen die Privat- 
Präceptoren entweder überhaupt einen ganz anderen Unterricht er- 
theilen oder als überflüssig fortgeschickt werden, welch letzteres den 
Jesuiten gewiss das liebste wäre; denn es ist ersichtlich, dass die- 
selben, nachdem sie durch ihre schlechte Leitung die Schüler ver- 
loren, jetzt durch jedes Mittel Ersatz schaffen und die Jugend in ihr 
Pädagogium einzwängen wollen. 

Wer sich auch durch diese wiederholte sachgemässe und kräftige 
Erklärung der Universität nicht beirren Hess, war die Begierung. 
Nach längerem Zaudern, nemlich erst am 8. Nov., schrieb vorerst 
Sim. Eck an die Universität, die Entscheidung werde stets erwogen 
und sei nun in Bälde zu erwarten ; auf Probe könne man die Jesuiten, 
welche in die Facultät einzutreten wünschen, wohl unvereidigt auf- 
nehmen, denn falls sie nicht genügen, werde man sie leichter vor dem 
Eide als nach demselben fortschicken ; ja an diese einfältige Auskunft 
knüpft der herzogliche Canzler, welcher selbst zum Verderben der 
Universität eifrigst beitrug, den sonderbaren Wunsch, dass Ingolstadt, 
welches unter Peltanus so berühmt gewesen, nicht wieder sinken 
möge®^). Am 16. Dec. erfolgte der herzogliche Entscheid selbst^), 
dessen Einzeln-Vergleichung mit den angeführten Angaben und Wün- 
schen der Universität dem Leser überlassen bleiben mag. Der Herzog 



8Ü) Arch. d. Univ. T, Yol. I, f. 50. Gegen die Aufnahme eines gewissen 
Julias Priscianensis ohne Eidesleistung hatte sich die theologische Faoultftt getreu 
den Statuten erklärt (Arch.d. Univ., K, I, Nr. 1, Anf. Nov. 1572); vgl. Anm. 100. 

90) Keiohs-Archiy, Jesuitica, Ingoist. Fase. 73, Nr. 1373, f. 7 ; gedruckt bei 
Med er er. Cod. dipl. 8. 335. Die Schlusszeilen lauten in der Original-Urkunde 

(Archiv d. Univ. 0, Uk Dcc. 1572) folgcndermasscn : ohserventurj «re- 

niasima illitis celsitudo sua manu subscripsit et addito sigillo secreto communiri 
iuasiL Quod factum est Landishutae 16 die mensis decembris anno a ChrisH 
nativitate 1572, 



Zeity. II, Cap. 1 (1550— 1588). 255 

nemlich sagt, die im vorigen Jahre auf Probe eingerichtete üeber- 
nahme des Pädagogiums und des Cursus durch die Jesuiten scheine 
die gehofften Früchte zu tragen, imd er wünsche daher, dass beides 
beim Orden als einem Gliede und Theile der Universität verbleibe. 
Die Jesuiten werden dort nach ihrer Weise das Studium einrichten, 
anderweitige philosoj)hische Vorlesungen ausserhalb des Cursus sind 
nicht behindert. Um die Studenten vor Verderben zu bewahren, soll 
der Universitäts-Kector unter Beiziehung eines Jesuiten mit den neu 
ankommenden verhandeln (jiujere) und dann dieselben mit einem 
schriftlichen Zeugnisse zu den Jesuiten schicken, welche jedem die 
Classe oder den Curs anweisen, in welchem er unweigerlich zu ver- 
bleiben hat; den ganzen dreijährigen Cursus müssen alle diejenigen, 
welche graduiren wollen, sowie alle künftigen Theologen und Medi- 
ciner durchmachen^'); falls dem Eector die Aufnahme-Prüfung zu 
viele Mühe macht, kann er sie dem Artisten-Decane und einem Je- 
suiten überlassen. Ueber unbändige Studenten des Cursus berichten 
die Jesuiten an den Decan oder an den Universitäts-Kector, welche 
nöthigen Falles Ausschliessung aussprechen; über Jesuiten aber oder 
deren Zöglinge muss die akademische Behörde an den Kector des 
Jesuiten-Collegiums berichten und kann sich, falls eine genügende Be- 
strafung nicht erfolgt, an den Herzog wenden; im Pädagogium 
bleibt geringere Bestrafung, sei es durch Worte oder durch die 
Kuthe, den Jesuiten überlassen, während es bei schwereren Fällen 
ebenso wie mit den Cursus- Studenten zu halten ist. Die Jesuiten 
werden friedfertig und einträchtig sein und ihre Schüler auch in an- 
dere Vorlesungen schicken; die weltlichen Professoren werden ihnen 
als Mitarbeitern wohlwollend entgegenkommen; die Exercitien, Dis- 
putationen u. dgl. werden fleissig gehalten werden. Alle herzog- 
lichen Stipendiaten, welche Philosophie oder Theologie oder Medicin 
studiren , sei es dass sie dem Georgianum oder dem Albertinum (s. 
unten Anm. 108) angehören oder ausserhalb derselben wohnen, sowie 
alle jugendlichen Canouiker und alle Mönche sind an den Studienplan 
der Jesuiten gebunden. Was den hauptsächlichen Streitpunct, nem- 
lich den Eid, betrifft, so wollen einerseits die Weltlichen mit liecht, 
dass Aemter nicht ohne Eidesleistung übernommen werden sollen, 
während andrerseits die Jesuiten sich mit Kecht auf ihre Ordens- 
Gewissenhaftigkeit berufen, durch welche sie dem ganzen Lande ver- 
pflichtet sind. Sonach sind die Jesuiten von den akademischen Eiden 

91) Man beachte, wie die joridtiäohc Faoultilt vercshont bleibt. 



256 Zeitr. ir, Cap. 1 (1550—1588). 

frei und ledig, denn es genügt die Sorgfalt des Jesuiten-Bectors, und 
wenn sie auch noch so sehr geschworen, könnten sie nicht mdbr 
leisten, als sie bereits leisten, auch könnten sie durch fremde Eide 
in Verwirrung gerathen {dlienorum iuranieniorwn occasionc variis 
turbis et conieniionibus scholasticis implicari). Aber jene Jesuiten, 
welche in den Senat eintreten, leisten einen Eid, dass sie getreulich 
beratben und ohne alle Privat-Kücksichten die Ansicht, welche sie 
für gerecht halten, aussprechen und auch das Amts-Geheimniss be- 
wahren wollen®*). Aus der artistischen Facultät kommen nur zwei 
Jesuiten in den Senat; die Ladung der jesuitischen Senatoren geht 
vom Üniversitäts-Rector durch den Pedell an den Jesuiten -Rector, 
welcher bestimmt, wer die Sitzung zu besuchen habe. 

Nachdem im folgenden Jahre 1573 der Herzog (10. Febr.) die 
Bestimmung erlassen hatte, dass die Jesuiten, ohne beim Universitäis- 
Rector anzufragen, Exclusion verhängen dürfen, und der Senat die 
dadurch betroffenen Studenten als ausgeschlossen betrachten müsse®'), 
— ein Zugeständniss, welches wahrlich nicht geeignet war, den Frieden 
an der Universität zu bewahren — , so erwuchsen aus der vom Her- 
zoge genehmigten (s. oben Anm. 82) Bestellung eines weltlichen 
Professors der Dialektik wieder neue Zerwürfnisse, welche sich in 
Bälde scharf zuspitzten. Abgesehen von demjenigen, was unten bei 
der philosophischen Facultät zur Erwähnung kommen muss (s. Anm. 
369 fr. u. 433 fr.), ist der Verlauf folgender: Der Senat machte am 
24. Juni durch öffentlichen Anschlag bekannt, dass Friederich Martini 
über die Dialektik des Cäsarius und (wie schon bislier) Sifanus über 
griechische Litteratur lesen werden ^*j. Hiegegen nun erheben sich 
die Jesuiten in offener Auflehnung. In einer Reihe von Sitzungen 
hatte der Senat zunächst (26. Junij Act zu nehmen von den groben 
Injurien, welche gegen ihn die Jesuiten durch den Vorwurf der 
Meineidigkeit oder durch Spottworte, wie „Philosophaster, Aristarche", 



H2) In diesem Senatoren-Eide fehlt noch kluger Weise ein ßeisiitz, welchen 
die Uniyersitilt nach vielen Jahren errang; erst i. J. 1012 nemlich wurden die 
Worte y^pro puhlico commodo ticademiae*'^ eingefügt | s. Cap. 2, Anm. 111), und 
bis dahin bedurften sonach die Jesuiten niclit einmal einer MentaUKoäeryation, 
um im Senate für den Orden zu arbeiten. Einen köstlichen Beweis aber der 
berechnetsten Schlauheit gibt un^< eine Vorsclirift über die Art und Weise, wie 
sich die Jesuiten als Senats-Mttglieder demüthigst benehmen und sachlich doch 
stets das Wohl der Gesellschaft fordern soUen; s. Dd. II, Urk. Nr. <)i. 

93) Arohiv-Conserv. Pasc. G, Nr. 5a, 10. Febr. 1573. 

94) Arch. d. Uniy., 0. 24. Juni 1573. 



Zoitr. 11, Cap. 1 (1550-1588). 257 

ausübten; und nachdem (30. Juni) beschlossen worden, dass die phi- 
losophische Facultät beauftragt werde, den Martini binnen vier Tagen 
in das Gremium aufzunelimen, und dnss im Weigerungsfälle derselbe 
sofort als Senats-Mitglied vereidigt werden und hierüber öffentlicher 
Anschlag erfolgen solle, erklärten die Jesuiten (Reiner Fabricius war 
Decan der Artisten) auf die amtliche Zustellung des Auftrages, es 
sei diess eine Vergewaltigung der Facultät, und sie würden dagegen 
an den Herzog appelliren. Hierauf wurde (6. Juli) die Verwirk- 
lichung der erwähnten Drohung beschlossen, und zugleich ein Schreiben 
an den Bischof von Eichstädt gerichtet, worin derselbe über die Sach- 
lage und über die wahren Trheber des Streites aufgeklärt werden sollte; 
auch sei dahin zu wirken, dass der Bischof als Canzler den weltlichen 
Professoren neben dem jesuitischen Decane das Promotions-Recht zuge- 
stehe. Da sodann (l.Aug.) die Modalität der Aufnahme des Martini 
festgestellt und zugleich der Beschluss gefasst wurde, die zwei wider- 
spenstigen Jesuiten (nemlich Reiner Fabricius und Ferdinand Alber) 
aus dem Senate und aus der Facultät zu stossen, sowie ihnen Facul- 
tats-Sigel und -Acten abzufordern, widersetzten sich die Jesuiten noch 
immer der Aufnahme Martini's ; ihre Beschwerde aber wurde (5. Aug.) 
verworfen und der Beschluss der Ausschliessung der Jesuiten mit dem 
Beisatze erneuert, dass an ihre Stelle Martini und Zettel und Engerd 
treten sollen ; doch wurzle die Ausführung noch auf einige Zeit ver- 
schoben und nach eingelaufener Remonstration der Jesuiten (11. Aug.) 
die ganze Sache dem jur. Professor Nie. Everhard junior über- 
geben*''). 

So war die Sache durch die Energie des Senates wenigstens in 
der philoso|)hischen Facultät zum Bruch gekommen, und auch der 
Herzog erklärte sich (22. Aug.) mit einer Umgestaltung derselben 
und des Pädagogiums einverstanden*^). Noch ehe die Universität 
diesen Entschluss in Händen hatte, berichtete dieselbe (23. Aug.) 
an die herzoglichen Hofräthe über die Wünsche der Artisten und 
über die Vorkehrungen, weltliche Kräfte zu gewinnen; mit Freude 
habe mau von Nie. Everhard gehört, die philosophische Facultät 
solle wieder in ihrem früheren Zustande hergestellt werden ; da bisher 
die Jesuiten fast sämmtliche Lehrstühle der obligaten Vorlesungen 
inne gehabt und selbst die Privat-Präceptoren sich nach der Ordens- 
Einrichtung bequemen mussten, sei es erklärlich, dass bei der HofiF- 



95) S. Bd. II, Urk. Nr. 95. 

96) Arch. d. Unir., T, Vol. I, f, 62. 

P r a n 1 1 , OMchlcht« der UnlTtnillt ehta I. 17 



258 Zeitp. n, Cap. 1 (1550-1B88). 

nungslosigkeit auch der Tfichtigsten sich keine Leute zur Neube- 
setzung finden und man an Ausländer denken müsse. Aber man 
dürfe sich nicht mehr von dem unruhigen und herrschsfichtigen Je- 
suiten-Geschlechte (inqiiietum et imperiosum Iwminum genus) ab- 
hängig machen, welches bemüht ist, Alles unter sich zu bringen. 
Die Frequenz werde unter weltlichen Lehrern alsbald höher steigen, 
als sie je in den drei Jesuiten-Jahren gestanden. Selbst die Hälfte 
des Aufwandes, welcher den Jesuiten zu Gute gekommen, würde für 
die neuen Professoren genügen. Eine richtige Voraussicht aber war 
es, wenn die Universität diesen Bericht mit den Worten schloss ,je- 
suitae super os et inferos concitanty ut^ quae Iwbent^ retincant^ quae 
non luihent^ adipiscantur.^^^'^) 

Die Jesuiten hielten es nun nach Lage der Dinge für klüger, 
vorläufig von der artistischen Facultät, aus welcher sie der Senat 
bereits ausgeschlossen, zurückzutreten; und obwohl (9. Sept) die 
Universität eine Restitution derselben in Aussicht stellte ^^), drang 
bei den nach Ingolstadt gesendeten herzoglichen Käthen der Vor- 
schlag des Provinciales Hoffäus durch, dass Pädagogium und Cursos 
einstweilen nach München verlegt werden, womach auch wirklich 
(27. Sept.) die beiden Jesuiten Beiner Fabricius und Ferd. Alber 
dorthin umsiedelten^^). Die Jesuiten aber der theologischen Facult&t 
blieben ungestört in Ingolstadt, und es wurde nunmehr auch Julius 
Priscianensis nach der neuen Eidesformel aufgenommen^^). 

Doch es war der theilweise Sieg der Universität nur ein vorüber- 
gehender, denn die Jesuiten hatten beim Herzoge nicht bloss das 
Ohr, sondern längst auch das Herz für sich gewonnen ^^'). Es hatte 
unterdessen das versprochene neue Jesuiten-Collegium (s. ob. 
Anm. 74 u. 82) seine bauliche Vollendung gefunden und zugleich 
auch die Universität vielfach die Ungnade des Herzoges wegen der 
Vertreibung der Jesuiten der Artisten-Facultät erfahren. Schon im 



97) Ebend. T, 23. Aug. 1573. 

98) Ebend. D, III, Nr. 7, f. 267 t. 

99) Ebend. O, I, Nr. 4, f. 18 y. Mederer, Annal, Bd. II, 8. 10; das dort 
gesagte erhSIt erst durch Obiges seinen Zusammenhang. 

1()0) Ebend. S 15. Vgl. ob. Anm. 89 u. 90. 

101) Audi auf das Ausland erstreckte sich die liebevolle FQraorge des Her- 
zoges rar den Orden; denn er schrieb selbst an Papst Gregor XIII, dass doch 
die Jesuiten, welche durch das Domcapitel zu Fulda vertrieben worden waren, 
dort wieder festen Fusb fassen und ihre Regen« volle Wirksamkeit fortsetzen 
sollen; ?. Arch.-Conserv., Fase. <», Nr. .'ia, Mai 1574. 



M 



Zeitr. n, Cap. 1 (1550-1588). 259 

Herbste 1575 bat eine Deputation des Senates den Herzog, welcher 
sich in der Nähe Ingolstadts auf der Jagd befand, um Bflckkehr der 
Jesuiten'"*), und im Jan. 1576 wurden die Hofräthe Vend und Lau- 
therius beauftragt, mit dem Provinciale Hoflfäus zu unterhandeln, dass 
die Jesuiten, welche mit den Verwaltungs-Sachen und mit dem Geor- 
gianum Nichts zu schaffen haben sollen, in der philosophischen Fa- 
cultät gleiche Rechte mit den übrigen Professoren zugetheilt erhalten, 
so dass es den Studirenden frei stehe, bei Jesuiten oder bei Nicht- 
Jesuiten zu hören; auf diese Grundlage hin kamen alsbald aus Mün- 
chen drei Jesuiten (Balduinus, Mayrhofer und Holonius) an die phi- 
losophische Facultät und drei andere an das Pädagogium , welche 
sämmtlich am 20. Juni in das neu erbaute Collegium einzogen '^^). 

Ein herzoglicher ßecess v. 26. Nov. 1576 knüpft an die Kund- 
gebung der erfreulichen Thatsache, dass die Jesuiten den Cursus und 
das Pädagogium wieder übernommen haben, eine Anzahl von Bestim- 
mungen zur Beglung der gegenseitigen Verhältnisse ^^^) ; das neu 
eingerichtete Collegium soll nicht von der Universität getrennt, son- 
dern geehrter Theil und nützliches Glied {honorata pars et utile 
nietnhrum) derselben sein. Daher sollen die Jesuiten ihre theologi- 
schen Vorlesungen in der bisherigen Weise halten, so dass ihren 
zwei Professoren als dritter ein Nicht-Jesuit zur Vervollständigung 
der Facultät beigefügt ist; die beiden Jesuiten der theologischen 
Facultät sind Mitglieder des Senates, wozu sie den einfacheren Eid 
(ob. Anm. 92) leisten. In der philosophischen Facultät richten die 
Jesuiten den bei ihnen üblichen dreijährigen Cursus ein; daneben aber 
können ungehindert auch die weltlichen Professoren philosophische Vor- 
lesungen im alten Collegium (d. h. im Universitätsgebäude) halten. Nur 
dürfen die beiderseitigen Vorlesungen nicht allzu sehr von einander ver- 
schieden sein, und namentlich müssen bei den weltlichen wie bei den 
Jesuiten die gleichen Bedingungen der Zulassung zum Magisterium (d.h. 
vor Allem zurückgelegter dreijähriger Cursus) aufrecht erhalten blei- 
ben, sowie überhaupt die Lehrart der weltlichen Professoren einer beson- 
deren Wachsamkeit der Regierung unterliegen wird; die Ertheilung 
des Baccalaureates bleibt ganz dem Belieben der beiderseitigen Lehrer 



102) Sicher war dieser Schritt ein yerfehlter, aber es mangeln uns die 
ndthigen Notizen Ober die Yerhfiltnisse , durch welche wahrscheinlich die Uni- 
versität, die sich bisher so wacker gehalten hatte, entschuldigt werden könnte. 

103) Med er er, Ann. Bd. II, S. 29 f. 

104) S. Bd. II, Urk. Nr. 98. 

17* 



260 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

Überlassen. Die Studirenden können von den Vorlesungen der Jesui- 
ten zu jenen der Weltlichen und umgekehrt übergehen, wofeme hie- 
be! keine schlimmen Praktiken geübt werden und die Lehrer ihre 
Zustimmung geben. Die Jesuiten dürfen nur dann auch Ober Hu- 
maniora u. dgl. Vorlesungen halten, wann auch die Weltlichen ihrer- 
seits einen vollständigen Cursus der Philosophie lesen; nur Rhetorik 
dürfen die Jesuiten jederzeit als Universitäts- Vorlesung dociren, so 
dass die Studirenden die Wahl haben *^'). Unverbesserliche Studen- 
ten, welche aus ^iner Vorlesung gewiesen werden, dürfen von einem 
anderen Lehrer nur unter Zustimmung desjenigen, der sie ausge- 
wiesen, zugelassen werden; wer durch die Jesuiten oder durch die 
Weltlichen die Strafe der Exclusion erfuhr, darf nur, wenn er sich 
wirklich bessert, von den anderseitigen Lehrern geduldet werden. Alle 
öffentlichen Acte , Disputationen u. dgl. begehen die Jesuiten im 
Universitäts-Locale und fügen sich überhaupt den löblichen Gewohn- 
heiten der Facultät, vorkommende Mängel kann die Universitftts- 
Behörde beim Jesuiten-Bector zur Anzeige bringen und nöthigen 
Falles hierüber an die Regierung berichten. Mitglied des Senates 
ist aus der philosophischen Facultät nur Ein Jesuit. Bei den Pro- 
motions-Prüfungen in der theologischen und in der philosophischen 
Facultät haben die Jesuiten mitzuwirken, in letzterer aber dürfen sie 
nur die gleiche Anzahl von Votanten haben wie die Weltlichen (d. h. 
beiderseits sind es je drei) ; bei Stimmengleichheit wird durch das 
Loos entschieden. Die Vorlesungen über Ethik und Mathematik sind 
zur Promotion obligat, auch wenn sie nicht von den Jesuiten gehal- 
ten werden*^®). Auf die Promo tions-Gebüren machen die Jesuiten 
keinerlei Anspruch. Mit dem Georgianum und allen \'erwaltuiigs- 
Angelegenheiten haben die Jesuiten Nichts zu schaffen. Das Päda- 
gogium nehmen sie wie früher wieder auf, und die Universitäts- Be- 
hörde darf es rügen, wenn in demselben sich Mängel zeigen. Die 
allzu grosse Freiheit oder Zügellosigkeit der Studirenden wird von 
Jesuiten und Weltlichen in gleicher Weise eingeschränkt werden; 
auch auf Betheiliguug am Gottesdienste, österliche und ausserdem 
jährlich viermalige Beicht u. dgl. wird gesehen werden (Weiteres 8. 



105) So war, was schon Eisengrein ah „jota aefnulatio^^ gewttnscht hatto 
(s. ob. Anm. ()7), wenigstens zum Scheine yerwirklioht; tliatsSchHcb musiten 
natflrlich die Weltlichen gegen die Jesuiten den kürzeren ziehen, bis die letz- 
teren die Alleinherrschaft errangen. 

10<>) Hieran knüpften sich später wiederholte Differenzen. 



M 



Zeitr. II, Cap. 1 (ir.50— 1588). 261 

Anm. 206). Am Schlüsse verzeichnet der Herzog mit Vergnügen, 
dass auch der Provincial Hoflfäus mit dieser Ordnung der Dinge zu- 
frieden sei und besten Erfolg wünsche. 

Den eigentlichen Stiftungs-Brief des Jesuiten-Collegiums erliess 
Herzog Albrecht am 20. Dec. 157G '^^). In demselben ist zunächst 
viel die Rede von der Ehre Gottes, von der Bewahrung der ortho- 
doxen Keligion, von jener Gerechtigkeit, welche aus Religion fliesse 
u. dgl. Zu all solchem seien in trefflichster Weise die Jesuiten taug- 
lich, welche aus Deutschland, Italien und Spanien herbeigeströmt 
seien, um Theologie und Philosophie zu pflegen; in der Gesellschaft 
Jesu seien res lUteraria und pietas auf das glücklichste vereinigt; so 
sei durch sie Ingolstadt ,,universi(as nostra catliolica optimorum stu- 
diorum rdiyionisqm et pictatis christiamie nobile seminarium^^ ; ja 
noch anderweitige Verdienste in Predigt, Krankenbesuch, Beicht, 
Spendung der Sacraniente, Gebeten u. s. f. häufen die Jesuiten auf 
sich. In solcher Erwägung stifte der Herzog hiemit ein Collegium 
für 70 Ordens-Mitglieder zum Studium der Theologie, Philosophie 
und der freien Künste. Zur Fundation der früheren 1500 fl. (s. ob. 
Anm. 13) sind noch 2500 fl. beigefügt, so dass eine Jahres-Reute von 
4000 fl. zur Verfügung steht, welche auf den Zollämtern zu München 
und Ingolstadt in Quartal-Raten ausbezahlt wird; diese Zinsen in 
anderer Weise zu capitalisiren bleibt vorbehalten, sowie auch dass an 
Stelle des neu erbauten Gebäudes eine andere Oertlichkeit nebst 
Garten dem Orden überwiesen werden könne. Das Collegium ist zur 
Ehre Gottes frei von Steuern jeder Art. Die Jesuiten ernennen ohne 
weitere Bestätigung ihre Bediensteten ebenso wie im Collegium ger- 
manicum zu Rom. Ausreisser aus dem Collegium werden an keinem 
Ort^ Bayerns, wo sich eine Jesuiten-Anstalt befindet, geduldet wer- 
<len, und der weltliche Arm wird hierin seine Schuldigkeit thun. Die 
Erben und Nachkommen des Herzoges werden das Collegium erhal- 
ten und vermehren, jedenfalls nie gegen dasselbe feindselig auftreten ; 
sollten sie aber solches beginnen, so wird sie Gottes Strafgericht 
treffen. Der Orden wird seinerseits seine Dankbarkeit bethätigen. 

Gleichzeitig mit der Rückkehr der Jesuiten aus München nach 
Ingolstadt gelangte auch noch eine andere Einrichtung, welche Herzog 

Älbrecht für zweckdienlich und nothwendig hielt, zu ihrem Abschlüsse. 

• 

107) Gedruckt b. Mederer, Cod. dipl. S. 346. Dus Dankschreiben des 
Jesuiten -öenerales an den Herzog für die Errichtung des ColJegiums 8. Reiohs- 
Archiv, Jeeuitica, Ingoist. Faso. 73, Nr. 1374 (23. Jan, 1578), 



262 Zeitr. II, Cap. 1 (1560—1588). 

Sowie nemlich einerseits sich herausgestellt hatte, dass vom Georgia- 
Dum die Jesuiten fern zu halten seien (wie diess auch wirklich im 
Recesse v. 26. Nov. geschah, s. oben), andrerseits aber der Herzog 
von jeher grundsätzlich in dem Jesuiten-Orden das einzige Mittel er- 
blickte, um den Klerus aus sichtlicher Yersunkenheit zu heben, so 
lag der Plan nahe, den Jesuiten eine eigene Erziehungsanstalt künf- 
/ tiger Geistlicher zu übergeben und somit gleichsam eine jesuitische 
Concurrenz dem Georgianum gegenüber zu eröffnen. In solcher Ab- 
sicht hatte der Herzog bereits seit 1572 jenes Gebäude zu einem 
„Alumnate'^ bestimmt, welches sodann durch Erweiterung und Um- 
bau dem Jesuiten-CoUegium die erforderlichen Räumlichkeiten dar- 
bieten konnte. Nachdem aber dort die neu eintreffenden Jesuiten 
eingezogen waren, sorgten im Spätherbste 1576 die herzoglichen 
Räthe Vend und Lautherius für eine anderweitige Unterkunft der 
,Alunmen*S indem sie ein Haus an der Schutter ankauften. Zugleich 
wurde das Institut selbst förmlich eingerichtet, welches die Bezeich- 
nung „Seminarium der katholischen Priesterschaft'^ oder kürzer in 
sichtlicher Analogie mit dem Georgianum den Namen „Collegium 
Albert inum" trug'^^). Die Anstalt wurde, wie sich von selbst 
versteht, dem Jesuiten-Orden übergeben, unter dessen Leitung sie 
auch bis zur Aufhebung desselben verblieb, und zu Vorständen wur- 
den (Ende 1576) Lucas Pinellus (bis dahin an der theologischen Fa- 
cultät) und der oben erwähnte Ferdinand Alber ernannt ^^). Ob die- 
ses Albertinum eine anderweitige selbstständige Dotation gehabt habe 
oder bei obigen Jahres-Renten des Jesuiten -Collegiums mit einge- 
rechnet gewesen sei, bleibt wohl zweifelhaft*"^). 

Am 15. Oct. 1577 erliess der Herzog ein Schreiben an den In- 
golstädter-Magistrat, dass die beiden neubegründeten Institute, nem- 
lich sowohl das Jesuiten-CoUegium als auch das Priester - Seminar 



108) Den Namen „Albertinum^' finden wir sowohl in obigem (Anm. 90) 
Erlasse yom 16. Deo. 1572 als auch Arobir-ConserT., Tom. III, f. 117, woselbst 
eine in d. J. 1582 zu setzende Urkunde yon Orts-Yeränderung, Baolichkeiten 
und Yon der Kleidung der Alumnen spricht; hingegen ein „Priester-Seminarium*' 
heisst die Anstalt in den Urkunden, auf welche in Anm. 111 u. 116 yerwiesen 
iBt; seit d. J. 1685 kommt als dritte Bezeichnung der nemlichen Sache y,Citm- 
vidHS S, IgnaÜi martyrisf'^ hinzu, s. Anm. 118. 

109) Mederer, Annal. Bd. II, S. 30. Aroh.-Consenr. Faso. 7, Kr. 5b, 
17. Aug. 1577. 

110) Doch mSchte ich letzteres fQr die Zeit bis 1585 als das wahrscheinlichere 
annehmen. 



A 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 263 

als wahrhaft geistliche Almosenstiftungen von sämmtlichen gemeinen 
Landbürden befreit sein, und auch den Metzgern und Bräuern der 
Jesuiten etwas mehr gestattet werden solle, als die gemeine Ordnung 
zulässt"'). 

Mit dem Tode Herzog Albrechts V (24. Oct. 1579) trat in den 
Grundsätzen der Begierung keine Aenderung ein, denn der Nach- 
folger desselben, Herzog Wilhelm V, war dem Jesuiten-Orden mit 
gleicher, ja vielleicht mit noch stärkerer Liebe zugethan, als sein 
Vater. Doch es bestand an der Universität seit d. J. 1576 wenigstens 
äusserlich Friede mit den Jesuiten, da dieselben auch keine grösseren 
directen Angriffe unternahmen'"'). Aus einem herzoglichen Recesse 
v. J. 1582 entnehmen wir neben einer Mahnung, dass die Jesuiten 
in Predigt, Beicht u. dgl. grösseren Berufseifer zeigen mögen, 
auch einen weiteren siegreichen Schritt des Ordens in die philoso- 
phische Facultät hinein, indem die Vorlesung des Griechischen nun- 
mehr von den Jesuiten übernommen wird; ausserdem auch stellt der 
Herzog über die noch im Werk begriffene Einrichtung des Alber- 
tinums spätere Verordnungen in Aussicht"^). Der Herzog hatte 
nemlich im gleichen Jahre das oben erwähnte Haus an der Schutter 
trotz Widerspruch der juristischen Facultät den Jesuiten eingeräumt*""*) 
und konnte an die volle Verwirklichung jenes Planes gehen, welchen 
bereits sein Vater gefasst hatte (als blosse Privat -Meinung trafen 
wir einen derartigen Wunsch schon oben Zeitr. I, Cap. 13, Anm. 116). 
Die beabsichtigte allgemeine Kleriker-Bildungs-Anstalt hatte bis da- 
hin an den Kloster-Prälaten ihre Gegner gefunden, weil dieselben, 
wie sie sagten, das unzüchtige Leben an der Ingolstädter Universität, 
welche „iw cancro^^ gestiftet sei, fürchteten""*). Nun aber war 
dieser Widerstand in jüngster Zeit gebrochen worden, und es erschien 
am 24. Mai 1583 (datirt von München) ein vom päpstlichen Nuntius 
Felicianus Ninguarda unterzeichnetes Ausschreibt unter dem Titel 



111) Oednickt bei Medorer, Cod. dipl. S. 353. 

112) Wir finden wohl zum Rccess v. 26. Nov. 1576 (ob. Anm. 101) im 
Arcb. d. Univ., T, Vol. I, f. 105. die Randbemerkung, dass die Jesuiten keine 
Weltlichen neben sich dulden wollen und sich über alle Verordnungen hinweg«; 
setzen; aber zum offenen Bruche kam es nicht. 

113) Arch. d. Univ., B, IV, 10. Febr. 1582. 

114) Archiv-Conserv., Faso. 12, 23. Dec. 1784 (woselbst eine Rechts-De- 
duction betreffs der Eigenthums-Ansprüche der Universität). S. auch unten 
Anm. 306« 

115) Sngenheim, a. a. 0. S. 319 aus einer Handschrift der StoatsbiblipAek. 




26 A Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

„Consdtiifa circa scmiiiarium ei congrcgationes reliyiosorum s. Bene- 
dictiy canonicorum regularium^ cisievciensium et praemonstratensium in 
Bavaria exisientium'''^^^), wornach mit einer in Aussicht gestellten 
herzogliclien Dotation von jährlich lUOO fl. in Ingolstadt ein allge- 
meines Seminarium für die Elostergeistlichen der genannten Orden 
errichtet wird, woselbst sie unter Leitung der Jesuiten ihren er- 
forderlichen Unterricht empfangen ; als Oertlichkeit ist das Georgia- 
num bestimmt, jedoch derartig, dass die Alumnen in Wohnung und 
Tisch von den Stipendiaten desselben getrennt bleiben; als praefectus 
morum wird der Benedictiner Augustin Strobl aus Niederaltaich er- 
nannt und die der Universität zustehende Inspection dem Albert 
Hunger übertragen. Doch trat die Sache auch jetzt noch nicht so- 
fort in's Leben, sondern erst am 13. Nov. 1585 erfolgte das Aus- 
schreiben de$ Herzoges an die Klöster, dass mit der bisher unlieb 
verzögerten Einrichtung des Seminariuras nun nicht mehr zu warten 
sei, da es in den Klöstern an Leuten fehle, welche zum Pfarr- oder 
Seculardienste tauglich wären; somit habe unverzüglich jeder Prälat 
je einen oder zwei Religiösen nach Ingolstjidt zu schicken, wo sie 
„gegen leidenlichen Entgelt" Kost und Wohnung finden**'). Zum 
Vorstande wurde der Jesuit Mathias Mayrhofer ernannt, und das In- 
stitut erhielt den Namen „Convicius s. lynaiii niariyris*^^^^); die Ver- 
waltung aber blieb für sich getrennt, indem das so umgestaltete Al- 
bertinum nie in die übrigen Jesuiten-Güter einverleibt wurde"*). 

Seit dem Anfange dieses nemlichen Jahres 1585 begann das je- 
suitische Verderben entscliiedener über die philosophische Facultftt 
hereinzubrechen. Am 18. Febr. reichten die Jesuiten beim Herzoge 
„Bedenken die Schulsachen zu Ingolstadt betreffend*' ein, worin sie 
den weltlichen Professoren den Todesstoss zu versetzen beabsichtig- 
ten **°). Die Vorlesungen, meinen sie, über Dialektik, Poesie, Hu- 
maniora und Griechisch sollen, nachdem sie ohnediess viele Jahre 
nicht vertreten waren, ganz abgeschafft werden, denn dieselben ge- 
il G) Reichs- Archiv, Ingoist. Univ. CoU. Qeorg. Fase. 3 u. Archiv-Consery. 
Tom. III, f. 294 ein gedruckter Bogen; da» an die Klöster gerichtete Bohreiben 
Ninguardu's bei M oder er. Cod. dipl., S. 356. 

117) Arch.-Conserv. Faso. 20, 13. Nov. 15b5. 

118) Mederer, Annal. Bd. II, 8. 102. Im Reichs- Archiv, Ingoist Jesuiten, 
Faso. 2, finden sich die y^Leges collegii s. Ig natu martyris^\ 

119) Arch.-Conserv. Fase. 12, 23. Dec. 1784. Diese Abtrennung blieb auch 
nach Aufhebung des Jesuitenordens aufrecht erhalten. 

120) Staats-Biblioth. Cod. Bavar. 2205a, Vol. I, f. 18. Reichs- Archiy, Je- 
suitica, Ingoist. Fa«c. 73, Nr. 1373, f. 41. 



Zeitr, II, Cap. 1 (löjO-lSSS). 265 

hören mit Ausoabme der Dialektik nur in das Pädagogium , Dia- 
lektik aber werde von den Jesuiten in den zehn Wochen von Lucas 
(18. Oct.) bis Weihnachten ebenso vollständig und jedenfalls besser 
gelesen, als an der Universität in einem ganzen Studienjahre. Auch 
seien über jene Gegenstände keine P^xercitien oder Disputationen üb- 
lich ; ferner sei die Schulerzahl dabei eine sehr geringe und erst 
neulich habe sich zu jenen Vorlesungen gar kein Student eingefun- 
den ; zudem liege in denselben nur eine Veranlassung zur Leicht- 
fertigkeit, denn wenn man einen Schüler im Pädagogium schief an- 
sehe, springe er aus und laufe in die „freie Universität*' über. Die 
Unkosten für die weltlichen Professoren könnten leicht besser ver- 
wendet werden, wenn man die Besoldungen der Juristen aufbessere 
und eine juristische Celebrität berufe**'). Khetorik, welche in das 
Pädagogium gehöre, zugleich aber als Universitäts-Vorlesung gelten 
müsse, sei an die Jesuiten zu übertragen; dass diese auch die Vor- 
lesungen über Mathematik und Ethik übernehmen, sei ihnen zwar 
beschwerlich, und auch der Ordens -Provincial werde nicht gerne 
hierauf eingehen, aber der General wxrde es wohl dem Herzoge zu 
Liebe gestatten. Jedenfalls werde durch die vorgeschlagenen Mass- 
regeln der Kuhm der Universität steigen. Ausserdem finden wir 
noch zwei andere gleichzeitige Denkschriften der Jesuiten in dieser 
Sache, deren eine sich hauptsächlich nur in einer Lobpreisung der 
„Ratio studionim'* des Ordens bewegt, während die andere bereits 
auch weitergreifende Ziele verfolgt; es seien, heisst es dort, jene ge- 
ringfügigeren Vorlesungen {ininiiUores lectiones) schon darum in das 
Pädagogium zu verlegen, weil bei denselben der Wetteifer zwischen 
Jesuiten und Nicht-Jesuiten keinen Sinn habe, indem es an Zuhörern 
fehle; ferner die Jesuiten hätten, selbst wenn sie noch so unfleissig 
wären, doch mehr geleistet, als alle Uebrigen, und des Ordens exer- 
citia in humamoribiis kenne der Erdkreis; in Ingolstadt aber seien die 
Jesuiten in einer von anderen Orten abweichenden Stellung, indem 
ihnen noch nicht die volle Herrschaft zufalle ; daher wäre es schliess- 
lich das Beste, dass dem Orden die ganze philosophische Facultät 
eingeräumt würde ''^^). Der Herzog konnte das Gutachten seiner 
Bäthe über diese Wünsche der Jesuiten kaum erwarten und schickte 



121) Bedenkt man die feindliche Stellung, welche die juristische FaouUAt 
stets gegen die Jesuiten einnahm, so erhellt sofort die niederträchtige Absicht 
dieses Vorschlages. 

122) Reichs-Archiv a. a. 0. f. 44—54. 



266 Zeitr. II, Cap. 1 (1650—1688). 

• 

noch in der Nacht vom 20. auf 21. Febr. zu Vend, derselbe solle 
nur schnell ohne weitere Berathung sein Eeferat zu Papier bringen; 
dasselbe fiel in der That so vortrefflich als möglich aus und fand 
auch die Billigung des Lautherius und sogar des Hund ""). Der un- 
gebetene Reformator, sagt Vend, habe theils nicht die nöthige Eennt- 
niss, theils wolle er die Universität in eine schädliche Bichtang 
drängen ; die Abschaffung der genannten Vorlesungen sei höchst nach- 
theilig, und wenn die Jesuiten dieselben von den Uni versitäts - Vor- 
lesungen losschälen und in ihr Collegium verlegen wollen , so wflrden 
viele Juristen, namentlich Adelige, die Dialektik ganz meiden, da sie 
eben bei den Jesuiten überhaupt nicht hören wollen; an einer ge- 
freiten hohen Schule müsse auch freie Wahl der Vorlesungen be- 
stehen. Das Griechische sei zu Schaden und Spott der Universität 
in letzter Zeit ganz darniedergelegen ; ja den Besuch der Vorlesungen 
des Gifanus hätten die Jesuiten einfach verboten. Oefters habe man 
dieselben angegangen, auch jene genannten Lehrgegenstände zu über- 
nehmen, aber dann* seien von ihnen Ausflüchte gemacht worden, es 
wieder zu unterlassen. Am Pädagogium seien jene Unterrichtsstoffe 
gewiss noth wendig, aber nicht minder an der Universität, wofeme diese 
nicht zerklüftet werden solle; selbst ein Wetteifer zwischen Pädago- 
gium und Universität sei wünschenswerth. Nachlässigkeit komme 
auch bei den Jesuiten vor, und wenn die Studenten nicht mit Zwang 
in das Pädagogium geschafft würden, dürften bald auch die Jesuiten 
über Mangel an Zuhörern klagen; dass aber für jene erwähnten Vor- 
lesungen sich gar kein Studirender gefunden, sei eitel Lüge. Sammt 
ihrer Coercitiv- Jurisdiction , welche übrigens für eine Universität gar 
nicht passe, können auch die Jesuiten nicht Alles ins rechte Geleise 
bringen. Die auf die weltlichen Professoren verwendeten Unkosten 
seien hoffentlich nicht verloren, wenn das Haus Bayern sein edelstes 
Kleinod, d. h. die Universität, erhalten wolle. Die Absicht der Je- 
suiten gehe auf Nichts geringeres, als auf Vertilgung der philoso- 
phischen Facultät; wenn aber je einmal die Universität zerfallen sei, 
werde man sie kaum mehr wiederaufrichten können. Für Mathematik 
und Ethik, welche die Jesuiten ins Pädagogium hinüberziehen wol- 
len, hätten sie nicht einmal die nöthigen Lehrkräfte. Während hof- 
fentlich der Herzog der eigentliche Herr der Universität sei, helfe 
doch alle Reform Nichts, da die Jesuiten bei ihrer Lehrweise verbleiben 
und, nachdem sie sich auch vom Eide frei gemacht (ob. Anm. 92), 

123) Staat8.Bibliothek a. a. 0. f. 1 t, f. 15, f. 21 t. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 267 

einfach thuen, was sie wollen. Die ganze Universität, welche bereits 
dem Herzoge entrückt sei, werde bald über den Dillingischen Leist 
geschlagen sein und in den allersclilimmsten Kuf gerathen. In ihren 
CoUegien sollen es die Jesuiten treiben, wie es ihnen beliebt; aber 
eine Universität sei eben eine Universität"*). 

Während solche Erwägungen beim Herzoge ohnediess kein ge- 
neigtes Gehör finden konnten, ergriffen die Jesuiten mit Freuden 
(Aug. 1585) eine erwünschte Gelegenheit, um tüchtig zu schüren. 
Es hatten nemlich die drei Professoren der philosophischen Facultät 
Scherel, Engerd und HoUyng (d. h. die Vertreter der Dialektik, der 
Rhetorik und der Humaniora) trotz Widersprucli der die Majorität 
bildenden Jesuiten einen Eichstädter Professor (Joh. Born) zum Ma- 
gister promovirt und demselben hierüber ein Facultäts-Zeugniss aus- 
gestellt. Auf die betreffende Anzeige schrieb der Herzog (20. Aug.) 
einerseits an den Bischof von Eichstädt, es sei strenge Strafe zu 
üben und jener Magister müsse jedenfalls die statuteumässigen For- 
derungen noch nachträglich erfüllen; andrerseits aber theilte er den 
Statuten widrigen Vorfall seinen jesuitisch gesinnten Käthen Miller, 
Vetter und Liechtenauer schriftlich mit und ordnete dieselben als 
Commissäre zur strengsten Untersuchung mit weitgehenden Vollmach- 
ten ab*^^). Der Erfolg war, dass (22. Sej^t.) durch diese herzog- 
lichen Käthe die genannten Professoren abgesetzt wurden und die 
Besetzung ihrer Stellen dem Jesuiten-Provincial anheim fiel (es traten 
so Keiner Fabricius für Khetorik und Dialektik und Balth. Hagel für 
Philosophie und Hebräisch ein); auch Statuten, Cassa und Sigel der 
Facultät, welche bei Beginn der Untersuchung von der Commission 
dem Stewart übergeben worden waren, mussten an die Jesuiten Georg 
Pheder und Joh. Perius ausgeliefert werden""). 

Was die Jesuiten auf solche Weise vorerst thatsächlich erreicht 
hatten, wurde nicht lange hernach unter erklärlicher Beistimmung 
des Ordens-Generales , welcher selbst sich gegen Einverleibung der 
Facultäts-Cassa in das allgemeine Jesuiten- Vermögen erklärt hatte *"), 
formell durch eine herzogliche Verordnung v. 27. Jan. 1588 ge- 
regelt, welche zunächst ein langes Gerede* über die alleinseligmachende 



121) Ebend. f. 7. 

125) Ebend. f. 22 u. 24. 

126) Aroh. d. ünW., E, I, Nr. 2, 22. Sept. 1585; 0, I, Nr. 4, f. 27; Me- 
derer, Annal. Bd. II, S. 102. 

127) Arch. d. Univ. T, 11. Juni 1587. 



268 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

Religion und über die Noth wendigkeit, dass die artistische Facnltät 
als Fundament der übrigen gut bestellt sein müsse, enthält und 
hierauf, da letzteres nur durch die Jesuiten erreicht werden könne, 
den entscheidenden Hauptpunct ausspricht, dass nunmehr „auf ewige 
Zeiten'' die ganze artistische Facultät nebst Humaniora und Rhetorik 
„ausschliesslich" den Jesuiten übergeben sei, wodurch auch die Uni- 
versitäts-Camer von den Ausgaben für die weltlichen Professoren 
dieser Facultät befreit werde; Sigl, Scepter, Urkunden und Acten 
sind an die Jesuiten auszuliefern; die Einkünfte und Gefälle der 
Facultät werden, da die Jesuiten auf dieselben keinen Anspruch er- 
heben, in die allgemeine Universitäts-Cassa gelegt und für Bau- 
Reparatur, Bedienung, Reinigung u. dgl. verwendet"®). 

Gleichzeitig mit diesem schliesslichen Siege der Jesuiten, wel- 
cher nichts geringeres als den Untergang der philosophischen Facultät 
bedeutet, begann der Orden, Jung und Alt mit den Fäden eines 
anderen weitgreifenden Netzes zu überspinnen, nachdem Papst Sixtus V 
i. J. 1587 genehmigt hatte, dass nach dem Vorbilde zu Rom auch 
an anderen Orten „mariauische Congregationen'^ ins Leben gerufen 
wurden"^); und gewiss war es ganz im Sinne des herzoglichen Stif- 
ters, dass zuerst im Albertinum diese neue Einrichtung ihre Wur- 
zeln schlug*'^). Die Geschichte der Universität hat hierin nur einen 
neuen Beitrag zu dem allgemeinen Verderben, welches durch die Je- 
suiten hereinbrach, zu verzeichnen. 

An den Verlauf der von der Regierung begünstigten Siege der 
Jesuiten dürfen wir in unmittelbarer Abfolge die Bestrebungen für 
Reinhaltung des katholischen Glaubens anknüpfen, soweit nemlich 
hiebei die Universität in Mitleidenschaft gezogen wurde (Anderweitiges 
gehört nicht hieher). Allerdings war nach den Erfolgen, deren sich 
Herzog Wilhelm IV rühmen durfte, ein Ausrottungs-Kampf gegen 
die Ketzer in Bayern nicht mehr nöthig, aber Vorsicht und darum 
erdrückende Massregeln erschienen immerhin noch als geboten. Im 



128) Die Original-Urkunde im Reiohs-Arohiv , Ingoist. Univ. Faso. 2; ge- 
druckt b. Mederer, Cod. dipl. S. S60. Der Camerer der UniyersitAt erhielt 
bald hernach fQr seine Bemühung mit diesen Gefällen eine jährliche Remune- 
ration Yon 10 fl. (ArohiY-Gonserv., Fase. 3, 2. Jan. 1590). 

129) Zirngiebl, Studien üb. d. OeseUsoh. Jesu, S. 47 ff. PompOs aus- 
gestattete Diplome betreffs Affiliation der Jngolstädter Congregation an das all- 
gemeine Institut zu Rom finden sich im Reichs-Arohiv , Ingoist. Jesuiten, Faso. 
4, 15. Juli 1635, und Faso. 7, 1G92. 

130) Mederer, AnnaL Bd. II, 8. 34. 



Zeitr, ir, Cap. 1 (1550—1588). 269 

Jahre 1555 wurde der Professor der Mediciii Joh. Vis eher wegen 
unkatholischer Riclitung fortgeschickt (a. unten Anm. 347), und das 
gleiche Schicksal traf den Meissner Martin Hof mann sofort nach 
seinem Eintritte „oi horridum apostasxas crimeu'^^^^). Auch sandte 
der Herzog (1558) zu joner von Eck betriebenen Visitation des 
Klerus, zu deren Behuf die von Melanchthon bekämpften 31 Inqui- 
sitions-Artikel dienten, den Rector der Universität Theander als Mit- 
glied der Commission ab''**J. Im J. 1561 erhielt die Universität 
den Auftrag, zur Ergänzung einer bedauerlichen Nachlässigkeit des 
Stadtmagistrates die Bestrafung einiger ketzerischer Menschen (be- 
sonders eines gewissen Cratzmaier), durch deren Reden die Bauern 
irregeleitet würden, von sich aus in die Hand zu nehmen; auch wur- 
den die Vorlesungen, welche etliche Magister bisher an Festtagen 
Vormittags gehalten hatten, strenge verboten '^^). Im Stile der Zeit 
lag es auch, dass Professoren und Studirende amtlich von der Regie- 
rung aufgefordert wurden, sich an jenen Gebeten und Fasten-Uebungen 
zu betheiligen, welche zur Abwehr der Türken für zweckdienlich ge- 
gehalten wurden '^■'). Als das i. J. 1545 begonnene Tridentiner 
Concil sich bereits seinem Ende näherte, glaubte Papst Pius IV 
(Dec. 1500) auch noch die Ingolstädter Universität beiziehen zu 
sollen, und der päpstliche Nuntius Zacharias Delphinus liess, da er 
selbst nach Wien abreisen musste, am 11. Juni 1561 eine schrift- 
liche Aufforderung ergehen, dass die Universität zwei tüchtige und 
eifrige Männer, nemlich einen Theologen und einen Canonisten nach 
Trient schicke, was auch wirklich geschah, indem seitens der Uni- 
versität die Wahl auf den Jesuiten der theologischen Facultät Cou- 
villon und auf den herzoglichen Hofrath Augustin Paumgartner 
fiel**'^). Durch Eine Folge aber des Conciliums wurde die Univer- 

131J Ebend. Bd. I, S. 243. 

132) Me derer, a. a. 0. S. 255. — Die abgöttische artickel gesteUet von 
einem moncli in Bayrn, darauff die inquisitio sol fOrgenomen werden; mit einer 
kurtzen erinnerung Pliilippi Melanthonis. Wittenb. 1558. Responsiones scriptae 
a Philippo Melanthone ad impios articulos Bavaricae inquisitionis, Wittenb, 
1558. Vgl. Strobel, Neue Beitr. z. Litt. Bd. III, Stück 2, S. 171 ff. 

133) Arch. d. Univ. R, 3, f. 5 f. Eine Bestrafung wegen Uebertretung des 
Fastengebotes ebend. R, 1. Sept. 1558. 

131) Ebend. R, 3. Dec. 15156. 

135) Ebend. K, I, Nr. 1, 4. Dec. 1560 u. 11. Juni 1561 (Mederer, a. b.O. 
8. 266, irrt im Datum). Auch an dem Ablasse, welcher beim Wiederbeginn des 
Conciliums zu gewinnen war, sollte sich die Universität sahlreichest betheiligen, 
s. ebend. R, Ostern 1561. lieber die TbStigkeit beider bayerischen Abgesandten 



270 Zeitr. n, Cap. 1 (1650—1688). 

sität unmittelbar berOhrt; nemlich Papst Pius IV erliess bald nach 
/ dem Schlüsse der Kirchen- Versammlung i. J. 1564 eine Balle, wor- 
nach die Eidesleistung auf das Tridentinum in der ganzen katholi- 
schen Christenheit als Bedingung einer jeden Lehrthätigkeit gelten 
sollte. Der Papst, welcher laut über die Wölfe und die Füchse 
jammert, verlangt ßdci puritatem für jedwede scientia et doctrina^ um 
die Jugend vor dem Schiffbruche der Häresie zu bewahren; d. h. es 
soll kein Doctor, Magister, Regens oder Professor irgend an Univer- 
sitäten oder Gymnasien einen Lehrstuhl erlangen oder den bereits er- 
rungenen behalten oder an irgend einem Orte Theologie, Kirchen- 
öder Civil-Becht, Medicin, Philosophie oder Grammatik lehren, noch 
auch Jemand zu einem akademischen Grade promovirt oder als Rec- 
tor, Procanzler u. dgl. gewählt werden, woferne er nicht den Eid 
auf das Tridentinum leistet. Jene, welche bereits im Besitze solcher 
Stellen sind, sollen der genannten Pflicht in Italien binnen 3, in den 
übrigen Ländern binnen 6 Monaten nachkommen. Bei Vermeidung 
des Tnterdictes und der Excommunication ist es Jedermann — ancb 
Cardinäle, Herzoge, Könige und Kaiser nicht ausgenommen — ver- 
boten , Jemandem ein Lehramt zu übertragen , der nicht jenen Eid 
geleistet Was den Glaubens-Inhalt des Eides betrifft, so ist eigent- 
lich für den Kundigen mit dem Worte „Tridentinum" Alles ge- 
sagt'**^). Seit Erlass dieser päpstlichen Bulle hatte die herzogliche 
Regierung ihre Aufmerksamkeit verschärft, und die Universität er- 
hielt (1564) den Auftrag, sowohl über den nach Neuburg gezogenen 
Magister Artopeus als auch über den Tngolstädter Magister Audr. 
Ffichsl zu berichten und ersteren, wenn er Ingolstädter Gebiet be- 
trete, gefangen zu setzen, und femer überhaupt keinen Fremden 
ohne genaueste Erforschung seiner religiösen Gesinnung als Docenten 
zuzulassen'^'), während bei blosser Grad-Ertheilung — nach münd- 
licher Erläuterung der herzoglichen Räthe — allerdings keine förm- 
liche Inquisition stattfinden solle, aber solche Candidaten, welche in 
Religion öffentliches Aergerniss gegeben, von vorneherein ausgeschlossen 
seien '•*^). Auch ergieng (1565) der strenge Befehl, dass die Ingol- 



und namentlich CouviUons auf dem Concil in Religions-Saohen, welche die Uni- 
versität als solche nicht angiengen, s. Näheres bei Sarpi, Hist. d. trid. Conc. 
Bd. IV, S. 474 f. 

136) Die Formel des Promovenden-Eides s. Bd. IT, Urk. Nr. 81. 

137) Arch. d. ünir. R, 3, f. 7 f., 28. Sept. 1564. 

138) Letsteres erhellt aus dem Anfange des in Anm. 141 angefahrten üni- 
Tersitäti-Berichtes T. 11. Nor. 1567. 






Zeitr. n, Cap. 1 (1560—1588). 271 

Städter Buchdrucker Nichts ohne Censur des Rectors und des ein- 
schlägigen Decanes drucken, und gleichzeitig \nTirde der Universität, 
dem Statthalter und dem Magistrate die äusserste Wachsamkeit ge- 
gen die ketzerischen Prediger anbefohlen, welche häufig vom Publi- 
cum zu Beicht, Communion oder in Todesnöthen genifen wurden'*^). 
Die Grad-Ertheilung aber war es, welche bald hernach der Mittel- 
punct weiterer Erörterungen und Massnahmen wurde; während i. J. 
1567 der Eichstädter Bischof bei dem Kector Klage führte, dass so 
viele Candidaten promovirt würden, welche einer ketzerischen Gesin- 
nung dringendst verdächtig seien, und während auch der Vicecanzler 
(Hunger) über ein paar derartige Vorkommnisse ängstlich geworden 
war, erklärte sich der wackere Nie. Everhard äusserst scharf gegen 
jede engherzige Ausschliesslichkeit, und als ein Nürnberger Candidat 
(Georg Palm, welcher in Italien und Frankreich studirt hatte und in 
Ingolstadt promoviren wollte, um als Leibarzt in die Dienste des 
Bischofes von Würzburg zu treten) den ihm zugemutheten Triden- 
tiner Promotions-Eid mit der Erklärung zurückwies, dass er nun 
anderswo promoviren werde, berichtete über diesen Vorfall der Rector 
(Friedr. Landau) an den Senat und sprach dabei seine Ansicht aus, 
dass die Einführung jenes Eides nur zum Nachtheile der Universität 
gereichen könne ^^% Darauf hin bat (Nov. 1567) die Mehrheit des 
Senates den Herzog um endgiltige Entscheidung, denn vorläufig habe 
man die medicinische Facultat beauftragt, keine Neuerung betreffs 
des Promotions-Eides vorzunehmen, sowie es wohl überhaupt am 
besten bei jenem von den herzoglichen Räthen (1564) gebilligten 
Verfahren sein Bewenden haben dürfte ; auch sei die päpstliche Bulle 
bisher der Universität noch nicht zugeschickt worden, und wahr- 
scheinlich sei die Forderung jener Eidesleistung, welche der katholi- 
schen Religion mehr Schaden als Nutzen bringe, für eine Universität, 
welche sich um den Katholicismus so vielfach verdient gemacht, gar 
nicht beabsichtigt; durch den alten Promotions-Eid sei genügend Vor- 
sorge getroffen, der neue Eid aber, welchen viele treue Katholiken 
aus Furcht vor Meineid nicht leisten wollen, sei für die Gläubigen 
überflüssig und für die Wankenden ein Grund des förmlichen Ab- 
falles; schrecke man die Leute von Ingolstadt ab, so können auch 
keine Bekehrungen mehr vorkommen, in welchen bisher schon Man- 



139) Arch. d. ünir. R, 3, f. 9, 25. Apr. 1505, u. T, Vol. I, f. 8 (28. Febr, 
1565). Weiteres aber BOcher-Cenaur s. unten Anm. 253 ff. 

140) Ebend. R, Mitte 1567 u. 7. Nov. 1567. 



272 Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 

ches geleistet worden sei; jedenfalls werde durch ElnfQhruDg des 
neuen Eides die Zahl der Promotionen sich bedeutend verringern und 
auch die juristische Facultät werde die wachsende Abneigung des 
Auslandes empfindlich zu fühlen bekommen, kurz die Nachtheile seien 
grösser als die Vortheile '^0- ^^ hierauf der Herzog befahl (Nov* 
1567), es vor der Hand bei der bisherigen Uebung zu belassen und 
ihm behufs letzter Entscheidung Abschriften des alten und des neuen 
Eides zu schicken, knüpfte die Universität an die Uebersendung dieser 
Copien die Bemerkung, der Herzog werde nun selbst entnehmen 
können, welchen „Abscheu*' die beabsichtigte Neuerung erwecken 
müsse, so dass nur das Sinken der Universität folgen könne'**). 
Fällt somit auch in dieser wichtigen Angelegenheit wahrlich keine 
Schuld auf die Universität, so wendete sich die Sache durch die 
Schwäche einer Regierung, welche nicht wusste, dass sie Regierung 
sei, plötzlich zum Schlimmen. Die päpstliche Curie, welche über die 
Vorgänge in München und Ingolstadt sicher genau unterrichtet war, 
drang nun durch Florebellus Lavellinus am 28. Jan. 1568 in den 
Bischof von Eichstädt als Canzler der Universität, dass an derselben 
die Bulle von 1564 zur Ausführung komme, und es schrieb sonach 
(11. März) der Bischof an den Herzog, er seinerseits müsse dem 
päi)stlichen Befehle gehorchen, und ebenso möge der Landesherr die 
Publication der Bulle nicht nur nicht hindern, sondern in Bälde ins 
Werk setzen "■*•*). Denkwürdig ist der Inhalt des herzoglichen Ant- 
wortschreibens an den Bischof, welches die von der Universität her- 
vorgehobenen Gründe anerkennt, zugleich aber den gegentheiligen 
Entscheid enthält; es sei zwar, — sagt der Herzog — , zu besorgen 
„es werd an besuechung unserer schul nit allain von studirens, sonder 
auch von promovirns und rathschleg (d. h. Rechtsgutachten der Ju- 
risten-Facultät) wegen etwas abbruch geben*', auch enthalte bereits 
der von Alters her übliche Eid Unterwerfung und Gehorsam gegen 
die Kirche, ja der neue Eid habe schon Manche aus der katholischen 
Kirche zu den Ketzern hinübergetrieben, aber trotz alledem sei der 
Befehl an die Universität ergangen, sich zu fügen *^^). Darauf hin 



141) Ebend. R, 11. Nov. 1507. 

142) Ebend. 15. u. 28. Nov. 15()7. 

143) Das Schreiben des LaveUinus an den Bischof gedruckt b. Mederer 
Cod. dipl. 8. S22, jenes des Bischofes an den Herzog ebend. S. 321 und dei leU- 
teren Mittheilung hierQbcr an die UniversitSt ebend. 8. 319. 

144) Gedruckt ebend. 8. 320. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1560-1588). 273 

theilte der Bischof (20. März) dem Kector mit, es seien einige geist- 
liche Räthe mit den nöthigeu Credenzbriefen nach Ingolstadt abge- 
gangen, und an der Universität möge för eine vollzählige Plenar- 
Versammlung gesorgt werden, und so erfolgte am 23. März 1568 
wirklich die Publication der päpstlichen Bulle an der zur Pflege der 
Wissenschaft bestimmten Stätte^*'). Da nun der Herzog in seinem 
hierauf bezüglichen Befehle ausdrücklich jeden Widerstand mit Amts- 
Kntsetzung bedroht liatte**^), so konnte die Verfolgung unter dem 
Deckmantel der Legalität betrieben werden. Die zwei verdächtigen 
Doctoren Trade! und Pröbstl wurden zur Eidesleistung vorge- 
laden, und letzterer wegen der Hartnäckigkeit seiner sectischen 
Meinung aus Ingj)lstadt und aus dem Lande verwiesen**'); der 
schlimmste Sclilag aber für die Universität, welcher zugleicli den 
widerlichsten Eindruck macht, war die Vertreibung des Philipp 
A|»ian (s. unten Anm. 387 ff.). Diejenigen, welche mit innerem 
Widerstreben sicli fugten , verblieben siclier gebrochenen Muthes in 
ihrem Amte, und Corrui>tion war es jedenfalls, sei es dass beschränkte 
Kopfe in ihrem Fanatismus bestärkt wurden, oder sei es dass man 
sich an Leichtfertigkeit in Eidesleistung gewöhnte. 

Auf der durch Ausführung der päpstlichen Bulle gewonnenen 
Grundlage erfolgten noch weitere Massnahmen oder auch kleinliche 
Nergeleien. Nachdem Vitus Jacobäus, der Lehrer der Poesie, 
im Sinne der Regierung uVd der Kirche durcli ein langes Schand- 
gediclit auf Luther den Ruhm der Universität befördert hatte (s. un- 
ten Anm. 40Ü f.), wurde (15G8) der Naohfolger desselben (Phil. 
Menzel) ausdrücklich angewiesen, seine „Poeterei" zu Ehren der ka- 
tholischen Religion zu verwenden**"^). Im J. 15G9 finden wir nicht 
bloss die Ausweisung eines ketzerisch gesinnten Buchbinders und die 
Bestrafung mehrerer Studenten mit sechstägigem Carcer wegen Ver- 



1 toj Das Schreibon des BischofeR cbcnd. S. 322 f. Die Instruction der 
bischöflichen Abgesandton im Arch. d. Univ. R, 20. M5rz 15G8. Mit Vergnügen 
berichtet Mo derer, Annal. Bd. I, 8. «313, die PubHcation. 

14()) Gedruckt b. Westenrieder, Beitrage, Bd. VII, 8. 255. 

147) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 15. u. 19. Mai 15G8 u. R, 10. Apr. 1568. 

148) Ebend. E, I, Nr. 2, 30. Mai 15G8. Ein eigenthümUchcs Erzeugniss re- 
h'giJJser Poesie sc)iickte i. J, 1575 der Augsburger „deutsche Poet" Daniel 
Ilolzmun an den Rector der Univoräität, nemlich eine gereimte Bcächreibung 
ciDCB „geistlichen Spieles^', welches nm Fronleichnamdtag (10. Juni) 1574 zu 
Munche 1 von mehr als tausend Pcrsonon aufgeführt wurde; das Manuscript im 
Arch. d. Univ. Z, 4. Jan. 1575. 

Prantl, aeschlchto der UniTorsitüt MOnrhen L 13 



274 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1688). 

letzung des Fastengebotes * '^j, sondern es erfolgte auch bei Gelegen- 
heit einer allgemeinen Landes-Visitation das Verbot des Besuches 
aller ausländischen Lehranstalten, wobei neben den selbstverständ- 
lichen Jesuiten-Anstalten nur Dillingen, Freiburg, Köln, Löwen und 
Douai ausgenommen waren; aucli sollen ausser inländischen censirten 
Drucken nur solclie zugelassen werden, welche aus Mainz, Köln, Dil- 
lingen, Freiburg, Wieu, Innsbruck, Paris, L3'on, Venedig, Florenz, 
Bologna oder Rom kommen *^"% In letzterer Beziehung beschloss 
auch der Senat (1570), dass kein Buch verkauft werden dürfe, wel- 
elies nicht entweder vom Decane der theologischen Facultät oder vom 
Moriz-Pfarrer approbirt sei '^'0- l'^ii» <'anonicus, welclier die Leiche 
eines lutherischen Studenten aus Ingolstadt nach Zuchering begleitete 
(1570), wurde von der Universität mit 10 Tagen Caicer bestraft''-). 
Gegen den Vertreter des Griechisclien Sifanus (s. unten Anm. 425 ff.) 
liatte der Senat zur gleichen Zeit allerlei religiöse Bedenken, zumal 
derselbe den Eid auf das Tridentinum nur mit dem Beisatze „<w 
lidtis et liouestls^^ gelten lassen und leisten wollte, daher man ihm 
die Aufnahme in das Gremium der Facultät verweigerte und ihn 
wiederliolt aufforderte, ohne Kückhalt zu schwören'*^*); auch der 
Jurist Komuleus (s. unten Anm. 815 f.) wurde vom Kector um 15 fl. 
gestraft, weil er an einem Fasttage Fleisch gegessen liatte*''*). Um 
dieselbe Zeit auch war es, dass man den ]»rotestantischen Magister 
Jacob Kindler, einen gebornen Münchner, welcher viele Knaben 
in Kost und Privat-Unterricht bei sich hatte, vor den Senat citirte 
und aus der Stadt zu weisen beabsichtigte, worüber er eine wirklich 
schöne und herzbewegende ^.Apologia'' sehrieb ^'^•). Ja selbst nach 
Aussen erstreckte sich die väterliche Fürsorge des Ingolstädter Se- 
nates, indem derselbe wiederholt an den Bischof von Würzburg und 



149) Ebcnd, D, III, Nr. 7, f. 218 u 222, 1. M.lrz u. ilH. Mai 1509. 

150) Sugenhcim, a. a 0. S. 81 ff. Den in Rom (1559) orfchionencn 
Index librorum prohihitorum ^ welcher schon in Köln und in Dringen (15G5) 
nachgedruckt worden wur, gab i. J. 15IS2 der Münchner Buchdrucker Ad. Berg 
in neuer Auflage mit beigefügtem Sciiroihen des Legaten FelicianuH heraua. 

151) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 2l:i, 20. Sept. 157ü. Im J. 157."i 
schickte der Herzog selbst eine Schritt »eineä Ilofpredigerü Rabus zur Cen<ur 
an die Universitüt; ?«. ebend. K, I, Nr. 1, 1'). Sept. 1575. 

152) Ebend. D, III. Nr. 7, f. 2:;<; v., :{. Febr. 1570. 
15:5) Kbend. K, I, Nr. 2, 20. Febr. 157(». 

151) Kbend. 1), III, Nr. 7, f. 2:5« v., 5. März 1570. 

155 j Kbend. R, :^, f. 11 — 10, woselbn auch das Original der „Apologie*». 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 275 

einmal an einen Adeligen über dortige Studirende schrieb, welche 
einen der Häresie äusserst verdächtigen Privat-Präceptor haben *^'^). 
Im J. ir)78 fand eine abermalige Visitation des Klerus Statt, wobei 
es der herzogliche Canzler Sim. Eck hauptsächlich auf Reinigung der 
Universität von der aus Sachsen drohenden Ansteckung absah **^), und 
i. J. 1583 brachte der päpstliche Legat Felicianus Ninguarda jenes 
Concordat zu Stande, in welchem der Herzog Wilhelm V so man- 
ches landesherrliche Kecht Preis gab und hiedurch sich wenigstens 
mittelbar auch bezüglich der Universität die Hände band*^). Wenn 
i. J. ir)80 der Kector an den Herzog unter Anderem berichtet, dass 
nur wenige sectische Studenten in Ingolstadt anwesend seien *^*), so 
findet diess seine Bestätigung in einem uns erlialtenen Namens- Ver- 
zeichnisse von 10 Ketzern, welche i. J. 1588 immatriculirt waren '^), 
und nach den obwaltenden Verhältnissen müssen wir uns wundern, 
dass überlianpt nocli ein Protestant ohne äusserste Noth sich nach 
Ingolstadt wandte. 

Lenken wir nun von den bisher betrachteten Vorgängen un- 
seren Blick auf die anderweitigen Verhältnisse und Einrich- 
tungen der Universität, um dieselben in gewohnter Reihenfolge 
vorzuführen, so war, was zunächst die Frequenz betrifft, dieselbe eine 
grössere, als in den zwei vorhergehenden Perioden; die Zahl der ngji. 
immatricullrten Studenten schwankt, abgesehen von einem Jahre des 
Maximums (1551 mit 289) und einem Jahre des Minimums (1571 
mit 95), nicht bedeutend und beträgt im Durchschnitte jährlich 201, 
wornach die Gesammtzahl der in jedem Jahre anwesenden Studenten 
ongefähr 500 betragen haben mag, was sich auch durch zwei uns 
bekannte Zählungen bestätigt"*). Ausländer finden wir auch in 



15G) Ebend. f. 18—22; 25. Juni 1577, 25. Mai 1580, 9. Dec. 1581. 

157) Mederer, Annal., Bd. II, S. 40 f. Die Ausweisung eines „Apostaten*' 
i. J. 1579 8. Arcli. d. Univ. D, IXT, Nr. 8, f. 7 v. und ein Verbot aUer Dis- 
cusäion über religiöse Dinge (1580) ebend. f. 13. 

156) Gedruckt b. Freyberg, Gesetzgeb. u. StaatsTcrwalt. Bd. III, S. 376. 
Vgl. Sugenheim, a. a. 0. S. 275 flf. 

150) Archiv.Con^erv. Tom. IV, f. 45. 

160) Ebend. Fase. 7, Nr. 5 b, 1. Apr. 1588. (Ausser einem Herrn von 
Schaumburg ist Einer dieser zehen aus M&hren, 3 aus Augsburg, 3 aus Ans- 
bach, 1 aus Nürnberg, 1 aus Sulzbacb). 

IGl) Aus den Jahren 1551 (dem Jahre des Maximums) und 1560 bei Me- 

derer, Annal. Bd. I, S. 224 u. 2oO. (Es acheint ziemlich constant geblieben 

zu Fein, dass die Gesammtzahl 2,5 mal so gross war, als die Zahl der Neu- 

inscribirten). 

18* 



276 Zeitr. n, Cap. 1 (1560—1688). 

dieser Periode unter den Immatriculirten, und zwar aus Württembei^g, 
Schweiz, Burgund, Paris, Elsass, Baden, Worms, Mainz, Bonn, Trier, 
Köln, Münster, Jülich, Utrecht, Flandern, England, Schottland, Amster- 
dam, Rotterdam, Brüssel, Friesland, Hannover, Braunschweig, Hessen, 
Naumburg, Meissen, Eisleben, Halberstadt, Erfurt, Leipzig, Witten- 
berg, Berlin, Bestock, Kügen, Lievland, Pommern, aus Polen, Lithauen 
und Schlesien in grosser Anzahl, aus Smolensk, Böhmen, Wien, Salz- 
burg, Kärnthen, Tirol, Vicenza, Bologna, Florenz, Rom, Neapel, 
Spanien. Wiederholt erfreute sich Ingolstadt des Besuches hochfürst- 
licher Prinzen, welche entweder am Pädagogium oder an der Univer- 
sität den Unterricht besuchten. Im J. 15G3 sandte Herzog Albrecht Y 
seine drei Söhne Wilhelm, Ferdinand und Ernst mit eigenhändigem 
p]mpfehlungsschreiben dorthin, welches die Universität unter verbind- 
lichster Danksagung mit der Verheissung treuester Fürsorge beant- 
wortete*^*); jedoch in Folge der um sich greifenden Pest zogen die 
Prinzen noch vor dem Herbste wieder ab '^*). Im J. 1574 traf ein 
Markgraf von Baden und i. J. 1580 der schlesische Fürst Alexander 
in Ingolstadt ein, und es wurden 15 adelige Polen, welche mit ihm 
kamen, inscribirt '^^) ; i. J. 1586 langten drei Söhne des Markgrafen 
von Baden und zugleich wieder drei bayerische Prinzen (Ferdinand 
zum zweiten Male und Philipp und Earl) an, welch letztere bis zum 
Sept. 1587 verweilten*«''»); an ihrer Statt traf im Oct. 1587 der 
bayerische Erbprinz Maximilian ein'®«). 

Der Unterricht erlitt in den Pest-Jahren 1562 und 1563 eine 
längere Störung; schon im März 1562 erhielten die Professoren die 
Erlaubniss, vorerst nach Kelhcim umzusiedeln, und da bald hernach 
auch Kelheim der Ansteckung ausgesetzt zu sein schien , wurde die 
Verlegung nach Pfaifenhofen angeordnet, während deren nur einige 
Universitäts-Angehörige (wegen möglicher Feuersgefahr u. dgl.) in 
Ingolstadt bleiben sollton; auch wurde im Nov. ein allgemeines Aus- 
schreiben erlassen, dass die aus Ingolstadt fliehenden Professoren an 



1G2) Aroh. d. Univ. E, VI, 20. u. 25. Apr. 1503. 

1G3) Mederor, Annal. Bd. I, S. 275 ff. Prinz Ferdinand wobnte einmal 
ppfttcr (1568), als or auf der Jagd in der Nftho Ingolstadts weilte, einer Öffent- 
lichen Disputation der philosophischen Facnitüt bei, s. obend. 8. 312. 

164) Arch. d. Univ., £, VI, 1560; Mederer, o. a. 0. Bd. II, S. 60 f. 

165) Arch. d. Univ. a. a. 0. 1586 f. Mederor, a. a. 0. S. 101 f. u. 107. 

166) Aroh. d. Univ. a. n. 0. 1587. Mederer, a. a. 0. S. 108. Binigci 
weitere hierüber s. unten Cup. 2, Anm. 72 f. 



Zcitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 277 

allen Orten {fut und freundlicli aufgenommen werden sollen'*^). Im 
folgenden Jahre bat die Universität, da „die Pest bisher durch Ge- 
bete nicht aufgehalten worden sei^S um Wiederholung jenes Erlasses, 
was gerne gewährt wurde *^). 

Das Kectorat, welches in dieser Periode auffallend häufig an 
adelige oder forstliche Studirende übertragen wurde '^^), war offen- 
bar fOr die wenigen Professoren, an welche es in Folge der engher- 
zigen alten Statuten gelangen konnte und immer wieder gelangte, 
bereits eine Last geworden. Und es ist daher nicht zu wundem, dass 
auch in Ingolstadt wie an anderen Universitäten gleichen Charakters 
allmälig die Frage in Fluss kam, ob nicht auch Verheirathete zur 
Rectors- Würde zuzulassen seien. Die Universität selbst stand aller- 
dings noch auf dem missverstandlichen klericalen Standpuncte (vgl. 
Zeitr. I, Cap. 5, Anm. 7), denn während sie i. J. 1569 eine offi- 
cielle Anfrage der Universität Freiburg nur kurz dahin beantwortete, 
dass in Ingolstadt ein uxoratus nicht Bector sein könne, in Wien 
aber seit längerer Zeit hierin eine Aenderung eingetreten sei '^^Oi 
äussert sie sich i. J. 1570 auf eine zweite von Innsbruck aus er- 
folgte Anfrage ausführlicher dahin, dass die alten Statuten noch in 
Geltung seien und man sich nicht erinnere, dass ein Nicht - Kleriker 
gewählt worden sei, woferne er nicht zugesagt habe, primam ton- 
summ nehmen zu wollen; auch geschehe es oft, dass der gewählte 
diess wirklich thue; da aber „bigami" keinerlei Weihe empfangen kön- 
nen, seien diese jedenfalls ausgeschlossen; clericus müsse der Rector 
nothwendiger Weise sein, da er eine Jurisdiction über Kleriker aus- 
übe, und wenn auch in Folge hievon die Auswahl der zum Rectorate 
befähigten Personen eine sehr geringe sei, denke man doch an dieser 
Einrichtung festzuhalten'^')- Auch als nach einiger Zeit i. J. 1585 



1G7) Arch. d. Univ. B, VI, 23. März, 18. Apr. u. 19. Nov. 1562 und B, I, 
Nr. 2, 19. Nov. 15G2. 

1(18) Ebend.B, VI, IG. Juli, 4. u. 7. Sept. 1563 und E, I, Nr. 2, 7. Sept. 1563. 

1G9J Nemlich in den Jahren 1553, 1557, 1658, 1559, 15G4, 1569, 1572, 
1574, 1577, 1578, 1580, 1581, 1583, 168t, womaoh von den 78 halbjahrigen 
Rectorcn dieser Periode 14 nicht Profesaoren waren. Vgl. Zoitr. I, Cap. 5, Anm 8. 

170) Arch. d. Univ. D, I, 2. u. 27. Apr. 1569. Was Wien betrifft, b. folg. 
Anm. 172. 

171) Arch. d. Univ. D, I, 30. Jan., 7. u. 8. Febr. 1570. Die praktische 
Durchführung dieser Qrundsiltze, welche in einer ausschliesslich klericalen Ten- 
denz wurzeln, war seit den Statuten v. J. 1522, d. h. seit der antilutherischen 
Bewegung geübt worden (s. Zeitr. I, Cap. 13, Anm. 102) und hatte auch i. J. 



278 



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ri'-litfii' ''. Km li'-i/-.L;li'!i.'r l«— li.-i<l hriMitl .-uilin-ll i..r.T-i nur 
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...l.l,.- ..u..-. .|. ht.l . m.l,.l. ,ui.< i«oi|M 
il. .. I....b .1 1 r.i> Kr.ir.ure. M II. 
:.: .1.- uni<-r.'l..|i.-l.i.-n .-^uilI.- i J. 1:^:11 
: «.. Jrn .- Kiiik. iM.-h d l'n». Wivk 




ZeitT. II, Cap. 1 (1560-1588). 279 

wähl nur wenige Tüchtige finden, so ergehe an den Papst die Bitte, 
es zu gestatten , dass auch Nicht-Kleriker das Kectorat übernehmen, 
(Mdens-Geistliche aber wie bisher stets davon ausgeschlossen bleiben; 
der Bischof als Canzler sei nicht dagegen und erblicke keine Gefahr; 
auch in Wien , • der Mutter-Anstalt Ingolstadts sei mit päpstlicher 
Erlaubniss das gleiche geschehen; für Ingolstadt, welches zu den 
äusserst wenigen { — ex iniucissimis — ) katholischen Universitäten 
Deutschland's zähle, dürfe der Papst diese Gunst wohl bewilligen"®). 
Doch Sixtus V antwortete, er sei wohl in allen anderen Dingen zu 
möglichster Willfährigkeit bereit, aber sein Gewissen erlaube ihm 
nicht, zuzugestehen , dass Kleriker verheiratheten Laien unterworfen 
sein sollen '^^). Es war diese Antwort der verdiente Lohn dafür, dass 
man überhaupt gefragt hatte, und die Sache blieb bis zum J. 1642 
beim Alten (s. Cap. 2, Anm. 84). 

Die allgemeinen Zustände und Einrichtungen der Uni- 
versität waren in dieser Periode häufig Gegenstand verschiedener Er- 
wägungen und erfuhren auch mancherlei Veränderungen. Zunächst 
finden wir, dass noch bei Lebzeiten Herzog Wilhelm's des IV (nem- 
lich zwisclicn 1540 und 1550) die Universität von sich aus einen 
Statuten-Entwurf anfertigte, welcher jedoch nie zur Ausführung ge- 
langte'"^). Auch wurde der schon i. J. 1512 gefasste Plan wieder 
aufgenommen, eine Abschrift der Wiener Privilegien zu erlangen (s. 
Zeitr. I, Cap. 12, Anm. 30), durcli welche man sich zur Gegenwehr 
gegen mancherlei mögliche Angrifle zu rüsten gedachte. Nachdem 
zwei frülicre Versuche (1530 und 1550J fehlgeschlagen waren, er- 
reichte die Universität durch Vermittlung des kaiserlichen Historie- 
graphen Lazius in Wien die Erlaul)niss (6. April 1552) , die soge- 
nannten privilefjia pontijicld (nicht aber auch die privilegia duvalia) 
abschreiben lassen zu dürfen '^^J. 



170) Ebcnd. B, III, 17. März ir>8(>; das iSchrcibon selbst ist gedruckt bei 
Mederor Cod. dipl. S. 359. 

177 J S. Bd. II, Urk. Nr. 111. 

178) Er ist im Arch. d. Univ. D, III, Nr. 5, S. 477 ff. mit vielon Rand- 
hemcrkunf^on und nachfolgenden Verbcsserungs-Voraclilflgen (darunter selbst 
noch von Alb. Hunger, S. 489) orlialtcn, bietet aber nichts Bemorkenswerthes dar. 

179) Die Abschrift ist im Arch d. Univ. B, V, löri2 (in einem mit Qold- 
druck verzierten Foliü-Bande) aufbewahrt; dort iinden sich ausser der Erzfihlung 
des Herganges und dem kaiserlichen Erlauhnis.s-Schreibon 12 Urkunden, deren 
\) bei Kink, Gesch. d. Un. Wien, Bd. II, abgedruckt Bind, ncmlich Nr. 1 
(b. Kink S. 26), Nr. 2 (S. 2t)), Nr. 3 i^S, 43), Nr. 4 (S. 47), Nr. 7 (8. 231), 



280 • Zeitr. II, Cnp. 1 ( 1550—1688). 

Bei den Beratliungen, welche v. 27. Nov. bis 31. Dec. 1555 unter 
Beizielmng des Canisius zwischen den herzoglichen Räthen, der Uni- 
versität und dem Stadtmagistrate über die Gründung des Jesuiten-CoUe- 
giums gepflogen wurden (s. ob. Anm. 12), besprach man sofort auch 
eine Beform der allgemeinen Statuten und fasste neben verschiedenen 
Personalien mancherlei Missstände bezüglich des Bechnungswesens, 
der Studenten-Verhältnisse u. dgl. ins Auge, worauf wir am geeig- 
neten Orte zurückkommen werden'"^). Der Berathungs-Commission 
wurde auch von dem Mediciner Hieron. Leicht (damals wahrschein- 
lich im Dienste des Herzoges, s. Zeitr. I, Cap. 13, Anm. 221) und 
von Canisius ein Promemoria übergeben, worin der erstere haupt- 
sächlich die Zucht der Studirenden zum Gegenstande machte und in 
Wiederherstellung der Bursen das einzige Heil erblickte (s. unten 
Anm. 491), während der letztere unter öfterer Hinweisung auf das 
Wiener Vorbild bereits die Forderung aussprach, dass ein Superinten- 
dent über die Universität gesetzt werden müsse, welcher durch 
strengste Ueberwachung in jeder Beziehung die Ordnung aufrecht 
halte, sowie auch sonst noch einige Missbräuche (betreffs Ferien, 
Promotionen, verdächtiger Bücher) abzustellen seien****). Die herzog- 
lichen Käthe entwarfen auf Grundlage der Berathungen eine „Be- 
formation", welche am 19. Dec. in München zum formellen Voll- 
zug bereit gemacht wurde *^^). Die Einleitung derselben spricht in 
ziemlich scharfen Worten vom Unfleisse und den Privat-Neigungen 
der Professoren, von der Verkommenheit der Studenten, kurz von 
einem bedenklichsten Sinken der Universität, welcher durch neue Ein- 
richtungen aufgeholfen werden müsse. Dann folgen zunächst allge- 
meine Bestimmungen, dass alle Lehrstunden gewissenhaft eingehal- 
ten, die Gegenstände der Vorlesungen vollständig erledigt werden 
müssen, dass die Professoren auch mit Erlaubniss der Universitäts- 
Behörde nicht über 8 Tage verreisen dürfen und die versäumten 
Lectionen nachzuholen haben und ihre Privat-Geschäfte auf die Ferien 
verschieben sollen. Durch Erhöhungen der Besoldungen soll die 
Camer nicht über ihr Einkommen belastet werden. Bei Promotionen 
jeder Art ist strengste Gewissenhaftigkeit, namentlich betreffs voller 

Nr. 8 (8. 238), Nr. 9 (S. 2(i9), Nr. 11 (S. 278), Nr. 12 (8. 323); nur crwiUint 
boi Kink (8. 291) ist Nr. 10, nicht erwälint sind Nr. 5 u. G. Eine jangere Copie 
UniverK-Biblioth. Cod. Msor. 482 foL, f. 172 flf. 

180) Archiv-Conserv. Tom. III, f. 54 ff. 

181) S. Bd. II, ürk. Nr. 70. 

182) 8. Bd. II, Urk. Nr. 71. 



^ 



Zeitr. II, Clip. 1 (1550-1588). 281 

Studienzeit zu üben ; auch sollen die Promotions-Geburen möglichst 
gemindert, besonders aber das sog. Malgeld *^*) entweder ganz abge- 
stellt oder doch verringert werden, und überhaupt zwischen reichen 
und armen Candidaten ein billiger Unterschied stattfinden. In allen 
Facultäten sollen öifentliche und Privat-Disputationen, Exercitien und 
ßedeübungen gehalten werden. Schmähungen jeder Art und Pas- 
quille sind verboten, lieber Glaubens-Sachen darf ausserhalb der 
theologischen Facultät nicht disputirt, noch weniger aber über die 
katholische Religion gespottet werden, und wer etwa von Zweifeln 
ergriffen wird, hat sich an die Theologen zu wenden. Die Professoren 
sollen den Studirenden an Zucht und Ehrbarkeit, an Kirchen-Besuch 
und österlicher Beicht mit gutem Beispiele vorangehen, und wer 
letzteres nicht thut, ist dem Herzoge anzuzeigen. Die Consilien und 
die Consistorieu (zu Bechts-Gutachten) sollen gewissenhaft und wo 
möglich ohne Beeinträchtigung der Vorlese-Stunden gehalten werden ; 
das Amtsgeheimniss ist zu wahren, und bei Studenten-Händeln sollen 
die Mitglieder des Consiliums sich wenigstens nicht in Gegenwart der 
Studirenden einander verunglimpfen. Privat -Vorlesungen dürfen die 
Professoren nur mit Erlaubniss des Decanes halten, und sie müssen 
für dieselben ein massiges Honorar fordern. Den Facultäts-Statuten 
ist Gehorsam zu leisten. Alle Quatember müssen der Bector und 
die Decane sich versammeln, um über Fleiss oder Unfleiss der Lehrer 
und der Studirenden Nachfoi*schung zu halten und auftauchende 
Mängel zu beseitigen. (Was hernach über die einzelnen Facultäten 
und über das Georgianum folgt, wird füglicher dort an betreffender 
Stelle zur Erwähnung kommen). Ueber die Privat -Präceptoren, 
welche ihren Pflichten gewissenhaftest nachzukommen haben, sollen 
Kector und Senat besondere Aufsicht pflegen und dieselben nach- 
lässigen Schülern gegenüber kräftigst unterstützen; kein solcher Prä- 
ceptor darf mehr als 4 oder 5 Schüler zum Unterricht, noch auch mehr 
Kostgänger annehmen, als er an Einem Tische setzen kann ; Magister 
der artistischen Facultät dürfen, so lange sie Privatschüler bei sich 
haben, in keine höhere Facultät eintreten, und Privat-Präceptoren, 
welche in einer der höheren Facultäten inscribirt sind, dürfen dort 
zu keiner Lectur zugelassen werden; auch darf kein Präceptor ohne 
Erlaubniss des ßectors über drei Tage verreisen und er hat jeden- 



183) Malgcld hiess der Geld-Ersatz, welohon für don Promotions-Sohmaus 
{canvivium) jene Professoren oder Honoratioren oder auch Bedienstete erhielten, 
welche nicht persönlich daran Theil nahmen. 



282 Zeitr- W, Cap. 1 (1550-1588). 

falls einen Substituteu zu stellen, und will er Ingolstadt verlassen, 
so muiss er seineu Schülern oder deren Eltern zwei Monate vorher 
künden, und bei seinem Abgänge soll er dem Kector genauen Bericht 
über seine bisherigen Zöglinge erstatten; den Scliülern ist verboten, 
ohne Wissen des Kectors ihre Pmceptoren zu wechseln oder gar zu 
verlassen. Für Kost ohne Trunk darf ein Präceptor von einem Schü- 
ler nicht mehr als wöchentlich 7o A- (in der Fastenzeit '/j Pfd. Pfen- 
ning, d. h. V2 Kchsthlr.), und für den Unterricht nicht mehr als 
10 fl. fordern (nur bei Fürsten und Grafen ist es freier Vereinbarung 
überlassen); das P'astengebot ist unter strengsten Strafen aufrecht zu 
halten; im Georgianum soll, soweit es möglich ist, an Präceptoren 
und deren Schüler freie Wohnung abgegeben werden und das TJnter- 
richis-Honorar für solche und andere arme Schüler nur 4 fl. betra- 
gen. Die Schüler der Präceptoren sollen nach Möglichkeit die öffent- 
lichen Vorlesungen besuchen, auch den Disputationen beiwohnen, zu 
Hause aber oder beim Privatlehrer das Gehörte rcpetiren, auch 
wöchentlich etliche deutsche Argumentii übersetzen. Da diejenigen 
Studirenden, welche ohne Präceptor für sich allein wohnen, wozu 
namentlich fremde junge Kanoniker gehören, am meisten der Gefahr 
ausgesetzt sind, durch Wirthshaus-Leben zu verkommen, und dann 
häuiig höchst verderblich auf ihre Mitscliüler einwirken, so haben 
Kector und Senat über Wohnung und Vorlesungs-Besuch solch freier 
Studenten genaueste Controlle zu üben, auch jeden derselben, der noch 
nicht 18 Jahre alt ist, unverzüglich an einen Magister zu weisen, 
sowie widerspenstige und untaugliche wieder heimzuschicken; bei Er- 
theilung der Zeugnisse an derlei Studirende ist die gewissenhafteste 
Vorsicht zu üben. Eine Kleiderordnung wird die Universität von 
sich aus erlassen; aller Mummenschanz ist mit Ausnahme der drei 
Fastnacht-Tago verboten. Diese ganze „ Reformation* ' aber kam da- 
mals noch nicht zum Vollzug, sondern schlummeiiie noch und blieb 
vergraben'^*), bis sie i. J. 1562 in Form einer lateinischen üeber- 
setzung wieder erwachte und auferstand; s. unten Anm. 197. 

Hingegen giengen ein Jahr nach den erwähnten Berathungen als 
ein Endresultat die „Statuten" vom 29. Dec. 1556 hervor*^*). 
Die deutsch geschriebene Einleitung spricht im Hinblicke auf man- 



l^il) Med er er, Cod. dipl. 8. 2'.)G ., quae tarnen hactcnwt ob varias 

aubhtcidentcs delibcrationes ac impedimcnta quam plurima sopita atque 

»epiUta iacuit ttec exccutioni fuit data.^^ 

ISb) S. Bd. II, Urk. Kr. 72. 




Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 283 

cherlei Missstände von der Nothwendigkeit einer zeitgeniässen Acn- 
deriing der bisher geltenden FJestimmungen und beruft sich sowohl 
betreffs obiger „Keformation" als auch für die folgenden lateinisch 
redigirten Statuten auf die Uebereinstimraung der herzoglichen Räthe 
und der Universität. Das Ganze ist trotzdem der Hauptsache nach 
lediglich eine Wiederholung (— meistens wörtlich — ) der Statuten 
von 1522 (s. oben S. 105 ff.), daher wir uns dabei begnügen dürfen, 
nur die Abweichungen zu verzeichnen : Betreffs der Zusammen- 
setzung des Consiliums ist beigefügt, dass von den drei höheren 
Facul täten auch Mitglieder, welche nicht ordentliche Professoren 
sind, in den Senat eingerufen werden können. Die Bestimmung über 
den Rector lautet liier kürzer: derselbe muss legitimer Geburt 
und cVmtv/.s*""') sein, darf aber keinem geistlichen Orden angehören; 
Ehren halber können illustres, welche das 20. Lebensjahr überschrit- 
ten haben, unter Beifügung eines Prorectors gewählt werden; der 
Rectors-Wahl geht eine Messe zur Anrufung des heiligen Geistes 
voraus. Der Satz über die Rechnungsablage des abtretenden Rectors 
ist weggelassen; bei Wiederholung der Emolumente ist eingefügt, 
dass die Nachtwächter für jede eingelieferte Waffe 21 Denare em- 
jjfangen, und ausserdem hinzugesetzt, dass einen tüchtigen Rector 
ohne Zweifel Christus mit der Krone der Gerechtigkeit schmücken 
wird. In dem Absätze über die officiellen Gottesdienste erscheint 
hier die Theilnahme an der Fronleichnams - Procession als unbedingt 
geboten, und sowohl den Professoren als auch den Adeligen wird ein- 
geprägt, bei festtägigera Gottesdienste nicht als „vacui in conapedu 
ilii'" zu erscheinen, d. h. ergiebig zum Opfer zu gehen. Den legalen 
Ferien ist noch der Tag des Chrysostomus (27. Jan.) nebst den 
Diöcesan- und Stadt-Feiertagen beigefügt, auch wird angeordnet, dass 
der Donnerstag nur in jenen AVochen Vacanz sein dürfe, in welche 
kein Feierlag fällt *'*^). An die Bestimmungen über Inscription knüpft 
sich eine Formel des Studenten-Eides (Treue gegen den Landesherrn, 
Gehorsam gegen die Universitäts-Behörden, Unterwerfung unter deren 
Jurisdiction, AVahrung der Privilegien, Ersatz für etwa gestifteten 
Schaden, Versprechen, keinen Famulus zu halten, welcher nicht gleich- 
falls immatriculirt ist). Unter Wiederholung der verschiedenen Pri- 
vilegien, auf welche, wie ausdrücklich geboten wird, der Statthalter 



ISO) S. oben Anm. 171. 

187) Bald hernach ordnete der Herzog au> dass an den Donnoräiagon die 
Senats- und Cumcr-Sitzungen zu halten seien. Arch. d. Univ. D, 1, 18. Aug. 15G3, 



284 Zoitr. II, Gap. 1 (1550—1588). 

und der Stadtrichter zu vereidigen sind, wird beigefügt, dass Unkosten, 
zu welchen ein Student lediglich durch den Leichtsinn der Bürger 
verlockt worden, von demselben nicht getragen zu werden brauchen, 
ferner dass bei Priester-Primitien nicht mehr als Ein Grastmal, und 
zwar nur für 10 Gäste, gehalten werden darf, sowie dass der an- 
nutze Aufwand bei der Deposition ^^^) aufhören muss und Aermere 
hieftlr nur 5 Bazen, Beichere 1 fl. zu entrichten haben. Bei den 
Bestimmungen über Kleidcrordnung u. dgl. werden besonders die „Plo- 
derhosen^^ verpönt. Eine sehr wesentliche Aenderung aber ist es, dass 
bezüglich der Jurisdiction die Verhandlung schwererer Criminalftlle, 
welche dem Forum des Bectors entrückt sind und früher jenem des 
Bischof es überwiesen waren, nun der Landesherr selbst an sich nimmt, 
indem unter Gefangenhaltung des Angeschuldigten an den Herzog 
berichtet werden muss*^®). Die Bestimmungen über Promotionen sind 
kürzer gefasst und enthalten nur die Hinweisung auf Yereinfachong 
des üblichen Schmauses; für die sog. „fabrica'S d. h. Beparaturen und 
Mobiliar, wird nur in den höheren Facultäten Vs A* entrichtet, Bac- 
calaurei der Artisten bezahlen 8, Magister 16 Denare. Betreffs der 
Pedelle wird bestimmt, dass derjenige derselben, welcher zugleich 
Notar ist, ausser seinem Gebüren-Bezuge jährlich von Bector und 
Camer zusammen 12 fl. erhalten. Der deutsch geschriebene Schloss 
der Statuten enthält den an alle Behörden u. dgl. gerichteten Exe- 
cutions- Befehl. 

Gegen Ende d. J. 1560 wurde der Wunsch des Jesuiten Gani- 
sius erfüllt (ob. Anm. 181), und die Universität erhielt einen Super- 
intendenten in der Person des Friedrich Staphylus, eines ver- 
heiratheten Convertiten (mit fünf Kindern), welchen der Herzog auf 
Anstiften des Canisius berufen und mit der Befugniss ausgerüstet 
hatte, über Geschichte oder Humaniora oder auch über Theologie 
Vorlesungen zu halten*^). Wir dürfen aus dem Umstände, dass 
man nach einem solchen Menschen griff, nicht etwa auf eine wirk- 
lich verzweiflungsvolle Versunkenheit der Universität schliessen; denn 
wenn überhaupt ein Superintendent als nothwendig erschien, so hätte 
man, wenn nicht an manchem Anderen, jedenfalls an Nie. Everhard 
den rechten Mann finden können; sondern die Ursache lag dariOi 
dass der schlaue und vielgewandte Staphylus den Jesuiten in die 



188) S. Zeitr. I. Cap. 10, Anm. 85 ff. Ein Bittgesuch eines „Depositors«' 
8. Arch. d. Univ. D, V, c. 1575. 

189) Vgl. Zeitr. I, Cap. 18, Anm. 111 u. e. unten Anm. 2ia 

190) M e d e r e r, Annal., Bd. I, S. 262. Uebor Staphylus s. Bd. II, Biogr« Nr. 48. 



.. Vi 



Zeitr. 11, Cap. 1 (1550—1688). 285 

Hände arbeitete und denselben für ihr Lflge-System und ihre Pläne 
gerade um so zweckdienlicher erschien, weil er selbst dem Orden 
nicht angehörte'®*). Da das herzogliche Decret, durch welches Sta- 
phylus zum Superintendenten ernannt wird, in dem Satze gipfelt, dass 
derselbe „Niemanden als Gott und die Gerechtigkeit vor Augen haben 
solle*'***), so war es eigentlich ganz überflüssig, dass die ihres eige- 
nen Daseins vergessende Regierung demselben (20. Jan. 15G1) noch 
eine Instruction zustellte '^•^). Hiernach soll der Superintendent die 
Befolgung der Statuten und obiger „lleformation" , welche wieder 
ins Leben gerufen werden soll, überwachen und nöthigen Falles Uector 
und Senat beim Herzoge denunciren, in den Sitzungen aber, in wel- 
chen er stets zuletzt votirt, sich hübsch bescheidenlich benehmen; 
auch soll er zwei Studirende als beeidigte Aufpasser besolden, durch 
welche täglich der Fleiss aller Professoren genauest controllirt wird, 
um hiernach die Ausbezahlung der Besoldung (d. h. die Abzüge) be- 
rechnen zu können, und ausserdem soll er persönlich die verschiede- 
nen Vorlesungen unerwartet besuchen, um sich von der Qualität der- 
selben zu überzeugen, auch im Georgianum öfters nachsehen und das 
Rechnungswesen der Universität überwachen, kurz in Allem für das 
Wohl der Anstalt sorgen. Die Universität remonstrirte lebhaft gegen 
die dem Staphylus eingeräumte Stellung '^^): es sei leicht einzusehen, 
dass, wenn kein Verheiratheter ßector sein kann, der über den Rec- 
tor gestellte Superintendent gleichfalls nicht verheirathet sein darf; 
ferner dass Staphylus sein Amt antrete, ohne auch nur auf das Amts- 
geheimniss vereidigt zu sein, empfinde man als Herabsetzung der 
Universität, und es sei zu besorgen, dass unter solchen Umständen 
Niemand mehr das Rectorat übernehmen wolle; auch die Senats-Vota 
seien theils nicht mehr frei theils überflüssig, da doch schliesslich 
Alles nach Gutdünken des Einen entschieden werde. Die theolo- 
gische Facultät, durch deren Decan (Theander) die Frage angeregt 
worden war, ob denn Vorlesungen eines Verheiratheten über Theologie 
als zulässsig betrachtet werden können, beruhigte sich dabei, dass 
der Papst aus unerschöpflicher Machtfülle den Staphylus zum Doctor 



191) Agrioola, Ilist. prov. Soc. Jesu Germ, super. Vol. I, S. 65, zählt 
ihn zu jenen, welche „societati nostrae intime addicti** waren, und auch ein 
anonymes Promemoria v. J. 15C3 (s. unten Anm. 302) erblickt in dem gchossten 
Staphylus und den Jesuiten den Qrund des Fernbleibens auswärtiger Studenten. 

192) Archiv d. Univ. E, I, Nr. 2, 24. Jan. 1501. 

193) 8. Bd. II, Urk. Nr. 74. 

194) S. Bd. II, Urk. Nr. 75. 



286 Zeitr. IL Cap. 1 (1550-1588). 

der Theologie und des canonischen Rechtes ernannt hatte '^'^). Noch 
zu Anfang d. J. 1561 war Staphylus nebst Peurle und Wolfg. Zettel 
zu einer Beratliung beigezogen, bei welcher die durch den Canzler 
Sim. Eck und Wig. Hund vertretene Regierung schwere Anklagen 
über l'nUeiss der Professoren, Zuchtlosigkeit der Studirenden und Ge- 
winnsuclit der Bürger erhob und der Universität den strengen Auftrag er- 
theilte, sich über die ersten beiden Puncto zu rechtfertigen'^*^). Darauf 
liin fand dann auch jene „Reformatio**, welche, wie wir sahen, längst 
vorbereitet war (ob. Anm. 184) und vom Herzoge in des Staphylus 
Instruction neuerdings verheissen wurde, ihren Vollzug im lateinischen 
Gewände, in welchem sie am 3. Febr. 1562 publicirt wurde *^^). Der 
oben angeführte Inhalt ist durcli die Erwähnung des Suiierintendenten 
vermehrt, welcher als Repräsentant des Herzoges im Namen dessel- 
ben handelt (— doch ein würdigerer Wortlaut, als jener im Anstel- 
lungsdecrete des Staphylus — ); kleine Aenderungen sind, dass die 
Fleiss-Censur nicht alle Quatember, sondern jährlich zweimal, ja selbst 
nur einmal vorgenommen werden soll, und dass die Zahl der Schüler, 
welche ein Privat-Präceptor aufnehmen darf, verdoppelt wird (d. h. 
nunmehr 8-10). Nicht lange vor dem Tode des Staphylus richtete 
Herzog Albrecht (10. Jan. 1564) an denselben ein längeres Schrei- 
ben*^^), worin vor Allem die Klage ausgesprochen wird, dass die in der 
Instruction angeordneten Aufpasser, — hier „co/v/cap^i** genannt'®*) — , 
noch nicht bestellt seien, ein Versäumniss, welches baldigst nachge- 
holt werden müsse; auch solle Staphylus betreffs der Senats-Sitzungen 
gegen die Unbescheidenhcit und die Praktiken der Professoren kräftig 
einschreiten; ferner die lateinische Reformation müsse in jedem Se- 
mester öffentlich verlesen werden; zur Förderung der Religionssachen 
solle er einige junge Theologen als Gehilfen beiziehen, auch ein 
wachsames Auge auf die Prediger haben und für die gottesdienstlichen 
Angelegenheiten der Jesuiten sorgen, sowie die Stipendiaten streng- 
stens überwachen. 

Den Tod des Stai)hylus (5. März 1564) durfte die Universität 
wohl schwerlich als ein Unglück betrachten; die Anschauung aber, 

195) Medercr, a. a. 0. 

1%) Arch. d. Univ.. B, III, Nr. 1, Jan. u. 1«. Sept. u. 14. Oct. 1661. 

107) Gedruckt b. Me derer, Cod. dipl. S. 21)5. 

n»8) S. Bd. II, Urk. Nr. 80. 

191») Das Wort ,,carijcaei'* entstammt der Renaissance-Litteratur, insofenie 
hni den Grienhon die Bewohner des kilikischcn Vorgebirges Korykos zum Oe- 
gen>tande der sprichwörtlichen Bedeutung „Späher, Spion*' geworden waren. 



Zeitr. U, Cap. 1 (1550—1588). 287 

welche durch ihn über Leitung der Universität sich in den entschei- 
denden Kreisen gebildet hatte, überlebte ihn lange Zeit. Man daclite 
seitens der Regierung (noch i. J. 1564) an förmliche Inquisitions- 
puncte, deren wiederholte Anwendung selir geeignet gewesen wäre, 
auch ohne Superintendenten die Universität völlig in die gewünschte 
Bahn hineinzutreiben. Die betreffenden uns erhaltenen Quaestioncs 
bewegen sich vor Allem um Keinhaltung der Keligion, dann um 
strenge Zucht und ein sowohl Studenten als auch Professoren um- 
spannendes Ueberwachungs- und Spionir-System, welches darin gipfeln 
könne, dass jährlich öfters die herzoglichen Käthe (deren Gesinnung 
wir aus obigen Jesuiten -Angelegenheiten hinreichend kennen) eine 
strenge Visitation der. ganzen Universität unternehmen*"^*). 

Am 20. October 1570 erhielt die Universität abermals einen 
Superintendenten, d. h. wie er nun hiess, einen „Inspector* in der 
Person des Vicecanzlers Martin Eisengrein*^'), welcher gleich- 
falls ein Convertit war, aber nicht bloss durch seine Bildung, son- 
dern vor Allem durch sein liebenswürdiges und mildes Auftreten 
wenigstens die persönliche Zuneigung Aller gewann. Das Anstellungs- 
Decret, in welchem gleichsam zur Entschuldigung darauf hingewiesen 
wird, dass die herzoglichen Käthe so vielfach anderweitig beschäftigt 
seien, bezeichnet den Eisengrein als Stellvertreter des Herzoges, so 
dass ihm Alles, was des Einsehens der Kegierung bedarf, mitgetheilt 
werden muss und ihm in den Sitzungen der erste Platz nach dem Kector 
geburt; dabei aber war er (offenbar nach seinem eigenen Wunsche) 
nicht mehr Selbstherrscher wie Staphylus, sondern es wurden ihm 
aus dem Gremium der Universität als „Gehilfen'* der Jesuit Pel- 
tanus, der Jurist Nie. Everhard und der Camerer Wolfg. 
Zettel beigegeben, deren einen oder anderen er im Falle persön- 
licher Verhinderung an seine Stelle zu substituiren die Befugniss 
liat^"^). Dass Eisengrein in jene schwierigen Verhältnisse eintrat, 
welche durch die Bestrebungen der Jesuiten erwuchsen, sahen wir 
.schon oben. 

Gleichzeitig mit der probeweisen Uebernahme des Cursus und 
des Pädagogiums durch die Jesuiten erfolgte, wie oben (Anm. 4G) 



L>iX») S. Bd. II, Urk. Nr. 82. 

201) S. IUI II, Biogr. Nr. 19. 

202) S. Bd. II, Urk. Nr. 98 gegen Ende (deutsch) u. Nr. 09 zu Anfang 
i lateinisch). Als Tag, an welchem Eisengrein als Inspector eintrat, ist Arch. d. 
Univ. D, III, Nr. 7, f. 215 v. der 3. Nov. \'ni) bezeichnet. 



288 Zeitr. II, Cap. 1 (15&0~-1588). 

erzählt, zu Anfang d. J. 1571 eine refornuitio der Universität, Aber 
deren Entwurf wir nur im Allgemeinen unterrichtet sind. Hienach 
soll die Universität nunmehr in fünf „collegia^^ getheilt sein, nemlich 
ein theologisches, juridisches, medicinisches, philosophisches und ein 
poetisches (d. h. Pädagogium oder „Seminarium der vier höheren 
Facultäten**). Die Professoren der ersten drei Facultäten werden 
unter Hinweis, dass sie conducti mercenarii sind*"**), an die Bestim- 
mungen über die pecuniären Polgen der Vorlesungs-Versäumnisse 
erinnert und zugleich ermahnt, die Lehrgegenstände in bestimmter 
Zeit wirklich zu erledigen. Die Studirenden sollen vor dem Eintritte 
in ein höheres Fachstudium sämmtlich Logik, die Theologen und 
Mediciner ausserdem vorher auch philoso|)hia naturalis hören, jene 
aber, welche nocli zu unreif sind, in das Pädagogium gewiesen wer- 
den, überhaupt jedoch bei Bestimmung des Jahrescurses Wille und 
Neigung der Studirenden billige Berücksichtigung finden*^*). 

Das Jahr 1572, in welchem die Universität auf einen hundert- 
jährigen Bestand hätte zurückblicken keimen, gieng in dieser Bezieh- 
ung völlig spurlos vorüber '^^), sowie wir überhaupt eine Erinnerung 
an den Stiftungstag nur i. J. 1772 und dann in neuester Zeit als 
jährlich wiederkehrend erst seit d. J. 1830 finden. 

Der herzogliche Recess v. 26. Nov. 1576 (s. oben Anm. 104 AT.), 
welcher in allzu grosser Freiheit der Studirenden eine Hauptursache 
der Abnahme des Fremden-Besuches und eine wesentliche Quelle des 
Verderbens erblickt (— der wirkliche Grund lag in dem Umsich- 
greifen der Jesuiten, s. ob. Anm. 69 f. — ) kommt neben Empfeh- 
lung des gegenseitigen Friedens abermals auf den Unfleiss der Pro- 
fessoren zurück, welchem durch strengste Durchführung des Besol- 
dungs-Abzuges gesteuert werden soll, sei es dass man durch einen 
corycaetis oder durch Selbstbekenntniss der Professoren Kenntniss von 
den Versäumnissen erlangen wiU. Das polterhafte Benehmen der 
Studenten, ihr Lärmen, Schelten und Schreien auf den Strassen u. dgl. 
ist abzustellen, aber auch in Kostgeld billiges Mass zu halten; an 
Studenten darf nicht über einen Betrag von 10 fi. geborgt werden, 



203) Vgl Zeitr. I, Gap. 4, Anm. 2 u. Gap. 13, Anm. lOG. 

204) S. Bd. II, Urk. Nr. 88. Was hiebe! die philosophische Facultllt be- 
trifft, s. unten Anm. 3GG. 

205) Abgeschmackt ist es, wenn Mederer, Annal. Bd. II, S. 2 in einer 
zußUig grosseren Anzahl von Promotionen gleichsam ein Symbol einer Secular- 
feier erblickt. 



Zoitr. II, Cap. 1 (1650-1538). 289 

und wer mehr darleiht, geht desselben verlustig; jeder Student, wel- 
cher nicht unter Leitung eines Privat-Präceptors steht, muss einen 
der Universitätslehrer als „Versprecher'' haben, welcher allerdings 
nicht die volle Gefahr einer Bürgschaft trägt, aber den Gläubigern 
zu dem ihrigen verhelfen wird: auch soll es nicht gestattet werden, 
dass Privat-Präceptoren als Unterrichts-Honorar bis an die 20 fl. 
nehmen. Zugleich auch wird in dem Kecesse Eisengrein's Inspector- 
Amt erneuert ^^^). Die dem letzteren gleichzeitig ertheilte Instruction 
wiederholt die nemlichen Puncto *^^). 

Eisengrein hielt während seiner ganzen Amtsführung (er starb 
a. 4. Mai 1578) wohl nicht mit Unrecht ein strenges Regiment für 
nothwendig, und sowie er an seinen Schwager, den herzoglichen Rath 
Vend, schrieb (25. Jan. 1577), dass er seine Entlassung nehmen 
werde, wenn er bei der Keglerung keine Unterstützung finde, so 
konnte er in dem gleichen Briefe sich der Erfolge seiner ihm ab- 
genöthigten Strenge durch die Bemerkung rühmen, dass, je voller 
der Carcer, desto besuchter die Vorlesungen *"^^). Dass der allgemeine 
Zustand der Universität kein sehr erfreuliclier war, erhellt aus der 
immer wiederkehrenden Erneuerung verschiedener Vorschriften und 
Massregeln. Am 17. Oct. 1577 beschloss der Senat eine Instniction 
für den Kector, wornach derselbe baldigst nach seinem Amtsantritte 
ausser Verlesung der Statuten auch durch öffentlichen Anschlag die 
Studenten auf die bestehenden Verbote aufmerksam machen soll; 
ferner liat derselbe neben üeberwachung der Fucultäts-Inscription 
dafür zu sorgen, dass von den vereinigten Decanen alle 14 Tage der 
Fleiss der Studenten controUirt werde **^*), sowie dass bei Ausstellung 
der Zeugnisse die strengste Gewissenhaftigkeit geübt werde; Unter- 
suchungen über nächtliche Kaufereien u. dgl. der Studenten soll der 
Rector nicht allein führen, sondern an den ganzen Senat oder wenig- 
stens an die vier Decane bringen, auch möglichst wenige Dispen- 
sationen ertheilen; alle 3 Wochen ist Senats-Sitzung zu halten und 
über dieselben sowie über die Amtshandlungen des llectors genaues 
Protokoll zu führen *'^^). Und nachdem der Herzog (5. Nov.) bereits 

20G) S. Bd. ir, Urk. Nr. 98. Das Verbot der Darlehen, welche 10 fl. über- 
steigen, 3. auch Arch. d. Univ. D, XIII, Nr. 1, 30. Oct. 1577. 
207) S. Bd. II, Urk. Nr. 99. 
20^<) Staatä-Biblioth. Cod. Bavar. 3018, f. 43 v. 

209) Dicss hatte der Senat auch schon a. 13. März 1575 beschlossen (Arch. 
d. Univ., D, 111, Nr. 7, f. 272). 

210) S. Bd. II, Urk. Nr. 100. 

Prantl, Oeachichte der UniTersitat Manchen I. 19 



290 Zeitr. 11, Cap 1 (1550-1588). 

den Unfleiss vieler Professoren gerügt hatte*'*), erliess er bald her- 
nach (17. Nov.) ein sehr ungnädiges Schreiben an die Universität, 
worin er klagt, dass alle best gemeinten Anordnungen und Becesse 
bisher erfolglos, ja völlig unbeachtet blieben, so dass leicht in Zu- 
kunft andere Massregeln ergriffen werden müssten. Für den Miss- 
brauch, welcher mit abgewfirdigteu Feiertagen annoch getrieben 
werde, könne allenfalls Nachsicht eintreten, woferne dafür die Exer- 
citien und der neu eingerichtete Schöppenstuhl (s. Anm. 304) um 
so fleissigere Pflege fänden ; aber die Hauptsache sei der allgemein 
verbreitete unfleiss der Professoren, daher die Quatember-Berichte 
über die Yorlesungs- Versäumnisse nunmehr nach München einzu- 
schicken seien und in den Besoldungs-Abzügen die äusserste Strenge 
walten müsse; wer in Privat-Geschäften verreist, habe entweder das 
Versäumte nachzuholen oder auf seine Kosten mit Genehmigung des 
Superintendenten einen Substituten zu stellen. Auch das verschwen- 
derische Leben der Studenten sei abzustellen und gegen die Wirthe 
streng einzuschreiten. Ein weiterer Unfug sei es, dass die Profes- 
sorin, welche ohnediess durch ihre beständigen Bitten um Gehalts- 
erhöhung die Cassa auf den Sand gebracht haben, auch mancherlei 
Ausgaben, welche sie gewiss selbst zu tragen hätten, z. B. für Mal- 
zeiten, Gastereien oder Almosen, eigenmächtig auf die Camer hinüber- 
wälzen*'*). Und bereits wieder zu Anfang des J. 1578 war der 
Herzog genöthigt. an Eisengrein zu schreiben, dass die Professoren 
wider alle Gebür die Disputationen und Exercitien für einen Ent- 
schuldigungsgrund halten, die Vorlesung auszusetzen, und dass un- 
nachsichtlich für jedes Versäumniss Strafe eintreten müsse ***^). 

An Eisengrein ä Stelle wurde von Herzog Albrecht am 27. Nov. 
1578 Albert Hunger (s. unten Anm. 2D4) zum Vicecanzler er- 
nannt (was der Bischof von Eichstädt bestätigte) und ihm zugleich 
das Amt eines „Inspectors*' der Universität übertragen-**); auch er 
aber konnte eingewurzelte Missstände, welche bisher zu Klagen Ver- 
anlassung gegeben hatten, nicht beseitigen. Herzog Wilhelm Y 
musste (Febr. 1582) den Befehl seines Vaters wiederholen, dass das 
Verzeichniss der Vorle8e-Vei*säumnisse nach München eingeschickt 
werde, und auch seinerseits strenges Einschreiten gegen nächtliche 



211) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 7, f. 2«3 v. 

212) S. Bd. II, Urk. Nr. lol. Vgl. unten Anm. 374. 
218) Archiv d. Univ., B, IV, 20». Febr. ir)78. 

214) Ebend. E, I, Nr. 2, 27. Nov. 157d. 



;^ 



Zeitr. II, Cap 1 (1550—1588). 291 

Ruhestörungen anordnen. Nicht unwichtig ist, dass in diesem nem- 
lichen Recesse zum ersten Male das Dictiren für alle Facultäten ver- 
boten wurde; insoweit dasselbe unvermeidlich sei, solle es nach dei 
Lehrstunde oder zu einer anderweitigen Zeit geschehen**^). Und 
Anfangs 1584 erfolgte abermals ein ungnädiges herzogliches Schreiben 
über Unfleiss der Professoren, welche lieber ihren Privat-Geschäften 
nachzugehen pflegen**''), worauf später befohlen wurde, einVerzeich- 
niss der ,^dies illegibilcs"' einzuschicken, damit man in München 
einen Anhaltspunct zur Controlle habe*'"). Auch der Recess vom 
20. Sept. 1584 spricht neuerdings unter Drohungen von der Erfolg- 
losigkeit aller bisherigen 'Verordnungen, da die Professoren unfleissiger 
und nachlässiger als je seien, daher unter Hinweisung auf den Re- 
cess V. 17. Oct. 1577 die dortigen Vorschriften wiederholt werden 
und der Insi>ector den Auftrag erhält , mit oder ohne corycaeus die 
Zahl der Versäumnisse zu erforschen und wenigstens alle Vierteljahre 
unversehens die Vorlesungen zu besuchen; ausserdem noch wird Ein- 
haltung des Fastengebotes eingeschärft und die Universität beauftragt, 
nöthigenfalls ihren Carcer dem Albertinum, welches eines solchen 
entbehrt, zur Verfügung zu stellen**^). Im folgenden Jahre (1585) 
musste der Herzog nicht bloss gegen die Pflichtvergessenheit an- 
kämpfen, dass in den Sitzungen allgemeine Angelegenheiten oft nur 
von zwei oder drei Mitgliedern erledigt wurden, sondern er sah sich 
auch genöthigt, unter Androhung strengster Ungnade den schärf- 
sten Tadel über Nichtbeachtung der herzoglichen Ermahnungen und 
Vorschriften auszusprechen und behufs weiterer Massnahmen Einsen- 
dung einer Abschrift aller Statuten anzubefehlen**^). 

Bei solcher Sachlage erblickte der Herzog, welcher nicht ohne 
Grund mit Alb. Hunger unzufrieden war, das einzige Mittel in der 
Wahl eines ganz tüchtigen Rectors, worauf die Universität unter Ver- 
sicherung ihres künftigen Gehorsames mit dem Berichte antwortete, 
dass Peter Stevart (s. unten bei Anm. 299) als Rector gewählt 



215) Ebend. B, IV, 10. Febr. 1582. Vgl. die frQhere nur die Juristen be- 
treffende Verordnung unten Anm. 300. 

216) Ebend. 24. Jan. 15ö4. 

217) Ebend. 0, I, 12. Dec. 1684 u. 2. Jan. 1585. 

218) S. Bd. II, Urk. Nr. 107. 

219) Arcb. d. Univ. B, IV, 4. Febr. u. 16. Oct. 1585 u. D, III, 25. u. 26. 
Oct. 1585. Ein ganzes Convolut im Arch. d. Univ. E, I, 1585 — 1596 gibt 
ZeugniHS von einer erklecklichen Menge der Vorlesungs-Versäumnisse. 

19* 



292 Zeitr. IT, Cap. 1 (1550-1588). 

worden sei***). Hiemit einverstanden erklärte der Herzog, dass die 
Inspection der ünivei*sität nunmehr vom Sector an Stelle Hnnger*s, 
welcher hievon enthoben sei, geführt werden solle**'), und obwohl 
nicht bloss Stevart dem Herzoge kund gab, er fühle sich zu solchem 
Amte nicht völlig tauglich, sondern auch die Universität in einer 
ausführlichen Remonstration ihre Meinung dahin aussprach, dass Hun- 
ger, welcher vieljährige Verdienste aufweisen könne, die Zurücksetzung 
schwer empfinden und in eine schiefe Stellung zu seinen CoUegen 
kommen werde, sowie dass eine bleibende einheitliche Oberaufsicht 
dem Wirken des wechselnden Rectorates vorzuziehen sei ***) , erfolgte 
dennoch (22. Dec. 1585) die herzogliche Entscheidung, dass es bei 
der Enthebung Hunger's sein Bewenden habe, zumal derselbe unflcissig 
sei und von nun an mehr seinen Vorlesungen obliegen könne, sowie 
dass man jetzt die Stelle eines Superintendenten oder Inspectors über- 
haupt für überflüssig halte, da man wünsche, dass Jeder ohnediess 
seine Schuldigkeit thue **''). Der Rector Stevart berichtete (6. Febr. 
1586) wieder über Vorlese- Versäumnisse unter Beifügung des Wun- 
sches, dass zur Einbringung derselben um der Studenten willen die 
freien Donnerstage nicht verwendet werden sollen; auch bat er, dass 
das Almosen (vgl. Anm. 212), um welches der Rector so häufig an- 
gegangen werde, von der Cassa der Camer übernommen werden 
dürfe **^). Nachdem der Herzog seine Räthe Liechtenauer und V. d. 
Gilgen als Untersuchungs-Commissäre nach Ingolstadt abgeschickt 
hatte, wurde das Gutachten derselben**^) fast wörtlich in den Recess 
V. 9. Juni 1586 aufgenommen, welcher die Universität abermals we- 
gen Nichtbeachtung der Statuten und Verordnungen tadelt, sodann 
die Bestimmungen enthält, dass der Rector als solcher eine jährliche 
Besoldung von 50 fl. bezielien solle**®), dass die Decane den von 
ihnen angeordneten Vorleseplan bekannt zu machen haben, dass die 
Professoren nicht bloss in den Vorlesungen, sondern auch ausserhalb 
derselben in ihrer Amtstracht (togaii) erscheinen sollen**'); femer 



220) Ebend. D, I, 11. u. 18. Oct. 1585. 

221) Ebend. E, I, 28. Nov. 1585 u. Arohiv-Conaenr. Tom. IV, f. 201. 

222) Arch. d. Univ. E, I, 5. Dcc. 1585 u. Archiv-Conserv. a. a. O. 
22.S) Arch. d. Univ. C, 22. Dec. 1535. Vgl. unten Cap. 2, Anm. 85 f. 
221) Archiy-Conserv., Tom. IV, f. 205. 

225) Arch. d. Uni?. B, III, 17. März 1580. 

22Ü) Diess wird auch b. Me derer a. a. O. 8. 100 erzfthlt. Vgl. Cap. 2, 
Anm. 83. 

227) Das herzogliche Memoriale v. *J9. Oct. 1587 besagt dai» Gleiche nur 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 293 

wird ausdrücklich gesagt, dass das Amt eines Inspectors in Wegfall 
gekommen sei, da solche Aufgabe statutengemäss dem Rector zufalle; 
dem Professoren-Eide solle das Versprechen einverleibt werden, bei 
sachlichen und persönlichen Fragen ohne Hehl die ganze Wahrheit 
sagen zu wollen; der Aufwand bei Begräbnissen verstorbener Pro- 
fessoren sei zu mindern und die Leichenrede nicht zur Zeit der Vor- 
lesungen zu halten; der Eid auf das Tridentinum müsse immer um V 
Neujahr von allen Professoren neu geleistet werden**®). Ein Me- 
raoriale des Herzoges an seine Käthe v. 29. Oct. 1587 wünscht Auf- 
schluss über das Betragen der Studenten (besonders der sectischen), 
auch über das Verhalten der Kostgeber, sowie über Zahl und Her- 
kunft der Alumnen, welche von den Klöstern (s. ob. Anm. 177 ff.) 
in das Albertinum geschickt w^erden**®). 

Jedenfalls erfreulicher als die zuletzt erwähnten Zustände war 
es, dass während jener Zeit durch zwei Mitglieder der artistischen 
Facultät die ersten Anfänge einer Chronikschreibung der Universität 
gemacht wurden, wenn auch diese Erzeugnisse selbstverständlicher 
Weise nur nach dem Massstabe der damaligen Zeit beurtheilt werden 
dürfen; nemlich Valentin Kotmar (s. unten Anm. 419 ff.) veröf- 
fentlichte i. J. 1580 seine ,^Änuales Ingolstadiensis acadetniae^*' und 
ein zweites von ihm begonnenes Werk ^jAlmae Ingolstadiensis aca- 
(icmiac tonius ^>Wm^(6*S an dessen Vollendung er durch den Tod ge- 
hindert wurde, gab i. J. 1581 sein Freund Joh. Engerd (s. unten 
Anm. 429 ff.) heraus**"). Ein eigenthüralicher Zwischenfall war es, 



von den Juriston und Mcdicincrn mit dem Beisatzo, dass dieselben die Toga auf 
ihre Kosten anzuschaffen haben, während der Tierzog sich vorbehält, ihnen für 
die gleiche Sonntags -Kleidung den Seidenzeug zu verehren (Arch.-Conserv. 
Tom. IV, f. 60 f.); die philosophische Facultät verwahrte 7 „epomides^S welche 
wahrscheinlich nur bei den Promotionen verwendet wurden (Arch. d. Univ. W, 

c. 158U). Uebrigens s. unten Cap. 2, Anm. 336 u. Cap. 3, Anm. 75 f. 

228) S. Bd. II, Urk. Nr. 112. 

229) Archiv-Conserv. Tom. IV, f. 60 ff. Mederer, Bd. 11, 8. 105 gibt fttr 

d. J. 1586 die Zahl solcher Zöglinge auf nahezu 300 an. Vgl. unten Cap. 2, 
Anm. 8 u. Cap. 3, Anm. 12. 

230) Rot mar sagt in der an Markgraf Philipp von Baden gerichteten Do- 
dication (1. Jan. 1580), welche seinen ^jÄnnäles etc.'* vorgedruokt ist, er sei 
durch des Wiener Juristen Georg Eder „Catalogus rectorum Viennensium^^ zn 
seinem Plane angeregt und hierauf durch Eisengrein noch weiter ermuntert wor- 
den, habe aber manche Thcile seines Werkes in tumultuarischer Eile hingeworfen. 
Der Inhalt desselben besteht zunächst in mehreren poetischen Ergüssen und 
(i. 9—32) in j^Acclamationeif^^ an herzogliche Räthe nnd an hervorragende Pro- 



294 Zeitr. U, Cap. 1 (1560—1588). 

dass sofort uach dem Erscheinen der Rotmar'schen Annalen der 
Ingolstädter Magistrat eine Deputation an den Senat schickte, um 
Besehwerde zu führen, dass in diesem Werke ,,die jetzigen und 
verstorbenen Rathsmitglieder und die ganze Gemeinde heftig und 
spöttlich angegriffen und geschmäht" seien, daher man bitte, dass 
der Verfasser die von ihm verschenkten oder verkauften Exemplare 
wieder zur Hand bringe und hinterlege, nachdem den in der Druckerei 
vorfindlichen Vorrath der Magistrat bereits selbst aufgekauft habe; 
die Universität antwortete, Kotmar's Annalen seien von den Profes- 
soren weder vorher noch auch bis jetzt gelesen worden , und man 
könne daher für den Inhalt derselben nicht verantwortlich sein, am 
Magistrate aber sei es, bestimmte Beweise für seine nur allgemein 
ausgesprochene Anklage beizubringen**'). 

Was in dieser Periode die verschiedenen Wechselbeziehungen 
betrifft, in welchen die Universität mit anderen Behörden stand, so 
kommt hiebei zunächst der Bischof von Eichstädt nach zwei 
Seiten in Betracht. Schon i. J. 1551 ergaben sich mit demselben 
Differenzen über die stiftungsgemässe Eichstädter Dompräbende (s. 
oben S. 17) und das Vicecancellariat, worüber Abgeordnete von 
beiden Betheiligten zur Berathung zusammentraten ; der Bericht hier- 
über (21. Oct.) stellte sich auf den grundsätzlichen Standpunct, dass 
das Vicecancellariat, da es nicht an sich ein eigenes Einkommen mit- 



fe<!Soren; hierauf folgon (f. 33 — U) verschiedone historische Abbandlangen Aber 
Univcrsitrit^-Kinrichtungen, welche sämmtUch Mederer im 1. Bande seiner An- 
nalen wieder abgedruckt hat; dann reihen sich die bis z. J. liu\) reichenden 
Annales an, d. h. Angabe der Rectoren, der Illustres, der Todesfälle und sonsti- 
ger wichtiger Ereignisse. Das Manuscript des zweiten YTerkes ^,Älmae Ingoi' 
stadiensis academiae tomtis primus etc/' war fast bis zur HSlfte gedruckt, all 
Rotmar im Frühjahre loHO tödtlich erkrankte, und Engerd versprach dem 
Sterbenden in Gegenwart des Phil. Menzel die Vollendung des Ganzen, weichet 
dann auch mit Dedication an Herzog Alexander von Schlesien (4. Nov. 1581) 
erschien. Dieses Buch enthtilt nach verschiedenen poetischen Spenden eine 
Aufzfihlung der Canzler und Procanzler, der Fürsten und Illustres, sowie der 
Erzbischufe und Hi^chöfc, welche dereinst in Ingolstadt studlrt hatten, und hier- 
auf Notizen über silmmtliohe Professoren der theologischen Facultät von Adorf 
angefangen bis z. J. löMO (die beabsichtigte Durchführung der übrigen Faoul- 
tüten, welche weiteren IMnden vorbehalten war, unterblieb). Uebrigens gehSrt 
das Buch zu den bibliograplii^^chen Seltenheiten; die Universitftts-Bibliothek be- 
bitzt ein Exemplar mit Engerd's eigenhändig eingeschriebener Widmung an den 
Lambacher Abt Cammer^chreibcr. 

:i31) Arch. d, Univ. D, III. Nr. 8, f. 10 (24. Febr. 1580). 




Zeitr. II, Cap. I (1550—1688). 295 

bringe, mit der Dompräbende verbunden sein soU^**), und da fQr 
letztere die betreffenden Canonici vom Herzoge ernannt werden, ge- 
langt der Bericht zu dem Resultate, dass nur der vom Herzoge aus- 
ersehene durch den Bischof zum Vicecanzler zu ernennen sei ; so habe 
sich auch i. J. 1508 der Herzog beim Bischöfe verwendet, für Joh, 
Eck das Vicocancellariat zu erlangen, und nach Eck's Tod habe der 
Herzog mit Marstaller unterhandelt, der Bischof aber denselben er- 
nannt; ebenso sei es i. J. 1547 mit Fannemann ergangen, und des- 
gleichen präsentire gegenwärtig der Herzog den Canisius als Vice- 
canzler'**). und nachdem nun in gleicher Weise an Stelle des Eras- 
mus Wolf i. J. 1553 Theander, welcher damals noch weder Doctor 
noch Professor der Theologie war, zum Vicecanzler bestellt worden*-*''), 
ergaben sich einige Zeit hernach i. J. 1561 neuerdings Anstände, zu 
deren Lösung der Herzog seine Käthe nach Ingolstadt abordnete*"). 
Der wesentliche Inhalt eines nicht uninteressanten Schriftenwechsels 
ist folgender^"'): Die bischöfliche Canzlei schreibt (22. Sept.) an die 
Universität, die Eichstädter Präbende sei zwar bisher, obwohl seit 
Marstaller's Tod keine Präsentation stattgefunden, an die Universitäts- 
Camer ausbezahlt worden, aber nunmehr gedenke man dieselbe, wenn 
nicht baldigst ein Theologe präsentirt werde, kurzweg einzuziehen. 
Dieses Schreiben schickt der Camerer Professor Peurle (27. Sept.) an 
den herzoglichen Secretär Vend mit dem lebhaften Ausdrucke ief 
Verwunderung, dass die Eichstädter Herren so gar rigoros an den Sta- 
tuten kleben, während sie in ihrem übrigen Betragen alle Schlem- 
merei und Hurerei für ganz erlaubt halten : die Präbende, für welche 
Joh. Eck nur 100 fl. bezogen, trage jetzt 260—270 fl. ; es sei mehr 
als genug, wenn man dem Theander, welcher für die bei den Theo- 
logen üblichen drei (oder selbst nur zwei) wöchentlichen Vorlesungen 
bereits 80 fl. Besoldung hat, von der Präbende 100 fl. gebe, zumal 
er überhaupt nur ein „halber Doctor" (d. h. ein schlechter Lehrer) 
sei; übrigens könne man ja auch einen Jesuiten zur Präbende prä- 
sentiren und den Theander leer ausgehen lassen. In zwei anderen 



232) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 1, 24. Jan. 1551. So wurde anoh noch dem 
Alb. Hunger, weil er „als Vicecanzler die Eichstädter Dompräbende besitzt*', 
eine Besoldung von nur 150 fl. angewiesen; s. ebend, E, I, Nr. 2, 27. Nov. 1578. 

233 ) Archiv-Conserv. Fase. 9 in einer ausführlichen Rechtsdodnotion v. 1775. 

234) Me derer, Annal., Bd. I, S. 230. Ueber Theander 8. unten Anm. 278 f. 

235) Arch.-Conserv. Tom. III, f. 126. 

236) 8. Bd. II, Urk. Nr. 76. 



296 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1688). 

Briefen (30. Sept. u. 1. Oct) an den herzoglichen Canzler Sim. Eck 
weist Peurle unter Wiederholung des eben angeführten auch auf die 
Unwahrheit der bischöflichen Behauptung, dass seit Marstaller Nie- 
mand präsentirt .worden sei, hin und erinnert daran, dass Cani- 
sius, Fannemann und Erasmus Wolf durch herzogliche Präsentation 
Canoniker und Vicecanzler geworden seien, sowie er ausdrücklich hin- 
zufügt, dass der Bischof allen Ernstes das Kecht der Ernennung des 
Vicecanzlers für sich beanspruchen wolle. Nachdem der Herzog (1. Oct.) 
nach Eichstädt geschrieben hatte, er gedenke zur Präbende einen Theo- 
logen zu präsentiren, mit welchem das Domcapitel wohl zufrieden 
sein werde ( — offenbar war Staphylus gemeint — ) , erklärte der Bi- 
schof (5. Jan. 1562) seine Bereitwilligkeit zu einerneuen Conferenz*"). 
Doch finden wir in den uns zugänglichen Quellen keinen weiteren 
Erfolg des damaligen Handels (vgl. Cap. 2, Anm. 124). Der schlaueste 
Plan aber, durch welchen der Streit über das Kecht der Ernennung 
eines Vicecanzlers seine kurze Erledigimg gefunden hätte, wäre sicher 
der obenerwähnte des Jesuiten Peltanus gewesen, wodurch der Orden 
auch das Yicecancellariat an sich gerissen hätte, wenn nicht der Bi- 
schof der klügere gewesen wäre '•*^). 

Ein zweiter Beruhrungspunct zwischen Bischof und Universität, 
nemlich die Jurisdiction, war allerdings i. J. 1556 für Criminal- 
fälle im Sinne der Justizhoheit des Landesherren geregelt worden 
(s. ob. Anm. 189); aber nach mehrjährigen Streitigkeiten, in welchen 
sich betreffs der Civilrechtspflege die Universität auf die Wiener 
Privilegien berief (ob. Anm. 179), während der Bischof auf das 
hartnäckigste seinen klericalen Standpunct vertrat ***^ ) , kam durch 
Mitwirkung der herzoglichen Käthe am 18. Juni 1584 ein voUstän- 

237) Aroliiv-Conserv. Tom. III, f. 135 f. 

238) S. oben Anm. 87. 

239) Schon i. J. lACr) hatte der Bischof den Anspruch erhoben, ausBchliest- 
lieh von sich aus die Inventariäirung beim Tode eines Klerikers vornehmen sa 
lassen (Arch. d. Univ. D, Vlla, 2\), Apr. 1505)^ und i. J. 1580 bot die Bereini- 
gung der Yerlassenschaft des Professors Clenckh neuerdings einen Anlass dar, 
lediglich die sog. ^,Statuta synodalia*^ als Rechtsnorm bei Todesf&Uen der Kleri- 
ker den berechtigten Jurisdictions-AnsprQchen der UniversitAt gegenüberzustellen ; 
auch den Vermittlungs-Vorschlag eines herzoglichen Hofrathes, dass die bischöf- 
liche Curie ein für alle Mal die Universität zur cxccutio des Testamentes der 
geintlichen Universitäts-Angehurigen delegiren könne, wodurch keine der streik 
tenden Parteien ihr Recht vergebe, wurde vom Bischöfe, welcher die Wiener 
Privilegien höchstens für Laien zugestehen wollte, schroff zurückgewiesen (1581), 
und nachdem derselbe seinen Standpunct i. J. 1582 in einer „Dedaratio" dar- 
gelegt und darauf i. J. 1583 noch ^yOravamina^^ hatte folgen lassen, trat anf 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 297 

diges Coucordat zwischen der Universität und der bischöflichen Curie 
zu Stande, dessen wesentliche Puncte die folgenden sind****)- üeber 
imniatriculirte Geistliche der üiöcese hat die Universität nur Disci- 
plinar- und einfache Coercitiv-Gewalt , wobei jedoch die Bestraften 
an den Bischof appelliren können. Stirbt ein immatriculirter Diöcesan- 
Geistlicher mit Hinterlassung eines Testamentes, so dürfen die Erben 
oder Executoren mit Vorwissen der Universität die Obsignation und 
Inventarisirung vornehmen, müssen aber binnen eines Monates hie- 
rüber an den Bischof berichten und demselben nach Jahresfrist über 
den Vollzug des Testamentes Rechenschaft ablegen; sind die Erben 
oder Executoren nicht bekannt, so berichtet der Ortspfarrer an den 
Bischof, dessen Commissäre mit Vorwissen der Universitäts-Behörde 
das Inventar aufnehmen ; sollte diess binnen eines Monates nicht ge- 
schehen, so thut es die Universität. Ist kein Testament vorhan- 
den, so obsignirt die Universität, das Inventar aber lässt der Bi- 
schof im Beisein der Universitäts-Behörde aufnehmen, um dann des 
Weiteren nach kanonischem Rechte zu verfahren. Bei Criminal-Ver- 
gehen hat die Universität, wenn der Thäter ein Laie ist oder als 
Geistlicher einer anderen Diöcese angehört, die Cognition, muss aber 
hierüber an die bischöfliche Curie berichten ; handelt es sich aber um 
ein Hals- Verbrechen, so muss der Angeschuldigte nebst den Unter- 
suchungs- Acten dem Bischöfe ausgeliefert werden; verwandelt der 
Bischof die Todesstrafe in eine Geldstrafe, so fällt die Summe an 
die Universitäts-Cassa zu einer vom Bischöfe zu bestimmenden Ver- 
wendung. Ist aber der Thäter ein Geistlicher der Diöcese, so ist 
sowohl Cognition als auch Straf- Urtheil lediglich Sache des Bi- 
schofes. 

Einige Jahre vor dieser Vereinbarung, welche, wenn sie auch 
ihre praktische Durchführung nicht fand, unleugbar dem angeblichen 
klerikalen Cliarakter der Universität bestens entsprach, hatte der 
Senat (i. J. 1579) seine auf den Statuten v. 1556 beruhenden Rechte 
auch gegenüber dem Herzoge möglichst zu wahren gesucht. Es hatte 

Wunsch des Herzoges nach wiederholten Verzögerungen im Juni 1581 die ent- 
scheidende Conferenz zusammen. S. Arch. d. Univ. D, III, Nr. 8, f. 7 v. u. 20, 
und die ausführlichen Belege in 18 Acten-Producten ebend. D, VII a, 1580 bis 
1584. Vgl. Cap. 2, Anm. 135. 

240) 8. Bd. II, Urk. Nr. lOG. Die Universität achrieb am 21. Juni 1581 
(Arch. d. Univ. D, VII a) an den Bischof, dass sie dieses Goncordat genehmigt 
und in zwei Exemplaren habe ausfertigen lassen. Dass aber dasselbe dennoch 
durch entgegenstehende Gewohnheit abrogirfc wurde, s. unten Cap. 2, Anm. 134. 



298 Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1688). 

nemlich bei einem ursprünglich geringfügigen, dann aber gefährlich 
anschwellenden Conflicte ein Student (ein Herr von Viereckh) einen 
Bürger (den Bäcker Beizner) erstochen, und die Universität den Thäter 
aus dem magistratischen Gefängnisse in das ihrige verbracht und an 
den Herzog Bericht erstattet ^^'j; da aber in Folge adeliger Fürbitte 
der Herzog befahl, dass der Angeschuldigte unverzfiglich dem Statt- 
halter auszuliefern sei, remonstrirte die Universität sehr energisch 
gegen diese Verletzung der Privilegien-**^), und als der Herzog an 
Stelle der Todesstrafe über den Thäter eine Geldstrafe von 4000 fl. 
und über einen Mitiichuldigen 1000 fl. verhieng, diese bedeutende 
Gesammtsumme aber für sich beanspruchte^'*'^), suchte der Senat auch 
hierüber sein Becht zu wahren, wornach ihm unstreitig die Straf- 
gelder gebürten-"). Erfolg hatten die Bemühungen der Universität 
nicht, denn der Herzog liess sich die auf 3000 fl. gemilderte Straf- 
summe ausbezahlen***). 

Die immer wiederkehrenden Conflicte der Universität mit dem 
Stadtmagistrate über Steuern und städtische Abgaben verschie- 
dener Art suchte schon jene Commission zu schlichten, welche im 
Dec. 1555 ihre öfter erwähnten Berathungen pflog, und i. J. 1573 
erfolgte eine gegenseitige Verständigung, welche in der Hauptsache 
auf die frilheren Bestimmungen v. J. 1508 f. zurückgriff"^). Da der 
Magistrat darüber klagte, dass ihm die Steuer von jenen Häusern 
entgehe, welche zum Behufe des Jesuiten- Neubaues abgebrochen 
wurden, meinte der Herzog, solches müsse man um der Beligion 
willen ertragen"'). — Die Befreiung vom Pferdezoll, welche die 
Universität für ihre Getraid-Fuhrwerke auf Pfalz-Neuburgischem Bo- 
den genoss, wurde auch auf die Besitzungen der Jesuiten ausgedehnt'*^. 

241) Die babiäch-muthwillige Veranlassung war, dass Studenten einigen 
BQrgern, welche mit sog. Schassem um einen Heller aaf der Oaise spielten, 
dieselben mit den Füssen wpgstiessen. Die sämmtliohen Acten ttber den Criminnl- 
process s. Archiv-Conserv. , Tom II, f. 10—115. Vgl anoh Aroh. d. Univ. D. 
III, Kr. 8, f. G ff. 

212) 8. Bd. II, ürk. Nr. 103. 

243) 8. Bd. II, Urk. Nr. 104. 

244) 8. Bd. II, Urk. Nr. 105. 

24r>) Arcli.-ConserT., Tom. II, f. 115. 

24«) Ebend. Tom. III, f. 54 ff. Arch. d. üniT. D, VIH, Nr. 1, 18. Not, 
i:)73 u. 1. Febr. 1574; Tgl. Zeitr. I, Cap. 12, Anm. 2i) f. Einige Conflicte mit 
dem Magistrate betreffs der Jurisdiction s. Arch. d. üniv, D, III, Nr. 3. 

247) Arch.-Conserv. Tom. IV, f. 231 ff. (9. Oct. 1685 u. 16. Febr. 1B89). 

248) S. Bd. II, Urk. Nr. 73. 



Zeitr. 11, Cap. 1 (1560—1588). 299 

Betreffs der Victualien und der dahin einschlägigen Gewerbe 
wurde i. J. 1551 die herzogliche Verordnung vom J. 1544 erneuert, 
und der gleiche Gegenstand nebst den Wohnungs- Verhältnissen be- 
schäftigte i. J. 1555 die erwähnte Commission*''^); eine Visitation 
und amtliche Taxirung aller Studenten-Wohnungen fand i. J. 1558 
statt-^*), und i. J. 1562 erfolgte wieder eine Instruction, welche der 
Theuerung der Lebensmittel abhelfen sollte*^*). Auf freundschaft- 
licher Vereinbarung zwischen Magistrat und Universität beruhten zwei 
Verordnungen, welchen sowohl die Bürgerschaft als auch die Studi- 
renden unterworfen sein sollten; die eine derselben (1561) betraf 
neben dem Verbote nächtlichen Geschreies u. dgl. hauptsächlich das 
Benehmen bei Hochzeitsfesten, zu welchen überhaupt nie mehr als 
52 Gäste geladen werden sollen , nemlich den nöthigen Anstand beim 
Tanzen und den nun abgestellten Gebrauch, die Jungfrauen von der 
Kirche in das Haus der Hochzeitfeier zu begleiten, sowie die Ent- 
fernung der sich zudrängenden Dienstmägde und Bettlerinen u. s. f. ; 
die andere (1568) hatte die Fastnachts- Belustigungen zum Gegen- 
stande, indem Mummerei nur während des Tages bis Abends 7 Uhr 
erlaubt ist, alle grässlichen Masken aber sowie Verwendung von Har- 
nischen oder Waffen verboten werden '**). 

Ein besonderes Augenmerk wurde stets auf das Gewerbe der 
Buchdrucker gerichtet, welche ohnediess Universitäts-Angehörige 
waren. Schon in jener „Keformation" v. J. 1555 (lateinisch wieder- 
holt i. J. 1562) war angeordnet worden, dass der Buchdrucker Weis- 
senhorn schlechterdings Nichts drucken darf, was nicht vom einschlä- 
gigen Facultats-Decane und ausserdem noch vom Decane der Theolo- 
gen approbirt ist, sowie dass er das Verzeichniss aller aus Frankfurt 
bezogenen Bucher diesen genannten Censoren vorlegen muss^**), und 
die Instruction des Superintendenten Staphylus (1564) schärft nach- 
drücklich ein, dass der Decan auch alle orationes, dedamationes u. 
dgl. seiner Facultät vor dem Drucke zu censiren hat"*); eine ähn- 



249) S. Zeitr. I, Cap. 13, Anm. 180 (die wiederholte Abschrift Archiv d. 
Univ. D, III, Nr. 5, f. 255 u. D, VIII, Nr. 4). Arch -Conserv. Tora. III, f. 54flf. 

250) Arch. d. Univ. D, VIII, Nr. 1, 1557 u. 1568. Mederer, Annal. Bd. I, 
8. 253 f. 

251) Arch. d. Univ. B, VI, 18, Apr. 1562. 

252) Ebend. D, XIII, Nr. 1, Anf. 15()4 u, 1568 und D, VIII, Kr. 1, 10, 
Febr. 1565, sowie eine Erneuerung ebend. Nr. 4, 1582. 

253) 8. Bd. II, Urk. Nr. 71 am Schluss, Hieaisu up^en Anin. 269, 

254) S. Bd. II, Urk. Nr. 80, 



/. 



300 Zeitr. U, Cap. 1 (1550-1588). 

liehe Bestimmung aus d. J. 1565 s. oben Anm. 139. Zur Erleich- 
terung der ControUe wurde i. J. 1579 angeordnet, dass die Einfahr 
auswärtiger Bücher nur zweimal des Jahres während zweier Wochen 
stattfinden dürfe ^'^'^). Es wurde aber nicht bloss stete Aufsicht (be- 
sonders über das Geschäft der Wittwe Weissenhorn) geübt, sondern 
es galt auch der Verband dieses Gewerbes mit der Universität als 
so innig, dass der neu etablirte Buchdrucker David Schneider (Firma 
Sartorius) um eine feste Besoldung oder wenigstens um Capitalnnter- 
Stützung bitten konnte ^'^), und die Universität gerieth später (1586) 
auch wirklich in die Gefahr, beim Buchdrucker Eder ein auf her- 
zoglichen Befehl gegebenes Darlehen von 200 fl. einzubüssen "^. 

Was die V e r m ö g e n s - Verhältnisse und das Rechnungs- 
wesen der Universität betrifft, ist in dieser Periode wenig Erfreu- 
liches zu berichten. Schon die öfter erwähnte Commission fand gegen 
Ende 1555 in den Rechnungen des Kastners zu Aichach und des 
Georgianums grosse Unordnung, während bei dem Universitäts-Gamerer 
Professor Peurle Alles in bestem Stande war; doch wurde im All- 
gemeinen auf die Unfügsamkeit der giltpflichtigen Unterthanen der 
Universität hingewiesen und die Frage angeregt, ob nicht besser der 
Herzog alle zinspflichtigen Grundstücke an sich nehmen solle, um von 
sich aus die Erträgnisse derselben an die Universität zu bezahlen; 
jedenfalls aber seien alle Güter im nächsten Frühjahre zu bereiten, 
auch habe sich der städtische Ueberreiter geneigt gezeigt, gegen ein 
kleines Honorar die Beitreibung der Zehenden, auch Pfändung u. dgL 
zu übernehmen **^). Herzog Albrecht hatte zwar den schlimmen Ver- 
stoss seines Vaters (s. oben S. 184 if.) wieder gut gemacht, indem er 
am 25. Febr. 1558 als Verzinsung der 47,000 fl., welche der Eleriker- 
Zehent eingetragen, 2350 fl. (nemlich 800 fl. auf das Kastenamt 
Aichach, 1000 fl. auf das Zollamt Ingolstadt und 550 fl. auf den 
sog. Grosszoll zu München) verschrieb; später aber (157G) übertrug er 
die letzteren zwei Posten an die Jesuiten, so dass der Universität nur 



255) Arch. d. Univ., D, III, Nr. 7, f. 257. 

25()j Ebend. Z, i. Mai 1572; D, III, Nr. 7, f. 264, Staats-Biblioth. Cod. 
Bavar. 8018, f. 45 t. Päpstlicho Druck-Privilegien für Sartorius s. Arch-CoiuerT. 
Tom. III, f. 281 ff. 

257) Arch.-Consery. Tom. IV, f. 209. Edcr war schon seit d. J. 1580 Ter- 
schuldet, B. Arch. d. Univ. D, III, Nr. 8, f. 14 f. . u. 195 y. YgL Cap. 2, 
Anm. 146. 

25b) Arch.-Consorv. Tom. III, f. 54 ff. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 301 

die von Aichach zu beziehenden jährlichen 800 fl. verblieben *^^). 
Aus dem J. 15G1 haben wir die Notiz, dass die Ausgaben der Uni- 
versität auf Besoldungen 2400-2600 fl. betrugen*^). Als i. J. 1570 
Peujrle gestorben war, wurde Wolfg. Zettel Camerer, welcher aber, 
um dieCassa nothdilrftig zu füllen, sich genöthigt sah, 500 fl. aufzu- 
nehmen, und zugleich auf die Nothwendigkeit des Verkaufes meh- 
rerer Güter und besonders schlagbarer Wälder hinwies *'*M. Nach 
Zettel's Tod (1576) erhielt Caspar Lagus das Amt des Camerer's**^'), 
durch welchen eine schlimme Wirthschaft einzureissen begann. Schon 
der herzogliche Kecess v. J. 1577 musste tadeln, dass die Universi- 
tät schlechterdings keinen Baarfond besitze und 1000 fl. Capital ver- 
schleudert worden seien, dass die Professoren willkürlich und eigen- 
mächtig mit dem Universitäts-Vermögen schalten, dass üilten förm- 
lich verschenkt werden und Bau -Aufwand für Dinge gemacht wird, 
welche lediglich Sache der Facultäts-Cassen wären; man müsse so- 
nach in Zukunft den Camerer i^ersöulich haftbar machen*''**). Ein 
Finanz -Bericht des Lagus selbst (i. J. 1585) gesteht ein, dass, ob- 
wohl der Herzog um d. J. 1570 mit 500 fl. nachgeholfen und i. J. 
1576 ein Capital von 1200 fl. flüssig gemacht worden, dennoch 
die Einnahmen von den Ausgaben überstiegen werden; allerdings 
stehe der Preis des Getraides jetzt höher, auch habe man Waldungen 
verkauft und in etlichen Jahren bei 2500 fl. Strafgelder eingenom- 
men, aber wenn nicht solche Quellen geflossen wären, hätte man 
überhaupt nie die Ausgaben bestreiten können**^"*). Zudem waren die 
Zuschüsse, welche von den Pfarreien Parr und Zuchering geleistet 
werden sollten, theils ausgeblieben theils wegen Baulast-Pflicht der 
Universität streitig *'^^). Anfangs Aug. 1585 kam es zum Bruch und 
Lagus wurde als Camerer und als Professor abgesetzt, worauf i. J. 
1586 Stevart ohne Hehl auch die übrigen Missstände aufdeckte; der 
Kastner von Aichach starb noch rechtzeitig, jener aber des Georgia- 
nums (Joh. Chrysost. Simon) wurde verhaftet, die Habe des Lagus 
sowie jene des Cassaführers der philosophischen Facultät Scherel 



259) S. Bd. II, Urk. Nr. 118. 

200) 8. Bd. II, Urk. Nr. ?(>. 

2G1) Arcli. d. Univ. E, I, Nr. 2, 28. Apr. 1570. 

2t;2j Ebend. D, III, Nr. 7, f. 2öü v. Me derer, Annal. Bd. II, S. 32. 

263J S. Bd. II, Urk. Nr. 101. 

204) S. Bd. II, Urk. Nr. 110. 

2(;r)) Archiv-Conserr. Tom. III, f. 1 — 7 u. 9 v. und Tom. IV, f. 43. 



302 ^®i^^ II' C*^P- ^ (1550—1588). 

r 

('s. unten Anm. 374) und des Regens des Georgianums Turnerus mit 
Beschlag belegt; für Aichach und für das Georgianum wurden neue 
Kästner bestellt (der letztere mit einer Caution von 2000 fl.)« und 
zum üniversitäts-Camerer Veit Schober ernannt, welcher für jährlich 
50 fl. zugleich auch das Kastenamt der Universität zu übernehmen 
hatte und den Auftrag erhielt, die Rechnungen möglichst bald ins 
Keine zu stellen; der ehemalige Kastner des Georgianums Simon 
wurde (1586) auf Fürbitte der Universität begnadigt, der abgesetzte 
Lagus aber war noch i. J. 1588 mit einigen Rechnungs-Nachweisen 
im Rückstande -^'*^). Bei Schober'» besserer Ordnung zeigte sich noch 
i. J. 1580, dass die Einnahmen der Universität auf 3500 fl. an- 
geschlagen werden konnten, während für Besoldungen 2280 fl. aus- 
zugeben waren *'^"). 

Wenden wir uns nun zu jenen Ereignissen, Verhältnissen und 
Personalien, welche zur Geschichte der einzelnen Facultäten während 
dieser Periode dienen, so beginnen wir in üblicher Weise mit der 
theologischen Facultät. Für dieselbe wird in der ,. Refor- 
mation'' von 1555 eine Erweiterung sowie eine Statuten-Reglung in 
Aussicht gestellt (dieses Versprechen irst in der lateinischen Publi- 
calion v. 1562 weggelassen), im Uebrigen aber nur der eine und 
andere Wunsch ausgesprochen; es solle nemlich vor Allem auf nn- 
ärgerliches priesterliches Leben gesehen werden, auch sei es rathsam, 
dass die Candidaten öfters lateinische Anreden und zuweilen auch in 
der Pfarrkirche deutsche Predigten halten; die zu Seelsorge und 
pfarramtlichen Verrichtungen tauglichen Candidaten sollen, auch wenn 
sie noch nicht promovirt haben, der Regierung zur Anstellung nam- 
haft gemacht werden; endlich möge die Facultät versuchen, ob sie 
nicht die lange Dauer des theologischen Studiums etwas abkürzen 
und jedenfalls die Promovenden durch Dispensation hierin erleichteni 
könne '^). Aus dem J. 1565 und den nächstfolgenden Jahren finden 
wir einige Facultäts-Beschlüsse , nemlich: Bedingung der Zulassung 
zum Baccalaureat ist in der Regel fünQähriger Besuch der Vor- 



200) Ebend. Tom. IV, f. 41, 45, ^»\ 215; Staats-Biblioth. Cod. Bavar. 2205« 
Vol. I, f. 1:8 und 3f»18, f. « ; Archiv d. Univ. B, IV, 18. Aug., 22. Sept. a 20. 
Oct. irj80; D, III, Nr. ^, f. 200 v. Medercr, Annal. Bd. II, S. 106; hiezn f. 
Bd. II, ürk. Nr. 112. 

2(;7) S. Bd. II, ürk. Nr. 110 am Schluss. 

2(>b) S. Bd. II, Urk. Nr. 71. Die Bestimmung in der luteini-clien Redactioi 
Y. ir>ri2 (b. Mederer, Cod. dipl. S. '^U), demi an den Lese-Tagen stets je sir«i 
theologiaclie Vorlesungen zu halten seien, verstand äich eigentlich von selbst. 



Zeitr. II, Cap. l (1550—1688). 303 

lesungen, und mit Dispensation darf unter keinen Umständen unter 
ein dreijähriges Studium herabgegangen werden, für die festgesetzte 
Zeit zwischen Baccalaureat und Licentia ist überhaupt keine Dispense 
zulässig. Der Besuch der Vorlesungen muss entweder durch ein 
Zeugniss aller Professoren oder durch eidliche Aussage zweier Mit- 
schüler erwiesen sein. Aus den Facultäts-Zeugnissen über Zulassung 
zum Baccalaureat muss ersichtlich sein, ob die Facultät dabei ein- 
stimmig gewesen sei. Die Censur deutscher Druckschriften wird von 
Theander und Eisengrein, jene der lateinischen von den Jesuiten be- 
sorgt; die Bücher-Visitation bei den Buchhändlern nimmt der Decan 
mit einem der zwei Stadtpfarrer vor*^®). Jährlich muss ein Seelen- 
Gottesdienst für Joh. Eck gehalten werden (diess wurde i. J. 1586 
abgeschafft). Heber die Facultäts-Cassa ist jährlich Rechenschaft 
abzulegen*'^). Wohl sicher der nemlichen Zeit gehört eine Keglung 
der Promotionsgebüren an, wornach bei der Zulassung 18 fl. für 
Facultät und Professoren und ausserdem für jeden Professor 1 Pfd. 
Zucker zu entrichten sind; bei den vesperiae muss ein Frühstück 
(Zuckerwerk und süsser Wein) geliefert werden; bei der Promotion 
bekommt jeder Professor der Facultät ein Baret und Handschuhe 
(letztere gebüren auch allen übrigen anwesenden Professoren und 
Gästen), ferner sind wenigstens 12 Fackeln zum Gottesdienste anzu- 
schaffen; eingeladen müssen werden sämmtliche Professoren, einige 
herzogliche und einige Magi.strats-Käthe , auch einige Jesuiten und 
Franziscaner ; ausser den Druckkosten der Dissertation hat der Kan- 
didat auch das Honorar für den Notar, Pedell, Messner und Kirchen- 
diener zu bezahlen*"). Aus dem gedruckten Verzeichnisse sämmt- 
licher Vorlesungen v. J. 1571 *'*) ersehen wir, dass der theologische 
Unterricht in zwei Gruppen getheilt war, nemlich Bibel und sog. 
„gymnastische Theologie" ; erstere war von zwei Professoren ver- 
treten, deren der eine über einzelne Theile des alten Testamentes las 



269) S. oben Anm. 253. 

270) S. Bd. II. Urk. Nr. 8:>. 

271) Arch. d. Univ. K, I, Nr. 1, 1.5t>.5. Aus der.-elben Zeit sind uns ein 
paar Promotions-Reden und auch sog. „principia'* (s. Zeitr. I, Cap. <>, Anm. 7) 
erhalten, g. ebend. K, I, Nr. 1, 1554 u. Mitte seo. 10. 

272) Unter dem Titel: Ordo studiorum et lectionum inquatuor facultaiibus 
apud celeherrimam (icademiaimingolstadiensem authoritate et decreto Serenissimi 
ac illustrissimi principis ac domini domini Alberti comitis palatini Eheni ac 
utriusque Bavariae ducis etc. renovatus et publice propositus sub initium huius 
anni 71 Ingoist, ex officina Weissenhorniana. 1571. 



304 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

und für jene Zuhörer, welche das Studium rascher zu absolviren ge- 
nöthigt waren, einen kurzen Ueberblick der ganzen Theologie voraus- 
schickte, während der andere die Schriften des neuen Testamentes 
behandelte und an einzelne Textstellen auch die dogmatischen Contro- 
versen knüpfte; die gymnastische Theologie, d. h. Erklärung der 
scholastischen Autoren, war dreien Profcijsoren ( — darunter die zwei 
Jesuiten der Facultät — ) übertragen, deren zwei sich in die Summa 
des Thomas v. Aquino theilten, während der dritte das 3. Buch des 
Petrus Lombardus vornahm; Einer der fünf Professoren erklärte an 
Sonntagen und Vacanz- Tagen privatim die hauptsächlichsten Sätze 
des Kirchenrechtes; Disputationen und Kepetitionen fanden täglich 
statt, und in lateinischen und deutschen Vorträgen und Predigten 
mussten sich die Candidaten häufig üben. In einem uns erhaltenen 
Lehrplan der Facultät v. J. 1575 ist die Bibel nur von Einem 
Lehrer vertreten, dessen Vorlesungen unter Abwechslung des alten 
und des neuen Testamentes für den ganzen achtjährigen theologischen 
Curs ausgetheilt sind, während die scholastische Theologie in gleicher 
Zeitdauer sich nunmehr unter Weglassung des Sententiarius aus- 
schliesslichst um Thomas dreht, dessen Summa unter drei Profes- 
soren (worunter die zwei Jesuiten) Monat für Monat vertheilt ist*'*'). 
Die Facultät wurde vom Herzoge einmal (1565) zu einem Gutachten 
über Erhaltung der wahren Religion und ein andermal (1571) zu 
einer Kritik über eine in Wien gedruckte lutherische Eirchen-Agende 
aufgefordert*'*), und i. J. 1577, als der Landtag in Ingolstadt ver- 
sammelt war, meinte Eisengrein, die Theologen könnten wohl öffent- 
liche Disputationen (z. B. über das Abendmahl in beiden Gestalten 
u. dgl.) halten, wozu die Landtags-Mitglieder einzuladen wären*'*). 

Dass in die verwaiste theologische Facultät (s. Zeitr. I, Cap. 13, 
Anm. 188) in den Jahren 1549 bis 1552 die Jesuiten Ja jus, Sal- 
meron, Canisius und Gaudanus mit einer mehr oder minder 
andauernden Lehrthätigkeit eingetreten waren, wurde bereits oben 
erzählt*'*'). Nach dem Weggange dieser Jesuiten wurde i. J. 1553 
Michael Wagner als Ordinarius aufgenommen, welcher jedoch 



273) S. Bd. II, ürk. Nr. 97. 

274) Med er er, Annal. Bd. I, S. 297 u. 329. 

275) Staats-Biblioth. Cod. Bavar. 3018, f. 44 y. Allerdings tagten die Land- 
stände in der von der Uniyersitftt i. J. 1505 erbauten sog. stuha potatoria^ 8. 
Me derer, ebend. S. 29G f.) 

276) 8. Anm. 3—8. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1688). 305 

wenig wünschenswerthe Eigenschaften besessen zu haben scheint*'^. 
Im J. 1554 aber holte Georg Theander, welcher im verflossenen 
Jahre bereits zum Vicecanzler ernannt worden war (s. oben Anm. 234), 
seine theologische Promotion nach und trat zugleich sofort als Pro- 
fessor in die Facultät ein"^); gewiss nicht mit Unrecht wurde schon 
im folgenden Jahre seine Besoldung von 80 auf 100 fl. erhöht, denn 
er war ein kenntnissreicher Lehrer und gewandt in Geschäften; darum 
wendete sich auch die Universität, als er i. J. 1562 in bischöfliche 
Dienste übertreten wollte, wiederholt an den Herzog mit dem Be- 
richte, es sei ohne ihn die theologische Facultät kaum aufrecht zu 
halten, zumal es den Jesuiten doch beschwerlich sein dürfte, die 
ganze Facultät allein zu versehen; es möge daher Theander's Bitte 
um Bezahlung seiner Besoldungs-Kückstände und um neue Gehalts- 
Vermehrung von 100 fl. gewährt werden; der Herzog gieng hierauf 
ein, und der Bischof konnte nur bedauern, den Theander nicht ge- 
woimen zu haben '^'•*). Erst durch den Tod (1570) endete Theander's 
Thätigkeit an der Universität. Gleichzeitig mit Theander begann 
(1554) auch Joachim Zasius, ein Sohn des berühmten Ulrich 
Zasius, zu dociren; derselbe aber gab in religiöser und sonstiger 
Beziehung mancherlei Anstoss und gieng bald in Folge eines Zerwürf- 
nisses nach Basel ab'^'^). Wahrscheinlich als Ersatz desselben dürfte 
umd. J. 1556 Osw. Fischer genannt Arnsperger in die Facultät 
eingetreten sein, welcher schon seit längerer Zeit als Frauenpfarrer 
und Regens des (ieorgianums in Ingolstadt gewirkt hatte, auch bereits 



277) Archiv d. Univ. D, HI, Nr. 7, f. 199 v.; ein Jahr spSter erhielt Mich. 
Wijgner auf Widerruf 100 fl., woferne er nemlich floissig sei un<J einen guten 
Wandel führe (ebend, E, I, Nr. 2, 20. Apr. 15ö4); eine Ohrfeige, welche er 
(15r)5) seinem Collegen Theander reichte, wurde amicabiliter beigelegt (ebend. 
1). III, Nr. 7, f. 202 v.); die Herathungs-Commiäsion v. J. 1555 bezeichnete ihn 
kurzweg als vorsoflfen (Arch.-Conserv., Tom. III, f. 54 fiF.); er ist es auch sicher, 
auf welchen sich die Anspielung, Arch. d Univ. E, I, Nr. 2, 8. Oct. 1561, be- 
treffs schandlichen Lebens bezieht. 

27ö) S. Bd. II, Biogr. Nr. 50. 

279) Arch. d. Univ. K, I, Nr. 1 , 21. Febr., 23. März, 5. Juli, 12. Juli 
15G2 u. Anf. Aug. u. 13. Aug. 1503. Staats-Biblioth. Cod. ßavar. 8018, f. 36 
(11. März 1562). Arch.-Conserv. a. a. 0. 

260) Der Cominissions-Bericht von 1555 wirft ihm Faulheit, ärgerlichen 
Umgang mit Wcibsleuten und lutherisch gefärbte Predigten vor, daher seine 
förmliche Aufnalime in die Facultät nicht wünschenswerth sei und er seinem 
Vorhabon gemäss nur abziehen möge (Arch«-Con8erv. a. a. 0.). Später gieng 
er nach Freiburg, wo er starb (Medereri i I, S. 237). 

P r a n 1 1 , Ge&chiohte der Universiat NfiiQ&ta ^ 20 



306 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

i. J. 1546 Yicecanzler geworden war; seine Lehrthätigkeit dflrfte bis 
z. J. 1507 gedauert haben ^^^). 

Bei der zweiten Ankunft der Jesuiten im Sommer 1556 erhielten 
Theander und Wagner zwei Ordens-Mitglieder als Gollegen, nemlich 
die schon oben (Anm. 23) erwähnten Jesuiten Convillon und Thy- 
räus, und von nun an verliess der Orden bis zu seiner Aufhebung 
nie mehr die Facultät, in welcher er bald die HäUte bald die Mehr- 
zahl der ordentlichen Professoren aus seiner Mitte stellte. Als Thy- 
räus i. J. 1559 abgieng, trat Alphons Pisanus an seine Stelle*^*), 
und dessen Nachfolger wurde i. J. 1567 Hieronymus Torrensis, 
welcher bis z. J. 1575 in Ingolstadt blieb *®^); und gleichzeitig mit 
diesen genannten wirkte, nachdem Couvillon i. J. 1562 zum Tridentiner 
Concil abgegangen war, zunächst der schon oben (Anm. 24) erwähnte 
Peltanus, welcher in diesem Jahre als erster Jesuit die Ingolst&dter 
theologische Doctorwürde erhielt und zugleich vom Pädagogium an die 
theologische Facultät übertrat, wo er bis z. J. 1572 lehrte'^); an 
seine Stelle kam Julius Priscianensis*^*). Und da auch letzterer 
i. J. 1575 eine andere Verwendung fand, hatte der Orden fOr ihn 
und Torrensis gleichzeitig zwei Stellen zu besetzen; die eine der- 
selben (zum Ersatz des Torrensis) bekam Gregorius de Yalentia, 
ein gewandter und in kirchen-politischen Fragen sehr rühriger Jesuit, 
welcher mit einigen Unterbrechungen, für welche z. B. i. J. 1584 
Paulus Yizanus aus der philosophischen Facultät eintrat, bis z. J. 
151)8 docirte ****') , und an Stelle des Priscianensis trat Lucas Pi- 
n eil US, welcher nur bis 1577 blieb *^'); diesen ersetzte auf zwei 
Jahre der Engländer Christoph Parching*®®), so dass i. J. 1579 
der geöffnete Taubenschlag den OttoEisenreich aufnehmen konnte, 
welcher i. J. 1582 an das Münchner Collegium als Bector beordert 
wurde ^-^); an seine Stelle trat aus der philosophischen Facultät 
Mathias Mayrhofer in die theologische über, welcher bis z. J. 
1590 in Ingolstadt verwendet wurde **^). 

2>^l) S. Bd. II, IJiogr. Nr. 51. 

2:^J) S. Bd. II, Biogr. Nr. 52. 

2S'^) S. Bd. II, Biogr. Nr. 53. 

Ü84) Med er er, Annal. Bd. I, 8. 273. 

285) S. Bd. II, Biogr. Nr. 54. 

•J8<;) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 55. 

2S7) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 5<;. 

2«.H) Mederer, a. a. 0. Bd. II, 8. 33. 

280) Ebcnd. 8. 02 u. 79. 

290J 8. Bd. II, Biogr. Nr. 57. 



Ja 



Zeitr. II, Cnp. 1 (1B60-1588). 807 

Neben dieser mehr zahlreichen als inhaltsreichen Reihe von Je- 
suiten, welche in einer Zeit von 30 Jahren bei Doppelbesetzung 12 
Nummern aufweist, wirkte als weltgeistlicher Lehrer der Theologie 
zunächst dei? Convertit Rudolph Clenck, welcher bald nach seiner 
Baccalaureats-Promotion i. J. 1562 gelegentlich einer Disputation 
Missverständnisse veranlasste, deren Beilegung der Herzog bewirkte*^') ; 
von der Stellung, welche er (1564) am neu errichteten Eichstädter 
Collegium gefunden hatte, zurückgekehrt, trat er (wohl an Fischer's 
Stelle) i. J. 1570 als Ordinarius in die Facultät ein und erhielt, da 
er zugleich Regens des Georgianums (anstatt Kripper's) geworden, 
die gewünschte Zulage von 200 fl.*^''); er übernahm die Vorlesungen 
der „positiven Theologie'' (d. h. Dograatik) und bald hernach auch 
jene über casus conscientiae ; im Jan. 1577 aber folgte er einem 
Rufe des Herzoges Erich nach Braunschweig "\). An Theander's 
Stelle kam i. J. 1570 von der philosophischen Facultät lier (s. unten 
Anm. 413) Albert Hunger, welcher, wie oben erwähnt, von 1578 
bis 1585 auch das Amt eines Inspectors der Universität führte und 
die während dieser Zeit etwas verringerte Lehrthätigkeit noch nach 
Kräften bis z. J. 1599 ausübte, in welchem er in Ruhestand trat"-^"*). 
Bei Clenck's Abgang übernahm (1577) Bartholomeus Vischer 
neben der Stelle eines Regens des (Jeorgianums aucli die Professur 
der casus conscientiae, gieng aber i. J. 1584 als Generalvicar nach 
Regensburg ab^^"). Den Lehrstuhl der Bibel-Exegese erhielt i. J. 
1578 der Convertit Caspar Frank h, welcher durch eine reiche lit- 
terarische Thätigkeit sich hervorthat und als angesehener Lehrer bis 
zu seinem Tode (1584) äusserst anregend wirkte ^^'). Wie lange und 
in welcher Weise das gleiche Fach der vom Herzoge wiederholt drin- 
gend empfohlene Franziscaner Gottfried Fabricius (1581) ver- 



ein) Arch. {]. Tniv. E, I, Nr. 2, 21. Aug. 1502. Die Jesuiten waren gegen 
Clenck feindselig gesinnt, und es verdächtigte ihn der Ordens-Provincial Laynez 
in einem eigenen Schreiben an den Herzog (15G3), worin die Bitte enthalten 
war, die Doctor-Proraotion desselben , welche von den weltgeistlichen Profes- 
f-oren der theologischen Facultät beabsichtigt werde, zu verhindern, s. lleichs- 
Archiv, Jesuitioa, Ingoist. Fase. 73, Nr. 1.S7I, 1. Mai 15tJ3. 

292) Staats-Biblioth. Cod. Bavar. 2205a, Vol. I, f. fi? v. und 3)18, f. 25 v. 

2i)3) S. Bd. II, Biogr. Nr. 58. 

204) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 237 (11. Febr. 1570). S. Bd. II, 
Biogr. Nr. 59. 

295) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 60. 

290) S. Bd. II, Biogr. Nr. (>1. 

20* 



308 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1688). 

treten habe, wissen wir nicht ^®^. Jedenfalls waren i. J. 1584 die 
zwei Stellen Vischer's und Frankh's zu besetzen, und des ersteren 
Vorlesung übernahm um 200 fl. der Engländer Robert Turner, 
welcher seit 1582 an der philosophischen Facultät docirt hatte (s. un- 
ten Anm. 445) ; seine Lehrthätigkeit aber dauerte nur bis 1586, und 
i. J. 1587 schied er ganz von der Universität aus**^); statt seiner 
wurden die casus conscientiae dem Lorenz Eiszepf übertragen, 
welcher i. J. 1590 als Suifragan nach Eichstädt gieng"*). Die Pro- 
fessur Frankh's aber erhielt (1584) Peter Stevart, dessen lang- 
dauernde und bedeutende Thätigkeit überwiegend der folgenden Periode 
angehöii;. 

Die juristische Facultät, welche der Regierung unleugbar 
wegen des auswärtigen Rufes der Universität immer sehr am Herzen 
lag, aber auch zu häufigen Klagen Veranlassung gab, erhielt in der 
sog. Reformation von 1555 nur den Auftrag, in den Vorlesungen 
weder zu schnell noch zu langsam zu sprechen, insbesondere aber das 
Dictiren abzustellen oder anderweitig zu ersetzen (vgl. ob. Anm. 215 
u. unten Anm. 314), ferner den Studirenden nach der Lehrstnnde 
Gelegenheit zur Lösung ihrer Zweifel oder Einwände zu geben, und 
überhaupt die Vorlesungen nie durch juristische Privat-Praxis zu be- 
einträchtigen '"") : in der lateinischen Wiederholung jener Anordnungen 
(1562) wird beigefügt, dass die sonst üblichen Exercitien und Dis- 
putationen vor Allem in der juristischen Facultät, ^,quac niaxtmc 
languet'^ , zu halten seien '^^*). Ein anonymes Promemoria aus d. J. 
1563, welches auch von den Ursachen der Abnahme des Fremdeu- 
besuches spricht (s. ob. Anm. 191), meint, es könne die juristische 
Facultät gehoben werden, wenn nicht bloss überhaupt die Statuten 
besser eingehalten würden, sondern auch die Vorlesung über Insti- 
tutionen dadurch eine bessere Methode fände, dass man dieselben 
binnen Jahresfrist textiuUiter und cum apparaiu (jlossarum erledige, 
ritatt immer die längste Zeit an Albernheiten kleben zu bleiben ^°*). 



2\)1) Archiv-Conserv. Tom. III, f. 2ül ff. (10. Mai i:»80 u. 29. Mai 15Ö1) 
und Tom. IV, f. 171 (21. Juni 1581); Arch. d. Univ. D, III, Nr. 8, f. 30 y. 
Nur Erbauliches über ihn b. Mederer, Ann., Dd. II, S. 73 ff. 

298) S. Bd. II, «iogr. Nr. r,2. 

2*M») Arch. d. Univ. D, III, Nr. S, f. 152 (:50. .luni 1587); Mederer, Annal. 
Bd. II, S. 107 f. u. 122. 

300) S. Bd. II, Urk. Nr. 71. 

301) Mederer, Cod. dipl., S. 2*M>. 

302) Archiv d. üniT. T, Vol. I, f. 2. 






Zeitr. n, Cap. 1 (1550-1588). 309 

Der gedruckte Lections-Catalog v. 1571 zeigt^^'') bezüglich dieser 
Facultät unverkennbar das Bestreben, möglichst viele Studenten anzu- 
locken, daher auch mit Nachdruck die Bemerkung vorausgeschickt 
wird, dass der Plan der Vorlesungen genau ebenso wie an den italieni- 
schen Universitäten eingerichtet sei und sonach jene Studirenden, 
welche aus Italien kommen oder zeitweilig dorthin gehen, in ihrem 
üblichen Cursus durchaus nicht gestört werden (vgl. Cap. 2, Anm. 
208). Als erste Vorlesung ist jene über die Decretalen (im Sommer 
um 8, im Winter um 9 Uhr) bezeichnet, in welcher hauptsächlich 
die praktischen Materien behandelt werden sollen (die Dauer der 
Jahre ist hiebei nicht angegeben); dann folgt Codex (i. S. um 6, 
i. W. um 7 Uhr), dessen wichtigere Abschnitte der Professor im 
Laufe von 4 Jahren erledigen wird; sodann Digesten (um 2 Uhr), 
welche auf 8 Jahre vertheilt sind; Institutionen werden von 2 Pro- 
fessoren gelesen, deren einer (Mittags um 12 Uhr) mit Erklärung 
und Controvertii-ung der wichtigeren Titel in 2 Jahren zu Ende 
kommt, während der andere (um 4 Uhr) die blosse Lesung des Tex- 
tes in kürzerer Zeit erledigt; letzterer Docent verfährt (in einer 
Morgenstunde) in gleicher Weise textualiter mit dem Codex. Dabei 
wird noch hervorgehoben, dass in den drei Haupt- Vorlesungen nur 
die schönsten und schwierigsten Materien, und zwar derartig behan- 
delt werden, dass auch die Mittelmässigen mitfolgen können und für 
das Uebrige sich selbst zu helfen lernen; Einwände der Studirenden 
würden nach den Lehrstunden mit Vergnügen entgegengenommen, 
auch fehle es nicht an Exercitien, und es sei üblich, alle zwei Monate 
Disputationen zu halten, welche den ganzen Tag hindurch dauern. 
Um den Kuf der Facultät nach Aussen zu erhöhen, wurde dieselbe 
vom Herzoge i. J. 1576 als Schöppenstuhl eingerichtet^; auch 
fehlte es seitens der Regierung nicht an Bemühungen, die juristi- 
schen Lehrstühle mit hervorragenden Persönlichkeiten zu besetzen, 
und es gereicht ihr zur Ehre, dass sie einmal bei einer eingetretenen 
Erledigung (1579) an die Berufung des Joh.Ramns und selbst des Cu- 
jacius dachte, was nur an dem Geldpuncte scheiterte •^^•^). Hingegen 
scheint es in der That bei vielen Professoren an Fleiss und Eifer 



303) S. ob. Anm. 272. 

304) Acten dieses Schöppenstuhles im Arch. d, Univ. L, 1576 ff. 

305) Archiv-Conserv., Fase. 7, Nr. 5 b, 3, Febr. 1579 (ein Brief dos damals 
am Reichrfkammergericht in Speier angestellten Ossanäus an den herzoglichen 
Canzler Elsenhaimer). S. unten Anm. 328. 



310 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1688). 

sehr fühlbar gefehlt zu haben, denn neben den wiederholten allge- 
meinen Ernialmungen musste der Herzog öfters hierin noch im Be- 
sondern die Juristen-Facultlit ins Auge fassen. Ein Becess v. J. 
1582 dringt darauf, dass die sog. Consistorien (d. h. Uöbungen der 
Studirenden in Rechts-Entscheidung praktischer Fälle) fleissig gehalten 
und die hierauf bezuglichen Arbeiten nicht immer nur Einem auf- 
geladen, sondern unter die Facultäts-Mitglieder derartig vertheilt 
werden, dass hierüber kein Versäuraniss der Vorlesung eintrete; auch 
solle die Facultät, um die älteren Studenten etwas im Zaume haiton 
zu können, in dem von der Regierung angekauften Hause an der 
Schutter einen jüngeren Doctor oder allenfalls auch Magister nnter- 
l)ringen, welcher die Studirenden zu beaufsichtigen und ihnen liepe- 
titionen u. dgL zu ertheilen habe''"^). Bereits nach zwei Jahren 
aber musste ein abermaliger Recess (1584) darüber klagen, dass 
einige Professoren trotz Verbot aus fremden Orten förmliche Bestal- 
lungen beziehen und über derlei Dienste die Vorlesungen versäumen, 
sowie dass jenes „Exercitium des Consistoriums" , welches der Uni- 
versität so viel Ruhm eingetragen habe, wieder völlig darnieder liege, 
daher von nun an den Professoren für jedes versäumte Consistorium 
so viel wie für 3 Vorlese-Versäumnisse an der Besoldung abgezogen 
werden solle ; auch wird hinzugefügt, dass die Institutionen längstens 
binnen zwei Jahren erledigt werden müssen. Und wiederum wurde 
i. J. 15SG an die Verordnung, dass juristische Docenten auf drei- 
monatliclie Probe aufgenommen werden sollen, eine Einschärfung des 
nöthigen Fleissos und der Wunsch geknüpft, dass man sich bei 
den einzelnen Titeln oder Leges nicht allzu lange aufhalte '*"'). Trotr. 
all solcher Mahnungen stand es so, dass noch in demselben J. 1586 
der Rector an den Herzog berichten musste, ein Consistorium sei 
seit zwei Jaliren nicht mehr gehalten worden und im laufenden Jahre 
liabe in der juristischen Facultät eine einzige öffentliche Disputation 
stattgefunden; ja dieses bestätigend schildert der Camerer Schober 
in seinem gleichzeitigen Berichte ausserdem den ünfleiss vieler Pro- 
fessoren durch die Bemerkung, dass mehrere Studirende gesagt hätten, 
sie wären wirklich begierig, den einen oder anderen Professor einmal 



:iOi;) Arch. (1. Univ., B, IV, Ul Fobr. löSi; dieses Haus an der Sohutter 
aber wurde noch in dem nemliehen Jahre trotz Protest der Fuoultftt den Je- 
suiten übergeben. :*. ob. Anm. 114. 

anV) 8. Bd. II. Urk. Nr. 107 u. Kr. 112. Den aUgemoineren Inhalt beider 
Hcccdso s. üb. Anin. J18 u. 228. 



.jä 



Zeitr. II, Cap. 1 (1560—1588). 311 

ZU Gesicht zu bekommen ^^^). Die Facultät ihrerseits, welche dem 
Herzoge für die Zukunft fleissige Pflege der Consistorien und Dis- 
putationen versprach, stellte die grundsätzliche Bitte, dass bei Erledi- 
gungen ein Vorrücken der Uebrigen stattfinde'*"^), und meinte bezüglich 
einer von der Regierung gewünschten Abminderung der Promotions- 
Kosten, dass eine solche höchstens bei den sog. „to«tt nova^^ (d. h. 
Zuckerwerk und Wein beim Examen) eintreten könne, denn in Ein- 
ladung der übrigen Professoren zum Doctor- Schmause könne man 
nur dann eine Beschränkung eintreten lassen, wenn die anderen Fa- 
cultäten gegenseitig das Gleiche thäten; auch das bald darauf an den 
Herzog gerichtete Gesuch der Facultät um übliche Austheilung der 
Vorlesungen enthält wieder den Hinweis auf die italienischen Uni- 
versitäten, deren Studienplan einzuhalten sei; zugleich aber finden 
wir hier wieder den Anlauf einer Ausscheidung neuer selbstständiger 
Vorlesungen aus dem bisherigen Lehrstoffe; nemlich die Facultät 
schlägt vor, dass im Gebiete des Civil-Rechtes neben dem Codicisten, 
dem Pandektisten und den zwei Institutionisten noch ein fünfter 
(niederster) Docent die Materien des Feudal- und des Criminal-Rechtes 
behandle^*"). Die Antwort des Herzoges (20. Oct. 1580) übertrug 
diese beiden Fächer dem so eben ernannten jüngsten Institutionisten 
(Wilh. Everhard) und fügte wiederholt die Mahnung hinzu, dass man 
mit allem Fleisse die Consilia (Rechts-Entscheidungen), sowie die 
Consistorien und Disputationen halte ^^^). Noch am Schlüsse dieses 
Jahres erliess der Herzog eine Verordnung zur Reglung der Pro- 
motions-Kosten, wornach für den Grad der Licentia, sei es im cano- 
nischen Rechte allein oder im Civil-Rechte allein, 24 fl. zu bezahlen 
sind, für die Licentia in beiden Rechten zusammen 35 fi., für Doc- 
torat in einem der beiden Rechte 30 fl. , für Doctorat in utroque 
50 fl. ; ausserdem bekommen der Notar und der Pedell je 1 H., der 
Procanzler 3 fl. , der Promotor 3 fl., die Stadtpfeifer 4 Rchsthlr. 



308) Arcli.-Con8erv. Tom. III, f. 119 u. Tom. IV, f. 45. 

309) Nach dieser üblichen Auffassung rQckte regelmässig der Vertreter der 
Institutionen zum Pandektisten, dann zum Codicisten und schliesslich zum Cano- 

nisten vor. 

310) Arch. d. Univ. L, 9. Sept. u. 6. Oct. 1586. Bekanntlich bestand da- 
mals die Theorie des Criminal-Rechtes in den sog. libri tetribiles^ d. h. Lib. 
47 u. 48 der Digesten, und auch die Carolina wurde auf solche Weise ursprüng- 
lich vom Pandektisten vorgetragen. Eine Vorlesung „in uffibus feudorum^^ trafen 
wir schon oben Zeitr. I, Cap. 13, Anm. 205, 

311) Arch. d. Univ. B, IV, 20. Oct. u. 1. Nov. 158G. 



312 Zeitr. n, Cap. 1 (1550—1588). 

(d. h. 6 fl.); die ^fiona nova^^ sind abgeschafft, und den Exatnisa- 
toren dürfen zusammen höchstens 6 Mass Wein aufgetragen werden: 
zum Doctor-Schmaus darf der Candidat nur die Professoren seiner 
Facultät und die Decane der übrigen und dazu höchstens 6 Freunde ein- 
laden; aller verschwenderische Luxus ist verboten, und den Frauen 
der Professoren darf von dem Mahle weder Speise noch Trank geschickt 
werden; auch ist die Rechnung des Gastwirthes genau zu control- 
liren^'*). Endlich i. J. 1588 sah sich der Herzog abermals zu einer 
Verordnung genöthigt, womach wenigstens alle zwei Monate ein Con- 
sistorium gehalten werden und für ein Versäumniss obiger Besol- 
dungs-Abzug derartig gesteigert werden soll, dass ein Consistorium 
im Betrage von 4 Vorlesungen angerechnet wird •**-''). 

Juristische Lehrkräfte, welche noch aus der vorigen Periode 
herüberragten, waren zunächst die beiden aus Italien berufenen Ro- 
manisten. Der Bolognese Franciscus Zoanettus hatte als Do- 
cent die Gewohnheit, jedesmal nach der Stunde das mündlich Vorge- 
tragene zu dictiren, — ein Verfahren, welches nach seinem Abgange 
den juristischen Professoren überhaupt vom Herzoge anempfohlen 
wurde (s. ob. Aum. 300) — , und nach seiner ziemlich reichen schrift- 
stellerischen Thätigkeit dürfen wir ihn zu den hervorragenderen Ju- 
risten seiner Zeit zählen und es bedauern, dass er schon i. J. 1564 
Ingolstadt wieder verliess"^). Der Florentiner BarthoL Romu- 
leus'*'^), welcher eine grosse Anzahl civilistischer Monographien ver- 
öffentlichte, hatte offenbar in persönlicher Beziehung unangenehme 
Seiten; der Herzog klagte (Oct. 15G1) bitter über ihn, dass er faul 
und bissig sei, einen schändlichen Lebenswandel führe und durch 
Conventikel Hetzereien unter den Studenten ins Werk setze; ja da 
man auch an der Giltigkeit seiner Doctorwürde zweifelte, wurde er 
von seiner Codex-Professur enthoben; und als im folgenden Jahre 
die Sache sich wieder auszugleichen schien, äusserte auch die Uni- 
versität das Bedenken, dass durch seine Wiederanstellung neue Zwi- 
stigkeiten entständen, da er bereits wieder Conventikel halte und über 
alle Professoren schimpfe; doch schliesslich erklärte (Aug. 1562) der 



312) S. Bd. II, ürk. Nr. 113. Vgl. Cap. 2, Anm. 201 u. 210. Eine nicht 
unintcrressantc Promotions-Redc, welche auf das Gebiet der 80g. juristischen 
Logik eingeht, s. Arch. d. Univ. L, c. 1560. 

313) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 13. März l^>8^s. 
311) S. lid. II, Biogr. Nr. (',3. 

315) S. Bd. II, Biogr. Nr. 04. 




Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 313 

Herzog, der ganze Streit solle aufhören, und wenn Romuleus der Re- 
gierung genehm sei, müsse er auch den Professoren recht sein, der- 
selbe müsse aber in Zukunft ein katholisches Leben (vgl. oben 
Anm. 154) führen und alle Praktiken unterlassen, und vorerst habe 
(M- an Facultäts- Sitzungen und Promotionen noch keinen Theil zu 
nehmen •*^^); er scheint sich in der Folge wirklich entschieden ge- 
l)essert zu haben (— man wählte ihn wiederholt als Rector — ), und 
seine Lehrthätigkeit, für welche er 400 fl. und dazu eine Hofraths- 
Besoldung von 300 fl. bezog, erstreckte sich jedenfalls bisz. J. 1577. 
Neben diesen beiden genannten war von der vorigen Periode her 
(s. Zeitr. I, Cap. 13, Anm. 201) auch der Canonist Nico laus Ever- 
hard Frisius der Aeltere noch lange Zeit thätig, wenn er auch bei 
Iierannahendem Greisenalter sich zuweilen durch seinen jüngeren Sohn 
Georg (s. sogleich unten Anm. 324) ersetzen Hess (er starb i. J. 1570). 
Ohn^^efähr aber zu Anfang gegenwärtiger Periode muss sein ältester 
mit ihm gleichnamiger Sohn Nie. Ev er hard junior bereits in die 
Facultät eingetreten sein, woselbst dieser i. J. 1571 schon zum Lehr- 
stuhle des canonischen Rechtes (sonach zum Senior der Facultät) vor- 
gerückt war; dieser jüngere Nicolaus Everhard ist es, welchem wir 
im Obigen so oft als muthigem Vorkämpfer der Universität gegen 
die Anmassungen der Jesuiten begegneten, und selbst wenn derselbe 
nur wenig anderweitige Leistungen aufzuweisen hätte , worüber uns 
bestimmte Notizen fehlen, so bleibt ihm jedenfalls ein Ehrenplatz 
in der Geschichte der Universität gesichert; nicht ohne Grund 
(s. Anm. 331) vermuthen wir, dass er bis z. J. 1582 in der Facul- 
tät wirkte'**''). 

Wenn wir i. J. 155(5 einen Ordinarius der Institutionen Joh. 
Hpt. Weber treffen, so ist derselbe für uns nur leerer Name^"^). ' 
Im J. 1560 wurde Caspar Lagus trotz Einsprache der beiden 
Everhard, welclie den Menschen offenbar schon damals richtig durch- 
schauten, als Extraordinarius für textuale Institutionen-Vorlesung mit 
50 11. ernannt, und sowie er Anfangs überhaupt in der Gunst des 
Herzoges gestanden zu sein scheint, erhielt er bei Enthebung des 
Komuleus die Codex-Professur desselben und rückte mit 300 fl. als 



r?l<l) Rieben Actenproducto Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 8. u. 14. Oct und 
2f. Dec. 1501, 19., 2t. u. 28. Juli, 21. Aug. 1502. 
317J S. Bd. II, Biogr. Nr. 65. 
318) Medcrer, Annal. Bd. I, S. 244. 



314 Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 

Ordinarius in die Facultät ein**^^); bald aber zeigte er sich als un- 
brauchbar, denn er war in den Vorlesungen ebenso nachlässig wie in 
der Caraer- Verwaltung (s. ob. Anm. 262 ff.), und so wurde er ver- 
dienter Weise endlich i. J. 1585 abgesetzt'**^); nach Bereinigung 
seiner Kechnung wurde *cr auf vieles Bitten , nachdem er ohnediess 
seine Besoldung behalten hatte, als Professor reactivirt und lebte noch 
bis z. J. 1(506'*-*). Nach Abgang des Zoanettus (1564) wurde Ba- 
phael Ninguarda als Extraordinarius für Institutionen angestellt, 
welcher besonders in den Disputationen eine hervorragende Gewandt- 
heit gezeigt haben soll und bis z. J. 1569 in Ingolstadt docirte"*"); 
an seine Stelle kam Joh. Itich. Ossanäus, welcher auch littera- 
risch nicht unthätig war, aber wahrscheinlich schon i. J. 1574 au 
das Keichskaramergericht nach Speier abgieng*^-*). Noch vor dem 
Tode des älteren Everhard (1570) trat dessen jüngerer Sohn Georg 
Everhard, welcher für ihn schon i. J. 1566 Aushilfe geleistet 
hatte, (März 1569 zugleich mit Ossanäus) in die Facultät ein, jedoch 
nicht als Canonist (dieses Fach hatte der ältere Bruder Nicolaus, 
s. Anm. 317), sondern als Pandektist; da er „unerhört nachlässig** 
war, wird er wohl auch bis zu seinem Tode (1585) nicht viel geleistet 
haben •*^^). Nachdem Ossanäus ausgeschieden war, wurde der zu 
Innsbruck in Erzherzog Ferdiuand's Diensten stehende Joh. Gail- 
kirchner im Oct. 1575 aufgenommen^-'); bereits aber nach drei 
Jahren erhielt derselbe einen glänzenden Antrag von Fugger in 
Augsburg, und an seine Stelle schlug Nie. Everhard wiederholt seinen 
Pflegesohn Friedrich Staphylus (Sohn des verstorbenen Superintenden- 
ten) vor, allerdings mit dem Beisätze, dass er dabei nur die Ver- 
dienste des Vaters im Auge habe, da der Mitbewerber Martini an 
sich weitiius tüchtiger sei ■*'"•). Noch während Gailkirchner's An- 

311)) Aroh. d. üniv. K, I, Xr. 2, J. Nov. ir)GO, K u. 12. Oct 1561; und B, 
VI, IH. Apr. 15(>2. 

320) Stautä-Biblioth. Cod. Bavar. 2205 a, Vol. I, f. 28. Bei den Rechts- 
gutachten aber (äog. Con&ilia) sollte er ah Mitarbeiter noch immer beigezogen 
werden, 8. Arch. d. Univ. B. III, 17. März 158Ji. 

321) S. Bd. II, Biogr. Xr. 6<i. 

322) Arch. d. üniv. K, I, Nr. 2, 10. Dec. 1503; Mcderer, Ann. Bd. I, 
S. 29J u. 302. 8. Bd. II, Biogr. Nr. 07. 

323) Mederer, a. a. O. S. 317. S. Ed. II, Biogr. Nr. 08. 

321) Arch. d. Univ. 0, III. Nr. 7, f. 2ls y. (12. März 1569). Staatl- 
hiblioth. Cod. Bavar. 2205 u. Vol. I, f. 30. S. über ihn Bd. II, Biogr. Nr. 69, 
325) Arch. d. Univ. I), III, Nr. ". f- ^'' v. Mederer, Bd. II, S. 27. 
>^>> SUats-Biblioth. Cod. Bavar. 30lö, f, 41 v. u. 42 (13. Oct. n. 1. Nov. 



^ 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 31 5 

Wesenheit war Knab Eckius i. J. 1578 von der philosophischen 
Facultät (s. unten Anm. 442) als Extraordinarius in die juristische 
übergetreten^^'). Unterdessen musste aber auch an Ersatz für Ko- 
inuleus gedacht werden, und die Regierung war in langwieriger Unter- 
handlung mit Joh. Kamus in Löwen, welcher dort eine Besoldung 
von GOO Thlrn. d. h. 900 fl. hatte, sich aber in Ingolstadt mit 
500 coronati, d. h. 750 fl. begnügen wollte, während man ihm in 
Anbetracht des wohlfeilen Lebens nur 500 fl. anbot; nachdem aber 
die Sache durch den unerwarteten Tod des Kamus (Jan. 1579) ihre 
rasche Erledigung gefunden hatte und die Gewinnung des Cujacius 
sich als aussichtslos zeigte *^^''), konnte die Bewerbung des Friedrich 
Martini, welcher seit d. J. 1573 an der philosophischen Facultät 
Jücirt hatte (s. Anm. 433 f.) und sich persönlich nach München be- 
gab, um Gailkirchner's Professur zu erlangen, auf Erfolg rechnen*'*®); 
er trat i. J. 1579 in die Facultät ein und übernahm zunächst civili- 
stische Vorlesungen. Da aber i. J. 1582 Veit Schober (welchem 
nach der p]ntlassung des Lagus auch das Amt eines Camerers mit 
einem Gesammtgehalt von 250 fl. übertragen wurde) als Professor 
der Institutionen eintrat '*■*"), ergrift' Friedr. Martini das Fach des 
canonischen Rechtes, woraus wir wohl schliessen dürfen, dass einige 
Zeit vorher Nie. Everhard junior abgegangen oder gestorben war^**^); 
Martini setzte (mit einer Besoldung von 300 fl.) seine durch schrift- 
stellerische Leistungen unterstützte Lehrthätigkeit bis zum Aug. 1580 
fort, wo er die schon früher erbetene Enthebung erhielt, um einem 
Hufe nach Freiburg zu folgen '*^^). War somit das canonische Recht 
bis zum Sclilusse dieser Periode nur von drei Professoren vertreten. 



157s ). Dem Gailkirchner wurden 600 fl. Besoldung, 80 fl. Wohnungsgeld und 
freie Advocatur angeboten; spater gicng er in Dienste des Herzoges. 

327) Arch. d. Univ. N, 1, Nr. 1, 1578. 

328) Die sämmtlichen Documenta über diese Borufungs-Angclegenheit im 
Archiv-Conscrv., Fase. 7, Nr. i^h v. 5. Apr. 1578 bis 3. Febr. 1579. 

:r29) StaatB-Bibliothek a. a. 0. f. 42 v. (1. Nov. 1578); Arch. d. UuIt. E, I, 
Nr. 2, Ende Dec. ir)78 (Medcrcr, Bd. II, S. 51 faselt von einem zeitweiligen 
Abgange Martini's von der ünivorsitilt). 

3oO) Mederer, Bd. II, S. 78. 

331) S. oben Anm. 317. 

:)32) Archiv-Conserv. Tom. IV, f. 49 u. 60 f. Arch. d. T^niv. E, I, Nr. 2, 
LT). Aup^. 1589. Schreiber, Gesch. d. Univ. Freiburg, Bd. II, S. 367 f. (Mederer, 
Bd. II, S. VyOy irrt um K Jahre, da er den Martini erst 1597 nach Freiburg 
gehen Iftsst; wohl erhob derselbe i. J. 1597 noch einen nachtrflgliohen Besol- 
dungs-Anspruch, s. E, I, Nr. 2, 1597). S. über Martini Bd. II, Biogr. Nr. 70. 



316 Zeitr. II, Cap. 1 (15:0—1588). 

nemlich von den beiden Nicolaus Everhard und von Martini, so be- 
stand in den Vorlesungen über römisches Recht auch fortan ein et- 
was grösserer Wechsel mehrerer Lehrer. Nachdem Georg Everhard 
gestorben und Lagus abgesetzt worden war, beantragte die Facultät 
eine Neubesetzung und schlug zum Ordinarius entweder den Wilh. 
Everhard (dritten Sohn des Everhard senior) oder den herzoglichen 
Hofrath J. Leonh. Rot vor ^•*'*). Obwohl aber die herzoglichen Bäthe 
ein entsetzlich scharfes Gutachten über den Bewerber Hell abgaben 
( — derselbe sei zuerst Schulmeister, dann Schreiber, dann Haus- 
lehrer gewesen, kenne weder den Bartolus noch den Baldus, docire 
das trivialste Zeug, könne nicht einmal die Worte richtig aussprechen, 
und fahre mit den Studenten in allen Kneipen herum — ), ernannte 
dennoch der Herzog (Juli 1586) diesen Caspar Hell aus Aichach 
und mit ihm den besser empfohlenen Joh. Vi scher aus Ingolstadt 
mit je 100 fl. zu Ordinarien''^) und gestattete, dass einstweilen auch 
der so eben genannte Wilhelm Everhard lese, welcher bald (mit 
300 fl. Gehalt) wirklich in die Facultät eintrat und in derselben, — 
wir wissen nicht, mit welchem Erfolge — , bis zu seinem Tode 
(1590) verblieb '*^^). Der Vorschlag der Facultät, den Leonhard Zin- 
decker zum Ordinarius zu ernennen, wurde zunächst (Oct. 1586) 
durch probeweise Aufnahme, bald aber durch förmliche Emennuug 
desselben (mit 150 fl. Gehalt) befolgt ^*^*) ; und nachdem der Herzog 
schon vorher angedeutet hatte, dass er mit einem Italiener in Unter- 
handlung stehe '*-"j, erfolgte i. J. 1587 die Ernennung des Andreas 
Pachineus, welcher die bis dahin unerhörte Besoldung von lOOÖ fl. 
erhielt, dafür aber keinerlei Emolumente beziehen durfte ''^**). Die 
i. J. 1588 erfolgende Besetzung des durch Martini's Abgang erle- 
digten canonistischen Lehrstuhles durch Caspar Torrentinus aus 



333) Arch. d. Univ. K, I, Nr. 2, 10. Xov. u. 5. Dcc. l^i^'y; Arch.-ConscrT. 
Tom. IV, f. 192 u. 201 f. 

334) Arch. d. ümV. a. a. O. is. u. 2r.. Juli 1580. 

33")) Kbend. B, III, 17. März insU; B, IV, IS. Aug. u. 20. Oct. 158r.; P, 
III, Nr. 8, f. 131; Moderer Bd. II, S. 81 u. 122 (aber dass Wilh. Kverhard 
schon i. J, 1583 Professor geworden sei, ist unrichtig). 

33G) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 5. u. 20. Oct. 158G, 2G. Apr. l."^87, 25. 
Apr. 1588. 

837) Kbend. B, IV, 20. Oct. 1580. 

338) Ebend. E, I, Nr. 2, 1. Sept. 1587; Arch.-Conserv. Tom. IV, f. (JO f. 
Für eine pasnende Wohnung des Fachineus hatte die Universitilt schon vorher 
gesorgt (Arch. d. Univ. K, I, Nr. 1, 6. März 1587). 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 317 

Mindelaltlieini (mit 100 fl. zum Antritt und 200 fl. Besoldung) war 
nur vorübergehend^'*^), da derselbe bald zu anderem Berufe nach 
Freising abgieng (wir werden ihn unten, Cap. 2, Anm. 200, als ein 
Mitglied des Jesuiten-Ordens, in welchen er später eintrat, wieder 
einmal treffen). 

Der die medicinische Facultät betreffende Paragraph der 
Reformation v. 1555 (fast wörtlich lateinisch 1562) trägt den Pro- 
fessoren auf, die Studirenden in .Theorie und Praxis tüchtig zu bil- 
den, in den Vorlesungen das Unnütze bei Seite zu lassen, nach den 
Lehrstunden auf Verlangen der Zuhörer Erläuterungen u. dgl. zu 
geben, öfters Disputationen zu halten und wegen des Zusammenhanges 
der (aristotelischen) Physik mit der Medicin den Studenten den Be- 
such der philosophischen Disputationen zu empfehlen; ferner soll, so 
oft es Gelegenheit gibt, sowohl an männlichen als an weiblichen 
Leichen Anatomie demonstrirt jverden •*^^') , auch sind die Zuhörer, 
soweit thunlich, von den Professoren zum Krankenbesuch mitzunehmen; 
ferner hat die Facultät die Pflicht, die städtische Apotheke zu visi- 
tiren, und darf, falls dort den gegebenen Anordnungen nicht Folge 
geleistet würde, von sich aus einen neuen Apotheker bestellen, die 
Professoren aber dürfen die Medicaraente nicht selbst in ihrem Hause 
bereiten'*^*). Diese Grundsätze kehren auch in dem gedruckten Vor- 
lesungs-Verzeichnisse von 1571 (s. ob. Anm. 272) wieder; dort wird 
zunächst als Aufgabe und Bestreben der Facultät bezeichnet, die 
ältere und „solidere'' Medicin, welche mit Kecht als die „katholische" 
bezeiclinet worden müsse, sowohl gegen die verkehrten Meinungen des 
Pöbels als auch gegen die Schmähungen der Neueren und besonders 
Liegen die eingebildeten Principien der Paracelsianer zu vertreten; 
unter jener älteren Medicin aber verstand man, wie der ganze Inhalt 
zeigt und auch einmal ausdrücklich ausgesprochen wird, eine möglichste 
Vereinigung der arabischen und der griechischen Tradition, d. h. 
es hatte nunmehr sofort nach dem Tode des Peurle die arabisch- 
aristotelische Scholastik sich wieder zu grösserer Geltung durchge- 
rungen, denn wir müssen uns eriimern, dass der als unkatholisch 



33i>) Arch. d. Univ. K, I, Nr. i, 1<>. Mui 1588. (Mederor, Bd. II, 8. 73 u. 111). 

::4()) Vgl. Zeitr. I, Cup. 12, Anm. 68. Die „Gelegenheit" kg, wie sich von 
seihet versteht, in den Leichen iJingcricliteter. 

•.l\\) S. Hd. II, Urk. Nr. 71. Wm die der Facultät obliegende Apotheken- 
Visitation betrifft, so findet <ic]i im Arch. d. Univ. (N) eine Menge von Acten 
V. J. l.'»:»7 bis 17.S}. 



#■ 



318 Zeitr. n, Cap. 1 (1550—1588). 

verfolgte Leonhard Fuchs die Araber direct bekämpft hatte und 
Peurle sich gegen dieselben wenigstens spröd verhielt (s. Zeitr. I, 
Cap. 13, Anm. 224 u. 227). Der medicinische Unterricht in Theorie 
und Praxis soll durch drei Professoren immer in 3 oder längstens 
4 Jahren zu Ende geführt werden. Der erste Professor liest wäh- 
rend der 3 Jahre hauptsächlich über jene Schriften des Hippokrates^ 
des Galenus, des Arabers Mesua und des Trallianus, welche sich 
(modern gesprochen) auf Pathologie und Therapie beziehen ; ein zweiter 
trägt im ersten Jahre aus Galenus und Avicenna die physiologischen 
Principien vor, um in den folgenden zwei Jahren wieder eine patho- 
logische Hauptschrift des Galenus zu behandeln, wozu er in ausser- 
ordentlichen Vorlesungen die Erklärung des Dioskorides und der Chi- 
rurgie des sog. Guido hinzufügt; der dritte Lehrer beschäftigt sich 
hauptsächlich mit den diätetischen Schriften des Hippokrates und 
des Galenus, zieht aber auch die Symptomatologie und Therapie 
dieser Autoren bei. Nach der Lehrstunde und auch ausserhalb der- 
selben nehmen die Professoren bereitwilligst Zweifel oder Einwände 
der Zuhörer entgegen; jährlich 3 oder 4mal finden öffentliche Dispu- 
tationen statt , welche einen ganzen Tag hindurch dauern. So oft 
sich Gelegenheit darbietet, wird die Anatomie menschlicher Leichen 
gezeigt und erklärt oder auch an Thieren (Schafen, Hunden, Schwei- 
nen, Affen) eine „ritv* iu^edio'^ vorgenommen, womit sich jedesmal 
Secir-Unterricht verbindet; auch steht ein kunstvoll präparirtes Men- 
schen-Skelet den Studirenden im Universitäts-Gebäude jederzeit vor 
Augen. Auch über Botanik {res herharia) werden öffentliche Vor- 
lesungen gehalten, vor Allem aber biete die manigfaltige Umgebung 
Ingolstadts die beste Gelegenheit dar, eine Menge von Pflanzen 
kennen zu lernen ^^^), und in den Gärten könne man auch auslän- 
dische Species sehen, ausserdem werden in den Vorlesungen zahlreiche 
auf Papier aufgeklebte Pflanzen vorgezeigt^''). Auch viele Thiere 
und Mineralien könne man um Ingolstadt durch „Autopsie*^ kennen 
lernen. Bei Gelegenheit der Ai)otheken- Visitation wird den Stndiren-' 
den die Bereitung der Arzneimittel (auch deren Beschaffenheit, Ver- 
derbniss oder Verfälschung u. dgl.) erklärt und gezeigt. Endlich die 
vorgeschrittneren Studirenden nimmt (wie in Italien und Frankreich) 



342) Dabei werden als Beweis 18 Pflanzen-Spocics namentlich aufgefülirt. 

343) Walirscheinlich fitaninite dieses Herbarium von dem durch oonfessio- 
nellen Fanatismus vertriebenen Leonhard Fuchs her (vgl. Zeitr. I, Cap. 13, 
Anm. 225). 



Zeitr. 11, Cap. 1 (1550—1588). 319 

der Professor zum Krankenbette mit sich, und auch in das Leprosen- 
Haus steht denselben der Zutritt offen'***). — Im J. 1578 und 1579 
hatte die medicinische Facultat einen Streit mit der juristischen zu 
führen, da der in die letztere so eben als Extraordinarius aufge- 
nommene Knab Eckius (ob. Anm. 327) in der Kirche auf Anstiften 
der Juristen den Vortritt vor den Medicinern beanspruchte, welcher 
nur den juristischen Ordinarien zustand; die herzoglichen Iläthe 
entschieden zu Gunsten der Mediciner, d. h. dass die ausserordent- 
lichen Professoren ihren Platz überhaupt erst nach den Ordinarien 
aller Facul täten haben •*^'^). 

An der medicinischen Facultat wirkten zunächst noch längere 
Zeit Veltmiller (bis 1561) und Peurle (bis 1570) fort, welche 
wir schon in der vorigen Periode trafen (Zeitr. I. Cap. 13. Anm. 227 f.); 
nur möge hier beigefugt sein, dass letzterer auch als Camerer der 
Universität sich um das Kechnungswesen derselben verdient machte. 
Um die in dieser Facultat übliche Dreizahl der Lehrer herzustellen, 
sollte i. J. 1554 nach Auftrag des Herzoges Joh. Vischer um 
70 — 80 fl. gewonnen werden**^); jedoch kaum war derselbe einge- 
treten, so schickte man ihn, wie oben erzählt (Anm. 131), wegen 
Mangels der nöthigen katholischen Gesinnung sogleich wieder fort***'), 
und das Gleiche geschah (1555) mit Martin Hofmann aus Meis- 
seu •****). Auf Antrag der Berathungs-Commission (Dec. 1555) wurde 
nun mit Lorenz Gryll unterhandelt, welcher als Besoldung die in 
dieser Facultat unerhörte Summe von 300 fl. forderte, sich aber 
schliesslich mit 150 fl. (nebst Curkosten für den Beinbruch, an wel- 
chem er in PfafTenhofen darniederlag) begnügte und nach abverlang- 
tem Versprechen, nicht gegen die Religion Verstössen zu wollen, im 

SU) So <(ohr alle diese Bestimmungen nicht mit Unrecht noch als Äusserst 
kindliche Anfänge bezeichnet werden mögen und so sehr auch vor AHem die 
VorlesuTigcn noeh gunz an dem scliohistischen Motive einer blossen Traditions- 
und Auctoritats-Sucbt fest hiengen, no bemerkt dennoch jeder Kundige den stiU 
wirkenden Trieb, welcher über die Scholastik hinausführen musste; freut es uns 
doch innig, dass überliaupt einmal das weit tragende und viel bedeutende Wort 
,. Autopsie** au-igesprochen wurde. 

345) S. Bd. II, Urk. Nr. In2. 

yAC^) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 20. Apr. 1554. 

847) Derselbe war in Wemding geboren (1521), hatte in Wittenberg und 
in Bologna studirt, und lebte weit 1553 aU Arzt in Nürnberg; von Ingolstadt 
hinweg gieng er nuch Ansbach und hierauf als Nachfolger des Leonh. Fuchs 
nach Tübingen, wo er i. J. 1587 starb. 

318) Med er er, Bd. I, S. 210 u. 243. 



320 Zeitr. n, Cap. 1 (1550—1588). 

Jan. 1556 seine Vorlesungen begann ''^^). Da der auch litterarisch 
nicht unfruchtbare Gryll i. J. 1560 gestorben war und der Freisinger 
Stadtphysikus , welchem man die Stelle antrug, abgelehnt hatte ■**^), 
Hess sich Joh. Lonäus Boscius, welcher in der Artisten-Facultät 
Mathematik lehrte (s. unten Anm. 403 f.), bereit finden, medici- 
nische Vorlesungen zu übernehmen, und führte nun in langer Dauer 
seine erspriessliche Lehr- und litterarische Thätigkeit (auch bei den 
Bürgern als Arzt sehr beliebt) bis zu seinem Tode (1585) fort^'). 
Die bald nach Ernennung desselben durch Veltmiller's Tod erledigte 
Stelle erhielt (1561) Adam Landau aus Eisleben, welcher gleich- 
falls einige Schriften veröffentlichte und bis zum Ende seines Lebens 
(1573) in Ingolstadt docirte •^^*). Auch mochte wohl Peurle in seinen 
letzten Lebensjahren sich etwas von den Vorlesungen zurückgezogen 
haben; es trat wenigstens i. J. 1568 als vierter Lehrer (neben Peurle, 
Boscius und Landau) Jacob Oetheus aus Nordhaus^n in die Fa- 
cultät ein •''•'^•*) ; nach Peurle's Tod rückte er vor, verliess aber i. J. 
1571 die Universität, um als bischöflicher Leibarzt nach Eichstädt 
zu gehen •''^^). An seine Stelle kam Cyriacus Luz aus Landsberg, 
welcher nach Auftrag des Herzoges mit einem Gehalte von 180 11. 
i. J. 1573 bleibend gewonnen wurde •^•^•'^) und der Facultät noch eine 
geraume Zeit (bis z. J. 1598) angehörte •^^•^). Und neben ihn trat, 
nachdem Ad. Landau gestorben war, (1574) Philipp Menzel, 
welcher bis dahin als Lehrer der Poesie (auch Poeta laureatus) an 
der philosophischen Facultät docirt hatte (s. unten Anm. 417 f.) 
und in jeder Beziehung zu den hervorragenden Mitgliedern der Fa- 
cultät sowie der ganzen Universität geliörte (es wurde ihm auch die 
Besoldung bis zu 300 fl. erhöht); in seiner längeren Thätigkeit ragt 
er gleichfalls in die folgende Periode hinüber*"). Nach dem Tode 



349) Archiv-Conserv. Tom. III, f. 54 f. Mederer, a. a. 0. 8. 24(1. üeber 
GryU s. Bd. II, Bio^r. Nr. 71. 

350) Arch. d. Univ. N, I, Nr. 1, 20. Mftrz 15(i(). 

351) Archiv-Conserv. Tom. IV, f. 173 u. 175. Mederer, a. a.O. 8. 20') n. 
203. S. Bd. II, Biogr. Nr. 72. 

352) Mederer, S. 265. 8. Bd. II, Biogr. Nr. 73. 

353) Arch. d. UniT., D, JII, Nr. 7, 8. Sept. 1568 (woselbst eigens bemerkt 
ist, dass er den Kid auf das Tridentinum leistete). 

354) Mo derer, Bd. I, S. 319, 322 u. 324. (Die Angabe, da« Oetheus erj«t 
i. J. 1570 Professor geworden, ist irrig). 8. Bd. II, Biogr. Nr. 74. 

355) Archiv d. Univ. E, I, Nr. 2, 7. Milrz ir.73. 

356) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 75. 

357) S. Bd. II, Biogr. Nr. 76. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 321 

* 

des Boscius (1585) äusserte sich der Herzog an die Universität, ob 
nicht etwa, da ohnediess die Zahl der Medicin studirenden nur eine 
geringe sei, man es bei den zwei vorzüglichen Professoren Luz und 
Menzel bewenden lassen könne**"®). Doch wusste es (1586) Lorenz 
Landau, der Sohn des Obigen, durchzusetzen, dass er mit 100 fl. 
(dazu 40 fl. von der Stadt und freie Wohnung) als dritter Ordina- 
rius angestellt wurde •*^^); derselbe war das einzige Facultäts-Mitglied 
dieser Periode, welches litterarisch Nichts leistete (er starb 1588). 
An seine Stelle kam von der philosophischen Facultät übertretend 
Edmund Hollyng (s. unten Anm. 446), auf welchen wir im folg. 
Cap. zurückkommen werden. 

Der Untergang, welchen die Jesuiten der artistischen Fa- 
cultät geschworen hatten und stets zu verwirklichen beabsichtigten, 
vollzog sich, wie obige Erzählung der Vorgänge zeigt, erst larigsam 
und allmälig, und der Geschichtschreiber hat daher die wenig er- 
freuliche Aufgabe, die letzten Regungen einer ehemals blühenden, 
nun aber verwelkenden und schliesslich zertretenen Universitäts-Ein- 
richtung darzustellen (was schon oben berichtet worden, soll hier nur 
in Kürze zur Andeutung kommen). In den Gutachten, welche ge- 
legentlich der Berathungen i. J. 1555 Hier. Leicht und Oanisius ab- 
gaben (ob. Anm. 181), wird gewünscht, dass die aristotelische Phi- 
losophie, insbesonders die Logik, in verständlichen Uebersetzungen 
unter Weglassung des unnützen scholastischen Wustes gepflegt werde 
und bei den Promotionen grössere Strenge walten möge'*^"), und in 
der sog. Keformation vom gleichen Jahre (wörtlich lateinisch wieder- 
holt 1562) wird augeordnet, dass bei den Promotions-Gebüren ein 
Unterschied zwischen reichen und armen Studenten eingehalten 
werde ^"•). Im J. 1562 erhielten die Mitglieder der Facultät unter 
Beistimmung der anderen Facultäten Titel, Ehren und Privilegien der 
dodorvs^ was sich jedoch sicher vorerst nur auf die ordentlichen Pro- 
fessoren beschränkte'*^*), denn während wir noch i. J. 1571 bezüg- 
lich der gewöhnlichen Promotionen der Studirenden den Vorschlag 
finden, den Candi Jäten nach Umständen zum mayisier arihim oder 



:^^8) Arch.-Conserv. Tom. IV, f. 175 (20. Febr. 1585). 
359) Arch. d. Univ. B, IV, 18. Aug. 158l>. 
30O) S. Bd. II, Urk. Nr. 70. 

31)1) S. Bd. II, Urk. Nr. 71. Einige Promotions -Reden aus dieser Zeit 
(darunter eine von Ziegler) s. Arch. d. Univ. O, 1558—1501. 
3G2) Mederer, Annal. Bd. I, 8. 274. 

P r a n tl , Oescfaicfate der Unitersitftt 1 21 



322 7.eitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

zum maiji^let' philosophiae zu ernennen (ob. Anm. 48)« sonach an 
dem Namen ^.magister^^ noch festgehalten wurde, begegnet uns bald 
hernach in einem Senats-Beschlusse v. J. 1572 zum ersten Male die 
Nebeneinanderstellung von ^^magisiri artium^'' und ^^doctores philo- 
phiae^^'^^'% und sicher irren wir nicht in der Annahme, dass die Je- 
suiten, welche damals seit einem Jahre im Besitze ihres „Cursus*^ 
waren, jener Missachtuug, mit welcher sie auf die übrigen weltUchen 
Artisten herabsahen, dadurch einen Ausdruck geben wollten, dass sie die 
Vollendung ihres Cursus mit dem Titel „doctor^^ belohnten, während 
durch die üebrigen nur^ein „magfts^" creirt werden konnte. Im J. 
1565 wurde durch den Herzog das vom Bischöfe Martin zu Eichstftdt 
im vorhergehenden Jahre eingerichtete Convict dem Studium an der 
philosophischen Facultät in der Weise gleichgestellt, dass die Eich- 
städter Schüler sich beim Kector der Universität melden und den 
üblichen Studenten-Eid leisten mussten, dann aber in Eichstädt Phi- 
losophie studiren durften und auf Grund dortiger Zeugnisse in In- 
golstadt zur Promotion zugelassen wurden ^^). Noch i. J. 1569 fin- 
den wir eine an die Studireuden gerichtete Aufforderung der Facul- 
tät, welche auf die bis dahin nur sporadisch eingedrungenen Jesuiten 
keine Rücksicht nimmt, sondern im Allgemeinen eine ordentliche 
Reihenfolge der Vorlesungen empfiehlt, insoferne zuerst Grammatik, 
Rhetorik und Dialektik nebst einiger Anweisung im Griechischen ge- 
hört werden soll, welcher Umkreis von Vorlesungen zur Erwerbung 
des Baccalaureates genüge; hernach dann folge Ethik, Physik, Ma- 
thematik und die weitere Ausbildung in Philosophie, womit aber 
thätige Theilnahme an den sonntäglichen Disputationen und sonstigen 
rhetorischen Uebungen zu verbinden sei, damit nach Cicero^s Aus- 



3IJ3) Kbend. Bd. II, 8. o. Arch. d. Univ. 0, I, Nr. 4. f. lli. Vgl. Cap. 2, 
Anni. :U7. Die Magister und Dootoren der Philosophie erhalten in eigener 
Kleidung ihren besonderen Sitz getrennt von den Studenten unmittelbar naeh 
den Professoren der FacultAt. 

364j Wie wir aus dem Entwürfe im Arch.-Conserv., Tom. III, C 1S8, er- 
sehen, war ursprünglich die Absicht, das Convict der „Universitftt^ gleiohxu* 
stellen ; *o wie aber schon dort durch Randnoten Überdll sorgfSltig die artistUebe 
Kucultat an Stelle der Univerüität tritt, entstand dann jene Redaotion, welche 
in dem Abdrucke bei Mederer, Cud. dipl. S. 317, erscheint, üebrigens halte 
hiedureh, so verzweifelt die Zeitluge immerhin war, dennoch der Bischof einen 
kleinen Sieg über die Jesuiten errungen, denn die Studenten konnten nun Phi- 
losophie ab'iolviren, ohne die Vorlegungen der sieh eindringenden Jesniten xu 
bebucheu. 



Zeitr. 11, Cap. 1 (1550—1588). 323 

sprach nicht Philosophie ohne Eloquenz, noch umgekehrt, errungen 
werde ^^•^). 

Schon i. J/1571 aher, d. h. mit der probeweisen Uebernahme 
des Cursus und des Pädagogiums durch die Jesuiten (ob. Anm. 45 fif.), 
begann das Blatt sich zu wenden. Durch die sog. reformatio jesui- 
tica nemlich (Jan. 1571) trat für die Vorlesungen der jesuitischen 
Facultäts-Mitglieder die bekannte Ratio studiorum des Ordens in 
Kraft, wornach der sog. „Cursus" in drei Jahre zerfiel, in deren 
erstem Logik, im zweiten die Physik des Aristoteles und im dritten 
die Bücher De coelo, de mundo, Meteor., das 3. Bach de anima und 
Metaphysik derartig vorzutragen waren, dass in drei aufeinander fol- 
genden Jahren immer ein anderer der drei Professoren den Cursus 
begann und hiernach zu Ende führte; das Baccalaureat kann nur 
nach Vollendung der Logik und der Hälfte der Physik, das Magi- 
sterium nur nach absolvirter Physik und Metaphysik erworben wer- 
den, so dass nur zweimal im Jähre allgemeine Promotion stattfindet. 
Während somit Ethik und Mathematik bei den Jesuiten in die Brüche 
giengen, waren die lateinischen Humaniora, — denn das Griechische 
blieb gleichfalls ausgeschlossen — , an das Pädagogium oder, wie es 
auch hiess, CoUegium poeticum verwiesen, welches nach bekannter 
G} mnasial-Pädagogik des Ordens in fünf Classen (Rudimente, Gram- 
matik, Syntax, Poesie, Rhetorik) zerfiel; regelmässig sollte nur von 
der 5. Classe, ausnahmsweise aber auch von der 4. der Uebergang 
an die Üniversitäts-Curse gestattet sein^^®). Allerdings waren durch 
diesen Eintritt der Jesuiten in die Facultät die vorhandenen welt- 
lichen Lehrer nicht etwa beseitigt, aber sie mussten sich thatsächlich 
auf jene Lehrgegenstände beschränken, welche zu übernehmen den 
Jesuiten nach ihrer ratio studiorum nicht beliebte , und Alles , was 
nicht Jesuit oder nicht jesuitisch war, hatte in der Facultät ein 
kampfvolles Dasein zu führen, bis die schliessliche völlige Vernichtung 
eintrat. Der gedruckte Lections-Katalog v. J. 1571 (ob. Anm. 272) 
zeigt eine Nebeneinanderstellung der jesuitischen und der weltlichen 
Lehrer, wobei letztere der Zahl nach überwiegen; als erste Vorlesung 
in der Reihe ist Mathematik genannt, dann folgt Ethik, hierauf der 
philosophische Cursus der Jesuiten, von welchem jedoch vorerst nur 
die zwei oberen Jahres-Curse besetzt sind (somit überhaupt nur zwei 
Jesuiten in der Facultät), dann als Vorlesungen, welche ausdrücklich 



3G5) Arch. d. Univ. O, Ende Nov. 1569. 

306) S. Bd. II, ürk. Nr. 88. 

21* 



324 Zeitr. n. Cap. 1 (1550-1588), 

als ausserhalb des Pädagogiums gehaltene bezeichnet werden, zun&chst 
römische Geschichte mittelst Leetüre des Florus und des Livius, ferner 
griechische Geschichte mittelst Xenophon und Thukydides, sodann 
Poetik verbunden mit Yirgilius, endlich Hebräisch mit Lectflre der 
kleinen Propheten oder der Psalmen (was über die Lehrgegenstftnde 
des Pädagogiums angegeben wird, gehört der Geschichte der Gym- 
nasial - Pädagogik an); Bepetitionen und wöchentliche Disputationen 
sollen zur fruchtbaren Uebung der Studirenden dienen '''^^). Noch in 
demselben Jahre errangen die weltlichen Professoren den kleinen Sieg, 
dass der Senat das Griechische als obligat zur Erwerbung desBaoca- 
laureates erklärte und an den ganzen obersten Curs des Pädi^giums 
die Ermahnung richtete, die Vorlesung des Vertreters des Griechi- 
schen zu hören '^^^). Doch verblieb als ein hauptsächlicher Ponct des 
Anstosses, dass in Folge der Einrichtung des Gurses die Logik der 
Jesuiten das einzige formale Bildungsmittel für Alle, d. h. auch fttr 
die künftigen Juristen und Mediciber war, während sie doch nur 
einseitigst als dienstbare Vorstufe der thom istisch -jesuitischen Theo- 
logie behandelt wurde. Es lag eben hierin ein tiefgreifender Gegen- 
satz zwischen Jesuiten und Humanisten, da die ersteren in der Logik 
überhaupt nur eine gesteigerte Fortsetzung der thomistischen Scho- 
lastik vertraten und darboten, während die letzteren theils den von 
allen scholastischen Schlacken geläuterten Aristoteles (in der Weise 
Melanchthons) zu Grunde legten, theils auch in anti-scholastischem 
Streben sich einer sog. praktischen Logik, d. h. einem mehr oder 
minder gemilderten Khetorismus (nach dem Vorbilde des Gäsarius) zu- 
wandten. So war es innerlich tief begründet, dass die üniversitftt 
schon i. J. 1571 u. 1572 auf Vorlesungen über „Dialektik" (— diess 
ist die humanistische Bezeichnung-—) drang, aus welchen auch die 
Juristen und Mediciner Nutzen schöpfen könnten •*^^); und als der 
Herzog i. J. 1572 dieser Forderung nachgegeben hatte (s. ob. Anm. 82), 
kam die Sache auch derartig zum Bruche, dass die Jesuiten, welche 
die Erfolglosigkeit ihrer Auflehnung gegen die Professur der Dia- 



807) So hatten damals die Jesuiten den Botrieb der Hamaniora an der Uni- 
versitflt durchaus noch nicht verdrängen können; dass aber die Jesuiten ihrer- 
seits den Hesnch solcher YorloHungen verboten, sahen wir oben öfters. 

3(;8) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 260 v. Die Facultät hielt flberbaapt 
möglichst nn den bisher üblichen Bedingungen der beiden Promotione:i, d. h. 
di'3 Bacculuureates und des Magister iums feät; s. cbend. T, 28. Aug. 1578. 

801») Ebend. T, 21. Febr. ir»72 (ein Brief an Ossanäus nach Manchen) und 
hiezu obige Anm. 75. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). ^ 325 

lektik thatsächlich erfuhren, wirklich i. J. 1573 von der philosophi- 
schen Facultät abzogen (ob. Anm. 95—100). 

So wäre wieder reines Fahrwasser gewonnen gewesen, und sowie 
die Facultät die Obhut über das Pädagogium wie in früherer Zeit 
übernahm '*^^), so verkündete sie auch im Oct. 1573 in rhetorischör 
Ausschmückung ein Lections-Verzeichniss, in welchem (nach den Tages- 
stunden geordnet) folgende Vorlesungen angeboten werden: Vormit- 
tags : Ethik und Politik des Aristoteles, griechische Grammatik und 
Leetüre, Dialektik, Cicero's Briefe und de offic, die naturphilosophi- 
schen Schriften und die Metaphysik des Aristoteles; Nachmittags: 
das Organen des Aristoteles und in kürzerer Behandlung wieder die 
Physik desselben, Mathematik, Poetik (d. h. Metrik) und Leetüre 
lateinischer Dichter, ßhetorik nach Cicero, lateinische Grammatik nach 
Lorichius"^). Durch derartigen Betrieb des philosophischen Studiums 
hätte die Facultät allen damaligen vernünftigen Ansprüchen genügen 
und sich mit jeder protestantischen Universität messen können. 

Doch nur kurze Zeit dauerte dieser Zustand, denn schon i. J. 
1576 brach das jesuitische Unheil wieder herein (ob. Anm. 101 ff.), 
und der Kecess v. 26. Nov. dieses Jahres, wornach die wiederge- 
kehrten Jesuiten in frommem Wetteifer mit den Weltlichen, welche 
auch ihrerseits einen philosophischen „Cursus" einrichten durften, in 
allen Lehrfächeru concurriren sollten ^'*) , bewegte sich in einer Täu- 
schung, welche wohl nicht vom Herzoge selbst beabsichtigt sein 
mochte, aber jedenfalls im Plane der ihn beherrschenden Jesuiten 
lag; denn nicht bloss konnte der beabsichtigte Cursus der weltlichen 
Lehrer in Folge der Massnahmen und Handgriffe der Jesuiten nicht 
aufkommen, sondern die letzteren sprachen auch, nachdem sie i. J. 
1582 sich wenigstens zum Scheine des Griechischen angenommen 
hatten (ob. Anm. 113), i. J. 1585 ohne Hehl die Absicht aus, die 
verhasste Dialektik durch ihre besseren Vorträge zu ersetzen und alle 
übrigen Lehrgegenstände, welche durch die Weltlichen vertreten wor- 
den waren, überhaupt von der Universität zu verbannen und in das 
segensreiche Pädagogium zu verweisen (ob. Anm. 120), — ein Plan, 
welcher leider nur allzu bald seine Verwirklichung fand. Wie sehr 
aber die Frequenz der Facultät unter der Anwesenheit der Jesuiten 



370) Arch. d. üuiv. D, III, Nr. 7, 7. Oct. 1573 u. 30. Juli 1574. Vgl. Zeitr. 
I, Cap. 13, Anm. 245 ff. 

371) S. Bd. II, Urk. Nr. 96. 

372) S. den Inhalt oben Anm. 104 ff. 



326 7.eitr II. riip 1 t]'*'j\ r.^ft> 

^'clitteii hal>e. tTvIifii wir aus den Hcchnuiiß.sbnch«frii : nachdem nein* 
lieh i .1. l-'iTj (als «iif .lesuiti>n «i^t neit einem Jährt' den Corsas 
Cihern'ninh'n hatten iniiin'rhin noch *J1< |{:nral.inre.it8* und ^iO Mi- 
^'i>tcr-rr<>nH>tii>nrn stattirrfunden hatfiMi. wnvon die FaculUt lusam* 
inen PJJ tl. einnalun, tin«Irn wir i. .1. ITi^.'t nur mehr 17 Baccs- 
l.iureen und x MaL'ister und >oinit tini* Kinnahm«* vnn nur r>ft fl.-*''i. 
Auch die raLM»ltat>-(;is>a \v,ir (— worin den Jesuiten keine Schald 
rur Last fällt ) in rineni schliniinen Zust.iniie: man prassle auf 
Ke{:i:uents-l'nk »sten und Vfrtili:te /. U. Iiui eintT Decanats-Wabl 
Broii uiid Malvasivr i» fl. 1>^ kr.. Iiri einrr Depusitinn der neu 
kcmmenlen Studiuten I-l fl.. an St. Katharina unii <ire;rohus zusaiiH 
nifu ^ n. :i-'> kr. u. s. f.. sn dass es nirht 7u winitlern ist. wenn 
untir ScherrKs (.'a-sa-Verw.iltun^' i. J. \öH'> das Deficit auf 218 fl. 
l'i kr. anui'wachsen war ''*<. In dem herzn^'lichen Heeesse v. 1S84 
wild an'^'enrdiiet , dass hei den F.iciiltätä-Itfratliun^en über Zulawanf 
der lanlidati'U zur Promotion u. d^l. nicht mehr, wie bisher, in 
Falle der ütimmen-<ilcichheit das Lo^s entscheiden dürfe, sondere 
die I'rivat-Präceptoren der Studirenden behufs eines en«l^iltißen Cr* 
theiles he»i:»'/-OL'en werden stdlen*"'). Aus d. .1. ITiB.** finden wir 
ein Pri»ineiii<»ria, wi'lche^ unter Angabe der tinlnde und fre^tfnfrrflndf 
die Fr.itre eri>rti*rt . idi das It inalaureats-Hxamen am Schlüsse des 
iT.'len Jahren udiT /u Anlani: des /weiten ;;idialten werden s«dle ■'*». 
Fiid aus •!. .1. I'>s7 ist uns ««ine Zusamm* n^tellun^ der Promotiomu 
(itdiüren rrlialtm. wrlrln* in der .M«dir/ahl der rin/elnen HestimmunKCB 
iMUi* l>eli*utriiilf> AlMninthrun^' L'eu'en frühere Ansätze /ei^t; neulick 
\<)m ita< • aIaur(Mi> «ehalten we^ler di«* Kiaminat«>ren mK:h der PfXH 
mi'ti-r ein HHi:or.ir (früher lie/ahlte j»*di*r (.'andidat (Vir ersten* 4 fl. 
uuil f('ir let/term 1.*i kr. i. nur in die Farultats-(*assa fliessen je 2 fl., 
IVirll und N*'inr bek>>nimen je 8 kr.« für die so^;. fabrii-a werden 
ji* ^ dl. b«'/;ihlt. der MatristiT entrichtet ^rleichfalls nur der FacoltAI 
ft fl. (trulit-r hati*n die K\aminatoren lo tl. und der Prumotor ' , fl. 
\«in jcd'-m erhaitetM. da/u al»er dem FpM*:inzler 1 tl.. dem Notare and 
drm Fe-lrll,. j,. 2^\ kr., dfu Trompetern :U{ehsthlr. (d.h. 4 fl. 3o kr.) 
und fiir iltMi (iriLMiii^^ten. den Kirehendiener , ijen Cantor je *i kr.: 
fui dir b'>n.i iif>\a werden von allen zusammen H fl. bezahlt, ond Ar 



t > I 



Afi' M-C-'n-ift. Vat ;. l'iT." fl II. Tiim III. f .•_'"• fl. 
:J' 1.!"! I T- n III .1 A. n W-l ..».. Anm. J«»-. 

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Zeitr. II, Cap. l (15oO-15S8). 327 

den einzelnen Gast beim Promotions-Schmause 8 bis 9 Batzen; ein- 
zuladen sind alle Professoren, der Frauenpfarrer, der Guardian der 
Franciscaner, der Üniversitäts-Bibliothekar, der Notar, der Pedell, der 
Stadtrichter, der Bürgermeister, der Kastner und Adelige, welche 
Philosophie studiren; den Frauen des Notars und des Pedells ist 
etwas von dem Schmause zu schicken, den Professoren-Frauen aber 
nicht mehr; in die Küche sind mit Finschluss eines Trinkgeldes 
372 fl' 2^^ entrichten; ein Mahl am Tage nach der Promotion (zur 
Abrechnung mit dem Wirthe) kostet ongefähr 5 fl. ; endlich für das 
Zeugniss bekommt nur der Notar Vt fl. , für das Sigel wird Nichts 
mehr bezahlt ^'^). — Am 27. Jan. 1588 unterzeichnete Herzog Wil- "< 
heim V das Todesurtheil der philosophischen Facultät (s. ob. Anm. 128), 
und es ist nun auf längere Zeit weder von antiken Historikern noch 
von „heidnischen" Dichtem noch von Rhetorik und Cicero, noch auch 
von Dialektik oder von aristotelischer Ethik und Politik die Sprache, 
sondern es bleibt nur (neben etlicher Mathematik) jener den Geist 
vergiftende Quark, für welchen die Jesuiten missbräuchlichst das 
Wort „Philosophie" anwendeten. 

Unter den Lehrern der artistischen Facultät, welche noch der 
vorigen Periode angehörten, schied zuerst Job. Lorichius i. J. 1554 
aus (s, Zeitr. I, Cap. 13, Anm. 280), welcher nun neben dem Grie- 
chischen auch Rhetorik übernommen hatte und zur nöthigen Ermun- 
terung seines Fleisses (1551) eine Besoldungs - Zulage erhielt*'^'*); 
i. J. 1557 starb VitusAmerbach (s. ebend. Anm. 283 f.), und 
i. J. 1562 Hieron. Ziegler, welcher seine oben (ebend. Anm. 280) 
erwähnte Lehrstelle der Philosophie i. J. 1542 aufgegeben und meh- 
rere Jahre in Augsburg und München gewirkt hatte, aber i. J. 1554 
wieder in Ingolstadt eine Anstellung als Professor der Poetik mit 
50 fl. fand^^^) und neben anderer litterarischer Thätigkeit sich be- 
kanntlich durch Herausgabe der historischen Werke Aventin's ein 
bleibendes Verdienst erwarb ^^^). Wolfg. Gothard (s. ebend. 
Anm. 279), welcher bis zu seinem Tode (1564) lateinische Gram- 
matik und Cicero vertrat, erhielt gleichfalls i. J. 1551 eine Aufbes- 
serung von 10 fl.^^'). Der Lehrer des Hebräischen Paulus Aemi- 



877) S. Bd. II, Urk. Nr. 110. 

878) Arcli. d. Univ. D, III, Nr. 7, f. löü v. 8. Bd. II, Biogr. Nr. 77, 
3791 Ebend. E, I, Nr. 2, 20. Apr. 1554. 

380) S. Bd. II, Biogr. Nr. 78. 

381) Medcrer, Annal. Bd. I, 8. 224, 



328 Zcifr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

lius setzte seine i. J. 1547 begonnene Thätigkeit, fdr welche er zui" 
Belohnung seines bcsondei-en Eifers i. J. 1555 von 40 fl. anf 50 fl. 
aufgebessert wurde '*^*), bis zu seinem Lebens-Ende (1575) fort und 
machte sich auch durch einige schriftstellerische Leistungen be- 
kannt •'^•^). Endlich Wolfg. Zettel, welcher i. J. 1548 eingetreten 
war, gehörte überhaupt zu den hervorragenderen Mitgliedern der 
Universität, für welche er auch als Camerer (nach Peurle's Tod) 
durch gewissenhafteste Kechnungsführung höchst erspriesslichee lei- 
stete ; mit grösstem Eifer lag er seinen Vorlesungen ob, deren Gegen* 
stand seit 1551 Dialektik und aristotelische Philosophie, später aber 
hauptsächlich die Ethik und Politik des Aristoteles war*^^); er liess 
sich, als er zu altern begann, au Sebast. Enab einen Gehilfen bei- 
geben, und starb allgemein geachtet i. J. 1576'*'^). 

Aus jenen aber, welche in dieser Periode neu eintraten , nennen 
wir zuerst eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Grössen, welche 
Ingolstadt aufzuweisen hat, nemlich den Philipp Apianus, welcher 
nach dem Tode seines Vaters (des obigen Peter Apian, S. 210 f.) i.J. 
1552 den mathematischen Lehrstuhl übernahm^®*), aber nach einiger 
Zeit durch seine Schicksale Zeugniss davon geben musste, in welcher 
Weise sich Confessions-Fanatismus und jesuitische Strömungen an 
ausgezeichnetsten Vertretern der Wissenschaft vergreifen konnten. Als 
bekannt setzen wir voraus, dass Apian im Auftrage des Herzoges 
eine noch heute staunenswerthe Karte Bayerns verfertigte. Schon 
i. J. 15GG erhielt Apian einen Fingerzeig, dass man an seiner 
Rechtgläubigkeit gar drohende Zweifel hege; denn als er sich erbot, 
an der medicinischen Facultät über einige zur mathematischen Be- 
handlung taugliche Zweige der Medicin Vorlesungen zu halten, und 
die herzoglichen Räthc hierüber mit Zustimmung ein Schreiben an 
die Facultät richteten, wurde dasselbe mit scharf ablehnenden Band- 
bemerkungen beschrieben, worin als Hauptgrund figurirt, dass Apian 



382) Arcli.-Conserv., Tom. III, f. 54 f. lieber einen Streit, welchen er be- 
trefff) seiner Söhne i. J. \^)G\) mit dem Regens des Georgianums hatte, s. Aroh. 
d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 219 f., woselbst Aemilius überhaupt als homo rixasus 
et inquietus bezeichnet wird. 

383) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 1\K 

380 Mederer, a. a. O. Aroh. d. Univ. T, Ende Febr. 1571 u. d. oben 
Öfter angeführte Lections-Katalog v. 1571. 

385) S. Bd. II, Biogr. Nr. 80. 

386) Me derer, ebend. 8. 230. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550-1588). 329 

baereticus sei'^'^^j. Als dann i. J. 1568 der Herzog schleunigst nach 
der Publication der päpstlichen Bulle (betr. Tridentinum, s. oben 
Anm. 145) anordnete, dass alle diejenigen Mitglieder der Universität, 
welche vom katholischen Glauben abweichen („abhorrent") von Pro- 
fessur und Besoldung entfernt werden sollen, setzte der Eector (Moriz- 
pfarrer Haydlaufj diesen Befehl mit dem Beisatze in Circulation, 
dass man bei dieser Gelegenheit auch den in Ketzerei verstockten 
Sinn (^jobsthiatum in haercsi aninmm^^) Apian's aufdecken könne •*^^). 
Dem Apian wurde Bedenkzeit gegeben, derselbe aber antwortete 
rasch dem Kector in der würdigsten Weise und edelsten Sprache, 
dass es ihm einfach unmöglich sei, den Eid auf das Tridentinum zu 
leisten, denn während sein leibliches Dasein dem Herzoge und der 
Universität gewidmet sei, müsse er in Beligionsfragen unbedingt 
seinem Gewissen folgen •*^^). Nach Verlauf einiger Wochen konnte 
der Herzog die Universität freundlichst beloben, dass sie dem Apian 
Amt und Besoldung abgenommen und ihn in Vollzug des Regierungs- 
Erlasses aus Bayern verbannt habe; nur sei es dem Herzoge wegen 
der Karte und einiger sonstigen Sachen nicht gleichgültig, an welchem 
Orte ausserhalb Bayerns sich Apian aufhalten wolle •*''*^'). Gegen Ende 
des Jahres erklärte der Herzog, für die Karte und die Tafel, welche 
Apian den herzoglichen Prinzen verehrt habe, solle er 200 fl. be- 
kommen: die Herstellungskosten der Karte, zu welchen die herzog- 
liche Cassa ohnediess schon (z. B. durch Unterhalt des Malers) in 
Mitleidenschaft gezogen worden sei, würden durch den Verschleiss 
sicher doppelt hereinkommen ; übrigens sei Apian wegen der Religion 
oft genug gewarnt worden, und wenn er nicht zur alleinseligmachen- 
den Kirche zurückkehre, könne er nicht bloss an der katholischen 
Universität nicht geduldet werden, sondern habe auch sein Leibgeding 
„aus eigenem Muthwillen ohne einige gegebene billige Ursache" von 
selbst verscherzt; doch da man wünsche, dass er sich noch bekehre, 
dürfe er mit Ausnahme Ingolstadts überall in Bayern wohnen und 



387) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 25. MSrz 1566. Somit fäUt auch auf die 
drei damaligen Professoren der medicinisohen Facultät, Peurle, Boscius und 
Fried. Lundau , ein eigenthümlicbes Licht; ihr Motiv scheint nicht Brodneid, 
•sondern wirklich Furcht vor anorthodoxor Mathematik gewesen zu sein. 

388) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, Anf. Apr. 1568 u. R, 10. Apr. 1568. 
3^i»J Obwohl bei Weste nrieder, Beiträge, Bd. VII, S. 251 gedruckt (»war 

schlecbt genug), möge diese Erklärung Apians um der Person und Sache wiUen 
abermal8 aus dem Original abgedruckt werden, s. Bd. II, ürk, Nr. 86. 
390) Arch. d. Univ. a. a. 0. 15. Mai 1568. 



330 Zeitr. II. Cap. 1 (1550-1588). 

solle auch sein Leibgediiig uuter der Bcdiiigung« dass er „seine an- 
gemasste Aendening aufs stillest für sich bebalt^^ und aber Religion 
nicht spreche, auf Lebenszeit geniessen -'^0. Apian reichte im Febr. 
1569 beim Herzoge eine Bemonstration ein, in welcher manche nicht 
unwichtige Notizen über die Karte enthalten sind, vor Allem aber 
der edle, treue und männliche Charakter des schwer verfolgten Yer^ 
fassers zu Tag tritt; derselbe weiss, dass ihm noch weiteres Ver- 
derben bevorstehen kann, hält aber seine Oewissens-Ueberzengung als 
eine unantastbare hoch, verwahrt sich gegen verläumderische Anklagen, 
und spricht es offen aus. dass kein Grund bestehe, ihn um einer 
Religion willen, welche von der Reichsversammlung zugelassen wor- 
den, vom Amte oder ausser Land zu jagen, geschweige denn sein 
Leibgeding einzuziehen; für den unverhofften Fall, dass seine Bitte 
um eine gnädigere Entscheidung nicht erhört werde, möge es nicht 
ungnädig aufgenommen werden, wenn er sich anderweitig am eine 
Stelle umsehe^®*). Hierauf antwortete (Anfangs März) der Herzog, 
er müsse, da alle Ermahnung vergeblich sei, bei seinem früheren 
Entschlüsse bleiben ; betreffs des Leibgedinges wolle er erst abwarten, 
wo Apian sich niederlasse, was keinenfalls in bayerischen Landen ge- 
stattet sei; längstens bis Georgi müsse er ausser Land sein and 
habe sich unterdessen in religiöser Beziehung ruhiger zu verhalten, 
als bisher, denn erst in jüngster Zeit habe er wieder Conventikel ge- 
halten und manche Leute an ihrer Religion irre gemacht ^'*'). Die 
Universität, an welche eine Abschrift dieses Entscheides ergangen 
war, beschloss, dem Apian mitzutheilen, dass es für ihn wohl ehreor 
hafter sein dürfte, vor dem gestellten Termine freiwillig Ingolstadt 
zu verlassen, damit er nicht formell ausgetrieben werde '^). Apian 
begab sich zunächst nach Wien, dann nach Tübingen, wo er noch 
20 Jahre zum Segen der Wissenschaft wirkte ^^*). 

In den philosophischen und humanistischen Fächern finden wir 
i. J. 1551 den Yultejus, welcher gewiss nur vorübergehend das 
Oriechische vertrat ^^^), sowie aus d. J. 1552 die Notiz, dass der 

391) Ebend. Anf. Dec. 1568. 

392) Gleichfalls b. Westenrieder a. a. O. 8. 263 gedruckt, aber mu 
gleichem Ghrunde auch unten Bd. II, Urk. Nr. 87. 

393) Arch. d. Univ. a. a. 0, 10. MRrz 1569. 

394) Archiv d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 219 (14. Mftrz 1569). 

395) S. Bd. II, Biogr. Nr. 81. 

3%) Arch. d. Univ. D. III, Nr. 4, 8.676. Allerdings wird er hier Johaao 
Yultejus genannt, kann jedoch aus chronologischen Gründen nur der bekannte 
Philologe Justus Yultejui sein; s. Bd. II, Biogr. Nr. 82. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 331 

Professor der aristotelischen Physik Caspar Hermann starb ^*^). 
Wahrscheinlich Nachfolger des Vultejus war der durch reiche lit- 
terarische Thätigkeit hervorragende Abraham Löscher, welcher 
i. J. 1551 als Lehrer des Griechischen aufgenommen wurde und nach 
Abgang des Lorichius (1554) Khetorik mit einem Gehalt von 80 fl. 
übernahm, später aber (1558) als Doctor Juris promovirte und somit 
sich einem anderen Berufe zuwendete '^^®). Das Griechische übernahm 
an Löscher's Stelle um 60 fl. i. J. 1554 Sebastian Rev sacher 
aus Oetting, welcher schon im vorhergehenden Jahre als Lehrer der 
Philosophie eingetreten war und letzteren Lehrgegenstand i. J. 1556 
nebenbei wieder aufnahm, bis er ihn nach Amerbach's Tod (1557) 
als sein Hauptfach gegen eine Gehaltszulage von 20 fl. übertragen 
erhielt"^^^) ; i. J. 1564 gieng er als Regierungsrath nach Burghausen 
ab, wo er i. J. 1571 starb ^^°). Die von Reysacher aufgegebenen 
Vorlesungen über Griechisch übernahm i. J. 1557 der Jesuit Pel- 
tanus^""'). Im J. 1558 wurde ein gewisser Joachim Axonius 
für die beiden antiken Sprachen auf Probe aufgenommen"*^*) und auch 
Johann Lonäus Boscius aus Löwen um 150 fl. für sog. „oratoria" 
(d. h. Rhetorik und Cicero) gewonnen'*"^), welcher aber alsbald über 
Mathematik zu lesen begann und nach der Vielseitigkeit seiner Kennt- 
nisse zugleich seit d. J. 1560 in die medicinische Facultät eintrat 
(s. ob. Anm. 351), jedoch ohne aus der philosophischen Facultät aus- 
zuscheiden, in welcher er noch fortwährend Mathematik lehrte*"*). 
Wahrscheinlich als Boscius Rhetorik aufgab, wurde für dieses Fach 
i. J. 1550 Caspar Macer angestellt, welcher sich litterarisch als 
heftiger Gegner der Lutheraner bethätigte''^''^). In gleicher Rich- 



M)7) Med er er, Annal. Bd. I, 8. 230. 

398) Ebend. S. 223 u. 252 u. Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 20. Apr. 1554. 
S. Bd. II, Biogr. Nr. 83. 

399) So wird es verständlich, dass Mederer (ebd. 8. 23H u. 245) zweimal 
ihn „aufgenommen werden'* läsHt; 8. Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 20. Apr. 1554 
u. 24. Sept. 1557. 

100) Mederer, ebd. 8. 292. 

401) S. oben Anm. 25. Mederer, 8. 245, irrt in der Jahrszahl. Vielfache 
Verstösse Mederer's werde ich im Folgenden stillschweigend verbessern. 
102) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 7. Dec. 1558. 

403) Ebend. 28. Aug. u. 5. Sept. 1558. 

404) Diess ist sowohl aus d. J. 1569 (s. Arch. d. Univ. ebend., 9. Juli 15(^»9)^ 
als auch durch das öfter angeführte Lections-Yerzeichniss v. 1571 bezeugt, so- 
wie noch für d. J. 1573 durch Arch. d. Univ. T, 23, Aug. 1573, 

405) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 84. 



332 Zeitr. II, Cap. 1 (1560- 1588). 

tung schriftstellerte als Dichter Yitus Jacobäus, welcher i. J. 
1562 an des verstorbenen Ziegler's Stelle mit einem Oehalte von 
50 il. aufgenommen wurde '^^); sein giftgeschwollenes, übrigens aber 
holpriges und langweiliges Gedicht „Hy^ena Lutherana^S zu welchem 
ihm Staphylus und Eisengrein geholfen hatten, ist weder gestohlen 
worden noch verloren gegangen ^*^^), sondern in zwei Redactionen nebst 
anderen Machwerken des frommen Professors, welcher i. J. 1568 
starb, im Universitäts-Archive vorhanden ^"*^). Im J. 1564 kam an 
des verstorbenen Gothard Stelle Georg Amerbach (der Sohn des 
Yitus), musste aber sogleich an Stelle der lateinischen Grammatik 
die Vorlesungen über Dialektik um 55 fl. übernehmend^), während 
zugleich die Leetüre Cicero^s dem Friedrich Landauer um 50 fl. 
übertragen wurde, welcher i J. 1570 seinen schon einige Zeit vorher 
gefassten Entschluss, in seine Heimath Fulda zurückzukehren, ins 
Werk setzte "*'") ; und gleichzeitig mit diesen beiden wurde für griechi- 
sche Grammatik HannardGomerius genannt Mos aus angestellt^"). 
Im folgenden Jahre (1565) finden wir einen Wilh. Wispeck aus 
Hall, welcher i. J. 1569 durch Krankheit genöthigt war, seine Stelle 
aufzugeben^''), sowie einen gleichfalls nicht näher bekannten Joh. 
Alberti, an dessen Stelle nach längerer Unterhandlung (da auch 
der Jesuit Arboreus abgegangen war) i. J. 1567 Albert Hunger 
(der Sohn Wolfgang's) trat und die aristotelische Physik übernahm ^'^); 
derselbe trat zwar i. J. 1570 in die theologische Facultat über (s.ob. 
Anm. 294), woselbst er seine hauptsächliche Thätigkeit entwickelte« 
Hess sich aber i. J. 1573 beim Abgange der Jesuiten wieder herbei, 
auf einige Zeit seine genannte frühere philosophische Vorlesung zu 
wiederholen^*^). Die Dialektik wurde i. J. 1568 einem Michael 



km;) Archiv d. Univ. B, I, Nr. 2, 7. Febr. 1562. 

407) Wie Rot mar argwöhnt, ohne hierin auch von Med er er (Bd. I» 
8. 310) corrigirt zu werden. 

408) 8. Bd. II, Biogr. Nr. 85. 

409) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 5. Dec. 1564 und T. Vol. I, f. 5 (12. Deo. 1504). 

410) Ebend. T, Vol. I, f. 5; E, I, Nr. 2, 9. Juli 1569; D, III, Nr. 7, f. 
243 V. (Sept. 1570), 0, I, Nr. 4, f. 1 (3. Juli 1567). 

411) Ebend. 0, Dec. 1564 (Mederer, Bd. I, 8. 280). 8. Bd. II, Biogr. 
Nr. 86. 

412) Mederer, S. 291; Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 15. Juni 1569. 

413) Arch. d. Univ. ebend, 3. Dec. 1566 u. 24. Juni 1567; O, I, Nr. 4, f. 
7 V. (28. Oct. 1567) u. f. 11 (4. März 1570). Mederer, 8. 302 u. 306. 

414) Schon im Aug. 1573 wurde hierüber mit ihm unterhandelt, g. Aroh. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 333 

Westermair übertragen, welcher jedoch nur ein paar Monate 
las"*'"^) und den Joh. Widmer zunoi Nachfolger erhielt; dieser wurde 
i. J. 1571 beauftragt, auch über aristotelische Politik zu lesen, aber 
wahrscheinlich bald hernach wegen seiner Faulheit entfernt '*'^*). An 
Stelle des verstorbenen Jacobäus bekam (1568) die Professur der 
Poetik Philipp Menzel^*'), welcher vielleicht zu der ihm auf- 
getragenen religiösen Poesie (s. ob. Anm. 148) sich nicht für hin- 
reichend befähigt hielt und schon i. J. 1571 nach Italien gieng, um 
dort Medicin zu studiren**'^), sowie er auch nach einiger Zeit (1574) 
wirklich in die medicinische Facultät übertrat (s. oben Anm. 357). 
Und nun war schon i. J. 1569 an Stelle Landauers, welcher damals 
auszuscheiden beabsichtigte, Valentin Rotmar getreten, welcher 
für seine Vorlesungen über Rhetorik und Aphthonius 50 fl. vom Her- 
zoge und 20 fl. von der Universität erhielt*'*®), und es schlug ihn 
bei Menzers Abgang nach Italien die Universität zum Lehrstuhle der 
Poetik vor, welchen er auch alsbald erlangte ^*^); nachdem er von 
1572 bis 1574 in Augsburg gelebt hatte, übernahm er von dort 
zurückgekehrt das Fach der Rhetorik und bewarb sich nach dem 
Tode des Sifanus (1579) auch um jenes des Griechischen^-'); er 
hatte sich das Verdienst erworben, die Annalen unserer Universität 
begonnen zu haben (s. ob. Anm. 230), und starb i. J. 1580^"). 
Fast gleichzeitig mit dem Eintritte Rotmar's erhielt die Facultät i. J. 
1569, nachdem wahrscheinlich kurz vorher Hannard Mosäus ausge- 
schieden war, zwei Vertreter des Griechischen; der eine war Joh. 
Lyresius, welcher Anfangs griechische Grammatik las, dann aber 



d. Univ. T, Vol. I, f. 52, und in dem oben (Anm. 371) angeführten Lections- 
Verzeichnisse vom Spätherbat 1573 erdcheint er als Vertreter der aristotelischen 
Philosophie. 

415) ü, I, Nr. 4, f. 8 (10. Juni u. 13. Aug. 1568). Mederer, S. 308 u. 312. 

4 IG) Arch. d. Univ. E, I. Nr. 2, 9. Aug. 15G8, und T, Ende Febr. 1571. 

417) Ebend. E, I, Nr. 2, 30. Mai 15G8. Mederer, S. 308. 

418) Arch. d. Univ. T, 9. Febr. 1571 ; doch scheint er sich dort damals 
nicht lange aufgehalten zu haben, denn im Lections-Kataloge v. Herbst 1571 
kündigt er Virgilius an; vielleicht begab er sich nochmals nach Italien. 

419) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 15. Juni u. 9. Juli 1569; O, I, Nr. 4, f. 
10 (13. Juli 15G9). 

420) Ebend. T, 9. Febr. 1571, u. D, III. Nr. 7, f. 249 v. Mederer, Cod. 
dipl. S. 334. 

421) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 24. Mai 1572 d. £, U, 5. Mai 1579. Me- 
derer Annal. Bd. II, 8. 3, 11 n. 16. 

422) 8. Bd. II, Biogr, Nr. 87. ... .... 



334 J^eit»^- II» Cap. 1 (1550—1568). 

(1570) an Hunger's Stelle Philosophie abernahm und hernach römi- 
sche Geschichte aus Florus und Livius vortrug**^); noch i. J. 1571 
aber kündigte er seine Stelle, um einen Privat-Dienst anzunehmen'*'^). 
Der zweite, Lauren tius Sifanus, war der Universität duich Fugger 
empfohlen worden und genoss die fQr derlei Fächer seltene Besol- 
dung von 150 fl. "•**), so dass möglicher Weise auch der Neid bei 
den religiösen und anderweitigen Vorwürfen mitspielte, welchen er 
bald nach seinem Eintritte ausgesetzt war^^^); er überstand diese 
Anfeindungen und las mit grossem Eifer zuerst über Thukydides, 
Herodot und Pausanias, dann auch über Xenophon und die Grammatik 
des Gaza, und drang darauf, dass getreu der Verordnung v. 1571 
(s. ob. Anm. 368) das Griechische als obligate Vorlesung festzuhalten 
sei''^'); der auch litterarisch nicht unthätige und gewiss förderlich 
wirkende Mann starb i. J. 1579^'^). Als Rotmar nach Augsburg 
gieng, wurde seine Stelle i. J. 1572 dem Convertiten Johann En- 
ge rd mit einer Besoldung von 60 fl. übertragen, welcher bereits 
gleich nach seinem Antritte sich eine ernste Büge über Nachlässig- 
keit in der Vorlesung, in Auftreten und Kleidung u. s. f. zuzog*"); 
dass er Botmar*s Arbeiten, welche die Geschichte unserer Universität 
betrafen, fortsetzte, wurde bereits oben (Anm. 230) erwähnt; im 
Uebrigen war er eigentlich ein garstiger Mensch; schon 1578 und 
dann abermals 1583 bat er um ein Beneficium, da die Vorlesungen 
über heidnische Poesie nicht zu seinem geistlichen Berufe passend 
seien, und er, nachdem er bereits zwei seiner Brüder katholisch ge- 



423) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 18. Nov. 1569 u. Ifi. Pebr. i:>7(); O, I, 
Nr. 4, f. y V. (26. Oct. 15G8); Lections-Verz. v. 1571. 

424) Me derer, Bd. 1, S. 320. Arch. d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 261 (80. 
März ir>71). S. Bd. II, Biogr. Nr. 88. 

425) Staata-Biblioth. Cod. Bavar. 3018, f. 6 v. 

42(i) lian warf ihm ausser jenen schon oben erwähnten Bedenken betreffli 
dei Eideg (s. Anm. 153) auch vor, dass er in den Vorlesungen Calvin und Besä 
citire, dass er unverschämt und lüderlich sei, in Augsburg nur den Namen 
„Saufanus'' gehabt habe, dass selbst die Studenten seine AnsteUang überhaupt 
nicht begreifen können u. dgl., s. Arch. d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 237 (17. Febr. 
1570) u. E, I, Nr. 2, 20. Febr. 1570. 

427 j Ebend. E, I,^r. 2, 1«. Nov. 156!); E, II, 22. Nov. 1571; 0, 24. Joni 
1573; Lect-Verz. v. 1571. 

428) S. Bd. II, Biogr. Nr. 89. 

429) Arch. d. Univ. 0, I, Nr. 4, f. 16; E, I, Nr. 2, 24. Mai n. Ende Mai 
1572; D, III, Nr. 7, f. 263 u. 265 (es wurde ihm empfohlen, dafür in lorgen, 
dass er nioht wie ein Barbier oder Harfenist aussehe). ^ 



Zeitr. II, 0Ap. 1 (1550—1588). 335 

macht, nun an der Conversion seiner Eltern arbeiten mtlsse^ ; trotz 
dieser frommen Beschäftignng aber zeigte er eine solche Auiltthning, 
dass schon i. J. 1585 die Regierung ihn wegen „bösen Wandels'* 
abzudanken gedachte und im folgenden Jahre ihn die herzoglidien 
Räthe bei Schilderung des Juristen Hell (ob. Anm. 334) als Muster 
eines verlumpten Wesens aufstellen konnten^'); so wurde er denn 
auch i. J. 1587 mit einem Viaticum von 25 fl. weggeschickt^'). 

Unterdessen waren im Zusammenhange mit der Anstellung eines 
weltlichen Dialektikers jene oben erzählten Ereignisse eingetreten, in 
Folge deren die Jesuiten zeitweilig ausschieden (s. ob. Anm. 82, 
95—100 u. 371). Nemlich nachdem die Universität schon wieder- 
holt darauf hingewiesen hatte, dass die Besetzung der Dialektik un- 
umgänglich nOthig sei (s. ob. Anm. 369), machte die Facultät i. J. 
1573 durch öffentlichen Anschlag bekannt, dass Friedrich Mar^ 
tini aufgenommen worden sei, um über Gäsarius zu lesen ^, und 
es war mit demselben in der That eine tflchtige Lehrkraft gewcmnen ; 
er vertauschte zwar noch im gleichen Jahre diese Vorlesung mit dem 
Organen, kehrte aber bald wieder zu derselben zurfick und verband 
mit ihr die aristotelische Physik, welche er später an Stelle Prun- 
ner's als Hauptfach übernahm'*^); i. J. 1579 aber trat er an die 
juristische Facultät über (s. ob. Anm. 329 ff.). Gleichzeitig jedoch 
mit Martini's Anstellung fühlte die Facultät lebhaftest das Bedürf- 
niss nach einem tüchtigen Vertreter der Bhetorik und der ciceroni- 
schen Leetüre, und während die Begierung (Aug. 1573) meinte, man 
könne etwa gleich mit Martini unterhandeln, ob er nicht auch diese Vor- 
lesungen übernehmen wolle, und jedenfalls sei mit einer Beruflmg 
nicht zu eilen, zumal man mit Fremden leicht „Verstösse**^, be- 
richtete die Universität an die herzoglichen Bäthe, sie denke an 
Wolfg. Scberel (früher in Eichstädt, dann seit ein Paar Jahren 
als Hofmeister in Löwen und Dole), wolle aber jedenfalls auch nach 
Löwen und nach Italien um eine berühmte Lehrkraft schreiben, und bis 



430) Ebend. £, I, Nr. 2, 3. Deo. 1678 u. Not. 1688. 

431) Staats-Bibliotfa. Cod. Bayar. 2205% Yol. I, f. 28; Aroh* d. UoIt. £, I, 
Nr. 2, 18. Juli 1586. 

432) Aroh. d. Unir. E, I, Nr. 2, 20. Jan. 1587. S. Bd. II, Biogr. Nr. 90. 

433) Arch. d. Univ. 0, 24. Jani 1578 n. D, UI, Nr. 7, L 265. 

434) Staats-Biblioth. Cod. BaTar. 3018, t 40; Aroh. d. Unin D, III, Nr. 7, 
f. 268 u. 270; Lect-Yers. t. 1673. 

435) Aroh. d. UoiT. T, Vol. I, f. 52 (22. Aag. 1578). 



336 Zeitr. II, Cap. 1 (1550— 1588). 

zur Entscheidung könne von Hildens ch wand und vonBanchinuB, 
allenfalls auch von Martini oder Hunger Aushilfe geleistet werden^**). 
Unmittelbar hierauf wendete sich die Universität auch wirklich an den 
damals in Löwen befindlichen Lyresius, derselbe möge einen hervor- 
ragenden Vertreter der Philosophie und einen desgleichen ffir Rhe- 
torik, sei es aus Deutschland, Italien, Frankreich, England , Schott- 
land oder Spanien namhaft machen, nur dürfe derselbe keinenfalls 
Jesuit sein'*^^); da aber der über des Lyresius eingelaufene Antwort 
erstattete Bericht durch den herzoglichen Ganzler Eck dahin beant- 
wortet worden, dass die beiden vorgeschlagenen zu theuer seien (es 
könnten höchstens 150 bis 200 fl. geboten werden), und dass es mit 
Fremden überhaupt leicht Differenzen geben würde, solief(Dec. 1573) 
schliesslich aus Löwen eine abschlägige Antwort ein^'^), Vorauf die 
Universität abermals vergeblich an Eck schrieb, um unter Hinweis 
auf andere blühende Universitäten die Berufung einer Celebrität ku er- 
wirken **^). Schon zu Anfang dieser Unterhandlungen, welche trotz ihrer 
Erfolglosigkeit gewiss der Universität zur Ehre gereichten, hatte der 
Herzog in eigenem Schreiben (Sept. 1573) zum Lehrstuhle der Phi- 
losophie einen gewissen Joh. Prunner in Thurgau, für Rhetorik 
den Gerhard Vossius, für Humaniora den p]isengrein*schen Sichter in 
Oetting Christoph Eimer empfohlen, worauf die Universität be- 
richtete, den Prunner kenne man nur als einen Fanatiker, Vossius sei 
lediglich unselbstständiger Compilator, Eirner aber zu alt, hingegen 
stehe man mit Wolfg. Scherel bereits in Unterhandlung*""). Doch 
es drang des Herzogs Wunsch theilweise durch, und wir finden im 
Dec. 1573, als kein Jesuit mehr an der Facultät war, folgende Be- 
setzung: Scherel liest Dialektik, Martini über das Organon, 
welches er jedoch bald wieder an Thomas Elaiber abtritt, 
Eirner hat Cicero übernommen und Prunner die aristotelische 



4SG) Ebend. T, 23. Aug. 1573. 

437) Ebend. E, I, Nr. 2, 2G. Aug. 157H. 

438) Ebend. D, III, Nr. 7, 22. Oct. u. 3. Nov. 1573; E, I, Nr. 2, 20. Oct. 
1573 u. 1. u. 7. Jan. 1574. Staats- Biblioth. Cod. ßayar. 3018, f. 38 (Brief dea 
Lyresius y. 8. Dec. 1573). 

4310 Staats-Biblioth. ebend. f. 37 (Brief v. 0. Jan. 1574); es wird hervor- 
gehoben, dass in Paris Carpentarius und Lambinus wirken, in Luwen Cornelius 
Valerius und Beyern, in Leipzig Simonius, in TObingen Scheck, in Köln Hat- 
thisius, in Padua Robortelli, in Bologna Sigonius und Pantasius. in Rom Pon- 
tanus und Muretus. 

440) Arch.d. Univ. T, Vol. 1, f. tJ7, Ü9, 75 (13. u. 20. Sept. u. 12. Oct. 157S). 



Zeitr. n, Cap. 1 (155C— 1588). 337 

Physik, welche ihm aber, da er sich als unfähig zeigte, bald wieder 
abgenommen und dem Martini übertragen wurde ""'); auch bekam zur 
gleichen Zeit der allmälig alternde Wolfg. Zettel (ob. Anm. 385) 
einen Gehilfen an Sebast. Enab Eckius, welcher i. J. 1578 an 
die juristische Facultät (ob. Anm. 327) übergieng*^*). Im J. 1574 
trat Georg Airnschmalz, ein Enkel des oben (Zeitr. I, Cap. 10, 
Anm. 31) erwähnten Magnus in die Facultät ein*"-^). 

Nach der Wiederkunft der Jesuiten i. J. 1576 (s. ob. Anm. 101 flf. 
u. 372) war es der Hauptsache nach um die Facultät bereits ge- 
schehen. Wir finden noch einen gewissen Hell mar, welcher an 
Stelle des ausscheidenden Martini i. J. 1578 die Dialektik über- 
nahm^*)» uwd i. J. 1582 wurde Robert T u r n e r genannt Anglus 
für Ethik und Rhetorik um eine Besoldung von 200 fl. gewonnen, 
welcher aber schon i. J. 1584 sich zur theologischen Facultät (s. ob. 
Anm. 298) wendete**^). An seine Stelle kam der vom Herzoge em- 
pfohlene und von der Facultät äusserst günstig aufgenommene Ed- 
mund Hollyng mit 100 fl.*^^). Da aber auch dieser i. J. 1588 
sein Fach vertauschte und Medicin zu lehren begann, war die philo- 
sophische Facultät an weltlichen Mitgliedern gänzlich verwaist, und 
die Jesuiten konnten, nachdem sie dieses ihr Ziel allmälig erreicht 
hatten, sich in den ausschliesslichen und völligen Besitz setzen. 



441) Ebend. D, III, Nr. 7, f. 268; Staata-Biblioth. Cod. Bavar. 3018, f. 40. 
Lect.-Yerz. v. 1573. Als Prunner, welcher calviniBtischer Prediger geworden 
war, später (1570) um ein Zeugnis» seiner damaligen ThStigkeit bi\t, wurde ihm 
diesä abgeschlagen, da es besser sei, Qber ihn Qberhaupt zu schweigen (Archiv 
d. Univ. a. a. 0. f. 294 u. Staats-Bibl. a. a. 0. f. 6 v.). 

442) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 2G8. S: Bd. II, Biogr. Nr. 91. 

443) Engerd dichtete ihm in Erinnerung an die Verdienste des Grossvaters 
Carmtna gratulatoria ^ welche sogar gedruckt wurden (Univ. - Biblioth. P. lat. 
rec. 4. 724). Im J. 157G wurde Airnschmalz auf 8 Tage durch den Rector ein- 
gesperrt, Arch. d. Univ. a. u. 0. f. 278 v. 

444) Mederer, AnnaU Bd. II, 8. 51. Im Oot. 1581 trat Hellmar in den 
Senat ein, s. Arch. d. Univ. D, III, Nr. 8, f. 84 v. (vgl. 0, I, Nr. 4, f. 26). 

445) Arch. d. Univ. B, IV, 10. Febr. 1582; E, I, Nr. 2, 10. März 1582. 
Archiv-Conserv., Tom. III, f. 295, 5. Apr. 1584. 

446) Arch. d. Univ. E, I, Nr. 2, 18. u. 23. Apr. 1584. Arch. - Conserv. 
a. a. 0.* Doch scheint Hollyng nicht regelmässig gelesen zu haben, denn wir 
haben schon aus d. J. 1585 (30. Sept.) die bestimmte Notiz, dass an der philo- 
sophischen Facultät kein Weltlicher lehrte, Mondern AUes in den Händen der 
drei Jesuiten Fabriciu^, Hagel und Pheder lag, s. Arch. d. Univ. D, III, Nr. 8, f. 81. 

P r « n 1 1 , Geschichte der Uairerslt&t München I. 22 



338 Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

Unter den 29 Jesuiten, welche von 1550 — 1588 je nach den 
wechselnden Ereignissen bald sporadisch bald massenhafter an der phi- 
losophischen Facultät lehrten, verdient ausser den zwei schon oben ge- 
nannten, nemlich Peltanus (Anm. 24 f.) und Mayrho fer(Anm. 290), 
nur noch der Murnauer Balthasar Hagel einige besondere Er- 
wähnung, insoferne er schon vor d. J. 1582 (s. ob. Anm. 113) neben 
dem Hebräischen sich auch des Griechischen annahm und litterariech 
wenigstens nicht ganz unthätig war '^^). Alle üebrigen C— denn 
Gretser trat erst in den letzten Monaten dieser Periode ein, und 
auch Michael Eiselin möge im folg. Cap. unter den Theologen 
erwähnt werden — ) sind lediglich Figuranteu des Ordens, wodurch 
allein sie allerdings viel Unheil gestiftet haben mögen, welches uns 
in seinen verstohlenen Fäden natürlich heutzutage nicht mehr offen 
vorliegt ''^^J. 

Regens des Georgianums war i. J. 1551 (als Nachfolger des 
Hrasmus Wolf) der Jurist Joh. Spreter aus Bottweil geworden; an 
seine Stelle trat im Dec. 1554 auf zwei Monate aushilfsweise der 
oben genannte Ziegler, dann folgte (1555) Joh. Schütz aus Stutt- 
gart*"^). In die kurze Amtsführung desselben fällt höchst wahr? 
scheinlich eine Untersuchung, bei welcher 12 Stipendiaten über ver^ 
schiedene Fragepuncte vernommen wurden und durch ihre Aussagen 
schlimme Zustände aufdeckten ; der grobe und rohe Regens, — gaben 
sie zu Protokoll — , welcher sie „ums Maul zu schlagen" pflege, 
stecke Tag und Nacht bei der Kastnerin oder bei der Schaffnerin und 
deren Mägden, sei auch nachlässig in der vierteljährigen Rechnungen 



447) S. Bd. II, Biogr. Nr. 92. 

448) Die leeren Namen, deren einige uns in der folgenden Periode in der 
theologischen FacultSt wieder begegnen werden, sind: Peter Schorich (1550), 
Halbpauer und Limborg (1559), Henr. Arboreus, Alph. Pineda und 
Joh. Marquesius (15G2), Wimpinensis (15G4), Joh. Dom. Arboreni 
(15G5), Ursinus (1507), Paul Yizanus (15G8), Reyner B'abrioins und 
Joh. VicÄus (1570), Georg Schorn (1571), Ferd. Alber (1572)» Ant 
Balduinufl und Joh. Holonius (neben Mayrhofer 157G), Rioh. Haller 
(1578), Nie. Carpentarius (1579), Georg Pheder (1581), Andr. SylTini 
(1583), Joh. Perius (1585), Joh. Christ. Silberhorn und Joaoh. Rhe- 
tius (1587), Christ. Mutsohberger genannt Marianus und Georg 
Schrdttel (15b8). Ton den!<elben lehrten Fabricius, Schorn und Holonins Rhe* 
torik, Pheder und Silberhorn Mathematik , alle Üebrigen sog. Philoiophie (b»> 
weilen auch etwas Hebräisch). 

449) Mederer, Annal., Bd. I, S. 224, 239, 245. Gegen Spreter als Juristen 
legt ein anonymes Promemoria Verwahrung ein (Arch.-Consery. Tom. III, C. d9). 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 339 

abläge, gebe eine ganz schlechte Kost, lasse sich von den Stipendia- 
ten zu Vergünstigungen „abschmieren'' u. dgl.'*'^). In der oft er- 
wähnten Reformation v. Dec. 1555 wird zunächst die Vornahme der 
nothigen baulichen Veränderungen für kommendes Frühjahr angeord- 
net, dann auf die Haftbarkeit der Stipendiaten und eventuell des 
Regens betreffs der im Hause gestifteten Schäden hingewiesen ; femer 
habe der Regens, welcher stets ein Priester sein solle, vor allem die 
einlaufenden Präsentationen zu prüfen und, falls auf ein erledigtes 
Stiiendium binnen 2 Monaten von der berechtigten Stadt Niemand 
l»räsentirt worden, von sich aus Vorschläge zur Besetzung an die Re- 
gierung zu bericliten , sodann solle er den Schaffner zur Lieferung 
guter Kost anhalten und neben der ohnediess ihm obliegenden Auf- 
sicht dafür sorgen, dass den Stipendiaten durch einen Präceptor, wel- 
cher von der Universitäts-Camer jährlich 28 bis 32 fl. beziehen kann, 
Nachhilfe im Studium bis zur Erlangung des Magisteriums geleistet 
werde, sowie dass in den üblichen Conversationen und Declamationen 
kein Versäumuiss eintrete; alle Stipendien seien nach Möglichkeit 
um 2—3 fl. jährlich zu erhöhen, und die von Herzog Georg gestif- 
teten sollen von nun an auf 8 Jahre verliehen werden, deren erste 
3 — 4 der Erreichung des Magisteriums, die übrigen aber dem Stu- 
dium der Theologie zu widmen seien, und jeder Stipendiat habe einen 
Revers zu unterschreiben, dass er, falls er das Studium der Theologie 
und den Vorsatz geistlichen Standes aufgebe, das bis dahin genossene 
Stipendium zurückbezahlen werde, sobald es seine Vermögens -Ver- 
hältnisse erlauben; auch schliesse der Genuss eines Stipendiums die 
Pflicht ein, in der Folge dem bayerischen Lande zu dienen"*^*). Als 
jene Reformation, wie oft erwähnt, i. J. 1562 in lateinischer Form 
erneuert wurde, konnte auf die unterdessen hergestellten Baulich- 
keiten verwiesen werden, ausser diesem aber und neben der Bestim- 
mung, dass der Schaffner nie Geld voraus bekommen soll, enthält 
diese neue Redaction den sehr wesentlichen Zusatz, dass die Zurück- 
bezahlung des Stipendiums seitens derjenigen, welche schlechterdings 
keine Neigung zur Theologie haben, auf speciellen Bericht des Re- 
gens unterbleiben könne, wofern dieselben überhaupt brav (frugi) sind 
und anderweitig dem Lande zu dienen versprechen ■*'^*) , und in einem 



150) Arcliiv-CoiHcrv. Toni. III, f. 105 ff. (woaelbst das ganze ProtokoU 
aller Au.S3agon). 

•101) S. Hd. II, i;rk. Nr. 71. 

452) Mederer, Cod. dipl. S. 315. 

22* 



340 Zeitr. "i Cap. 1 (1550-1588). 

kürzeren Auszuge dieser Verordnungen v. 1562, welcher uns unte^ 
dem Titel „CaptVa refoi^fnationis in colleyio Georgiauo factat^* er* 
halten ist, wird bei diesem Puncte nur die schliessliche Willens- 
Entscheidung des Herzoges etwas stärker betont ^''^). 

In der Zwischenzeit war auf obigen Schütz als Regens i. J. 
1556 Steph. Beittmair gefolgt, dann 1558 Friedr. Lichten- 
auer, hierauf 1559 Paul Zettel, sodann 1562 Christian Krip- 
per, welcher i. J. 1570 diese Stelle verliess, um als SufEragan nach 
Passau zu gehen ^'*^). Letzterer hatte mancherlei Kämpfe zu führen« 
wobei ihm aber unleugbar eine grosse Energie zur Seite stand. Nach- 
dem nemlich schon sein Vorgänger wiederholt bei der Stadt Hilpolt- 
stein in Erinnerung gebracht, dass sie endlich einen tauglichen Sti- 
pendiaten präsentiren solle, trat i. J. 1562 der Hilpoltateiner Magi- 
strat mit mehreren Beschwerden auf; die Stipendiaten seien mit 
ihren jährlichen 25 fl. nahezu in Gefahr, zu verhungern, obwohl daa 
Georgianum reichste Einkünfte habe und z. B. von Meckenhauaen 
allein jährlich 350 fl. beziehe; auch werde die stiftungsgemäsae Ver- 
theilung der Ueberschüsse nicht eingehalten , und ausserdem nöthige 
man die Hilpoltsteiner Stipendiaten zu Cultusacten und zu einer Form 
des Abendmahles, durch welche sie sich in ihrem religiösen Gewissen 
verletzt fühlen; auch verbiete man ihnen, später in Dienste ihrer 
Vaterstadt zu treten. Nürnberg als Territorial-Herr Htlpoltstein's 
billigte dieses Vorgehen, und auch die pfalz • neuburgische Stadt 
Lauingen verband sich mit Hilpoltstein und Nürnberg zu erneuten 
Klagen über papistischen Druck, welchen die Stipendiaten des Qeor- 
gianums zu dulden hätten ^^-'). Darauf hin erstattete Kripper aus- 
führlichen Bericht an den Herzog, bei den theuern Zeiten könne sich 
nur ein geringer Ueberschuss ergeben, zumal die Stipendien bereits 



453} S. Bd. II, Urk. Nr. 77. Ueberhaupt darf die ganze Bestimmaiig ftbw 
theologisched Studium und künftigen geistlichen Stund der Stipendiaten nnr fon 
denjenigen verstanden werden, welche ein von Herzog (}eorg gestiftetes Stipan* 
dium genossen; denn nur besaglich dieser hatte auch Herzog Albreeht das 
Recht, frühere Statuten (s. Zeitr. I, Cap. 11, Anm. 5) zu verschärfen. Im Prin- 
cipe ja war und blieb das Georgianum vorlftufig ein Conviot, in welches ««eh 
von Anderen Freipl&tze gestiftet und hieran anderweitige Beitimmungen ge» 
knüpft werden konnten, s. Zeitr. L Cap. 13, Anm. 2\Vo und hier unten Anm. 47S. 

454) Med er er, Ann., Bd. I, S. 246, 2ö5, 258, 272 (derselbe UUst abw 
S. 295 auch da^ Misitverst&ndniss zu, dass Kripper bereit» i. J. 1505 aasge- 
Bchieden sei). 

465) Neuburger Arohiv-Conservat. Nr. 3350. 




Zeitr. II, Cap. 1 (1560— 1&88). *341 

von 20 auf 25 fl. erhöht seien, auch den Angaben über Meckenhausen 
liege Uebertreibung zu Grunde; die Möglichkeit, die geistliche Lauf- 
bahn unter Rückzahlung der genossenen Stipendien zu verlassen, sei 
schon durch die Reformation v. 1555 gegeben, und erst jtlngst hätten 
die herzoglichen Räthe ausgesprochen, dass jene Stipendiaten, welche 
nicht bayerische Landeskinder sind, auch keine Verpflichtung haben 
sollen, in Dienste Bayerns zu treten; Anhänger aber neuer Religioni«- 
Secten im Georgianum dulden zu sollen, sei doch eine gar unbillige 
Znmuthung, und Lauingen und Hilpoltstein würden in umgekehrter 
Lage sicherlich von ihrem protestantischen Standpuncte aus das ana- 
loge Verfahren einschlagen**®). In Uebereinstimmung mit diesem 
Berichte schrieb auch der Herzog i. J 1563 an den Magistrat zu 
Nürnberg, die Hilpoltsteiner mögen sich bei der Vergünstigung, nicht 
in herzoglich bayerische Dienste treten zu müssen, begnügen lassen, Sec- 
tirer aber mit dem durch sie gegebenen Aergernisse seien im Georgianum 
nie zu dulden "^^). Nürnberg und später (1567) auch Wemding er- 
klärten sich durch diesen Bescheid als beruhigt^, und die Univer- 
sität war sonach nicht im unrechte, wenn sie (1570) an die Nüm> 
berger schrieb , dass von Hilpoltstein kein :Akatholik ins Georgianum 
präsentirt werden dürfe***). Auch gegen eine Statuten - Verletzung 
hatte Eripper i. J. 1565 anzukämpfen, indem beim Herzoge der 
Rector der Universität (Zettel) für seinen Famulus und ein gewisser 
Hebräus für seinen Sohn die Erlaubniss erwirkt hatten, dass diesel- 
ben das Stipendium ausserhalb des Georgianums verzehren durften, 
worauf Kripper dem Herzoge vorstellte, dass er von seinen RMhen 
missbraucht worden sei , und dass , wenn billiger Weise der gleiche 
An.^pruch anderer Stipendiaten befriedigt werde, sich fromme Leute 
wohl hüten werden, Stipendien in eine Anstalt zu stiften, in welcher 
die Statuten willkürlich gebrochen werden*^). Zu gleicher Zeit aber 
wurde von der Regieiiing dem Schaffner des Georgianums verboten, 
sich „voll zu saufen**, Schulden beim Metzger und Fischer zu 
machen und die Eüche oder Eüchenstube zu verschiedenen Stell- 
dichein oder gar Tänzen benützen zu lassen ^^*); auch entwarf Krip- 



456) 8. Bd. II, Urk. Nr. 78. 

457) S. Bd. II, Urk. Nr. 79. 

468) Neub. Arch.-Coneerv. a. a. 0. f. 30 ff. 

459) Arch. d. Univ. D, HI, Nr. 7, f. 241 t. (27. Juni 1570). 

460) Archiv-Conserv. Tom. III, f. 162 ff. 

461) Ebend. f. 157. 



342- Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1588). 

per eigene Gesetze für das (.leorgianuni, welche er mit der philoso- 
phischen Facultät (Febr. 1565) berieth; dieselben bezieben sich nur 
auf Disciplin und Hausordnung,, zeigen aber in iliren Einzelnheiten, 
wie sehr gegen liohlieit und Uebermuth anzukämpfen war '^*). Dasa 
aber Kripper zuweilen auch gewaltmässig verfuhr, zeigt sein Vor- 
gehen (1566) betreffs des Zeyss'schen Stipendiums, auf welches er 
unberechtigt die zweimonatliche Frist der Präsentation anwendete und 
sonach einen Candidaten ausser Besitz setzte, welchen Bector nnd 
Senat unter Zustimmung des Herzoges wieder restituirten*^^). 

Kripper's Nachfolger als Kegens war i. J. 1570 der oben er- 
wähnte Clenck, und auf diesen folgte i. J. 1577 der gleichfalls 
schon genannte Barth. Vischer''^). Dass noch immer die Auf- 
rechthaltung der Disciplin Schwierigkeiten darbot, sehen wir aus einem 
Senats-Beschlusse v. 1575 , wornach jeder , welcher im Georgianum 
Oarcerstrafe verwirkt hatte, seines Stipendiums verlustig gehen solle ***). 
Daher ist es erklärlich, dass Vischer's Nachfolger, obiger Robert 
Turner"*^^), überhaupt grössere Strenge walten zu lassen gedachte; 
schon im Jahre seines Eintrittes (1584) erwirkte er den herzoglichen 
Befehl, dass kein Stipendiat ohne Aut>nahme ausserhalb des Celle- 
giums wohnen dürfe^^"), und i. J. 1586 wurden nach einer von der 
philosophischen Facultät vorgenommenen Untersuchung mehrere äl- 
tere Bestimmungen (Ablieferung der Waffen, abendliche Sperre u. dgl.) 
wiederholt eingeschärft "**). Turner ist auch der Verfasser eines Pro- 
memoria's, aus welchem wir entnehmen, dass damals gegen 80 Sti- 
pendiaten im Georgianum wohnten, dass die wöchentlich zweimalige 
Messe an Stelle des Kegens der Besitzer des Widmann^schen Stipen- 
diums besorgte, dass der Gehalt des Kegens von ursprünglichen 40 
auf 109 fl. durch Beiziehung einiger Stipendien erhöht worden war, 
und dass die vielen Lasten überhaupt schon seit längerer Zeit zur 
Benützung vacirender Stipendien geführt hatten'®®), Hiedurch fand 
sich der Herzog gegen Ende d. J. 1586 veranlasst, zweimal an die 



462) 8. Bd. II, ürk. Nr. 84 (das Datum 3. Febr. 1665 steht aaf den 
Umschlage). 

4(;.3) Archiv-Conserv. Tora. III, f. 1G4. 
4tU) Mederer, Ann. Bd. 11, S. 33 u. 4'>. 

465) Arch. d. Univ. D, HI, Nr. 7, f. 271 v. 

466) Mederer a. a. 0. 8. 83. 

467) Arch.-Conserv. a. a. 0. f. 295 u. 297 (10. u. IJ. Oct. 1584). 
168) Mederer a. u. O. S. 105. 

469) S. Bd. II, ürk. Nr. 114. 



Zeitr. II, Cap. 1 (1550—1688). 343 

philosophische Facultät (welche damals bereits fast ganz in den Hän- 
den der Jesuiten war) über Reform des Georgianums zu schreiben; 
die Antwort der Facultät aber lief erst i. Jan. 1587 ein, als nach 
Turner's Abgang an seine Stelle Sixtus Fächer vorläufig als Pro- 
regens getreten war, und es gehen die Wunsche der Facultät dahin, 
dass der Kegens, welcher eines eigenen Kastners entbehren könne, 
als lesender Doctor oder Magister 200 ti. Besoldung haben, hiezu 
aber liein Stipendium verwendet werden solle, sowie überhaupt die 
Einziehung oder anderweitige Benützung der Stipendien unstatthaft 
sei, ferner, dass neue Stipendien nur mit einer Rente von wenigstens 
40 fl. gestiftet werden sollen, dass es verboten sein müsse, für die 
j^räsentation Geld zu nehmen oder zu geben, dass den Stipendiaten 
die Pflicht auferlegt werde, in den geistlichen Stand zu treten, dass 
dieselben im Georgianum hinreichende Kost bekommen sollen, um 
nicht noch auswärts zu ihrer Sättigung Geld ausgeben zu müssen, 
und dass ihnen überhaupt nicht baares Geld in die Hand gegeben 
werde, dass keinerlei Weibspersonen, auch nicht des Schaffners Frau 
oder Mägde, das Georgianum betreten, dass die Juristen und die 
Mediciner getrennt von den Philosophen (allenfalls aber zusammen 
mit den Theologen) im CoUegium wohben sollen und erstere durch 
einen Kepetitor in ihrem Studium unterstützt werden, dass alle Sti- 
pendiaten Quartal-Zeugnisse über Vorlesungs-Besuch vorzulegen haben, 
endlich das Rechnungswesen und Archiv des CoUegiums stets in Ord- 
nung gehalten werden^'"). Sowie wir aber so eben sahen, dass Stu- 
dirende aller Facultäten im Georgianum waren, so bestätigt sich uns 
dieses durch ein Memoriale Herzogs Wilhelm V v. 29. Oct 1587, 
worin nicht bloss der Wunsch ausgesprochen wird, dass bei Aus- 
theilung der Stipendien auch auf die Heranbildung künftiger Medi- 
einer gesehen werde (soweit nicht stiftungsgemäss die Verpflichtung 
zu einer bestimmten Facultät vorliege), sondern auch der Herzog 
selbst etliche Candidaten hiezu namhaft macht "*^'). Das Gutachten, 
durch welches die herzoglichen Räthe dieses Memoriale beantworte- 
ten, blickt bezüglich des Georgianums, abgesehen von der Nothwen- 
digkeit der Wahl eines tauglichen Regens, welcher zugleich Kastner 
wäre, und von der Zweckmässigkeit einer Wohnungs-Trennung der 
Stipendiaten nach Facultäten, hauptsächlich auf das Rechnungswesen 
und enthält unter anderem die Notiz, dass vom J. 1585 an der Re- 



470) S Bd. II, Urk. 'Sr. 115. 

471) Arcliiv-Conserv. Tom. IV, f. 60 ff. 



344 Zeitr. n, Cap. 1 (1560—1588). 

geus dem Schaffner allmälig 900 fl. schuldig geblieben sei, was da- 
her komme, dass letzterer seit jener Zeit für den Kopf wochentlidi 
7 Bazen (30 kr.) verrechne, während er vorher nur 5—6 Bazen be- 
zog; zur Herstellung eines besseren Gassastandes müsse jedenfalls in 
Zukunft der Schilling Pfennige wegfallen, welchen die Stipendiaten 
wöchentlich aus den je 25 fl. Jahres-Rente auf die Hand bekamen ^^'). 

Stipendien wurden in das Georgianum während dieser Periode 
gestiftet 1555 von dem Passauer Suffragan Khurz, 1561 von Wolfg. 
Furtmaier für beliebiges Fachstudium, 1562 von Mich. Harrer Egkh 
in Vilshofen und von Seb. Pemler, 1568 vom Würzburger Weihbi- 
schofe Georg Flach, 1569 vom Hofcaplan Konr. Hover und von Ma- 
gister Martin Wolf, 1579 von Doctor Mich. Bentz und vom herzog- 
lichen Canzler Eck, welcher seinem Stipendiaten nach Vollendung 
eines fünQährigen philosophischen Studiums ebenso wie Furtmaier 
die Wahl eines beliebigen Hauptfaches frei liess, sowie auch 1585 
der zu Mtlnchen lebende fürstliche Verwalter Joh. Fator eine Stif- 
tung üblichen Betrages derartig machte, dass jener Stipendiat, wel- 
cher der Fator'schen Verwandtschaft angehört, auch Jurisprudenz 
oder Medicin studiren darf^^'*). Ausserdem kommen zu dieser im- 
merhin ansehnlichen Reihe ^^') noch hinzu das Gryirsche Stipendiam 
V. J. 1561^''^), die Stiftung Kripper's um 1570"**), und das Vel'sche 
Stipendium, welches durcli Nachlässigkeit der philosophischen Facnl- 
tät bedeutend geschädigt wurde *^'), sowie Eisengrein's Legat i. J. 
1578 "»). 

Die Bibliothek der Universität hatte sich durch den warmen 
Eifer Eisengrein's einer wahrhaft gesegneten Periode zu erfreuen. 
Dieser nemlicli überredete zunächst den Canonicus und herzoglichen 



472) Ebend. f. 51 ff. 

173) Halten wir diess mit Obigem (Anm. 153) and mit dem lo eben (Ann. 
471) gesagten zu-ammen, so ist zweifellos ersichtlich, diiss das Georgianum den 
Charakter eines Convictes hatte, in welchem Studenten aUer Faoaltftten entweder 
auf Grund irgend einer Stipendien-Stiftung oder allenfalls auch um eigene Be« 
Zahlung wohnten und Kost nahmen. Vgl. Cap. 2, Anm. 358. 

474) Die Original-Urkunden all dieser genannten befinden sich fan ArohWe 
des Georgianums. 

475) Eine Copie dieser Stiftung im Arch.-ConieiT. Tom. I, f. 139. 
470) Med er er, Ann. Bd. I, S. 294. 

477) Arch. d. Univ. B, IV, 18. Aug. 1580; Arch.-ConsorT. Tom. IV. f. 61. 

478) Mederer, Ann. Bd. II, S. 43. 



Zeitr. n, Cap. 1 (1650-1588). 345 

Hofrath Job. Egolph vod KDöringen**^), seine reiche Biblio- 
thek , deren schätzbarer Bestandtheil die von ihm erkaufte Bücher- 
sammlung des Glareanus war, noch bei Lebzeiten an die Universität 
zu übermachen ^^^). Nachdem das betreffende Instrument schon i. J. 
1570 durch Fried. Landauer bei der Universität deponirt worden 
war****), fand am 2. Apr. 1573 durch den Notar in Anwesenheit 
Eisengrein's und Clenck*s die feierliche ProtokoUirung statt; der 
wesentliche Inhalt der Urkunde ist: Eg. v. Knöringen vermacht der 
Universität seine Bibliothek, welche in einer neu herzustellenden 
Räumlichkeit aufbewahrt werden soll, seine Handschriften-Sammlung, 
seine Münzsammlung*^'), den Inhalt seiner „Eunstkammer" , auch 
Kirchen-Ornate , Kelche , Sculpturen u. dgl. , welche sich in seiner 
Capelle zu Augsburg befinden ; zur Verwaltung der Bibliothek dienen 
100 fl., welche jährlich vom Domstifte zu Würzburg bezahlt werden; 
der Bibliothekar, welcher abwechselnd vom Würzburger Bischöfe und 
von einem Gliede der Enöringen'schen Familie auf 5 Jahre präsen- 
tirt wird, muss ehelicher Geburt, graduirt und geistlich sein (ist er 
letzteres nicht, muss er versprechen es zu werden), auch hat. er den 
Eid auf das Tridentinum zu leisten; Wohnung und Kost soll er im 
Georgianura haben ; die Bibliothek steht unter Oberaufsicht des Vice- 
canzlers und der vier Decane, welche einen Superintendenten wählen 
und jährlich am Samstage nach Martini Visitation halten, einem 
iSeelengottesdienste für den Stifter beiwohnen und zu einem Früh- 
stücke je Vj Kchsthlr. bekommen; jeder dieser Visitatoren hat einen 
Schlüssel, so dass zum Oeffnen alle vereinigt sein müssen *""% Im J. 



470) Derselbe hatte um IöjO in Ingolstadt und am 1560 in Freiburg, wo 
er mit Glareanus bekannt wurde, studirt, reiste dann nach Rom, Wien und Bel- 
gien , wurde Canonicus in Würzburg und Augsburg , herzoglicher Hofrath und 
erhielt auch vom Kaiser die Würde eines Comes palatinus ; i. J. 1573 wurde er 
Bischof von Augsburg, fieng aber bald zu krSnkeln an und starb i. J. 1575; 
«. Ign. Dom. Cyr. Schmid, Pantgyria in laudem J, Eg. a Knöringen, Ingoist, 
1745.1; Ad. Weishaupt, Oratio paneggr, in laud, Eg, a Knaringen, Ingoist. 
1768. 4; besonders aber Plac. Braun, Gtosoh. d. Bischöfe v. Augsburg. Bd. lY, 
8. 1—30. 

480) Me derer, Bd. II, S. 19 u. 42. 

481) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 7, f. 243 ▼. (25. Sept. 1570). 

482) Diese wurde i. J. 157ü von der üniversitftt dem Herzoge zum Kaufe 
angeboten (r. ebend. f. 278). 

483) Arch. d. üniv. X, 2. Apr. 1573; gedruckt b. Mederer, Cod. dipl. 
6. :i^9. Die Knoringen'sche Bibliothek enthielt 6062 BAndo, woTon jedoch bei 
einer Revision i. J. 1594 bereits 130 Bftnde fehlten; es BoUten nemlieh nunmehr 



346 /-citr. 11, Cap I (ir>&«>- r>^). 

iri74 hrwii^' Ki>fiif;ri*in dio KrbiMi ilos Kan/ltTs Sim. Tha«l«l Eck. 
ili«* \i>ii tltiiiiM-llii'n liiiitorla^scMi* nililintlii'k ;iii dii* I'niverüitat abza- 
^'elM'ii '* • ». liii'l HUMlt-r war t»s Kis^n^^rfin , WflrluM i .1. I'iTT d»»B 
Pp'fi*s«<>r (MiMii'k viraiila-^^ti* . sritirr nrM*lh*rsaiiiinlun^' die gleiche 
nc^tiiiiiiiiini: /u L'f Immi . V. i.rii.if]i i*s ^irli \:i\\\/ \**u si*IliSt \er:*iaod. 
Aa»< Ki s^i'itL'ri' in .wwh M-iinT^fits das rn-iiilit lu* that'"'*!. Su|*erin« 
teiideiit <'i}«'r rrar>'t'ri}<« d«'r Itildinthek war iniil filier jälirlicht'ii Ke* 
iiiiiiii'ratii>n \«'ii 1<> tl ) »«it l.'iTt» ilrr «dioii i*rviälinte kenntnisMreiche 
.1t»)i. I^iiii. [{••si-iu^. «If^^i'H KrIii'M ( lo^r»! mit di*r rnivfniUt eine 
un> n<K-li crlialttrir Al>ri'« Ihiuiil: |dl<i;r«'ii '" i. Hildiirthekar war Ma- 
^Mster Ili*\^^ mit «mium l(t>^iddiini; vnii sn II. iiihI si*it ir>*<4 Job. 
rrt'M'l in * ' i. Nailidi'iii du* u'«'>i*liätlli«'lu* liortMiii^run^ der llrtcber- 
Lf^'atf Kiii-riiiLTtiis und ('hMnk'> natli l.in^'fn'r Vi»r/n;renmj: pe«rbe- 
lieri nar, t.md i. .1. ITiSti am h ilor irt'fprdfrto Nnihaii d«*r Hiblio- 
tlifk-HäniiH' dir Gfiielimi^MiM^' *"") . und i. .1. l'>*^7 uurdv die reicbe 
Xiininlun^' in ila> rni\er.*<itäts-rii'Mudo vi'rliraclit '''''). 



III lifif*! %iiii Niirh*i-Ii .tTtiii^ Mi'.i." •rill, iil'ir wiihri'i.ij J'J'i aii-K'*!'**^'"^* C^'i^kbll 
«iiriliM. I. null 11 «11 »I iwir TiT :j ü]. \*.\\\ ml« ii . v Airli. iL fiiiv. P. III. Sr % 
f I»-. 

!»•;• .Mr.l.ri r. Amt!. Il.J. |I. S IJ f. 

»-'. Kl.rnl S. i: An'. •!. In*. 1». III. Nr 7, f. J'H r. Km InwiilAr 
ili r ( !rnk •rhiii niii-hiT*aiiiniIiiiij fiiiil<'t »irh i. il riiit.-lliliiiulli . I'oil Xflcr. 
•..-' Ii'i 

t""i Anlii* ('iiti-rrr. T«'!ii. MI. I. 1"" ff P'Ti Iiiulrn i» ir unirr AndrrrB 
/ lf , il*»« i!t-r N"i.ir fi.r \l»-rlirifi «I»'* Kii'riniJ*'!! -i'luMi T«**i iini'nir« I II. ** kr. 
tiikum ila*- *Ur llit". wt !«-lii-r i liirlii'li il.i* <i*-!<l wm Wiirzbur;; lir«rh|r i fl 
.*•> kr (M|tr l !*. .{•• kr. n Irr 4 tt. ••rhh-l(. il»«- «Ifin Notar brim Sturx dt*r Uiblio- 
thrk 4 M.f» Willi 111 ji- .M ill l'i-<4ihlt wurili'.i. liii«- riii Yiini |(runneriiiMiH«r 
«nj;« frriiirte* Üiltl «Irr •rinniftlkal'liti'tirn |t>'liif:fruii); Ink:iil*l.i(ir* l fl nn<l der 
K«hin*-n ar*-in»*ii !{■■ kr. kn^d t«* AI« l'r>tl>rti iliiniAlii^fr |lQrhrrprri-r nögva 
AU- ili-m Atim h^fTuM.;-- Y«T#f]«'liniKM- nn^fliiiirt wiTdrii : M«<l«iirh|lii>ii (>prra 21 
VkM i rl . (f«lf!ii iipor.« Hill r|<r Ki-hmu« I** H. l'diriirvNu« l'hilu« . in<i|rnA« Coloa- 
I '••,7 '> ' kr.. iii'«-«-Il.i-M !)«• uriiiHrufn it liuUuum imlirii*. t'olon. I.'k** Skr. Alci 
pH riijfiinitii Ihr «pti^i-rdi '.' • kr. Jiirllu* K|ii|uinr in «phiicraiii Venel. I'*7i »»kr. 
Silmrkir t ••tiitiif ii| in (ffi>t'*iii I f1 !*• kr 

(-:> \rr)i.( >.ii.ir« .i rt < > \ri-li. il. Iiiiv p. III. Nr ". f. 4t. llederer. 
\rT. \\\ II. *« 17 irA^ihu* ^mIi I. .1. \'.-\ htTHu-. Klnfjta rirnntm pr»m* 
< i|-N 'I 'f ft i'iit'THni (nur HurhJrucki'r-Muiii- ili'nn il.i« Ii inzr K<'-|i*bl anf M^kr 
JI . }>t. j. M !.••'• t, |.i>'-*pr i.r f 't, «•■'i-(ii- \ ■*; .\nili>ri<'i «frf.i««! i*nrd«*n wMmi> 

i--. \r.h .1 l -M I I. Nr .. •J7. N .. 1 7'; H. III, 17. MAri !>«.; B, 
IV. !••. ftt^r. 1 .-«J u 1«. .\u« i:*-<>; v uurli IM II. l'rk. Nr. U2. 

\n\*\ II r derer, a. a. 1». >. If*.». 



Zeitr. II, Cap l (1550-1688). 347 

Auch über das Archiv der Universität wurde im Znsammen- 
liaoge mit dem Bibliothek-BciU auf Antrag der herzoglichen Räthe 
i. J. 1586 eine Verordnung erlassen; es soll nemlich das Archiv 
durcli 5 Sclilüssel verwahrt werden, deren einen der Caraerer und die 
übrigen die vier Decane bekommen, ferner soll nicht bloss ein ge- 
naues Inventar aller Urkunden angelegt, sondern auch durch zwei 
Sclireiber von allen Piplomen drei Abschriften genommen werden, deren 
eine dem Herzoge, die zweite dem Senate, die dritte dem Camerer 
zu übergeben ist '*•*"). 

Was endlich das Leben und Verhalten der Studenten betriflft, 
so war zu Anfang dieser Periode die entscheidende Wendung ein- 
getreten, dass die Bursen in Abnahme und Verfall geriethen; denn 
während wir oben (Zeitr. 1, Cap. 13, Anm. 301) noch i. J. 1544 
die Errichtung einer neuen Burse trafen, kann bereits i. J. 1555 
Hieronymus Leicht in seinem Promemoria (s. ob. Anm. 181) nicht 
genug Wehklagen darüber anhäufen, dass die Studirenden nicht mehr 
in Bursen wohnen , wo sie früher möglichst vor allem Verderben be- 
wahrt gewesen seien *^*). Es mag sein, dass in jenen roheren Zeiten 
d;is Alleinwolmen bei vielen Studenten nachtheilig wirkte; aber dass 
auch die Bursen keine Ideale des soliden Lebens waren, geht aus 
den manigfachen Geboten und Verboten hervor, welche sich auf diese 
Einrichtung bezogen. Jedenfalls werden wir es jener Erziehung, 
welche die Jugend aus den Händen eines schlechterdings verwilder- 
ten Klerus emjjfieng, zuschreiben dürfen, wenn (um 1554) ein Stu- 
dent in einem Blatte, welches er ans Georgianum anheftete, es aus- 
sprach, dass die Ingobtädter Studirenden von den Wittenbergern, 
Leipzigern und Tübingern wegen ^^crassa minerva^^ als ^Jn^es coyi- 
stimcre iialr' verspottet werden ^^■). Das Hauptübel war Trunksucht 
und in zweiter Linie, meist als Folge derselben, wüste Kauferei. 
Naclidem schon i. J. 1572 Kector und Senat in dieser Beziehung 
eine ausführliche Ermahnung an die Studenten gerichtet hatten '*^'*), 
erliess der Herzog i. J. 1573 zwei Verordnungen, welche einerseits 



100) Arch. d. Univ. B, III, 17. Mftrz 158G; B, IV, 18. Aug. 1586; 8. auch 
Bd. II, IJrk. 112. 

A\)\) 8. Bd. II, Urk. Xr. 70. In dem Wunsche einer Wicderherätellung 
der Bursen sympathisirt mit Hier. Leiclit natürlich auch Rotmar, s. bei Me- 
derer, Ann., Bd. I, S. XXXIV. 

M)'2) Arch. d. Univ. D, III, Nr. 4, S. 715. 

IDiO Ebend. Nr. 7, f. 11)4 (17. Juli 1552). 



348 ^>^* n, Cap. 1 (1688-1661). 

die Völlerei und andrerseits den Verkehr der Studenten mit dem 
Militär betrafen ^^0. Doch war die allgemeine Haltong keine erfren- 
liche, und aus den Acten entnehmen wir uns eine hinreichende 
Anzahl tödtlicher Baufereien und nächtlicher Tumulte, besonders ans 
den Jahren 1507, 1570, 1574, 1579, in deren erstgenanntem in Folge 
eines der hässlichsten Händel auch die bis dahin im Franciscuier- 
Eloster bestehende Freiung aufgehoben wurde ^^^). Unschuldigerer 
Art war an sich das Jagd-Vergnilgen der Studenten, aber Conflicte 
mit bestehenden Rechten des Landesherren konnten dabei nicht aus- 
bleiben, und es erfolgten daher wiederholt Verbote, die herzogliche 
Wildbahn zu betreten ^^^). Auch anderweitiger Unfug, z. B. nicht- 
liches Schiessen, oder Uebertreibung erlaubter Lustbarkeiten fflhrte 
zu Einschreitungen , und die Fastnachts-Mummerei wurde bald anf 
kOrzere Zeit beschränkt bald gänzlich verboten '*®^). 



Cap. 2. 
Die Periode von 1588—1651. 

Nachdem der Universität in den vorhergehenden Jahrzehenten 
durch den Eintritt der Jesuiten und durch die allmälige Macht- 
erweiterung derselben ein bestimmtes Gepräge aufgedrflckt worden« 
dürfte es fOr die Darstellung des weiteren geschichtlichen Verlaufes 
zweckdienlich sein, vorerst eben diesen nemlichen Faden fortznspinnflOi 
d h. jene Jesuitica vorauszuschicken, welche sich auf die lUge- 
meinen Verhältnisse der Universität beziehen, womit jedoch manche 
Angelegenheiten der philosophischen Facultät, welche zur ausschliess» 
liehen Domäne des Ordens geworden war, so untrennbar verflochten 
sind, dass eine strenge Ausscheidung nur den Qesammt-Eindrock be- 
einträchtigen könnte. 



494) S. Bd. II, Urk. Nr. 69. 

496) Arch. d. Univ. B, IV, 4. Juni 1667; D, lU, Nr. 7, f. 243 n. 370 mrf 0, 
XIII, Nr. 1, 6. Juni 1567; Mederer, Annal. Bd. I, 8. 305 n. Bd. II, B. 18 «. 66; 
o. ob. Anm. *241. 

496) Aroh. d. Univ. D, XIII. Nr. 1, 3. Apr. 1563, 8. Apr. 1673, 12. Jm. 
15fi6, 27. Apr. u. 6. Juli 1588. Vgl. Cap. 2. Anm. 867. 

497) Ebend. 1583, 6. Dec 1584, 11. Man 1587, 11. Febr. 1588; m. D» m, 
Nr. 8| t 75 T. 



Zeitr. II, Cap. 2 (1688-1651). 349 

Herzog Wihelm V setzte auch in seinen letzten Regierungsjahren 
(*- im Febr. 1598 zog er sich in ein frommes Busserleben zurück — ) 
die Kundgebungen jener warmen Liebe fort, mit welcher er stets 
dem Jesuiten-Orden zugethan war. Im J. 1590 bestätigte und er- 
weiterte er die Einkünfte, welche i. J. 1576 sein Vater dem Ingol- 
städter Jesuiten-CoUegium zugewendet hatte (s. ob. Cap. l,Anm. 107), 
d. h. als Ablösung der damals ausgesprochenen Jahresrente von 4000 fl. 
incorporirte er dem Collegium die Einkünfte des ehemaligen Bene- 
dictinerklosters Biburg im ongefähren Betrage von 2400 fl. und ver- 
sprach, die fehlenden 1600 fl. jährlich aus seiner eigenen Cassa zu- 
zuschiessen, wofür er hypothekarische Sicherheit durch das Kloster 
Münchsmünster darbot; ausserdem aber fügte er, da solche Jahres- 
rente nicht mehr genügte, noch jene Hälfte des Zehentes der Moriz- 
pfarrei hinzu, welche bisher Niederaltaich genossen hatte, und über- 
gab den Jesuiten Haus und Oarten, wo sie bisher gewohnt, nebst 
dem neuerbauten Collegium s. Ignatii martyris als freies Eigenthum; 
auch solle der Orden nach dem dereinstigen Tode des Prof. Philipp 
Menzel das von demselben bewohnte Eisengrein*sche Haus zu eigen 
bekommen, um durch Fenster-Nachbarschaft nicht mehr gestört zu 
sein'). Da der Herzog bald hernach (1592) die Einkünfte der Uni- 
versität ansehnlich erhöhte (s. unten Anm. 154 f.), verschrieb er 
gleichzeitig dem dortigen Jesuiten-Collegium ein bei der Landschaft 
anliegendes Capital von 20000 fl. zur völlig freien Verfügung, wovon 
jedoch später (1599) auf Anordnung Herzogs Maximilian die Jesuiten, 
da sie Münchsmünster nun selbst übernahmen , der Universität jähr- 
lich 800 fl. Rente zu bezahlen hatten*). Aber nicht bloss durch 
Geldmittel wollte Herzog Wilhelm seine geliebten Jesuiten unter- 
stützen, sondern er gedachte ihnen auch in den inneren Angelegen- 
heiten der Universität gänzlich zu Willen zu sein; er schickte nem- 
lich in Form eines landesherrlichen Schreibens (2. Juni 1597) einen 
von Richard Haller, dem Rector des Ingolstädter Jesuiten-Collegiums 
verfassten Entwurf an die Universität % welcher einerseits den Unter- 



1) Die ganze Urkunde, deren Einleitung in sohwüUtiger Rhetorik die Ver- 
dienste des Vaters des Herzoges preist, findet sich im Arch.-ConserT. Fase. 20, 
29. Sept. 1590. Bei Mederer, Cod. dipl. 8. 3G4, ist nur jenes Bruchstfiok 
abgedruckt» welches sich auf Biburg und MünohsmOnster bezieht 

2) Erütorea gedruckt b. Me derer a. a. O. S. 36«), letzteres im Aroh. d. 
Univ. AA, I, 26. Apr. 1599 (vgl. Reichs- Archiv, Ingolstadt Gericht, Nr. 23Vt). 

S) Arch. d. Univ. T, Vol. I, f. 90, 92 u. 104. Daai Richard HaUer dar 
Verfasser ist, ü. Bd. II, Urk. Nr. 131 [pM nach dem Anfange). 



350 ZeitT. II, Cap. 2 (1588—1651). 

gang der Universität hätte zur Folge haben müssen und andrerseits 
schon all jene Puncte enthält, in welchen nach Verlauf von zwölf 
Jahren Kector und Senat den Kampf um Wahrung ihrer Stellung 
und Auctorität führen mussten. Der wesentliche Inhalt dieses Jesuiten- 
Machwerkes, welches uns vielfach an die in der vorigen Periode er- 
zählten Streitigkeiten erinnert, ist folgender**): Nachdem die lieber- 
gäbe der philosophischen Facultät an die Jesuiten sichtlich ihre guten 
Fruchte getragen liabe, sei noch weiter über diese Mutter und Pflanz- 
schule der übrigen Facultäten nachgedacht und dabei gefunden wor- 
den, dass, obwohl jene Einverleibung jedes Hindemiss auszuschliessen 
schien, dennoch unterdessen einige Kleinigkeiten vorgekommen seien, 
welche hiemit „für ewige Zeiten** geregelt werden sollen. Die Be- 
stimmungen, welche 16. Dec. 1572 erlassen worden (i. oben Cap. 1, 
Anm. 91), seien nun so zu verstehen, dass jene Ankömmlinge, welche 
keine Zeugnisse ülier Grammatik, Humaniora und Dialektik aufweisen 
können, vom Decane der philosophischen Facultät geprüft werden und, 
wenn sie genügen, mit Decanats-Zeugniss in jede Facultät zuzulassen 
sind, ferner dass ohne Erlaubniss des Jesuiten-Rectors oder seines 
Delegirten kein Student des Cursus in eine andere Facultät über- 
treten darf, was besonders von denjenigen gelte, welche die philo- 
sophische Facultät wegen einer Strafe oder ohne Examen verlassen 
wollen, da solche Studirende überhaupt nicht weiter an der Univer- 
sität geduldet werden sollen. Die Privat- Präceptoren sind betreffs 
ihrer Zöglinge und der Studien derselben den Anordnungen der je- 
suitischen Facultät bei Strafe unterworfen. In keiner Facultät darf 
auch nur das Geringste gedruckt werden, wenn es nicht von der 
theologischen Facultät bezuglich der Orthodoxie und von der philo- 
sophischen bezüglich des lateinischen Stiles approbirt isf^). Der 
Kector des Jesuiten-CoUegiums als „supremum caput et director*' 
der philosophischen Facultät soll bei Fehltritten der Studenten nicht 
etwa als klagende Partei vor den Rector der Universität treten müs- 
sen, sondern der erstere hat alle Streitigkeiten zu entscheiden und 



4) S. Bd. II. Urk. Nr. 119; der Ltvor m5gc dort auch die Raadbemerknn^ 
gen beachten, weiciie der Entwurf bei äoincr Ciroulation gefunden. 

r>) Wer nur einigennassen die einschlügige Littcratur gelesen hat, wird die 
xcheusslichen Unurten des Joäuiten-Lateiiis kennen , wolclies namcntlicli im Uc- 
brauche der Conjunctionen oft das Unglnublieho luiätet. Freilich wurde durch 
die beanspruchte Ccnsur ctwaä ganz amlcros bcubsiclitigt, aU :<tilijtijche Cor- 
rectheit. Vgl. unten Anui. 150. 



Zeitr. II, Cap. 2 0^88-1651). 351 

auf seine Bequisition muss letzterer unbedingt auch Carcerstrafen in 
Vollzug bringen; der Pedell habe dem Jesuiten-Rector mehr Gehor- 
sam zu leisten als dem Universitäts-Kector , weil auch die Zahl der 
Zuhörer der Jesuiten die grössere sei. Im Georgianum soll die Prä- 
sentation zu Stipendien in jenen Fällen, in welchen sie bisher bei 
der philosophischen Facultät stand, vom Jesuiten-Collegiura ausgeübt 
werden. Jene Zöglinge, welche aus dem l^ädagogium entspringen, 
sind durch den Rector der Universität aus der Stadt zu schaffen. 
Endlich „Alles'*, was der Rector des Jesuiten-CoUegiums zur Auf- 
nahme der philosophischen Facultät für passend (opportunum) hält, 
darf von den Jesuiten ins Werk gesetzt werden und nmss seitens des 
Universitäts-Rectors amtliche Unterstützung finden. Als dieser Ent- 
wurf im Senate berathen wurde, bemerkten ' Hunger und Lagus ganz 
richtig, diess heisse die Universität begraben, während der Jurist 
Fachinäus bei der Abstimmung sich an Gregorius de Valentia und 
die übrigen Jesuiten anschloss^'); ein vortreffliches Gutachten abergab 
der Jurist Giphanius (ein sehr eifriger Katholik, s. unten Anm. 233) 
dahin ab, dass, wenn Gedeihliches geleistet werden wolle, der ganze 
Universitäts-Körper und nicht ein einzelner Theil desselben gepflegt 
werden müsse, nun aber seien es seit einiger Zeit die Jesuiten, welche 
ausscliliesslich das Ohr der Regierung für sich hätten und allein in 
Ehren stünden, während die Uebrigen , wenn auch noch so tüchtig, 
in Verachtung bei Seite gesetzt werden ; wer irgend eine Beförderung 
oder dgl. anstrebe, müsse sich nicht etwa an den Herzog, sondern an 
die Jesuiten wenden, und wer denselben sich nicht füge, gelange 
nicht nur zu Nichts, sondern müsse auch fürchten, fortgeschickt zu 
werden, daher Niemand melir sich getraue, entweder Nützliches vor- 
zuschlagen oder Schädliches zu tadeln; vor Allem solle die philo- 
sophische Facultät mit weltlichen Mitgliedern vermischt werden, denn 
dann wäre es möglich, dass z. B. einmal auch ein Mediciner oder 
ein Vertreter des Griechischen über das Organen lese oder der Insti- 
tutionist sich auf Rhetorik und Ethik verlege, so dass zeitweilig selbst 
eine Ersparniss an Besoldungen eintreten könne; auch würde durch 
die Aussicht auf Anstellung und Beförderung gewiss die Zahl der 
Studirenden vermehrt werden, und fähige junge Leute gebe es in 
Bayern in genügender Menge; Mathematik, politische Geschichte, 
Rhetorik und Humaniora seien an einer Universität wahrlich noth- 
wendige Lehrgegenstände, und auch an anderen Universitäten lasse 

i)} S. Hd. II, ürk. Nr. 131 (an verschiedenen Stellen), 



man weltliche I^hror in der philosophischen Facultlt zu: bei das 
Je<*uiten zu h^ren, M'ien vieli> Studirende ^'rundüätzlich ubgeneigt, nnd 
der t>eständiKe Wechsel der je>iiitist'hen Professoren sei gleichhib 
kein Vortheil : endlich sei durrh die gegenwärtige Besetzung der 
Universität die Kectür^wahl immer auf zwei bis drei Personen be- 
schränkt, und auch mi Senate mnche sich oft ein Tehergewicbt der 
jesuitiM*hen Stimmen fühlbar 'i. her Kntwurf des Jesuiten-Rcctofi 
bliidi zum lihicke der l'niversitAt unaus^^efiihrt. 

Auch eine andere Hinrichtung, welche Herzog Wilhelm ins Leben 
gerufen hatte, wurde vun den Hetheili^'ten nicht in gleicher \Wme 
wie von dem Üegrflnder mit günstigem Auge angeschaut, nemlieh 
in da.M i. J. \b^7t hergestellte Si§niwtnHm rrl'ujinsormH ^ d. h. C*un- 
• ii7m> a ItjHuttt Mfutt^n.s ts. oben Cap. 1 , Anm. 115 IT. u. 229j 
entsendete nur mehr die Hälfte der Prälaten je einen oder zwei Coo- 
\entualen. wAhrmd die übrigen entweder gar nie sich hetheiligt oder 
bald ihre Angehörigen wieder zunickgerufen hatten**). Doch f«blU 
e» auch nicht an anderweitigen Jesuiten-Freunden, und i. J. 1600 
gründete der Ke^ensburger Probst Quirinus Leoninus*), uro einem 
Tridentiner Be^ililusse , wornnch in jeder I>iCk:e>e ein Seminar her« 
gfstellt werdm >ollte. möglichst Geniige /u thuu. aul eigene Kosten 
das StmuiunioH rlnu'ontm sauet i lltviOHi/mt^ in welches unter Aufsicht 
und Verwaltung der Jesuiten arme Jünglinge aus „Germania snperior** 



7) S. Bd. 11, Trk St. 120. 

Hl Ein ftua den Jiibrrn |.V.N;~ir,<jn uni erhnlt^nei Veneichni«! i Arrh -T« 
Vm^t^ 1 1 ), wrlrhrm mehrere Enlif KuldigunK«4c)ireib4'n T^nchiedener Aebt« «ovi« 
biiiwirdenim Itrici^ltehe Muhnl-riefe b€*igi*rQKt ^ind, fibc an« die Nutii, dmn 7 
Klüilrr (Uiir«. Welienbur|c, AUt, UutUicM, AUomOnoter, li«rnried, MaUendorO 
lieh «Celt iprud vtrhulien hatten, «owie 17 (Tc*f(«rnife, SchaftliirB, BtfihArtiag, 
Bl Veit. Rott, Kar«lenielt, Keirher«berg, Stein f(iiili*n, Weihen-tephan, PoraiKArh, 
Nea*tiit b. Frei«inK, I>ie4«en, St. NicoLiu« b. Pii'«iiu, A*b«rb. licaerberf. Thie^ 
le«. lierchte^i^en ) ihre fouventUiilen wieilrr curüekriefeB and ni« mehr vHelM 
Khiekten; 2\ hin|(e|(en betheiligten «ich während jener .Uhrt «a den draw- 
aariua Haunburg. Kantilioren. Srhe}ern, Thierhaupten, Andech« Rohr, Aid«n- 
barh, 8t. Knmeran. Metten, Oberaltaich, Niederaltaich, Windberg. Indertdorf, 
lUilenhatUrh. Kuitenburh, l'ulling, Kllal, Kflr-lenfeM, Wevem, Priefning, Wtt- 
•obran, O-terhofen. Benediciteuern, Seeon) — l'cbrigeni beiahlt« die Üaiwr* 
•lUti-Camer lur Lrbaltunic d«r Aula de« Alberltnum« jAhrlieb ti4) fl. (Areh. d. 
Uaif. T, I. l>ec. I:.1>n|. 

'V Kr war früher Kriieher der herioglichen Prinieo gt veirn und ibCe da- 
her Buch iBannigfarheB KinfluM bei iierufungen a. dgl. au«, i J IÜ16 tnil ar 
hfucbbetagt Buch ia den Je«uiten-OrdeB und starb i. J. 1C'J3. 



Zeitr. II, Cap. 2 (1588—1651). 353 

aufgenommen werden sollten, welche an der Universität Philosophie 
und Theologie studirten; im Falle der Wahl eines anderen Berufes 
mussten sie das Genossene zurückbezahlen, auch bestimmte der Stifter 
in vorsichtiger Weise, dass wenn etwa einmal die Jesuiten aus In- 
golstadt fortziehen würden, der Bischof von Regensburg gemeinsam 
mit dem Regenten Bayerns die Sache fortführen solle*®). 

Die directe Gefahr, welche durch die Jesuiten in den letzten 
Regierungsjahren Herzog Wilhelm's V dem inneren Wesen der Uni- 
versität stets gedroht hatte, verringerte sich einigermassen unter 
seinem Sohne und Nachfolger Maximilian I, welcher, obwohl selbst 
ein Jesuiten-Zögling fs. unten Anm. 72), nicht die gleiche unmittel- 
bare Hingabe an den Orden bethätigte, sondern namentlich im An- 
fange seiner Regierung unterstützt von tüchtigen Räthen eine posi- 
tive Förderung der Pläne der Jesuiten unterliess. Nachdem die Je- 
suiten schon in den vorhergehenden Jahren ihre üblichen Neckereien 
fortgesetzt hatten, indem sie (1593) ihren Zuhörern den Besuch der 
öffentlichen Vorlesungen verboten oder die Censur aller akademischen 
üelegenheitsschriften für sich allein beanspruchten oder die Vorle- 
sung, welche ein gewisser Dr. Treytwein über die ihnen verhasste 
„Dialektik*' (s. oben Cap, 1, Anm. 94 ff. u. 369) hielt, nur als 
Privat-Repetition gelten Hessen ") , machte Herzog Maximilian bald 
nach seinem Regierungs-Antritle in der That einen Anlauf, entschie- 
dener durchzugreifen, indem er (Nov. 1598) die Professoren Alb. 
Hunger, Lagus u. Phil. Menzel (nöthigen Falles als ihre Ersatz- 
männer Stevart und Denich) zu Inspectoren der philosophischen Fa- 
cultät und des Georgianums ernannte ( — letzteres war schon i. J. 
1593 der Facultät entrückt worden, s. unten Anm. 333 — ) und zu- 
gleicli befahl, dass täglich eine Vorlesung über Rhetorik gehalten 
werden müsse ; doch es scheinen gegentheilige Einflüsse (wohl seitens 
des Vaters des Herzoges) sich erfolgreich geltend gemacht zu haben, 
denn schon nach einigen Wochen wurde jenes Inspections-Amt ledig- 
lich auf die Verwaltung des Georgianums beschränkt"). Hingegen 

10) Das Original der Stiftungs-Urkunde im Reichs-Archiv, Ingoist., Jesuiten, 
Fase. 2, 1600. Arch.-Conserv. Fase. 20, Sept. IGOO. Disciplinar-Satzungen des 
Institutes im Reichs-Archiv a. a. 0. Faso. 7, 1609. 

11) Arch. d. Univ. 0, 11. Dec. 1593 u. 0, I, Nr. 4, f. 40 v. u. D, III,- 
Nr. 8, f. 355. 

12) Reichs-Archiv, Jesuitica, Ingoist., Faso. 73, Nr. 1373, Visitation v. 
1598, f. 78 V.; Arch. d. Univ. B, IV, 6. Nov. u. 24. Dec. 1598; 0, I, Nr. 4, f 
r)3; (Mederer. Annal. Bd. II, 8. 158). 

P r a n 1 1 , Geschichte der Univergitat Mfinchen I. 23 



354 Zeitr. IL Cap. 2 (1588-1651). 

erhielten im folgenden Jahre (1599) die Jesuiten wenigstens den 
Auftrag, ihre Professoren nicht allzu häufig und rasch zn wechseln 
(vgl. Cap. 1, Anm. 51), wenn auch der Vorschlag der herzoglichen 
Käthe nicht durchzudringen vermochte, dass zwei oder drei weltliche 
Professoren in die philosophische Facultät aufgenommen werden soll- 
ten, um eine Vertretung der Mathematik, Ethik, Bhetorik, Geschichte, 
Poesie sowie des Griechischen und des Hebräischen zu ermöglichen '^). 
Letzterer Wunsch wurde, nachdem die Jesuiten (1600j die Vorlesun- 
gen Aber Dialektik kurzweg abgeschafft hatten, i. J. 1602 von den 
Käthen des Herzoges abermals betont, indem dieselben wenigstens 
für Khetorik, Logik und Ethik weltliche Lehrer beantragten, weil viele 
Studirende diese Gegenstände bei den Jesuiten überhaupt nicht hören 
wollten'^). Ja es scheint hierin dieses Mal der Herzog zu einer 
Nachgiebigkeit bereit gewesen zu sein ; wenigstens Hess sich der von 
den Jesuiten umgarnte greise Herzog Wilhelm herbei, aus seiner 
frommen Müsse herauszutreten und in einem an seinen Sohn gerich- 
teten Promemoria (auf welches wir öfters zurückkommen werden) die 
Ansicht auszusprechen, dass die Bestellung weltlicher Mitglieder der 
philosophischen Facultät ein ganz vergebliches Unternehmen sei, weil 
solche Lehrer keinen Zuhörer finden würden ausser ihren Famulus 
und etwa ihren Hund ueben sich auf der Kathedra; auch würde 
durch derlei Vorlesungen die Disciplin der Jesuiten geschädigt wer- 
den, und die Uebung der Disputationen und Declamationen sei von 
Weltlichen überhaupt nicht zu erwarten; endlich sei nicht zu fiber- 
sehen, dass die Jesuiten unentgeltlich lesen '^). Ein drittes Mal aber 
wurde das Verlangen, dass Khetorik, Dialektik, Ethik und insbeson- 
dere für Juristen Geschichte von weltlichen Professoren vorgetragen 
werde, durch einen Commissions-Bericht i. J. 1607 dem HenEOge. 
dargelegt*^), jedoch man konnte sich offenbar zu keinem positiven 
Vorgehen gegen die Jesuiten entschliessen. 

Unterdessen war seitens der Jesuiten nicht bloss (1605) jenes 
Verbot erneuert worden, welches den Zuhörern derselben jede andere 
Vorlesung verschloss, sondern der Kector des Jesuiten- C!ollegiums 



13) Arch. d. Univ. B, IV, 23. Juli u. lL>. Aug. 1599. 

14) Mederer, a. a. O. S. ir>4. (Kin Jesuiton-Outacliten betreffs Abtcbaf- 
fung der Dialektik im Reichs-Arcbiv a. a. O., gel). Bd., f. (>r>). Archif-ConserT. 
Tora. IV, f. 123 (18. Apr, 1(;02). 

ir>j S. Bd. 11, Urk. Nr. 123. 

1(J) Arch.-Consorv. Fase. 3, 7. Mai u. 10. Aug. lt>ü7. 



Zeitr. II, Cap. 2 (1588—1651). 355 

(Ant. Welser) hatte auch (1606) das Verlangen gestellt, dass die 
Zahl der den Senat besuchenden Ordens-Mitglieder auf acht erhöht 
werde, wobei der Senat auf eine erste Abweisung des Gesuches noch 
eine zweite folgen zu lassen genöthigt war'^). Dazu kam nun i. J. 
U)08 die Wiederaufnahme jenes empfindlichsten Streitpunctes, welcher 
schon in der vorhergehenden Periode eine grosse Rolle gespielt hatte, 
iiemlich während die Jesuiten das Recht der Ausschliessung eines 
ihnen untauglich scheinenden Studenten als eine Ausübung der Dis- 
ciplin für sich beanspruchten, sprach ihnen der Senat rundweg alle 
Jurisdiction jeder Art und somit auch das Exclusions-Recht ab ^®). 
Hieraus entbrannte neuerdings der alte Streit in grösserer Ausdeh- 
nunj(. Die Jesuiten nemlicli richteten zunächst am 2. Apr. 1609 
eine ausführliche Darle.i^ung ihres Standpunctes an den Senat, wobei 
sie hervorhoben, dass es sich lediglich um ihre wohlerworbenen Rechte 
handle, zu welchen die Leitung der philosophischen Facultät sowohl 
betretVs der Studien als auch bezüglich der Disciplin, und folglich 
auch das Recht der Exclusion gehöre; es solle hiemit der Jurisdiction 
des Universitäts-Rectors kein Eintrag geschehen, denn demselben seien 
auch die Schüler der Ordensmitglieder unterworfen, und er könne 
sie bestrafen, wie er wolle, wofern nur ebenso die „Freiheit'' des 
Jesuiton-Collegiums bewahrt bleibe; die Begründung der angeblichen 
Hechts-Ansprüche stützten die Jesuiten auf eine möglichst sophistische 
Interpretation der betreffenden Stellen der herzoglichen Erlasse v. 
10. Dec. 1572, 26. Nov. 1576 und 27. Jan. 1588 (s. oben Cap. 1, 
Anm. DO ff., 104 u. 128), sowie auf einen erläuternden Ausspruch 
der herzoglichen Commissare vom 10. Febr. 1573, welchen weder 
der akademische Senat je gesehen hat (s. unten Anm. 24 u. 31) 
noch auch der Geschichtschreiber der Universität zu entdecken ver- 
mochte*^). Die Antwort der Universität (8. April) lautete, eine 
Jurisdiction der Jesuiten über die Studirenden könne nie zugegeben 
werden und sei auch nie geübt worden, wenn nicht mit eigens er- 
theilter Erlaubniss oder etwa „clam"; die Jurisdiction des Universi- 
tilts-Rectors könne weder durch willkürliche Exclusion geschmälert 
noch nach Dillinger Weise auf den Jesuiten-Rector derartig über- 



17) Arch. (1. Univ. O, I, Nr. 4, f. G8 v.; T, Vol. n, f. 1—4; D, III. Nr. 13, 
8. ?,2't ff., '^V^, S13; s. luioli Bd. 11, Urk. Nr. 131 (vgl. den herzoglichen Erlass 
V. n;. Der. ir)72 oben (Jap. 1, Anra. 90 ff.) 

IS) Ebend. I), III, Nr. 15, f. 30 ff. u. 41. 

\\)) S. Bd. II, ürk. Nr. 127. 

23* 



356 Zeitr. II, Cap. 2 (1588—1651). 

tragen werden, dass ersterer ohne weitere Verhandlung nur vollziehen 
mfisste, was letzterem beliebe; in die innere Einrichtung der philo- 
sophischen Facultät mische sich der Senat nicht, aber man erwarte, 
dass auch die Jesuiten »ihrerseits die Rechte der Universität unange- 
tastet lassen'^). Zugleich berichtete der Senat an den herzoglichen 
Canzler (Donnersberg) über die masslose Prätension der Jesuiten und 
erhielt umgehend die Zusage, dass die Privilegien der Universität 
geschützt werden sollen*^). Die Replik aber der Jesuiten (30. Mai) 
gieng dahin, dass sie mit ihren Ansprüchen auf die Befugniss, Stu- 
denten auszuschliessen, vollständig im Recht seien und daher trotz 
aller Freundschaft und Friedensliebe nöthigen Falls dieses ihr Recht 
ausüben werden**), worauf der Rector der Universität in schneiden- 
der Schärfe erwiderte, diese Hartnäckigkeit errege höchlichstes Stau- 
nen und zeige nur den vorbedachten Plan der Jesuiten, die Univer- 
sität zu stürzen (evertendi) und zur Schmach der weltlichen Profes- 
soren die ganze Herrschaft an sich zu reissen, kurz es sei ein uner- 
trägliches und „Skandal'' erregendes Unterfangen, und nie werde der 
Senat dulden, dass eine Facultät unter dem Verwände der Disciplin 
die Jurisdiction usurpire, denn was ein Glied der Universität sei, 
dürfe nicht Haupt sein wollen, und Eintracht könne nur bestehen, 
wenn dieses richtige Verhältniss auch durch Thaten bekräftigt werde *^), 
In gleichem Sinne schrieb die Universität an den Canzler des Her- 
zoges, es handle sich darum, ob die philosophische Facultät rnem- 
brum universitatis oder ein separatum corpus sein solle, und abge- 
sehen von der Sophistik, mit welcher die Jesuiten die älteren Er- 
lasse zu ihren Gunsten interpretiren , wisse man jedenfalls von jener 
angeblichen Erklärung vom 10. Febr. 1573 schlechterdings Nichts"). 
Nun hielten es die Jesuiten (Oct. 1609) für gerathen, vorläufig einen 
Rückzug anzutreten, indem sie erklärten, dass sie nicht Jurisdiction, 
sondern ihre berechtigte Disciplinargewalt beanspruchen**), und der 
Herzog